1. Rauchstopp bei Lungenkrebs

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Zahlt sich nach der Diagnose Lungenkrebs noch aus, mit dem Rauchen aufzuhören?

Bei der Diagnose Lungenkrebs ist es besonders häufig, dass die Leute aktuelle Raucher sind, weil der Zusammenhang zwischen Rauchen und Lungenkrebs ein sehr häufiger ist durch die Giftstoffbelastung. Aber es ist von enormer Bedeutung, dass man versucht, wenn man diese Diagnose hat, mit dem Rauchen aufzuhören.

Sollte ich mit dem Rauchen aufhören, wenn es gerade jetzt bei Stress hilft?

Wenn man die Diagnose Lungenkrebs erhält, hat man natürlich eine Stresssituation. Man hat Sorgen, man hat Belastungen, und wir erfahren immer wieder, dass Patienten das Gefühl haben: „Genau in so einer Stressbelastung habe ich Angst davor, mit dem Rauchstopp konfrontiert zu werden. Das werde ich nicht schaffen.“

In der Regel ist genau das Gegenteil der Fall. Weil wenn Sie wissen, dass Rauchen während der Behandlung von Lungenkrebs sehr schädlich ist, dann kommen Schuldgefühle, zusätzliche Ängste und Verzweiflung dazu. Und nichts ist wichtiger, als dass ich aktiv an meiner Behandlung teilnehme.

Gibt es viele LungenkrebspatientInnen, die es schaffen, das Rauchen zu lassen?

Man wäre erstaunt, wenn man sich mit den Ängsten bei seiner Abhängigkeitserkrankung, und das ist das Rauchen, damit konfrontiert: „Ich soll jetzt mit dem Rauchen ganz aufhören.“, wie viele Menschen das schaffen, wenn es wirklich wichtig ist. Und vor allem meine Erfahrung als Arzt ist, dass die Patienten nachher sagen: „Es war viel einfacher, als ich es mir vorgestellt habe…“ – wenn man eine gute Begleitung annimmt und wenn man sich wirklich ernsthaft damit beschäftigt.

Also ich würde sagen: Der größte Teil der Patienten schafft es, wenn es wirklich wichtig ist und wenn Sie gemeinsam mit jemanden einen guten Plan machen.

Was kann ich machen, wenn ich Schuldgefühle habe?

Wichtig bei der Motivation, einen Rauchstopp überhaupt zu versuchen, ist, dass man sich klarmacht, dass man sehr oft Schuldgefühle hat, weil Rauchen muss man ja nicht. Das ist in der Gesellschaft oft so dargestellt: „Das ist ja eine selbstverschuldete Abhängigkeit. Und wenn du dann Folgeerkrankungen hast, dann bist du auch selber schuld dran.“

Wenn ich Sport mache und ich breche mir das Bein, bin ich auch selber schuld dran.

Also es gibt diese Schuldzuweisung eigentlich nicht und es ist ganz wichtig, dass Sie nicht schuld sind an Ihrer Krebserkrankung, sondern Sie wissen, dass Rauchen einfach nur ungünstige Auswirkungen auf den Verlauf dieser Krebserkrankung hat und dass Sie sich von dem befreien.

Wenn Sie sich aber auch bewusst machen, dass Sie so ein bisschen sagen: „Ja, ich weiß eh, schlechtes Gewissen…“, wenn Sie sich von dem befreien, dann haben Sie das aktiv gekappt und haben gesagt: „Ich hab’s eingeführt, ich hab’s auch wieder weggemacht.“ Dann sind die Schuldgefühle auch weg. Und das ist ein nicht zu unterschätzender positiver Effekt auf die seelische Gesundheit.

Nach der Diagnose

Auch wenn Sie bisher gewohnt waren in stressigen und belastenden Zeiten zu rauchen, sollten Sie nach der Diagnose Lungenkrebs mit dem Rauchen aufhören. Ihr Behandlungsteam kann Sie dabei unterstützen.

Das Rauchen zum Thema machen

Viele PatientInnen scheuen sich zuzugeben, dass sie immer noch rauchen. Doch gemeinsam mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt können Sie Strategien entwickeln, wie Sie mit dem Rauchen in Zukunft umgehen wollen. Scheuen Sie sich nicht, ehrlich mit Ihren ÄrztInnen zu sprechen.

Warum jetzt aufhören?

Gerade nach der Diagnose Lungenkrebs ist es wichtig, mit dem Rauchen aufzuhören. Denn Rauchen

  • beeinträchtigt die Heilung,
  • reduziert die Wirksamkeit von Behandlungen,
  • reduziert die Wirksamkeit von Behandlungen
  • erhöht das Risiko eines Rückfalls oder einer zweiten Tumorerkrankung und
  • vermindert die Lebensqualität und Überlebenszeit.

PatientInnen, die nach der Diagnose mit dem Rauchen aufhören, sind in besserer körperlicher Verfassung, vertragen Therapien besser und haben weniger Beschwerden wie Schmerzen, Atemnot, Husten oder Fatigue.

