Oft unterschätzt: Harmonische Bewegung bei Krebs

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Jahrzehntelang hieß es: „Wer krank ist, muss sich schonen“. Doch diese Devise gilt mittlerweile als überholt. Bei vielen Krebsarten regen Ärzte heute zu moderater Regsamkeit an. Weil intensive Sporteinheiten tabu sind, rückt das Tanzen in den Vordergrund.

Das Schöne: Gute Musik bringt nicht nur Schwung in Ihre Beine und hebt die Stimmung. Vielmehr wirkt die Aktivität aufbauend und kräftigend auf den gesamten Körper. Für wen die Tanztherapie geeignet ist und worauf Sie achten müssen, erfahren Sie hier.

Für wen ist eine Tanztherapie geeignet?

In Bewegung zu kommen, tut gut. Jedoch gibt es keine pauschale Aussage darüber, dass bei dieser oder jener Krebsart die Tanztherapie nun besonders gut sei. Vielmehr benötigt jede Patientin und jeder Patient ein maßgeschneidertes Bewegungsprogramm. Einig ist man sich darüber, dass gerade sanfte und leichte Tanzarten ideal für viele Kranke sind.

Beim Tanzen sollten Sie auf Ihr Körpergefühl achten. Wenn Sie sich während oder direkt nach der Krebstherapie fit genug fühlen, können Sie mit moderaten Tanzeinheiten beginnen. Im Vordergrund stehen dabei die Freude an der Bewegung, das eigene Wohlbefinden und die aktuelle Belastbarkeit. Die Erfahrung zeigt, dass gerade Menschen, die in der Vergangenheit mit Bewegung nicht viel am Hut hatten, durch launige Musik und die ungezwungene Atmosphäre spielerisch in Schwung kommen.

Welche Vorteile hat die Tanztherapie?

Die leichte Bewegung wirkt sich in mehrerlei Hinsicht positiv auf Körper und Geist aus. Mehrere Aspekte scheinen dabei zusammen zu spielen:

Einerseits ist es für viele PatientInnen beglückend, wieder einen positiven Draht zum Körper aufbauen zu können. Auch das gemeinsame Tun, das Treffen in der Gruppe, kann förderlich wirken. Beim Tanzen darf sich jeder ausleben, ohne über die Krankheit sprechen zu müssen. Selbst ruhige Tänze regen dazu an, endlich mal wieder tief ein- und auszuatmen. Das dehnt die Lungenflügel auseinander und pumpt ordentlich viel Sauerstoff in den Körper. Dieser Frischeimpuls wiederum wirkt förderlich auf das gesamte blutbildende System. Sauerstoff und Nährstoffe werden wieder besser transportiert.

Die rhythmische Bewegung hat aber auch einen entstauenden Einfluss. Weil sie Bindegewebe, Muskeln und Gelenke anregen, treten die Schwingungen im Inneren des Körpers auf die Lymphbahnen über. Diese ziehen sich minimal zusammen und transportieren das Gewebewasser zwischen den Zellen effektiver weiter. Lymphstauungen und Schwellungen werden abgebaut.

Erwiesen ist auch, dass regelmäßige Bewegung für ausgeglichene Blutdruck- und Herzwerte sorgen. Ein nicht zu unterschätzender Faktor, gerade wenn aufreibende Zeiten hinter einem liegen.

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) weist darauf hin, dass körperliche Aktivität ganz allgemein den Appetit anregt, die Stimmung positiv beeinflusst und einen drohenden Muskelabbau effektiv verhindern kann.

Für wen ist eine solche Bewegungstherapie eher nicht geeignet?

Das Vorhaben, nun aktiv das Tanzbein zu schwingen, sollten Sie immer vorab mit dem Ärzteteam abstimmen werden. Wen Sie unter Schmerzen oder fortgeschrittenem Muskelabbau leiden, sollten Sie vorsichtig sein. Gleiches gilt für PatientInnen, die unter Begleiterscheinungen wie chronischen Gelenkentzündungen oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen leiden. Wenn Sie noch Probleme mit dem Gleichgewicht haben oder Gefühlsstörungen in den Gliedmaßen bemerken, sollte Sie ebenfalls noch etwas abwarten. Es spricht übrigens nichts dagegen, dass Träger eines Katheters oder einer Sonde moderat Tanzen können.

Gibt es Studien dazu?

Tanzen ist pure Lebensfreude. Viele Analysen deuten darauf hin, dass rhythmische Bewegung (gleich welcher Art) positiv auf die Gesundheit und den Heilungsverlauf wirkt. So konnte in einer sieben Jahre andauernden Studie des Institute of Environmental Medicine (IMM) gezeigt werden, dass sich das Rückfallrisiko bei Prostatakrebs signifikant verbessern lässt, wenn die Betroffenen sich bloß eine halbe Stunde am Tag bewegen.

Ebenso zeigen Studienauswertungen der Washington University School of Medicine , dass aktive Patienten nach einer Darmkrebs-Diagnose bessere Heilungs- und Überlebenschancen haben, wenn sie in Schwung kommen. Als Hintergrund wird vermutet, dass durch die wiederkehrende Bewegung der Darminhalt schneller ausgeschieden wird.

Bei Brustkrebs können die Forscher ein ähnliches Fazit ziehen. Dazu wurden von der Universität Tromsø rund 40 Studien ausgewertet. Gerade nach den Wechseljahren scheint es von Vorteil zu sein, die Agilität zu steigern. Dazu reichen schon vier Stunden die Woche aus, um dem Brustkrebs zukünftig davonzutanzen.

Ob während oder nach der Erkrankung – der Einstieg in die Tanztherapie sollte immer überlegt erfolgen. Es geht dabei nicht um schweißtreibende Fitnessübungen, sondern um eine sanfte Kräftigung des Körpers. Bewegt man sich dazu noch zu seiner Lieblingsmelodie, fällt es umso leichter.

Autorin: Dr. med. Iris Herscovici

Bildnachweis:  AntonioDiaz | Bigstock

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