6. Nachsorge bei Krebserkrankungen – alle Fragen

Die Phase der Nachsorge nach einer Krebserkrankung ist ein wesentlicher Bestandteil der medizinischen Behandlung, der Krankheitsbewältigung und des Wiedereinstieges in den Alltag von Betroffenen. Ein Team aus der Medizin, der Psychoonkologie und aus dem arbeitsrechtlichen Bereich beantworten Fragen rund um die Nachsorge bei Krebs, die psychischen Folgeerscheinungen und deren Behandlungsmöglichkeiten und klären über arbeits- und sozialrechtliche Herausforderungen auf, die mit einer Krebserkrankung einhergehen.

Von der Therapie zur Nachsorge bei Krebs

Was ist Nachsorge?

Nachsorge ist der Zeitraum, der beginnt ab Beendigung Ihrer Therapie. Das kann sein eine Neoadjuvante Therapie mit nachfolgender Operation oder Strahlentherapie. Diese Zeit wird Sie Ihr Arzt begleiten. Es kann sein, dass Sie nicht nur Ihr therapierender Arzt begleitet, sondern dass Sie auch in den niedergelassenen Bereich zugewiesen werden, um dort die Nachsorge durchzuführen.

Die Nachsorge dauert ungefähr 10 Jahre. Ganz selten gibt es Tumorerkrankungen, die eine längere Nachsorge erforderlich machen.

Was kann Nachsorge leisten und was nicht?

Nachsorge ist in jedem Fall keine Garantie für Gesundheit. Nachsorge unterstützt Sie

  • in der Bewältigung des Alltags,
  • in der Bewältigung der Therapien,
  • in dem Management der Nebenwirkungen
  • und in der Früherkennung von möglichen lokal wiederauftretenden Krebserkrankungen.

Kann ich auch öfter zur Nachsorge als vorgesehen?

Selbstverständlich hat man das Gefühl: Je öfter man zur Nachsorge geht, umso sicherer ist man. Das ist leider Gottes ein Trugschluss. Es gibt internationale Studien, die sicherstellen, dass Sie im sicheren Zeitraum wieder zu einer Untersuchung gehen können.

Ein oftmaliges Aufsuchen des Arztes ist keine Garantie für Gesundheit.

Was erwartet mich in der Nachsorge?

Wenn Sie zur Nachsorge zu Ihrem Arzt gehen, wird er Sie über die letzten Monate befragen:

  • Wie ist es Ihnen ergangen?
  • Haben Sie zugenommen oder abgenommen?
  • Gab es Krankenhausaufenthalte?
  • Nehmen Sie zusätzlich Medikamente?
  • Sind Allergien aufgetreten?
  • Ist Ihnen irgendetwas aufgefallen, was nicht so läuft, wie es sonst war?

Durch die Therapien hat Ihr Körper Veränderungen erfahren. Wir wissen heute: Nach Bestrahlungen kann sich die Haut verändern, können Rötungen auftreten.

All das ist die sogenannte „neue Normalität“.

Und sollte davon etwas abweichen, dann sollten Sie es Ihrem Arzt berichten. Es folgt dann eine klinische Untersuchung, ein Abfragen der Befunde. Ich bitte Sie, diese Befunde mitzunehmen mit dem Vorbefund, damit der Arzt den entsprechenden Vergleich durchführen kann. Auch Arztbriefe sind wichtig. Darin enthalten sind viele Informationen, die für den Arzt wichtig sind und die Sie vielleicht jetzt, gerade in diesem Augenblick, nicht bereit haben, weil Aufregung da ist und weil Sie gespannt sind, ob diese Nachsorge-Untersuchung entsprechend gut für Sie ausfällt.

Wie oft muss ich zur Nachsorgeuntersuchung?

Wie schon zuerst gesagt, gibt es standardisierte Abstände:

  • In den ersten drei Jahren bitten wir Sie, alle drei Monate Ihren Arzt aufzusuchen. Dies kann abwechselnd sein mit Ihrem betreuenden Arzt, dem praktischen Arzt, dem Facharzt bzw. der Abteilung, die Sie behandelt hat.
  • Danach verlängern sich die Intervalle auf sechs Monate für Jahr 4 und 5.
  • Und ab Jahr 6 sind jährliche Untersuchungen erforderlich.

Danach ist es natürlich nicht vorbei mit dem Arzttermin, sondern dann gehen Sie wieder zu den ganz normalen Routineuntersuchungen wie z.B. beim Gynäkologen jährlich.

Welche Untersuchungen werden durchgeführt?

Die Untersuchungen, die Ihnen angeboten werden, sind viele. Sinnvoll sind nur wenige. Auch darüber gibt es wissenschaftliche Arbeiten.

  • Leiden Sie heute an einem Brustkrebs, dann ist ganz klar, dass Sie einmal im Jahr zur Mammographie und zum Ultraschall gehen.
  • Patientinnen, die genetische Veränderungen haben, also wo Krebs häufiger auftreten kann oder auch ein Krebs an einer anderen Stelle als Zweitkarzinom auftreten kann, haben eine entsprechende Vorsorge.

Darüber wird Sie Arzt informieren.

Tumormarker sind nicht des Rätsels Lösung. Tumormarker können gefährlich sein. Manchmal sind sie positiv und man hat keinen Krebs. Und manchmal sind sie negativ und man hat doch etwas. Daher können sie nur im Verlauf einer Erkrankung bei gewissen Tumorerkrankungen angewendet werden.

Ich bitte Sie, auch darüber mit Ihrem Arzt zu sprechen.

Was kann ich selbst zu einer optimalen medizinischen Nachsorge beitragen?

Wenn Sie eine optimale Nachsorge wollen, sollten Sie immer rechtzeitig einen Termin bei Ihrem Facharzt beantragen. Wenn die Vorsorge alle drei Monate vorgesehen ist und es beginnt Monat 4, dann ist das überhaupt kein Problem.

Bitte setzen Sie sich zu Hause hin und überlegen Sie, was in den letzten Monaten alles vorgefallen ist:

  • Ist Ihnen irgendetwas aufgefallen, was ungewöhnlich ist?
  • Haben Sie neue Medikamente erhalten?
  • Waren Sie zwischenzeitlich in einem Krankenhaus stationär? Auch wenn es nichts mit der Grunderkrankung, also Ihrer Tumorerkrankungen zu tun hat.

Sammeln Sie all diese Dinge und nehmen Sie die durchgeführten Befunde mit.

Wichtig ist, dass Sie den letzten Befund mitnehmen und den Befund davor. Somit ist ein Vergleich mit dem letzten Befund möglich.

Erwarten Sie sich nicht, dass Ihr Arzt immer alle Befunde von Röntgeninstituten oder Krankenhäusern erhalten hat. Auch wenn Sie über Ihre Krankheit sehr viel Bescheid wissen: Vielleicht gibt es Fragen, die in einem Brief drinnen stehen, die Sie derzeit nicht beantworten können, weil es einfach in Vergessenheit geraten ist.

Bei welchen Symptomen sollte ich unverzüglich einen Arzt aufsuchen?

„Meistens sitzt die Angst knapp unter der Oberfläche.“ Das hat einmal eine Patientin zu mir gesagt. Wenn sie Husten hat, denkt sie sich: „Um Gottes willen! Jetzt hat sich der Krebs in der Lunge festgesetzt.“

Mit zunehmender Zeit findet man auch Sicherheit. Nicht jedes Symptom hat mit der Grunderkrankung zu tun. Denken Sie dran, dass es viele Dinge gibt, die ganz normal sind: Schnupfen, Husten, Heiserkeit. Überlegen Sie, ob Sie irgendwo waren, wo es auch andere Erkrankte mit diesen Symptomen gegeben hat.

Überlegen Sie, ob Sie zu viel gearbeitet haben und deshalb Ihre Wirbelsäule schmerzt.

Warten Sie ein wenig und lassen Sie ein wenig Zeit vergehen. Sollten die Beschwerden jedoch anhalten, machen Sie sich bitte zeitnah einen Termin bei Ihrem Arzt aus.

Hier geht es zum Video-Interview: „Von der Therapie zur Nachsorge bei Krebs”

Medizinische Langzeitfolgen bei Krebs

Welche Nebenwirkungen medizinischer Therapien können in der Nachsorgephase auftreten?

