3. Psychische Folgeerscheinungen bei Krebs

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Psychische Folgeerscheinungen bei Krebs wie Müdigkeit und Erschöpfung, Schlafstörungen, Angst, Probleme mit der Sexualität, Depression oder Konzentrationsstörungen beschäftigen viele PatientInnen und Angehörige in der Zeit der Nachsorge nach der Krebstherapie. Wie kann man z.B. mit den Auswirkungen der Krebserkrankung auf die Partnerschaft umgehen? Karin Isak beantwortet die wichtigsten Fragen zum Thema:

Mein Name ist Karin Isak. Ich bin Beratungsstellenleiterin der Krebshilfe Wien. Ich bin schon seit 21 Jahren hier und arbeite vorwiegend mit Krebspatienten und deren Angehörigen. Ich liebe meine Arbeit sehr und ich bin sehr engagiert. Mit einem wunderbar engagierten Team sind wir täglich tätig und versuchen ein bisschen, den Menschen, die in eine Notsituation geraten sind, die Situation zu erleichtern.

Und ich möchte heute in diesem Beitrag über das mir ganz wichtige Thema Nachsorge sprechen. Denn die Nachsorge ist sowohl in der Literatur als auch bei vielen Behandlern und Behandlerinnen, auch bei den Patienten, selbst ein vernachlässigter Teil.

Viele, viele Menschen denken, es wäre nun alles vorbei. Die Behandlungen sind erledigt. Der letzte Tag der Therapie ist gelaufen, und ich kann schon wieder einsteigen ins Berufsleben. Und ich kann schon wieder alle Tätigkeiten zu Hause übernehmen.

Daher ist es mir sehr wichtig, im folgenden Beitrag über Fatigue zu sprechen, über Angst zu sprechen, über Schlafstörungen zu sprechen, über Unsicherheit und Angst zu sprechen, über Konzentration etwas zu sagen, um hier die Aufmerksamkeit auf diesen wichtigen Abschnitt im Laufe einer onkologischen Behandlung auch zu legen.

Was kann ich tun gegen chronische Müdigkeit und Erschöpfung?

Ja, zunächst ist hier sehr wichtig zu sagen, dass der letzte Tag einer Krebstherapie nicht der letzte Tag des Leidensweges eines Patienten ist. Sondern nach diesen vielen anstrengenden Behandlungen, nach invasiven Eingriffen, nach Operationen sind Patienten extrem müde, erschöpft und auch ausgelaugt. Und so klagen dann im Beratungszentrum bei uns in der persönlichen Beratung viele Patienten und Patientinnen über eine bleierne und schwere Müdigkeit.

Nun kennen wir alle Müdigkeit und Erschöpfung nach einem anstrengenden Arbeitstag, nach einer sportlichen Betätigung, während diese Form von Müdigkeit, nämlich Fatigue, der Begriff kommt aus dem Französischen und bedeutet „müde sein, erschöpft sein“, eine ganz andere Form von Erschöpfung ist, nämlich eine bleierne, unerträgliche Müdigkeit. Und Patienten haben wirklich einen enormen Leidensdruck.

Woher kommt dies? – Die Ursachen können vielfältig sein. Nach Chemotherapien und Strahlentherapien ist es sehr häufig der Fall, und zwar in den verschiedensten Phasen der Erkrankung, aber auch als Langzeitfolge, dass die Fatigue vorhanden ist. Und ganz wichtig ist jetzt zu überlegen: Was kann man tun?

An erster Stelle natürlich darüber sprechen. Sprechen Sie mit Ihren Behandlern und darüber, wie Sie sich fühlen. Sprechen Sie die Ärzte an, die Ärztinnen. Aber auch bei uns in den Beratungszentren können Sie sich melden, in der Österreichischen Krebshilfe und mit einer Psycho-Onkologin mit einem Psycho-Onkologen sprechen und berichten Sie, wie es Ihnen geht.

Was wir dann tun können und gemeinsam ist:

  • B. ein Energietagebuch könnten Sie hier führen. Das ist ein Plan, den Sie selber erstellen, wo Sie genau die Tageszeit eintragen, die Tätigkeit, die Sie machen, welchen Grad der Erschöpfung Sie dabei empfinden und welchen Aufwand, wie stark Sie das ermüdet und wie Sie das auch vielleicht ein bisschen abändern können im Laufe der Zeit. Sie können das über 2, 3, 4 Wochen führen, dieses Energietagebuch, das Fatigue-Tagebuch, und Ihr Arzt und Sie gemeinsam gehen dann durch: Wo kann ich vielleicht ein bisschen Energie einsparen? Wo kann ich es mir erleichtern? Wo mache ich nicht zwei anstrengende Termine hintereinander? Das kann sehr hilfreich sein.
  • Selbstverständlich auch guter und ausgewogener Schlaf.
  • Selbstverständlich auch eine gute Ernährung, eine ausgewogene Ernährung.
  • Und vielleicht noch etwas Wichtiges: Strukturieren Sie sich den Tagesablauf gut. Strukturieren Sie, was Sie wann machen wollen.
  • Und: Überfordern Sie sich nicht. Denn Menschen, die unter einer Fatigue leiden, neigen dazu, sich stark zu überfordern. Und es ist wichtig, eine Balance zu finden zwischen zuviel und zuwenig.

Und wenn Sie das so ein Stück weit berücksichtigen, dann wird sich höchstwahrscheinlich die Fatigue ein bisschen zurückziehen und ein bisschen verbessern.

Aber auf jeden Fall der Ratschlag: Bitte sprechen Sie mit Ihren Behandlern darüber, und sprechen Sie auch mit den Psycho-Onkologinnen, wie wir es z.B. hier im Beratungszentrum der Krebshilfe anbieten, über Ihre Symptome, und beschreiben Sie genau, was Sie wirklich empfinden.

Und ein ganz wichtiger Punkt jetzt noch: Der Unterschied zwischen Fatigue und Depression.

  • Eine Depression kommt meist schleichend,
  • während eine Fatigue sich relativ schnell einstellt.

Und Menschen, die unter Depressionen leiden, ziehen sich eher zurück. Sie genieren sich auch, darüber zu sprechen. Sie schämen sich. Vor allem unsere männlichen Patienten geben nicht gerne zu, dass sie unter einer Depression leiden. Sie ziehen sich eben wie gesagt eher in sich zurück.

Menschen, die unter Fatigue leiden, gehen aktiv auf die Behandler meistens zu, haben so einen starken Leidensdruck und sagen, dass sie diesen Zustand unbedingt nicht mehr haben wollen. Also hier ist ein Unterschied.

Und ein ganz wichtiger Unterschied ist auch noch der, dass es Medikamente gegen die Depression gibt. Es gibt Antidepressiva, während es gegen Fatigue keine Medikamente gibt.

