4. Gemeinsam den Lebensstil anpassen

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Inwiefern kann man den Lebensstil bei Lungenkrebs verändern? Wie können Angehörige PatientInnen bei der Raucherentwöhnung unterstützen? Worauf kann man gemeinsam beim Essen achten? Der Betroffene und Patientenvertreter Franz Buchberger beantwortet die wichtigsten Fragen zum Thema:

Worauf haben Sie bei Ihrem Lebensstil geachtet?

Ich habe versucht, meinen Lebensstil zum Besseren zu ändern, und ich habe mir gedacht: „Das Leben ist doch viel zu kurz, um irgendetwas Schlechtes zuzulassen.“ Und ja, ich habe mir gedacht: „Alles was gut tut, tut gut.“ Und das wollte ich auch tun: Unnötiges weglassen, alles was belastend ist, auch weglassen. Und ich finde, es ist ganz wichtig.

Ich habe für mich auch neue Ziele und neue Möglichkeiten definiert und auch einiges in meinem Leben geändert und versucht, wirklich nur mehr das zu tun, was auch Freude macht.

Und viele Angewohnheiten, die nur mehr Routine waren, die man gemacht hat, weil sie halt gemacht werden mussten, sollten, oder man hat sie halt gemacht, weil man es immer gemacht hat, das überdenken, und das hab ich gestrichen. Ich habe wirklich mir vorgenommen: „Ich mach nur das, was Freude macht.“ Vieles ist mir gelungen, einiges wird natürlich im Laufe der Zeit wieder zur Routine. Aber ich denke, man gewöhnt sich dann im Laufe der Zeit an, die guten Dinge des Lebens zu sehen und Freude auch am Leben zu haben. Das ist ganz wichtig.

Sind Sie weiterhin verreist?

Ja, ich bin verreist. Als Belohnung nach der überstandenen Krankheit habe ich mit meiner Frau eine Reise gleich nach Dubai unternommen. Ich wollte dorthin, wo Sonne scheint, wo es warm ist. Und das war damals im November. Das war in Europa nicht der Fall. Daher war es in Dubai der Fall. Dort sind wir hingeflogen. Und auch in späterer Folge hat mich diese geheilte Krankheit nicht davon abgehalten, zu verreisen, egal wohin auch immer.

Warum, habe ich mir gedacht, soll das meine Freude am Leben und meine Freude daran, irgendetwas zu sehen und etwas zu erleben, warum soll das geschmälert werden? Das Leben soll genossen werden. Wie auch immer. Das ist eine ganz wichtige Sache, trägt zur Genesung bei.

Welchen Einfluss hatte die Erkrankung auf Pläne für die Zukunft?

Meine Zukunftspläne habe ich selbstverständlich aufgrund der Krankheit überdenken müssen. Das war eine ganz wichtige Sache, wichtige Entscheidung. Und es hat sich herausgestellt für mich, dass ich Pläne hatte, die eigentlich nicht notwendig waren. Und ich bin darauf gekommen: Es ist ganz wichtig, einige wenige Ziele zu definieren, die es wert sind, dass man dafür kämpft, dass man diese Ziele erreicht. Und das habe ich mit meiner Familie auch gemacht für mich, für meine Familie. Und nach diesen Zielen, nach diesen großen Zielen lebe ich jetzt auch, lebe ich jetzt mit meiner Frau, mit meiner Familie. Und ich glaube, das hat sehr, sehr gut funktioniert.

Meine Pläne bezüglich der Familie war zum Beispiel, was meine Enkelkinder betrifft. Ich wollte, dass meine Enkelkinder nicht nur einen Großvater, einen Opa haben und oder zu irgendwem Opa sagen, sondern dass sie auch wirklich einen Opa haben, der sich mit ihnen beschäftigt. Und das war ein ganz großes Ziel von mir, ein Plan von mir: „Ich werde mich mit meinen Enkelkindern beschäftigen!“, und das habe ich auch getan. Das mache ich auch jetzt noch. Die sind mir sehr, sehr viel wert, denn sie haben mir auch geholfen, über die Krankheit hinwegzukommen. Das ist ganz, ganz wichtig. Z.B. mein Enkelsohn ist jetzt 18, der ist Motorradfahrer so wie ich. Mit dem habe ich voriges Jahr eine Österreich-Rundfahrt mit dem Motorrad gemacht, und das hat uns beiden große Freude gemacht.

