2. Unterstützung beim Rauchstopp

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An wen wende ich mich, wenn ich mit dem Rauchen aufhören möchte?

Das Wichtigste ist, wenn Sie erfahren, dass es ein wichtiges Ziel ist, das Rauchen aufzugeben, weil Sie Lungenkrebs haben, dass Sie sich an einen Therapeuten wenden. Das kann entweder Ihr Krebszentrum sein, das kann Ihr Lungenfacharzt sein oder auch Ihr Hausarzt. Entsprechende Listen für Spezialisten, die sich mit Raucherentwöhnung beschäftigen, gibt es auch über die Ärztekammer, und man kann sich dort einen neuen Therapeuten suchen, wenn man noch keinen hat.

Das Niederschwelligste ist, dass man eine Beratung und einen Plan sucht, wenn man das Rauchfrei Telefon benützt. Das ist in Österreich kostenfrei zu besuchen und daher kann man dort unter psychologischer Unterstützung einen guten Plan entwickeln, auch wenn ich sonst keine Therapiekosten oder keinen Arzt zur Verfügung habe, der mir unmittelbar hilft.

Eine Raucherentwöhnung, die ohne Plan geht, also sagen wir, Sie bekommen in der Apotheke eine Beratung, dass Nikotinkaugummi oder andere Substitutionsmedikamente helfen könnten, hat wesentlich weniger Chancen rauchfrei zu bleiben, weil Sie auch jemanden brauchen, der Ihren Willen stärkt, mit dem Sie über Ihre Probleme reden können und der auch einmal mit Ihnen den Plan ändert, wenn es erforderlich ist.

Wie kann mein ÄrztInnenteam bei der Raucherentwöhnung helfen?

Wichtig ist, dass ein Arzt ein Ansprechpartner ist, wenn Sie eine Einschätzung brauchen. Es ist sehr wichtig, wie der Plan für Raucherentwöhnung zusammengestellt wird, was ich für ein Abhängigkeitstyp in meiner Rauchererkrankung bin. Und man hat ja oft auch durch jahrzehntelanges Rauchen schon rauchbegleitende Erkrankungen entwickelt, seien es Atemwegserkrankungen oder Herzinfarkt oder andere Erkrankungen. Das heißt, jedes Medikament, brauche ich überhaupt ein Medikament, brauche ich nur psychologische Beratung, muss mit dem Arzt abgesprochen werden und es muss auch mit dem Krebsarzt abgesprochen werden, denn man muss immer wissen, wenn man etwas zusätzlich einnimmt, ob das sich sozusagen mit der Krebstherapie auch verträgt.

Wie können mich meine Angehörigen unterstützen?

Es ist natürlich wichtig, dass man mit dem Problem nicht alleine ist. Wenn Sie Lungenkrebs haben, dann sind Sie natürlich ohnedies nicht alleine, weil Ihre Freunde, Ihre Familie das wahrscheinlich wissen wird, am Arbeitsplatz ist die Frage, vielleicht eher nicht, aber in Ihrem Umfeld ist es wichtig, dass Menschen Sie verstehen und dass Menschen Sie unterstützen.

Wenn das wichtige Ziel „Ich soll rauchfrei sein“ umgesetzt werden soll, kann Ihre Familie wahnsinnig viel tun, weil, wenn alle anderen Mitglieder in der Familie rauchen, wenn Ihre Freunde Sie Passivrauch aussetzen, weil sie neben Ihnen rauchen, dann schädigen sie Sie nicht nur, sondern sie machen es Ihnen auch schwer, vom Rauchen selber frei zu bleiben.

Wer kann helfen?

Die Chancen, rauchfrei zu werden und es auch dauerhaft zu bleiben, sind mit Unterstützung höher als allein. Neben Ihren ÄrztInnen könnten Ihre Angehörigen Ihnen dabei helfen, langfristig rauchfrei zu sein.

Ärztliche Unterstützung

Wenn Sie mit dem Rauchen aufhören möchten, wenden Sie sich an:

  • Ihre Lungenfachärztin/Ihren Lungenfacharzt oder
  • Ihre Hausärztin/Ihren Hausarzt oder
  • die Krankenhauseinrichtung, in der Sie behandelt werden.
  • Am Rauchfrei-Telefon bieten erfahrene GesundheitspsychologInnen kostenlos Beratung und Begleitung an. Auch eine Rauchfrei-App kann kostenlos genutzt werden.

