Der Schlüssel zum Therapieerfolg

Schlüssel zum TherapieerfolgEine Studie zur Patientenadhärenz der Myelom- und Lymphomhilfe Österreich liefert wichtige Ergebnisse über den Umgang mit einer Krebserkrankung. Dabei sind Wissen, Akzeptanz und aktive Mitarbeit wichtige Erfolgsfaktoren.

Patientenadhärenz ist eine wichtige Voraussetzung für den Erfolg jeder Therapie. Die Patienten und Patientinnen können schließlich selbst viel zur Heilung beitragen. Wichtig sind die innere Bereitschaft des Einzelnen, aktiv mitzuwirken. Dazu braucht es Vertrauen in die Therapie und das behandelnde Team sowie ein Grundverständnis über die Krankheit und das therapeutische Prozedere. Verschiedene Begrifflichkeiten, wie Therapietreue oder Patientencompliance, stehen (fast) synonym für den neuen Adhärenzbegriff und somit für die Mitarbeit mit den mit dem Therapeuten/Medizinern vereinbarten Empfehlungen und Anweisungen. .

Die Myelom- und Lymphomhilfe hat unter Mitwirkung von Dr. Adalbert Weißmann, Onkologe, in einer Umfrage erhoben, wie es bei deutschsprachigen Myelom- und Lymphompatienten und -patientinnen um diese bestellt ist und inwieweit die Therapie gut durchgehalten wird. Die Ergebnisse lassen sich aber auch auf andere Krebsarten übertragen. Die Umfrage zielte darauf ab, den Status quo in der Kommunikation zwischen Ärzten und Patienten zu erheben, um neue Strategien zur Verbesserung der Mitarbeit zu entwickeln.

Zentrale Anlaufstelle notwendig

Die Studie ergab, dass sich die Patienten im Großen und Ganzen über die Therapie informiert fühlen und das Gefühl haben, dass ihre Fragen beantwortet wurden. Jeweils 88% stimmten bei diesen beiden Fragen völlig beziehungsweise eher zu. Keine eindeutigen Ergebnisse lagen bei der „Verständlichkeit“ vor: Für 15% der Befragten waren die Informationen über die Therapie weniger bis gar nicht verständlich und fast jeder Fünfte (18%) sagte, dass das Therapieziel (eher) nicht klar definiert wurde. „Weniger erfreulich ist auch“, so Elfi Jirsa und Dr. Margit Plachy, Auftraggeberinnen der Studie, unisono, „dass mehr als die Hälfte der befragten Patienten angab, dass der Hausarzt nicht in die Therapie eingebunden wurde.“
Dies sei allerdings wichtig, da dieser eine zentrale Rolle spiele. Bei akuten Schmerzen beispielsweise sei er häufig die erste Anlaufstelle und ist er über Medikation und andere therapeutische Maßnahmen informiert, könne er schneller und vermutlich auch besser auf Beschwerden reagieren. Mehr als 60% der Befragten haben wiederum keine Informationen zur Möglichkeit eines Therapiewechsels erhalten. Offensichtlich wird eine Therapie festgelegt, Alternativen oder gar ein möglicher Wechsel werden nur in seltenen Fällen besprochen. Weniger als ein Viertel der Befragten (23%) hatten mehrere Therapieformen zur Auswahl. Auch komplementärmedizinische Maßnahmen wurden nur mit jedem Zweiten (50%) besprochen.

Umgang mit Nebenwirkungen

„Gerade der selbstbestimmte Umgang mit der Erkrankung und das Wissen über selbst anwendbare Lösungsmöglichkeiten zum Beispiel bei Nebenwirkungen, sind wichtige Faktoren bei der Compliance“, ergänzt Dr. Plachy. Auch hier liege allerdings ein Informationsdefizit vor.

Auch werden Patienten unzureichend oder zu spät über etwaige Nebenwirkungen informiert, welche bei frühzeitiger Kommunikation teilweise besser beherrscht werden könnten. Erstaunlich sind daher die Aussagen von beinahe einem Viertel der Befragten, dass sie über mögliche Nebenwirkungen eher nicht (16 %) beziehungsweise überhaupt nicht (8 %) informiert wurden.

Mehr als 30 % der Befragten kennen bei Durchfall (36 %) und bei Übelkeit (35 %) Lösungsmöglichkeiten, die sie selbst anwenden können. Bei Juckreiz sind dies nur 20 %. Aufklärung passiert offensichtlich auch zu wenig, wenn es um die Wechselwirkungen von Lebensmitteln wie beispielsweise Grapefruit bei der Chemotherapie geht. Jeder Zweite sagt, dass er diesbezüglich unzureichend (24 %) oder überhaupt nicht (31 %) informiert wurde. Aktiv holen sich die Patienten Information zu möglichen Wechselwirkungen in erster Linie beim Arzt (65 %), gefolgt vom Internet mit 38 %.

Raum für Familie und Fitness

Fitness ist ein wichtiger Indikator für die Lebensqualität. Zwei Drittel der Befragten (67 %) fühlten sich zum Zeitpunkt der Befragung fit und ein Drittel (33 %) weniger fit. Wenn man nicht so fit ist, kann man auch bei diversen Aktivitäten im sozialen Umfeld nicht mehr richtig mitmachen, tendenzieller Rückzug ist die Folge.

In Anbetracht dieser Tatsachen wundert es nicht, dass fast jeder Zweite (50 %) das Gefühl hat, dass sich der Freundeskreis verändert hat. Analog dazu gaben 40 % der Befragten an, dass Freunde beziehungsweise die Familie ihnen gesagt hätten, dass sie sich geändert hätten. Vor allem die Bedeutung der Bewegung im Alltag werde von vielen Patienten vernachlässigt oder unterschätzt, erläutert Elfi Jirsa ein weiteres Ergebnis der Studie.

Gerade leichte (sportliche) Betätigung sei aber immens wichtig für den Heilungsprozess und vor allem einfach in den Tagesablauf zu integrieren. Und schließlich: „Sich regelmäßig moderat zu bewegen kostet nix, außer den inneren Schweinehund zu überwinden – und es ist garantiert ohne Nebenwirkungen!“

Autorin: Mag. Dina Elmani-Zanka 

Bildnachweis: Yastremska | Bigstock

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