8. Migräne behandeln – alle Fragen

Kopfschmerzen gehören zu den häufigsten Beschwerden in unserer Gesellschaft. Insbesondere die Migräne ist eine Kopfschmerzform, an der viele Menschen leiden. Aber was ist überhaupt eine Migräne, wie wird diese diagnostiziert, und welche Behandlungsmöglichkeiten bietet die modere Migränetherapie? In diesem Kurs erhalten Sie wichtige Informationen zu der Diagnostik von Migräne sowie zu den möglichen Therapien. Zudem werden verschiedene medikamentöse und nicht-medikamentöse Präventionsmaßnahmen vorgestellt und erklärt.

Migräne im Überblick

Welche Arten von Kopfschmerzen gibt es?

Grundsätzlich unterscheiden wir zwischen sogenannten primären und sekundären Kopfschmerzen. Unter primären Kopfschmerzen verstehen wir eigenständige Kopfschmerzerkrankungen. Das heißt, es sind neurologische Erkrankungen, bei denen der Kopfschmerz die Erkrankung selbst darstellt. Es liegt also keine andere Erkrankung zugrunde: Nichts Gefährliches, aber es ist natürlich durchaus eine sehr große Beeinträchtigung für die Lebensqualität. Sekundäre Kopfschmerzen sind die Kopfschmerzen, die zum Beispiel entstehen, wenn man einen schweren Sturz gehabt hat. Aber auch Kopfschmerzen, die bei gefährlichen Situationen entstehen, bei Fieber und Hirnhautentzündungen, wenn Krebserkrankungen ein Thema sind, dann kann es auch zum Symptom von Kopfschmerzen kommen. Das sind dann sekundäre Kopfschmerzen. Zu den primären Kopfschmerzerkrankungen zählen solche wie zum Beispiel Spannungskopfschmerzen, die die häufigste Kopfschmerzform darstellen, oder aber auch der Clusterkopfschmerz, der wiederum sehr selten ist. Außerdem viel seltenere Kopfschmerzerkrankungen und auch die Migräne, um die in den nächsten Minuten im Besonderen geht.

Warum bekommt man Migräne?

Grundsätzlich ist Migräne eine neurologische Erkrankung, die zum einen auch mit genetischen Faktoren begründet wird. Es gibt Dispositionen, bei denen es durch gewisse Genveränderungen zu dieser Erkrankung kommt. Aber andererseits ist Migräne eine Kopfschmerz-Erkrankung, die wir seit 6000 Jahren kennen. Sie ist so weitverbreitet, dass wir eigentlich von einer Volkskrankheit sprechen müssen. Weltweit leiden 13 % aller Menschen unter einer Migräne. Jede fünfte Frau ist betroffen, denn die Migräne ist auch sehr weiblich dominiert. Das Verhältnis von Frauen zu Männern beträgt drei zu eins. Somit ist es eine wirklich weit verbreitete Erkrankung, die wir als Ärzte sehr ernst nehmen müssen und unsere Patient:innen auch sehr gut behandeln müssen, weil Migräne sehr stark einschränken kann.

Was sind typische Symptome einer Migräne?

Die Migräne ist, wie ihr Name in der Kopfschmerzerkrankung schon sagt, mit Kopfschmerzen verbunden. Aber das ist ein Symptom, mitunter oft das Hauptsymptom. Der Kopfschmerz selbst ist meist einseitig, muss aber nicht zwingend einseitig sein. Er ist vom Charakter her eher pochend-pulsierend, verstärkt sich typischerweise bei körperlicher Belastung, im Gegensatz zum Beispiel zum Spannungskopfschmerz, der auch ablenkbar ist. Die Migräne ist das nicht. Sie ist auch von der Intensität her viel stärker, wird eher massiv in der Intensität beschrieben und ist immer, gemäß der Kriterien der internationalen Kopfschmerzgesellschaft, die Ärztinnen und Ärzte zur Diagnosestellung befolgen, mit anderen Symptomen verbunden. Dazu gehört die Übelkeit, oftmals auch Erbrechen. Außerdem gehört dazu vor allem auch eine Licht- oder Lärmempfindlichkeit. Viele Patient:innen sind dann auch geruchsempfindlich und die Migräne kann auch als Attacke damit eingeleitet werden.

Unter Vorboten-Symptomen versteht man ganz unspezifische Symptome. Das kann zum Beispiel sein, dass man bis zwei Tage vor dem Auftreten des Kopfschmerzes unter einer Harnflut leidet. Sie müssen dann vielleicht, ganz unbegründet für Sie, ganz häufig auf die Toilette. Oder es kann zu einer Gereiztheit kommen. Es kann sein, dass Sie Konzentrationsschwierigkeiten erleben oder aber auch Heißhunger, klassischerweise auf Kohlenhydrate. Da ist zum Beispiel die Schokolade sehr beliebt, aber auch nicht-süße Kohlenhydrate, die dann zu einer richtigen Gier führen. Das kann Stunden, sogar bis zu zwei Tage, auftreten. Das sollte dann, wenn man das weiß, alarmierend sein, dass eine Migräneattacke im Gange ist. Gleichzeitig gibt es nach Abklingen der Kopfschmerzphase, die unbehandelt 4 bis 72 Stunden dauert, auch eine sogenannte Postdromalphase, das heißt eine Nachklangphase, die mit katerähnlichen Symptomen einhergeht. Also man fühlt sich abgeschlagen, niedergeschlagen. Viele Patientinnen sagen auch, sie fühlen sich wie depressiv, sind auch nicht so aktiv. Und das Ganze führt dazu, dass wenn man sich eine Attacke vorstellt, wie sie bei Migräne auftreten, dann kann diese Attacke im Extremfall bis zu einer Woche dauern, wenn sie nicht behandelt wird.

Was ist eine Aura?

Die Migräne gibt es in zwei Formen: Es gibt die Form ohne Aura, die viel häufiger auftritt. Und dann gibt es die sogenannte Migräne mit Aura. Es kann auch sein, dass eine Patientin/ ein Patient beides erlebt: Eine Attacke ohne Aura und die nächste dann eingeleitet mit einer Aura. Aber was ist diese Aura? Unter Aura verstehen wir das Auftreten von neurologischen Symptomen, die hauptsächlich Sehstörungen sind. Klassischerweise kommt es zum Auftreten von Zickzacklinien, die man im Gesichtsfeld sieht. Es kann zu Gesichtsfeld-Ausfällen kommen. Das heißt zum Beispiel, dass man in der Mitte des Blickfeldes nichts mehr sieht. Ein Tunnelblick kann auch auftreten. Und das Typische ist, dass alle diese Auren-Symptome wandernd sind. Das heißt, es beginnt zum Beispiel im äußeren Gesichtsfeld mit dem Auftreten einer Zickzacklinie und dann wandert diese über das ganze Gesichtsfeld hinein. Es kann aber auch sein, dass viel komplexere Auren auftreten. Es kann zu einer Sprach- oder Sprechstörung kommen, Schluckstörungen bis hin zu einer halbseitigen Lähmung. Diese ist wiederum in einer Sonderform familiär bedingt genetisch vererbbar, in Form der sogenannten familiären, hemiplegischen Migräne. Das ist eine wirklich starke Aura, bei der sich starke Symptome zeigen. Und man muss wissen: Jedes neurologische Symptom muss irgendwo im Gehirn entstanden sein. Wir reden ja von Ausfällen und diese Ausfälle sind begründbar. Wir wissen mittlerweile, dass es hier zu einer wandernden Depolarisationswelle im Gehirn kommt, die diese Symptome verursacht. Und auch, wenn es zu keinen Schmerzen kommt, sind Auren besonders zu berücksichtigen.

