Schön fühlen bei Krebs: Interview mit Stilberaterin Sarah Velik

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Sarah Velik, Stilberaterin und Krebspatientin, erzählt uns im Interview von ihren Workshops für KrebspatientInnen, mit welchen Fragen Betroffene auf sie zukommen und worauf sie bei ihren Beratungen Wert legt. Endlich wieder schön fühlen bei Krebs!

Was beinhaltet Ihre Arbeit als Stilberaterin?

selpers: Guten Tag Frau Velik. Zuerst einmal vielen Dank, dass Sie sich Zeit nehmen für unser Interview.
Sie sind Gründerin des Blogs Betterstyle.at. Im Fokus stehen hier unter anderem der persönliche Kleidungsstil, das Wohlfühlen mit sich selber, aber auch die Zusammenarbeit mit KrebspatientInnen. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?

Sarah Velik: Vor einiger Zeit habe ich selbst eine Krebsdiagnose erhalten und daher angefangen mich intensiver mit dem Thema auseinander zu setzen. Im Gespräch mit anderen Betroffenen habe ich festgestellt, dass auch andere Menschen in dieser Lebensphase Unterstützung brauchen. Also habe ich beschlossen mein Wissen zu teilen. Da ich Farb-, Stil- und Imageberaterin ebenso bin, wie Elternbildnerin und außerdem gerade eine Ausbildung zur Lebens- und Sozialberaterin mache, kann ich diese Bereiche im Rahmen von betterstyle gut miteinander kombinieren.

selpers: In den Workshops, die Sie leiten, halten Sie zu verschiedenen Themen Vorträge und arbeiten in Gruppen. Welche Themen sind das?

Sarah Velik: Angefangen von Bewerbungscoaching, über Businessstyling, die richtige Organisation im Kleiderkasten bis hin zu allgemeinen Workshops, wo es darum geht, einen Einblick in die Farb- und Stilberatung zu bekommen und etwas über seinen jeweiligen Typ zu lernen, ist alles dabei.

Workshops für KrebspatientInnen: Worum geht es in der Stilberatung bei Krebs?

selpers: Auch unter dem Motto ‚Krebs verändert – ich bin schön‘ bieten Sie Workshops an. Welche Schwerpunkte setzen Sie hier?

Sarah Velik: Häufig geht es erst mal darum herauszufinden, was in dieser Zeit Energie gibt. Meist gibt es dann einen kurzen Einblick in die Farbpsychologie und wie man sie am besten einsetzt. Gemeinsam erarbeiten wir das perfekte individuelle Chemo- oder Strahlentherapie-Outfit und warum es sinnvoll ist, eine sogenannte Krankenhausgarderobe zu haben. Dabei wird natürlich berücksichtigt, was für ein Kleidungstyp man ist (sportlich, elegant, verspielt, etc.) und dass es gemütlich, aber trotzdem angezogen sein soll. Ziel ist es auch, dass nach dem Workshop jede/r TeilnehmerIn den eigenen Farbtyp ungefähr kennt und das einzusetzen weiß. Häufig habe ich Damen in meinen Workshops, die sich auch vor ihrer Erkrankung nicht oder nur wenig geschminkt haben, bzw. Make-Up nun nicht mehr gut vertragen. Kennt man seinen Farbtyp, strahlt man auch ohne Schminke im Gesicht.

Wir sehen uns auch an, was für Alternativen es zur Perücke gibt und wem welche Kopfbedeckung steht. Ich gebe auch Tipps wo man die schönsten Tücher, Turbane, etc. kaufen kann.
Kurz gesagt geht es vor allem darum, gemeinsam zu erarbeiten, wie man trotz Krebstherapie Kraft tanken und sich schön fühlen kann.

Hierbei möchte ich mich immer ganz individuell auf die TeilnehmerInnen einlassen. Jeder der möchte kann seine persönlichen Fragen und Erfahrungen rund um Aussehen und Wohlbefinden einbringen.

selpers: Mit welchen Problemen kommen Betroffene in der Regel zu Ihnen?

Sarah Velik: Viele tun sich schwer damit, dass der Körper sich in dieser Lebensphase oft sehr verändert.
Außerdem ist man im Alltag plötzlich sehr eingeschränkt und weiß häufig nicht, wo man die Energie für die Therapie herbekommen soll.
Ein großes Thema sind auch Kopfbedeckungen, ebenso wie die Farbberatung.

selpers: Was sind häufige Probleme, mit denen Betroffene zu Ihnen kommen?

Sarah Velik: Was am allermeisten gefragt ist, sind Alternativen zur Perücke. Denn diese ist meist teuer, unbequem und gerade in den Sommermonaten sehr heiß. Trotzdem wollen die meisten gut aussehen und nicht immer nur Hauben tragen. Auch das Material ist ein Thema. Es gibt diverse Alternativen, die man je nach Wetter und Anlass variieren kann. Wichtig ist hierbei vor allem, dass es praktisch und nicht zeitaufwändig ist.

Schön fühlen bei Krebs: Wie helfen Sie KrebspatientInnen?

selpers: Sie bieten individuelle Farb – und Stilberatungen an. Auf welche Aspekte legen Sie besonderen Wert, vor allem bei KrebspatientInnen?

