4. Weg zur Diagnose Wachstumshormonmangel

Verdacht auf einen Wachstumshormonmangel

Der Verdacht auf einen Wachstumshormonmangel besteht immer dann, wenn bei einem Kind ein auffallender Minderwuchs bei ansonsten altersgerechten Körperproportionen vorliegt.

Erste Schritte bei Verdacht auf eine Wachstumsstörung

Stellt sich im Zuge von Mutter-Kind-Pass-Untersuchungen durch die Kinderärztin/den Kinderarzt heraus, dass das Längenwachstum des Kindes stark abfällt, sollte dem Verdacht auf eine Wachstumsstörung nachgegangen werden.

Diese Untersuchungen finden in einer spezialisierten Ambulanz statt. Laboruntersuchungen stehen nicht gleich am Beginn. Stattdessen stützt sich die Verdachtsdiagnose auf:

  • Messwerte und
  • Wachstumskurven.

Bei welchen Anzeichen sollte ich mein Kind ärztlich untersuchen lassen?

Schon bei einem Neugeborenen kann Unterzucker (Hypoglykämie) auf einen Wachstumshormonmangel hindeuten. Hier findet die Diagnose kurz nach der Geburt noch im Krankenhaus statt.

Stellen Eltern bei einem Säugling auffallend lange Schreiphasen, Zittrigkeit und Krämpfe fest, wird das Kind an einer Fachambulanz auf einen Mangel an Wachstumshormon untersucht.

Alle weiteren Diagnosewege hängen von Messwerten, Scores und Verläufen ab.

Vorsorgeuntersuchungen und Früherkennung von Wachstumshormonmangel

Das regelmäßige Abmessen und Dokumentieren der Körpergröße von Kindern im Rahmen der Vorsorgeuntersuchungen ist ein zentraler Punkt bei der Früherkennung von Wachstumsstörungen. Durchgeführt werden die Untersuchungen im Vorschulalter durch die Kinderärztin/den Kinderarzt.

Wer ist die/der richtige AnsprechpartnerIn?

Einen ersten guten Überblick über das Längenwachstum des Kindes hat die Kinderärztin/der Kinderarzt. Diese/r überweist das Kind bei einem Verdacht auf Wachstumshormonmangel an eine Spezialambulanz. Dort nehmen sich sogenannte pädiatrische EndokrinologInnen der kleinen PatientInnen an.

Nicole Kultau

Der erste Verdacht kam im Alter von fünf. Da ich noch wesentlich kleiner war als gleichaltrige Kinder, hat meine Mutter bei meinem damaligen Kinderarzt genauer nachgefragt. Er hat uns an eine Uniklinik verwiesen, wo viele Tests gemacht wurden. Die Diagnose: Hypophysenvorderlappeninsuffizienz.

Arztbesuch bei Verdacht auf Wachstumshormonmangel

Bei Verdacht auf Wachstumshormonmangel sind mehrere ärztliche Termine und Untersuchungen an Fachambulanzen erforderlich. Um eine möglichst genaue Diagnose zu erhalten, kann es sehr hilfreich sein, wenn Sie und Ihr Kind auf den Termin vorbereitet sind.

Vorbereitung auf den Arztbesuch

Die Abklärung eines Wachstumshormonmangels ist nicht mit nur einem Arztbesuch möglich. Üblicherweise beinhaltet der Erstkontakt ein ausführliches Gespräch, gefolgt von einer Blutabnahme. Abhängig von den Ergebnissen der Laboruntersuchung werden weitere Untersuchungen erforderlich. Auf diese werden die Kinder durch die Ärztin/den Arzt vorbereitet.

Das Kind auf den Arztbesuch vorbereiten

Ihr Kind hat Angst vor dem Arztbesuch? Mit den folgenden Tipps können Sie ihm helfen, die Angst zu überwinden:

  1. Erklären Sie ihrem Kind, was während des Termins passieren wird.
  2. Schauen Sie gemeinsam Bilderbücher zum Thema an oder untersuchen Sie zusammen das Lieblingskuscheltier.
  3. Bauschen Sie den Besuch bei der Ärztin/dem Arzt nicht unnötig auf.
  4. Sorgen Sie im Wartezimmer mit Spielen und Büchern für Ablenkung und bringen Sie Ihr Kind zum Lachen.

 

Notizen und wichtige Unterlagen

Neben den Messdaten, benötigt die Kinderärztin/der Kinderarzt weitere Informationen über die Schwangerschaft und Geburt. Sie finden im kostenlosen Download “Vorbereitung auf den Arztbesuch” eine kurze Fragenliste mit Platz für Ihre Notizen. Weitere relevante Daten über die Entwicklung Ihres Kindes sind im Mutter-Kind-Pass verzeichnet. Nehmen Sie diesen daher am besten ebenfalls mit.

Messdaten Ihres Kindes sammeln

Sofern vorhanden, sollten Sie alle verfügbaren Messwerte von der Schulärztin/vom Schularzt mitnehmen. Gibt es diese nicht, können auch eigene, z. B. am Türstock durchgeführte Messungen, hilfreich sein. Weitere Tipps und Hinweise, wie Sie Ihr Kind zuhause selbst messen können, finden Sie unten kostenlos zum Downloaden.