An wen kann ich mich bei Kopfschmerzen wenden?

Grundsätzlich ist es so, dass wenn Sie das erste Mal Kopfschmerzen haben, dann ist das eigentlich ein Alarmzeichen. Schmerzen sind Warnsymptome des Körpers und bei einem Auftreten zum ersten Mal kann Ihnen niemand sagen, was das genau ist. Zur Diagnosestellung einer Migräne brauchen wir fünf Attacken, die die Kriterien der internationalen Kopfschmerzklassifikation erfüllen. Beim Auftreten von Auren müssen mindestens zwei solcher Attacken aufgetreten sein, die eben durch eine Aura eingeleitet worden sind. Diese dauern klassischerweise ein paar Minuten lang. Nur extrem seltene Formen dauernd darüber hinaus lange an. Wenn Sie also das erste Mal denken, Sie haben eine Migräne mit oder ohne Aura, dann werden Sie sich wahrscheinlich als erste Anlaufstelle an Ihre Hausärztin/ an Ihren Hausarzt wenden. Und das macht auch Sinn, denn diejenige oder derjenige kann Ihnen Abhilfe schaffen, zum Beispiel durch einen Kopfschmerzkalender. Diesen bekommen Sie ausgehändigt und dort führen Sie Buch um zu sehen: Wie oft haben Sie denn zukünftig solche Phasen? Oder war das wirklich nur ein einmaliges Geschehen? Die Hausärztin kann aber auch, wenn sie Bedenken hat, dass hier vielleicht etwas Gefährliches zugrunde liegt, auch eine Überweisung in ein Akutspital veranlassen, wenn es sich vielleicht wirklich um einen Notfall handelt. Oder aber auch zu einer Bildgebung des Gehirns, zum Beispiel in Form eines MRTs, wenn die Kollegin oder der Kollege Sorge hat, dass hier was anderes dahintersteckt. Und wenn Schmerzen auftreten, dann kann Ihnen auch die Hausärztin oder der Hausarzt ein Schmerzmittel verordnen. Auch bei Migräne sind ganz unspezifische Schmerzmittel die erste Wahl, damit Sie zumindest dieser Attacke Herr werden. Wenn sich das Ganze dann wiederholt und für Sie einfach lästig ist und Ihre Lebensqualität beeinträchtigt, dann muss jedenfalls immer die Neurologin oder der Neurologe aufgesucht werden. Denn, wie gesagt, ist hier eine neurologische Erkrankung zugrundeliegend und die braucht auch eine neurologische fachärztliche Abklärung.

Hier geht es zum Video-Interview: „Migräne im Überblick”

Das Arztgespräch bei Migräne

Wie läuft das Diagnosegespräch bei Verdacht auf Migräne ab?

Generell ist es so, dass die wichtigste Voraussetzung ist, dass Zeit vorhanden ist. Denn das Wichtigste, was ich und meine Kolleg:innen für die Patienten brauchen, ist, dass wir ganz viel über Folgendes erfahren: Wie oft treten diese Kopfschmerzen auf? Wie sind diese vom Charakter? Wo am Kopf befinden sich diese? Wie lange dauern diese an? Gibt es gewisse Situationen, wo diese am meisten auftreten? Welche Therapie haben Sie bislang eingenommen und wie wirkt diese oder wirkt diese nicht? Wie lange geht das insgesamt? Welche Diagnostik wurde durchgeführt? Gibt es Begleiterkrankungen? Und so weiter. Das heißt, in diesem Gespräch setzen wir uns gemeinsam mit Ihrer Kopfschmerzerkrankung auseinander, um eben dann über die Kriterien jeglicher Kopfschmerzerkrankungen die Diagnose zu finden. Und für die Diagnosestellung einer Migräne reicht es, bei Erfüllen dieser Kriterien, dass man dieses ausführliche Anamnesegespräch macht und eine klinisch-neurologische Untersuchung ansetzt, die unauffällig sein muss. Und dann ist die Diagnose der Migräne auch gestellt. Wir brauchen eigentlich, wenn keine Zweifel da sind, auch keine weitere Diagnostik. Das, was wir brauchen, ist Zeit, um mit unseren Patienten ausführlich darüber zu sprechen, was für eine Erkrankung dahinterliegt und natürlich vor allem auch, welche Therapieformen die idealen sind.

Welche Informationen sind im Arztgespräch wichtig?

An Informationen brauche ich von meinen Patientinnen die Beschreibung des Kopfschmerzes von Charakter, Intensität, Häufigkeit des Auftretens, Wirksamkeit von bisher eingenommenen Medikamenten oder auch nicht-medikamentösen Therapieverfahren, mögliche Auslöser und natürlich auch die Beeinträchtigung der Lebensqualität. Gibt es vielleicht schon Hinweise, dass auch die Psyche leidet? Die chronische Migräne im Speziellen ist verbunden mit Begleiterkrankungen wie Depression oder Angststörung. Auch da sollte man hinschauen. Dementsprechend ist auch der individuelle Lebensstil von ganz wesentlicher Bedeutung. Gibt es Beeinträchtigungen des Schlafens, Ein- und Durchschlafschwierigkeiten? Arbeitet die Patientin oder der Patient in einem Schichtdienst? Ist ein geregelter Rhythmus da? Gibt es geregelte Nahrungsaufnahmezeiten? Wie schaut das alles aus? Wie schaut Ihr Leben aus? Damit man das Ganze auch hinsichtlich therapeutischer Optionen gut eingrenzen kann und das richtige individuelle Therapiemanagement finden kann. Das ist eigentlich das Um und Auf. Natürlich ist es wesentlich, die ganzen sogenannten sekundären Kopfschmerzerkrankungen auszuschließen. Das heißt, ich brauche Informationen über Krebserkrankungen in der Vorgeschichte, über Sturzanamnesen, über Zusammenhänge, ob vielleicht Fieber immer auftritt, wenn die Kopfschmerzen da sind. Wir fragen dies, um nichts zu übersehen. Genauso auch wie: Gibt es Sehstörungen? Hier muss es zu einem Ausgleich durch eine Visusveränderung kommen, durch eine Brille zum Beispiel. Gibt es Dauerschnupfen oder allergische Situationen? Denn das Ganze befindet sich in unserem Kopfbereich. Der Nerv, der dafür verantwortlich ist, dass der Migränekopfschmerz wehtut, und der, der unsere Kieferhöhlen von innen versorgt, ist der gleiche und kann natürlich auch mal zu Schmerzen führen, ohne dass es Migräne ist. Beziehungsweise kann ein Patient/ eine Patientin auch mehrere verschiedene Kopfschmerzarten haben und die gilt es dann aufzudröseln. Also eigentlich brauche ich ganz viel Information, vor allem im Erstgespräch, um mir ein Bild zu machen, welche Kopfschmerzerkrankung dahinter steckt. Zum einen, um nichts zu übersehen. Zum anderen, um zu sehen ob andere Fachärzte/ Fachärztinnen vonnöten sind, um dann in gemeinsamer Absprache mit meinen Patient:innen das individuelle Therapiemanagement zurechtzuschneiden.

