7. Prostatakrebs-Gentest verstehen – alle Fragen

Hier erfahren Sie was genau ein Prostatakrebs-Gentest ist, wie die Testung abläuft, was die Ergebnisse besagen und wozu der Test gemacht wird. Univ.-Prof. Dr. Gero Kramer, Urologe an der Universitätsklinik für Urologie und an der Privatklinik Döbling in Wien, beantwortet die häufigsten Fragen und erklärt, wann Prostatakrebs-Patienten zu einem Gentest geraten wird.

Gentests und Prostatakrebs

Was haben Genveränderungen mit Krebs zu tun?

Jede Körperzelle betreibt einen sehr hohen Aufwand, um ihr Erbgut vor Schäden zu bewahren. Und Fehler im Erbgut, also in den Genen, sogenannte Gen-Veränderungen sind nicht immer zu vermeiden. Und mit der Zeit häufen sich Fehler in den Genen an und erhöhen das Risiko für Krebs.

Deswegen ist Krebs auch vor allem eine Alterserkrankung.

Was ist ein Gen?

Ein Gen ist der Träger der Erbinformation, und die befindet sich in jeder menschlichen Zelle.

Der Begriff Gen ist also eine bestimmte Informationseinheit und enthält den Schlüssel für die Funktion einer Zelle.

Sie alle können sich noch erinnern, als die erste vollständige Gen-Sequenzierung stattgefunden hat, also als alle Gene des Organismus des Menschen analysiert worden sind. Das war zu einer Zeit, als Bill Clinton gesagt hat: „Wir haben endlich die Sprache Gottes gefunden, wie er die Welt erschaffen hat.“

Was ist eine Genveränderungen/Mutation?

Eine Genveränderung ist eine dauerhafte Veränderung des genetischen Materials, das aber nur ein Gen betrifft. Deswegen Gen-Veränderung, Genmutation.

Viele Mutationen führen zu Veränderungen der Erbinformation, haben aber keine Konsequenzen für den Organismus. Wären aber wichtige Gene betroffen, z.B. Gene, die für die Reparatur der Erbinformation, wenn sie falsch abgelesen wird, verantwortlich sind, dann hat das sehr wohl Folgen für den Menschen.

Was ist der Unterschied zwischen einer somatischen und einer Keimbahnmutation?

Bei einer Keimbahnmutation kann die Vererbung an die Nachkommen weitergegeben werden. Sie betreffen die sogenannten Keimzellen, also die Eizellen und die Spermien.

Eine somatische Mutation kommt in den übrigen Zellen des Körpers vor. Sie haben Auswirkungen für den Menschen, in dem sie stattfinden, werden aber nicht an den Nachkommen vererbt.

Was versteht man unter einem Gentest?

Ein Gentest klärt, ob Sie Trägerin oder Träger einer Veranlagung sind oder nicht.

Was das Prostatakarzinom betrifft, gibt es Gene, wenn diese verändert oder mutiert sind, hat man ein erhöhtes Risiko, an einem Prostatakarzinom zu erkranken.

Und hier kommt der Gentest zum Tragen, indem durch eine einfache Blutprobe Zellen im Blut untersucht werden, ob Sie diese Genmutation tragen.

Was ist der Unterschied zwischen genetischer und genomischer Untersuchung?

Jetzt wird es kompliziert. Aber Genetik und Genomik klingen nicht nur gleich, sondern diese Begriffe sind miteinander verwandt.

  • Genetik ist die Untersuchung von Merkmalen, die vererbt werden, wie zum Beispiel die Augenfarbe.
  • Und Genomik ist die Untersuchung der Aktivität der Gene, einschließlich ihrer Funktion bei Erkrankungen.

Wann wird in Verbindung mit Prostatakrebs ein Gentest durchgeführt?

In Verbindung mit einem Prostatakarzinom kann ein Gentest in verschiedenen Situationen empfohlen werden.

Dazu gibt es mehrere Richtlinien. Noch gibt es keine Einigung, bei welchen Patienten ein Gentest durchführt werden soll.

