4. Sozial- und arbeitsrechtliche Herausforderungen bei Krebs

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Sozial- und arbeitsrechtliche Herausforderungen und Fragen rund um Zugehörigkeit zum Kreis der begünstigten Behinderten, Krankengeld, Krankenstand, Wiedereinstieg und Wiedereingliederungsteilzeit beschäftigen viele PatientInnen und Angehörige in der Zeit der Nachsorge nach Krebs. Welchen Grad der Behinderung hat man bei einer Krebserkrankung? Was bringt ein Schwerbehindertenausweis? Carmen Harrer beantwortet die wichtigsten Fragen zum Thema:

Mein Name ist Carmen Harrer. Ich bin seit 2016 in der Krebshilfe Wien. Hier arbeite ich im Projekt Arbeitsassistenz mit einer zweiten Kollegin, mit der Frau Richter, zusammen. Ich werde Ihnen im Nachhinein ein bisschen einen Einblick in unsere Tätigkeit geben. In die ersten relevanten Fragen, die nach einer Krebsdiagnose auftreten, sofern Sie noch im Berufsleben stehen. Ich lade Sie herzlich ein, bei Unklarheiten oder auch in Zukunft, wenn Sie Fragen an uns haben, bitte kontaktieren Sie meine Kollegin oder mich.

Sie sind jederzeit herzlich bei uns willkommen.

Was kann ich tun, um meinen Arbeitsplatz im langen Krankenstand zu sichern?

Also, wenn Sie mit einer Krebsdiagnose konfrontiert sind und berufstätig sind, dann stellt sich meistens die Frage und die Sorge: Was kann ich denn tun, um meinen Arbeitsplatz absichern zu lassen?

Es gibt tatsächlich eine Möglichkeit, und zwar können Sie sich mit einer Krebsdiagnose dem Kreis der begünstigten behinderten Menschen anschließen. Was ist das? Das ist ein recht einfacher Akt. Und zwar können Sie einen Antrag beim Sozialministeriumservice stellen. Dieser Antrag nennt sich Feststellungsantrag.

Und was wird hier festgestellt? Es wird aufgrund Ihrer Erkrankung ein Grad der Behinderung festgestellt. Das hat mehr Vorteile als Nachteile. Also im Wesentlichen hat es für Sie nur Vorteile, denn es sichert Ihnen den Arbeitsplatz, indem Sie dadurch einen erweiterten Kündigungsschutz haben.

Erweiterter Kündigungsschutz würde bedeuten, dass ein Arbeitgeber Sie sehr wohl kündigen kann, auch mit einem Feststellungsantrag, aber unter sehr schwierigen Bedingungen. Das heißt, er müsste die Kündigung beim Sozialministeriumservice einreichen. Dort wiederum gibt es einen Behinderten-Ausschuss, der diese Kündigungen prüft.

Das heißt: Wenn Sie diesen Feststellungsantrag beim Sozialministeriumservice einreichen, ist Ihnen Ihr Arbeitsplatz zu 98 Prozent gesichert.

Also wir empfehlen allen unseren Kunden und Kundinnen, diesen Antrag zu stellen, sofern es eben einen aufrechten Arbeitsplatz gibt. Damit kann die ganze Behandlungszeit einfach viel, viel ruhiger vollzogen werden und Sie müssen nicht dauernd denken, ob mit dem Arbeitsplatz etwas passieren könnte oder nicht. Also wirklich noch einmal: Dieser Grad der Behinderung, der dadurch festgestellt wird, der bleibt Ihnen auch nicht lebenslänglich. Das werden wir sehr oft gefragt. Okay, dann gehöre ich zu den behinderten Menschen. Nein, muss nicht sein. Diese Anträge werden meistens für eine Dauer von maximal fünf Jahren bewilligt.

Viele Menschen wollen das dann aber auch länger haben. Das heißt, Sie könnten diese Anträge durchaus immer wieder neu beantragen, müssten dann aber aktuelle Befunde einreichen. Das heißt, wenn das nach fünf Jahren abgelaufen ist, können Sie diesen Antrag wieder stellen, müssten dann aber halt mit neuen Befunden einreichen. Sofern die Erkrankung nach fünf Jahren dann noch in irgendeiner Form aktuell ist, könnte es sein, dass Anträge dann auch weiter bewilligt werden. Oft ist es dann aber auch so, dass der Grad der Behinderung, der festgestellt wird, heruntergestuft wird.