Wie kann ich mich auf das Arztgespräch vorbereiten?

Es ist ganz wesentlich, dass Sie sich gut vorbereiten auf ein Arztgespräch. Denn die Informationen sollten bestmöglich griffbereit sein. Viele Patientinnen tun sich schwer, ihren Kopfschmerz zu beschreiben, weil Sie das normalerweise auch nicht tun müssen. Oft bekomme ich fragende Augen, wenn ich Sie bete, den Kopfschmerz zu beschreiben, weil es einfach wehtut. Aber man sollte einmal hineinfühlen: Ist das ein Druck, so wie wenn ich einen zu engen Helm aufhabe? Oder pocht das auf einer oder auf beiden Seiten? Wie ist es, wenn ich meinen Kopf schüttle oder wenn ich versuche zu laufen, während ich Kopfschmerzen habe? Verstärkt sich mein Schmerz oder ist das eigentlich völlig egal? Hilft es mir, hinauszugehen an die frische Luft oder eben gar nicht? Will ich im dunklen Raum liegen und meine Ruhe haben? Verändert sich der Kopfschmerz, wenn ich vom Liegen in die aufrechte Position komme? All das kann man sich im Vorfeld schon bereits überlegen, beobachten. Dann ist man vorbereitet für das Gespräch und wir kommen gemeinsam schneller zur richtigen Diagnose. Auch wichtig sind Lebensstilauslöser. Gibt es zum Beispiel klassischerweise immer am Wochenende eine Migräneattacke, als Zeichen einer Entspannungsmigräne und als Zeichen einer Dysbalance zwischen Stress und Entspannung? Das kann alles hinweisend sein, dass wir mit dem Sparen von Medikamenten auch gut Abhilfe schaffen. Also man sollte ein bisschen einen Einblick und Überblick über sein eigenes Leben haben, in der Vorbereitung auf dieses Gespräch. Das wäre sehr von Vorteil und wünschenswert, weil wir dann schnell zu ganz spezifischen therapeutischen Optionen kommen.

Hier geht es zum Video-Interview: „Das Arztgespräch bei Migräne”

Wahl der Behandlung bei Migräne

Welche Untersuchungen werden vor Therapiebeginn durchgeführt?

Im Grunde genommen brauche ich eigentlich gar nichts, wenn es um die klassische Form der Diagnosestellung einer Migräne mit und ohne Aura geht. Da brauche ich Zeit für das Anamnesegespräch, eine unauffällige klinisch-neurologische Untersuchung und sonst keine weitere Diagnostik. Nur bei Zweifeln, dass etwas anderes hier eine Rolle spielt, kann man und soll man eine Bildgebung vom Gehirn, in Form eines MRTs, in die Wege leiten. Andererseits haben manche Patientinnen oder Patienten begründeterweise Angst, dass irgendetwas im Kopf ist. Weil der Kopfschmerz ist heftig. Und es gibt dann oft im Bekannten oder Verwandtenkreis irgendwelche Tumore im Kopf, das hat man dann die ganze Zeit in den Gedanken. Dann steht jedem auch mal zu, ein MRT zu bekommen. Um Sicherheit zu bekommen, dass hier eben kein Tumor da ist. Das heißt, ich spreche das auch immer ganz genau so offen an, denn jeder hat das legitime Recht ein MRT zu bekommen. Rein medizinisch betrachtet brauche ich eigentlich gar nichts weiteres, wenn es um die Diagnostik einer Migräne geht.

Welche Ziele haben die Behandlungen bei Migräne?

Bei der Migränetherapie müssen wir prinzipiell unterscheiden, dass wir einerseits eine Attacke behandeln müssen und das Auftreten so schnell wie möglich stoppen wollen. Hier reden wir von der Akut-Therapie. Und andererseits ist es so: Die Migräne ist eine unheilbare Kopfschmerzerkrankung und läuft in Form von Attacken ab, die unterschiedlich lange dauern. Wir zählen dann immer die Migränetage pro Monat. Wenn diese einerseits durch die Akut-Therapie schlecht behandelt werden, oder aber eine gewisse Zahl überschreiten – es hält sich da die Zahl drei pro Monat sehr solide in den europäischen Leitlinien – dann sollten wir über eine prophylaktische Therapie nachdenken und diese besprechen. Das Ziel ist, dass eine episodische Form der Migräne, also eine Migräne, die an weniger als 15 Tagen pro Monat auftritt, nicht in eine chronische Form übergeht, die an mehr als 15 Tagen pro Monat Kopfschmerzen. Wobei, und das muss man unterscheiden, hier kein Mischkopfschmerz vorliegt. Wenn sich dann an 15 Tagen oder mehr auch andere Kopfschmerzformen mischen, wie zum Beispiel Spannungskopfschmerzen, ist das ganz klassisch für die chronische Migräne. Die ist zwar an mehr als 15 Tagen pro Monat in Form von Kopfschmerzen da, aber nur acht davon müssen so sein, wie Sie ihre Migräne in der episodischen Form kennen. Der restliche Teil können Spannungskopfschmerzen sein. Und da gilt es eben von vornherein, die episodische Migräne nicht in die Chronische überführen zu lassen, wenn Sie gut betreut sind. Oder aber eine Chronische wieder zurückzuführen, in die episodische Form. Das heißt, wir haben zwei große Säulen: Das ist die Akut- und Attackentherapie. Und, wenn notwendig, die prophylaktische Therapie. Als Überschrift beider Säulen steht für mich immer die nicht-medikamentöse Therapie-Säule. Denn Lebensstilmaßnahmen wie regelmäßig essen, regelmäßig schlafen, Sport zu betreiben, schauen, einen geregelten Stress-Entspannungs-Modus finden und Entspannungstechniken lernen, das sollte immer bei jeder Migränetherapie begleitend, wenn nicht erst- oder vorrangig sein.

Wie wird entschieden, welche Behandlung für mich richtig ist?

Das ist grundsätzlich ein individuelles Vorgehen. Einerseits einmal das Abstimmen der Attacken-Therapie. Kommt ihre Attacke ganz schnell, explosiv sozusagen? Werden Sie in der Nacht überrascht? Das gibt es auch. Dann brauchen wir ein Attacken-Medikament, das sehr rasch wirksam ist. Das heißt, die Kenntnis zu haben: Wie schnell werde ich von einer Attacke heimgesucht? Oder merke ich, diese durch die Vorboten-Symptome eigentlich schon ankündigend? Das ist für die Therapieentscheidung der Attacke ganz von Vorteil. Dann auch: Gibt es irgendwelche Risikofaktoren, die zu berücksichtigen sind? Es gibt hier eine größere Auswahl und da sucht man sich das individuell beste Medikament für die Attackentherapie. Das bedeutet auch, wie beurteilen wir, dass die Attacke nach spätestens zwei Stunden in Form von einer Schmerzfreiheit und in Form von einer Befreiung der am meisten beeinträchtigenden Symptome beendet wird? Denn viele haben zwar weniger Schmerzen, aber leiden unter massiver Licht-Lärmempfindlichkeit. Da gilt es zu erfahren, welches Symptom ist für mich am belastendsten? Und das nimmt man als Marker her, um einen Therapieerfolg zu evaluieren.

