4. Einen Plan für den Rauchstopp entwickeln

Transkript

Welche Schritte beinhaltet der Weg zum Rauchstopp?

Wichtig ist also ein gut geplanter Rauchstopp. Derbraucht ein Konzept.

Und da muss ich mir einen Anfang suchen. Ich muss mir sozusagen einen kleinen Anlauf nehmen, einen Ruck geben und sagen: „Ja, ich mach’s.“ Und dann ist das die erste Minute vom Beginn, ein Ex-Raucher zu werden.

Da brauche ich erstens eine Motivation, die ich mir einmal schon ein bisschen zusammenkratzen muss. Und jeder, der sagt: „Danke! Ich bin froh, wenn du das machst und will dann alles für dich tun“, hilft natürlich dabei.

Es hilft aber vor allem ein Arzt, der einen ernst nimmt und nicht nur sagt: „Das sollten Sie tun…“ Wir wissen, dass es schwer ist, und wir wollen Ihnen helfen. Und da muss man diese Ehrlichkeit haben, und Sie brauchen auch jemanden, dem Sie vertrauen können, wo Sie wirklich sagen können, wo Ihnen der Schuh drückt und ob das sich jetzt gut angefühlt hat oder ob das hilfreich war oder nicht.

Es kann mal sein, dass ich einen Ausrutscher habe und gestern geraucht habe. Das spielt keine Rolle, weil wenn Sie einmal niederfallen, dann stehen Sie auch auf und gehen wieder weiter. Es ist nur wichtig, dass man dann Maßnahmen ergreift und dass dieser Plan, der am Anfang sehr viel Kontrollmechanismen einräumen wird. – Nicht wenn er lange genug durchgehalten wird. Das Interessante ist: Die ersten sechs Monate schaffen die meisten, und nach einem Jahr kommt auf einmal so: „Ich hab’s geschafft, ich brauch nicht mehr aufpassen…“, und dann kommt so ein kleiner Suchtkick, und ich versuche es einmal, und ich werde rückfällig.

Also: Ich muss von Anfang an wissen, dass das ein Langzeitprojekt ist. Und das Wichtige ist: Sie müssen diese kleine Pflanze, dass Nichtrauchen angenehm ist, dass ich besser rieche, dass ich gut schmecke, dass ich meine Belohnungen habe, und dass ich viel zurück kriege, in sich wachsen lassen. Und da gehört auch jemand dazu, der das gemeinsam mit einem pflegt.

Soll ich einfach aufhören oder einen Plan für die Entwöhnung entwickeln?

Welche Methode man für das Rauchen aufhören wählen möchte,

  • also abrupt: „Ich habe mich entschlossen, da gibt’s kein Zurück. Ich werfe meine Zigaretten weg und dann nie wieder. Und ob ich jetzt weine oder ob ich tobe oder ob es mir schlecht geht, das ist mir egal. Da gehe ich durch.“ Das nennt man eine Endpunkt-Methode, machen sehr viele und dann auch sehr erfolgreich.
  • oder ob ich eher der Typ bin und sage: „Nein, nein, das kann ich mir nicht zumuten. Ich brauche auch noch ein Hintertürchen. Also ich nehme Schritt für Schritt die Zigaretten weg, die ich mir leisten kann, darauf zu verzichten. Und dann verabschiede ich mich irgendwann ganz.“,

das hängt davon ab, was Sie für ein Typ sind. Und diese Einschätzung erfolgt am Anfang. Und danach wird der ganze Plan ausgerichtet.

Soll ich den Rauchstopp alleine durchziehen oder mein Umfeld mit ein beziehen?

Es gibt natürlich immer Problemzonen, die man selber einschätzen muss beim Rauchstopp. Die einen sind so, dass Sie heute ein Gespräch mit dem Arzt haben, hinausgehen, alle Freunde anrufen und sagen: „Weißt du, ich höre jetzt auf zu rauchen.“ Dann kommt ein starker innerer Druck, den man am Anfang vielleicht für gut hält. Dann schaffe ich es sicher, weil ich will mein Gesicht nicht verlieren.

Was, wenn ich es aber nicht so schnell geschafft habe und eine andere Methode wählen will? Dann habe ich vielleicht auch Probleme, mich mit diesen Freunden zu treffen.

Das müssen Sie selber gut einschätzen und irgendwie durchdenken. Manchmal ist es auch gut, wenn man einfach sagt: „Nein danke!“ Oder irgendwelche Leute plötzlich nach 14 Tagen sagen: „Sag mal, rauchst du nicht mehr? Ich habe dich schon so lange nicht gesehen.“ Weil Ablehnverhalten üben und sagen „Nein danke, ich will jetzt nicht. Ich brauche jetzt nicht“ oder so ist oft für einen selber einfacher, weil Sie wissen ja nicht, was in zwei Stunden passiert. Und dann kann man das durchhalten.