Aber es sind sich alle einig, dass jeder Patient, der ein Prostatakarzinom hat und Metastasen, einen Gentest durchführen sollte.

Aber auch Patienten mit einem lokalisierten Prostatakarzinom und Risikofaktoren, dass dieses Karzinom sich ausbreitet, sollten mit einem Facharzt über einen Gentest sprechen.

Wir empfehlen auch eine Gen-Testung, wenn zumindest ein Verwandter ersten Grades, der Vater, der Bruder, an einem Prostatakarzinom erkrankt bzw. verstorben ist bzw. das Prostatakarzinom in einem sehr jungen Alter diagnostiziert worden ist.

Welche Arten von Gentests gibt es?

Es gibt zwei Arten von Gentests, die im Zusammenhang mit einem Prostatakarzinom von Relevanz sind.

  • Das eine ist der Bluttest, und bei diesem Bluttest werden aus den schwimmenden Zellen im Blut die Gene untersucht, ob eine Mutation vorliegt, die ein Risikofaktor dafür ist, ein Prostatakarzinom zu bekommen. Das ist der sogenannte Keimbahntest.
  • Und das zweite Szenario ist, dass man aus dem Tumorgewebe die Gene untersucht, die eine Aussage über die biologische Aggressivität des Tumors machen können.

Das heißt, es gibt zwei Möglichkeiten: einen Bluttest und einen Gewebstest.

Bei einem Gewebstest ist wichtig, dass wenn man eine Veränderung bzw. eine Mutation eines Gens verifizieren kann, und zwar des Brustkrebs-Gens, heißt BRCA-1 oder -2, dann hat das für Patienten mit einem metastasierten Prostatakarzinom auch eine therapeutische Konsequenz. Das heißt: Es gibt eine Therapie für diese Patienten. Eine Therapie, eine Tablette, die das Leben verlängern kann.

Gibt es vergleichbare Gentests bei anderen Krebserkrankungen?

Veränderungen im Reparatur-Gen BRCA-1 oder -2 spielen auch beim Brustkrebs und beim Eierstockkrebs eine Rolle.

Und hier kommen vergleichbare Tests, wie es sie beim Prostatakarzinom gibt, zum Tragen.

Was ist ein PCA3-Gentest?

Im Gegensatz zum Gentest, der Mutationen in den Reparatur-Genen BRCA-1 oder -2 nachweist, gibt es auch einen diagnostischen Test für das Prostatakarzinom, ein Test, der hilft, den Verdacht auf ein Prostatakarzinom zu erhärten.

Dieser PCA3-Test beruht darauf, dass in Prostata-Krebszellen PCA3 bis zu 100-fach erhöht ist im Vergleich zu normalen Prostatazellen. Und das kann im Harn mit einer molekular-genetischen Testung nachgewiesen werden.

Hier geht es zum Video-Interview: „Gentests und Prostatakrebs”

Genveränderungen bei Prostatakrebs

Welche Genveränderungen begünstigen Prostatakrebs?

Es sind meistens Gen-Veränderungen, die in der Reparatur von Ablesefehlern der Erbinformation eine Rolle spielen, z.B. BRCA-1 oder BRCA-2. BRCA kommt von Breast Cancer.

Es gibt auch andere Gen-Veränderungen, die bei der Entstehung des Prostatakarzinom seine Rolle spielen. Insgesamt kann man sagen, dass von den Patienten, die metastasiert sind, ungefähr 10 Prozent Mutationen von diesen Genen haben.

Was sind DNA-Reparatur-Gene (HRR) und welche Bedeutung haben sie bei Prostatakrebs?

Erbinformation ist in jeder Zelle im Zellkern gespeichert. Und wenn sich Zellen teilen, muss diese Erbinformation kopiert werden. Bei diesem Kopiervorgang kann es zur Ablesefehlern kommen. Diese Ablesefehler werden korrigiert durch so genannte Reparatur-Gene. Wenn diese Reparatur-Gene mutiert sind, dann funktionieren sie nicht mehr, und es entstehen mehr Mutationen, die schlussendlich zu Krebs führen können.