Ein großes Ziel oder ein großer Plan war es auch, mit meiner Frau mit dem Motorrad in Europa große Reisen zu machen. Drei vierwöchige Reisen haben wir gemacht.

Ich glaube, es ist ganz wichtig, wenn man Pläne hat, dass man, dass man das gerne macht, dass man brennt für einen Plan, für eine Tätigkeit. In dem Augenblick, wo dieses Feuer weg ist, wo die Glut nur mehr so dahinglost, das, was man nicht mehr gern tut, das sollte man lassen.

Ich habe alles für die Zukunft, was ich nicht gerne mehr gemacht habe, was für mich nur mehr eine Verpflichtung war, das habe ich gestrichen und gesagt: „Nein, das mache ich nicht mehr. Ich mache von jetzt an nur mehr Dinge, die ich gerne mache, die mir Freude bereiten. Alles, was nur mehr Verpflichtung ist, wird gestrichen.“

Unser Lebensstil

Durch eine Anpassung des Lebensstils können KrebspatientInnen den Heilungsprozess unterstützen. Worauf sollten sie dabei achten und wie wirkt sich die Erkrankung auf die Zukunftsplanung aus?

Worauf sollten Menschen mit Lungenkrebs hinsichtlich ihres Lebensstils achten?

Freude am Leben

Freude am Leben zu haben kann beinhalten, die guten Dinge im Leben in den Vordergrund zu rücken und wegzulassen, was belastend ist. Auf alte Angewohnheiten zu verzichten, die nur noch aus Routine gemacht wurden, schafft Platz für neue Möglichkeiten und Zielsetzungen.

Zukunftspläne

Die Konfrontation mit der Krankheit und der Endlichkeit des Lebens bringt viele der PatientInnen dazu, ihre Zukunftsplanung zu überdenken. Sie planen bewusster und setzen sich lieber einige große Ziele, für die es sich zu kämpfen lohnt, als eine Vielzahl unwichtiger Projekte zu verfolgen.

Können Lungenkrebs-PatientInnen auch weiterhin verreisen?

Prinzipiell ist Reisen auch mit einer Krebserkrankung möglich. Wichtig ist es, vorab mit den behandelnden ÄrztInnen zu sprechen, die die Reisefähigkeit einschätzen, erforderliche Maßnahmen erläutern und Empfehlungen zu geeigneten Reisezielen geben können. Die Vorfreude auf eine geplante Reise ist ein guter mentaler Rettungsanker in besonders schweren Zeiten.

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Wie können Angehörige bei der Raucherentwöhnung unterstützen?

Zum Rauchstopp musste mich niemand ermutigen. Ich selbst bin draufgekommen, gleich nach der Diagnose keine Zigarette mehr anzugreifen. Ich bin von meinen Angehörigen selbstverständlich unterstützt worden in der Zeit danach. Alle haben gewusst, dass ich viel geraucht habe. Und sie haben das natürlich akzeptiert, haben das unterstützt. Und wenn wir irgendwo hingegangen sind, haben wir in erster Linie Orte aufgesucht, wo wenig bis gar nicht geraucht worden ist. Und meine Angehörigen haben auch Freunde animiert, nicht zu rauchen, wenn ich dabei bin. Und ich kann sagen, dass einige meiner Freunde dann auch zu rauchen aufgehört haben. Meine Frau hat nicht so viel geraucht wie ich, aber doch einige Zigaretten täglich. Meine Frau hat mir zuliebe auch zu rauchen aufgehört, und das ist schon ein positives Ergebnis.

Von der Selbsthilfegruppe her weiß ich, dass die Angehörigen schon sehr hilfreich sein können, die Betroffenen zu unterstützen, wenn sie aufhören wollen zu rauchen.

Natürlich ist es da auch wieder kontraproduktiv, wenn Sie ihren Angehörigen ständig in den Ohren liegen, nicht zu rauchen, nicht zu rauchen. Denn wenn man ständig das Wort „Rauchen“ hört, greift man dann auch gerne zur Beruhigungszigarette, wie man so schön sagt.