Zu den Nebenwirkungen überlebensnotwendiger medizinischer onkologische Therapien gehören unter anderem:

  • Einschränkungen in den motorischen Grundeigenschaften Kraft, Ausdauer, Beweglichkeit, also Flexibilität, Koordination, Balance, was insgesamt zu einer Leistungseinschränkung der Patientinnen und Patienten führt.
  • Die Patienten fühlen sich schwach,
  • haben vielleicht auch ein Erschöpfungssyndrom,
  • haben vielleicht gleichzeitig eine Polyneuropathie als Nebenwirkung, das heißt einerseits Schmerzen, die besonders nachts stärker werden, andererseits eine gewisse Ungeschicklichkeit, die auch zu Stürzen führen kann.
  • Weitere Dinge, wenn wir schon bei den Schmerzen sind, können muskulo-skelettare Schmerzen sein, also Schmerzen am Stütz-Bewegungsapparat.
  • Weitere Dinge können sein mentale Probleme im Sinne einer Traurigkeit, einer sogenannten Dysthymie, beinahe bis zur Depression, aber auch Angst und Stress.
  • Ganz wichtig sind auch Dinge wie Schlafstörungen, die durch diese psychischen, aber auch körperlichen Einschränkungen bedingt sind.
  • Zudem können Inkontinenz auftreten, sexuelle Funktionsstörungen, Lymphödeme und und und.

Es ist also ein weites Spektrum, das Sie als Patient und Patientin betreffen kann als Nebenwirkung einer für Sie notwendigen und überlebensnotwendigen Therapie.

Diese Probleme können in weiterer Folge nicht nur eine Lebensqualitätseinschränkung darstellen, sondern vor allem auch eine Einschränkung Ihrer Teilhabe bedingen. Das heißt:

  • Sie können sozial, wenn Sie mit Freunden sich treffen wollen, mit der Familie was unternehmen wollen, wenn Sie ins Theater gehen wollen, in die Oper, auf den Fußballplatz, zum Stammtisch eingeschränkt sein. Sie können das nicht mehr machen.
  • Aber Sie können auch in Ihrer Arbeitsfähigkeit, in Ihrer Berufstätigkeit eingeschränkt sein, wenn Sie noch im arbeitsfähigen Alter sind.

Also insgesamt sind die Nebenwirkungen, die man sich mit dem Überleben erkauft sozusagen, mit denen man sich das Überleben erkauft, können sehr einschränkend sein. Aber das Gute ist: Es gibt was dagegen.

Welche Spätfolgen können meine Lebensqualität beeinträchtigen?

Spätfolgen durch eine onkologische Erkrankung oder notwendige onkologische Therapien können all jene sein, die auch als Nebenwirkungen auftreten können:

  • Körperliche Einschränkungen,
  • ein Erschöpfungssyndrom,
  • mentale Probleme wie Angst, Stress, Traurigkeit,
  • aber auch kognitive Einschränkungen: Man kann sich nicht mehr so gut konzentrieren, nicht mehr solange die Aufmerksamkeit halten.

Aber auch, und das ist ganz speziell, Folgen einer Strahlentherapie, die typischerweise, und das im Gegensatz zu den Nebenwirkungen der medikamentösen onkologischen Therapien, stärker werden, je länger die Zeit von Bestrahlungszeitpunkt fortschreitet.

  • Das können sein Engstellen, z.B. in der Scheide, Verwachsungen.
  • Es können Fistelbildungen sein.
  • Aber es können natürlich auch Lymphödeme sein.

Und ganz wichtig ist auch hier eine rechtzeitige Information bei der Ärztin, beim Arzt.

  • Was ist das? Was kann man dagegen machen?
  • Dann eine entsprechende Therapie, die symptomatisch sein kann, also gegen das Symptom,
  • aber teilweise auch sozusagen an der Wurzel angreifen kann. Man spricht dann von einer kausalen Therapie.
  • Eine Rehabilitation
  • und natürlich letzten Endes Ihr Mittun im Sinne einer gesunden Lebensführung.

Wichtig ist: Auch hier kann man etwas dagegen tun.

Welche Möglichkeiten der Behandlung von Nebenwirkungen und Spätfolgen gibt es?

Die Behandlung von Nebenwirkungen und Spätfolgen notwendiger ökologischer Therapien ist klassischerweise eine onkologische Rehabilitation.

Die onkologische Rehabilitation besteht aus vier Säulen:

  • Aus der Information über die Erkrankung, über die Möglichkeiten, die Erkrankung zu besiegen und auch Nebenwirkungen und Folgen der Erkrankung zu besser zu bewältigen.
  • Die nächste Säule ist die Psychoonkologie, das so wichtige Einwirken auf die psychosoziale Situation der Patientinnen und Patienten.
  • Das nächste ist die die Diätologie, Ernährungsberatung und Ernährungstherapie.
  • Und die vierte Säule ist dann die physikalische Medizin mit der Schmerzlinderung, mit dem Schaffen einer Beweglichkeit, weil erst wenn Sie keine Schmerzen haben oder weniger Schmerzen haben, werden Sie sich freiwillig bewegen. Also aus der Schmerzlinderung folgt die Bewegung, die Beweglichkeit, aus einem systematischen Training und aus der Sportausübung für onkologische Patientinnen und Patienten.

Ganz wichtig ist hier, dass dies im Team mit Ihnen als Patient, Patientin im Zentrum und vielen Berufsgruppen, man spricht von einem interdisziplinären und multiprofessionellen Ansatz, gemeinsam umgesetzt wird. Alle haben dasselbe Ziel, dass es Ihnen besser geht.

Hier ist eine ganzjährige überlebenslange Umsetzung der Ziele der Rehabilitation gefordert. Das heißt, wenn wir ans Training denken, dieses ist ganzjährig so durchzuführen. Es gibt, wie man so schön sagt, diesen Grundsatz kennen Sie, kein schlechtes Wetter, es gibt nur eine schlechte Bekleidung.

Außerdem können Sie das meiste auch indoor umsetzen.

Wie gehe ich mit Langzeitfolgen bestmöglich um?

Mit Langzeitfolgen gehen Sie um, indem Sie die Ratschläge Ihrer Ärztinnen und Ärzte, Ihrer Psychologinnen und Psychologen, Ihrer Therapeuten, der begleitenden Sportwissenschaftler und, und, und konsequent ganzjährig überlebenslang umsetzen.

Machen Sie das, was Sie in der Rehabilitation gelernt haben. Nehmen Sie sozusagen Ihr Leben in die eigene Hand. Leben Sie Eigenverantwortung. Wiederum: Sie sind gefordert. Ihre Therapie-Adhärenz, Ihr Mittun ist das, was Sie letzten Endes zum Ziel bringen wird. Machen Sie das unter ärztlicher, fachärztlicher Supervision, wenn ich jetzt z.B. an die medizinische Trainingstherapie denke, die Ihnen nützen soll, die Ihnen aber nicht schaden darf.

Welchen Nutzen haben gezielte Bewegungsprogramme in der Nachsorgephase?

Der Nutzen von gezielter körperlicher Aktivität und Bewegung ist

  • in erster Linie eine Leistungsverbesserung. Sie werden verbessert in Ihren motorischen Grundfähigkeiten Kraft, Ausdauer, Flexibilität oder Beweglichkeit, Balance, Sensor, Motorik, Koordination.
  • Das ist einmal ganz toll für Sie selber, weil Sie schaffen dann mehr. Wenn Sie mehr schaffen, werden Sie selbstbewusster.
  • Und Sie können ein selbstbestimmtes Leben führen, und das unabhängig von fremder Hilfe. Das ist schon ganz was Wichtiges für Ihre Psyche, weil damit auch die Psyche sozusagen in Anführungszeichen stabilisiert wird. Es ist über Bewegungsprogramme beschrieben, und das wurde schon 2006 beschrieben, dass selbst bei Leuten, denen die Anlage zu einer depressiven Erkrankung innewohnt, genetisch innewohnt, Bewegung eine Verbesserung der psychischen Situation bringt. Und das ist ganz was Großartiges.
  • Weitere Benefits und Vorteile sind medizinische: Sie haben einen positiven Effekt auf den Stoffwechsel, auf die chronische Entzündung, die sogenannte Inflammation. Beides ganz modern in der natürlichen Abwehr gegen Krebserkrankungen, also präventiv wirksam gegen das Wiederauftreten von Krebs oder das Fortschreiten von Krebs.
  • Sie haben aber auch positive vorbeugende Wirkungen auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen, wobei das Risiko für Frauen um 35 Prozent und für Männer um 25 Prozent, immerhin ein Viertel, reduziert wird, an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu erkranken bzw. zu versterben.
  • Was ganz wichtig ist: Für manche Krebserkrankungen ist inzwischen erwiesen, dass selbst die, alles andere rausgerechnet, krebsspezifische Mortalität oder Sterblichkeit reduziert, also vermindert werden kann, wenn Sie regelmäßige körperliche Aktivität ganzjährig und überlebenslang treiben. Und das ist doch schon was. Und das sollte uns alle dazu bewegen, etwas zu tun.

Wie kann so ein Bewegungsprogramm konkret aussehen und worauf sollte ich achten?