Ist eine einzige Genveränderung der Grund für eine Krebserkrankung?

Eine einzige Mutation löst in der Regel keinen Krebs aus. Es müssen mehrere Mutationen zusammenkommen, damit eine Zelle unkontrolliert zu wachsen beginnt, also bösartig wird.

Mit dem Alter kommt es zu immer mehr Mutationen, sodass schließlich auch das Risiko für eine Krebsentstehung steigt.

Ein typisches Beispiel ist das Prostatakarzinom, das vor allem im höheren Alter auftritt.

Was ist BRCA?

BRCA steht für Breast Cancer. Und das BRCA-Gen ist das Breast Cancer-Gen, steht also für Brustkrebs-Gen übersetzt.

BRCA spielt eine wichtige Rolle in der Reparatur von Zellschäden. Sie sind also daran beteiligt, Krebs zu verhindern.

Welche Bedeutung hat BRCA bei Prostatakrebs?

Jeder sechste Mann erkrankt während seines Lebens an Prostatakrebs.

Trägt der Mann aber eine Mutation im BRCA-2-Gen, hat er ein Risiko von 40 Prozent, während seines Lebens ein Prostatakarzinom zu entwickeln.

Diese Karzinome werden bei diesen Männern früher diagnostiziert. Prostatakrebs ist auch dann weiter fortgeschritten, öfters metastasiert und spricht auch schlechter auf Therapien an, sodass insgesamt die Lebenserwartung bei Patienten mit einem Prostatakarzinom, welche eine Mutation im BRCA-2-Gen haben, deutlich reduziert ist.

Wie beeinflusst der Nachweis der BRCA-Mutation die Therapieentscheidung?

Weise ich im Tumorgewebe eine Mutation im BRCA-2-Gen nach, so habe ich die Möglichkeit, eine neue Therapie zu verabreichen, die das Leben für Patienten mit fortgeschrittenem Prostatakarzinom verlängert. Das kann Gewebe aus einer primären Prostata-Gewebeprobe sein, das kann eine Gewebeprobe aus Tochtergeschwülsten, also aus Metastasen sein.

Wie häufig sind BRCA-Mutationen bei Prostastakrebs?

Bei Männern, die vor dem 65. Lebensjahr an einem Prostatakarzinom versterben, sind ungefähr 10 Prozent Träger von Genmutation im BRCA-1- oder -2-Gen.

Welche DNA-Reparatur-Gene sind (neben BRCA) bei Prostatakrebs noch häufig verändert?

Es gibt noch andere Gene, die für die Reparatur von Zellschäden verantwortlich sind, die beim Prostatakarzinom mutiert sein können.

Leider wissen wir noch viel zu wenig über diese Mutationen in diesen Genen. Und daher können wir hier daraus noch keine therapeutischen Konsequenzen ziehen.

Was ist das Lynch-Syndrom?

Das Lynch-Syndrom ist ein erbliches Tumor-Syndrom, bei der das Risiko für eine Reihe von Tumorerkrankungen erhöht ist, Darmkrebs z.B. oder eine spezielle Art von Nierenkrebs. Und auch dieses Syndrom beruht auf einer Mutation in Reparatur-Genen.

Welche anderen Faktoren spielen bei der Entstehung einer Krebserkrankung einer Rolle?

Die Entstehung des Prostatakarzinoms ist ein Geschehen, das von vielen Faktoren abhängig ist:

  • In ungefähr 10 Prozent der Fälle, spielen genetische Faktoren eine Rolle.
  • Die Ethnie. Afroamerikaner haben ein erhöhtes Risiko, ein aggressiveres Prostatakarzinom zu entwickeln.
  • Umweltfaktoren spielen eine Rolle.
  • Es spielt eine Rolle, ob man eine Geschlechtskrankheiten gehabt hat.
  • Oder z.B. auch Männer, die eine Glatzenbildungen haben, haben ein erhöhtes Risiko, ein Prostatakarzinom zu entwickeln.