Was ich vergessen habe zu sagen ist, dass die meisten Krebspatienten einen Grad der Behinderung 50 Prozent bekommen. Das ist auch notwendig, um diesen Kündigungsschutz dadurch erwirken zu können.

Was bringt mir die Zugehörigkeit zum Kreis der begünstigten Behinderten?

Die Vorteile, die Sie durch diese Zugehörigkeit zum Kreis der begünstigten behinderten Menschen haben, zum einen mit diesem Feststellungsantrag, zum zweiten gäbe es auch die Möglichkeit, einen Behindertenpass zu beantragen.

Die Anträge schauen beide komplett gleich aus. Der Behindertenpass hat aber keinen Kündigungsschutz dabei. Das heißt: Es gibt zweierlei Anträge.

  • Das eine ist der Feststellungsantrag,
  • das zweite der Behindertenpass.

Der Feststellungsantrag ist relevant für den Arbeitsplatz.

Die Vorteile, die Sie dadurch haben, ist, ich wiederhole es noch einmal, ist der erweiterte Kündigungsschutz.

Ein weiterer Vorteil ist ein Lohnsteuerfreibetrag, den Sie damit haben, und zwar mit beiden Anträgen, mit dem Feststellungsantrag als auch mit dem Behindertenpass.

Und Sie haben Anspruch auf mehr Urlaub mit beiden Anträgen, Feststellungsantrag als auch Behindertenpass. Wie viel mehr Urlaub? Das kann sein von einem Tag bis maximal 7 Tagen. Um wieviel Urlaubsmehrtage es sich letztendlich handelt, hängt ab von Ihren Betriebsvereinbarungen, vom jeweiligen Dienstrecht oder vom Kollektivvertrag. Das heißt, das müssten Sie in Ihrer Firma entweder mit dem Betriebsrat oder im Personalbüro klären.

Ein weiterer Vorteil ist, dass nicht nur Sie Vorteile haben durch diese Feststellung, sondern auch Ihr Arbeitgeber. Der Arbeitgeber kann beim Sozialministeriumservice, sofern vonnöten oder von Bedarf, zweierlei Arten von Beihilfen beantragen, also entweder – oder, nicht zwei Beihilfen, sondern entweder – oder. Zum einen eine Entgeltbeihilfe oder eine Arbeitsplatzsicherungsbeihilfe, sollte der Arbeitsplatz doch in irgendeiner Form gefährdet sein. In Corona-Zeiten denke ich mir durchaus noch einmal mehr interessant als vor Corona-Zeiten.

Wohin kann ich mich bei arbeits- und sozialrechtlichen Fragen wenden?

Bei arbeits- und sozialrechtlichen Fragen ist

  • die erste Adresse immer die Arbeiterkammer,
  • dann natürlich an uns, an die Österreichische Krebshilfe Wien, an die Arbeitsassistenz, an meine Kollegin und mich.
  • Sofern wir die Fragen nicht beantworten können, werden wir versuchen, Sie dorthin weiterzuleiten, wo Sie absolut professionelle Antworten bekommen können.
  • Weitere Stellen, die arbeits- und sozialrechtlich gut vertraut sind und Auskunft geben können, das wäre der KOBV, das ist der Kriegsopfer- und Behinderten-Verband. Die haben juristische Beratungsmöglichkeit bieten die an,
  • oder der ÖZIV, der Österreichische Zivil-Invaliden-Verband, die haben auch ein gutes Beratungsangebot, was arbeits- und sozialrechtliche Dinge anbelangt.
  • Gerne können Sie sich auch an fit2work wenden
  • oder eine gute Adresse ist auch der Verein ChronischKrank.at. Die sind nicht immer in Wien zugänglich. Da ist der Sitz in Oberösterreich. Aber die haben immer wieder Beratungseinheiten, auch in Wien. Das muss man sich dann auf der Homepage anschauen.