Rauchentwöhnungsprogramme

Eine begleitete Raucherentwöhnung erfolgt meist in ambulanten Beratungseinrichtungen. Es gibt aber auch stationäre Einrichtungen mit speziellen Entwöhnungsprogrammen.

Welche Rolle spielen meine Angehörigen?

Die Nähe und der Austausch mit vertrauten Menschen ist eine unersetzliche Stütze.

  • Es ist eine enorme Hilfe, wenn Sie beim Rauchstopp Motivation und Ermunterung durch Ihre Angehörigen erfahren.
  • Wenn andere rauchende Personen in Ihrer Umgebung ebenfalls mit dem Rauchen aufhören, erleichtert das Ihren Rauchstopp deutlich.
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Welche Medikamente können bei der Raucherentwöhnung helfen?

Sollte man festgelegt haben in dem Plan, dass man eine starke psychische Abhängigkeit hat, dann kann man natürlich Medikamente verwenden, die sozusagen diese Funktion des Glücklichmachens des Nikotins an denselben Rezeptoren, also an den Glücksrezeptoren ersetzen kann. Also es gibt Medikamente, die auf derselben Ebene wirken, und die kann man schlucken. Das ist für Menschen, die eine sehr starke psychische Abhängigkeit zur Zigarette empfinden, hilfreich.

Das andere ist, wenn man Entzugserscheinungen am Nikotinrezeptor im Gehirn, die dort ausgeprägt sind und immer mehr Nikotin möchten und diesen Suchtcharakter erzeugen, befriedigen muss, dann kann man natürlich auch Nikotinersatz nehmen.

Das sind im Wesentlichen die großen medikamentösen Schienen, die da sind.

Wenn ich unter der belasteten Situation einer Krebstherapie und Erkrankung, die mir Beschwerden macht, die Situation habe, dass ich auch unter Angstzuständen oder Panikzuständen leide, dann gibt’s natürlich darüber hinaus auch Medikamente, die man für eine gewisse Zeit unter ärztlicher Empfehlung nehmen kann.

Wie funktioniert eine Nikotinersatztherapie?

Nikotinersatztherapie ist das, worauf eigentlich am häufigsten zurückgegriffen wird, weil Sie es auch in der Apotheke frei kaufen können.

Die Form, die man nimmt, also ob man einen Spiegel von Nikotin im Blut haben möchte, das macht man dann meistens mit einem Pflaster, das auf die Haut geklebt wird und gibt den Wirkstoff über die Haut ständig ab und man hat sozusagen einen ständigen Nikotinspiegel, oder ob man einen Nasenspray verwendet, weil man so ein starkes Rauchbedürfnis hat, dass man glaubt, man kann nicht anders. Das ist so, wie wenn Sie sagen: „Ich muss jetzt sofort etwas trinken, sonst verdurste ich“, und man kann es nicht beherrschen, dann nimmt man in der Regel so Kicks. Das kann man mit einem Nasenspray machen, das kann man mit Kaugummi machen, mit Lutschtabletten in allen möglichen Formen.

Also das unterscheidet man. Und das muss man sehr genau herausfinden: Was brauche ich am häufigsten? Dafür gibt es auch einen sehr guten Selbsttest, den sogenannten Fagerströmtest, den Sie im Internet jederzeit Zeit finden können oder auch von Ihrem Therapeuten erhalten können, und dann plant man das.

Also Nikotinersatz ist in der ersten Zeit, ich sage jetzt einmal zwei bis drei Wochen, für die meisten Menschen gut, um befürchtete Entzugserscheinungen hintanzuhalten. Das ist es aber dann auch schon.

Wie funktioniert ein Fagerströmtest?

Wenn Sie einen Fagerströmtest machen, dann haben Sie dort einfach Punkte. Da werden Sie ganz gut für sich selbst beantwortbar gefragt: „Wann denken Sie an die erste Zigarette? Welche fällt einem schwer?“ Et cetera, et cetera. Es sind wenige Fragen.

Und wenn Sie einen Punktewert von 7 bis 10 haben, dann haben Sie eigentlich die höchste Abhängigkeitsstufe, die man so bei chronischem Rauchen haben kann. Da muss man schon mehrere Register ziehen.

Und abgestuft geht‘s dann drunter. Wnn Sie ein bis zwei Punkte erreichen, dann sind Sie eigentlich nicht süchtig. Da empfiehlt man in der Regel auch die Endpunktmethode, dass man sagt: „Sage es einfach. Ich nehme es mir vor. Stopp und kontrolliere dein Verhalten.“ Das wird funktionieren.