Und wenn man einen Patienten fragt: Hatten Sie schon einmal in Ihrem Leben depressive Phasen und leiden Sie vor allem unter Antriebslosigkeit und Lustlosigkeit, dann handelt es sich wahrscheinlich um eine Depression. Spricht er aber von dieser Müdigkeit, die sich auf drei Gebieten abspielt, nämlich

  • auf der kognitiven Ebene in Form von Konzentrationsstörungen, Aufmerksamkeitsproblemen,
  • auf der körperlichen Ebene in Bezug auf Energieverlust
  • und eben auch auf der emotionalen Ebene in Bezug auf Antriebslosigkeit und Müdigkeit,

dann wird es sich eher um eine Fatigue handeln.

Wie bekomme ich meine Schlafstörungen in den Griff?

Zwei Drittel aller Krebspatienten leiden unter Ein- und Durchschlafstörungen oder unter Ein- oder Durchschlafstörungen. Das ist ein sehr großer Anteil von Patienten, und das heißt, es ist ganz wichtig, hier etwas dagegen zu unternehmen.

Wir müssen aber wieder unterscheiden: Welche Ursachen hat die Schlafstörung?

  • Geht es darum, dass es um einen Hormonmangel geht? Bei unseren Frauen mit Brustkrebs, die die Antihormontherapie bekommen, die leiden ganz stark unter Wechselbeschwerden. Sie decken sich auf und zu in der Nacht.
  • Das ist ein anderer Grund, eine andere Ursache für die Schlafstörungen, wie z.B. Blutdruckschwankungen oder Schmerzen.
  • Aber besonders quälend sind Schlafstörungen, wenn man vor dem Einschlafen extremes Grübeln hat, Nachdenken hat, wenn Gedanken quälend durch den Kopf schießen: Wann ist die nächste Behandlung? Werde ich einen schlechten Befund bekommen? Ich fürchte mich vor der Operation. Wenn dieses Grübeln nicht und nicht aufhört, dann kann der Schlaf sehr qualvoll werden.

Und daher ist es wichtig, auch hier mit den Behandlern und Behandlerinnen über diese Schlafstörungen zu sprechen: Wann habe ich die Schlafstörungen, und wie oft wache ich auf in der Nacht? Also tun Sie das. Sprechen Sie mit Ihren Behandlern, mit Ihren Ärzten darüber, und Sie werden gemeinsam einen Weg herausfinden, nämlich entweder in Form von Entspannungsübungen. Hier gibt es eine Unzahl von sehr wirksamen Entspannungsübungen, die Sie am Abend vor dem Einschlafen noch tun können. Auch Phantasiereisen, Imaginationen, Autogenes Training ist z.B. auch ganz besonders wirkungsvoll. Hier können Sie viele Elemente verwenden, um von Ihren Gedanken abzuschalten.

Und was ich auch gerne rate, ist wirklich am Abend sich einmal über den Kopf zu streichen und die schweren Gedanken auf das Nachtkasterl zu legen bzw. noch ein Stückchen weiter wegzulegen und sie sich erst am nächsten Tag in der Früh wieder zu nehmen.

Nun gibt es aber auch Schlafstörungen, die so stark sind und so vehement sind, meistens im Zuge einer schweren Depression, dass Patienten gar nicht mehr schlafen können und chronisch müde, erschöpft, am nächsten Tag unruhig, innerlich aufgebracht, sehr, sehr erschöpft sind.

Was kann man hier tun? Hier wäre doch das Aufsuchen eines Facharztes für Psychiatrie und Neurologie das Mittel der Wahl. Das sind Ärzte, die Schlafstörungen sehr gut einstellen können. Eine leichte Schlafmedikation kann hilfreich sein und wesentlich effizienter sein als Tage und Wochen nicht zu schlafen. Also scheuen Sie sich nicht, auch hier mit Ihrem Hausarzt zu sprechen oder mit einem Facharzt zu sprechen und eine medikamentöse Einstellung zu bekommen, die sicherlich hilfreich sein wird, damit Sie endlich wieder schlafen können.

Schlafentzug ist wie Folter. Schlafentzug kann chronisch werden und kann wirklich, wirklich ein ganz unangenehmer Begleiter sein. Daher unternehmen Sie etwas dagegen. Zunächst vielleicht auch mit einem Einschlafritual. Das ist eine gute Möglichkeit, am Abend ein gutes Bad zu nehmen mit einem duftenden Badeöl, mit einem Badeschaum, sich in einen wolligen Bademantel hüllen und vielleicht noch einen guten Tee zu trinken und sich einer kleinen Phantasiereise vor dem Einschlafen hinzugeben. Das kann sehr, sehr hilfreich sein, um eine Spur besser zu schlafen.

Welche Tipps gibt es für wohltuenden Schlaf?

Ein wohltuender Schlaf beginnt mit einem guten Schlafraum. Der Schlafraum soll nicht hell sein, soll nicht mit elektronischen Geräten voll beladen sein, soll nicht mit Arbeitsutensilien bedeckt sein, es soll ein ruhiger Raum sein, in den Sie sich am Abend in Ruhe zurückziehen können und eben diesem Gedankenkreisen entgegenwirken: Was habe ich morgen zu tun? Welche Behandlungen kommen morgen? Sie sollen in Ruhe einschlafen können.

Wichtig ist auch am Abend davor nicht zu viel kohlenhydratiges Essen, nicht zu viel Bewegung machen. Bewegung ist ja an sich sehr gut, aber nicht unmittelbar vor dem Schlafengehen. Wichtig ist es auch, nicht zu rauchen, nicht zu trinken, sondern vielleicht wirklich mit einer kleinen gesunden Mahlzeit, wo der Magen nicht so voll ist, einzuschlafen.

Das sind wichtige Voraussetzungen.

Und eben ein kleines Einschlafen Ritual. Vielleicht eine kleine mentale Übung. Was ich gerne empfehle zum Einschlafen, ist zum Beispiel, sich am Abend noch drei Situationen vorzustellen, die im Laufe des Tages heute besonders gut gelaufen sind. Wo Sie eine nette Begegnung hatten mit einem Menschen, der etwas Liebevolles, etwas Nettes zu Ihnen gesagt hat, wo Sie vielleicht selber jemanden helfen konnten, jemanden unterstützen konnten oder einfach eine wunderschöne Sonnenblume am Markt gesehen haben, in einem Blumengeschäft am Markt gegangen sind, Obst gesehen haben, diese Farben noch einmal Revue passieren lassen vor dem Einschlafen. Das erweist sich als sehr, sehr günstig.