Arbeits- und Sozialrechtliche Fragen bei Diagnosestellung

Arbeitsplatz sichern durch Zugehörigkeit zum Kreis der begünstigten Behinderten

Mit einem Antrag auf Feststellung der Zugehörigkeit zum Personenkreis der begünstigten Behinderten an das Sozialministeriumservice, erwirken Sie (ab einem Grad der Behinderung von 50%) einen erweiterten bzw. erhöhten Kündigungsschutz.

Die Feststellung des Grades der Behinderung erfolgt durch ärztliche Sachverständige der Behörde. Das Sozialministeriumservice entscheidet mit Bescheid über die Zugehörigkeit zum Kreis der begünstigten Behinderten.

Gehöre ich dann für immer zum Kreis der begünstigten Behinderten?

Nein. Diese Anträge werden meist für eine Dauer von maximal 5 Jahre bewilligt, dann müssen sie neu beantragt werden.

Was bringt mir die Zugehörigkeit zum Kreis der begünstigten Behinderten?

  • Erhöhten Kündigungsschutz (Erhöhter Kündigungsschutz bedeutet, dass DienstgeberInnen vor Ausspruch einer Kündigung die Zustimmung des Behindertenausschusses im Sozialministeriumservice einholen müssen. Die Zustimmung wird nach einer Interessensabwägung nur dann erteilt, wenn es dem Dienstgeber/der Dienstgeberin nicht zumutbar ist, den/die begünstigte/n Behinderte/n weiter zu beschäftigen).
  • Förderungen im beruflichen Bereich
  • Zusatzurlaub, sofern im Kollektivvertrag, Dienstrecht oder in Betriebsvereinbarungen vorgesehen
  • Lohnsteuerfreibetrag (kann ab einem Grad der Behinderung von 25 % beim Finanzamt beantragt werden)
  • Fahrpreisermäßigung – zum Beispiel: ab einem Grad der Behinderung von 70 % auf Bahnlinien der ÖBB

Weitere Informationen dazu finden Sie auf der Homepage des Sozialministeriumservice.

Wohin kann ich mich bei arbeits- und sozialrechtlichen Fragen wenden?

Arbeitsassistenz Krebs & Beruf: Die Arbeitsassistenz „Krebs und Beruf“ bietet einerseits Unterstützung für KrebspatientInnen im aufrechten Arbeitsverhältnis, deren Arbeitsplatz durch den Einsatz der Arbeitsassistenz gesichert werden soll und andererseits Unterstützung bei der Erlangung eines neuen Arbeitsplatzes für Menschen, die ihren Arbeitsplatz in Folge ihrer aktuellen Krebserkrankung verloren haben. Die Arbeitsassistenz „Krebs und Beruf“ informiert, berät und unterstützt bei der Antragstellung zum Feststellungsbescheid eines begünstigten Behinderten mit dem Ziel der Arbeitsplatzsicherung und bietet Beratung und Coaching bei der Arbeitsplatzsuche (z.B. Klärung eines geeigneten Jobprofils, Unterstützung durch aktive Kontaktaufnahme zu Firmen). Während der Einarbeitungsphase steht die Arbeitsassistenz „Krebs und Beruf“ KlientInnen und ArbeitgeberInnen als kompetente Ansprechpartnerin zur Verfügung. Bei Bedarf informiert die Arbeitsassistenz auch zu sozialrechtlichen Fragestellungen. Sämtliche Leistungen der Arbeitsassistenz „Krebs und Beruf“ können kostenlos in Anspruch genommen werden. Der Inhalt der Beratungen wird vertraulich behandelt.

Arbeitsassistenz “Krebs und Beruf” der Krebshilfe Wien

Die NEBA Arbeitsassistenz Krebs und Beruf wird gefördert aus Mitteln des Sozialministeriumservice, Landesstelle Wien.

NEBA Logo

Weitere Ansprechpartner:

Arbeiterkammer

KOBV

Verein Chronisch krank

ÖZIV

fit2work

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Ich bin aufgrund meiner Krebsdiagnose im Krankenstand. Wie lange wird mein Gehalt weiterbezahlt?

Ja, ganz wesentlich ist natürlich die Frage, wenn Sie in Krankenstand gehen müssen aufgrund ihrer Krebsdiagnose: Wie lange bekommen Sie denn Ihren Gehalt weiterbezahlt?

