Ausmalen als Therapie

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Das Ausmalen von Malbüchern für Erwachsene ist so beliebt wie nie zuvor. Das hat einen guten Grund, denn Ausmalen entspannt und wirkt gegen Stress. Dass die Methode auch eine therapeutische Wirkung hat, bestätigen verschiedene Ärzte. Im Folgenden lesen Sie, wie Ausmalen auf Körper und Geist wirkt und warum diese Praxis auch in der Onkologie Anwendung findet.

Mit Stress umgehen

Negativer Stress entsteht immer dann, wenn wir das Gefühl haben, einer Situation nicht gewachsen zu sein. Ausmalen setzt genau da an: Durch die klaren Vorgaben in den Bildern, fühlt man sich der Situation stets gewachsen. Der Patient muss keine Kreativleistung vollbringen und kann sich in der Farbgebung dennoch ausleben. So wird beim Ausmalen das Gefühl der Sicherheit gestärkt.

Ausmalen hat in der Therapie deshalb in einigen Bereichen schon lange einen hohen Stellenwert. Demenzkranke oder Menschen mit neurologischen Krankheiten können mit Ausmalen ihre psychomotorische Koordination und die räumliche Orientierung verbessern. So weist etwa eine mit Rentnern durchgeführte Versuchsreihe darauf hin, dass sich Malen und Zeichnen bis ins hohe Alter positiv auf die Leistungsfähigkeit des Gehirns auswirkt. Das gezielte Führen der Stifte und das Färben des Papiers führt laut Experten zu einer Verbesserung der Konzentrationsfähigkeit und aktiviert den präfrontalen Cortex, ein Teil des Gehirns, der erheblich Einfluss darauf hat, wie wir handeln, denken und fühlen.

Entspannung für Geist und Körper

Warum Ausmalen eine entspannende Wirkung hat, erklärt zum Beispiel Psychologe Alfred Gebert von der Fachhochschule des Bundes in Münster: „Die Form ist vorgegeben. Man muss ihr nur folgen. Die Verbindungen zwischen den Gehirnzellen können dabei weitestgehend ruhen.“ Beim Ausmalen blenden wir die Außenwelt aus und können uns ganz auf unser Tun fokussieren. Dabei sinken Atem- und Herzfrequenz deutlich – ein klarer Ausdruck der Entspannung. Schon der Psychoanalytiker Carl Gustav Jung übte sich in der Kunst des Ausmalens. Für ihn hatten die Bilder eine heilende Wirkung auf seine Seele.

Ausmalen als Therapie – auch in der Onkologie

In der Onkologie wird Ausmalen in der Therapie eingesetzt. Denn Ausmalen „kann dabei helfen, negative Bewertungen umzudeuten, Ängste zu reduzieren, Vertrauen in den eigenen Körper zu finden und die chronische Müdigkeit – eine häufige Folge von Tumorbehandlungen – zu verbessern“, erklärt etwa Univ.-Professor Alexander Gaiger vom Lebens.Med Zentrum Bad Erlach. So sei das kreative Tun ein wesentlicher Faktor für die Therapie bei posttraumatischen Belastungen. „Onkologische Rehabilitation und die dabei eingesetzten kreativen Therapien ermöglichen wahrzunehmen, was geht und den Rahmen unseres Denkens von Krankheit in Richtung Gesundheit zu verschieben“, so Gaiger.

Wie es funktioniert

Ausmalen kann jeder, und zwar zu jeder Zeit an jedem Ort. Denn alles, was Sie dafür brauchen, sind Vorlagen und ein paar Stifte. Ob Sie Bunt- oder Filzstifte, Aquarell, Kreide oder Ölfarben bevorzugen, ist ganz Ihnen überlassen. Es gibt zahlreiche Ausmalbücher im (Online-)Handel, die weniger als zehn Euro kosten. Auch können Sie online nach kostenlosen Vorlagen suchen, die es auf zahlreichen Seiten zum Download gibt.

Autorin: Dr. med. Iris Herscovici

Bildnachweis: Allexxandar | Bigstock

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