Erschöpfung und Schlafstörungen

Fatigue – die chronische Erschöpfung

Neben funktionellen Einschränkungen und Schmerzen ist die Erschöpfung eines der häufigsten Folgeprobleme einer Tumorerkrankung und ihrer Behandlung. Diese Form der Erschöpfung wird im Zusammenhang mit einer Tumorerkrankung als tumorassoziierte Fatigue (CRF) bezeichnet und äußerst sich in Form eines belastenden Gefühls atypischer Müdigkeit und Schwäche auf mehreren Ebenen:

  • auf körperlicher Ebene (Energielosigkeit)
  • auf emotionaler Ebene (Antriebslosigkeit, Selbstwertverlust)
  • auf kognitiver Ebene (Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörung)

Dieses Gefühl steht nicht im Zusammenhang mit einer körperlichen Betätigung und lässt sich nicht durch Ausruhen oder Schlafen verbessern. Die Leistungsfähigkeit wird durch Fatigue extrem vermindert. Fatigue kann zu allen Zeitpunkten der Behandlung und auch als Langzeitfolge auftreten. Ein chronischer Verlauf reduziert die Lebensqualität erheblich.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es bei Fatigue?

  • Verhaltenstherapie
  • Entlastende Gespräche mit PsychoonkologInnen/PsychotherapeutInnen
  • Entspannungstechniken
  • Strategien zum Stressmanagement
  • Anleitungen zum Energiesparen

Wie unterscheide ich Fatigue von einer Depression?

Beide Erkrankungen gehen mit großer Erschöpfung, Gedächtnisproblemen, Verlust der Libido und Schlafstörungen einher. Fatigue beginnt allerdings in vielen Fällen plötzlich und wird manchmal auch von grippeähnlichen Symptomen begleitet (Kopf-, Halsschmerzen, schmerzhafte Lymphknoten, Fiebrigkeit). Eine Depression entwickelt sich dagegen meist schleichend. Während sich die Symptome einer Depression durch regelmäßige körperliche oder geistige Aktivität spürbar bessern, können sie sich bei übermäßigem Training und körperlicher Überanstrengung bei Fatigue zunehmend verschlechtern. Menschen mit einer Depression neigen dazu, sich zurückzuziehen und zu resignieren, während Menschen mit Fatigue in der Regel aktiv nach Hilfe suchen. Antidepressiva wirken sehr gut bei Depressionen, allerdings nicht bei Fatigue – es gibt keine zugelassenen Medikamente bei Fatigue.

Energietagebuch

Vielleicht hilft es Ihnen ein Tagebuch zu führen, in dem Sie sich notieren, zu welcher Uhrzeit Sie im Lauf eines Tages welche Tätigkeit mit welchem Energieaufwand ausgeführt haben und den damit verbunden Grad der Erschöpfung festhalten. So wird gut sichtbar, was genau Sie besonders anstrengt und wo Sie vielleicht Änderungen vornehmen sollten in Ihrer Alltagsstruktur. Zu viele anstrengende Betätigungen hintereinander sollten Sie jedenfalls vermieden. So ein Tagebuch kann auch als gute Gesprächsgrundlage für das ärztliche Gespräch dienen und der beschwerliche Ist-Zustand im Lauf der Zeit in eine positive Richtung verändert werden.

Schlafstörungen

Etwa zwei Drittel aller Krebspatienten leiden unter krankheitsbedingten Schlafstörungen. Tagsüber fühlen sie sich dann erschöpft, können sich nicht konzentrieren und sind ständig müde. Schlaf beeinflusst die Lebensqualität wesentlich und Schlafmangel kann sehr belastend sein. Was tatsächlich den Schlaf raubt kann vielfältiger Natur sein. Körperliche Faktoren wie Schmerzen, Bluthochdruck, Atemnot oder Hormonstörungen können ebenso wie therapiebedingte Faktoren Schlafstörungen auslösen. KrebspatientInnen sind außerdem durch die vollkommen veränderte Lebenssituation vermehrtem Stress ausgesetzt. Angst um die eigene Existenz, die Versorgung der Familie, berufliche Sorgen, können belasten und zu vermehrtem Grübeln, Angst oder Depressionen führen.

Was sind mögliche Ursachen?

  • Schlafstörungen können durch verabreichte Chemotherapeutika, oder durch andere aktivierend wirkende Medikamente verursacht werden.
  • Schmerz und Atembeschwerden können ebenfalls Gründe sein und mithilfe einer geeigneten supportiven Therapie gemildert werden.
  • Bei durch Angst und Depressionen bedingten Schlafstörungen ist eine psychoonkologische Betreuung oder Verhaltensberatung ratsam.

Was hilft bei Schlafstörungen?

Eine entspannte Einstellung zum Thema Schlaf ist wichtig. Sich aufgrund einer nicht erholsamen Nacht zu viele quälende Gedanken zu machen bringt meist weitere schlaflose Nächte. Verhaltensmedizinische, bzw. kognitiv-verhaltenstherapeutische Therapieansätze können hilfreich sein.

Der erste Schritt für PatientInnen ist, sich der Behandlerin/dem Behandler mitzuteilen. Unbehandelte Schlafprobleme können durch das angeeignete veränderte Schlafverhalten chronisch werden und auch noch nach dem Abschluss der Therapie auftreten. Weiß die Ärztin/der Arzt Bescheid, kann sie/er den Ursachen auf den Grund gehen und Therapiestrategien finden.

Wann können Medikamente bei Schlafstörungen helfen?

Die medikamentöse Therapie wird dann in Betracht gezogen, wenn psychoonkologische Betreuung und die eingehende Analyse der Beschwerden nicht von Erfolg gekrönt waren. In solchen Fällen kann die vorübergehende Therapie mithilfe von Medikamenten sinnvoll sein, damit die Patientin/der Patient aus dem Teufelskreis der Schlaflosigkeit und der tagtäglichen Beeinträchtigung herausgeholt werden kann. Schlaffördernde Medikamente müssen in jedem Fall ärztlich verordnet werden, wobei Wechselwirkungen mit anderen Substanzen beachtet werden müssen.

Kann Lichttherapie bei Schlafstörungen helfen?

Gute Ergebnisse für die Schlafqualität erzielt laut neuesten Studien die Lichttherapie. Die weniger bekannte Therapie scheint effektiv und zudem leicht durchführbar zu sein: Jeden Morgen setzt sich die Patientin/der Patient für 30 Minuten vor eine Lichtbox. Das Licht spielt für die innere Uhr eine wichtige Rolle und stimuliert die Rezeptoren der Retina, welche die Informationen wiederum weiterleitet und somit die zirkadiane Rhythmik steuert. Diese Therapie hat sich bereits bei gesunden Menschen bewährt und scheint ebenso gut bei KrebspatientInnen anwendbar zu sein. Im Laufe der Anwendung verbessert sich die Schlafproblematik häufig.

