2. Ursachen des Wachstumshormonmangels

Ursachen von Wachstumshormonmangel

Bei einem Wachstumshormonmangel produziert die Hirnanhangdrüse (Hypophyse) aus verschiedenen Gründen zu wenig Wachstumshormon. Die Auslöser lassen sich auf unterschiedliche Weise kategorisieren.

Angeborene oder erworbene Ursachen

Wachstumshormonmangel lässt sich in angeborene und erworbene Formen unterteilen. Bei Kindern überwiegen die angeborenen Formen. Hier wird unterschieden in anlagebedingte Fehlbildungen der Hypophyse und genetische Störungen. Beim sogenannten familiären Wachstumshormonmangel liegen die Ursachen beispielsweise in Veränderungen an dem für die Hormonbildung verantwortlichen Gen.

Zu einem erworbenen Mangel kann es zum Beispiel kommen durch:

  • die Neubildung meist gutartiger Tumore in der Hypophyse oder
  • eine bestrahlungsbedingte Unterfunktion der Hypophyse.

Bestimmung der Ursache

Für die Ermittlung der Ursache kommen unter anderem bildgebende Verfahren wie die Magnetresonanztomographie der Hypophyse zur Anwendung. Hiermit sollen anlagebedingte Fehlbildungen ausgeschlossen werden, z. B.:

  • eine zu kleine Hypophyse oder
  • eine Fehlplatzierung der Hypophyse.

Zeigt sich keine angeborene Fehlbildung und liegt keine Begleiterkrankung vor, spricht man von einem sogenannten idiopathischen Wachstumshormonmangel. Das heißt, es ist keine Ursache feststellbar.

Zeigt sich ein Mangel an Wachstumshormon erst im Jugendlichen- oder Erwachsenenalter, handelt es sich in aller Regel um eine erworbene Form, beispielsweise durch:

  • Tumore
  • Schädelverletzungen
  • Blutungen

Warum die Ursachenermittlung schwierig ist

Wachstumshormon wird vor allem im Schlaf ausgeschüttet. Das geschieht nicht konstant, sondern pulsierend. Tagsüber ist Wachstumshormon oft gar nicht messbar, auch wenn kein Mangel besteht. Eine Diagnosestellung über eine einfache Blutabnahme ist somit nicht möglich.

Im Mittelpunkt der Diagnose stehen deshalb andere Parameter, die durch das Wachstumshormon beeinflusst werden. Dazu zählen der Wachstumsfaktor IGF-I und ein Bindungsprotein dieses Faktors. Diese können auch tagsüber gemessen werden.

Bedeutung der Ursache für die Behandlung eines Wachstumshormonmangels

Ob eine Ursache gefunden wird oder nicht, ist entscheidend für die weitere Diagnostik und die Therapie.

  1. Steckt ein Tumor hinter einem erworbenen Wachstumshormonmangel im Erwachsenenalter, stehen eine chirurgische Therapie oder eine Bestrahlung sowie eine Behandlung der Symptome im Vordergrund. Liegt ein Mangel an weiteren Hypophysenhormonen vor, muss dieser ebenfalls therapiert werden.
  2. Besteht die Ursache in einer anlagebedingten Fehlbildung, handelt es sich häufig um Ausfälle mehrerer Hypophysenhormone die gleichfalls einer umfassenden Diagnostik und Behandlung bedürfen.
  3. Ein idiopathischer Wachstumshormonmangel ist in aller Regel nicht von einem Ausfall anderer Hormone begleitet. Damit besteht eine geringere Notwendigkeit diesbezüglicher Kontrollen und weiterer Untersuchungen.

Genetische Ursachen von Wachstumshormonmangel

Es gibt genetische Veränderungen, die einen Wachstumshormonmangel auslösen können. Daneben existieren aber auch Gene, die Wachstumsstörungen völlig unabhängig von der Wachstumshormonausschüttung verursachen.

Genetischen Erkrankungen und Wachstumsstörung

Zum einen kann das Gen für das Wachstumshormon selbst eine Veränderung aufweisen. Zum anderen können Faktoren in der Regulation der Wachstumshormonachse verändert sein.

Häufigkeit genetischer Erkrankungen als Ursache für Wachstumshormonmangel

Genetischer Wachstumshormonmangel tritt äußerst selten auf. Nur bei etwa einem bis zehn Prozent der Wachstumsstörungen wird derzeit eine genetische Ursache diagnostiziert.

Ist Wachstumshormonmangel vererbbar?

Eine Vererbung ist möglich, wenn eine genetische Störung beim Betroffenen vorliegt. Bei sogenannten autosomal dominant vererbbaren Formen des genetischen Wachstumshormonmangels – d.h. wo die Störung nicht in den Geschlechtschromosomen vorliegt –  wird die Erkrankung zu 50 Prozent an die Kinder weitergegeben.

Bei einem nicht genetisch verursachten Wachstumshormonmangel ist eine Weitergabe an die Kinder nicht zu erwarten.

Erworbener Wachstumshormonmangel

Zu den Ursachen des erworbenen Wachstumshormonmangels zählen Tumorerkrankungen, entzündliche Erkrankungen, medizinische Behandlungen und weitere Faktoren.

Tumorerkrankungen

Bei den Tumorerkrankungen, die lokal zu Wachstumshormonmangel führen, handelt es sich in der Regel um gutartige Tumore der Hypophyse, insbesondere um sogenannte Kraniopharyngeome. Diese lassen sich operativ nur schwer vollständig entfernen, ohne gleichzeitig gesundes Hypophysengewebe zu schädigen. Angewendet werden daher auch Behandlungsmaßnahmen wie Bestrahlungen und stereotaktische Therapien (hochpräzise Formen der Strahlentherapie).

Sehr häufig führen die Tumorbehandlungen zu Störungen verschiedener Hypophysenhormone.

Entzündliche Erkrankungen

Grundsätzlich können alle lokalen Entzündungen der Hirnhäute und des Gehirns (z. B. Meningitis, Enzephalitis) die Hypophyse betreffen und einen Mangel an Wachstumshormon bewirken. Das kommt jedoch äußerst selten vor.

Vereinzelt gibt es Berichte über Tuberkuloseherde in der Hypophyse. Außerdem fällt die Autoimmunerkrankung Hypophysitis in diese Kategorie.

Medizinische Behandlungen

Hierzu zählt vor allem die Schädelbestrahlung, z. B. zur Behandlung von Leukämie oder Hirntumoren. Bei allen lokalen Bestrahlungen im Schädelbereich ist immer auch von einer Streustrahlung auf den Hypophysenbereich auszugehen.

Weitere Ursachen

Schädelverletzungen durch Verkehrsunfälle, z. B. Verletzung des Hypophysenstiels durch ein Schleudertrauma, können ebenfalls einen Wachstumshormonmangel auslösen.

Nicole Kultau

Die Ursache von Wachstumshormonmangel ist bei mir das sogenannte Empty Sella Syndrome. Dabei drückt eine Art Hirnhaut-Zyste auf die Hypophyse, weswegen diese nicht mehr richtig arbeitet. Die ÄrztInnen sagten damals, dass sie nicht wissen, woher es kommt. Eine Art Laune der Natur.

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Geprüft Univ.-Prof.in Dr.in Gabriele Häusler: Mai 2021 | Quellen und Bildnachweis

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