Was Umweltfaktoren betrifft, gibt es eine sehr interessante Studie, die gezeigt hat: Wenn Japaner, die sonst ein geringeres Risiko haben, ein Prostatakarzinom zu entwickeln, nach Kalifornien ziehen, dort nach kurzer Zeit dasselbe Risiko haben, ein Prostatakarzinom zu entwickeln wie die Einwohner von Kalifornien. Und hier ist das Risiko deutlich erhöht gegenüber Japan. Das hängt wahrscheinlich mit der Ernährung zusammen.

Hier geht es zum Video-Interview: „Genveränderungen bei Prostatakrebs”

Wer sollte sich testen lassen?

Wer sollte sich in einer Familie als Erstes testen lassen?

Falls eine Genanalyse bei einer betroffenen, also erkrankten Person nicht möglich ist, dann kommt die primäre Analyse eines gesunden Verwandten dann in Betracht, wenn er erstgradig verwandt ist und wenn der Erkrankte die Diagnose eines Prostatakarzinoms in einem sehr jungen Alter erhalten hat oder bei der Diagnosestellung einen weit fortgeschrittenen Prostatakrebs aufweist.

Wann besteht ein familiäres Risiko für Prostatakrebs?

Ungefähr 10 Prozent aller Männer mit Prostatakrebs haben ein sogenanntes familiäres vererbbares Prostatakrebsgeschehen.

Das ist klassischerweise definiert mit drei oder mehr Verwandten ersten Grades, die ein Prostatakarzinom haben, oder zwei Verwandte, die ein Prostata-Karzinom haben, das in sehr jungem Alter mit einem alter jünger als 55 diagnostiziert worden ist.

Mittlerweile sieht man das etwas breiter. Das heißt: Wenn ein Verwandter ersten Grades, ein Bruder, ein Vater mit einem Prostatakarzinom diagnostiziert worden ist, dann sollte man an ein familiäres Prostatakrebsgeschehen denken.

In welchem Alter ist ein Gentest sinnvoll?

Hat einer Ihrer Verwandten ein Prostatakarzinom und eine Mutation im BRCA-Gen, dann sollte man mit der Vorsorgeuntersuchung mit 40 Jahren beginnen.

Warum werden die Gene eines Prostatatumors untersucht?

Die Gene eines Prostatakarzinoms werden untersucht, um Mutationen in den Reparatur-Genen, und zwar in BRCA-1 oder -2 nachweisen zu können, weil es für diese Patienten eine neue Therapie gibt, die im metastasierten Stadium das Leben verlängert.

Wird bei einer Untersuchung des Tumorgewebes immer nach Genveränderungen gesucht?

Die Gewinnung von Tumor- bzw. Metastasengewebe, also Gewebe aus Tochtergeschwülsten ist aus zwei Gründen wichtig:

  • Erstens kann ich unter dem Mikroskop den Tumor beurteilen, wie aggressiv er ist,
  • und zweitens kann ich aus diesem gewonnenen Gewebe Mutationen in den Genen feststellen, die für die Reparatur von Zellschäden wichtig sind und damit auch für den Patienten wichtig, weil diese Patienten eine aggressivere Verlaufsform ihrer Krankheit aufweisen.

Warum wird der Tumor manchmal im Verlauf der Erkrankung mehrmals untersucht?

Weil der Tumor während der Therapie Mutationen in relevanten Genen entwickeln kann. Und dann, wenn diese Mutationen Reparatur-Gene und insbesondere BRCA-1 oder -2 betreffen, auch eine entsprechende Therapie zur Verfügung steht.

Welche Ergebnisse können bei der genetischen Untersuchung des Tumorgewebes herauskommen?

Bei einer genetischen Untersuchung des Tumorgewebes kann eine Mutation in einem der Reparatur-Gene aufgedeckt werden. Und sollte das BRCA-1 oder BRCA-2 betreffen, dann steht hier eine medikamentöse Therapie zur Verfügung.

