1. Von der Therapie zur Nachsorge

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Grüß Gott, mein Name ist Ursula Denison. Ich bin Ärztin und seit vielen Jahren ehrenamtlich für die Österreichische Krebshilfe Wien tätig. Ich freue mich, dass Sie diese Webseite aufgerufen haben und werde Ihnen in Kürze darüber berichten, was Nachsorge für Patienten bedeutet.

Was ist Nachsorge?

Nachsorge ist der Zeitraum, der beginnt ab Beendigung Ihrer Therapie. Das kann sein eine Neoadjuvante Therapie mit nachfolgender Operation oder Strahlentherapie. Diese Zeit wird Sie Ihr Arzt begleiten. Es kann sein, dass Sie nicht nur Ihr therapierender Arzt begleitet, sondern dass Sie auch in den niedergelassenen Bereich zugewiesen werden, um dort die Nachsorge durchzuführen.

Die Nachsorge dauert ungefähr 10 Jahre. Ganz selten gibt es Tumorerkrankungen, die eine längere Nachsorge erforderlich machen.

Was kann Nachsorge leisten und was nicht?

Nachsorge ist in jedem Fall keine Garantie für Gesundheit. Nachsorge unterstützt Sie

  • in der Bewältigung des Alltags,
  • in der Bewältigung der Therapien,
  • in dem Management der Nebenwirkungen
  • und in der Früherkennung von möglichen lokal wiederauftretenden Krebserkrankungen.

Kann ich auch öfter zur Nachsorge als vorgesehen?

Selbstverständlich hat man das Gefühl: Je öfter man zur Nachsorge geht, umso sicherer ist man. Das ist leider Gottes ein Trugschluss. Es gibt internationale Studien, die sicherstellen, dass Sie im sicheren Zeitraum wieder zu einer Untersuchung gehen können.

Ein oftmaliges Aufsuchen des Arztes ist keine Garantie für Gesundheit.

Ziele der Nachsorge nach Krebs

1. Wiederherstellung der Gesundheit

Durch das Erkennen und Behandeln von Nebenwirkungen und Spätfolgen der Therapie bzw. rechtzeitige Diagnose von Rückfällen lässt sich die Gesundheit wiederhergestellt. Mittels Nachsorgeuntersuchungen lassen sich sowohl Rückfälle als auch Therapiespätfolgen erkennen. Chemo-, Antihormon-, oder Strahlentherapie können zum Beispiel Osteoporose verursachen. Aber auch Folgen von Operationen wie z.B. Lymphstau, Funktionsstörungen oder Narbenbrüche stehen im Mittelpunkt der Nachsorge-Behandlung.

Wobei der Übergang zwischen Krebsbehandlung, Verlaufskontrolle und Nachsorge je nach Art des Tumors, Krankheitsstadium und Therapieform fließend sein kann. Nachsorgemaßnahmen beugen Spätfolgen und Einschränkungen durch die Behandlung vor und verbessern damit die Lebensqualität.

2. Erkennen von Rezidiven und Zweitmalignomen

Die Nachsorgediagnostik hilft dabei, Rezidive und Zweitmalignome frühzeitig zu erkennen. Nachsorgeuntersuchungen bestehen neben dem ärztlichen Gespräch in erster Linie aus einer gründlichen allgemeinen Untersuchung. Bei Beschwerden oder Verdacht auf einen Rückfall erfolgen zusätzliche Untersuchungen mit bildgebenden Verfahren oder Laboranalysen. Verschiedene Krebserkrankungen haben unterschiedliche Rückfallwahrscheinlichkeiten (Rezidiv-Risiko). Solche Rezidive machen eine erneute Therapie erforderlich. Je länger jedoch nach einer Behandlung kein neuer Tumor auftritt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Krebs dauerhaft besiegt ist.

3. Steigerung der Lebensqualität

Ziel der psychosozialen Betreuung ist die emotionale Aufarbeitung bereits abgeschlossener Therapiemaßnahmen sowie von deren Nebenwirkungen und Spätfolgen. Im Zentrum steht das Entwickeln psychosozialer Perspektiven und Ressourcen zur Erhaltung, Wiedergewinnung oder Verbesserung der Resilienz im Alltagsleben (z.B. beim Wiedereinstieg in die Arbeitswelt) durch einfühlsame und individuell angepasste psychosoziale Beratung und Begleitung mit dem nachhaltigen Ziel, die bestmögliche Lebensqualität zu erreichen.

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Was erwartet mich in der Nachsorge?

Wenn Sie zur Nachsorge zu Ihrem Arzt gehen, wird er Sie über die letzten Monate befragen:

  • Wie ist es Ihnen ergangen?
  • Haben Sie zugenommen oder abgenommen?
  • Gab es Krankenhausaufenthalte?
  • Nehmen Sie zusätzlich Medikamente?
  • Sind Allergien aufgetreten?
  • Ist Ihnen irgendetwas aufgefallen, was nicht so läuft, wie es sonst war?