Der richtige Zeitpunkt

Die Zeit nach der Diagnose ist besonders geeignet für einen Rauchstopp. Ihre Bereitschaft ist jetzt besonders hoch.

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Wie lange dauert es gewöhnlich, bis man rauchfrei ist?

Die Zeit, bis man rauchfrei ist, ist sehr unterschiedlich, weil die hängt von der Persönlichkeit und vom Typ des Rauchers ab.

In der Regel ist es immer so: Wenn das Ziel ein ganz wichtiges ist, dann tut man sich viel leichter. Wir sagen oft: „Es legt sich ein Schalter im Kopf um“, und die Motivation ist besonders hoch. Also manche Menschen werfen die Zigaretten weg und sind vom ersten Tag an rauchfrei. Das nennt man Endpunkt-Methode.

Oder manche Menschen reduzieren ihren Zigarettenkonsum und versuchen Schritt für Schritt von der Zigarette wegzukommen. Das sollte allerdings auch nicht länger als 14 Tage dauern.

Reicht es nicht, wenn ich das Rauchen reduziere?

Viele Menschen überlegen sich, ob sie schon einen Schritt vorwärts machen, wenn sie das Rauchen reduzieren. Das kann am Beginn einer Behandlung, wenn man so eine fraktionierte Aufhörtaktik betreibt, hilfreich sein. Aber wenn man nicht vom Rauchen los kommt, dann ist die Belastung durch die Giftstoffe des Rauchens bei jeder Zigarette da und kann das Lungenkrebswachstum fördern.

Reicht es, wenn ich auf E-Zigaretten oder Dampfen umsteige?

Wir bekommen auch sehr oft die Frage: „Es gibt ja so Werbungen dafür, dass es alternative Produkte gibt wie E-Zigaretten oder Dampfen, dass das Risiko des Rauchens und weniger Belastung darstellt.“ Das kann man in Raucherentwöhnung nicht empfehlen. Dafür gibt es auch keine wissenschaftliche Belegtheit, denn die Nikotinprodukte, die Sie als Ersatzprodukte heranziehen können, sind eigentlich diejenigen, die klar dosiert werden können, die keine Beistoffe haben. E-Zigaretten und Dampfzigaretten haben bei Beistoffe. Und von vielen bei Beistoffen wissen wir noch nicht genau, wie schädlich sie für die Lunge sein können oder ob sie nicht eine neue Türe aufmachen. Daher ist es bei einer Lungenerkrankung, egal welcher Art, nicht sinnvoll, auf alternative Methoden umzusteigen.

Was sind alternative Produkte und können diese mir beim Rauchstopp helfen?

Nein, die alternativen Produkte meinen eigentlich jetzt Rauchersatz, den man auch einkaufen kann, also Aromastoffe, die man verdampfen kann, oder eben in den E-Zigaretten, wo mit einer anderen Temperatur verbrannt werden soll und daher die Aussage gegeben ist, dass wenig Schadstoffe drinnen sind. Es wird zwar nicht behauptet, dass keine Schadstoffe drinnen sind. Was „wenig Schadstoffe“ sind, ist nicht spezifiziert, und es gibt keine wissenschaftlichen Untersuchungen darüber. Daher sehen wir, dass es neue Lungenerkrankungen gibt, die durch Aromastoffe hervorgerufen werden können, durch Verunreinigungen, und dass neue Verbrennungsprodukte entstehen, von denen man den Lungenschaden auch natürlich gemäß der persönlichen Empfindlichkeit nicht einschätzen kann.

Mit dem Rauchen aufhören

Vor allem langjährige RaucherInnen kann es verunsichern, wenn sie sofort mit dem Rauchen aufhören sollen. Nehmen Sie sich die Zeit, die Sie brauchen, und besprechen Sie das weitere Vorgehen mit Ihren ÄrztInnen.

Rauchen reduzieren

Jede Zigarette weniger ist ein Gewinn. Umgekehrt nimmt man mit jeder Zigarette schädigende Inhaltsstoffe in den Körper auf. Diese verursachen Kurzatmigkeit, beeinträchtigen die Durchblutung und schädigen Atemwege und Lungen.
Ziel sollte deshalb sein, das Rauchen vollständig zu lassen.

Kann ich einen Rauchstopp schaffen?

Insgesamt schaffen die meisten RaucherInnen den Rauchstopp, nachdem sie die Diagnose Lungenkrebs erhalten haben. Und viele PatientInnen berichten, dass es im Nachhinein weniger schwierig war als erwartet.

  • Das Allerwichtigste beim Rauchstopp ist die innere Überzeugung, es wirklich zu wollen.
  • Scheuen Sie sich nicht, Unterstützung in Anspruch zu nehmen.
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Wie wirkt sich Rauchen auf meinen Körper aus?

