2. Akromegalie Symptome erkennen

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Zu welchen Symptomen führt eine gesteigerte Produktion des Wachstumshormons? Zeigen sich bei Akromegalie nur äußerliche Symptome? Auf welche körperlichen Veränderungen kann ich selbst bei Akromegalie achten? Univ.-Prof. Dr. Anton Luger beantwortet die wichtigsten Fragen zum Thema:

In welchen Körperregionen kann ein verstärktes Wachstum auftreten?

Ein verstärktes Wachstum kann letztlich in jedem Organ passieren, vorzugsweise allerdings in den vorhin erwähnten im Bereich des Gesichts eben Nase, Stirn, Unterkiefer. Darüber hinaus eben im Bereich der Hände und der Füße. Es können aber genauso gut auch innere Organe wie z.B. eben die Leber betroffen sein, und eben letztlich jedes Organ.

Welche weiteren sichtbaren Veränderungen kann Akromegalie bewirken?

Neben den namensgebenden Veränderungen mit dem Wachstum der Akren sind insbesondere Hautveränderungen wie eine ölige Haut, aber auch ein vermehrtes Auftreten von Muttermalen und ähnlichen Gebilden an der Haut und auch vermehrtes Schwitzen, das Patientinnen und Patienten besonders stört, zu beobachten.

Sind äußerliche Veränderungen die einzigen Folgen?

Zu den äußerlich nicht sichtbaren Veränderungen zählen alle Beeinträchtigungen oder Interferenzen mit dem Stoffwechsel.

Und hier ist in erster Linie die Beeinträchtigung vom Kohlenhydratstoffwechsel zu erwähnen, also eine gestörte Glukosetoleranz bis zu Diabetes mellitus.

Es kann ebenso gut sehr häufig zu Bluthochdruck kommen, zu einer Herzinsuffizienz, zu Skelettveränderungen, die die Patienten besonders beeinträchtigen, weil es mit großen Schmerzen verbunden ist. Und bedauerlicherweise sind das auch Veränderungen, die durch eine erfolgreiche Therapie nur gering beeinflusst werden können.

Wie entwickeln sich die Symptome weiter?

Wird die gesteigerte Wachstumshormonproduktion nicht gebremst, entwickeln sich die Symptome weiter. Bedauerlicherweise ist es aber auch so, dass selbst bei erfolgreicher Behandlung der Akromegalie manche Symptome sich nicht zur Gänze zurückbilden. Dazu zählen zum einen die Skelettveränderungen, sehr häufig auch das Schwitzen.

Äußere Symptome der Akromegalie

„Akromegalie“ bedeutet übersetzt „Vergrößerung der Akren“. Als „Akren“ werden alle Körperteile bezeichnet, die weit vom Rumpf entfernt sind, zum Beispiel die Hände und die Füße. Das offensichtlichste Zeichen der Krankheit Akromegalie ist die Vergrößerung der Körperenden.

Welche Körperteile wachsen?

Auch wenn Knochen bei Erwachsenen nicht mehr länger werden können, können sie sich unter dem Einfluss des Wachstumshormons verdicken. Demzufolge wachsen bei Akromegalie:

  • Hände und Füße
  • Nase
  • Stirn, Kinn und Unterkiefer

Wachstumshormon wirkt auch auf innere Organe. Deshalb können sich unter anderem vergrößern:

  • Herz
  • Leber
  • Niere

Wachstumshormon verdickt das Bindegewebe der Haut. PatientInnen:

  • Schwitzen stark
  • bilden Hautveränderungen
  • neigen zu öliger Haut

Können sich die Körperveränderungen zurückbilden?

Leider bilden sich die durch das Knochenwachstum bedingten äußeren Körperveränderungen, insbesondere die Vergröberung der Gesichtszüge und die Vergrößerung von Händen und Füßen, auch durch eine Therapie der Akromegalie nur geringfügig zurück. Die Therapie kann das Fortschreiten der Veränderungen und die Entstehung von Folgeerkrankungen verhindern.

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Warum erfolgt die Diagnose oft erst sehr spät?