  • Also, wenn Sie erst ein Jahr in Ihrer Firma sind, dann bekommen Sie die Entgeltfortzahlung für 6 Wochen. Es geht ganz normal weiter, das Gehalt wird 6 Wochen lang bezahlt. Danach bekommen Sie 4 Wochen lang nur mehr die Hälfte Ihres Gehalts. Die andere Hälfte schießt dann schon die Krankenkasse zu.
  • Ab dem zweiten Jahr im Berufsleben in einer Firma bis zum fünfzehnten Jahr bekommen Sie acht Wochen Ihren Gehalt weiter bezahlt und wiederum vier Wochen, wo dann nur mehr die Hälfte ist, andere Hälfte Krankenkasse.
  • Ab dem 16. bis zum fünfundzwanzigsten Berufsjahr in einer Firma bekommen Sie 10 Wochen lang Ihren Gehalt weiter bezahlt, wiederum danach 4 Wochen die Hälfte. Die andere Hälfte schießt die Krankenkasse zu.
  • Und wenn Sie schon ewig lange in einer Firma sind, das heißt ab dem 26. Jahr in einer Firma, kriegen Sie es dann 12 Wochen und wiederum 4 Wochen halb und die andere Hälfte von der Krankenkasse.

Hier schließt sich dann gleich weiter an das Krankengeld. Dieses Krankengeld kommt nicht automatisch. Das heißt, wenn die Entgeltfortzahlung erschöpft ist, haben Sie Anspruch auf Krankengeld. Und das Krankengeld müssen Sie aber im Gegensatz zu Ihrem Lohn, der automatisch auf Ihr Konto kommt, bei Ihrer jeweiligen Sozialversicherung beantragen.

Wie lange kann ich im Krankenstand bleiben und Krankengeld beziehen?

Also, wenn Sie in Krankenstand gehen müssen, dann ist es so:

  • Ab dem vierten Tag steht Ihnen Krankengeld zu.
  • Wenn Sie erst ein Jahr in einer Firma sind, haben Sie mindestens Anspruch auf 26 Wochen durchgehend Krankengeld.
  • Ab einem Jahr in einer Firma haben Sie die Möglichkeit, 52 Wochen lang Krankengeld zu beziehen bis zu einer maximalen Dauer von 78 Wochen. Was bedeutet das? Das heißt: Im Regelfall sind Sie nach 52 Wochen ausgesteuert. Ausgesteuert bedeutet, dass auch die Krankenkasse Ihnen kein Krankengeld mehr bezahlt. Die Österreichische Gesundheitskasse hat das seit heuer neu gemacht, dass man diese, in Ausnahmefällen, diese 52 Wochen auf 78 Wochen verlängern kann. Das kann der Chefarzt in der Österreichischen Gesundheitskasse tun. Und das tut er dann, wann wird das bewilligt auf 78 Wochen? Wenn absehbar ist, dass Sie nach insgesamt 78 Wochen wieder arbeitsfähig sind. Also das ist wirklich eine gute Ressource, denn 52 Wochen, das ist ein Jahr, klingt sehr lange, ist aber bei einer schwereren Krebserkrankung oft nicht so lange, d. h. mit verschiedenen Therapien und Behandlungszyklen, die durchlaufen werden müssen, ist ein Jahr schnell einmal um .Und dann muss man entscheiden: Wenn die Krankenkasse kein Geld mehr bezahlt, hieße es nur zurück in den Job oder zum Arbeitsamt oder, und darauf komme ich dann später nochmal zurück, es gibt noch eine dritte Option, aber die gute ist, dass man auch diese 52 Wochen auf 78 Wochen verlängern kann. Und das sind dann doch insgesamt eineinhalb Jahre, wo man im Krankenstand bleiben kann und Krankengeld beziehen kann. Und ich würde jetzt mal meinen: In sehr vielen Fällen ist dann ein Wiedereinstieg an den Arbeitsplatz durchaus möglich.

Mein Anspruch auf Krankengeld ist erschöpft, ich bin weiterhin nicht arbeitsfähig. Was kann ich machen?

Also, wenn Sie sehr lange im Krankenstand sind, bekommen Sie nach ungefähr einem halben Jahr ohnehin einen Brief von der jeweiligen Sozialversicherung mit dem Hinweis, sich mal in Ihrer Pensionsversicherungsanstalt zu melden.