Rauchen ist vielleicht deshalb für viele so eine Abhängigkeitserkrankung, weil sie das Gefühl haben, dass es in Stresssituationen Beruhigung gibt, oder manche haben auch das Gefühl, es belebt sie ein bisschen. Jedenfalls ist erwiesen, dass Nikotin eine angst-, spannungslösende Wirkung hat und auch in einem geringen Umfang aufmerksamkeitssteigernd sein kann. Vergleicht man dies allerdings zu den medizinischen Entwöhnungsprodukten, die man während der Entwöhnung bekommen kann, tritt die Wirkung bei der Zigarette weit in den Hintergrund.

Hat das Rauchen negative Auswirkungen auf meine Lungenkrebstherapie?

Wenn man aktuell ein Raucher ist, dann ist das natürlich während der Behandlung des Lungenkrebses sehr ungünstig.

Rauchen kann erstens mit der Therapie schädigende Begleitwirkungen erzeugen, weil es das Immunsystem stört und viele der modernen Therapien wollen Ihr eigenes Immunsystem wieder in die Lage versetzen, den Krebs selber zu bekämpfen.

Rauchen führt zu chronischen Entzündungen, vor allem auch in den Atemwegen, sodass bei einer chronischen Entzündung leichter Komplikationen aufstehen. Und für manche Krebszellen oder Krebsarten ist es auch förderlich, in dieser Umgebung besser wachsen zu können.

Und Rauchen schädigt Ihre Gefäße. Also wenn durch jahrelanges oder jahrzehntelanges Rauchen eine gewisse Vorschädigung da ist, und manche von den Krebsbehandlungen sind auch für die Gefäße nicht ganz harmlos als Nebenwirkung, also toxisch, wie wir das nennen, giftig, dann kann natürlich schneller auch ein Schaden passieren, vom Herzinfarkt bis zum Schlaganfall.

Daher ist es ein ganz wichtiges Ziel, dass man während der Therapie schafft, rauchfrei zu werden.

Erhöht ein Rauchstopp meine Lebenserwartung?

Das Schöne daran ist, wenn man sich entschließt, das Rauchen aufzugeben in dieser schwerwiegenden und belastenden Situation, dann hat man eine deutlich bessere Überlebenschance durch die Therapie, weil wir ganz wissenschaftlich erwiesen wissen, dass die Menschen, die während der Therapie aufgehört haben zu rauchen,

  • bessere Wirkung der Therapie haben,
  • wesentlich länger leben
  • und natürlich auch nicht an Komplikationen so häufig versterben, weil eben die anderen Organe während dieser Zeit bereits gesünder werden.

Vorteile des Rauchstopps

Rauchen hat immer positive Auswirkungen auf die körperliche Gesundheit, vor allem während einer Erkrankung. Manche dieser Vorteile bemerken Sie bereits innerhalb kürzester Zeit.

Bessere Lebensqualität

Wenn Sie mit dem Rauchen aufhören, wird sich Ihre Lebensqualität deutlich verbessern.

Die Vorteile:

  • weniger Raucherhusten
  • bessere Atmung
  • besserer Schlaf
  • erhöhte körperliche Fitness
  • feinerer Geschmack- und Geruchssinn
  • frischerer Atem
  • schönere Haut und Zähne
  • weniger anfällig für Krankheiten

Geld sparen

Darüber hinaus sparen Sie Geld. Bei einem bisherigen Konsum von 1 Packung Zigaretten pro Tag haben Sie nach einem Rauchstopp monatlich 150 Euro und jährlich 1.825 Euro mehr zur Verfügung. Sie können sich dies bewusst machen, indem Sie zum Beispiel eine eigene Spardose aufstellen, in der Sie Ihre wöchentlichen Ausgaben für Zigaretten einwerfen. Am Ende eines Monats können Sie sich darum etwas gönnen, das Ihnen Freude bereitet.

Gewinn für bevorstehende Behandlungen

  • Bestimmte Therapieformen unterstützen Ihr Immunsystem bei der Bekämpfung der Krebserkrankung.
    Ein Rauchstopp erhöht die Wirksamkeit dieser Therapien.
  • Krebsmedikamente werden über das Blut transportiert.
    Ein Rauchstopp verbessert die Durchblutung, so dass die Wirkstoffe Ihren Wirkungsort besser erreichen.
  • Manche Krebsmedikamente haben eine schädigende Wirkung auf die Gefäße.
    Mit einem Rauchstopp vermeiden Sie eine Verstärkung des schädigenden Effekts und reduzieren Komplikationen.
  • Manche Nebenwirkungen von Krebstherapien betreffen die Atemwege und die Lunge.
    Mit einem Rauchstopp verringern Sie Häufigkeit und Schwere von Nebenwirkung der Therapie.

Passivrauch vermeiden

Passivrauchen ist gesundheitsschädlich. Wenn Sie aufhören, tun Sie auch den Menschen in Ihrer Umgebung etwas Gutes.

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Geprüft Prof.in Dr.in Sylvia Hartl: Stand 16.11.2020 | AT-4099 | Quellen und Bildnachweis

Die Kurse sind kein Ersatz für das persönliche Gespräch mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt, sondern ein Beitrag dazu, PatientInnen und Angehörige zu stärken und die Arzt-Patienten-Kommunikation zu erleichtern.