Tipps für wohltuenden Schlaf

  • Das Schlafzimmer sollte dunkel und ruhig sein, außerdem nicht zu warm und sollte im besten Fall ausschließlich zum Schlafen genutzt werden, daher: keine elektronischen Geräte und Arbeitsutensilien in den Schlafräumen.
  • Rauchen/Alkohol/Kaffee und kohlenhydrathaltiges Essen sollten vor dem Zubettgehen vermieden werden.
  • Bewegung ist grundsätzlich förderlich für den Schlaf, sollte aber nicht unmittelbar vor dem Zubettgehen stattfinden.
  • Abends: Lichtüberschuss – Fernseher/Tablet/iPad/Laptop/ grelle Beleuchtung – vermeiden.
  • Bett-Routine einhalten kann sehr hilfreich sein: Das können kleine Rituale wie zum Beispiel eine Wärmflasche, oder eine wohltuende Entspannungsübung sein. Wichtig ist in diesem Zusammenhang ein regelmäßiger Ablauf, damit sich die innere Uhr darauf einstellen kann.

Einschlafritual – 3 schöne Momente

Denken Sie am Abend an drei schöne Situationen zurück, die im Laufe des Tages besonders gut gelaufen sind. Das kann zum Beispiel eine nette Begegnung sein mit einem Menschen, der etwas Liebevolles zu Ihnen gesagt hat; eine Situation in der Sie selber jemandem helfen konnten; eine schöne Sonnenblume im Blumenladen oder das farbenfrohe Obst am Markt. Lassen Sie diese Momente Revue passieren, um Ihren Tag auf positive Weise abzuschließen.

Schwierig in der Nachsorgephase: Gedankenkarussell stoppen und zur Ruhe kommen

Unser Körper und unser Geist sind es gewohnt, in einem Wechselspiel zwischen Anspannung und Entspannung zu funktionieren. Wenn wir mit unseren täglichen Anforderungen gut zurechtkommen, besteht ein Gleichgewicht, eine Ausgewogenheit zwischen Zuständen der Anspannung – in denen wir aktiv und leistungsbereit sind – und Zuständen der Entspannung – in denen wir uns erholen und wieder neue Kraft und Energie tanken können. Man kann also sagen, ein gesunder Körper sowie eine gesunde Psyche brauchen beides gleichermaßen.

Schwierig wird es aber, wenn das Gleichgewicht verloren geht. Wenn die Zeiten unter hoher Anspannung länger andauern und Phasen der Entspannung, des Lösens, des Abfallens von Druck nicht mehr ausreichend Platz finden. Dies kann zu vermehrtem Stressempfinden und vielfältigen Beschwerden wie Kopfschmerzen, Muskelverspannungen, Bluthochdruck oder Schlafstörungen führen.

Nehmen Sie sich nun eine Pause zum Durchatmen, einen Moment um die Aufmerksamkeit nach innen zu richten und der Ruhebereitschaft Ihres Körpers und Ihres Geistes zu folgen. Hier finden Sie eine angeleitete Entspannungsübung, die Sie durch eine sanfte Atemmeditation führt.

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Mein Körper fühlt sich fremd an und ich habe auf einmal Angst vor Sexualität. Was kann ich tun?

Eine Krebserkrankung wirkt sich selbstverständlich auch auf die Partnerschaft aus. Unmittelbar nach der Diagnose, in der Zeit der Behandlungen rückt die Sexualität meist in den Hintergrund. Viele Patienten und deren Angehörige erzählen uns: „Jetzt ist alles andere wichtig. Es ist wichtig, gesund zu werden. Es ist wichtig, auf unsere körperliche Situation zu achten, die nächste Behandlung gut zu schaffen.“ Und auch die Libido ist in dieser Zeit nicht besonders hoch. Das heißt, die Sexualität wird für einige Zeit in den Hintergrund gestellt.

Und wenn sie dann wieder aufgenommen wird, braucht es natürlich Zeit, um sich langsam wieder anzunähern, um miteinander einen Weg zu finden: Wie möchte ich berührt werden? Was ist unangenehm für mich? Es ist ja der Körper nach all diesen invasiven Behandlungen in einem anderen Zustand als vorher. Vor allem wenn die männlichen und die weiblichen Geschlechtsteile betroffen sind, ist es besonders schwierig, sich hier wieder vielleicht anzunähern. Es ist Schmerz damit verbunden. Es sind Erinnerungen verbunden, dass z.B. bei einer Brustkrebserkrankung eine Brustabnahme erfolgt ist oder eine Teilresektion erfolgt ist, die Narbe schmerzt möglicherweise noch. Oder bei einer Prostataektomie kann es sein, dass es Erektionsprobleme gibt. Es kann sein, dass es Inkontinenzprobleme gibt.

Und all diese Themen sind nach wie vor schon noch ein Stückchen mit Angst und mit Scham verbunden. Das heißt, Patienten, vor allem unsere älteren männlichen Patienten, haben Probleme, ihrem Arzt genau zu berichten, wie sie sich in der Sexualität fühlen.

Wir Beraterinnen sprechen dieses Thema immer an, auch wenn die Patienten es nicht einbringen. Denn es ist wichtig, darüber zu reden.

Und Sexualität ist natürlich nicht nur Geschlechtsverkehr. Sexualität ist Zärtlichkeit, Nähe, Geborgenheit, und das wird auch gesucht. Man muss sich doch erst langsam wieder ein bisschen an diesem verletzten Körper annähern, Stellen wieder neu entdecken: Wo schmerzt es? Wo ist es wohltuend?

Und mein Ratschlag hier wäre, vielleicht ein bisschen zuerst einmal selber mit sich einen Umgang zu finden, selber zu schauen: Wo ist es mir angenehm? Wo ist die Berührung wohltuend? Und wo ist es mir sehr unangenehm, dass mich der Partner berühren könnte? Will ich es auch selbst nicht? Und möchte ich mich dann mitteilen meinem Partner? Also sprechen Sie miteinander. Sagen Sie, was für Sie angenehm ist. Sagen Sie, was Ihnen zu viel ist. Sagen Sie, wenn es Ihnen zu früh ist. Und besprechen Sie so gut wie möglich in der Partnerschaft, welche Rituale Sie wieder einführen wollen, was für Sie wohltuend ist. Das ist ganz wichtig.

Und wenn Sie starke Probleme miteinander haben, das aussprechen zu können, dann können Sie sich ebenfalls in psycho-onkologische Hilfe begeben oder auch eventuell mit einer Sexualtherapie beginnen.