Es kann aber auch im betroffenen Gewebe keine Mutation nachgewiesen werden.

Wann wird ein Gentest zur Risikobestimmung eingesetzt?

Ein Gentest zur Risikobestimmung soll dann eingesetzt werden, wenn ich ein familiäres Risiko für ein Prostatakarzinom habe, d.h. Verwandte ersten Grades haben ein Prostatakarzinom diagnostiziert bekommen.

Meistens ist es wichtig, dass das in einem jüngeren Alter diagnostiziert wurde oder dass mehrere Verwandte an einem Prostatakarzinom erkrankt oder verstorben sind.

Auch wichtig in der Familienanamnese: Sind Frauen mit Eierstockkrebs oder mit Brustkrebs? Auch hier empfehlen wir eine Gentestung beim Mann.

Was ist der Unterschied zu der Testung bei bestehender Erkrankung?

Bei bestehender Erkrankung, also wenn ich an einem Prostatakarzinom leide, dient die Gentestung dazu, eine Mutation in den Reparatur-Genen nachzuweisen, weil ich dann im metastasierten Stadium eine Therapie zur Verfügung habe.

Auch zeigt mir die Testung, wenn sie positiv auf diese Genmutationen ausfällt, etwas über die Prognose der Erkrankung.

Und auch dass man diese Patienten wesentlich engmaschiger während der Therapie nachsorgen muss, weil sie schlechter auf verschiedene Therapien ansprechen als Patienten, die diese Mutation nicht tragen.

Welche Ergebnisse können bei der genetischen Untersuchung des Blutes herauskommen?

Bei der genetischen Untersuchung des Blutes kann herauskommen, dass man eine Mutation in einem Reparatur-Gen aufweist. Und das kann eben z.B. BRCA-1 oder BRCA-2 betreffen, also das Brustkrebs-Gen 1 oder 2.

Wenn das nachgewiesen wird, hat man ein erhöhtes Krankheitsrisiko für Prostatakrebs.

Ist man jünger als 55 Jahre, weist man mit dieser Genmutation ein viereinhalbfach erhöhtes Risiko auf, ein Prostatakarzinom zu entwickeln.

Hier geht es zum Video-Interview: „Wer sollte sich testen lassen?”

Genetische Beratung

Was ist eine genetische Beratung?

Vor einem Gentest ist eine genetische Beratung sinnvoll und vor vielen Gentests muss sie gesetzlich verpflichtend durchgeführt werden.

Das erfolgt zumeist an einem Prostatakrebs-Zentrum bzw. durch einen entsprechenden Facharzt mit spezifischer Ausbildung.

Die zu untersuchende Person muss dabei über die Tragweite und die Aussagekraft der genetischen Analyse in verständliche Art und Weise aufgeklärt werden. Dazu gehört:

  • Was ist die persönliche Fragestellung des zu Untersuchenden?
  • Was ist das Behandlungsziel?
  • Was ist die persönliche und familiäre Geschichte?
  • Welche Fehlerquellen gibt es bei der Testung?

Das sind alles ganz wichtige Punkte, die man in Ruhe mit dem Patienten besprechen soll.

Und die Entscheidung zu einem Test sollte erst nach einer Bedenkzeit erfolgen.

Warum und wann wird eine genetische Beratung empfohlen?

Vor jedem Gentest ist eine genetische Beratung sinnvoll und bei vielen Gentests ist sie sogar gesetzlich verpflichtend. Und auch das Ergebnis muss mit dem Untersuchten besprochen werden. Und der hat auch das Recht auf einen schriftlichen Bericht.

Die genetische Beratung ist eines der zentralen Themen, was die Vererbbarkeit von Prostatakarzinom betrifft. Und in vielen Fällen ist auch eine psychologische Betreuung, die selbstverständlich an Prostatakrebs-Zentren angeboten wird, notwendig, um mit dem Resultat einer solchen Gen-Testung auch zurechtzukommen.

Wer führt eine genetische Beratung durch?

