5. Auf sich selber achten

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Haben Ihre Angehörigen Ihnen auch mitgeteilt, wenn sie Zeit für sich selbst brauchten?

Ja, meine Frau hat das sehr wohl gemacht. Sie hat mich im Krankenhaus besucht, und wie ich dann zu Hause war, war sie auch immer für mich da. Aber sie hat auch darauf geschaut, dass sie ihren Freiraum hat, und es ist ganz wichtig. Ich habe ihr diesen Freiraum selbstverständlich auch gegeben und diesen Freiraum gelassen. Es war ganz wichtig, dass sie auch weggehen konnte, dass sie Zeit für sich in Anspruch nehmen konnte. Denn ich kann mir vorstellen, dass es während meiner Erkrankung Phasen gegeben hat, wo ich doch ziemlich anstrengend war. Und da hat sie auch Erholung gebraucht, eine Auszeit gebraucht. Und das ist ganz, ganz notwendig. Und das würde ich auch allen Angehörigen raten: Wenn Sie Ihren Gatten, Ihre Kinder oder wen auch immer pflegen: Sie dürfen nicht ganz in der Pflege aufgehen. Es ist ganz wichtig, dass Sie auch einmal abschalten können und Ihre Batterien neu aufladen. Sie dürfen sich selbst nicht vergessen.

War es für Sie in Ordnung, wenn Ihre Angehörigen mit anderen über Ihre Situation gesprochen haben?

Wenn meine Angehörigen über mit anderen über meine Situation oder über ihre Situation, über ihre momentane gesprochen hat, war für mich kein Problem.

Ich habe aus meinen Status, aus meiner Erkrankung nie einen Hehl gemacht. Alle konnten wissen, wie es um mich steht und so war es für mich kein Problem.

Nehmen Ihrer Erfahrung nach viele Angehörige Hilfe von außerhalb in Anspruch?

Meiner Erfahrung nach nehmen nicht viele Angehörige Hilfe von außen in Anspruch. Meine Frau hat z.B. keine Hilfe von außen in Anspruch genommen, und von der Selbsthilfegruppe her weiß ich, dass das nur vereinzelt passiert. Ich weiß nicht genau, warum das der Fall ist, aber ich denke, Sie als Angehörige sollten keine Scheu haben, zu Psychologen zu gehen.

In den meisten Krankenhäusern gibt es Onkopsychologen. Gehen Sie ganz einfach hin, sagen diesen Spezialisten, was Sie am Herzen haben, und die helfen Ihnen sehr, sehr gerne. Und Sie werden sehen: Sie tun sich anschließend wesentlich leichter, nachdem Sie diese Hilfe in Anspruch genommen haben.

Das Wohlergehen der Angehörigen

Die Diagnose Krebs trifft nicht nur die/den Erkrankte/n, sondern auch die nahestehenden Menschen. Insbesondere Familienmitglieder können einem enormen psychischen Druck unterliegen, mit dem sie nicht immer allein zurechtkommen.

Sollten Angehörige ihrem erkrankten Familienmitglied mitteilen, wenn sie Zeit für sich selbst brauchen?

Angehörige von KrebspatientInnen sollten unbedingt darauf schauen, dass sie ausreichend Freiraum haben, und diesen auch einfordern. Durch ihre Funktion in der Unterstützung der Betroffenen sind sie stark gefordert und brauchen Zeit, sich selbst zu regenerieren.

Ist es für die Betroffenen in Ordnung, wenn ihre Angehörigen mit anderen über ihre Situation sprechen?

In der Regel ist es für Menschen mit Lungenkrebs kein Problem, wenn Familienmitglieder mit anderen über ihre Erkrankung sprechen. Es ist auch ganz wichtig, dass die Angehörigen sich austauschen und einmal alles von der Seele reden können.

Nehmen viele Angehörige Hilfe von außerhalb in Anspruch?

Leider nutzen nur wenige Angehörige entsprechende Hilfsangebote. Wichtig ist, zu verstehen, dass es kein Zeichen von Hilflosigkeit und Schwäche ist, sich Unterstützung zu suchen. Vielmehr geht es darum, belastbar zu bleiben, um dem/der KrebspatientIn weiterhin helfen zu können.