Das wäre jetzt einmal die individuelle Auswahl für die Attacken-Therapie. Wenn es notwendig ist, hier prophylaktisch wirksam zu werden, dann stehen wir vor der Situation, dass wir verschiedenste Substanzklassen in Österreich zur Verfügung haben. Und das heißt, wenn man so viel zur Verfügung hat: Auch hier braucht es jedenfalls den Austausch zwischen Ihnen als Patient und mir oder anderen Kolleg:innen in der Kopfschmerztherapie, damit wir individuell das für Sie am besten notwendige Medikament aussuchen und die Therapie beginnen können, damit Sie so rasch wie möglich Ihre Lebensqualität wieder zurückbekommen.

Hier geht es zum Video-Interview: „Wahl der Behandlung bei Migräne”

Akut-Medikamente bei Migräne

Welche Arten von Medikamenten eignen sich bei Migräneattacken?

Generell ist es so, dass wir gemäß der europäischen Meinung aller Expert:innen so vorgehen, dass mit einem  Medikament aus der sogenannten herkömmlichen Substanzklasse beginnen. Das sind Medikamente, die Sie selber auch in der Apotheke kaufen können, wie zum Beispiel ein Ibuprofen, Acetylsalicylsäure, das Kombinationspräparat aus Acetylsalicylsäure, Paracetamol oder Koffein, ein Naproxen oder als zweite Wahl, ein Metamizol bzw. ein Paracetamol. Das sind Substanzen, die Sie einmal probieren sollen, in der empfohlenen Dosis. Diese ist oft etwas höher, als man es sonst vielleicht einnimmt, wenn man zum Beispiel Bauchweh hat. Sie sollten das Medikament so früh wie möglich einnehmen.

Führt dies nicht zu einer Zufriedenheit, dann gibt es schon seit 30 Jahren bekannt die sogenannten Triptane, die ganz spezifisch an sogenannten Serotoninrezeptoren ansetzen und diese so beeinflussen, dass hier ganz selektiv eine Attacke gestoppt werden kann. Wir haben hier in Österreich mehrere Formen dieser Triptane zur Verfügung, auch in verschiedenen Applikationsformen. Das hilft auch vielen Patientinnen und Patienten, wenn Sie zum Beispiel unter Erbrechen leiden. Da gibt es dann einen Nasenspray oder auch einen Pen, wo man das Medikament unter die Haut spritzt. Diese Medikamente haben als Besonderheit nach wie vor, dass sie nicht bei Patientinnen und Patienten gegeben werden dürfen, die einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall erlitten haben. Da müssen wir ausweichen. Und man sollte sich auch Gedanken darüber machen, dass diese Medikamente manchmal etwas müde machen können oder aber auch so ein eigenartiges Beklemmungsgefühl machen können, das meist ganz harmlos ist. Wenn man das weiß, kann man auch viel besser damit umgehen.
Dann gibt es jetzt seit letzten Jahres noch zwei weitere Möglichkeiten, eine Attacke zu behandeln, nämlich das Ditan, das Lasmiditan, das eben keinen gefäßverengenden Effekt hat, ganz spezifisch auch an einem Serotonin Rezeptor ansetzt. Also ähnlich wie die Triptane, nur eben nur an diesem einen Rezeptor und keine gefäßverengende Wirkung hat und damit auch für Patienten eine Attacke beenden kann, die einen Schlaganfall oder Herzinfarkt erlitten haben.
Und als weitere Form haben wir in Europa seit den letzten Jahren einen Gepante-Vertreter zur Verfügung, das Rimegepant. Das setzt an dem CGRP-Rezeptor an und kann eine Attacke ganz spezifisch beenden. Beide letztgenannten Formen sind in der Verfügbarkeit insofern etwas schwierig, weil sie chefärztlich bewilligt werden müssen. Oder man muss sich das Medikament wie das Lasmiditan selber kaufen.
Ansonsten geht man so vor: Erstens, herkömmliche Substanzen, die man alle eigentlich so kennt, auch für Fieberzustände usw., die eben aufgezählten. Zweitens, Triptane und drittens ,bzw. wenn Triptane auch nicht wirken oder Kontraindikationen bestehen, Ditane oder Gepante.

Welche Nebenwirkungen können bei Anfallsmedikamenten auftreten?

Grundsätzlich ist es so, dass zum Beispiel herkömmliche Schmerzmittel wie Ibuprofen und Naproxen zu Magenschmerzen führen können und über die Niere und Leber abgebaut werden. Bei übermäßigem Gebrauch, und das sollte ja gar nicht da sein, natürlich auch zu einer Erhöhung der Nieren und Leberwerte führen können. Das heißt, das sollte man im Auge haben. Aber allem voran natürlich auch den Schmerzmittelgebrauch.
Die spezifischen Medikamente, wie die Triptane, können eine Müdigkeit verursachen. Sie können manchmal auch so ein eigenartiges Beklemmungsgefühl, vorwiegend im Brust oder Halsbereich verursachen, weil es hier zu einer gefäßverengenden Wirkung an Schleimhautgefäßen der Speiseröhre und des Rachen kommen kann. Das kann natürlich beängstigend sein. Ich weise meine Patient:innen immer darauf hin, dass das auftreten kann. Wenn man natürlich Angst hat und da wirklich verunsichert ist, dass vielleicht das Herz dahinter steckt, muss man das natürlich abklären lassen. Und natürlich ist das ein “kann-auftreten”. Das heißt nicht, dass das immer so ist oder dass alle Patienten das haben, wenn sie Triptane nehmen.
Bei den Ditanen ist es so, dass hier für acht Stunden ein Fahrverbot ausgesprochen wird und auch ein Verbot von Betreiben von Maschinen, weil in den Zulassungsstudien die Patient:innen unter einer wirklich enormen Müdigkeit und Schläfrigkeit gelitten haben, bis zu Benommenheitsgefühlen. Hier muss man aufpassen.
Die Gepanten wiederum, das Rimegepant, ist eigentlich fast nebenwirkungsfrei. Sehr gut verträglich, aber hat eben das Dilemma, dass wir noch nicht in die Verordnung gehen können, so frei wie bei den herkömmlichen Schmerzmitteln oder den Triptanen.

Was muss ich bei der Anwendung von Anfallsmedikamenten beachten?

Generell gilt es, so früh wie möglich eine Migräneattacke zu behandeln. Das heißt, Sie müssen vor allem im Auge haben, dass Sie Ihre Migräne gut kennen und rechtzeitig etwas einnehmen. Wenn Sie zu Erbrechen neigen, macht es Sinn, die Applikationsform zu überdenken. Dann können Sie zum Beispiel etwas nehmen, was nicht über den Magen-Darm-Trakt aufgenommen wird, sondern zum Beispiel über die Nasenschleimhäute oder eben mittels Pen direkt unter die Haut gespritzt werden kann. Ansonsten kann man das eigentlich nur ausprobieren. Was wirkt bei mir am besten? Was vertrage ich am besten? Und da ist es eigentlich zwischen den einzelnen Medikamenten egal. Das entscheiden letztlich Sie, was für Sie das individuell beste Medikament überhaupt ist.

