Länger und gesünder leben – aber wie?

Länger und gesünder leben

Univ. Prof. Dr. Heinz Ludwig erklärt im Interview mit selpers, wie es möglich ist, ein längeres und gesünderes Leben zu leben.

Die „fünf Ls“, die er in seinem Buch „Richtig leben, länger leben“ ausführlicher beschreibt, sind einfache Regeln mit großen Effekten.

selpers: Professor Ludwig, in Ihrem Buch geht es um etwas, das wir uns eigentlich alle wünschen: möglichst lange und gesund zu leben. Würden Sie Ihre wichtigsten Tipps für unsere Leser zusammenfassen?

Prof. Ludwig: In meinem Buch stelle ich die „fünf Ls“ vor: Lieben, Lernen, Lachen, Laufen und Leichter essen. Unter Lieben verstehe ich eine enge gesellschaftliche Vernetzung. Daten zeigen, dass Menschen, die alleine sind, eine schlechtere Lebenserwartung haben. Eine Partnerschaft, Familie, Freunde, das macht einen großen Unterschied. Zum Thema Lieben gehört aber noch etwas anderes: Man kann auch alleine durchs Leben gehen, wenn man etwas hat, das einem unglaublich wichtig ist.

selpers: Liebe muss sich also nicht nur auf Personen beziehen?

Prof. Ludwig:  Nein. Sehr wichtig sind auch Dinge, die uns in den Flow bringen und uns Sinn und Selbstbestätigung geben.

„Lachen” ist der Punkt, der hinter den anderen vier Themen ein wenig zurücksteht und nicht ganz so entscheidend ist. Humor hilft uns, belastende  Situationen zu entschärfen und leichter durchs Leben zu gehen. Wir alle wissen, was passiert, wenn man in einer Gruppe ist, in der herzhaft gelacht wird. Beim Lachen bewegen wir die Hälfte unserer 656 Muskeln, die Blutgefäße werden erweitert, der Stresspegel sinkt und es geht uns einfach besser. Das hat eine gesundheitsfördernde Wirkung.

Der nächste Punkt ist das „Lernen”: Cogito, ergo sum. [Ich denke, also bin ich.] Wenn ich aufhöre zu denken, begrabe ich einen wichtigen Teil meiner Persönlichkeit. Denken gehört  zu den anstrengendsten Aktivitäten überhaupt. Viele Menschen geben das gerne ab und vermeiden das Nachdenken. Dabei ist es für unsere Gesundheit sehr wichtig: Man weiß, dass Schauspieler, die ihre Rollen lernen, ein geringeres Risiko für Alzheimer haben. Hören sie auf, zu lernen, steigt ihr Alzheimerrisiko auf das Level der restlichen Bevölkerung an. Taxifahrer, die mit dem Navi fahren, haben ein größeres Risiko für Alzheimer, als Taxifahrer, die sich die Straßen merken und anhand ihrer Erfahrung orientieren. Das zeigt, das wir gefordert sind, unser Gehirn zu nutzen.

„Laufen” meint körperliche Aktivität. Es gibt eine so große Zahl von Fakten, die die Wichtigkeit von Bewegung zeigen. Man weiß zum Beispiel, dass körperliche Aktivität während einer Chemotherapie das Risiko für Infektionen, Übelkeit und Krankenhausaufenthalte senkt. Im Mindset der „Ärzte von gestern“ steckt noch, dass sich Patienten schonen sollen. Schonung führt aber zur Reduktion aller körperlichen Fähigkeiten. Es gibt nur relativ wenige Erkrankrungsituationen, bei denen man sich schonen muss. Bei den meisten Patienten ist Bewegung sehr wichtig und senkt sogar bei verschiedenen Krebsarten das Rückfallrisiko. Außerdem reduziert regelmäßige Bewegung natürlich die Gefahr vieler Zivilisationskrankheiten wie Übergewicht, Arteriosklerose, periphere Verschlusskrankheiten, Herzerkrankungen und so weiter.

Das fünfte L ist „Leichter essen. Man weiß zum Beispiel, dass Vegetarier länger leben. Das hat nicht nur damit zu tun, dass sie auch in anderen Bereichen möglicherweise disziplinierter sind, sondern hängt auch direkt mit den Essgewohnheiten zusammen. Wenig Fleisch, viel Obst und Gemüse, die richtigen Fette, Fisch sind wichtige Elemente einer gesunden Ernährung. Vermieden werden sollten stark verarbeitete Lebensmittel, zum Beispiel auch Süßstoffe.

selpers: Sie haben Krebspatienten erwähnt. Gelten Ihre fünf “Ls” auch für schon erkrankten Menschen?

Prof. Ludwig: Auf jeden Fall. Patienten können ihre körperliche und emotionale Gesundheit damit sehr positiv beeinflussen.

selpers: Gerade, wenn es einem gesundheitlich nicht gut geht, ist es besonders schwer, unbeschwert zu lachen und zu lieben …

Prof. Ludwig: Ich glaube, Lieben geht auch in schwierigen Situationen. Lachen ist schwerer. Dann geht es weniger um das Lachen und mehr um die Neuorientierung, das Reflektieren und das Fokussieren. Man trennt die Spreu vom Weizen und kommt dadurch auf eine neue Ebene der Lebensführung. Man macht aus einem Tag mehr als vorher und ist paradoxerweise oft sogar zufriedener und glücklicher.

selpers: Was ist Ihre wichtigste Botschaft, die Sie den Lesern Ihres Buches mitgeben wollen?

Prof. Ludwig: Ich glaube, es tut uns allen gut, wenn wir von Zeit zu Zeit unsere Lebenssituation sorgfältig hinterfragen und uns überlegen, was wir optimieren können. Man muss sich um etwas bemühen, damit man etwas zurückbekommt. Solange wir gesund sind, sehen wir die Veranlassung dazu oft nicht. Aber genau das ist der richtige Moment. Das sind Investitionen in uns selbst, die wir wichtig nehmen sollten.

Herzlichen Dank für das Interview.

Univ. Prof. Dr. Heinz Ludwig
Leiter des Wihelminenkrebsforschungsinstituts

Hier finden Sie das Buch “Richtig leben, länger leben”

Interview wurde geführt von:  Birgit Oppermann.

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