Ich glaube, das muss man immer von der Ehrlichkeit, die man mit sich selber machen kann und wie man das auch öffentlich besprechen kann, abhängig machen.

Ich glaube, den Ehepartner oder die engste Familie, das wird keinen Sinn machen, wenn Sie die nicht einbeziehen.

Gedanken zur Planung

Unabhängig davon, ob Sie sofort mit dem Rauchen aufhören oder Schritt für Schritt reduzieren möchten, ist es sinnvoll, sich im Vorhinein mit Ihren ÄrztInnen einen Plan zu überlegen.

Welche Schritte sollte ich vor dem Rauchstopp bedenken?

  • Die Entscheidung, wirklich aufhören zu wollen.
  • Unterstützung und Ermutigung suchen.
  • Einen Plan entwickeln.

Einfach aufhören oder ausschleichen?

Die Art und Weise, wie der Rauchstopp am ehesten gelingt, ist individuell sehr verschieden.

Man unterscheidet zwei Methoden:

  • Die Endpunktmethode: „Ich werfe meine Zigaretten weg, und das war’s. Egal, was kommt, ich rauche ab sofort nicht mehr!“
  • Die Reduktionsmethode: „Ich lasse Schritt für Schritt jene Zigaretten weg, die mir nicht so wichtig sind. Irgendwann lasse ich es ganz.“

Am Anfang der begleiteten Raucherentwöhnung wird festgestellt, was für ein Typ RaucherIn Sie sind, und welche Methode für Sie die geeignete ist.

Für und Wider abwägen

Notieren Sie, was für den Rauchstopp spricht und was dagegen:

  • Für“: Was ist das Schöne an einem rauchfreien Leben? Was hat mich am Rauchen immer gestört? Was wird sich durch den Rauchstopp zum Positiven verändern?
  • Wider“: Was gefällt mir am Rauchen? Welche Gründe sprechen fürs Weiterrauchen? Was lässt mich zögern, den Rauchstopp anzugehen? Gibt es etwas, was die Zigaretten genauso gut ersetzen könnte?

Wägen Sie das “Für” und “Wider” sorgfältig und aufrichtig ab.

Das Umfeld mit einbeziehen?

In den meisten Fällen werden BeziehungspartnerInnen und der engste Familienkreis in die Entscheidung mit einbezogen sein.

Ob Sie den weiteren Freundes- oder Bekanntenkreis darüber informieren wollen, liegt bei Ihnen. Manchen hilft der Erfüllungsdruck, andere fühlen sich wohler, wenn sie nicht Gefahr laufen, sich eine Blöße zu geben.

Transkript

Worauf muss ich achten, wenn ich bereits gescheiterte Versuche hinter mir habe?

Schlimm ist oft, weil wir mit Vorurteilen kämpfen, wenn Menschen erfolglose Rauchstopp-Versuche hinter sich haben, weil sie entmutigt sind, sich das anzutun, weil sie vielleicht auch eine unangenehme Erfahrung haben, wie sehr sie damals gelitten haben. Und vielleicht wird das sogar dramatisiert, weil, was schon wirklich wichtig ist:

  • Wenn damals vielleicht ein ganz anderer Grund zum Rauchen aufhören vorgelegen hat, wo Sie diesen Versuch unternommen haben, dann war auch das Empfinden anders.
  • Wenn Sie eine ernste Erkrankung haben, wo Sie sich auf eine Behandlungszeit vorbereiten, wo Sie wissen, dass Sie diese Behandlung unterstützen können durch Rauchstopp, ist die Situation anders, und es macht ganz andere Verhaltensweisen und es macht ganz andere Dinge möglich, weil Sie alle Kräfte mobilisieren, die Sie haben, weil Sie ja mithelfen wollen an Ihrer Gesundung.

Und daher hat in dieser schlimmen Situation, wo man krank ist, das ist vielleicht der Bonus, den wir auch als beratende Ärzte haben, haben wir immer mehr Erfolg, als wenn jemand sagt: „OK, ja, habe ich gelesen, vielleicht wär‘s ja auch ganz gut…“. Das ist eine andere Motivationssache.

Was kann mir helfen, dran zu bleiben?

Wichtig ist natürlich, dass man sagt: „Einen Marathon laufe ich auch nicht in einem Tag, geraucht habe ich wie lange, und wie lange in meinem Leben möchte ich dann nicht mehr rauchen, nämlich nie mehr, also muss ich auch ein bisschen Geduld mitbringen.“

Es ist schon wichtig, dass Sie sich an Etappenzielen freuen. Also wenn Sie im Sport, im Training wären, dann freuen Sie sich über jede Stufe, die Sie geschafft haben. Das ist auch beim Nichtrauchen so.