Können unterschiedliche Therapien kombiniert werden?

Die Medikamente sind grundsätzlich dafür gedacht, dass man eins einnimmt, das das Richtige ist. Aber wir haben in der Migräne-Akutherapie verschiedene Ansatzpunkte, eben herkömmliche Schmerzmittel und zum Beispiel die Triptane. Und wenn ich weiß, dass mir weder das eine noch das andere alleine ausreicht, um das Ziel zu erreichen, dann macht es jedenfalls Sinn, die zwei zu kombinieren. Das macht zum Beispiel auch Sinn, wenn Sie unter einer sogenannten menstruellen Migräne leiden, die sich bekannterweise über mehrere Tage immer wieder fortsetzt. Und hier macht es Sinn, sogar wie eine Art Kurzzeitprophylaxe in der Früh und am Abend vielleicht sogar eine Kombination aus einem Naproxen und einem langwirksamen Triptan einzunehmen, um eben dieser speziellen Sonderform der Migräne Herr zu werden. Das heißt, wenn man ein Schmerzmittel genommen hat und sich denkt: “Die Wirkung könnte besser sein”, dann probiere ich vielleicht einmal zum Beispiel ein Triptan. Und wenn ich hier merke, dass das auch noch nicht ideal ist, dann kombiniere ich die beiden in Absprache mit meiner betreuenden Neurologin oder Neurologen, um vielleicht das ideale Setting zu finden. Denn wenn Sie so eine Migränetherapie machen, dann führen Sie ja immer wieder einmal ein Kopfschmerztagebuch und haben Ihren Schmerzmittelgebraucht damit im Überblick. Das heißt, es kann nicht passieren, dass Ihnen dieser entgleitet. Wichtig ist aber, dass Sie so schnell wie möglich eine Attacke kupieren. Untereinander macht es Sinn, diese beiden Klassen zu kombinieren. Triptane untereinander soll man nicht kombinieren. Das macht überhaupt keinen Sinn. Auch kein Triptan mit einem Ditan, denn das widerspricht sich, weil das ja die gleiche Substanzklasse ist. Hier hat man dann keinen Überblick, ob man nicht vielleicht in eine gefährlichere Situation kommt. Es macht auch keinen Sinn, herkömmliche Schmerzmittel untereinander zu kombinieren, weil sie ja immer am gleichen Wirkansatz angreifen. Das heißt: Ein herkömmliches Schmerzmittel plus Triptan eignet sich wunderbar.

Hier geht es zum Video-Interview: „Akut-Medikamente bei Migräne”

Medikamentöse Vorbeugung der Migräne

Was ist eine medikamentöse Vorbeugung und wann wird sie durchgeführt?

Generell ist es in Europa so verbreitet, dass man ab drei Migränetagen pro Monat über eine vorbeugende medikamentöse Therapie nachdenken sollte. Diese drei Migränetage sind auch dann nicht so das Thema, wenn diese sehr gut durch eine Attacken-Therapie behandelbar sind. Aber wenn das nicht der Fall ist, die Attacken-Therapie nicht wirkt und die drei Tage, vier Tage, fünf Tage, immer mehr Thema sind, dann jedenfalls.

Welche Therapien können zur Migränevorbeugung eingesetzt werden?

Generell haben wir verschiedene Möglichkeiten. Wir haben herkömmliche Substanzklassen, zum Beispiel Betablocker, Antiepileptika, Antidepressiva. Die können wir hier einsetzen. Und da ist es so, dass wir individuell zugeschnitten über einen Zeitraum von 9 bis 12 Monaten dieses Medikament verordnen, mit dem Wissen, dass das erst irgendwann wirklich gut zu wirken anfängt. Die Verträglichkeit ist ein großes Thema dieser Medikamente. Wir wissen aus Studiendaten, dass viele Patientinnen nach einer gewissen Zeit die Medikamente nicht mehr nehmen. Einerseits ist es unbequem, jeden Tag, vielleicht sogar zweimal täglich, ein Medikament zu nehmen. Andererseits haben viele dieser Medikamente Nebenwirkungen, die sehr beeinträchtigend sind. Gerade eine Substanz, die wirklich sehr wirkungsvoll in der Migräneprophylaxe ist, das Topiramat, hat große Wirkung, aber leider auch schwerwiegende Nebenwirkungen, wie zum Beispiel Orientierungsstörungen, Konzentrationsschwierigkeiten, Kribbeln in den Fingern bis hin zu Wesensveränderungen, aggressivem Verhalten etc. Und da ist es natürlich nachvollziehbar, dass Patient:innen diese Medikamente frühzeitig absetzen. Wobei eben eigentlich eine Dauer von 9 bis 12 Monaten, vielleicht Minimum sechs Monate, unbedingt vonnöten ist, um auch einen darüber-hinaus-Effekt zu erreichen. Denn was wir wollen, ist ja, dass sich die Migränetage in ihrer Zahl reduzieren, die Intensität weniger wird, aber eben auch nach Absetzen dieser Effekt anhält.

Wie werden Therapien zur Migränevorbeugung angewendet?

Wenn solche Substanzklassen bereits probiert worden sind, drei an der Zahl, oder eben Nebenwirkungen aufgetreten sind, Kontraindikationen bestehen, dann gibt seit 2018 einen spezifischen weiteren Ansatz in der vorbeugenden Migränetherapie. Die sogenannten monoklonalen-CGRP Antikörper , von denen wir mittlerweile vier in Österreich zur Verfügung haben. Diese sind hochspezifisch gegen das Auftreten einer Migräneattacke wirksam, bei praktisch vernachlässigbarem Nebenwirkungsprofil. Das ist also wirklich ein Meilenstein. Eine weitere Erfindung sind die Gepante. Hier in Europa haben wir einen Vertreter, zugelassen seit April letzten Jahres, der aber noch nicht erstattbar ist. Das heißt, wir können den noch nicht so einfach verordnen, aber es gibt zum Glück Weiterentwicklungen. Generell haben wir verschiedene Möglichkeiten. Es gibt Tabletten und es gibt eben die monoklonalen Antikörper, die man sich als Pen unter die Haut spritzt. Die man entweder alle vier Wochen oder einmal im Monat, oder neu, seit Jänner des Jahres, quartalsweise als Infusion beim Arzt des Vertrauens, erhält. Über 30 Minuten wird hier eine Infusion infundiert, mit dem Vorteil, dass dieser Antikörper im Vergleich zu den anderen noch schneller wirkt und eben damit auch theoretisch eine Attacke beenden kann. Aber es ist natürlich ein Prophylaktikum. Das heißt, wir haben Tablettenformen der herkömmlichen Substanzklassen, wir haben Pens, eine Infusionstherapie der CGRP-Antikörper und das erwähnte Gepant, das Rimegepant in Tablettenform. Diese verschiedenen Formen haben wir zur Verfügung. Wobei es so ist, dass man ganz klar sagen muss: Tägliche Tabletteneinnahme ist unbequem, Nebenwirkungen sowieso. Der Vorteil der neuen CGRP-Antikörper ist klarerweise in der bequemen Verabreichung mittels Pen oder Infusion. Hier gilt: entweder einmal pro Monat, alle vier Wochen oder eben sogar nur alle drei Monate über eine Infusion. Das macht es natürlich super bequem, weil ich den Vorteil habe, dass ich eine rasche Wirkung habe. Alle Antikörper wirken in der Regel 3 bis 5 Tage nach dem ersten Verabreichen. Oder eben innerhalb der ersten zwei Stunden, wie das bei der Infusion nachgewiesen wurde. Und ich brauche eigentlich dann bei der Infusion drei Monate lang nicht mehr dran denken oder bei den Pens vier Wochen lang nicht mehr daran denken. Also wirklich eine sehr bequeme Version, meine Migräne vorbeugend zu behandeln, bei kaum aufgetretenen Nebenwirkungen. Was wir bisher wissen: Die Sicherheitsdaten sind extrem überzeugend. International gibt es ja die Antikörper schon länger und wir haben bis jetzt keine schwerwiegenden Nebenwirkungen feststellen können.