Damit Sie Erfolg bei einem Bewegungsprogramm haben, müssen Sie folgendes beachten:

Es ist ganz wichtig, dass Sie sich nicht als junger, gesunder Mensch, der jetzt einfach in ein Fitnessstudio geht, sehen, sondern Sie sind jetzt ein Patient, eine Patientin mit einer onkologischen Erkrankung, eventuell sogar unter onkologische Therapie. Und deswegen zählt bei Ihnen für die Steuerung des Trainings nicht nur Ihre individuelle Leistungsfähigkeit, die gering oder ganz hoch sein kann, sondern ganz speziell Ihre klinische Situation, Ihre klinische Belastbarkeit, das heißt: Was Ihnen im Rahmen dieses Trainings zugemutet werden kann.

Warum ist das so?

  • Ihre Leistungsfähigkeit brauchen wir zum Steuern Ihres Trainings im Sinne sozusagen der richtigen Belastbarkeit, damit das Training auch wirksam wird.
  • Ihre klinische Belastbarkeit brauchen wir deswegen, dass wir das Training nicht so steuern, dass es für Sie gefährlich wird.

Das heißt, wir müssen beides sozusagen in einen Topf bringen, sodass wir für Sie das individuelle trainingswirksame Training, die trainingswirksame Belastung und gleichzeitig die für Sie nicht schädliche Belastung rezeptieren. Deswegen spricht man auch von einem Trainingsrezept, das für Sie individuell, also ausgerechnet auf Ihre Person zugeschnitten ist und von einem Facharzt, einer Fachärztin rezeptiert wird.

Ganz wichtig ist hier, dass hier in diesem Konzert mit Ihnen im Zentrum, Sie sind die Person, die trainieren wird, unterschiedliche Ärzte, Ihr Krebsarzt, Ihre Krebsärztin, Ihr Arzt, der das Training rezeptiert, aber eventuell auch ein Kardiologe, ein Pulmologe und, und, und gemeinsam interdisziplinär arbeiten und gleichzeitig, man spricht in diesem Fall von multiprofessionell, weitere Berufsgruppen wie Physiotherapeuten, Sportwissenschaftler, aber auch Diätologen involviert sein können.

Das ist für Sie ganz wichtig, dass die miteinander kooperieren in Ihrem Sinne.

Für die Trainingsumsetzung sind Sie verantwortlich.

  • Sie sollen dieses ganzjährig machen,
  • überlebenslang.
  • Dieses Training muss regelmäßig adaptiert werden, entsprechend Ihres Trainingsfortschrittes, aber auch entsprechend Ihrer klinischen Situation.
  • Und Sie sollen das fachärztliche supervidiert machen, dass es, wie gesagt, trainingswirksam und sicher ist.

Viel Erfolg dabei!

Hier geht es zum Video-Interview: „Medizinische Langzeitfolgen bei Krebs”

Psychische Folgeerscheinungen bei Krebs

Was kann ich tun gegen chronische Müdigkeit und Erschöpfung?

Ja, zunächst ist hier sehr wichtig zu sagen, dass der letzte Tag einer Krebstherapie nicht der letzte Tag des Leidensweges eines Patienten ist. Sondern nach diesen vielen anstrengenden Behandlungen, nach invasiven Eingriffen, nach Operationen sind Patienten extrem müde, erschöpft und auch ausgelaugt. Und so klagen dann im Beratungszentrum bei uns in der persönlichen Beratung viele Patienten und Patientinnen über eine bleierne und schwere Müdigkeit.

Nun kennen wir alle Müdigkeit und Erschöpfung nach einem anstrengenden Arbeitstag, nach einer sportlichen Betätigung, während diese Form von Müdigkeit, nämlich Fatigue, der Begriff kommt aus dem Französischen und bedeutet „müde sein, erschöpft sein“, eine ganz andere Form von Erschöpfung ist, nämlich eine bleierne, unerträgliche Müdigkeit. Und Patienten haben wirklich einen enormen Leidensdruck.

Woher kommt dies? – Die Ursachen können vielfältig sein. Nach Chemotherapien und Strahlentherapien ist es sehr häufig der Fall, und zwar in den verschiedensten Phasen der Erkrankung, aber auch als Langzeitfolge, dass die Fatigue vorhanden ist. Und ganz wichtig ist jetzt zu überlegen: Was kann man tun?

An erster Stelle natürlich darüber sprechen. Sprechen Sie mit Ihren Behandlern und darüber, wie Sie sich fühlen. Sprechen Sie die Ärzte an, die Ärztinnen. Aber auch bei uns in den Beratungszentren können Sie sich melden, in der Österreichischen Krebshilfe und mit einer Psycho-Onkologin mit einem Psycho-Onkologen sprechen und berichten Sie, wie es Ihnen geht.

Was wir dann tun können und gemeinsam ist:

  • B. ein Energietagebuch könnten Sie hier führen. Das ist ein Plan, den Sie selber erstellen, wo Sie genau die Tageszeit eintragen, die Tätigkeit, die Sie machen, welchen Grad der Erschöpfung Sie dabei empfinden und welchen Aufwand, wie stark Sie das ermüdet und wie Sie das auch vielleicht ein bisschen abändern können im Laufe der Zeit. Sie können das über 2, 3, 4 Wochen führen, dieses Energietagebuch, das Fatigue-Tagebuch, und Ihr Arzt und Sie gemeinsam gehen dann durch: Wo kann ich vielleicht ein bisschen Energie einsparen? Wo kann ich es mir erleichtern? Wo mache ich nicht zwei anstrengende Termine hintereinander? Das kann sehr hilfreich sein.
  • Selbstverständlich auch guter und ausgewogener Schlaf.
  • Selbstverständlich auch eine gute Ernährung, eine ausgewogene Ernährung.
  • Und vielleicht noch etwas Wichtiges: Strukturieren Sie sich den Tagesablauf gut. Strukturieren Sie, was Sie wann machen wollen.
  • Und: Überfordern Sie sich nicht. Denn Menschen, die unter einer Fatigue leiden, neigen dazu, sich stark zu überfordern. Und es ist wichtig, eine Balance zu finden zwischen zuviel und zuwenig.

Und wenn Sie das so ein Stück weit berücksichtigen, dann wird sich höchstwahrscheinlich die Fatigue ein bisschen zurückziehen und ein bisschen verbessern.

Aber auf jeden Fall der Ratschlag: Bitte sprechen Sie mit Ihren Behandlern darüber, und sprechen Sie auch mit den Psycho-Onkologinnen, wie wir es z.B. hier im Beratungszentrum der Krebshilfe anbieten, über Ihre Symptome, und beschreiben Sie genau, was Sie wirklich empfinden.

Und ein ganz wichtiger Punkt jetzt noch: Der Unterschied zwischen Fatigue und Depression.

  • Eine Depression kommt meist schleichend,
  • während eine Fatigue sich relativ schnell einstellt.

Und Menschen, die unter Depressionen leiden, ziehen sich eher zurück. Sie genieren sich auch, darüber zu sprechen. Sie schämen sich. Vor allem unsere männlichen Patienten geben nicht gerne zu, dass sie unter einer Depression leiden. Sie ziehen sich eben wie gesagt eher in sich zurück.

Menschen, die unter Fatigue leiden, gehen aktiv auf die Behandler meistens zu, haben so einen starken Leidensdruck und sagen, dass sie diesen Zustand unbedingt nicht mehr haben wollen. Also hier ist ein Unterschied.

Und ein ganz wichtiger Unterschied ist auch noch der, dass es Medikamente gegen die Depression gibt. Es gibt Antidepressiva, während es gegen Fatigue keine Medikamente gibt.

Und wenn man einen Patienten fragt: Hatten Sie schon einmal in Ihrem Leben depressive Phasen und leiden Sie vor allem unter Antriebslosigkeit und Lustlosigkeit, dann handelt es sich wahrscheinlich um eine Depression. Spricht er aber von dieser Müdigkeit, die sich auf drei Gebieten abspielt, nämlich

  • auf der kognitiven Ebene in Form von Konzentrationsstörungen, Aufmerksamkeitsproblemen,
  • auf der körperlichen Ebene in Bezug auf Energieverlust
  • und eben auch auf der emotionalen Ebene in Bezug auf Antriebslosigkeit und Müdigkeit,

dann wird es sich eher um eine Fatigue handeln.

Wie bekomme ich meine Schlafstörungen in den Griff?

Zwei Drittel aller Krebspatienten leiden unter Ein- und Durchschlafstörungen oder unter Ein- oder Durchschlafstörungen. Das ist ein sehr großer Anteil von Patienten, und das heißt, es ist ganz wichtig, hier etwas dagegen zu unternehmen.

Wir müssen aber wieder unterscheiden: Welche Ursachen hat die Schlafstörung?

  • Geht es darum, dass es um einen Hormonmangel geht? Bei unseren Frauen mit Brustkrebs, die die Antihormontherapie bekommen, die leiden ganz stark unter Wechselbeschwerden. Sie decken sich auf und zu in der Nacht.
  • Das ist ein anderer Grund, eine andere Ursache für die Schlafstörungen, wie z.B. Blutdruckschwankungen oder Schmerzen.
  • Aber besonders quälend sind Schlafstörungen, wenn man vor dem Einschlafen extremes Grübeln hat, Nachdenken hat, wenn Gedanken quälend durch den Kopf schießen: Wann ist die nächste Behandlung? Werde ich einen schlechten Befund bekommen? Ich fürchte mich vor der Operation. Wenn dieses Grübeln nicht und nicht aufhört, dann kann der Schlaf sehr qualvoll werden.