Was ist eine Verhaltenstherapie, und wie kann sie bei der Raucherentwöhnung helfen?

Unter Verhaltenstherapie verstehen wir Maßnahmen, wo ich lerne, mein unbewusstes Verhalten, und man darf nicht vergessen, wie beim Autofahren, ist vieles beim Raucher, wenn er lange raucht, schon automatisiert oder halb automatisiert. Es gibt Situationen, berühmt ist das sogenannte „Der Kaffee schmeckt mir nicht, wenn ich nicht dazu rauche.“ Und das sind Hürden, weil sie im Alltag vorkommen. Und da falle ich in mein altes Verhalten zurück.

Und bei der Verhaltenstherapie lernen Sie Maßnahmen, wo Sie Sachen dazwischenschalten können, Nachdenken, eine Wegstrecke oder was auch immer man sich ausmachen kann, damit ich am Anfang eine sehr gute Kontrolle habe und damit ich diesen Raum bekomme sozusagen, mein Rauchverhalten zu steuern, ohne dass es unbewusst passiert.

Therapien zur Raucherentwöhnung

Bei der Raucherentwöhnung sollte immer die körperliche und die psychische Nikotinabhängigkeit behandelt werden. Die Vorgehensweise ist abhängig von Ihrem individuellen Rauchverhalten beziehungsweise vom Grad Ihrer Nikotinabhängigkeit.

Medikamentöse Therapien

Die Einnahme von Medikamenten dient vor allem der Kontrolle von Entzugssymptomen.

Zur Verfügung stehen:

  • Die Nikotinersatztherapie (NET).
  • Medikamente, welche das Verlangen nach Zigaretten bzw. Entzugserscheinungen reduzieren können.
  • Medikamente zur Entspannung und Angstlösung.

Eine Nikotinersatztherapie oder Medikamente können vor allem in der ersten Zeit der Raucherentwöhnung sinnvoll sein.

Verhaltenstherapie

Die Verhaltenstherapie dient der Behandlung der psychischen Abhängigkeit durch die Rauchgewohnheiten.

Eine Verhaltenstherapie beginnt mit einer Selbstanalyse des Rauchverhaltens. In der Folge werden Alternativen zum Rauchen entwickelt und der Umgang mit unbewussten Rauchgewohnheiten erlernt.

Die Raucherentwöhnung kann als Einzel- oder als Gruppentherapie erfolgen.

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Welche unterstützenden Methoden zur Raucherentwöhnung gibt es?

Die medikamentöse Schiene ist natürlich nur eine. Und ich glaube, sie wird auch manchmal fälschlich sehr hoch eingestuft, weil viele unserer Patienten benötigen das nicht.

Aber was man braucht, ist Verhaltenstherapie, also stärkende Maßnahmen, mit denen ich mich gut zurechtfinden kann.

Möglicherweise auch suggestive Methoden wie Hypnose oder Akupunktur, die mein Suchtzentrum dämpfen können.

Und manche Patienten, das wird sehr davon abhängen, wie es Ihnen persönlich geht in Ihrer Lebenssituation, profitieren auch sehr stark von Entspannungsmethoden.

Das heißt: Die Palette an Möglichkeiten, die man ausschöpfen kann, ist sehr groß.

Was nicht vergessen werden darf, ist, dass Ernährungstherapie und Bewegung eine sehr große Rolle spielen.
Also gesunde Ernährung und viel Bewegung in der frischen Luft

sind wahnsinnig unterstützend beim Rauchstopp.

Was kann mir noch bei der Raucherentwöhnung helfen?

Es gibt natürlich viele psychologische Verfahren, die über Tiefenentspannung reden können und auch bis hin zu einer Gesprächstherapie. Ich würde sagen, gerade wenn man im Zusammenhang von Lungenkrebs mit Rauchen redet: Es geht auch oft um unbewusste Dinge, die Ihnen gar nicht so klar im Kopf sind.

Das, was uns am meisten zu schaffen macht, ist, dass viele Patienten belastet sind von Schuldgefühlen, weil sie wissen, dass Rauchen schädlich ist und weil man diesen Zusammenhang sehr oft hört zwischen Krebs und Rauchen. Und dann belastet einen das, wenn man denkt: „Ich bin ja selber schuld.“ Das, glaube ich, ist eine Sache für den Psychologen oder Therapeuten. Und man sollte sich nicht scheuen, sich in dieser Situation helfen zu lassen. Und das kann über solche Dinge noch hinausgehen, wenn man noch andere Probleme hat, die man jetzt nicht mit Rauchen lösen möchte.