Wie laufen Antikörper-Therapien zur Migränevorbeugung ab?

Die Antikörper sind in ihrer Verabreichung insofern so bequem, weil wir bis Jänner 2023 Pens zur Verfügung hatten, die man alle vier Wochen oder einmal im Monat verwendet. Und das ist natürlich super fein für die Patient:innen. Neu seit Jänner haben wir die Infusionstherapie. Eptinezumab ist ein weiterer Antikörper, der vierte, den wir zur Verfügung haben, der mittels Infusion verabreicht wird. Das heißt, Sie müssen zu Ihrem Hausarzt oder Ihrem Neurologen gehen, erhalten dort für 30 Minuten eine Infusion und das ist alles. Und das Ganze nicht monatlich, sondern nur alle drei Monate. Das heißt, Sie können sich das einmal verabreichen lassen, müssen nicht mit irgendwelchen besonderen Besonderheiten rechnen, das heißt bei der Infusionstherapie mit irgendwelchen Monitoring oder sonst was, sondern die 30 Minuten sind Sie sowieso in der Ordination, da kriegen Sie das und dann brauchen Sie drei Monate lang eigentlich nicht mehr daran denken. Und dann gehen Sie wieder zu Ihrem Hausarzt oder Neurologen und erhalten die nächste Infusion. Eine sehr, sehr bequeme und sehr effiziente Form der Therapie, die eben auch sehr rasch wirkt, wo es eben innerhalb von zwei Stunden bereits zu einem deutlichen Wirken der Infusion kommt. Das ist noch ein weiterer Vorteil des neuen Players am Markt, den monoklonalen Antikörper.
Bei allen Therapien mit monoklonalen Antikörpern ist es so in Österreich geregelt, dass die Erstverordnung durch den neurologischen Facharzt/ die neurologische Fachärztin erfolgen muss. Und es sollte nach drei Monaten Therapiedauer eine Evaluierung ebenso fachärztlich erfolgen. Die Evaluierung erfolgt mittels Kopfschmerztagebuch, wo man eben schaut, ob es zu der gewünschten Reduktion an Migränetagen gekommen ist und vor allem zur Verbesserung der Lebensqualität, das übergeordnete Ziel dieser Therapie. Dann ist es so, dass die Therapie insgesamt einmal, jedenfalls für zwölf Monate andauern sollte. Mittlerweile diskutiert man auch zwischen zwölf und 24 Monate, die Therapie mit monoklonalen CGRP-Antikörpern durchführen zu lassen, um dann eben eine sogenannte Therapiepause zu überlegen. Da ist es so, dass man im Folgemonat praktisch keinen Antikörper mehr spritzt oder eben die Infusion auslässt. Und dann kann es zwischen dem zweiten und dritten Monat meistens nach Absetzen zu einer Wiederkehr der Migränetage kommen oder eben nicht. Und das weiß ich nicht, wenn ich die Therapie dauerhaft durchführe. Das ist so gängige Praxis, damit wir auch einmal schauen, ob es hier eventuell durch die Antikörpertherapie zu dem sogenannten krankheitsmodifizierenden Effekt gekommen ist und Sie vielleicht diese Therapie gar nicht mehr brauchen. Das heißt: fachärztliche Erstverordnung, Kontrolle nach drei Monaten, Therapiepause planen und besprechen, in der nicht stressigsten Phase Ihres Jahres, vor allem zwischen zweiten und dritten Monat nach Absetzen.
Und dann gibt es eine ganz wesentliche gute Nachricht: Wir in Österreich können, sobald es notwendig ist, wieder mit dem Antikörper beginnen oder aber auch zu einem anderen wechseln. Wir haben in Österreich wirklich eine sehr gute Situation und können zwischen diesen Vieren uns rühren, wie wir das für medizinisch richtig halten. Und das ist ein großer Vorteil. Wenn Sie eine Therapie mit einem monoklonalen CGRP-Antikörper haben, können Sie selbstverständlich, sofern es überhaupt noch notwendig ist, Ihre gewohnte Attackentherapie weiter nehmen. Das heißt, wenn Sie die brauchen, gibt es hier einen weiteren Vorteil der Antikörper: Keine Wechselwirkungen. Ob es Triptane sind oder herkömmliche Schmerzmittel, das spielt hier keine Rolle. Die nehmen Sie weiter ein. Wobei man schon an dieser Stelle auch ganz klar sagen muss: Die monoklonalen Antikörper haben dazu geführt, dass die Patientinnen nicht nur viel weniger Akutmedikation brauchen, sondern oftmals auch leichtere Formen nehmen müssen, nur mehr, weil die Attacken auch wesentlich milder sind. Aber egal welche Medikamente, sie haben, so gut wie bis auf ganz wenige Ausnahmen, keine Wechselwirkungen oder Interaktionen bei einer Therapie mit monoklonalen CGRP-Antikörpern.

Wie finde ich heraus, welche Therapie am besten in meinen Alltag passt?

Das ist das Um und Auf im Gespräch mit Ihrem betreuenden Neurologen/ Ihrer betreuenden Neurologin. Hier geht es ums Individuelle. Einerseits geht es einmal darum: Welche Form der Migräne haben wir zur Verfügung? Ist es die episodische Form unter 15 Tagen oder die chronische Form über 15 Tagen? Bei der chronischen Form gibt es ja eigentlich gar nicht so viel durch Studiendaten gut belegte Substanzen, die wir eigentlich guten Gewissens nehmen können. Bei der episodischen Form können wir aus einem großen Pool wählen. Hier geht es darum, dass wir einerseits ein bisschen maßschneidern sollten, je nach Individuum, sprich: Gibt es Schlafstörungen, eignet sich zum Beispiel das Amitriptylin gut. Gibt es zum Beispiel eher eine stressgeplagte Lebenssituation, wo man schneller mal in Rage kommt, ist der Betablocker aufgrund des Nebenwirkungsprofils eigentlich sehr gut geeignet. Wenn das schon probiert worden ist oder eben auch hier Kontraindikationen bestehen sind diese nicht geeignet. Chronische Migränepatienten, aber auch andere, neigen leider zur Entstehung einer Depression. Betablocker können diese machen. Es kann auch sein, dass zum Beispiel das Topiramat als potente Substanz eigentlich aufgrund der beruflichen Situation kontraindiziert ist usw. Wenn das vorhanden ist, dann können wir eben die monoklonalen CGRP-Antikörper verordnen. Da müssen wir in der Verordnung nur darauf achten, dass kein Herzinfarkt oder Schlaganfall vorher schon mal aufgetreten ist. Da sind sie kontraindiziert. Sie dürfen nicht gegeben werden in der Schwangerschaft. Wenn eine Schwangerschaft geplant ist, dann muss man das bitte mit der Ärztin und dem Arzt besprechen. CGRP-Antikörper sollten jedenfalls drei Monate vorher abgesetzt werden. Solche Dinge muss man berücksichtigen. Aber ansonsten ist das eine sehr bequeme und sehr effiziente Form der Vorbeugung. Die Gepanten, wie gesagt, sind noch nicht da. Da können wir derzeit nur über Einzelbewilligungen solche Prophylaxe-Maßnahmen ergreifen in der Verordnung. Aber wir haben ja sehr viel zur Verfügung und so besprechen wir das individuell: Was war bisher schon der Fall? Was hat nicht funktioniert und wie können wir jetzt zum Beispiel auch mit der Antikörpertherapie umgehen?