Durch die Therapien hat Ihr Körper Veränderungen erfahren. Wir wissen heute: Nach Bestrahlungen kann sich die Haut verändern, können Rötungen auftreten.

All das ist die sogenannte „neue Normalität“.

Und sollte davon etwas abweichen, dann sollten Sie es Ihrem Arzt berichten. Es folgt dann eine klinische Untersuchung, ein Abfragen der Befunde. Ich bitte Sie, diese Befunde mitzunehmen mit dem Vorbefund, damit der Arzt den entsprechenden Vergleich durchführen kann. Auch Arztbriefe sind wichtig. Darin enthalten sind viele Informationen, die für den Arzt wichtig sind und die Sie vielleicht jetzt, gerade in diesem Augenblick, nicht bereit haben, weil Aufregung da ist und weil Sie gespannt sind, ob diese Nachsorge-Untersuchung entsprechend gut für Sie ausfällt.

Wie oft muss ich zur Nachsorgeuntersuchung?

Wie schon zuerst gesagt, gibt es standardisierte Abstände:

  • In den ersten drei Jahren bitten wir Sie, alle drei Monate Ihren Arzt aufzusuchen. Dies kann abwechselnd sein mit Ihrem betreuenden Arzt, dem praktischen Arzt, dem Facharzt bzw. der Abteilung, die Sie behandelt hat.
  • Danach verlängern sich die Intervalle auf sechs Monate für Jahr 4 und 5.
  • Und ab Jahr 6 sind jährliche Untersuchungen erforderlich.

Danach ist es natürlich nicht vorbei mit dem Arzttermin, sondern dann gehen Sie wieder zu den ganz normalen Routineuntersuchungen wie z.B. beim Gynäkologen jährlich.

Welche Untersuchungen werden durchgeführt?

Die Untersuchungen, die Ihnen angeboten werden, sind viele. Sinnvoll sind nur wenige. Auch darüber gibt es wissenschaftliche Arbeiten.

  • Leiden Sie heute an einem Brustkrebs, dann ist ganz klar, dass Sie einmal im Jahr zur Mammographie und zum Ultraschall gehen.
  • Patientinnen, die genetische Veränderungen haben, also wo Krebs häufiger auftreten kann oder auch ein Krebs an einer anderen Stelle als Zweitkarzinom auftreten kann, haben eine entsprechende Vorsorge.

Darüber wird Sie Arzt informieren.

Tumormarker sind nicht des Rätsels Lösung. Tumormarker können gefährlich sein. Manchmal sind sie positiv und man hat keinen Krebs. Und manchmal sind sie negativ und man hat doch etwas. Daher können sie nur im Verlauf einer Erkrankung bei gewissen Tumorerkrankungen angewendet werden.

Ich bitte Sie, auch darüber mit Ihrem Arzt zu sprechen.

Untersuchungen in der Krebs-Nachsorge

Wie häufig zur Nachsorge?

Nachsorgeuntersuchungen sind immer mit hohem emotionalen Aufwand und Ängsten seitens der PatientInnen verbunden. Die Sorge, trotz Beschwerdefreiheit etwas zu entdecken ist groß. Sie sollten sich dieser Belastung nicht öfter aussetzen, als sinnvoll. Abhängig von Ihrer Erkrankung erfolgt die Nachsorge nach einem angepassten Schema, das Nachsorgeuntersuchungen in den richtigen Abständen sicherstellen. Darüber informieren Sie Ihre behandelnden ÄrztInnen.

Wann sind Tumormarker sinnvoll?

Tumormarker sind in der Nachsorge nur begrenzt sinnvoll. Einerseits müssen sie für den Tumor möglichst spezifisch sein. Andererseits muss einem bewusst sein, dass ein negativer Tumormarker (im Normbereich) keine Sicherheit darstellt, zugleich aber auch ein erhöhter Tumormarker nicht immer mit einem Fortschreiten der Erkrankung verbunden ist. Über einen möglichen zu bestimmenden Marker und dessen Sinnhaftigkeit informiert Sie Ihr/e behandelnde/r Onkologe/in.

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Was kann ich selbst zu einer optimalen medizinischen Nachsorge beitragen?

Wenn Sie eine optimale Nachsorge wollen, sollten Sie immer rechtzeitig einen Termin bei Ihrem Facharzt beantragen. Wenn die Vorsorge alle drei Monate vorgesehen ist und es beginnt Monat 4, dann ist das überhaupt kein Problem.

Bitte setzen Sie sich zu Hause hin und überlegen Sie, was in den letzten Monaten alles vorgefallen ist:

  • Ist Ihnen irgendetwas aufgefallen, was ungewöhnlich ist?
  • Haben Sie neue Medikamente erhalten?
  • Waren Sie zwischenzeitlich in einem Krankenhaus stationär? Auch wenn es nichts mit der Grunderkrankung, also Ihrer Tumorerkrankungen zu tun hat.