Das macht sehr vielen Leuten oft Sorge, weil sie Angst haben, in eine Berufsunfähigkeitspension geschickt zu werden.

Tatsächlich ist es aber so, dass wenn diese Aussteuerung nach 52 Wochen erfolgt, muss man sich natürlich überlegen, wenn man noch nicht arbeitsfähig ist: Wie kann das weitergehen, und wie bin ich finanziell versorgt danach? Und hier ist es so, dass Sie einen Antrag, tatsächlich einen Antrag auf Berufsunfähigkeitspension stellen können, sofern diese Aussteuerung näher heranrückt. Das bedeutet aber nicht zwingend, dass Sie eine Berufsunfähigkeitspension beantragen.

Der Antrag heißt so. Es kommt immer darauf an, in was für einem Jahr Sie geboren wurden. Das heißt: Alle Menschen ab 1964 geboren beantragen mit dem Antrag auf Berufsunfähigkeitspension in erster Linie einen Antrag auf Rehabilitation. Das heißt, dass wenn dieser Antrag von Ihnen gestellt wird und von der PVA befürwortet wird, dann bedeutet es, dass Ihnen Reha-Geld gewährt wird und keine Pension, nicht im ersten Schritt eine Pension, sondern ein Reha-Geld.

Das Ziel ist immer auch bei schweren Erkrankungen zu schauen, das mal zu prüfen, ob die Leute nicht wieder in ihren Beruf zurückkehren können, ob eine Rehabilitation erfolgen kann, was es in den meisten Fällen ja auch tut. Und dieses Rehabilitationsgeld sichert Ihnen einfach eine finanzielle Sicherheit, vordergründig, aber gewährt Ihnen auch einen Polster, dass Sie nicht nach diesen 52 Wochen wieder an Ihren Arbeitsplatz zurück müssten, sofern es einen gibt, oder sich beim Arbeitsamt zu melden, sondern Sie haben damit einfach weiter die Möglichkeit, Ihren Therapien zu folgen und sich sofern möglich Gutes zu tun und langsam sich vorzubereiten auf einen eventuellen Wiedereinstieg in Ihr Berufsleben.

Das Reha-Geld selber wird zwischen einem halben Jahr und einem Jahr bewilligt. Das kommt dann immer drauf an, wie es in Ihrem Bescheid drinnen steht, längstens aber zwei Jahre. Sollte es in diesen zwei Jahren zu keiner Rehabilitation aufgrund Ihrer Erkrankung kommen, könnte es sein, dass auch bei jüngeren Geburtsjahrgängen dieses Rehabilitationsgeld übergeht in eine Berufsunfähigkeitspension.

Und alle Menschen, die unter 1964 geboren sind, stellen sehr wohl mit dem Antrag auf Berufsunfähigkeitspension einen Antrag auf Berufsunfähigkeitspension.

Arbeits- und Sozialrechtliche Fragen während der Therapie

Ich bin aufgrund meiner Krebsdiagnose im Krankenstand. Wie lange wird mein Gehalt weiterbezahlt?

Der Arbeitgeber muss für folgende Zeiträume pro Arbeitsjahr das Entgelt weiterzahlen:

Dauer des Arbeitsverhältnisses:

Im ersten Jahr

6 Wochen – Volles Entgelt

4 Wochen – Halbes Entgelt

Vom 2. bis 15. Jahr

8 Wochen – Volles Entgelt

4 Wochen – Halbes Entgelt

Vom 16. bis 25. Jahr

10 Wochen – Volles Entgelt

4 Wochen – Halbes Entgelt

Ab dem 26. Jahr

12 Wochen –  Volles Entgelt

4 Wochen – Halbes Entgelt

Wenn Ihr Anspruch auf Entgeltfortzahlung durch den Arbeitgeber oder die Arbeitgeberin ausgeschöpft ist, springt die Gesundheitskassa bzw. Krankenkasse ein und Sie erhalten Krankengeld.

Wie lange kann ich im Krankenstand bleiben und Krankengeld beziehen?