Und daher ist es wichtig, auch hier mit den Behandlern und Behandlerinnen über diese Schlafstörungen zu sprechen: Wann habe ich die Schlafstörungen, und wie oft wache ich auf in der Nacht? Also tun Sie das. Sprechen Sie mit Ihren Behandlern, mit Ihren Ärzten darüber, und Sie werden gemeinsam einen Weg herausfinden, nämlich entweder in Form von Entspannungsübungen. Hier gibt es eine Unzahl von sehr wirksamen Entspannungsübungen, die Sie am Abend vor dem Einschlafen noch tun können. Auch Phantasiereisen, Imaginationen, Autogenes Training ist z.B. auch ganz besonders wirkungsvoll. Hier können Sie viele Elemente verwenden, um von Ihren Gedanken abzuschalten.

Und was ich auch gerne rate, ist wirklich am Abend sich einmal über den Kopf zu streichen und die schweren Gedanken auf das Nachtkasterl zu legen bzw. noch ein Stückchen weiter wegzulegen und sie sich erst am nächsten Tag in der Früh wieder zu nehmen.

Nun gibt es aber auch Schlafstörungen, die so stark sind und so vehement sind, meistens im Zuge einer schweren Depression, dass Patienten gar nicht mehr schlafen können und chronisch müde, erschöpft, am nächsten Tag unruhig, innerlich aufgebracht, sehr, sehr erschöpft sind.

Was kann man hier tun? Hier wäre doch das Aufsuchen eines Facharztes für Psychiatrie und Neurologie das Mittel der Wahl. Das sind Ärzte, die Schlafstörungen sehr gut einstellen können. Eine leichte Schlafmedikation kann hilfreich sein und wesentlich effizienter sein als Tage und Wochen nicht zu schlafen. Also scheuen Sie sich nicht, auch hier mit Ihrem Hausarzt zu sprechen oder mit einem Facharzt zu sprechen und eine medikamentöse Einstellung zu bekommen, die sicherlich hilfreich sein wird, damit Sie endlich wieder schlafen können.

Schlafentzug ist wie Folter. Schlafentzug kann chronisch werden und kann wirklich, wirklich ein ganz unangenehmer Begleiter sein. Daher unternehmen Sie etwas dagegen. Zunächst vielleicht auch mit einem Einschlafritual. Das ist eine gute Möglichkeit, am Abend ein gutes Bad zu nehmen mit einem duftenden Badeöl, mit einem Badeschaum, sich in einen wolligen Bademantel hüllen und vielleicht noch einen guten Tee zu trinken und sich einer kleinen Phantasiereise vor dem Einschlafen hinzugeben. Das kann sehr, sehr hilfreich sein, um eine Spur besser zu schlafen.

Welche Tipps gibt es für wohltuenden Schlaf?

Ein wohltuender Schlaf beginnt mit einem guten Schlafraum. Der Schlafraum soll nicht hell sein, soll nicht mit elektronischen Geräten voll beladen sein, soll nicht mit Arbeitsutensilien bedeckt sein, es soll ein ruhiger Raum sein, in den Sie sich am Abend in Ruhe zurückziehen können und eben diesem Gedankenkreisen entgegenwirken: Was habe ich morgen zu tun? Welche Behandlungen kommen morgen? Sie sollen in Ruhe einschlafen können.

Wichtig ist auch am Abend davor nicht zu viel kohlenhydratiges Essen, nicht zu viel Bewegung machen. Bewegung ist ja an sich sehr gut, aber nicht unmittelbar vor dem Schlafengehen. Wichtig ist es auch, nicht zu rauchen, nicht zu trinken, sondern vielleicht wirklich mit einer kleinen gesunden Mahlzeit, wo der Magen nicht so voll ist, einzuschlafen.

Das sind wichtige Voraussetzungen.

Und eben ein kleines Einschlafen Ritual. Vielleicht eine kleine mentale Übung. Was ich gerne empfehle zum Einschlafen, ist zum Beispiel, sich am Abend noch drei Situationen vorzustellen, die im Laufe des Tages heute besonders gut gelaufen sind. Wo Sie eine nette Begegnung hatten mit einem Menschen, der etwas Liebevolles, etwas Nettes zu Ihnen gesagt hat, wo Sie vielleicht selber jemanden helfen konnten, jemanden unterstützen konnten oder einfach eine wunderschöne Sonnenblume am Markt gesehen haben, in einem Blumengeschäft am Markt gegangen sind, Obst gesehen haben, diese Farben noch einmal Revue passieren lassen vor dem Einschlafen. Das erweist sich als sehr, sehr günstig.

Mein Körper fühlt sich fremd an und ich habe auf einmal Angst vor Sexualität. Was kann ich tun?

Eine Krebserkrankung wirkt sich selbstverständlich auch auf die Partnerschaft aus. Unmittelbar nach der Diagnose, in der Zeit der Behandlungen rückt die Sexualität meist in den Hintergrund. Viele Patienten und deren Angehörige erzählen uns: „Jetzt ist alles andere wichtig. Es ist wichtig, gesund zu werden. Es ist wichtig, auf unsere körperliche Situation zu achten, die nächste Behandlung gut zu schaffen.“ Und auch die Libido ist in dieser Zeit nicht besonders hoch. Das heißt, die Sexualität wird für einige Zeit in den Hintergrund gestellt.

Und wenn sie dann wieder aufgenommen wird, braucht es natürlich Zeit, um sich langsam wieder anzunähern, um miteinander einen Weg zu finden: Wie möchte ich berührt werden? Was ist unangenehm für mich? Es ist ja der Körper nach all diesen invasiven Behandlungen in einem anderen Zustand als vorher. Vor allem wenn die männlichen und die weiblichen Geschlechtsteile betroffen sind, ist es besonders schwierig, sich hier wieder vielleicht anzunähern. Es ist Schmerz damit verbunden. Es sind Erinnerungen verbunden, dass z.B. bei einer Brustkrebserkrankung eine Brustabnahme erfolgt ist oder eine Teilresektion erfolgt ist, die Narbe schmerzt möglicherweise noch. Oder bei einer Prostataektomie kann es sein, dass es Erektionsprobleme gibt. Es kann sein, dass es Inkontinenzprobleme gibt.

Und all diese Themen sind nach wie vor schon noch ein Stückchen mit Angst und mit Scham verbunden. Das heißt, Patienten, vor allem unsere älteren männlichen Patienten, haben Probleme, ihrem Arzt genau zu berichten, wie sie sich in der Sexualität fühlen.

Wir Beraterinnen sprechen dieses Thema immer an, auch wenn die Patienten es nicht einbringen. Denn es ist wichtig, darüber zu reden.

Und Sexualität ist natürlich nicht nur Geschlechtsverkehr. Sexualität ist Zärtlichkeit, Nähe, Geborgenheit, und das wird auch gesucht. Man muss sich doch erst langsam wieder ein bisschen an diesem verletzten Körper annähern, Stellen wieder neu entdecken: Wo schmerzt es? Wo ist es wohltuend?

Und mein Ratschlag hier wäre, vielleicht ein bisschen zuerst einmal selber mit sich einen Umgang zu finden, selber zu schauen: Wo ist es mir angenehm? Wo ist die Berührung wohltuend? Und wo ist es mir sehr unangenehm, dass mich der Partner berühren könnte? Will ich es auch selbst nicht? Und möchte ich mich dann mitteilen meinem Partner? Also sprechen Sie miteinander. Sagen Sie, was für Sie angenehm ist. Sagen Sie, was Ihnen zu viel ist. Sagen Sie, wenn es Ihnen zu früh ist. Und besprechen Sie so gut wie möglich in der Partnerschaft, welche Rituale Sie wieder einführen wollen, was für Sie wohltuend ist. Das ist ganz wichtig.

Und wenn Sie starke Probleme miteinander haben, das aussprechen zu können, dann können Sie sich ebenfalls in psycho-onkologische Hilfe begeben oder auch eventuell mit einer Sexualtherapie beginnen.

Denn einfach ist es nicht, nach einer langen Zeit der Chemotherapie z.B., wo Haarverlust da war, wo der ganze Körper anders sich anfühlt, der Körper anders aussieht, das ist nicht einfach, in dieser Zeit einen Zugang zu dem eigenen Körper zu bekommen. Auch z.B. bei Patienten, die einen künstlichen Darmausgang haben nach einer Darmoperation besteht die Angst: Was ist denn, wenn mitten im  Sexualakt dieses Sackerl platzt und alles voll ist mit dem Inhalt des Säckchens? Das sind Gedanken, die sehr wohl in den Köpfen der Patienten sind, auch in den Köpfen der Partnerinnen. Und deswegen betreuen wir auch in den Beratungszentren selbstverständlich die Angehörigen von Patienten. Denn es ist wichtig, auch mit dem Partner zu sprechen.

