3. Bedeutung eines positiven Keimbahntests

Auswirkungen eines positiven Keimbahntests

Ein Keimbahntest wird bei gesunden Personen gemacht, um das eigene Krebsrisiko besser einschätzen zu können. Er kann aber auch bei KrebspatientInnen gemacht werden.

Wenn Sie in der genetischen Beratung mitgeteilt bekommen, dass Ihr Keimbahn-Test positiv ist, bedeutet das, dass eine relevante Veränderung in einem bestimmten Gen gefunden wurde.

Welche Bedeutung und Folgen hat das positive Testergebnis?

  • Das Risiko für bestimmte Tumorerkrankungen ist erhöht. Das heißt aber keineswegs, dass Sie sicher Krebs bekommen!
  • Für welchen Krebs Ihr Risiko wie sehr erhöht ist, erfahren Sie in der genetischen Beratung. Die folgenden Zahlen sind dagegen nur eine allgemeine Angabe.
    • Das Prostatakrebs-Risiko ist für BRCA-2- und HOXB13-Mutationen etwa 40%, für BRCA-1 etwa 30%. Es hängt auch von anderen Faktoren ab z.B. wann in der Familie Krebs auftrat.
    • Auch das Risiko für andere Tumorerkrankungen z.B. Brustkrebs, Hautkrebs, Darmkrebs oder Bauchspeicheldrüsenkrebs ist häufig erhöht.
    • Bei Frauen ist das Brust- und Eierstockkrebs-Risiko z.B. bei BRCA-Veränderungen erhöht.
  • Bei erhöhtem Krebsrisiko wird eine Anpassung der Vorsorgemaßnahmen empfohlen.
  • Viele Patienten mit positivem Gentest bekommen nie Krebs. Bei anderen wird der Krebs durch die angepasste Vorsorge oft so früh entdeckt, dass er gut behandelbar ist.
  • Auch spezifische Schutzmaßnahmen und Anpassungen des Lebensstils, z.B. Nicht-Rauchen oder Sonnenschutz gegen Hautkrebs, sind sinnvoll.
  • Das Krebsrisiko kann vererbt werden. Darauf gehen wir im nächsten Kapitel ein.

Wie können Sie Ihr Risiko für Prostatakrebs senken?

Egal ob Ihr Test positiv oder negativ ist, ein gesunder Lebensstil ist immer sinnvoll. Für viele Lebensstilfaktoren gibt es gute Hinweise, dass sie das Prostatakrebs-Risiko beeinflussen, auch wenn es nicht für alle bewiesen ist. Im Folgenden finden Sie Ratschläge, wie Sie sich vor vielen Krankheiten schützen und die Wahrscheinlichkeit des Auftretens von Prostatakrebs verringern können. Achten Sie auf:

  • Ausgewogene Ernährung (z.B. mediterrane Kost) und Normalgewicht
  • Regelmäßige Bewegung und Sport
  • Ausreichend Schlaf
  • Nicht-Rauchen
  • Schutz vor Geschlechtskrankheiten, z.B. durch Verwendung von Kondomen

Außerdem sollten Sie die medizinische Präventions- und Vorsorgeangebote, z.B. Krebs-Screening, in Anspruch nehmen.

Häufigkeit des Prostatakrebs

Prostatakrebs ist der häufigste Krebs bei Männern. Bei 15% der Männer wird im Lauf des Lebens Prostatakrebs gefunden. Erblich sind davon circa 10%.

Vererbung des Prostatakrebs-Risikos

Das positive Ergebnis des Keimbahn-Gentest betrifft nicht nur einen selbst. Das Risiko ist nicht ansteckend wie eine Infektionserkrankung, aber die Risiko-Gene können vererbt werden.

Autosomal-dominante Vererbung

Die Vererbung von Krebs-Risiko-Genen erfolgt fast immer autosomal dominant. Was bedeutet das?

  • Der Begriff „autosomal“ bezieht sich auf alle Chromosomen (Speicherort der Erbinformation), die nicht die Geschlechtschromosomen sind. Diese sind also bei Mann und Frau gleich und immer doppelt vorhanden.
  • Wenn genau ein Gen verändert ist, gibt es immer noch ein zweites normales Gen.
  • Wenn Sie ein verändertes Gen haben, können Sie entweder das normale oder das veränderte Gen vererben. Die Wahrscheinlichkeit ist 50% zu 50%. Sie können nicht beeinflussen, welches Gen sie weitergeben.
  • Der Begriff „dominant“ heißt, dass das Krebsrisiko erhöht ist, wenn man ein verändertes Gen hat, obwohl das zweite Gen normal ist.
  • Weil aber noch ein zweites, normales Gen vorhanden ist, bekommt man nicht sicher Krebs.
  • Das heißt: Die Wahrscheinlichkeit, dass erstgradige Verwandte eines positiv Getesteten auch das Risiko-Gen haben, ist 50%.
  • Frauen können die Gene auch erben. Bei ihnen ist dann das Brust- und Eierstockkrebsrisiko erhöht und sie können die Mutation ebenfalls an ihre Nachkommen weitergeben.
  • Um zu wissen, ob die Angehörigen das Gen geerbt haben, müssen diese einen Gentest machen.