Kann Akupunktur wirklich beim Rauchstopp helfen?

Akupunktur ist ein heute sehr anerkanntes Verfahren. Ich würde nicht sagen, dass es bei 100 Prozent der Menschen hilft. Aber wenn man dazu empfänglich ist und wenn man es ausprobieren möchte, dann sehen wir, dass es für viele Menschen, die schon Therapieversagen oder andere Dinge hinter sich haben, einen zusätzlichen Nutzen bringen kann.

Wie erkenne ich seriöse Raucherentwöhnungsprogramme?

Jedes Rauchprogramm ist seriös. Der Freund, den Sie treffen und sagen: „Du, ich glaube, das solltest du jetzt lassen, das ist sehr gefährlich. Ich habe das schon gehört und es tut mir leid. Oder kann ich dir helfen?“ ist der erste Schritt zur Raucherentwöhnung. Eigentlich brauchen Sie ein Umfeld, das Sie unterstützt und Sie motiviert, dass Rauchen aufhören oder nicht Rauchen eigentlich das normale Leben ist, dass Gesundheit in einer Erkrankungssituation besonders wichtig ist. Und ich glaube, das Allerwichtigste ist, dass man Sie dazu bewegen kann, aktiv zu sein. Krebstherapie ist nichts, was passiv mit Ihnen passiert, sondern ist ein sehr aktiver Prozess.

Und unsere Erfahrung ist, dass Menschen, die selber Hilfe suchen, aktiv darauf zugehen, dass sie das Rauchen jetzt lassen wollen, das Gefühl haben, dass sie auch etwas beitragen dazu, dass sie einen Lungenkrebs bekämpfen. Und ich glaube, wenn jemand zu Ihnen sagt „Rauch jetzt nicht, das ist jetzt das Wichtigste.“ Gehen Sie nach Hause und machen Sie es. Das ist wahrscheinlich die einzige Form, die unseriös ist, weil man dabei unter den Tisch fallen lässt, dass das wahnsinnig schwer ist, zumindestens für manche.

Unterstützende Maßnahmen

Sie brauchen sich nicht dafür schämen, wenn Sie bei der Raucherentwöhnung Hilfe von außerhalb annehmen. Neben der Nikotinersatztherapie gibt es auch einige unterstützende Behandlungsmethoden, die Ihnen beim Rauchstopp helfen können.

Eine gesunde Basis schaffen

  • Das persönliche Umfeld ist von zentraler Bedeutung. Es stärkt Ihnen den Rücken und kann durch Geselligkeit oder Unternehmungen dabei helfen, auf andere Gedanken zu kommen und sich abzulenken.
  • Gesunde Ernährung und körperliche Aktivität haben erwiesenermaßen einen äußerst positiven Effekt während der Raucherentwöhnung. Versuchen Sie, sich bewusst zu ernähren, und machen Sie so viel Bewegung an der frischen Luft wie möglich.
  • Sollten Sie sich depressiv fühlen oder unter Schuldgefühlen in Zusammenhang mit Ihrer Lungenkrebserkrankung leiden, kann psychologische Unterstützung hilfreich sein.

Weitere therapeutische Ansätze

  • Vielen Menschen hilft Hypnose bei der Raucherentwöhnung.
  • Akupunktur (auch als Softlaserakupunktur) kann das Suchtzentrum dämpfen und ist in vielen Fällen wirkungsvoll.
  • Manche Menschen profitieren von Entspannungsmethoden (z.B. autogenes Training, Progressive Muskelentspannung etc.).

Meditation zur Raucherentwöhnung

Weiter unten unter “Audio” finden Sie eine unterstützende Meditation, die Ihnen bei der Entwöhnung helfen kann. Diese Übung können Sie jederzeit zuhause oder in freier Natur ausführen. Sie dauert nur wenige Minuten.

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Geprüft Prof.in Dr.in Sylvia Hartl: Stand 16.11.2020 | AT-4099 | Quellen und Bildnachweis

Die Kurse sind kein Ersatz für das persönliche Gespräch mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt, sondern ein Beitrag dazu, PatientInnen und Angehörige zu stärken und die Arzt-Patienten-Kommunikation zu erleichtern.