Es kommt leider oft zu Missverständnissen. Es kann z.B. sein, dass eine Frau sagt: Warum greift nicht mein Partner gar nicht mehr an, warum will er keine Sexualität mit mir? Bin ich so unattraktiv geworden? Bin ich nicht mehr interessant für ihn?

Der Partner hingegen möchte die Partnerin schonen, hat Angst, vielleicht zu fordernd zu sein, hat Angst, sie zu überfordern jetzt mit seinen Wünschen und zieht sich deswegen ein Stück zurück.

Und wenn man das gemeinsam mit einer Mediatorin, mit einer Psychologin, mit einer Sexualtherapeutin sich vielleicht ein bisschen ansieht, dann klärt sich dieses Missverständnis auf, und die Frau fühlt sich nicht mehr unattraktiv und nicht begehrenswert. Und der Mann muss sie vielleicht nicht so schonen, wie er vorgehabt hat, sie in der nächsten Zeit weiter zu schonen.

Also Reden hilft. Sprechen Sie auch auf diese Themen, die nicht so einfach sind, zu besprechen, das ist klar. Aber versuchen Sie es. Probieren Sie es.

Ich habe Angst, dass der Krebs erneut auftritt! Wie kann ich mit dieser Angst gut umgehen?

Angst ist ein steter Begleiter von Krebspatienten und Krebspatientinnen. Und es ist ja völlig normal, Angst zu haben. Es ist ja von einer Minute auf die andere alles anders geworden. Die Krebsdiagnose ist wie ein Stein in den ruhenden Fluss gefallen, und der Fluss nimmt nun einen völlig anderen Weg. Es ist selbstverständlich, dass Patienten und Patientinnen verängstigt sind, unsicher sind, Angst haben vor den nächsten Untersuchungen, Angst haben vor Blutabnahme, wenn man schon keine Venen mehr erwischt und es wieder mal nicht geklappt hat mit der Blutabnahme. Wenn das nächste CT naht, der nächste Befund naht, und man wieder nicht weiß: „Wird das ein gutes Ergebnis bringen. Oder ist die Metastasierung weiter fortgeschritten?“ Das ist alles sehr beschwerlich. Das ist alles sehr verängstigt. Daher ist es besonders wichtig, dass man gut kommuniziert mit den Ärzten, dass man ein gutes Vertrauensverhältnis mit seinen Behandlern hat.

Die Angst vor dem Fortschreiten der Erkrankung, die sogenannte Progredienzangst, Progression heißt fortschreiten, sich weiterentwickeln, ist ein ganz, ganz großer Faktor, der eine große Rolle spielt. Dieses Fortschreiten der Erkrankung macht enorme Angst: Wann kommt die Erkrankung wieder? Werde ich eine Metastasierung haben? Das ist auch eine natürliche Angst, eine normale Angst. Es wäre geradezu nicht ganz normal, nicht ganz gewöhnlich, keine Angst zu haben. Dann wären die Abwehrmechanismen besonders stark, die hier im Gange sind.

Dann würde man Angst abwehren und sogar manchmal ins Gegenteil verkehren und sagen: „Ich habe überhaupt keine Angst.“ Das ist dann unsere Arbeit in der psychoonkologischen Arbeit, mit dem Patienten gemeinsam diese Ängste wieder zu heben. Denn es ist wichtig, sich die Angst anzuschauen. Holen Sie die Angst, aber natürlich in Begleitung am besten von Familienmitgliedern, denen Sie vertrauen oder aber auch mit Ihren professionellen Begleitern, holen Sie die Angst von hinten nach vorne und schauen Sie sich die Angst an. Schauen Sie: Was macht Ihnen genau Angst? Wo spüren Sie im Körper die Angst? Wie äußert sich die Angst? Ist es Panik? Haben Sie eine Panikattacke? Wie können Sie hier Unterstützung bekommen?

Wie gesagt: Angst ist eine völlig normale Reaktion auf schwerwiegende Erlebnisse und Ereignisse. Wird sie allerdings so vehement und so stark, dass sie zur täglichen Belastung wird, dann müssen Sie etwas unternehmen. Suchen Sie eine Beratungsstelle auf, suchen Sie einen Therapeuten auf. Und wenn die Angst so unerträglich wird, dass Sie schon beim Aufstehen in der Früh das Herz flattern spüren, die Unruhe spüren, das Herz pocht Ihnen bis zum Hals, dann wäre es auch eine Möglichkeit, hier ein Medikament zu bekommen, mit Ihrem Hausarzt zu sprechen, mit einem Facharzt für Psychiatrie und Neurologie zu sprechen und hier vielleicht für eine gewisse Zeit lang ein Medikament zu bekommen, das ihnen die Panikattacken, die unerträgliche Angst ein bisschen erleichtert.

Es herrscht große Angst vor bei vielen Patienten vor einer medikamentösen Einstellung. Vor allem sagen Sie auch völlig berechtigt: „Ich nehme schon so viele Medikamente. Soll ich jetzt auch noch das Antidepressivum, das Angstmedikament nehmen?“ Ja, in dem Fall, wenn die Angst unerträglich wird: Bitte suchen Sie sich Hilfe.

Gibt es Tipps gegen die Angst?

Das Mittel der Wahl gegen Angstproblematik ist die Entspannungsübung. Jede Form von Entspannung wirkt der Angst gut entgegen. Sie können vom autogenen Training bis zum Jakobsen Muskelentspannungstraining, das vielleicht viele von Ihnen auch aus der onkologischen Rehabilitation schon kennen. Es geht hier darum, gewisse Muskelgruppen intensiv anzuspannen und nachher wieder loszulassen. Das bringt einen guten Entspannungseffekt.

Auch gibt es Imaginationen. Das sind Elemente aus der Psychotherapie, die man hier verwenden kann, aus dem katathymen Bilderleben, wo man sich ein schönes Bild vorstellt und ganz in dieses Bild hineinsinkt. Das vertreibt auch ein Stück weit die Angst.

Also jede Form von Entspannung wirkt Anspannung entgegen.

Es gibt hier natürlich Kurse, Autogenes Training-Kurse, die schon erwähnten Muskelentspannungs-Trainingseinheiten werden gelehrt, werden an Volkshochschulen, aber auch von Psychologen und Psychoonkologinnen gelehrt.

Und wir im Einzelsetting machen es so, dass wir uns ganz individuell ansehen, weil jede Geschichte ist individuell unterschiedlich. Wovor fürchtet sich der Patient? Was ist die schlimmere Angst? Die Angst vor der nächsten Untersuchung? Die Angst vor dem Befund? Die Angst vor dem nächsten Spitalsaufenthalt, wenn vielleicht eine besonders starke Unsicherheit vor Spritzen, vor Medikamenten da ist. Und wenn wir uns das dann ganz genau angesehen haben, dann können wir einen Behandlungsplan entwickeln, der speziell auf den Patienten zugespitzt ist, der speziell auf Sie zugespitzt ist und zugeschneidert ist.

Woran erkennt man eine Depression und was hilft dagegen?

Es gibt einen großen Unterschied zwischen Alltags-Stimmungsschwankungen, die wir alle kennen. Wir sind einmal ein bisschen besser aufgelegt, einmal ein bisschen trauriger, einmal ein bisschen grantig, ab und zu auch ein Stück weit aggressiv. Das ist ganz, ganz normal.

Eine Depression ist ganz etwas anderes. Wie unterscheiden

  • leichte Depressionen,
  • mittelgradige und
  • schwere Depressionen.

Und bei einer mittelgradigen und schweren Depression sind vor allem drei Hauptsymptome da:

  • Das ist die gedrückte Stimmung, die Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung.
  • An der zweiten Stelle sind das alle Worte, die mit „lose“ verbunden sind: Freudlosigkeit, Lustlosigkeit, Schlaflosigkeit.
  • Und an der dritten Stelle die Antriebslosigkeit.

Wenn diese drei Symptome vorhanden sind, wie gesagt: Antriebslosigkeit, Freudlosigkeit, Lustlosigkeit, Rückzugstendenzen und auch an der dritten Stelle diese Energielosigkeit, dann handelt es sich höchstwahrscheinlich um eine Depression.

Es gibt noch Nebensymptome

  • wie die Schlafstörung,
  • wie die Selbstwerteinschätzung, dass man plötzlich sich ganz klein fühlt und der Selbstwert ganz in den Keller rutscht.
  • dass man gereizt ist,
  • dass man sich schuldig fühlt,
  • dass man ein schlechtes Gewissen permanent hat.

Auch das können Symptome einer Depression sein.

