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Mehr wissen, früher handeln – neue Strategien der Brustkrebs-Früherkennung

Präventionsprogramme zur Brustkrebs-Früherkennung werden im Laufe des Lebens immer wichtiger. Insbesondere nach Ihrer Menopause sollten Sie das engmaschige System der Früherkennung nutzen, um bestmöglich abgesichert zu sein.

Die Brustkrebs-Früherkennung fußt auf mehreren Säulen. Neben den apparativen Verfahren (Ultraschall, MRT oder Mammographie) spielt vor allem die medizinische Tastuntersuchung eine große Rolle. Weil sich die Brust im Laufe des Lebens verändert, fühlen sich gerade ältere Frauen in professionellen Screenings gut aufgehoben. Ziel der Vorsorgemaßnahmen ist es, entarteten Zellen möglichst früh auf die Schliche zu kommen. So sollen Patientinnen immer gewebeschonender therapiert werden können.

In letzter Zeit haben sich drei außergewöhnliche Früherkennungsmethoden entwickelt, die wir Ihnen hier gerne vorstellen möchten.

Sicheres Abtasten der Brust

Selbstverständlich tastet jede Frau regelmäßig ihre Brust ab. Doch weil es an Routine fehlt oder Symptome übersehen werden, bleibt ein kleiner Knoten manchmal doch unentdeckt. Auch deshalb ist der regelmäßige Gang zum Arzt so wichtig. Um mittels der Tastuntersuchung möglichst feine Resultate zu erzielen, werden im Rahmen einer länderübergreifenden Maßnahme nun blinde oder sehbehinderte Menschen sensorisch ausgebildet. Sie bringen das nötige Fingerspitzengefühl mit, um schon kleinste Veränderungen erfühlen zu können. Die knapp ein Jahr dauernde Ausbildung befähigt die TeilnehmerInnen schließlich dazu, die Brust nach medizinischen Standards behutsam und tiefgreifend nach Veränderungen abzutasten.

Südfrüchte sollen Ängste ausräumen

Manche Frauen erkennen die Merkmale einer krankhaften Veränderung zu spät. Weil Beschwerden falsch interpretiert werden, gehen einige Betroffene seltener zur Vorsorge. Hinzu kommt die gesellschaftliche Tabuisierung der weiblichen Brust und die Scheu davor, genauer hinzuschauen bzw. zu fühlen.
Um Frauen weltweit zu sensibilisieren, setzt eine neue amerikanische Kampagne auf möglichst plakative Bilder. Im Mittelpunkt der Maßnahme „#knowyourlemons“ (übersetzt in etwa „Kenne deine Zitronen“) stehen die gelben Südfrüchte. Anhand der Zitrusfrüchte werden mit einfachen Bildern die verschiedenen Symptome einer krankhaften Veränderung aufgezeigt. So soll Frauen die Hemmschwelle genommen werden, sich mit ihrer Brust und möglichen Veränderungen daran zu befassen.

Natürliche Kompetenz der Vierbeiner nutzen

Hunde sind treue Haustiere und seit einiger Zeit sogar Lebensretter. Hunde können mit rund 220 Millionen Sinneszellen zwischen feinsten olfaktorischen Nuancen unterscheiden. Treten Zellveränderungen auf, so hinterlassen sie eine Art Abdruck im Organismus des Erkrankten. Solche Veränderungen sind zwar noch nicht im Labor messbar, für die sensible Hundeschnauze aber schon wahrnehmbar.

Bei immer mehr Krankheiten werden Hunde gezielt darauf trainiert, typisch-krankhafte Ausdünstungen an PatientInnen zu erschnüffeln und gegebenenfalls anzuschlagen. Diese finden sich in der Atemluft, dem Blut, in Urin oder Schweiß. Was bereits bei Diabetes oder Epilepsie gelingt, soll nun auch für die Brustkrebs-Früherkennung eingeübt werden. Bei anderen Krebsarten (Prostata- und Zervixkarzinome) erkennen Hunde bereits mit 90-prozentiger Sicherheit vorhandene Krebszellen. Das soll bald auch bei Brustkrebs der Fall sein. Langfristiges Ziel der Forscher ist es, die Geruchswelt des Hundes maschinell nachahmen zu können, um darüber flächendeckende Früherkennungstest durchführen zu können.

Deshalb ist Früherkennung so wichtig

Statistisch gesehen wird bei immer mehr Frauen Brustkrebs diagnostiziert. Durch nachhaltige Vorsorgeverfahren und eine enge medizinische Betreuung konnte die Überlebensrate in den vergangenen Jahren signifikant erhöht werden. (1)
Das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) geht in einer aktuellen Hochrechnung davon aus, dass bis 2030 die jährliche Erkrankungsrate zwar um zehn Prozent ansteigen könnte, die Todesfolgen aber aufgrund des medizinischen Fortschritts rückläufig sein werden.

Kompaktes Wissen zum Thema Brustkrebs

In unserem Online-Kurs „Brustkrebs verstehen“ haben wir Ihnen weitere interessante Informationen aufbereitet. Erfahren Sie, was Sie selbst tun können, um die Erkrankung zu vermeiden und informieren Sie sich über Risikofaktoren sowie aussagekräftige Symptome für eine Brustkrebserkrankung.

(1)https://www.bmgf.gv.at/cms/home/attachments/0/6/3/CH1480/CMS1422957020341/bericht_krebsprognose_3_2_2015.pdf

Autorin: Dr. med. Iris Herscovici

Bildnachweis: sewcream | Bigstock

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