Aber als Angehörige können Sie sehr wohl sehr hilfreich sein, Ihren Betroffenen zu helfen, von der Zigarette loszukommen.

Wie gelang es Ihnen, mit dem Rauchen aufzuhören?

Ich habe von heute auf morgen zu rauchen aufgehört. Wie ich die Diagnose bekommen habe, hat mir der Arzt auch gesagt, dass das Rauchen sehr kontraproduktiv ist. Und ich habe gewusst, in dem Augenblick, wo ich von der Zigarette nicht wegkomme, werde ich kein sehr langes Leben mehr haben. Und das wollte ich natürlich nicht, und daher habe ich nach der Diagnose keine Zigarette mehr angegriffen. Ich habe Gott sei Dank, wie es so schön heißt, den richtigen Schalter erwischt und habe auch keine Entzugserscheinungen gehabt. Das Einzige, was mir passiert ist: Ich habe einige Kilogramm zugenommen. Die sind dann später wieder weggekommen. Aber Lebensqualität habe ich durch das Nichtrauchen sehr, sehr viel gewonnen. Und das möchte ich nicht mehr missen.

Rauchen bei Lungenkrebs

Rauchen ist die Hauptursache für Lungenkrebs. Durch den sofortigen Rauchstopp verbessern sich die Heilungschancen der PatientInnen. Zudem reduziert sich die Wahrscheinlichkeit, dass der Krebs irgendwann zurückkehrt.

Wie können Angehörige die PatientInnen bei der Raucherentwöhnung unterstützen?

  • Die Devise heißt: Motivieren statt anzweifeln. Wichtig ist, dem Betroffenen immer wieder zu ermutigen, durchzuhalten. Führen die Entzugserscheinungen zu Gereiztheit und Unruhe, gilt es Verständnis und Nachsicht zu zeigen.
  • Wer selbst raucht, sollte sich überlegen, zusammen mit dem Erkrankten aufzuhören. Das erhöht die Motivation und ist gut für die eigene Gesundheit.
  • Treffen mit Freunden sollten an Orten stattfinden, an denen Rauchen verboten ist. Zudem empfiehlt es sich, Freunde und Bekannte zu bitten, im Beisein des/der PatientIn grundsätzlich auf die Zigarette zu verzichten.

Was kann dabei helfen, mit dem Rauchen aufzuhören?

Am besten ist es, die Zigaretten sofort wegzulegen (Schlusspunktmethode). Über die erste schwere Zeit können Nikotinersatzpräparate hinweghelfen. Hilfreich ist es, sich moralische Unterstützung zu suchen, sei es im Familien- oder Freundeskreis oder in einer Selbsthilfegruppe.

Einige PatientInnen kommen besser damit klar, den Zigarettenkonsum allmählich zu reduzieren (Reduktionsmethode). Allerdings sollte auch hier der Rauchstopp möglichst schnell nach der Diagnose erreicht sein.

Weitere wertvolle Informationen zum Thema erhalten Sie in unserem Online-Kurs zum Thema Raucherentwöhnung bei Lungenkrebs.

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Welche Arten von Bewegung oder Sport haben Sie während der Therapie ausgeübt?

Ich habe sehr viel Bewegung gemacht während der Therapie, und zwar habe ich mich auf das Nordic Walken konzentriert. Das war sehr hilfreich. Es hat meinen Kreislauf gestärkt. Und ich war auch in sehr viel in frischer Luft. Ich bin auch ein begeisterter Golfspieler, und soweit es möglich war, habe ich sehr viel Zeit auch am Golfplatz verbracht. Das war auch in frischer Luft, im Freien. Und ich würde auch sagen und würde auch allen Betroffenen raten, so viel Bewegung als möglich in frischer Luft, im Freien zu machen, im Wald spazieren zu gehen, was sehr, sehr hilfreich ist. Der Wald ist schön, er regt auch zum Nachdenken an, und die Bewegung tut während dieser Zeit sehr, sehr gut.

Wie hat sich Ihre Krankheit auf Ihren Appetit und gemeinsame Mahlzeiten ausgewirkt?