Und es dauert viel länger, als man glaubt, dass eine Gewohnheit neu gebildet wird. Deswegen haben wir nach einem Jahr, wenn keine besonderen Bedingungen vorliegen, oft nur fünf Prozent, die noch Nichtraucher oder Ex-Raucher sind. Das hängt also sehr stark davon ab, dass Sie nicht unterschätzen, bis etwas automatisiert wird und ich selbstverständlich nicht einmal mehr an eine Zigarette denke. Das dauert lange. Das Quälerische ist in zwei bis drei Wochen oder einem Monat vorbei.

Kann man sich auf schwierige Momente, in denen das Rauchverlangen groß wird, vorbereiten?

Es kommt natürlich darauf an, ob Sie ein Typ sind, der sagt. „Wenn ich so ein starkes Verlangen nach einer Zigarette habe, würde ich auch mit einem Stein einen Zigarettenautomaten einschlagen. Hauptsache, ich komme an meine Droge.“ Das nennt man in der Fachsprache Craving. Und das ist so ein starkes Entzugssyndrom, wo ich jetzt sofort was brauche, also kicken. Wenn ich so ein Typ bin, dann muss ich mich auf das vorbereiten und muss für den Nikotin-Kick, der jetzt ganz schnell mal Ruhe im Gehirn schafft, auch was mithaben. Da ist ein Nikotin-Nasenspray hervorragend geeignet, weil er so wahnsinnig schnell ins Blut geht. Und dann ist ganz schnell Schluss mit diesem Rauchverlangen, und ich kann mich wieder runterholen. Nicht warten, bis es da ist. Besser schon mit einer gewissen Nikotindosis vorausarbeiten.

Dran bleiben

Mit dem Rauchen aufzuhören ist nicht einfach. Sie sollten sich nicht dafür schämen, wenn Sie bereits mehrere Versuche eines Rauchstopps hinter sich haben. Jede Zigarette weniger ist ein Erfolg!

Gescheiterte Vorversuche

Gescheiterte Entwöhnungsversuche in der Vergangenheit sagen nichts über die Erfolgsaussichten in der Gegenwart aus. Ihre Situation jetzt ist eine völlig andere, und auch Ihre Motivation zum Rauchstopp unterscheidet sich von damals.

Ihre Erkrankung und die bevorstehende Therapie sind eine große Motivation und Chance, das Rauchen diesmal erfolgreich zu beenden.

Ausdauer

Bis sich Gewohnheiten umgestellt haben und Sie ganz selbstverständlich ohne Rauchen leben, braucht es seine Zeit. Haben Sie Geduld!

  • Führen Sie sich vor Augen, wie lange Sie geraucht haben, und geben Sie sich auch für die Erlangung eines rauchfreien Lebens Zeit.
  • Stellen Sie sich die Entwöhnung als einen längeren Weg vor und freuen Sie sich über erreichte Etappenziele.
  • Führen Sie sich immer wieder die Vorteile des Nichtrauchens vor Augen.
Transkript

Was benötige ich für einen erfolgreichen Rauchstopp?

Wichtig ist, dass ich überzeugt bin, dass ich erfolgreich sein kann. Man ist schon oft ein bisschen kleinmütig und denkt sich: „Jetzt habe ich andere Probleme. Muss mir so viele Dinge überlegen. Ich bin krank. Vielleicht fühle ich mich auch nicht gut. Und dann muss ich mich noch um das kümmern.“ Letztendlich ist es wichtig, weil jedes Sich-um-mich-Kümmern, das Sie sich selber zumuten können, führt Sie zu der Gewissheit, dass Sie erfolgreich sein können und etwas leisten und manchmal auch etwas hinnehmen.

Das ist auch in der Krebstherapie so. Man muss auf viele Dinge aufpassen. Man muss manchmal essen, auch wenn man gerade nicht besonders hungrig ist. Man muss zur Therapie gehen, auch wenn es heute nicht so besonders lustig ist. Aber wir Menschen können das, weil wir haben einen Verstand und wir können mitdenken. Und wir können danach auch bewerten, dass die positiven Effekte, die ich mir erarbeitet habe, da sind, und die gehören mir alleine.

Wann macht es Sinn, Medikamente in Erwägung zu ziehen?

Wenn ich auf diesem Weg zum Erfolg Medikamente brauche, dann sollte ich jetzt nicht gerade glauben: „Ich bin hart im Nehmen, ich stehe das alles durch. Ich brauche gar nix“, weil das kann auch sehr schnell zu so einer schlechten Gesundheitsverfassung führen, dass Sie dann doch rückfällig werden und sagen: „Nein, nie wieder, nie wieder. Das war so schmerzhaft.“ Also man muss es wirklich einschätzen.