Und ganz wichtig es ist hier, die Depression gut zu diagnostizieren. Denn im Alltag, im Spitalsalltag wird eine Depression im Zuge einer onkologischen Erkrankung oft unterdiagnostiziert. Der Arzt und die Ärztin haben vielleicht nicht die Zeit oder die Expertise auf diesem Gebiet. Der Patient traut sich wiederum nicht, davon zu sprechen, dass er sich depressiv fühlt, dass er sich antriebslos fühlt, dass er gar nichts mehr schafft im Laufe eines Tages und geniert sich auch ein Stück dafür.

Und der Alltag im Krankenhaus, strukturelle Gründe, Zeitmangel lassen es oft auch nicht zu, dass man sich dafür Zeit nimmt, in Ruhe darüber zu reden.

Auch hier: Bitte suchen Sie die Beratungsstellen der Österreichischen Krebshilfe auf. Sprechen Sie mit uns. Ihr psychoonkologischer Begleiter wird mit Ihnen gemeinsam einen Plan entwickeln, wie Sie mit dieser Depression am besten umgehen können.

Und State of the Art in der Behandlung einer schweren Depression ist eine antidepressive, medikamentöse Einstellung und eine psychoonkologische oder eine psychotherapeutische Begleitung.

So werden Sie auch aus der Depression, wenn es eine reaktive Depression ist, nämlich eine Depression, die sich aufgrund der Erkrankung entwickelt, bald auch wieder ein Stück weit in den Griff bekommen.

Sollten Sie schon vor der Erkrankung unter depressiven Verstimmungen und Depressionen gelitten haben, werden Sie höchstwahrscheinlich schon ein Medikament nehmen. Auch hier kann man das Medikament vielleicht noch ein Stück erhöhen.

Was dazu zu sagen ist, ist dass ein großer Widerstand von vielen Patienten besteht, antidepressive Medikation oder auch Schlafmedikation zu nehmen. Ein ganz großer Prozentsatz glaubt nach wie vor, dass die Einnahme eines Medikamentes abhängig macht. Dies ist nicht der Fall. Psychiater, Neurologen oder Ärzte, die sich sehr gut mit dieser Einstellung auskennen, wissen genau, welche Medikamente Sie bekommen. Und das ist anscheinend noch ein bisschen in den Köpfen aus den 70er und 80er Jahren, wo Medikamente verabreicht wurden, die starke Nebenwirkungen hatten. Heute ist das nicht mehr der Fall. Mit einer leichten medikamentösen Einstellung kann man die Stimmung gut in die Höhe heben, und es lässt sich der Alltag wieder ein großes Stück besser bewältigen.

Warum kann sich eine Krebserkrankung auf Konzentration und Aufmerksamkeit auswirken?

Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen stellen sich häufig nach einer Chemotherapie ein. Und früher dachte man und sprach man auch ganz stark von dem „Chemo Brain“, vom Chemohirn. Man hat angenommen, dass die Chemotherapie sich schädigend auf Gehirnvorgänge auswirkt. Neuere Studien zeigen, dass es ganz stark um posttraumatischen Stress geht. D.h.: Patienten und Patientinnen haben enorm viel hinter sich gebracht. Sie haben schwerwiegende Behandlungen über sich ergehen lassen müssen. Sie haben Operationen an sich durchführen lassen müssen. Sie sind müde, sie sind erschöpft. Sie haben monatelang Unglaubliches geleistet. Das heißt, dass auf vielen Gebieten gleichzeitig, vergleichbar vielleicht mit einem Stromausfall oder wenn alles gleichzeitig brennt, die Waschmaschine läuft, der Computer läuft, die verschiedenen Energiequellen laufen gleichzeitig, und auf einmal geht gar nichts mehr.

Und so ähnlich verhält es sich mit Gedächtnisstörungen und Konzentrationsstörungen. Die Konzentration ist nicht mehr vorhanden. Sie war monatelang vorhanden. Sie war wirklich jahrelang vorhanden. Bei jeder neuen Untersuchung sich wieder zu konzentrieren, wieder die Zähne zusammen zu beißen. Und nun in der Nachsorge, wo das Umfeld sehr oft glaubt, es wäre jetzt alles vorbei, es wäre bereits der Einstieg in ein normales Alltagsleben wieder möglich, da zeigen sich diese Beschwerden, da in der Ruhe kommt erst richtig alles heraus. Jetzt spürt der Patient, wie erschöpft er ist. Jetzt spürt er, dass er sich plötzlich nicht mehr konzentrieren kann. Er kann sich etwas nicht mehr merken. Es ist dieser posttraumatische Stress, der in den nächsten Wochen und Monaten noch sehr stark beschäftigen kann.

Welche Übungen helfen bei Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen?

Was können Sie tun? Selbstverständlich Gedächtnisübungen. Lösen Sie mal ein Sudoku zwischendurch, lösen Sie mal ein Kreuzworträtsel zwischendurch. Suchen Sie sich aus dem Internet Übungen zum Thema Gedächtnis. Machen Sie Achtsamkeitsübungen, Aufmerksamkeitsübungen. Konzentrieren Sie sich auf eine Tätigkeit. Machen Sie nicht zu viel gleichzeitig. Weil, dazu neigen besonders unsere weiblichen Patientinnen, dass sie Multitasking sind, dass sie gleichzeitig die Kinder versorgen und dass sie gleichzeitig den Haushalt schupfen. Dass sie auch noch in Ihre Therapie gehen. Der Nachbarin vielleicht helfen bei ihren Aufgaben. Es wird oft vieles gleichzeitig gemacht und irgendwann einmal ist es zu viel. Irgendwann ist Zeit, dass Sie zur Ruhe kommen. Daher auch die onkologische Rehabilitation, wo man einmal so richtig zur Ruhe kommen kann und in der Nachsorge weiterhin vielleicht zu einer Psycho-Onkologin, zu einem Psycho-Onkologen gehen und gemeinsam besprechen, wie Sie wieder ein bisschen zu Kräften kommen.

Aber diese Zeit wird sehr oft unterschätzt von Arbeitgebern, von Familienmitgliedern, von einem selbst sehr oft auch, vom Patienten selbst wird es oft unterschätzt, dass eigentlich im Moment die Zeit der Nachsorge ist, die Zeit des Ruhegebens und nicht sofort wieder den normalen Alltag weiter aufrechterhalten. Das funktioniert nicht.

Also geben Sie sich Zeit. Konzentrieren Sie sich auf Wesentliches. Und Sie müssen nicht zu jedem Moment alles gleichzeitig lösen.

Und nach einiger Zeit stellt sich dann auch wieder die Konzentration, die Aufmerksamkeitsspanne wird wieder ein bisschen weiter, stellt sich im Laufe der Zeit wieder ein.

Hier geht es zum Video-Interview: „Psychische Folgeerscheinungen bei Krebs”

Sozial- und arbeitsrechtliche Herausforderungen bei Krebs

Was kann ich tun, um meinen Arbeitsplatz im langen Krankenstand zu sichern?

Also, wenn Sie mit einer Krebsdiagnose konfrontiert sind und berufstätig sind, dann stellt sich meistens die Frage und die Sorge: Was kann ich denn tun, um meinen Arbeitsplatz absichern zu lassen?

Es gibt tatsächlich eine Möglichkeit, und zwar können Sie sich mit einer Krebsdiagnose dem Kreis der begünstigten behinderten Menschen anschließen. Was ist das? Das ist ein recht einfacher Akt. Und zwar können Sie einen Antrag beim Sozialministeriumservice stellen. Dieser Antrag nennt sich Feststellungsantrag.

Und was wird hier festgestellt? Es wird aufgrund Ihrer Erkrankung ein Grad der Behinderung festgestellt. Das hat mehr Vorteile als Nachteile. Also im Wesentlichen hat es für Sie nur Vorteile, denn es sichert Ihnen den Arbeitsplatz, indem Sie dadurch einen erweiterten Kündigungsschutz haben.

Erweiterter Kündigungsschutz würde bedeuten, dass ein Arbeitgeber Sie sehr wohl kündigen kann, auch mit einem Feststellungsantrag, aber unter sehr schwierigen Bedingungen. Das heißt, er müsste die Kündigung beim Sozialministeriumservice einreichen. Dort wiederum gibt es einen Behinderten-Ausschuss, der diese Kündigungen prüft.

Das heißt: Wenn Sie diesen Feststellungsantrag beim Sozialministeriumservice einreichen, ist Ihnen Ihr Arbeitsplatz zu 98 Prozent gesichert.

Also wir empfehlen allen unseren Kunden und Kundinnen, diesen Antrag zu stellen, sofern es eben einen aufrechten Arbeitsplatz gibt. Damit kann die ganze Behandlungszeit einfach viel, viel ruhiger vollzogen werden und Sie müssen nicht dauernd denken, ob mit dem Arbeitsplatz etwas passieren könnte oder nicht. Also wirklich noch einmal: Dieser Grad der Behinderung, der dadurch festgestellt wird, der bleibt Ihnen auch nicht lebenslänglich. Das werden wir sehr oft gefragt. Okay, dann gehöre ich zu den behinderten Menschen. Nein, muss nicht sein. Diese Anträge werden meistens für eine Dauer von maximal fünf Jahren bewilligt.