Eine genetische Beratung wird durch eine sogenannte genetische Fachkraft durchgeführt. Meistens ist es ein Facharzt mit einer speziellen genetischen Ausbildung.

Wohin kann ich mich wenden, wenn ich einen Gentest machen lassen möchte?

Einen Gentest kann ich in allen behördlich dafür zugelassenen Zentren durchführen lassen. Und das sind in Österreich alle Prostatakrebs-Zentren, von denen es sehr viele gibt, die dafür entsprechend ausgebildet sind.

Unter welchen Bedingungen ist ein Gentest in Österreich erlaubt?

Eine genetische Untersuchung darf nur nach ausdrücklicher schriftlicher Zustimmung des Betroffenen erfolgen. Das heißt: Eine Aufklärung zuvor ist gesetzlich verpflichtend.

Zwischen dem Gespräch und der Untersuchung empfehlen wir immer eine angemessene Bedenkzeit, auch um mit den Familienmitgliedern über die Situation zu besprechen.

Warum sind genetische Informationen sensible Daten und wie werden sie geschützt?

Alle Informationen über genetische Testungen dürfen weder durch Arbeitgeber oder Versicherungen abberufen werden. Das heißt: Es existiert eine sogenannte Gen-Privatsphäre. Und das ist gesetzlich vorgeschrieben.

Welche Fragen kann ich bei einer genetischen Beratung stellen?

Fragen, die bei einer genetischen Beratung oft gestellt werden, sind vor einer genetischen Testung, wie hoch das Risiko besteht, wenn ich positiv für diese Mutation getestet werde, ein Prostatakarzinom zu entwickeln.

Fragen, die auch oft gestellt werden, sind Fragen, wie hoch das Risiko meiner Verwandten ist bzw. wie hoch die Rate der Vererbung ist, wenn ich eine solche Genmutation trage.

Weitere Fragen stellen sich zur Vorsorgeuntersuchung: Welche Untersuchungen muss ich machen, wenn ich diese Genmutation trage, und wann soll ich damit beginnen?

Welche Fragen werden mir bei einer genetischen Beratung gestellt und warum?

Im Rahmen einer genetischen Beratung ist es wichtig, eine exakte Krankheitsgeschichte der Verwandten durchzuführen, d.h. einen sogenannten Stammbaum aufzuzeichnen.

Und diesbezüglich ist es wichtig, dass die Patienten für dieses Gespräch gut vorbereitet in unserer Sprechstunde erscheinen.

Es ist auch ganz wichtig, vorher abzuklären, ob der zu Untersuchende sein Risiko für ein Prostatakarzinom wissen will und sich auch schon vorab damit zu beschäftigen, welche Strategien ich für mich entwickele, um mit dieser sehr schwierigen Situation in Zukunft zurechtzufinden und nicht vor einer ständigen Drucksituation zu stehen.

Kann man sich auch noch nach der genetischen Beratung gegen einen Test entscheiden?

Man kann sich auch nach der genetischen Beratung gegen einen Test entscheiden. Man hat auch ein Recht auf Nichtwissen.

Hier geht es zum Video-Interview: „Genetische Beratung”

Die nächsten Schritte

Welche Vor- und Nachteile bringt es mir, mein Krankheitsrisiko besser zu kennen?

Es ist meiner Meinung nach ganz wichtig, sein Krankheitsrisiko für ein Prostatakarzinom zu kennen, weil dann eine frühere und gezieltere Vorsorgeuntersuchung durchgeführt werden kann.

Wenn man Prostatakrebs rechtzeitig aufdeckt, dann bestehen große Heilungschancen. Und diese sollte man unbedingt nützen.

Aus meiner Sicht überwiegen eindeutig die Vorteile, sein Krankheitsrisiko zu kennen. Aber natürlich hat jeder auch das Recht auf Nichtwissen.

Welche Fragen sollte ich mir vor dem Gentest stellen?

Vor einem Gentest sollte ich mir die Frage stellen, ob, wenn ich diese Mutation trage, die ein erhöhtes Prostata-Risiko aufweist, ich auch entsprechend mit der Drucksituation zurechtkomme.