Verwandtschaftsgrade

Erstgradige Verwandte sind leibliche Kinder, Eltern und Geschwister. Sie erben das Gen mit 50% Wahrscheinlichkeit.
Zweitgradige Verwandte sind Enkel, Neffen/Nichten. Hier ist die Wahrscheinlichkeit das Gen geerbt zu haben 25 %.

Vorsorge nach einem positiven Gentest

Krebs-Screening dient dazu, Krebserkrankungen zu erkennen, bevor sie Beschwerden verursachen. Dadurch sind sie meist besser behandelbar und können häufiger geheilt werden. Die Vorsorgeuntersuchungen bieten meist mehr als nur das Krebs-Screening, beispielsweise eine Lebensstilberatung.

Empfohlene Vorsorgeuntersuchungen

Alle empfohlenen Vorsorgeuntersuchungen werden von den Krankenkassen gezahlt. Unabhängig von festen Screening-Programmen sollte man jedoch immer bei Beschwerden seine ÄrztInnen aufsuchen.

  • In Österreich wird jedem Erwachsenen einmal im Jahr die „Vorsorgeuntersuchung“ (ehemalig: „Gesundenuntersuchung“) angeboten. Diese dient sowohl zur Gesundheitsberatung als auch zur Früherkennung vieler Krankheiten.
  • Hautkrebs: Unabhängig von der jährlichen Untersuchung sollte man auffällige Hautveränderungen zeitnah der Hausärztin/dem Hausarzt oder DermatologInnen (HautärztInnen) zeigen.
  • Darmkrebs-Vorsorge: ab 50 Jahren Stuhluntersuchung und Darmspiegelung
  • Für Männer: ab 50 Jahren urologische Beratung und Untersuchung, ggf. mit PSA-Test.
  • Für Frauen: ab 18 Jahren gynäkologische Untersuchungen; Selbst-Untersuchung der Brust; Mammographien (derzeit in Österreich im Rahmen eines Screening-Programms zwischen 45 und 69 Jahren)
  • Ebenfalls kann z.B. eine Ultraschall-Untersuchung des Bauchs sinnvoll sein.

Manche Vorsorgeuntersuchungen werden bei Senioren nicht mehr empfohlen, weil der Krebs evtl. zur Lebenszeit keine Probleme verursachen würde, die frühe Erkennung aber psychisch belastet.

Empfehlungen zur Vorsorge

Jedes Land hat andere Empfehlungen zur Vorsorge und andere Programme, die von der Gesundheitskasse bezahlt werden.
Informieren Sie sich bei den lokalen Krebshilfe-Organisationen.

Anpassung der Vorsorge bei positivem Gentest

Ein positiver Keimbahntest geht mit einem erhöhten Krebsrisiko einher und hat damit natürlich auch Auswirkungen auf die Krebs-Vorsorge. In den Downloads weiter unten auf dieser Seite finden Sie eine Übersicht welche Vorsorgeuntersuchungen wann empfohlen werden. Sie können die Tabelle ausdrucken und durch Ihre persönlichen Notizen ergänzen.

Frühere Vorsorge

Bei familiärer Belastung sollte die erste Vorsorge früher stattfinden, meist 10 Jahre bevor man das Alter erreicht hat, in dem das jüngste betroffene Familienmitglied erkrankt ist.
Beispiel: Ihr Bruder ist mit 45 Jahren an Prostatakrebs erkrankt. Sie sollten bereits ab 35 Jahren zur Prostata-Vorsorge gehen.

Es sollte jedenfalls spätestens 5 Jahre vor Beginn der regulären Vorsorge begonnen werden.
Beispiel: Ihr Vater ist mit 70 (50 oder mehr) Jahren an Prostatakrebs erkrankt. Sie sollten 5 Jahre früher als üblich zur Vorsorge gehen, also ab ca. 45 Jahren.

Weitere Maßnahmen

Bei positivem Gentest sollten auch Männer gelegentlich ihre Brust abtasten.

In Abhängigkeit von Ihrem individuellen Risiko kann eine weitere Intensivierung der Vorsorge angebracht sein. Dazu werden Sie bei der genetischen Beratung oder von Ihren behandelnden ÄrztInnen informiert.

Eine vorsorgliche Entfernung der Prostata wird auch bei positivem Gentest normalerweise nicht empfohlen. Dies wird im Verhältnis zum Risiko als zu großer Eingriff gesehen.

Darüber hinaus kann man sich in gewissem Maße vor Krebs schützen, z.B. durch Sonnenschutz vor Hautkrebs. Ein gesunder Lebensstil ist immer empfehlenswert.

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Geprüft Univ.-Prof. Dr. Thomas Bauernhofer: Stand Juli 2021 | AT-4996 | Quellen und Bildnachweis

Die Kurse sind kein Ersatz für das persönliche Gespräch mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt, sondern ein Beitrag dazu, PatientInnen und Angehörige zu stärken und die Arzt-Patienten-Kommunikation zu erleichtern.