Ablauf der Untersuchung

Am Anfang steht die Messung der Körpergröße des Kindes. Zusätzlich werden gemessen:

  • Körpergröße im Sitzen
  • Gewicht
  • Kopfumfang

Anschließend werden weitere Untersuchungen und das weitere Vorgehen abgesprochen. Sofern es sich um eine/n Jugendliche/n handelt, wird außerdem die Pubertätsentwicklung thematisiert.

Weiterhin folgt eine Untersuchung auf Auffälligkeiten im Skelettsystem oder an der Wirbelsäule sowie Pigmentveränderungen auf der Haut.

Eine wichtige Untersuchung bei Wachstumsstörungen bildet die körperliche Beurteilung der Pubertätsentwicklung. Untersucht werden bei Mädchen die Brustentwicklung und Schambehaarung. Bei Buben folgt eine Untersuchung der äußeren Genitale.

Einsatz von Wachstumskurven

Auf Basis von Messdaten kann die Ärztin/der Arzt eine Wachstumskurve erstellen. Anhand dieser Wachstumskurve lässt sich leicht ablesen, ob das Längenwachstum Ihres Kindes im Normalbereich liegt oder nicht.

  • Die x-Achse der Wachstumskurve bezieht sich auf das Alter (Geburt bis 18./19. Lebensjahr), die y-Achse auf die Körpergröße.
  • Geteilt wird der Normbereich durch die Längenkurve (sogenannte Perzentile) P50 und begrenzt durch die Perzentilen P3 und P97. Je näher die Kurve Ihres Kindes an der P50 liegt, desto mehr entspricht seine Körpergröße dem Durchschnitt.

Liegen die Messungen, die bei Ihrem Kind ermittelt wurden, unter den Normwerten, ist das nicht automatisch ein Grund zur Sorge. Wichtiger ist, dass diese parallel zur Normalkurve verlaufen und nicht plötzlich im Vergleich dazu abfallen.

Diagnoseverfahren bei Verdacht auf Wachstumshormonmangel

Zur Abklärung eines Wachstumshormonmangels kommen verschiedene Diagnoseverfahren zur Anwendung. Unter anderem wird das Knochenalter Ihres Kindes bestimmt, sowie ein Wachstumshormon-Stimulationstest gemacht.

Das Knochenalter

Das Knochenalter zeigt die biologische Reife des Kindes an und lässt Rückschlüsse auf das noch mögliche Längenwachstum zu. Ein gegenüber dem tatsächlichen Alter stark vermindertes Knochenalter deutet darauf hin, dass noch erhebliches Wachstum möglich ist.

Ermittelt wird das Knochenalter mithilfe eines Röntgenbildes der Handwurzelknochen der linken Hand. Sind zwischen den bereits mineralisierten weißen Knochenabschnitten noch nicht mineralisierte Knochenabschnitte erkennbar, ist die Wachstumsprognose günstig.

Der Wachstumshormon-Stimulationstest

Mit diesem Test lässt sich feststellen, wie viel Wachstumshormon in der Hypophyse gespeichert ist. Es wird ein Reiz gesetzt, auf den hin die Hypophyse Wachstumshormon freisetzt. Anschließend wird dem Kind über einen Zeitraum von zwei Stunden mittels Venenkanüle alle 20 bis 30 Minuten Blut abgenommen.

Bezüglich des Stimulus gibt es folgende Möglichkeiten:

  • Senkung des Blutzuckerspiegels mittels Insulin
  • Verabreichen von Aminosäure über eine Infusion (Arginintoleranztest)

Der Test mit Insulin ist aufwendiger, liefert aber zuverlässigere Ergebnisse. Er eignet sich für Kinder ab 6 bis 8 Jahren. Bei jüngeren Kindern greifen die ÄrztInnen auf den Arginintoleranztest zurück. Dieser ist für die kleinen PatientInnen angenehmer, allerdings auch fehleranfälliger.

Weitere Untersuchungen

Zeigt sich beim ersten Wachstumshormon-Stimulationstest eine ungenügende Ausschüttung von Wachstumshormon, wird ein zweiter Test durchgeführt. Erbringt dieser das gleiche Ergebnis, folgen weitere Untersuchungen, um das Vorliegen anderer Hormonausfälle auszuschließen oder zu diagnostizieren. Zusätzlich wird eine MRT-Untersuchung der Hypophyse durchgeführt.

Genetische Testung

Bei Mädchen wird noch vor dem Wachstumshormontest ein genetischer Test auf das Turner-Syndrom durchgeführt. Hierbei handelt es sich um einen genetisch bedingten Minderwuchs, bei dem nur ein X-Chromosom vorliegt.

Ob Buben einer genetischen Untersuchung unterzogen werden, richtet sich nach dem klinischen Erscheinungsbild, der Wachstumskurve und den Körperproportionen.

Downloads

  • Vorbereitung auf den Arztbesuch Bei Verdacht auf Wachstumshormonmangel sollten Sie Ihr Kind ärztlich untersuchen lassen. Wie sie Sich und Ihr Kind auf den Besuch am besten vorbereiten, erfahren Sie hier.

  • Körperlänge richtig messen Neben den regelmäßigen Messungen bei der Ärztin/beim Arzt, können Sie ihr Kind ab dem zweiten Lebensjahr auch zuhause messen. Erfahren Sie hier worauf zu achten ist.

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Geprüft Univ.-Prof.in Dr.in Gabriele Häusler: Mai 2021 | Quellen und Bildnachweis

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