Denn einfach ist es nicht, nach einer langen Zeit der Chemotherapie z.B., wo Haarverlust da war, wo der ganze Körper anders sich anfühlt, der Körper anders aussieht, das ist nicht einfach, in dieser Zeit einen Zugang zu dem eigenen Körper zu bekommen. Auch z.B. bei Patienten, die einen künstlichen Darmausgang haben nach einer Darmoperation besteht die Angst: Was ist denn, wenn mitten im  Sexualakt dieses Sackerl platzt und alles voll ist mit dem Inhalt des Säckchens? Das sind Gedanken, die sehr wohl in den Köpfen der Patienten sind, auch in den Köpfen der Partnerinnen. Und deswegen betreuen wir auch in den Beratungszentren selbstverständlich die Angehörigen von Patienten. Denn es ist wichtig, auch mit dem Partner zu sprechen.

Es kommt leider oft zu Missverständnissen. Es kann z.B. sein, dass eine Frau sagt: Warum greift nicht mein Partner gar nicht mehr an, warum will er keine Sexualität mit mir? Bin ich so unattraktiv geworden? Bin ich nicht mehr interessant für ihn?

Der Partner hingegen möchte die Partnerin schonen, hat Angst, vielleicht zu fordernd zu sein, hat Angst, sie zu überfordern jetzt mit seinen Wünschen und zieht sich deswegen ein Stück zurück.

Und wenn man das gemeinsam mit einer Mediatorin, mit einer Psychologin, mit einer Sexualtherapeutin sich vielleicht ein bisschen ansieht, dann klärt sich dieses Missverständnis auf, und die Frau fühlt sich nicht mehr unattraktiv und nicht begehrenswert. Und der Mann muss sie vielleicht nicht so schonen, wie er vorgehabt hat, sie in der nächsten Zeit weiter zu schonen.

Also Reden hilft. Sprechen Sie auch auf diese Themen, die nicht so einfach sind, zu besprechen, das ist klar. Aber versuchen Sie es. Probieren Sie es.

Ich habe Angst, dass der Krebs erneut auftritt! Wie kann ich mit dieser Angst gut umgehen?

Angst ist ein steter Begleiter von Krebspatienten und Krebspatientinnen. Und es ist ja völlig normal, Angst zu haben. Es ist ja von einer Minute auf die andere alles anders geworden. Die Krebsdiagnose ist wie ein Stein in den ruhenden Fluss gefallen, und der Fluss nimmt nun einen völlig anderen Weg. Es ist selbstverständlich, dass Patienten und Patientinnen verängstigt sind, unsicher sind, Angst haben vor den nächsten Untersuchungen, Angst haben vor Blutabnahme, wenn man schon keine Venen mehr erwischt und es wieder mal nicht geklappt hat mit der Blutabnahme. Wenn das nächste CT naht, der nächste Befund naht, und man wieder nicht weiß: „Wird das ein gutes Ergebnis bringen. Oder ist die Metastasierung weiter fortgeschritten?“ Das ist alles sehr beschwerlich. Das ist alles sehr verängstigt. Daher ist es besonders wichtig, dass man gut kommuniziert mit den Ärzten, dass man ein gutes Vertrauensverhältnis mit seinen Behandlern hat.

Die Angst vor dem Fortschreiten der Erkrankung, die sogenannte Progredienzangst, Progression heißt fortschreiten, sich weiterentwickeln, ist ein ganz, ganz großer Faktor, der eine große Rolle spielt. Dieses Fortschreiten der Erkrankung macht enorme Angst: Wann kommt die Erkrankung wieder? Werde ich eine Metastasierung haben? Das ist auch eine natürliche Angst, eine normale Angst. Es wäre geradezu nicht ganz normal, nicht ganz gewöhnlich, keine Angst zu haben. Dann wären die Abwehrmechanismen besonders stark, die hier im Gange sind.

Dann würde man Angst abwehren und sogar manchmal ins Gegenteil verkehren und sagen: „Ich habe überhaupt keine Angst.“ Das ist dann unsere Arbeit in der psychoonkologischen Arbeit, mit dem Patienten gemeinsam diese Ängste wieder zu heben. Denn es ist wichtig, sich die Angst anzuschauen. Holen Sie die Angst, aber natürlich in Begleitung am besten von Familienmitgliedern, denen Sie vertrauen oder aber auch mit Ihren professionellen Begleitern, holen Sie die Angst von hinten nach vorne und schauen Sie sich die Angst an. Schauen Sie: Was macht Ihnen genau Angst? Wo spüren Sie im Körper die Angst? Wie äußert sich die Angst? Ist es Panik? Haben Sie eine Panikattacke? Wie können Sie hier Unterstützung bekommen?

Wie gesagt: Angst ist eine völlig normale Reaktion auf schwerwiegende Erlebnisse und Ereignisse. Wird sie allerdings so vehement und so stark, dass sie zur täglichen Belastung wird, dann müssen Sie etwas unternehmen. Suchen Sie eine Beratungsstelle auf, suchen Sie einen Therapeuten auf. Und wenn die Angst so unerträglich wird, dass Sie schon beim Aufstehen in der Früh das Herz flattern spüren, die Unruhe spüren, das Herz pocht Ihnen bis zum Hals, dann wäre es auch eine Möglichkeit, hier ein Medikament zu bekommen, mit Ihrem Hausarzt zu sprechen, mit einem Facharzt für Psychiatrie und Neurologie zu sprechen und hier vielleicht für eine gewisse Zeit lang ein Medikament zu bekommen, das ihnen die Panikattacken, die unerträgliche Angst ein bisschen erleichtert.

Es herrscht große Angst vor bei vielen Patienten vor einer medikamentösen Einstellung. Vor allem sagen Sie auch völlig berechtigt: „Ich nehme schon so viele Medikamente. Soll ich jetzt auch noch das Antidepressivum, das Angstmedikament nehmen?“ Ja, in dem Fall, wenn die Angst unerträglich wird: Bitte suchen Sie sich Hilfe.

Gibt es Tipps gegen die Angst?

Das Mittel der Wahl gegen Angstproblematik ist die Entspannungsübung. Jede Form von Entspannung wirkt der Angst gut entgegen. Sie können vom autogenen Training bis zum Jakobsen Muskelentspannungstraining, das vielleicht viele von Ihnen auch aus der onkologischen Rehabilitation schon kennen. Es geht hier darum, gewisse Muskelgruppen intensiv anzuspannen und nachher wieder loszulassen. Das bringt einen guten Entspannungseffekt.

Auch gibt es Imaginationen. Das sind Elemente aus der Psychotherapie, die man hier verwenden kann, aus dem katathymen Bilderleben, wo man sich ein schönes Bild vorstellt und ganz in dieses Bild hineinsinkt. Das vertreibt auch ein Stück weit die Angst.

Also jede Form von Entspannung wirkt Anspannung entgegen.

Es gibt hier natürlich Kurse, Autogenes Training-Kurse, die schon erwähnten Muskelentspannungs-Trainingseinheiten werden gelehrt, werden an Volkshochschulen, aber auch von Psychologen und Psychoonkologinnen gelehrt.

