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Kurs Rheumatoide Arthritis und Psyche: Lektion 7 von 8

Erfahrungsbericht Gertraud Schaffer

Bei rheumatoider Arthritis ist das Fachwissen von Ärztinnen und Ärzten und anderen ExpertInnen wichtig für das Verständnis der eigenen Erkrankung. Doch von Zeit zu Zeit können nur Erfahrungsberichte von anderen Betroffenen mit rheumatoider Arthritis dabei helfen, dass man sich verstanden und nicht ganz so allein gelassen fühlt.

Gertraud Schaffer ist Präsidentin der Österreichischen Rheumaliga und selbst seit vielen Jahren Rheumapatientin. Im folgenden Video erzählt sie Ihnen was ihr beim Entspannen hilft, aber auch mit welchen Vorurteilen PatientInnen mit rheumatoider Arthritis konfrontiert werden und wie sich das auf Betroffene auswirkt.

Video Transkript

Mit welchen Vorurteilen werden PatientInnen konfrontiert?

Wenn man heute jemand sieht mit einem Gipsfuß vorbeizugehen, dann weiß man sofort: Der hat sich einen Fuß gebrochen oder irgendein Gelenk gebrochen. Aber wenn man chronisch krank ist, hat man das ja nicht umgehängt. Da kann man das nicht nachvollziehen, wenn jemand sagt: Er ist chronisch krank. Er hat den ganzen Tag und ganze Nacht Schmerzen. Das ist natürlich sehr schlecht, und so wird man oft in eine Schiene gestellt, was man ja nicht sehr gerne möchte. Oft heißt es: „Der mag nicht gerne oder die mag nicht gerne arbeiten.“ „Die ist sehr faul.“ „Die will den Staat nur belasten.“ „Die will halt einfach nicht mehr.“ „Das gibt es ja nicht, dass man Tag und Nacht Schmerzen hat.“ Oder: „Sie sind noch viel zu jung“, wenn man jünger ist. „Sie schauen viel zu schön aus, da kann man gar nicht krank sein.“ Das sind alles so Vorurteile, wenn man eben chronisch krank ist.

Wie haben Sie entschieden, wem Sie von Ihrer Erkrankung erzählen?

Ja, ich habe kein Problem gehabt, als meine Krankheit gekommen ist. Ich habe es erzählt, weil ich ja in der Arbeit stand und das dann sofort aufgefallen ist, weil ich im Krankenstand war und manches Mal auch im Krankenhaus. Aber ich merke, dass heutzutage die Jungen besondere Probleme haben, sich zu outen und es der Familie zu sagen. Manchmal weiß es ja nicht einmal die Mutter oder Vater oder auch der Ehepartner und schon gleich gar nicht der Arbeitgeber oder das Umfeld, weil chronisch krank, das ist man ja, wenn man jung ist nicht, sondern nur im Alter.

Sie mussten sich von Ihrem damals 8-jährigen Sohn bei alltäglichen Aufgaben helfen lassen. Wie war das für Sie und Ihren Sohn?

Zu diesem Zeitpunkt war ich ja alleinerziehend. Mein Sohn war ein lieber, kleiner Knirps, und er hat mir geholfen. Er hat ja nichts anderes gesehen. Er hat das miterlebt. Er hat gesehen: Die Mutti kann in der Früh nicht so gut aus dem Bett. Er hat mir dann geholfen beim Anziehen, auch beim Frühstück machen. Das hat sich eine Zeitlang so hingezogen. Und, naja, er war immer sehr höflich und hilfsbereit und hat gesagt: „Mutti, das schaffen wir schon, das kriegen wir schon hin. Einmal hilfst du mir, und einmal helfe ich dir, und dann wird das schon gehen.“

Rheuma wird oft als „Alterskrankheit“ gesehen. Wie wirkt sich das auf PatientInnen aus?

Die Rheumatoide Arthritis ist keine Alte-Leute-Krankheit. Rheuma wird ja generell als Alte-Leute-Krankheit hingestellt, aber das stimmt nicht. Schon viele junge Menschen, ja, es gibt sogar Säuglinge, die davon betroffen sind, und das wirkt sich natürlich auf die Menschen, die Rheuma haben, sehr stark aus, weil es immer heißt: „Naja, das können Sie ja gar nicht haben“, oder „Das gibt es ja gar nicht“, oder „Das hat man nur wenn man 70, 80 ist“, und das hat man halt hinzunehmen. Und da kennt unsere Gesellschaft noch immer kein Erbarmen und die ist da gnadenhart und sagt: „Sie haben ja gar nichts.“

Was hilft Ihnen beim Entspannen?

Zur Entspannung – es gibt verschiedene Möglichkeiten zur Entspannung. Ich mach Yoga sehr gerne oder auch, ja, ich lege mich einfach hin, höre Musik und denk an schöne Sachen, ans Meeresrauschen oder, ja, wirklich schöne Sachen, wo ich früher Freude gehabt habe und wo ich auch heute noch Freude habe.

Auch Tanzen ist für mich ganz eine tolle Möglichkeit, mich zu entspannen, wenn ich mich konzentriere an die Bewegungen beim Tanz, das Lockere, das Fröhliche, das gibt mir einfach das Gefühl der Freiheit und dass ich wieder so bin wie früher und dass ich einfach gesund bin.

PP-BA-AT-0302 Juli 2019

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