Welche Nebenwirkungen können auftreten und was kann ich dagegen tun?

Hier muss man wissen, aus welcher Substanzklasse die vorbeugende medikamentöse Therapie ist. Ein Betablocker hat eigentlich als Hauptjob den Blutdruck zu senken und die Herzfrequenz zu bremsen. Das kann man spüren, indem man zum Beispiel schnell aufsteht und das Gefühl hat, man wird schwindelig. Ich weise meine Patientinnen und Patienten immer darauf hin. Wenn das der Fall ist und das nicht gut mit dem Lebensstil vereinbar ist, dann sind das einfach Nebenwirkungen, die nicht tragbar sind.
Das Amitriptylin, das man abends nimmt, hat als Nebenwirkung einerseits das Auftreten einer Mundtrockenheit. Es kann sein, dass der Harnfluss nicht mehr so gegeben ist, sondern dass er dann holprig ist. Und es hat auch eine oft positive Nebenwirkung, dass der Schlaf in der Qualität verbessert wird. Aber gleichzeitig, wenn man das nicht verträgt, kann es zu einem Hangover kommen, das heißt man ist in der Früh gerädert. Und da man natürlich auf eine gewisse Dosis kommen soll, kann das dann auch zu viel sein. Und dann kommt man hier nicht weiter, muss wieder absetzen.
Topiramat zum Beispiel macht eben Wesensveränderungen, Konzentrationsschwierigkeiten, Orientierungsstörungen, bei Frauen im gebärfähigen Alter muss man mit der Antibabypille aufpassen. Die Valproinsäure sollte man bei Frauen im gebärfähigen Alter gar nicht mehr verwenden, weil es hier zu Fruchtschäden gekommen ist. Das heißt das ist obsolet. Hier muss man also individuell schauen. Und wenn Sie das verordnet bekommen, werden Sie sicher darüber aufgeklärt. Sollte es hier zu einfach mehr Nebenwirkungen als Wirkung kommen, weil die Wirkung bei diesen Substanzklassen oftmals Monate bis zum Eintritt braucht, dann muss man eben überlegen, ob man dann wechselt oder das Medikament absetzt, auf etwas anderes umsteigt etc.
Bei den monoklonalen CGRP-Antikörpern ist es relativ simpel, die wirken rasch, man beobachtet aber dennoch drei Monate lang den Kopfschmerzkalender und schaut, ob es hier eben zu einer Reduktion der Migränetage um 50 % bei der episodischen Form oder um 30 % bei der chronischen Form kommt. Man schaut, ob sich die Lebensqualität verbessert, in Form einer Intensitätsabnahme des Schmerzes, sich die Schmerztage reduzieren, aktiver ist usw. Darüber führt man Buch. Nach drei Monaten beurteilen wir dann, ob der Antikörper der richtige ist und die Nebenwirkungen sind nahezu vernachlässigbar.
Wir haben einen Antikörper, das Erenumab. Das kann eine wirklich durchaus merkliche Verstopfung machen. Das kann zum Absetzen bzw. Switchen führen. Das führt dazu, dass wir dann den Antikörper wechseln auf einen, der nicht am Rezeptor ansetzt, sondern das Molekül bindet. Da haben wir drei zur Verfügung und die machen im Prinzip einerseits diese Schmerzen, weil man ja als Pen oder Infusion irgendwo gestochen wird, aber ansonsten kaum etwas Relevantes. Das Einzige, was man vielleicht erwähnen sollte, darüber kläre meine Patientinnen auch immer auf, ist das sogenannte Raynaud-Phänomen. Das ist ein Phänomen, das zu einer Verfärbung der Finger führt, die eher erblassen oder lila werden, durch Gefäßkrämpfe der Fingerarterien bei Kältereiz, das durch einen Antikörper auftreten kann. Wenn das ist, dann muss man das absetzen, dann stellt sich das auch wieder um. Das heißt, das ist reversibel. Ich habe sicher schon hunderte Patienten mit Antikörpern versorgt und hatte seit 2018 genau zwei Patienten, bei denen das aufgetreten ist. Aber das ist eine ernstzunehmendere Nebenwirkung, die jedenfalls angesprochen werden muss. Und wenn Sie diese haben, dann bitte besprechen Sie das, dann muss man den Antikörper absetzen. Aber ansonsten ist das eine Möglichkeit der therapeutischen Prophylaxe , die sensationell ist, wirkt schnell, wirkt nahezu nebenwirkungsfrei und ist eben, was wir jetzt wissen, bis dato anscheinend nicht mit schwerwiegenden auch Langzeitschäden oder sonst was verbunden.

Wann sollte auf eine medikamentöse Vorbeugung verzichtet werden?

Generell dann natürlich, wenn Sie es gar nicht brauchen. Das heißt, wenn Sie wenige Migränetage haben, dann nicht-medikamentös. Sie sollten dann, wenn Sie vorhaben, schwanger zu werden oder schwanger sind jedenfalls mit Ihrer Ärztin und Ihrem Arzt sprechen, welche Optionen da eventuell zur Verfügung bleiben bzw. eben auch nicht mehr zur Verfügung stehen. Das ist jedenfalls zu besprechen. Und natürlich immer dann, wenn Sie auch das gar nicht wollen. Jede Therapie macht dann den meisten Effekt, wenn man sie auch will. Wenn man sozusagen mit dem positiven Gefühl hineingeht, dass man jetzt jeden Tag eine oder zwei Tabletten nimmt oder einmal im Monat einen Pen sich verabreicht oder alle drei Monate eine Infusion erhält. Aber ansonsten gilt es eher dann jedenfalls darüber nachzudenken, eine Prophylaxe zu machen, wenn die Migränetage eben ein Limit von drei überschreiten oder eben ihre Lebensqualität massiv einschränken.

Hier geht es zum Video-Interview: „Medikamentöse Vorbeugung von Migräne”

Selbsthilfe bei Migräne

Gibt es Auslöser von Migräne, die ich vermeiden kann?

