5. Medikamentöse Vorbeugung von Migräne

Wann kann bei Migräne eine medikamentöse Vorbeugung durchgeführt werden?

Wenn Sie an mehr als drei Tagen pro Monat an Migräne leiden, sollten Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt über eine Migräneprävention sprechen.

Hierbei ist es sehr wichtig sich bewusst zu machen, inwieweit die Attacken Ihren Alltag und Ihre Lebensqualität einschränken.

Welche Therapien können zur Migränevorbeugung eingesetzt werden?

Für die Prävention von Migräne eignen sich verschiedene Medikamente. Im Folgenden sind häufig eingesetzte Medikamente aufgelistet:

  • Betablocker
  • Antidepressiva
  • Antiepileptika
  • CGRP-Antikörper

In den meisten Fällen wird die Wirkung für etwa 6-12 Monate getestet. Hat sich die Attackenhäufigkeit reduziert und sind keine Nebenwirkungen aufgetreten, kann dieses Medikament weiter eingenommen werden. In den vergangenen Jahren hat sich nicht nur die Wirksamkeit der CGRP-Antikörper, sondern auch ihre geringe Anzahl an Nebenwirkungen erwiesen. Sie werden jedoch erst eingesetzt, wenn die anderen Medikamente zuvor getestet wurden und keinen Erfolg erbracht haben.

Wie werden die Therapien zur Migränevorbeugung angewendet?

Die meisten Medikamente werden als Tablette eingenommen. Eine Ausnahme bilden die CGRP-Antikörper. Diese werden mittels Injektion unter die Haut gespritzt (meist 1x im Monat) oder als Infusion (1x alle 3 Monate) verabreicht. Wie häufig eine Gabe mit dem Injektionspen notwendig ist, kann variieren. Die Verabreichung der CGRP-Antikörper mittels Infusion erfolgt durch Ihre Ärztin/Ihren Arzt über eine Vene.
Die unterschiedlichen Therapieformen haben Vor- und Nachteile, sodass Sie mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt gemeinsam entscheiden sollten, welche für Sie am besten geeignet ist.

Die drei möglichen Therapieformen sowie die wichtigsten Vor- und Nachteile werden im Folgenden zusammengefasst:

  • Tablette: Dies ist eine unkomplizierte und selbstständige Einnahmemöglichkeit. Ein Nachteil ist, dass die tägliche Einnahme vergessen werden kann.
  • Injektionspen: Dieser wird meist etwa einmal pro Monat angewendet.  Die Spritze verabreichen sich Patient:innen  selbst. Dies kann für manche eine Herausforderung sein.
  • Infusion: Die Medikamentengabe als Infusion zeigt einen schnellen Wirkeintritt und kann sowohl als Präventionsmaßnahme als auch im akuten Migräneanfall angewendet werden. Jedoch müssen Sie für die Infusion regelmäßige zu Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt, wodurch die Flexibilität reduziert ist.

Injektionspen

Ein Injektionspen ist eine Art Spritze, mit der die Medikamentengabe erleichtert wird, sodass Patient:innen dies selbstständig zu Hause durchführen können. Der Pen ist bereits mit dem Medikament in der korrekten Dosierung befüllt. Dieser wird auf die Haut (meistens am Bauch) aufgesetzt. Anschließend wird oben, wie bei einem Kugelschreiber, abgedrückt. Dadurch gelangt das Medikament über eine kleine Nadel unter die Haut. Im Anschluss sichert sich der Injektionspen automatisch, sodass Sie sich nicht unbeabsichtigt damit stechen können. Für jede Gabe wird ein neuer Injektionspen verwendet.

Wie finde ich heraus, welche Therapie am besten in meinen Alltag passt?

Die Entscheidung für eine bestimmte Therapie wird Ihre Ärztin/Ihr Arzt nach einem ausführlichen Gespräch mit Ihnen gemeinsam treffen. Hierzu werden verschiedene Faktoren, wie beispielsweise Begleiterkrankungen, berücksichtigt. Sollte die eingesetzte Therapie bei Ihnen keine Wirkung zeigen, können noch andere Medikamente getestet werden.

Welche Nebenwirkungen können auftreten?

Die Nebenwirkungen sind stark von dem eingesetzten Medikament abhängig. Hier sind die wichtigsten Medikamente der Migräneprävention mit ihren möglichen Nebenwirkungen aufgelistet:

Betablocker

  • depressive Verstimmung
  • Schlafstörungen
  • Potenzstörung
  • Schwindel

Topiramat

  • Gewichtsverlust
  • Schwindel
  • Gangunsicherheit
  • Konzentrationsstörungen

Amitriptylin

  • trockene Mundschleimhaut
  • Gewichtszunahme
  • Potenzstörung
  • Verstopfung
  • reduzierte Blasenfunktion

CGRP-Antikörper 

  • Rötung und leichter Schmerz an der Einstichstelle 
  • Durchblutungsstörung der Finger mit Verfärbung bei Kältereiz (Raynaud-Syndrom) 

Wann sollte auf eine medikamentöse Vorbeugung verzichtet werden?

Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten der medikamentösen Prävention bei Migräne, sodass für jede:n Patient:in eine geeignete Lösung gefunden wird. Gründe, wenn auf eine Prophylaxe verzichtet wird, sind:

  • Wenn Sie keine Prophylaxe möchten
  • Geringe Anfallshäufigkeit
  • Eine aktuelle oder geplante Schwangerschaft
  • Allergien

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Geprüft Dr.in Sonja-Maria Tesar: Stand Januar 2024 | Quellen und Bildnachweis

Die Kurse sind kein Ersatz für das persönliche Gespräch mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt, sondern ein Beitrag dazu, PatientInnen und Angehörige zu stärken und die Arzt-Patienten-Kommunikation zu erleichtern.
(Zirkardianer Rhythmus )
Biologisches Phänomen, das in einem Rhythmus von ungefähr 24-Stunden bestimmte körperliche Funktionen beeinflusst.  Ein Beispiel ist der Schlaf-Wach-Zyklus durch die Freisetzung des Schlafhormons.
Infusion
Verabreichung einer Flüssigkeit (mit oder ohne darin gelösten Medikamente) über einen Zugang in ein Blutgefäß.
Prophylaxe
(Vorbeugung)
Maßnahmen, die der Verhütung sowie Vorbeugung von Krankheiten beziehungsweise deren Folgen dienen. Anders als eine Bedarfstherapie wird eine Therapie zur Prophylaxe zur Vorbeugung einer Erkrankung oder deren Folgen durchgeführt und nicht nur bei Symptomen.