Und man sollte das auch mit seinen Familienmitgliedern besprechen, weil die ja unter Umständen auch betroffen sein können.

Soll ich mit meiner Familie darüber reden?

Vor einer genetischen Testung ist es meiner Meinung nach wichtig, auch mit den Familienmitgliedern über diese spezifische Situation zu reden und etwaige Szenarien durchzugehen.

Sollte dabei Hilfe aus psychologischer Sicht erforderlich sein, stellen wir die gerne zur Verfügung.

Wann wird ein Gentest von der Krankenkasse bezahlt?

Wenn bestimmte Verdachtskriterien erfüllt sind, also z.B. ein Verwandter ersten Grades mit einem Prostatakarzinom, werden die Kosten selbstverständlich von allen Sozialversicherungen in Österreich übernommen.

Wann wird eine genetische Beratung von der Krankenkasse bezahlt?

Die Kosten für eine genetische Beratung sowohl vor als auch nach einem Test werden selbstverständlich von den Krankenkassen gedeckt.

Sind im Internet angebotene Tests eine gute Alternative?

Ich möchte davor warnen, im Internet angebotene Gentests durchführen zu lassen.

Hier bitte wenden Sie sich an Ihren behandelnden Facharzt, der Sie zu einem Prostatakrebs-Zentrum verweist, die diese Untersuchungen sicher und mit einer entsprechenden genetischen Beratung durchführen lassen.

Kann das Testergebnis meinen Versicherungsstatus beeinträchtigen?

Das Testergebnis kann auf keinen Fall meinen Versicherungsstatus beeinflussen. Diesbezüglich werden diese Informationen nicht von einer Versicherung abrufbar sein laut Gen-Gesetz.

Wie läuft der Gentest ab?

Für einen Gentest wird normalerweise eine einfache Blutprobe benötigt. Aus den im Blut schwimmenden Zellen wird dann das Erbgut isoliert und mit einem sehr genauen und relativ raschen Verfahren die Abfolge der Buchstaben abgelesen, aus denen die Gene aufgebaut sind. Und durch den Vergleich der Buchstabenfolge lassen sich dann Veränderungen in den Genen erkennen.

Diese Analysen übernimmt ein entsprechend ausgerüstetes Labor. Und die Dauer für die Analyse ist ungefähr zwei bis drei Wochen.

Welche Proben sind für Keimbahn- bzw. Tumortestung notwendig?

  • Für die Keimbahntestung ist eine Blutprobe erforderlich.
  • Für die Tumorgewebstestung kann jedes Tumorgewebe, das entweder schon entnommen wurde oder das entnommen wird, verwendet werden. Das heißt, das kann eine Gewebeprobe aus der Prostata bei der Diagnosestellung eines Prostatakarzinoms sein. Das kann aber auch Gewebe aus einer frischen Biopsie, die man aus einer Tochtergeschwulst entnimmt, sein.

Wo werden die Proben entnommen und muss ich dafür nüchtern sein oder etwas beachten?

Die Blutproben für die Keimbahntestung werden an ein entsprechendes Labor verschickt und können von jedem Facharzt an jedem Zentrum abgenommen werden.

Für die Gewinnung von Tumorproben kann ich entweder archiviertes Gewebe aus früheren Biopsien verwenden oder eine frische Biopsie aus dem Tumorgewebe entnehmen lassen. Das erfolgt dann natürlich auch in einem dazu spezialisierten Prostatakrebs-Zentrum.

Vor der Blutprobe brauchen Sie nicht nüchtern sein.

Wie lange dauert es bis zum Ergebnis?

Bis zum Einlangen eines Ergebnisses eines Gentests vergehen zirka zwei bis drei Wochen.

Hier geht es zum Video-Interview: „Die nächsten Schritte”

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Geprüft Univ.-Prof. Dr. Gero Kramer: Stand Juli 2021 | AT-4995 | Quellen und Bildnachweis

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