Und wir im Einzelsetting machen es so, dass wir uns ganz individuell ansehen, weil jede Geschichte ist individuell unterschiedlich. Wovor fürchtet sich der Patient? Was ist die schlimmere Angst? Die Angst vor der nächsten Untersuchung? Die Angst vor dem Befund? Die Angst vor dem nächsten Spitalsaufenthalt, wenn vielleicht eine besonders starke Unsicherheit vor Spritzen, vor Medikamenten da ist. Und wenn wir uns das dann ganz genau angesehen haben, dann können wir einen Behandlungsplan entwickeln, der speziell auf den Patienten zugespitzt ist, der speziell auf Sie zugespitzt ist und zugeschneidert ist.

Angst nach der Krebstherapie

Angst vor Sexualität

Unmittelbar nach der Diagnose Krebs stehen für Betroffene und deren PartnerInnen vorwiegend existentielle Fragen und die Organisation des Behandlungsplanes im Vordergrund. Sexualität wird oft auf „später“ verschoben. Allerdings sind nach den invasiven und besonders anstrengenden Behandlungen das Körpergefühl und die Selbstwahrnehmung und somit auch die Lust auf Sex meist stark beeinträchtigt.

Was sind mögliche Ursachen?

Das hat körperliche und seelische Ursachen, die ergründet werden müssen, um wieder zu einem erfüllten Sexualleben zu finden. Operationen und Behandlungen hinterlassen Spuren. Das Aussehen und die körperlichen Funktionen sind bei einigen PatientInnen vorübergehend, bei anderen für immer, verändert. Viele PatientInnen fühlen sich körperlich unattraktiv, verlieren den Kontakt zu ihrem Körper, die Selbstwahrnehmung ist irritiert (Kopf- und Körperbehaarung sind während einer Chemotherapie vorübergehend verschwunden, ein künstliche Darmausgang beeinträchtigt den lockeren Umgang beim Sex, Narben können als unansehnlich empfunden werden und Schmerzen verursachen, Schleimhäute trocknen durch Antihormonbehandlung aus etc.). Bei Krebserkrankungen, die die Geschlechtsorgane betreffen, ist das Sexualleben ganz direkt in Mitleidenschaft gezogen. Entscheidende Hindernisse für ein weiterhin erfüllendes Sexualleben finden häufig auch im Kopf der Betroffenen und deren PartnerInnen statt, Fatigue und Depression wirken sich auf die Libido aus.

Welche Auswirkungen kann eine Krebserkrankung auf die Beziehung haben?

In Paarbeziehungen kommt es häufig zu Problemen und zu Missverständnissen – (Bsp.: eine Frau, deren Brust amputiert werden musste fühlt sich unattraktiv und nicht begehrenswert und projiziert diese Unsicherheit auf den Partner. Sie glaubt, er würde sich von ihr abwenden, Abscheu empfinden und sie sexuell uninteressant finden, während der Partner wiederum sehr besorgt um seine Frau ist und mit viel Verständnis und Rücksichtnahme reagiert und sie weder drängen, noch mit seinen sexuellen Wünschen überfordern möchte).

In der psychoonkologischen Beratung wird das Thema Sex selten von Seiten der Betroffenen thematisiert und ist nach wie vor ein Tabu und daher ist es ist die wichtige Aufgabe der ExpertInnen das Thema anzusprechen.

Was kann helfen?

An erster Stelle ist es ganz wichtig, sich und dem Partner Zeit und Geduld zu gönnen und zunächst liebevoll mit dem eigenen Körper Kontakt aufzunehmen. Sanfte Berührungen, Massagen, Einsatz von Cremen/ duftendem Duschgel, Duftölen/Sauna etc. können hilfreich sein, um sich wieder mehr zuhause zu fühlen im eigenen Körper.

Die erste Voraussetzung für eine Wiederaufnahme des Sexuallebens ist, dass man sich traut, es zu versuchen – das klingt sehr einfach, ist aber oft schwer.

Sprachlosigkeit zwischen PartnerInnen ist hochgradig belastend – „zu viel“ Rücksichtnahme und Schonung kontraproduktiv. Offene und von gegenseitigem Vertrauen geprägte Gespräche, Empathie, Geborgenheit und Zärtlichkeit hingegen helfen und beleben die Partnerschaft. Miteinander zu sprechen kann sehr wertvoll sein, oft hilft auch psychologische Beratung oder Sexualtherapie, um einander zu sagen –  und zu lernen –  was es braucht, um Sexualität wieder lustbetont und unbeschwert zu erleben.

Wenn Sexualität schmerzt, ist es wichtig, dies mit dem Arzt zu besprechen und geeignete Medikation oder auch Hilfsmittel wie z.B. Gleitmittel, Vibratoren und Massagegeräte einzusetzen.

Angst vor einem Wiederauftreten der Erkrankung

Angst ist – in einem gewissen Ausmaß – eine völlig normale Reaktion auf schwerwiegende, lebensbedrohliche Nachrichten und wird von allen KrebspatientInnen direkt nach der Diagnose, oder irgendwann im Laufe der Behandlungszeit, in unterschiedlich intensiver Form durchlebt. Eine besondere Herausforderung stellt die Situation dar, nicht zu wissen, ob und wann die Erkrankung möglicherweise wieder auftritt. Ein „Damoklesschwert“ schwebt gewissermaßen ständig über dem Kopf – der Umgang damit ist nicht einfach.

Was, wenn ich Angst habe, dass die Krebserkrankung zurückkommt?

Progredienzangst ist die Angst vor der Rückkehr einer Krebserkrankung. Es ist eine reaktive Realangst, ausgelöst durch eine tatsächliche Bedrohung, denn wer einmal in seinem Leben an Krebs erkrankt ist, muss mit der Befürchtung leben, die Erkrankung könnte wieder auftreten. Das Wissen um eine reale, tatsächliche Bedrohung durch Erkrankung und mögliches Fortschreiten stößt täglich auf Signale und Hinweise auf eine mögliche Verschlechterung, dadurch wird Angst permanent und selbst zur Belastung. Die Angst knüpft sich dann kaum mehr an konkrete Auslöser, es bleibt also nicht bei kurzzeitig aufflammenden Angsteffekten, sondern es baut sich eine langanhaltende Angststimmung auf. Die Angst schwingt dann stets mit im Leben der Patientin/des Patienten und kann enorm einschränken und belasten. Wenn die Angst kaum mehr an reale Bedrohungen gebunden ist, wenn die Lebensqualität nachhaltig eingeschränkt ist, die Angst einen normalen Alltag verhindert und die Selbstfürsorge im Denken und Handeln wegfällt und wenn permanentes Gedankenkreisen rund um eine mögliche Neuerkrankung den Leidensdruck erhöhen, dann ist es höchste Zeit, Hilfe aufzusuchen.

Was kann gegen die Angst helfen?