Medikamente, die für eine bestimmte Zeit genommen werden, sind überschaubar von Nebenwirkungen oder vom Risiko. Sie müssen es aber immer mit Ihrem Arzt besprechen, denn man muss sehen, ob das mit anderen Nebenwirkungen von anderen Medikamenten sich verträgt und auch erlaubt ist.

Gibt es Medikamente für den Rauchstopp, die bei Lungenkrebs nicht geeignet sind?

Generell ist es nicht so, dass wegen Lungenkrebs und der Besonderheit dieser Erkrankung bestimmte Rauchentwöhnungs-Medikamente nicht genommen werden dürfen. Es hängt viel mehr davon ab, ob Sie Blutdruckmedikamente nehmen, herzwirksame Medikamente nehmen oder eben auch Krebsmedikamente bekommen sollen, die z.B. in der Nebenwirkung sich mit anderen Sachen überlagern können. Viele von diesen auf die Rezeptoren im Gehirn, also Lust-Suchtzentrum wirkenden Medikamente gehören in die Gruppe der Psychopharmaka und können daher mit anderen Sachen unverträglich sein. Manche Medikamente müssen über die Leber abgebaut werden.

Also es hängt davon ab:

  • Wie viele Medikamente nehmen Sie sonst noch wegen Begleiterkrankungen?
  • Wie gesund sind Sie im Allgemeinen?
  • Was verträgt Ihr Körper?

Das muss der Arzt mit Ihnen besprechen. Dann sind diese Medikamente in einem überschaubaren Zeitraum in der Regel gut verträglich.

Werden die Kosten für die Raucherentwöhnungsprogramme von der Krankenkasse gedeckt?

Es gibt Programme, die von der Krankenkasse bezahlt werden, weil ja die Wichtigkeit auch da ist.

B. das Rauchfrei Telefon wird von der Krankenkasse bezahlt. Dort gibt es professionelle Psychologen, die sich um einen kümmern. Der Vorteil ist, wenn ich zum Beispiel sehr krank bin oder wenn mir übel ist oder ich bin gerade mal so müde nach einer Therapie, dann kommen die auch telefonisch ins Haus und können mit mir diese Raucherentwöhnungsbesprechungen durchführen. Und: Es ist in ganz Österreich kostenfrei.

Es gibt auch Therapien, also psychotherapeutische Begleittherapien, wenn von Ihrem Arzt empfohlen, die bezahlt werden können.

Nikotinersatzprodukte werden in der Regel von der Krankenkasse nicht vergütet.

Hilfsmittel

Vor allem in der ersten Phase der Entwöhnung können unterstützende Mittel hilfreich sein. Neben unterstützenden Maßnahmen (wie z.B. Akupunktur) können auch Nikotinersatzprodukte oder Medikamente eingesetzt werden.

Nikotinersatz

Nikotinersatz dient dazu, den Nikotinentzug und das Rauchverlangen zu mildern.

Nikotinpflaster:

  • Nikotinpflaster geben kontinuierlich Nikotin an die Haut ab.
  • Das Pflaster wird morgens an einer Stelle am Oberkörper aufgeklebt. Man unterscheidet 16- und 24-Stunden-Pflaster.
  • Jede Variante gibt es in drei verschiedenen Stärken. Die Nikotindosis wird über mehrere Wochen langsam reduziert.

Nasen/Mundspray, Kaugummi oder Lutschtabletten:

  • Diese Medikamente helfen in Momenten starken Rauchverlangens.
  • Das Nikotin wird über die Schleimhaut sehr rasch ins Blut aufgenommen.

Nikotinersatzpräparate sind rezeptfrei in der Apotheke erhältlich. Sie sollten eine Einnahme trotzdem mit Ihren behandelnden ÄrztInnen besprechen.

Medikamente als Unterstützung

Wenn der Nikotinersatz zur Kontrolle der Entzugserscheinungen nicht ausreicht, können Medikamente eingesetzt werden.

  • Bupropion ist ein Antidepressivum, welches auch gegen Entzugssymptome wirkt.
  • Vareniclin bindet an dieselben Rezeptoren wie Nikotin und kann daher das Bedürfnis nach Zigaretten reduzieren.

Beide Medikamente dürfen nur nach ärztlicher Verordnung und nur für einen begrenzten Zeitraum eingenommen werden.

Diesen Kurs bewerten

Ihr Feedback hilft anderen Nutzern die für sie passenden Kurse zu finden.
4.9/5 (11)

Geprüft Prof.in Dr.in Sylvia Hartl: Stand 16.11.2020 | AT-4099 | Quellen und Bildnachweis

Die Kurse sind kein Ersatz für das persönliche Gespräch mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt, sondern ein Beitrag dazu, PatientInnen und Angehörige zu stärken und die Arzt-Patienten-Kommunikation zu erleichtern.