Viele Menschen wollen das dann aber auch länger haben. Das heißt, Sie könnten diese Anträge durchaus immer wieder neu beantragen, müssten dann aber aktuelle Befunde einreichen. Das heißt, wenn das nach fünf Jahren abgelaufen ist, können Sie diesen Antrag wieder stellen, müssten dann aber halt mit neuen Befunden einreichen. Sofern die Erkrankung nach fünf Jahren dann noch in irgendeiner Form aktuell ist, könnte es sein, dass Anträge dann auch weiter bewilligt werden. Oft ist es dann aber auch so, dass der Grad der Behinderung, der festgestellt wird, heruntergestuft wird.

Was ich vergessen habe zu sagen ist, dass die meisten Krebspatienten einen Grad der Behinderung 50 Prozent bekommen. Das ist auch notwendig, um diesen Kündigungsschutz dadurch erwirken zu können.

Was bringt mir die Zugehörigkeit zum Kreis der begünstigten Behinderten?

Die Vorteile, die Sie durch diese Zugehörigkeit zum Kreis der begünstigten behinderten Menschen haben, zum einen mit diesem Feststellungsantrag, zum zweiten gäbe es auch die Möglichkeit, einen Behindertenpass zu beantragen.

Die Anträge schauen beide komplett gleich aus. Der Behindertenpass hat aber keinen Kündigungsschutz dabei. Das heißt: Es gibt zweierlei Anträge.

  • Das eine ist der Feststellungsantrag,
  • das zweite der Behindertenpass.

Der Feststellungsantrag ist relevant für den Arbeitsplatz.

Die Vorteile, die Sie dadurch haben, ist, ich wiederhole es noch einmal, ist der erweiterte Kündigungsschutz.

Ein weiterer Vorteil ist ein Lohnsteuerfreibetrag, den Sie damit haben, und zwar mit beiden Anträgen, mit dem Feststellungsantrag als auch mit dem Behindertenpass.

Und Sie haben Anspruch auf mehr Urlaub mit beiden Anträgen, Feststellungsantrag als auch Behindertenpass. Wie viel mehr Urlaub? Das kann sein von einem Tag bis maximal 7 Tagen. Um wieviel Urlaubsmehrtage es sich letztendlich handelt, hängt ab von Ihren Betriebsvereinbarungen, vom jeweiligen Dienstrecht oder vom Kollektivvertrag. Das heißt, das müssten Sie in Ihrer Firma entweder mit dem Betriebsrat oder im Personalbüro klären.

Ein weiterer Vorteil ist, dass nicht nur Sie Vorteile haben durch diese Feststellung, sondern auch Ihr Arbeitgeber. Der Arbeitgeber kann beim Sozialministeriumservice, sofern vonnöten oder von Bedarf, zweierlei Arten von Beihilfen beantragen, also entweder – oder, nicht zwei Beihilfen, sondern entweder – oder. Zum einen eine Entgeltbeihilfe oder eine Arbeitsplatzsicherungsbeihilfe, sollte der Arbeitsplatz doch in irgendeiner Form gefährdet sein. In Corona-Zeiten denke ich mir durchaus noch einmal mehr interessant als vor Corona-Zeiten.

Wohin kann ich mich bei arbeits- und sozialrechtlichen Fragen wenden?

Bei arbeits- und sozialrechtlichen Fragen ist

  • die erste Adresse immer die Arbeiterkammer,
  • dann natürlich an uns, an die Österreichische Krebshilfe Wien, an die Arbeitsassistenz, an meine Kollegin und mich.
  • Sofern wir die Fragen nicht beantworten können, werden wir versuchen, Sie dorthin weiterzuleiten, wo Sie absolut professionelle Antworten bekommen können.
  • Weitere Stellen, die arbeits- und sozialrechtlich gut vertraut sind und Auskunft geben können, das wäre der KOBV, das ist der Kriegsopfer- und Behinderten-Verband. Die haben juristische Beratungsmöglichkeit bieten die an,
  • oder der ÖZIV, der Österreichische Zivil-Invaliden-Verband, die haben auch ein gutes Beratungsangebot, was arbeits- und sozialrechtliche Dinge anbelangt.
  • Gerne können Sie sich auch an fit2work wenden
  • oder eine gute Adresse ist auch der Verein ChronischKrank.at. Die sind nicht immer in Wien zugänglich. Da ist der Sitz in Oberösterreich. Aber die haben immer wieder Beratungseinheiten, auch in Wien. Das muss man sich dann auf der Homepage anschauen.

Ich bin aufgrund meiner Krebsdiagnose im Krankenstand. Wie lange wird mein Gehalt weiterbezahlt?

Ja, ganz wesentlich ist natürlich die Frage, wenn Sie in Krankenstand gehen müssen aufgrund ihrer Krebsdiagnose: Wie lange bekommen Sie denn Ihren Gehalt weiterbezahlt?

  • Also, wenn Sie erst ein Jahr in Ihrer Firma sind, dann bekommen Sie die Entgeltfortzahlung für 6 Wochen. Es geht ganz normal weiter, das Gehalt wird 6 Wochen lang bezahlt. Danach bekommen Sie 4 Wochen lang nur mehr die Hälfte Ihres Gehalts. Die andere Hälfte schießt dann schon die Krankenkasse zu.
  • Ab dem zweiten Jahr im Berufsleben in einer Firma bis zum fünfzehnten Jahr bekommen Sie acht Wochen Ihren Gehalt weiter bezahlt und wiederum vier Wochen, wo dann nur mehr die Hälfte ist, andere Hälfte Krankenkasse.
  • Ab dem 16. bis zum fünfundzwanzigsten Berufsjahr in einer Firma bekommen Sie 10 Wochen lang Ihren Gehalt weiter bezahlt, wiederum danach 4 Wochen die Hälfte. Die andere Hälfte schießt die Krankenkasse zu.
  • Und wenn Sie schon ewig lange in einer Firma sind, das heißt ab dem 26. Jahr in einer Firma, kriegen Sie es dann 12 Wochen und wiederum 4 Wochen halb und die andere Hälfte von der Krankenkasse.

Hier schließt sich dann gleich weiter an das Krankengeld. Dieses Krankengeld kommt nicht automatisch. Das heißt, wenn die Entgeltfortzahlung erschöpft ist, haben Sie Anspruch auf Krankengeld. Und das Krankengeld müssen Sie aber im Gegensatz zu Ihrem Lohn, der automatisch auf Ihr Konto kommt, bei Ihrer jeweiligen Sozialversicherung beantragen.

Wie lange kann ich im Krankenstand bleiben und Krankengeld beziehen?

Also, wenn Sie in Krankenstand gehen müssen, dann ist es so:

  • Ab dem vierten Tag steht Ihnen Krankengeld zu.
  • Wenn Sie erst ein Jahr in einer Firma sind, haben Sie mindestens Anspruch auf 26 Wochen durchgehend Krankengeld.
  • Ab einem Jahr in einer Firma haben Sie die Möglichkeit, 52 Wochen lang Krankengeld zu beziehen bis zu einer maximalen Dauer von 78 Wochen. Was bedeutet das? Das heißt: Im Regelfall sind Sie nach 52 Wochen ausgesteuert. Ausgesteuert bedeutet, dass auch die Krankenkasse Ihnen kein Krankengeld mehr bezahlt. Die Österreichische Gesundheitskasse hat das seit heuer neu gemacht, dass man diese, in Ausnahmefällen, diese 52 Wochen auf 78 Wochen verlängern kann. Das kann der Chefarzt in der Österreichischen Gesundheitskasse tun. Und das tut er dann, wann wird das bewilligt auf 78 Wochen? Wenn absehbar ist, dass Sie nach insgesamt 78 Wochen wieder arbeitsfähig sind. Also das ist wirklich eine gute Ressource, denn 52 Wochen, das ist ein Jahr, klingt sehr lange, ist aber bei einer schwereren Krebserkrankung oft nicht so lange, d. h. mit verschiedenen Therapien und Behandlungszyklen, die durchlaufen werden müssen, ist ein Jahr schnell einmal um .Und dann muss man entscheiden: Wenn die Krankenkasse kein Geld mehr bezahlt, hieße es nur zurück in den Job oder zum Arbeitsamt oder, und darauf komme ich dann später nochmal zurück, es gibt noch eine dritte Option, aber die gute ist, dass man auch diese 52 Wochen auf 78 Wochen verlängern kann. Und das sind dann doch insgesamt eineinhalb Jahre, wo man im Krankenstand bleiben kann und Krankengeld beziehen kann. Und ich würde jetzt mal meinen: In sehr vielen Fällen ist dann ein Wiedereinstieg an den Arbeitsplatz durchaus möglich.

