3. Typische Begleiterkrankungen der Akromegalie

Begleit- und Folgeerkrankungen bei Akromegalie

Die Krankheit Akromegalie hat Auswirkungen auf den gesamten Körper. Durch das Wachstum von Organen und den veränderten Hormonhaushalt können sich unterschiedliche Begleit- und Folgeerkrankungen entwickeln.

Häufige Begleiterkrankungen

Viele Begleiterkrankungen sind typische Volkskrankheiten und werden deshalb nur selten mit Akromegalie in Verbindung gebracht. Dazu zählen:

  • Eine gestörte Zuckertoleranz und Diabetes mellitus
  • Bluthochdruck
  • Herzerkrankungen wie Herzinsuffizienz und Herzrhythmusstörungen
  • Muskel- und Gelenkschmerzen durch Knorpel- und Gelenkveränderungen
  • Das Schlafapnoe Syndrom und infolgedessen schlechter Schlaf, Tagesmüdigkeit und Konzentrationsstörungen

Frühzeitiges Erkennen ist wichtig

Es ist wichtig, Begleiterkrankungen frühzeitig zu erkennen und zu behandeln. Viele Begleiterkrankungen bilden sich unter der Therapie der Akromegalie nicht vollständig zurück, da sie durch dauerhafte Vergrößerung bestimmter Körperteile entstanden sind. Umso früher Begleiterkrankungen erkannt und therapiert werden, desto besser können sie und damit auch die Lebensqualität günstig beeinflusst werden.

Volkskrankheiten und Akromegalie

Etwa jede/r zweite Erwachsene hat Bluthochdruck, etwa jede/r zehnte leidet an der Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus). Aufgrund der hohen Zahl der Erkrankten und der geringen Wahrscheinlichkeit, dass Akromegalie die Ursache für die Erkrankung ist, werden Betroffene in der Regel nicht auf Akromegalie untersucht.

Betroffene Organe bei Akromegalie

Der Wachstumshormonüberschuss bei Akromegalie kann auch zum Wachstum der inneren Organe führen. Neben dem Herz können selten auch zum Beispiel Leber, Niere, Harnwege und die Harnblase betroffen sein. Außerdem leiden 60-80% aller Erkrankten unter Schlafapnoe.

Wie entsteht Schlafapnoe bei Akromegalie?

Bei Akromegalie vergrößern sich durch den Einfluss des Wachstumshormons der Kehlkopf und die Zunge. Während des Schlafens fällt die Zunge in den Rachen und verlegt den Atemweg. Luft kann deshalb nicht mehr durch Nase und Rachen in die Lungen strömen. Es kommt zu Atempausen.

Woran erkenne ich, ob ich unter Schlafapnoe leide?

Betroffenen selbst ist meist nicht bewusst, dass sie unter Schlafapnoe leiden. Häufig bemerken LebenspartnerInnen die folgenden Symptome:

  • Nächtliches Aussetzen der Atmung
  • Schnarchen

Betroffenen selbst fällt auf, dass sie tagsüber müde sind und sich schlecht konzentrieren können. Die Diagnose wird durch FachärztInnen für Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten gestellt und in einem Schlaflabor bestätigt.

Therapie von Schlafapnoe

Akromegalie-PatientInnen, die an Schlafapnoe leiden können durch den Schlafmangel Erschöpfungszustände entwickeln. Es ist wichtig, dass Angehörige die Betroffenen darauf hinweisen, um die Schlafapnoe möglichst schnell ärztlich abklären zu lassen und eine Therapie zu beginnen.

Was ist ein Karpaltunnelsyndrom und wie erkenne ich es?

Durch den Einfluss von Wachstumshormon kommt es zur Vermehrung von Bindegewebe. Dies kann durch Verengung der Nervenkanäle zu Irritation von Nerven führen. Beim Karpaltunnelsyndrom werden Nerven, die die Hand versorgen, am Handgelenk durch Bindegewebsvermehrung eingeklemmt. Infolgedessen kribbelt die Hand immer wieder und fühlt sich taub an.

Hormonelle Veränderungen bei Akromegalie

Die Krankheit Akromegalie führt neben den offensichtlichen körperlichen Veränderungen zur Unausgeglichenheit des Stoffwechsels. Infolgedessen können AkromegaliepatientInnen auch unter Diabetes mellitus und Störungen der Sexualfunktion leiden.

Akromegalie und Diabetes mellitus

Eine der wichtigsten Folgeerkrankungen von Akromegalie ist die Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus). Wachstumshormon ist im Zuckerstoffwechsel der Gegenspieler des Hormons Insulin. Normalerweise führt Insulin zur Aufnahme von Zucker in die Körperzellen und bremst die Zuckerproduktion der Leber. Wird die Wirkung von Insulin durch Wachstumshormon gehemmt, bleibt mehr Zucker im Blut zurück und der Zuckerspiegel im Blut kann stark ansteigen.

Anzeichen für Diabetes mellitus

  • Fühlen Sie sich müde und abgeschlagen?
  • Müssen Sie häufig Wasserlassen?
  • Haben Sie starken Durst?
  • Haben Sie ungewollt Gewicht abgenommen?

Wenn Sie viele dieser Fragen mit „ja“ beantwortet haben, könnte es sein, dass Sie unter Diabetes mellitus leiden. Trotzdem können die Symptome viele andere Ursachen haben und sind deshalb kein Beweis für die Zuckerkrankheit. Wenn Sie sich fragen, ob Sie an Diabetes mellitus erkrankt sind, suchen Sie das Gespräch mit Ihrer Hausärztin/Ihrem Hausarzt. Sie/Er kann Sie wenn nötig weiter untersuchen und beraten.

Fruchtbarkeit und Sexualität

Die hormonellen Veränderungen bei Akromegalie können auch die Sexualhormone betreffen:

  • Bei Frauen kann die Monatsblutung unregelmäßig sein oder vollständig ausbleiben.
  • Bei Männern kann es zu Potenzstörungen kommen.

Akromegalie kann vermindertes sexuelles Verlangen und unerfüllten Kinderwunsch verursachen. Sprechen Sie am besten mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt wenn Sie solche Symptome bemerken.

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Geprüft von Univ.-Prof. Dr. Anton Luger: Stand Februar 2021 | Quellen und Bildnachweis

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