Ein wesentliches Problem der Akromegalie stellt die nahezu immer verzögerte Diagnose dar, weil sich die Symptome nur sehr langsam ausbilden, also auch die Veränderungen im Bereich des Gesichts, der Stimme, des Skeletts, auch die Sehbeeinträchtigungen, sodass es von betroffenen Patientinnen und Patienten sehr häufig nicht bemerkt wird und auch die nahe Umgebung, also Lebenspartner es nicht bemerken, was zur Folge hat, dass die Diagnose im Durchschnitt erst nach sieben Jahren gestellt wird. Das kann man eben an dem retrospektiven Betrachten von z.B. Fotos eruieren bzw. eben auch von den erwähnten Veränderungen des Stoffwechsels, aber auch des Herz-Kreislauf-Systems.

Warum wird vermehrt Schweiß und Talg produziert? Was kann man dagegen tun?

Vermehrte Produktion von Wachstumshormon hat auch sehr ausgiebige Veränderungen im Bereich der Haut zur Folge, aber auch das Hautbindegewebes. Es kommt zu einer Verdickung der Haut, aber auch zu Ablagerungen von sogenannten Glucosaminen im Unterhautgewebe, Veränderungen der Blutgefäße im Bereich der Haut und damit in weiterer Folge neben der Verdickung der Haut auch zu einem vermehrten Schwitzen.

Bedauerlicherweise ist, so wie das bei Schwitzen ungeklärten Ursprungs der Fall ist, stehen dafür nur sehr geringe therapeutische Interventionen zur Folge.

Und auch eine Heilung der Akromegalie ist häufig nicht mit einem Verschwinden der vermehrten Schweißbildung verbunden.

Warum sind Kopfschmerzen und Sehstörungen typisch bei Akromegalie?

Kopfschmerzen und Einschränkungen des Sehvermögens oder auch des Gesichtsfeldes sind im Wesentlichen auf das Adenom, also den gutartigen Tumor im Bereich der Hirnanhangsdrüse, der zu viel Wachstumshormon produziert, zurückzuführen.

Einerseits sind die Sehbahnen unmittelbar über der Hirnanhangsdrüse gelegen, und nachdem die Hypophyse in einem knochenen Bereich liegt, kann sie eben sehr schwer nur woanders hin wachsen als nach oben, und dort ist sind die Sehbahnen, und da drückt es dann auf die Sehbahnen, und damit kommt es zu einer Beeinträchtigung des Gesichtsfeldes.

Es können aber auch andere Sehnerven betroffen sein, und, wie bei anderen Tumoren, wenn sie eine gewisse Größe erreichen, ist es eben mit Schmerzen und in dem Fall mit Kopfschmerzen verbunden.

Späte Diagnose und weitere Symptome der Akromegalie

Die Körperveränderungen bei Akromegalie scheinen offensichtlich. Trotzdem vergehen im Schnitt sieben Jahre bis zur Diagnose. Das liegt daran, dass sich sichtbare Veränderungen schleichend entwickeln. Sowohl PatientInnen als auch Angehörige und ÄrztInnen werden deshalb meist erst spät auf die Krankheit aufmerksam. Als Folge von Wachstumshormonüberschuss können sich in der Zwischenzeit auch andere Symptome äußern.

Welche Folgen hat eine späte Diagnose?

Das überschüssige Wachstumshormon bringt den Stoffwechsel des Körpers außer Balance. Infolgedessen können sich Begleiterkrankungen entwickeln. Zum Beispiel:

  • Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus)
  • Bluthochdruck (Hypertonie)
  • Herzschwäche (Herzinsuffizienz)

Außerdem wächst der Tumor und kann auf umliegende Strukturen drücken. Deshalb können weitere Symptome auftreten:

  • Kopfschmerzen
  • Sehstörungen
    Der Sehnerv liegt direkt über der Hypophyse. Wenn sich der Tumor vergrößert, kann er auf den Sehnerv drücken.
  • Ausfall von anderen Funktionen der Hypophyse

Akromegalie und Schwitzen

Über die Hälfte aller Akromegalie-Erkrankten leidet unter starkem Schwitzen.

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Was können erste Anzeichen sein und ab wann machen sich die typischen Symptome bemerkbar?