Wer seine Angst bewältigen will, muss sie sich zunächst eingestehen und angstauslösende Situationen definieren. Manche Menschen spüren Angst eher auf der körperlichen Ebene, bei anderen sitzt die Angst stärker im Kopf.

  • Angst akzeptieren und ernst nehmen – Auseinandersetzung mit der Angst
  • Über die Angst sprechen, Gefühle rund um die Angst ausdrücken und nicht hinunterschlucken
  • Kommunikation mit nahestehenden Menschen, verständnisvolles und einfühlsames Gegenüber suchen
  • Mit Informationen und Wissen gegen die Angst vorgehen
  • Entspannungsübungen – Autogenes Training, progressive Muskelentspannung, Atemübungen anwenden
  • PsychoonkologInnen aufsuchen und im Einzel-, oder Gruppensetting die Angst abbauen

Ziel jeder therapeutischen Intervention ist es, der Patientin/dem Patienten Werkzeuge in die Hand zu geben, die im Alltag helfen, sich nicht von überängstlichen Momenten überfluten zu lassen.

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Woran erkennt man eine Depression und was hilft dagegen?

Es gibt einen großen Unterschied zwischen Alltags-Stimmungsschwankungen, die wir alle kennen. Wir sind einmal ein bisschen besser aufgelegt, einmal ein bisschen trauriger, einmal ein bisschen grantig, ab und zu auch ein Stück weit aggressiv. Das ist ganz, ganz normal.

Eine Depression ist ganz etwas anderes. Wie unterscheiden

  • leichte Depressionen,
  • mittelgradige und
  • schwere Depressionen.

Und bei einer mittelgradigen und schweren Depression sind vor allem drei Hauptsymptome da:

  • Das ist die gedrückte Stimmung, die Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung.
  • An der zweiten Stelle sind das alle Worte, die mit „lose“ verbunden sind: Freudlosigkeit, Lustlosigkeit, Schlaflosigkeit.
  • Und an der dritten Stelle die Antriebslosigkeit.

Wenn diese drei Symptome vorhanden sind, wie gesagt: Antriebslosigkeit, Freudlosigkeit, Lustlosigkeit, Rückzugstendenzen und auch an der dritten Stelle diese Energielosigkeit, dann handelt es sich höchstwahrscheinlich um eine Depression.

Es gibt noch Nebensymptome

  • wie die Schlafstörung,
  • wie die Selbstwerteinschätzung, dass man plötzlich sich ganz klein fühlt und der Selbstwert ganz in den Keller rutscht.
  • dass man gereizt ist,
  • dass man sich schuldig fühlt,
  • dass man ein schlechtes Gewissen permanent hat.

Auch das können Symptome einer Depression sein.

Und ganz wichtig es ist hier, die Depression gut zu diagnostizieren. Denn im Alltag, im Spitalsalltag wird eine Depression im Zuge einer onkologischen Erkrankung oft unterdiagnostiziert. Der Arzt und die Ärztin haben vielleicht nicht die Zeit oder die Expertise auf diesem Gebiet. Der Patient traut sich wiederum nicht, davon zu sprechen, dass er sich depressiv fühlt, dass er sich antriebslos fühlt, dass er gar nichts mehr schafft im Laufe eines Tages und geniert sich auch ein Stück dafür.

Und der Alltag im Krankenhaus, strukturelle Gründe, Zeitmangel lassen es oft auch nicht zu, dass man sich dafür Zeit nimmt, in Ruhe darüber zu reden.

Auch hier: Bitte suchen Sie die Beratungsstellen der Österreichischen Krebshilfe auf. Sprechen Sie mit uns. Ihr psychoonkologischer Begleiter wird mit Ihnen gemeinsam einen Plan entwickeln, wie Sie mit dieser Depression am besten umgehen können.

Und State of the Art in der Behandlung einer schweren Depression ist eine antidepressive, medikamentöse Einstellung und eine psychoonkologische oder eine psychotherapeutische Begleitung.

So werden Sie auch aus der Depression, wenn es eine reaktive Depression ist, nämlich eine Depression, die sich aufgrund der Erkrankung entwickelt, bald auch wieder ein Stück weit in den Griff bekommen.

Sollten Sie schon vor der Erkrankung unter depressiven Verstimmungen und Depressionen gelitten haben, werden Sie höchstwahrscheinlich schon ein Medikament nehmen. Auch hier kann man das Medikament vielleicht noch ein Stück erhöhen.

Was dazu zu sagen ist, ist dass ein großer Widerstand von vielen Patienten besteht, antidepressive Medikation oder auch Schlafmedikation zu nehmen. Ein ganz großer Prozentsatz glaubt nach wie vor, dass die Einnahme eines Medikamentes abhängig macht. Dies ist nicht der Fall. Psychiater, Neurologen oder Ärzte, die sich sehr gut mit dieser Einstellung auskennen, wissen genau, welche Medikamente Sie bekommen. Und das ist anscheinend noch ein bisschen in den Köpfen aus den 70er und 80er Jahren, wo Medikamente verabreicht wurden, die starke Nebenwirkungen hatten. Heute ist das nicht mehr der Fall. Mit einer leichten medikamentösen Einstellung kann man die Stimmung gut in die Höhe heben, und es lässt sich der Alltag wieder ein großes Stück besser bewältigen.

Warum kann sich eine Krebserkrankung auf Konzentration und Aufmerksamkeit auswirken?

Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen stellen sich häufig nach einer Chemotherapie ein. Und früher dachte man und sprach man auch ganz stark von dem „Chemo Brain“, vom Chemohirn. Man hat angenommen, dass die Chemotherapie sich schädigend auf Gehirnvorgänge auswirkt. Neuere Studien zeigen, dass es ganz stark um posttraumatischen Stress geht. D.h.: Patienten und Patientinnen haben enorm viel hinter sich gebracht. Sie haben schwerwiegende Behandlungen über sich ergehen lassen müssen. Sie haben Operationen an sich durchführen lassen müssen. Sie sind müde, sie sind erschöpft. Sie haben monatelang Unglaubliches geleistet. Das heißt, dass auf vielen Gebieten gleichzeitig, vergleichbar vielleicht mit einem Stromausfall oder wenn alles gleichzeitig brennt, die Waschmaschine läuft, der Computer läuft, die verschiedenen Energiequellen laufen gleichzeitig, und auf einmal geht gar nichts mehr.