Sammeln Sie all diese Dinge und nehmen Sie die durchgeführten Befunde mit.

Wichtig ist, dass Sie den letzten Befund mitnehmen und den Befund davor. Somit ist ein Vergleich mit dem letzten Befund möglich.

Erwarten Sie sich nicht, dass Ihr Arzt immer alle Befunde von Röntgeninstituten oder Krankenhäusern erhalten hat. Auch wenn Sie über Ihre Krankheit sehr viel Bescheid wissen: Vielleicht gibt es Fragen, die in einem Brief drinnen stehen, die Sie derzeit nicht beantworten können, weil es einfach in Vergessenheit geraten ist.

Bei welchen Symptomen sollte ich unverzüglich einen Arzt aufsuchen?

„Meistens sitzt die Angst knapp unter der Oberfläche.“ Das hat einmal eine Patientin zu mir gesagt. Wenn sie Husten hat, denkt sie sich: „Um Gottes willen! Jetzt hat sich der Krebs in der Lunge festgesetzt.“

Mit zunehmender Zeit findet man auch Sicherheit. Nicht jedes Symptom hat mit der Grunderkrankung zu tun. Denken Sie dran, dass es viele Dinge gibt, die ganz normal sind: Schnupfen, Husten, Heiserkeit. Überlegen Sie, ob Sie irgendwo waren, wo es auch andere Erkrankte mit diesen Symptomen gegeben hat.

Überlegen Sie, ob Sie zu viel gearbeitet haben und deshalb Ihre Wirbelsäule schmerzt.

Warten Sie ein wenig und lassen Sie ein wenig Zeit vergehen. Sollten die Beschwerden jedoch anhalten, machen Sie sich bitte zeitnah einen Termin bei Ihrem Arzt aus.

Mein Beitrag zur Nachsorge nach Krebs

Alles im Blick

Vielleicht machen Sie sich Sorgen, dass Sie im Rahmen der Nachsorge etwas Wichtiges übersehen könnten. Die Checkliste „Gibt acht auf diese 8“ am Ender der Seite soll Ihnen dabei helfen, alle wichtigen Fragen im Blick zu behalten.

Gut vorbereitet ins Nachsorgegespräch

Im Nachsorgegespräch wird Ihre Ärztin/Ihr Arzt nachfragen, wie die Zeit seit der letzten Kontrolle für Sie gelaufen ist. Ist seit der letzten Kontrolle alles gleichgeblieben? Oder ist Ihnen irgendetwas aufgefallen, das sich verändert hat und das Sie gerne besprechen würden? Gab es Abweichungen von der „Neuen Normalität“?

Konkret könnte das zum Beispiel sein:

  • Haben Sie an Gewicht zu- oder abgenommen?
  • Gab es Krankenhausaufenthalte?
  • Wurden alle Nebenwirkungen besprochen und entsprechend behandelt oder benötigen Sie weitere Therapien oder Adressen an die Sie sich wenden können?
  • Gibt es Beschwerden oder Nebenwirkungen die neu aufgetreten sind?
  • Nehmen Sie neue, zusätzliche Medikamente?
  • Sind Allergien aufgetreten?
  • Gab es Ereignisse, über die Sie gerne sprechen würden?
  • Wie geht es Ihnen psychisch?
  • Kommen Sie am Arbeitsplatz gut zurecht?

Mit dem untenstehenden Fragenkatalog zu Vorbereitung auf das Nachsorgegespräch können Sie sich daheim in Ruhe darauf vorbereiten und die Zeit seit dem letzten Nachsorgetermin nochmals genauer unter die Lupe nehmen:

Tipp: Arztbriefe und Befunde mitnehmen

Während Ihre Ärztin/Ihr Arzt alte Arztbriefe und Befunde ausgräbt vergeht gemeinsame Zeit, die Sie für Ihre Fragen und Sorgen vermutlich sinnvoller nutzen könnten. Sie können dazu beitragen, dass keine wertvolle Gesprächszeit verlorengeht, indem Sie Ihre Arztbriefe und Befunde gut sortiert zum Arztgespräch mitbringen.

Downloads

  • Checkliste für die Zeit der Nachsorge Die Checkliste „Gibt acht auf diese 8“ soll dabei helfen, alle wichtigen Fragen rund um die Nachsorge im Blick zu behalten.

  • Gut vorbereitet ins Nachsorgegespräch Mit dem Fragenkatalog zur Vorbereitung auf das Nachsorgegespräch können Sie sich vorbereiten und die Zeit seit dem letzten Nachsorgetermin nochmals genauer unter die Lupe nehmen.

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Geprüft Dr. Ursula Denison: Stand November 2020 | Quellen und Bildnachweis

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