4. Fragen rund um die Therapie bei Multipler Sklerose

Welche Informationen benötigt meine Ärztin/mein Arzt, um mir die verschiedenen Therapieoption bei MS aufzuzeigen?

Ihre Ärztin/Ihr Arzt kennt sich mit der Multiplen Sklerose, Verlaufsformen und möglichen Wirkstoffen aus und ist damit Expertin/Experte für verschiedene Therapieoptionen. Um aus den vielen Möglichkeiten die für Sie beste auszuwählen, ist daher eine genaue Einstufung der MS wichtig. Die Krankheitsaktivität wird durch die Anzahl an Entzündungsherden im Gehirn und Rückenmark sowie die Anzahl und Schwere von Schüben bestimmt.

Aber auch Ihre persönlichen Faktoren wie Begleiterkrankungen, bereits eingenommene Medikamente, Ihre Alltagsgestaltung und Zukunftsplanung sind für die Therapieentscheidung wichtig. Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt auch darüber, ob Sie lieber Tabletten, Spritzen oder Infusionen bekommen möchten.

Entscheidend ist auch, wie viel Zeit die Therapie in Ihrem Alltag einnehmen soll. Je nach Therapieform kann sich auch die Anzahl der notwendigen Kontrolluntersuchungen unterscheiden. Gemeinsam können Sie so die bestmögliche Entscheidung für eine Behandlung treffen.

Welche Therapieoptionen bei Multipler Sklerose zur Auswahl stehen und was bei der Behandlung zu beachten ist, erfahren Sie in der Online-Schulung Multiple Sklerose behandeln.

Was kennzeichnet die bestmögliche Therapie aus Arztsicht?

Ziel der MS-Therapie ist die Kontrolle der Krankheits- und Entzündungsaktivität. Im Mittelpunkt einer erfolgreichen Therapie stehen:

  • Die Besserung von Symptomen
  • Ein Fortschreiten der Krankheit verhindern
  • Neue Schübe vermeiden
  • Neue Entzündungsherde verhindern und bestehende Entzündungen stoppen
  • Eine gute Verträglichkeit von Medikamenten
  • Die Berücksichtigung von persönlichen Wünschen und Erwartungen

Welche Rolle spielen mein Alltag und mein Lebensstil bei der Therapiewahl?

Die Therapietreue, auch Adhärenz genannt, wird von unterschiedlichen Faktoren beeinflusst. Am besten sollten diese schon bei der Auswahl der Therapie berücksichtigt werden. Dazu gehören beispielsweise:

  • Krankheitsbedingt: Schwere der Symptome, Anzahl der Schübe, Vorerkrankungen
  • Persönlich: Alter, Familienplanung, Lebensziele, Angst vor Nebenwirkungen oder bestimmten Einnahmeformen von Medikamenten
  • Therapiebezogen: Einnahmeform von Medikamenten, Zeitabstände zwischen Arztbesuchen, Behandlungsdauer, Häufigkeit der Kontrolluntersuchungen, Nebenwirkungen

Auf einige der Faktoren haben Sie selbst Einfluss. Besprechen Sie mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt den Therapieplan, damit Sie den maximalen Therapieerfolg haben. Denn eine Therapie, die Ihren Bedürfnissen entspricht, wird Ihnen die Adhärenz erleichtern.

Was sollte ich in Bezug auf Impfungen bei Multipler Sklerose berücksichtigen?

Impfungen bieten wirksamen Schutz gegen Infektionskrankheiten. Ein umfassender Impfschutz ist bei einer MS besonders wichtig, denn durch die Erkrankung besteht ein erhöhtes Infektionsrisiko. Entsprechend der  Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) sollten Sie deshalb alle Standardimpfungen erhalten. Folgendes gilt es zu beachten:

  • Eine Impfung sollte nicht während eines Schubs erfolgen.
  • Der Abstand zum letzten Schub sollte wenn möglich etwa 3 Monate lang sein.
  • Einige Therapien können die Impfantwort beeinträchtigen und damit den Erfolg einer Impfung mindern. Gegebenenfalls können Sie eine alternative Therapie erhalten.
  • Lebendimpfstoffe enthalten geringe Mengen abgeschwächter Krankheitserreger. Diese sind bei MS nicht empfohlen und werden nur in seltenen Fällen verabreicht.

Was sollte ich als MS-PatientIn mit meiner Ärztin/meinem Arzt besprechen, wenn ich einen Kinderwunsch habe?

Informieren Sie Ihre Ärztin/Ihren Arzt über Ihre Familienplanung. Generell spricht nichts gegen die Erfüllung eines Kinderwunsches. Studien haben ergeben, dass die MS nicht direkt vererbbar ist und auch die Fruchtbarkeit nicht negativ beeinflusst wird. Möglicherweise gibt es Medikamente, die zeitweise gegen eine Schwangerschaft sprechen. Hier kann ein Therapiewechsel notwendig sein.

Einige Medikamente sollten vorübergehend abgesetzt werden, während andere weiter genutzt werden können. Grundsätzlich ist es sinnvoll, die Krankheitsaktivität der MS vor einer geplanten Schwangerschaft zu stabilisieren, um Ihre Gesundheit zu schützen.

Geprüft Dr.in Doris Hauer: Stand Dezember 2022 | Quellen und Bildnachweis

Die Kurse sind kein Ersatz für das persönliche Gespräch mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt, sondern ein Beitrag dazu, PatientInnen und Angehörige zu stärken und die Arzt-Patienten-Kommunikation zu erleichtern.