Bekommen Sie nur mehr die Hälfte des Entgelts von Ihrem Arbeitgeber oder Ihre Arbeitgeberin, zahlt die Kasse das halbe Krankengeld. Sinkt der Anspruch unter die Hälfte des Entgelts, gibt es volles Krankengeld.

Wichtig: Die Auszahlung von Krankengeld muss in der jeweiligen Krankenkasse beantragt werden.

Der Anspruch auf Krankengeld besteht ab dem vierten Tag der Arbeitsunfähigkeit für die Dauer des Krankenstandes, längstens jedoch für 26 Wochen.

Die Anspruchsdauer erhöht sich auf 52 Wochen, wenn Sie vor Eintritt des Krankenstandes innerhalb der letzten zwölf Monate mindestens sechs Monate versichert waren.

Die Österreichische Gesundheitskasse leistet das Krankengeld bei ein und demselben Versicherungsfall im Einzelfall über die Dauer von 52 Wochen hinaus (Abs. 1 und 2 sind anzuwenden) bis zu 78 Wochen, wenn aufgrund einer ärztlichen Begutachtung durch den medizinischen Dienst das Erreichen der Arbeitsfähigkeit des/der Versicherten bzw. dessen/deren Wiedereingliederung in den Arbeitsprozess innerhalb dieses Zeitraumes zu erwarten sein wird.

Mein Anspruch auf Krankengeld ist erschöpft, ich bin weiterhin nicht arbeitsfähig. Was kann ich machen?

Sie können einen Antrag auf: Invaliditäts- bzw. Berufsunfähigkeitspension bzw. Rehabilitation/Rehageld (gilt für Personen ab 1964 geb.) – Arbeiter und Angestellte stellen (PVA).

Ein Antrag auf Invaliditäts- bzw. Berufsunfähigkeitspension gilt vorrangig als Antrag auf Leistungen der Rehabilitation.

Für vor dem 1. Jänner 1964 geborene Personen ist die Pensionsversicherungsanstalt verpflichtet, bei einem Antrag auf Invaliditäts- bzw. Berufsunfähigkeitspension zu prüfen, ob nicht durch Maßnahmen der beruflichen Rehabilitation der Pensionsantritt vermieden werden kann. Zuerst ist daher über die Möglichkeit einer beruflichen Rehabilitation und danach über eine allfällige Pensionszuerkennung zu entscheiden.

Vor allem soll durch Maßnahmen der beruflichen Rehabilitation eine eingetretene oder drohende Arbeitsunfähigkeit vermieden und eine Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt auf Dauer ermöglicht werden.

Ein Anspruch auf Invaliditäts- bzw. Berufsunfähigkeitspension besteht nur dann, wenn – bei Erfüllung aller anderen Voraussetzungen – durch Maßnahmen der Rehabilitation das angestrebte Ziel nicht erreicht werden kann oder trotz entsprechender Mitwirkung der betroffenen Person nicht erreicht werden konnte bzw. im besonderen Fall die Maßnahmen nicht zweckmäßig sind.

Für ab 1. Jänner 1964 geborene Personen wird die befristete Pension aus dem Versicherungsfall der geminderten Arbeitsfähigkeit durch ein Rehabilitationsgeld der Österreichischen Gesundheitskasse bzw. durch ein Umschulungsgeld des AMS ersetzt. Zu diesen Geldleistungen werden medizinische bzw. berufliche Maßnahmen der Rehabilitation gewährt.

Hier finden Sie mehr Informationen dazu.

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Welche Möglichkeiten habe ich, um nach langem Krankenstand meine Arbeit wieder aufzunehmen?

Ja, welche Möglichkeiten haben Sie?

Sofern Sie zum Beispiel dieses Reha-Geld beantragt haben, gäbe es die Möglichkeit, auch während eines Reha-Geldbezugs einen sanften Wiedereinstieg zu planen. Wie funktioniert das? Sie haben automatisch, wenn Sie Reha-Geldbezieher oder -bezieherin sind, in Ihrer jeweiligen Sozialversicherung einen Case Manager oder eine Case Managerin. Das kann man mit dieser Dame oder diesem Herrn einmal besprechen bzw. würde ich an dieser Stelle wirklich empfehlen, mit uns Kontakt aufzunehmen, mit mir oder mit meiner Kollegin, um Ihnen das wirklich bis ins Detail erklären zu können.