Geeignete Ansprechpartner sind beispielsweise

  • die Onko-PsychologInnen in den Kliniken,
  • Selbsthilfegruppen für Angehörige oder
  • einschlägige Internetforen.
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Was haben Sie und Ihre Angehörigen in dieser Zeit gemacht, um Kraft zu schöpfen?

Meine Angehörigen und ich haben in dieser Zeit gemeinsam viel unternommen. Ich habe mit meiner Frau viel gemeinsam unternommen, mit meinen Kindern, die auch mit einbezogen. Wir haben über Zukunftspläne gesprochen, und das hat uns Mut gemacht. Und aus dieser Gemeinsamkeit haben wir auch sehr viel Kraft geschöpft, um diese Situation gemeinsam gut meistern zu können.

Worauf sollten Angehörige achten, um selbst nicht zu kurz zu kommen?

Es ist gut, wenn sich die Angehörigen um die Betroffenen kümmern, wenn sie ihnen hilfreich zur Seite stehen. Aber die Angehörigen dürfen nicht vergessen, auch auf sich selbst zu schauen, sich selbst einmal Auszeit zu nehmen, einmal wegzugehen, weg von Zuhause, weg vom Angehörigen, weg vom Betroffenen und in dieser Auszeit auch auszuspannen, einmal ins Kino zu gehen, sonst irgendwo hinzugehen und einmal richtig abzuschalten. Es ist vielleicht auch gut, einmal ein Wochenende wegzufahren und die Pflege jemand anderem zu überlassen. Und es ist auch ganz wichtig, Zeit zu finden, um wieder Kraft zu tanken, damit man gemeinsam diese schwierig für beide schwierige Situation meistern und erledigen kann.

Ressourcen und Kraft stärken

Die Bewältigung einer Krebserkrankung fordert sowohl den PatientInnen als auch ihren Angehörigen einiges ab. Um durchhalten zu können, ist es wichtig, die eigenen Batterien immer wieder aufzuladen.

Was können Lungenkrebs-PatientInnen und ihre Angehörigen tun, um Kraft zu schöpfen?

Eine gute Möglichkeit, die eigenen Ressourcen aufzutanken, ist es, immer wieder etwas zusammen zu unternehmen und die Erkrankung dabei in den Hintergrund treten zu lassen. Über gemeinsame Zukunftspläne zu sprechen macht Mut und hilft über schwierige Zeiten hinweg.

Worauf sollten die Angehörigen achten, um selbst nicht zu kurz zu kommen?

  • Es ist gut, wenn die Angehörigen die KrebspatientInnen unterstützen und ihnen hilfreich zur Seite stehen. Dabei dürfen Sie aber nicht vergessen, auch auf sich selbst zu achten.
  • Es ist wichtig, sich immer wieder Auszeiten zu nehmen, alles hinter sich zu lassen und einmal richtig abzuschalten. Oft reicht schon ein längerer Spaziergang, um wieder zu sich zu finden und die Energien aufzuladen.
  • Viele Angehörige sind bereit, sich total zu verausgaben. Langfristig ist damit jedoch niemandem geholfen. Jeder braucht Pausen, um neue Kraft zu tanken. Keiner kann ständig auf Hochtouren laufen, ohne sich selbst zu schaden.

 

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Was hat Sie dazu bewegt, im Rahmen einer Selbsthilfegruppe aktiv zu werden?

Der Onkologe, der mich behandelt hat, hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass es in Österreich keine Selbsthilfegruppe für Lungenkrebs-Patienten gibt und hat mir nahegelegt, so eine Gruppe zu gründen. Er hat mir auch Hilfe angeboten. Einige andere Ärzte haben mir dabei geholfen, und auch Hilfe von der Pharmaindustrie habe ich bekommen, um diese Selbsthilfegruppe ins Leben zu rufen. Aber ganz wichtig war für mich, dass ich meine Erfahrungen, die ich gemacht habe, anderen Betroffenen weitergeben kann, dass ich anderen Menschen helfen kann, wenn sie sich helfen lassen wollen, das ist natürlich auch ganz wichtig. Das war für mich ausschlaggebend.