Sarah Velik: Mir geht es vor allem darum, meinen KlientInnen zu zeigen, dass jeder auf seine Art schön ist. Ich finde, Individualität und Zufriedenheit mit sich selbst, ist das, was einen Menschen erst wirklich schön macht. Um gut auszusehen, braucht man keine Modelmaße. Es geht vielmehr darum, in seinem eigenen Körper stimmig zu sein und seine Proportionen zu optimieren.

Außerdem möchte ich meinen KlientInnen zeigen, dass man auch als KrebspatientIn strahlen kann, ohne Make-Up tragen zu müssen. Ein weiterer Aspekt, der mir persönlich wichtig ist, ist die Farbpsychologie. Farben können eine unglaubliche Energie haben, wenn man weiß, wie man sie richtig einsetzt. Wussten Sie zum Beispiel, dass Blau Vertrauen schafft, entspannt und beruhigt? Das kann in einer stressigen Situation, z.B. wenn man auf die Ergebnisse der letzten Untersuchung wartet, hilfreich sein. In meinen Beratungen zeige ich den Betroffenen, wie sie in solchen Momenten Farben richtig einsetzen.

selpers: Gibt es etwas, auf das Sie besonders achten, wenn Sie mit KrebspatientInnen zusammenarbeiten? Und wenn ja, was?

Sarah Velik: Mir ist es wichtig auf die Betroffenen möglichst individuell einzugehen. Niemand soll etwas tun oder preisgeben müssen, was er nicht möchte. Außerdem sollen die TeilnehmerInnen mit einem guten Gefühl nach Hause gehen.

Ich weiß auch, dass Workshops sehr anstrengend sein können, daher finden sie immer nur in Kleingruppen statt und dauern nicht länger als zwei Einheiten. Für diejenigen, die nicht in der Gruppe arbeiten können oder wollen, biete ich auch Einzelcoachings an. Diese können entweder bei mir in der Praxis, oder bei den Betroffenen zu Hause stattfinden. Außerdem gibt es einmal wöchentlich die Möglichkeit sich spontan zu Kurzberatungen anzumelden. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass man nicht an allen Tagen gleich fit ist und unverbindliche Angebote einem in so einer Situation oft sehr entgegen kommen können.

selpers: Wie ist die Resonanz der TeilnehmerInnen, mit denen Sie zusammenarbeiten? Können Sie  beschreiben, wie sich die meisten PatientInnen nach einer Beratung oder einem Workshop fühlen?

Sarah Velik: Bis jetzt war die Resonanz durchwegs positiv. Die meisten sind erstaunt, wie wenig es braucht, um sich besser zu fühlen und gut auszusehen und wie einfach das sein kann. Oft sind es Kleinigkeiten, die eine große Wirkung haben und die Betroffenen zum Strahlen bringen.

selpers: Kann jede und jeder bei den Workshops teilnehmen, geschlechterunabhängig und altersunabhängig?

Sarah Velik: Ja. Wobei es manchen TeilnehmerInnen angenehmer ist, wenn nur Frauen bzw. nur Männer dabei sind. Auf Anfrage erfülle ich diesen Wunsch gerne.
Für Teenager biete ich eigene Kurse an. Zwar sehen die Workshops ähnlich aus, aber oft ist es für die Jugendlichen leichter sich zu öffnen, wenn sie unter ihresgleichen sind. Auch modische Fragen werden hier häufig ein wenig anders behandelt.

Was sind Ihre Tipps, um sich wieder schön zu fühlen bei Krebs?

selpers: Welchen Ratschlag würden Sie unseren LeserInnen geben, wenn sie sich unwohl fühlen mit dem eigenen Kleiderstil? Was wäre hier der erste Schritt, um sich wieder schön zu fühlen bei Krebs?

Sarah Velik:Sehen Sie sich an, wie Sie leben und finden Sie heraus was für ein Typ Sie sind. Sportlich? Elegant? Burschikos? Feminin? Romantisch? Verspielt? Was gefällt mir an anderen und wie sieht das an mir aus? Wie ist mein Alltag? Seinen Kleidungsstil zu finden, bedeutet nicht mit der Mode zu gehen, sondern zu wissen was einem steht und worin man sich wohlfühlt. Hierbei konnte ich mit einer Farb- und/oder Stilberatung schon sehr helfen. Denn wenn man seine Farben und Schnitte kennt, tritt man automatisch selbstbewusster auf und strahlt.
Letztens erst hatte ich eine Dame zur Beratung bei mir, die zwar ihre Farben gut kannte, aber trotzdem einige Kleidungsstücke besaß, die sie nie trug. Gemeinsam haben wir herausgefunden, dass das vor allem an den Schnitten lag. Mit wenigen Handgriffen und dem Einsatz von Gürteln und Broschen haben wir die Formen der Kleidungsstücke ihren Proportionen angepasst. Die neuen Outfits trägt sie nun sehr gerne und Fehlkäufe gibt es, seitdem sie weiß worauf sie achten muss, auch keine mehr.

Herzlichen Dank für das Interview. 

Sarah-Velik-Krebst-StilberatungSarah Velik
Stilberaterin und Krebspatientin

Mehr Informationen finden Sie hier: www.betterstyle.at

Interview wurde geführt von:  selpers Redaktion.

Bildnachweis: AnastasiaNi | Bigstock

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