Diese Krankheit hat sich sehr wohl ausgewirkt, und zwar vor allem die Chemotherapie, die ich bekommen habe. Bei der Chemotherapie sind meine Geschmacksnerven sehr betroffen gewesen. Und wie ich die Chemotherapie bekommen habe, habe ich auch den Geschmack verloren und das Essen hat überhaupt nicht geschmeckt.

Ich habe mich aber gezwungen, doch etwas zu essen, weil ich hatte im Kopf immer diese… irgendwo habe ich ja mal früher so Bilder gesehen von Menschen, die Chemotherapie bekommen haben und die abgemagert waren und hohlwangig waren. Und so wollte ich auf keinen Fall ausschauen. Und daher habe ich mich gezwungen zu essen, obwohl es überhaupt nicht geschmeckt hat, zum Teil recht grauslig geschmeckt hat. Ich habe mich gezwungen zu essen, zumindest wenig. Und das hat mir, denke ich schon geholfen. Nach einigen Tagen war dieses Gefühl dann weg, wie ich dann zu Hause war, habe ich mit meiner Familie dann gegessen. Es hat die gemeinsamen Mahlzeiten dann überhaupt nicht beeinflusst. Im Gegenteil, wir haben zu mehr gemeinsamen Mahlzeiten gefunden, und bei diesen gemeinsamen Mahlzeiten haben wir dann auch versucht, wirklich nur die besten Dinge zu essen und es sich dann wirklich ganz gut gehen zu lassen. Ich habe mir gedacht: „Warum soll ich mich bestrafen und etwas Schlechtes essen? Essen wir das Beste. Das Leben ist sowieso kurz. Genießen wir es.“ Und ich habe mich auch nicht gescheut, ein gutes Glas Wein zum Essen zu trinken. Und das hat sehr, sehr geholfen.

Worauf haben Sie und Ihre Angehörigen beim Kochen geachtet?

Das Essen war für mich ganze wichtige Angelegenheit. Und zwar denke ich, dass eine ausgewogene Ernährung sehr wichtig ist. Und darauf haben wir geachtet. Keine einseitige Ernährung, keine Diät oder sonst etwas. Eine ausgewogene Ernährung, finde ich, ist ganz wichtig, und darauf haben wir geachtet. Und ich denke, das hat mir auch viel geholfen.

Bewegung und Ernährung

Eine ausgewogene Ernährung trägt ebenso zum Wohlbefinden von Lungenkrebs-PatientInnen bei wie ausreichend Bewegung. Welchen Sport können die Betroffenen treiben und was ist hinsichtlich des Essens zu beachten?

Welche Arten von Bewegung und Sport eignen sich für Menschen mit Lungenkrebs?

Eine sehr gute Sportart für KrebspatientInnen ist das Nordic Walking. Es ist leicht zu erlernen und kann ohne großen Aufwand unabhängig vom Alter betrieben werden. Auch Radfahren und Golf eignen sich gut. Weniger sinnvoll sind Spiele mit Wettkampfcharakter wie Fuß- oder Handball, da hier ein erhebliches Risiko der Überforderung besteht.

Wie wirkt sich die Krankheit auf gemeinsame Mahlzeiten mit Angehörigen aus?

Appetit und Geschmack

Die Chemotherapie kann dazu führen, dass die PatientInnen vorübergehend ihren Geschmack verlieren und das Essen überhaupt nicht mehr schmeckt. Gemeinsame Mahlzeiten mit der Familie lenken von unerwünschten Gerüchen und Geschmäckern ab und stärken das Zusammengehörigkeitsgefühl. Es empfiehlt sich jedoch nicht, die/den KrebspatientIn zum Essen zu drängen.

Ernährung und Kochen

Für Menschen mit Lungenkrebs haben ausgewogene, gesunde und schmackhafte Mahlzeiten einen besonders hohen Stellenwert. Eine Krebsdiät, mit der sich Tumoren heilen lassen, gibt es nicht. Entsprechende Ratschläge versprechen mehr, als sie letztendlich halten können. Halten Sie sich an die generellen Empfehlungen für eine ausgewogene Ernährung.

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Geprüft Franz Buchberger: Stand 19.11.2020 | AT-4214

Die Kurse sind kein Ersatz für das persönliche Gespräch mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt, sondern ein Beitrag dazu, PatientInnen und Angehörige zu stärken und die Arzt-Patienten-Kommunikation zu erleichtern.

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