Und es macht mich schon stolz, wenn ich zurückdenke an die Zeit, dass es doch sehr viele Menschen waren, die in diese Gruppe gekommen sind, die noch immer da sind, die hier und da kommen, die anrufen und Hilfe bekommen, Hilfe erwarten, sie bekommen. Manche nehmen sie an, manche nicht. So ist halt das Leben. Aber es ist sehr schön, anderen Menschen helfen zu können und sie an der Erfahrung, die man selbst gemacht hat, teilhaben lassen zu können.

Können auch Angehörige zu Treffen von Selbsthilfegruppen kommen?

Für Angehörige ist das Treffen in Selbsthilfegruppen sehr, sehr wichtig, denn die Angehörigen können sich dort auch austauschen. Die Angehörigen können auch sehen und erfahren, wie es anderen Betroffenen geht. Daher sind diese Angehörigen selbstverständlich immer willkommen in der Selbsthilfegruppe. Sie sind nicht nur willkommen, wir wollen auch haben, dass die Angehörigen kommen. Und wenn Betroffene alleine kommen, ersuchen wir immer, das nächste Mal die Angehörigen auch mitzunehmen, denn sie sind für die Genesung ganz, ganz wichtig. Und sie gehören ja sozusagen zum Team dazu.

Was können Sie Angehörigen raten, um Unterstützung zu bekommen?

  • Für Sie als Angehörige ist es ganz wichtig, dass Sie einmal mit den Ärzten reden. Dort bekommen Sie Unterstützung.
  • Versuchen Sie auch Unterstützung von den Onkopsychologen in den einzelnen Spitälern zu bekommen.
  • Und ganz wichtig ist auch der Erfahrungsaustausch in der Selbsthilfegruppe. Da können Sie nicht nur mit Spezialisten reden. Da reden Sie auch mit Betroffenen, die Ihnen aus erster Hand sagen können, wie es ihnen ergangen ist. Und da reden Sie auch mit Angehörigen. Da erfahren Sie aus erster Hand, wie diese Menschen mit der Krankheit Ihrer Liebsten umgegangen sind. Und das finde ich ganz, ganz wichtig. Und das würde Ihnen auch sehr viel Unterstützung bringen.

Unterstützung finden

Der Austausch mit Menschen in der gleichen Situation kann nicht nur KrebspatientInnen helfen, sondern auch ihren Angehörigen. Selbsthilfegruppen sind hierfür ideale Ansprechpartner.

Was bewegt Menschen dazu, im Rahmen von Selbsthilfegruppen aktiv zu werden?

Der Erfahrungsaustausch mit anderen Erkrankten ist gerade bei Lungenkrebs sehr nutzbringend. Selbsthilfegruppen bieten (ehemaligen) KrebspatientInnen die Möglichkeit, ihre Erfahrungen weiterzugeben und anderen Betroffenen damit zu helfen.

Können auch Angehörige zu Treffen von Selbsthilfegruppen kommen?

In den meisten Selbsthilfegruppen sind Angehörige sehr willkommen, da sie einen äußerst wichtigen Beitrag zur Genesung leisten. Viele Gruppen, so auch das Lungenkrebsforum Austria, möchten sie auch ausdrücklich dabei haben und ersuchen KrebspatientInnen, die allein kommen, ihre Angehörigen beim nächsten Mal mitzubringen.

Was können Angehörige tun, um Unterstützung zu bekommen?

Wichtige AnsprechpartnerInnen sind die behandelnden Ärzte und Ärztinnen und die Onko-PsychologInnen in den Kliniken. Zudem ist der Erfahrungsaustausch in der Selbsthilfegruppe von großer Bedeutung. Dort können die Angehörigen nicht nur mit SpezialistInnen reden, sondern mit selbst Betroffenen, die aus erster Hand von ihren Erfahrungen berichten können.

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Geprüft Franz Buchberger: Stand 19.11.2020 | AT-4214

Die Kurse sind kein Ersatz für das persönliche Gespräch mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt, sondern ein Beitrag dazu, PatientInnen und Angehörige zu stärken und die Arzt-Patienten-Kommunikation zu erleichtern.

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