Mein Anspruch auf Krankengeld ist erschöpft, ich bin weiterhin nicht arbeitsfähig. Was kann ich machen?

Also, wenn Sie sehr lange im Krankenstand sind, bekommen Sie nach ungefähr einem halben Jahr ohnehin einen Brief von der jeweiligen Sozialversicherung mit dem Hinweis, sich mal in Ihrer Pensionsversicherungsanstalt zu melden.

Das macht sehr vielen Leuten oft Sorge, weil sie Angst haben, in eine Berufsunfähigkeitspension geschickt zu werden.

Tatsächlich ist es aber so, dass wenn diese Aussteuerung nach 52 Wochen erfolgt, muss man sich natürlich überlegen, wenn man noch nicht arbeitsfähig ist: Wie kann das weitergehen, und wie bin ich finanziell versorgt danach? Und hier ist es so, dass Sie einen Antrag, tatsächlich einen Antrag auf Berufsunfähigkeitspension stellen können, sofern diese Aussteuerung näher heranrückt. Das bedeutet aber nicht zwingend, dass Sie eine Berufsunfähigkeitspension beantragen.

Der Antrag heißt so. Es kommt immer darauf an, in was für einem Jahr Sie geboren wurden. Das heißt: Alle Menschen ab 1964 geboren beantragen mit dem Antrag auf Berufsunfähigkeitspension in erster Linie einen Antrag auf Rehabilitation. Das heißt, dass wenn dieser Antrag von Ihnen gestellt wird und von der PVA befürwortet wird, dann bedeutet es, dass Ihnen Reha-Geld gewährt wird und keine Pension, nicht im ersten Schritt eine Pension, sondern ein Reha-Geld.

Das Ziel ist immer auch bei schweren Erkrankungen zu schauen, das mal zu prüfen, ob die Leute nicht wieder in ihren Beruf zurückkehren können, ob eine Rehabilitation erfolgen kann, was es in den meisten Fällen ja auch tut. Und dieses Rehabilitationsgeld sichert Ihnen einfach eine finanzielle Sicherheit, vordergründig, aber gewährt Ihnen auch einen Polster, dass Sie nicht nach diesen 52 Wochen wieder an Ihren Arbeitsplatz zurück müssten, sofern es einen gibt, oder sich beim Arbeitsamt zu melden, sondern Sie haben damit einfach weiter die Möglichkeit, Ihren Therapien zu folgen und sich sofern möglich Gutes zu tun und langsam sich vorzubereiten auf einen eventuellen Wiedereinstieg in Ihr Berufsleben.

Das Reha-Geld selber wird zwischen einem halben Jahr und einem Jahr bewilligt. Das kommt dann immer drauf an, wie es in Ihrem Bescheid drinnen steht, längstens aber zwei Jahre. Sollte es in diesen zwei Jahren zu keiner Rehabilitation aufgrund Ihrer Erkrankung kommen, könnte es sein, dass auch bei jüngeren Geburtsjahrgängen dieses Rehabilitationsgeld übergeht in eine Berufsunfähigkeitspension.

Und alle Menschen, die unter 1964 geboren sind, stellen sehr wohl mit dem Antrag auf Berufsunfähigkeitspension einen Antrag auf Berufsunfähigkeitspension.

Welche Möglichkeiten habe ich, um nach langem Krankenstand meine Arbeit wieder aufzunehmen?

Ja, welche Möglichkeiten haben Sie?

Sofern Sie zum Beispiel dieses Reha-Geld beantragt haben, gäbe es die Möglichkeit, auch während eines Reha-Geldbezugs einen sanften Wiedereinstieg zu planen. Wie funktioniert das? Sie haben automatisch, wenn Sie Reha-Geldbezieher oder -bezieherin sind, in Ihrer jeweiligen Sozialversicherung einen Case Manager oder eine Case Managerin. Das kann man mit dieser Dame oder diesem Herrn einmal besprechen bzw. würde ich an dieser Stelle wirklich empfehlen, mit uns Kontakt aufzunehmen, mit mir oder mit meiner Kollegin, um Ihnen das wirklich bis ins Detail erklären zu können.

Das wäre mal eine Möglichkeit.

Viele Leute haben aber kein Reha-Geld und möchten ihren Wiedereinstieg anders planen. Und da ist eine sehr, sehr gute Sache die Wiedereingliederungsteilzeit. Was ist die Wiedereingliederungsteilzeit? Die Wiedereingliederungsteilzeit ist eine Möglichkeit, für ein halbes Jahr an den Arbeitsplatz zurückzukehren und die Arbeitszeit um mindestens 25 Prozent, aber maximal 50 Prozent für ein halbes Jahr reduzieren zu können.

Was ist die Voraussetzung, um diese Wiedereingliederungsteilzeit machen zu können?

  • Die erste Voraussetzung ist für Sie, dass Sie einen mindestens 6-wöchigen, durchgehenden, d. h. ununterbrochenen, da dürfen Sie keinen Tag irgendwie nicht im Krankenstand gewesen sein, also das müssen Sie vorweisen: Mindestens 6 Wochen, was bei Krebspatienten in den meisten Fällen ohnehin der Fall ist, weil ja die Krankenstände in den meisten Fällen sehr, sehr lange andauern. Also das ist die Grundvoraussetzung.
  • Die zweite Voraussetzung ist, dass Sie mit Ihrem Arbeitgeber darüber sprechen, dass es diese Möglichkeit gibt, dass Sie das gerne tun würden. Und wenn er oder sie sein Einverständnis gibt, dann können Sie das machen. Arbeitgeber können aber den Wunsch nach Wiedereingliederungsteilzeit auch ablehnen. Dann haben Sie keine Chance, das machen zu können.

Wenn Sie, wenn beides gegeben ist, d.h. Arbeitgeber wäre einverstanden mit dieser Wiedereingliederungsteilzeit, Sie haben sich damit beschäftigt, was denn genau die Wiedereingliederungsteilzeit ist, an dieser Stelle sei gesagt: Es gibt eine ganz, ganz tolle Broschüre vom Sozialministeriumservice, die man auf der Homepage vom Sozialministeriumservice sich herunterladen kann. Oder man nimmt mit uns Kontakt auf. Wir können Ihnen die Broschüre weiterreichen, zuschicken bzw. Ihnen auch mehr Informationen zur Wiedereingliederungsteilzeit geben.

Ist der Arbeitgeber einverstanden, haben Sie einen mindestens sechswöchigen durchgehenden Krankenstand hinter sich, dann braucht es eine Abwicklung, um diese Wiedereingliederungsteilzeit durchführen zu können. Die mag auf den ersten Blick ein bisschen kompliziert wirken, ist es aber nicht. Fit2work ist hier die richtige Ansprechstelle. Die haben sich darauf spezialisiert und würden mit Ihnen die komplette Abwicklung machen, sofern das in Ihrer, manche Firmen machen die Abwicklung auch selber, sind eher spärlich, aber es gibt diese Firmen. Sollte das in Ihrer Firma nicht der Fall sein, dann wenden Sie sich bitte an fit2work, rufen Sie dort an und die machen mit Ihnen alles, was dafür notwendig ist.

Wie wird die Wiedereingliederungsteilzeit bezahlt?

Die Wiedereingliederungsteilzeit wird so bezahlt, dass die Stunden, die Sie in Ihrer Firma in der Wiedereingliederungsteilzeit arbeiten, auch von der Firma bezahlt wird. Die andere Hälfte ist ein Wiedereingliederungsgeld, das quasi ein erhöhtes Krankengeld ist, das heißt, Sie bekommen in der Zeit, in der Sie die Wiedereingliederungsteilzeit machen, mehr als Sie im Krankengeld bezogen haben. Aber natürlich etwas weniger als Ihr normaler Gehalt ist.

Es gibt sogar eine Wiedereingliederungsteilzeitrechner, wo Sie sich das ausrechnen können. Brauchen Sie nur zu googeln, und dann können Sie sich ausrechnen. Ungefähr, so über den Daumen werden es so zirka 300 Euro weniger sein im Vergleich zu Ihrem Gehalt, das Sie in dieser Zeit bekommen.

Aber wie gesagt, deswegen ist es ein sanfter Wiedereinstieg. Sie arbeiten maximal 50 Prozent Ihrer Arbeitszeit und hätten in Ausnahmefällen sogar die Option, diese maximale Dauer von 6 Monaten in Ausnahmefällen noch einmal um drei Monate zu verlängern. Also insgesamt die maximale Dauer einer Wiedereingliederungsteilzeit mit der dreimonatigen Verlängerung wären 9 Monate.

Hier geht es zum Video-Interview: „Sozial- und arbeitsrechtliche Herausforderungen bei Krebs”

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Geprüft Mag.a Gaby Sonnbichler: Stand November 2020 | Quellen und Bildnachweis

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