Grundsätzlich ist es so, dass die Entstehung einer Migräneattacke durch Dysbalance im Körper entstehen kann, wie zum Beispiel der Wechsel von Stress auf Entspannung, wie zum Beispiel unregelmäßige Nahrungsaufnahme und das Riskieren von theoretischen Unterzuckerungen. Damit sind Unterzuckerungen gemeint, die nicht wirklich gefährlich sind, sondern eine Unterzuckerung in Relation zu dem, was Sie gewohnt sind. Das zum Beispiel kann eine Attacke auslösen. Gewisse Faktoren wie Wetterwechsel werden immer wieder diskutiert. Wir haben zwar noch immer keinen wirklich guten wissenschaftlichen Beleg dafür, aber das sagen mir sicher 80 % aller Patient:innen. Direkte Sonneneinstrahlung kann hier auslösend sein.
Gewisse Nahrungsmittel, das ist ganz individuell, und genauso gewisse Alkoholika, die oftmals bei manchen Patientinnen und Patienten unmittelbar zu einer Attacke führen.
Generell ist es so: Wenn man eine Migräne hat, gilt es Selbstverantwortung zu zeigen. Sich einmal damit auseinanderzusetzen: Wie ist meine Migräne? Kenne ich Auslöser? Wie oft ist sie da? Spielt sie eine große Rolle in meinem Leben oder nicht? Viele Patient:innen bagatellisieren leider das Thema und versuchen damit zurecht zu kommen, weil es vielleicht auch nicht so anerkannt ist im Umfeld. Weil man bei Kopfschmerzen einfach an die frische Luft geht. Migräne ist mehr, als dass. Sie sollten die Erkrankung ernst nehmen, nicht rebellieren, sie akzeptieren. Wenn man das nicht schafft und sich selber nicht wertschätzend betreut und keine Achtsamkeit auf den Selbstwert legt, dass man die Erkrankung in Angriff nehmen muss, dann gibt es auch die Möglichkeit der kognitiven Verhaltenstherapie. Ansonsten ist es der Lebensstil, wie regelmäßige Essenszeiten einhalten, regelmäßig schlafen. Da ist natürlich der Schichtdienst kontraproduktiv. Ausdauersport betreiben, Entspannungstechniken lernen, wenn Stress und Entspannung eine Rolle spielt. Dann macht es natürlich Sinn, wenn es notwendig ist, eine kognitive Verhaltenstherapie bei einer Psychotherapeutin/ einem Psychotherapeuten aufzusuchen. Und dann, wenn ich ehrlicherweise sage, “Ich schlucke Medikamente über Medikamente”, dann zu einem Arzt zu gehen und zu sagen “Ich nehme das jetzt genauso ernst wie jede andere Erkrankung, auch wenn sie in keinem MRT nachweisbar ist, kein Laborwert hier ausschlägt”. Sie ist eine ernst zu nehmende Erkrankung, steht sie denn noch immer auf Platz zwei der am meisten beeinträchtigenden Erkrankung weltweit, bei Frauen von 15 bis 49 sogar auf Platz eins.

Was kann ich selbst bei einer Migräneattacke machen?

Wenn eine Attacke da ist, dann sollten Sie jedenfalls einen ruhigen Ort aufsuchen, Lärm vermeiden, nicht gerade sportliche Aktivität ausüben, weil das einfach den Kopfschmerz verstärkt und Sie noch mehr leiden, und so rasch wie möglich Ihre medikamentöse Therapie einnehmen. Nicht medikamentös gibt es hier auch zum Beispiel eine externe Trigeminus-Stimulation. Der Nerv, der uns die Schmerzen macht, ist der sogenannte Nervus trigeminus. Und es gibt hier einen Ast, den Nervus supraorbitalis, den kann man durch ein Gerät extern stimulieren, und so durch eine Stimulation von 30 bis 60 Minuten eine Attacke auch beenden. Sie können Pfefferminzöl auf die Schläfen schmieren. Sie können einen kühlen Lappen oder mit einem Tuch abgedeckt einen Eisbeutel auf die Stirn legen, das hilft oft auch ganz gut. Aber wenn das alles nicht funktioniert: Nehmen Sie Medikamente gegen die Attacke. Falls Sie das brauchen, auch gegen die Übelkeit. Damit Sie so rasch wie möglich wieder fit sind. Außerdem sollten Sie äußere Faktoren so minimal wie möglich gestalten. Viele Patientinnen legen sich sowieso in einem abgedunkelten Raum mit den Medikamenten, bis diese wirken. Manche schlafen ein, Kinder reicht das oft auch, die schlafen oft einfach ein und dann ist es auch gut. Das ist ihr Vorteil. Aber da muss man eben sein eigenes Setting finden, das am schnellsten zu einer Abhilfe führt.

Hier geht es zum Video-Interview: „Selbsthilfe bei Migräne”

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Geprüft Dr.in Sonja-Maria Tesar: Stand Januar 2024 | Quellen und Bildnachweis

Die Kurse sind kein Ersatz für das persönliche Gespräch mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt, sondern ein Beitrag dazu, PatientInnen und Angehörige zu stärken und die Arzt-Patienten-Kommunikation zu erleichtern.
(Zirkardianer Rhythmus )
Biologisches Phänomen, das in einem Rhythmus von ungefähr 24-Stunden bestimmte körperliche Funktionen beeinflusst.  Ein Beispiel ist der Schlaf-Wach-Zyklus durch die Freisetzung des Schlafhormons.
Antikörper
(Immunoglobuline)
Eiweiße (Proteine), die von Zellen des Immunsystems gebildet werden, um Krankheitserreger wie Bakterien oder Viren zu bekämpfen. Bei manchen Erkrankungen kann es zu einer fehlgeleiteten Bildung von Antikörpern gegen körpereigene Zellen oder Strukturen kommen.
Antikörpertherapie
Therapie mit Eiweißmolekülen, die bestimmte Merkmale von schädlichen Zellen oder Eiweiße erkennen. Dadurch können schädliche Zellen beispielsweise im Wachstum gebremst oder gezielt zerstört werden.
Infusion
Verabreichung einer Flüssigkeit (mit oder ohne darin gelösten Medikamente) über einen Zugang in ein Blutgefäß.
MRT
(Magnetresonanztomografie, auch Kernspintomografie)
Bildgebendes Verfahren, das sich besonders zur Darstellung von Weichteilen wie Muskeln oder Fettgewebe eignet. Magnetfelder lösen in den verschiedenen Geweben unterschiedliche Signale aus. Diese werden zu Bildern umgewandelt. Die Untersuchung ist schmerzlos und hat keine Strahlenbelastung.
Prophylaxe
(Vorbeugung)
Maßnahmen, die der Verhütung sowie Vorbeugung von Krankheiten beziehungsweise deren Folgen dienen. Anders als eine Bedarfstherapie wird eine Therapie zur Prophylaxe zur Vorbeugung einer Erkrankung oder deren Folgen durchgeführt und nicht nur bei Symptomen.
Tumor
(„Geschwulst“)
Lokalisierte Vermehrung von Körpergewebe durch unkontrolliertes Wachstum von gutartigen oder bösartigen Zellen. Bösartige Tumore können in umliegendes Gewebe einwachsen und in entfernte Organe streuen. Der Begriff Tumor wird auch verwendet für eine Schwellung von Gewebe z.B. durch Einlagerung von Flüssigkeit im Rahmen von Entzündungsprozessen oder Blutungen.