Das wäre mal eine Möglichkeit.

Viele Leute haben aber kein Reha-Geld und möchten ihren Wiedereinstieg anders planen. Und da ist eine sehr, sehr gute Sache die Wiedereingliederungsteilzeit. Was ist die Wiedereingliederungsteilzeit? Die Wiedereingliederungsteilzeit ist eine Möglichkeit, für ein halbes Jahr an den Arbeitsplatz zurückzukehren und die Arbeitszeit um mindestens 25 Prozent, aber maximal 50 Prozent für ein halbes Jahr reduzieren zu können.

Was ist die Voraussetzung, um diese Wiedereingliederungsteilzeit machen zu können?

  • Die erste Voraussetzung ist für Sie, dass Sie einen mindestens 6-wöchigen, durchgehenden, d. h. ununterbrochenen, da dürfen Sie keinen Tag irgendwie nicht im Krankenstand gewesen sein, also das müssen Sie vorweisen: Mindestens 6 Wochen, was bei Krebspatienten in den meisten Fällen ohnehin der Fall ist, weil ja die Krankenstände in den meisten Fällen sehr, sehr lange andauern. Also das ist die Grundvoraussetzung.
  • Die zweite Voraussetzung ist, dass Sie mit Ihrem Arbeitgeber darüber sprechen, dass es diese Möglichkeit gibt, dass Sie das gerne tun würden. Und wenn er oder sie sein Einverständnis gibt, dann können Sie das machen. Arbeitgeber können aber den Wunsch nach Wiedereingliederungsteilzeit auch ablehnen. Dann haben Sie keine Chance, das machen zu können.

Wenn Sie, wenn beides gegeben ist, d.h. Arbeitgeber wäre einverstanden mit dieser Wiedereingliederungsteilzeit, Sie haben sich damit beschäftigt, was denn genau die Wiedereingliederungsteilzeit ist, an dieser Stelle sei gesagt: Es gibt eine ganz, ganz tolle Broschüre vom Sozialministeriumservice, die man auf der Homepage vom Sozialministeriumservice sich herunterladen kann. Oder man nimmt mit uns Kontakt auf. Wir können Ihnen die Broschüre weiterreichen, zuschicken bzw. Ihnen auch mehr Informationen zur Wiedereingliederungsteilzeit geben.

Ist der Arbeitgeber einverstanden, haben Sie einen mindestens sechswöchigen durchgehenden Krankenstand hinter sich, dann braucht es eine Abwicklung, um diese Wiedereingliederungsteilzeit durchführen zu können. Die mag auf den ersten Blick ein bisschen kompliziert wirken, ist es aber nicht. Fit2work ist hier die richtige Ansprechstelle. Die haben sich darauf spezialisiert und würden mit Ihnen die komplette Abwicklung machen, sofern das in Ihrer, manche Firmen machen die Abwicklung auch selber, sind eher spärlich, aber es gibt diese Firmen. Sollte das in Ihrer Firma nicht der Fall sein, dann wenden Sie sich bitte an fit2work, rufen Sie dort an und die machen mit Ihnen alles, was dafür notwendig ist.

Wie wird die Wiedereingliederungsteilzeit bezahlt?

Die Wiedereingliederungsteilzeit wird so bezahlt, dass die Stunden, die Sie in Ihrer Firma in der Wiedereingliederungsteilzeit arbeiten, auch von der Firma bezahlt wird. Die andere Hälfte ist ein Wiedereingliederungsgeld, das quasi ein erhöhtes Krankengeld ist, das heißt, Sie bekommen in der Zeit, in der Sie die Wiedereingliederungsteilzeit machen, mehr als Sie im Krankengeld bezogen haben. Aber natürlich etwas weniger als Ihr normaler Gehalt ist.

Es gibt sogar eine Wiedereingliederungsteilzeitrechner, wo Sie sich das ausrechnen können. Brauchen Sie nur zu googeln, und dann können Sie sich ausrechnen. Ungefähr, so über den Daumen werden es so zirka 300 Euro weniger sein im Vergleich zu Ihrem Gehalt, das Sie in dieser Zeit bekommen.