Die ersten Anzeichen entwickeln sich sehr, sehr langsam. Und die ersten Anzeichen sind meistens eine Größenzunahme von Händen und Füßen. Bei Menschen, die Ringe tragen, kann es z.B. sein, dass Ringe nicht mehr passen. Bei Menschen, die geschlossene Hemden tragen, kann man bemerken, dass die Kragenweite zunimmt. Es können die Schuhe nicht mehr passen oder auch Handschuhe nicht mehr passen. Das Problem ist aber, dass das sehr allmählich sich entwickelt und häufig eben auf zunehmendes Alter und Veränderungen, die häufig auch mit Altern verbunden sind, in Zusammenhang gebracht wird.

Weitere Veränderungen können auch die Stimme betreffen, dass durch die Veränderungen im Bereich des Kehlkopfs die Stimme tiefer wird. Es kommt eben auch sehr häufig zu einer Größenzunahme der Zunge, der Lippen, was wiederum mit Veränderungen der Stimme verbunden ist. Aber auch das entwickelt sich alles sehr langsam.

Und andere Symptome wie Bluthochdruck oder Störungen des Zuckerhaushalts oder Veränderungen am Skelettsystem sind sehr, sehr häufig und werden daher selten nur mit dieser seltenen Erkrankung in Zusammenhang gebracht.

Wie bemerke ich, dass sich mein Körper verändert hat?

Auf Grund der langsam fortschreitenden Veränderungen ist das eben nicht so besonders leicht.

Ein mögliches weiteres Symptom kann durch die Veränderungen im Bereich des Unterkiefers, ein Auseinanderweichen der Zähne sein.

Wie erkenne ich bzw. meine Angehörigen, ob ich an einer fortgeschrittenen Akromegalie leide?

Gelegentlich werden Patientinnen und Patienten auch von Personen aufmerksam gemacht, die sie längere Zeit nicht gesehen haben, dass es Veränderungen im Bereich des Gesichts gegeben hat, und gelegentlich, und das ist ganz wesentlich bei Vorstellungen bei Spezialisten, der Vergleich mit Jahre zurückliegenden Fotos.

Veränderungen bei Akromegalie erkennen

Die körperlichen Veränderungen durch den Wachstumshormonüberschuss bei Akromegalie erfolgen langsam. Deshalb kann es für Betroffene, Angehörige und behandelnde ÄrztInnen zunächst schwierig sein, die Erkrankung zu erkennen. Es gibt einige Anzeichen, die dabei helfen, auf die Erkrankung aufmerksam zu werden.

Hände, Füße und Hals nehmen an Größe zu

Ist Ihnen in letzter Zeit aufgefallen, dass…

  • Ihre Ringe nicht mehr passen?
  • Ihre Kragenweite zugenommen hat?
  • Ihre Schuhe und Handschuhe zu klein geworden sind?

Da sich diese Anzeichen nur langsam entwickeln, schieben viele Betroffene die Veränderung auf das fortschreitende Alter. Wenn Sie sich unsicher sind, können Sie aktuelle Fotos mit früheren vergleichen. Oftmals sind Veränderungen so leichter erkennbar.

Kehlkopf und Zunge vergrößern sich

  • Sieht Ihr Kehlkopf und/oder Ihre Zunge größer aus?
  • Ist Ihre Stimme tiefer geworden?

Vielleicht fallen Ihnen oder Ihrer/Ihrem LebenspartnerIn diese Veränderungen nicht auf. Fragen Sie FreundInnen oder Angehörige, die sie länger nicht gesehen haben. Im Gegensatz zu Ihrer/Ihrem LebenspartnerIn können diese einen schleichenden Wandel möglicherweise besser beurteilen.

Der Stoffwechsel verändert sich

  • Leiden Sie unter schwer einstellbarem Bluthochdruck?
  • Haben Sie die Zuckerkrankheit?

Beide Erkrankungen zählen zu den Volkskrankheiten und Akromegalie ist sehr selten die Ursache dafür.

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Geprüft von Univ.-Prof. Dr. Anton Luger: Stand Februar 2021 | Quellen und Bildnachweis

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