Und so ähnlich verhält es sich mit Gedächtnisstörungen und Konzentrationsstörungen. Die Konzentration ist nicht mehr vorhanden. Sie war monatelang vorhanden. Sie war wirklich jahrelang vorhanden. Bei jeder neuen Untersuchung sich wieder zu konzentrieren, wieder die Zähne zusammen zu beißen. Und nun in der Nachsorge, wo das Umfeld sehr oft glaubt, es wäre jetzt alles vorbei, es wäre bereits der Einstieg in ein normales Alltagsleben wieder möglich, da zeigen sich diese Beschwerden, da in der Ruhe kommt erst richtig alles heraus. Jetzt spürt der Patient, wie erschöpft er ist. Jetzt spürt er, dass er sich plötzlich nicht mehr konzentrieren kann. Er kann sich etwas nicht mehr merken. Es ist dieser posttraumatische Stress, der in den nächsten Wochen und Monaten noch sehr stark beschäftigen kann.

Welche Übungen helfen bei Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen?

Was können Sie tun? Selbstverständlich Gedächtnisübungen. Lösen Sie mal ein Sudoku zwischendurch, lösen Sie mal ein Kreuzworträtsel zwischendurch. Suchen Sie sich aus dem Internet Übungen zum Thema Gedächtnis. Machen Sie Achtsamkeitsübungen, Aufmerksamkeitsübungen. Konzentrieren Sie sich auf eine Tätigkeit. Machen Sie nicht zu viel gleichzeitig. Weil, dazu neigen besonders unsere weiblichen Patientinnen, dass sie Multitasking sind, dass sie gleichzeitig die Kinder versorgen und dass sie gleichzeitig den Haushalt schupfen. Dass sie auch noch in Ihre Therapie gehen. Der Nachbarin vielleicht helfen bei ihren Aufgaben. Es wird oft vieles gleichzeitig gemacht und irgendwann einmal ist es zu viel. Irgendwann ist Zeit, dass Sie zur Ruhe kommen. Daher auch die onkologische Rehabilitation, wo man einmal so richtig zur Ruhe kommen kann und in der Nachsorge weiterhin vielleicht zu einer Psycho-Onkologin, zu einem Psycho-Onkologen gehen und gemeinsam besprechen, wie Sie wieder ein bisschen zu Kräften kommen.

Aber diese Zeit wird sehr oft unterschätzt von Arbeitgebern, von Familienmitgliedern, von einem selbst sehr oft auch, vom Patienten selbst wird es oft unterschätzt, dass eigentlich im Moment die Zeit der Nachsorge ist, die Zeit des Ruhegebens und nicht sofort wieder den normalen Alltag weiter aufrechterhalten. Das funktioniert nicht.

Also geben Sie sich Zeit. Konzentrieren Sie sich auf Wesentliches. Und Sie müssen nicht zu jedem Moment alles gleichzeitig lösen.

Und nach einiger Zeit stellt sich dann auch wieder die Konzentration, die Aufmerksamkeitsspanne wird wieder ein bisschen weiter, stellt sich im Laufe der Zeit wieder ein.

Depression und Konzentrationsprobleme nach der Krebstherapie

Depression erkennen

Im Unterschied zu täglichen Stimmungsschwanken zeichnet sich eine „echte“ Depression vor allem durch 3 Hauptmerkmale aus:

  1. Gedrückte Stimmung, Gefühlsleere, tiefe Hoffnungslosigkeit
  2. Verlust an Interesse und Freude – zunehmendes Desinteresse an Menschen und an Aktivitäten, die früher Freude gemacht haben
  3. Antriebslosigkeit und Erschöpfungsgefühle
Nebensymptome:
  • Konzentrationsstörungen und Verlangsamung des Denkens, Sprechens und Handelns
  • Gefühl der Wertlosigkeit und Verlust von Selbstbewusstsein
  • Schuldgefühle
  • Sorgen um die Zukunft
  • Ein- und/oder Durchschlafstörungen
  • Gedanken des Lebensüberdrusses
  • Reizbarkeit, innere Unruhe
  • Angstgefühle

Wenn 2 oder 3 Hauptsymptome über einen Zeitraum von mindestens 2 Wochen mit 2-4 Nebensymptomen auftreten, spricht man von einer depressiven Episode. Es werden leichte/mittlere und schwere depressive Phasen unterschieden.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es bei depressiven Symptomen?

Die optimale Therapie bei PatientInnen mit depressiven Symptomen ist eine Kombination aus einer medikamentösen psychopharmakologischen Behandlung und einer psychologischen /psychoonkologischen/psychotherapeutischen Betreuung, die von ExpertInnen der jeweiligen Fachrichtung angeboten werden.

Antidepressiva und angstlösende Medikamente werden von FachärztInnen für Psychiatrie und Neurologie verschrieben und sollen mindestens 6 Monate eingenommen werden und nur unter ärztlicher Aufsicht abgesetzt werden. Die Angst vor Abhängigkeit ist weit verbreitet aber völlig unbegründet.
Je früher eine Behandlung begonnen wird, umso eher verbessern sich depressive Symptome.

Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen

Während und nach einer Chemotherapie stellen viele PatientInnen fest, dass sie unter Gedächtnis-, und Konzentrationsstörungen leiden. Unter dem Begriff „Chemobrain“ wurde lange Zeit ein Symptomkomplex zusammengefasst, der mit kognitiven Problemen assoziiert ist.

Jüngere Studien zeigen allerdings, dass nicht die Chemotherapie für Aufmerksamkeitsschwankungen, Gedächtnisprobleme, Wortfindungsstörungen und Konzentrationsschwierigkeiten verantwortlich ist, sondern posttraumatischer Stress, der tief in die Arbeitsweise des Gehirns eingreift. Psychologische Faktoren sind maßgeblicher beteiligt an kognitiven Problemen als neurotoxische Schädigungen durch chemische Behandlungen.

Depression und Fatigue spielen in diesem Zusammenhang ebenfalls eine entscheidende Rolle und haben Auswirkungen auf Gedächtnisleistungen. Ursachenklärung ist in jedem Fall notwendig und bestimmen die Therapie.

Was kann helfen?

Gedächtnistraining, Achtsamkeitsübungen, Konzentrationsaufgaben helfen, kognitive Leistungen zu verbessern.

Stressabbau ist entscheidend, um wieder wacher, aufmerksamer und konzentrierter zu sein, daher ist ausreichend viel Schlaf, ein gesunder Lebenswandel und die Verarbeitung des Erlebten z.B mit Hilfe von PsychoonkologInnen ganz entscheidend. Die vergangenen Monate waren geprägt von Schock, Ängsten, Unsicherheiten, anstrengenden und aufwändigen Behandlungsplänen. Körper und Seele sind verletzt und in Mitleidenschaft gezogen worden und all das braucht Zeit und einen liebevollen Umgang mit sich selbst, um dem Stresskreislauf entkommen zu können. Entspannungsübungen (Autogenes Training, Progressive Muskelentspannung, Atemübungen, Imaginationen) sind hilfreiche Werkzeuge, um dem Stresskreislauf zu entkommen.

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Geprüft Mag. Karin Isak: Stand November 2020 | Quellen und Bildnachweis

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