Aber wie gesagt, deswegen ist es ein sanfter Wiedereinstieg. Sie arbeiten maximal 50 Prozent Ihrer Arbeitszeit und hätten in Ausnahmefällen sogar die Option, diese maximale Dauer von 6 Monaten in Ausnahmefällen noch einmal um drei Monate zu verlängern. Also insgesamt die maximale Dauer einer Wiedereingliederungsteilzeit mit der dreimonatigen Verlängerung wären 9 Monate.

Wiedereinstieg in den Beruf nach langem Krankenstand

Wenn Sie über einen längeren Zeitraum krankgeschrieben sind, können Sie mit Ihrem/r ArbeitgeberIn eine Wiedereingliederungsteilzeit vereinbaren. Dabei wird ihre Arbeitszeit reduziert und ein Umfeld geschaffen, um Ihnen eine optimale Rückkehr ins Arbeitsleben zu ermöglichen und ihre Gesundheit langfristig zu erhalten. Sowohl Sie als auch Ihr Arbeitgeber müssen einverstanden sein, damit eine Wiedereingliederungsteilzeit zum Einsatz kommen kann.

Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein?

Voraussetzung für den Antritt ist ein zu Beginn der Wiedereingliederungsteilzeit seit mindestens 3 Monaten bestehendes privatrechtlichen Dienstverhältnisses, sowie ein mindestens 6-wöchiger durchgehender Krankenstand vor Antritt der Wiedereingliederungsteilzeit.

Für wie lange kann eine Wiedereingliederungsteilzeit vereinbart werden?

Die Wiedereingliederungsteilzeit kann für mindestens einen Monat und bis höchstens sechs Monate vereinbart werden. Bei arbeitsmedizinischer Zweckmäßigkeit ist eine einmalige Verlängerungsmöglichkeit um mindestens einen und höchstens drei Monate möglich. Die Gesamtdauer der Wiedereingliederungsteilzeit kann daher maximal 9 Monate dauern. Eine chefärztliche Genehmigung ist sowohl für die erstmalige Inanspruchnahme als auch für die Verlängerung erforderlich.

Wie viele Stunden kann bzw. muss ich in der Wiedereingliederungsteilzeit arbeiten?

Die wöchentliche Normalarbeitszeit ist um mindestens 25 % und höchstens 50 % herabzusetzen. Dabei darf die wöchentliche Normalarbeitszeit 12 Stunden nicht unterschreiten.

Was verdiene ich in der Wiedereingliederungsteilzeit?

Dem/r ArbeitnehmerIn gebührt während der Wiedereingliederungsteilzeit, abhängig vom Ausmaß der Arbeitszeitreduktion, ein aliquotes Entgelt. Darüber hinaus kann beim zuständigen Krankenversicherungsträger Wiedereingliederungsgeld beantragt werden. Berechnungsgrundlage dafür ist das erhöhte Krankengeld in der Höhe von 60% der Bemessungsgrundlage (meist das Gehalt). Das Wiedereingliederungsgeld gebührt anteilig entsprechend der Normalarbeitszeit.

Wo erhalte ich genauere Informationen zur Wiedereingliederungsteilzeit?

Das Sozialministeriumservice stellt Ihnen eine Broschüre zur Wiedereingliederungsteilzeit zur Verfügung. In ihr können Sie Schritt für Schritt nachlesen was zu tun und zu berücksichtigen ist.

Die Abwicklung einer Wiedereingliederungsteilzeit kann z.B. über fit2work erfolgen. Im Rahmen der Beratung bei fit2work unterstützen erfahrene BeraterInnen und ArbeitsmedizinerInnen Sie und

Ihre/n ArbeitgeberIn dabei, eine auf Ihren Gesundheitszustand und Ihre Bedürfnisse abgestimmten Wiedereingliederungsplan zu erarbeiten. Dieser ist die Basis für die Wiedereingliederungsvereinbarung, die zwischen Ihnen und dem/r ArbeitgeberIn abgeschlossen wird.

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Geprüft Mag. Carmen Harrer: Stand November 2020 | Quellen und Bildnachweis

Die Kurse sind kein Ersatz für das persönliche Gespräch mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt, sondern ein Beitrag dazu, PatientInnen und Angehörige zu stärken und die Arzt-Patienten-Kommunikation zu erleichtern.

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