3. Typische Begleiterkrankungen

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Warum treten bei Akromegalie oft Begleiterkrankungen auf?

Die Begleiterkrankungen der Akromegalie sind auf das Interferieren von Wachstumshormonen mit zahlreichen anderen Hormonen, aber auch Prozessen und Stoffwechselprozessen zurückzuführen.

Welche häufigen Begleit- und Folgeerkrankungen treten bei Akromegalie auf?

Hier sind zum einen eben die Beeinträchtigungen des Zuckerhaushalts zu erwähnen, aber eben auch die Veränderungen im Bereich des Herzens mit Bluthochdruck. Es kann zu Veränderungen der Herzklappen, zur Vergrößerung des Herzens, zu Herzrhythmusstörungen kommen. Es kann zu Veränderungen im Bereich des Skeletts kommen, der Knorpeln, der Gelenke, und es kann eben auch zum Auftreten des sogenannten Schlafapnoe Syndroms kommen, also Atempausen während des Schlafes mit der Folge von Tagesmüdigkeit und Konzentrationsstörungen, um nur einige zu nennen.

Wie bemerkt man ein Schlafapnoe-Syndrom?

Schlafapnoe bemerken vor allem Lebenspartner, die im selben Zimmer schlafen, durch Atempausen, durch Schnarchen und Atempausen, und dann in der Folge nach dieser Atempause ein besonders tiefes Einatmen.

Betroffene selbst merken es lediglich dadurch, dass sie vermehrt aufwachen können während der Nacht. Das kann aber natürlich auch viele andere Ursachen haben.

Warum kann das Erkennen von Begleiterkrankungen für die Diagnose der Akromegalie schwierig sein?

Begleiterkrankungen der Akromegalie wie eben Bluthochdruck, Störungen vom Zuckerhaushalt, aber auch Veränderungen im Bereich des Herzens wie Herzinsuffizienz, aber auch Rhythmusstörungen sind so häufig, dass sie eben nur selten mit einer seltenen Erkrankung in Zusammenhang gebracht werden.

Und selbstverständlich kann man nicht alle Menschen, die einen Bluthochdruck haben oder die eine Störung vom Zuckerhaushalt haben oder auch eine Herzinsuffizienz, in Richtung Akromegalie untersuchen, also eine Akromegalie ausschließen oder bestätigen, weil zum Teil mehr als 50 Prozent der Bevölkerung von den erwähnten Erkrankungen betroffen ist und eben nur 7 bis 10 pro 100.000 von Akromegalie.

Begleit- und Folgeerkrankungen bei Akromegalie

Die Krankheit Akromegalie hat Auswirkungen auf den gesamten Körper. Durch das Wachstum von Organen und den veränderten Hormonhaushalt können sich unterschiedliche Begleit- und Folgeerkrankungen entwickeln.

Häufige Begleiterkrankungen

Viele Begleiterkrankungen sind typische Volkskrankheiten und werden deshalb nur selten mit Akromegalie in Verbindung gebracht. Dazu zählen:

  • Eine gestörte Zuckertoleranz und Diabetes mellitus
  • Bluthochdruck
  • Herzerkrankungen wie Herzinsuffizienz und Herzrhythmusstörungen
  • Muskel- und Gelenksschmerzen durch Knorpel und Gelenkdefekte
  • Das Schlafapnoe Syndrom und infolgedessen schlechter Schlaf, Tagesmüdigkeit und Konzentrationsstörungen

Frühzeitiges Erkennen ist wichtig

Es ist wichtig, Begleiterkrankungen frühzeitig zu erkennen und zu behandeln. Viele Begleiterkrankungen bilden sich unter der Therapie der Akromegalie nicht zurück, da sie durch dauerhafte Vergrößerung bestimmter Körperteile entstanden sind. Umso früher Begleiterkrankungen erkannt und therapiert werden, desto besser ist die Lebensqualität mit diesen Erkrankungen.

Volkskrankheiten und Akromegalie

Etwa jede/r zweite Erwachsene hat Bluthochdruck, etwa jede/r zehnte leidet an der Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus). Aufgrund der hohen Zahl der Erkrankten und der geringen Wahrscheinlichkeit, dass Akromegalie die Ursache für die Erkrankung ist, werden Betroffene in der Regel nicht auf Akromegalie untersucht.

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Auf welche inneren Organe kann sich Akromegalie auswirken?

Die vermehrte Produktion von Wachstumshormon kann letztlich zu einer Vergrößerung jedes Organs, eben auch der inneren Organe, wie zum Beispiel eben Leber oder Nieren oder auch ableitende Harnwege führen.

Warum bewirkt Akromegalie einen schlechten Schlaf und Schnarchen?

Das Schlafapnoe-Syndrom ist durch Veränderungen im Bereich des Kehlkopfes bedingt. Dadurch ist der Luftstrom beim Atmen beeinträchtigt, wie das eben auch der Fall ist bei stark übergewichtigen oder fettsüchtigen Menschen, und dadurch kommt es eben zu Schnarchen, aber auch zu den ganz charakteristischen Atempausen.

Warum führt Akromegalie häufig zu Nerveneinklemmungen?

Nerveneinklemmungen oder Beeinträchtigungen von Nerven können zum einen lokal  durch das Größenwachstum des Hypophyse-Adenoms, das eben Wachstumshormon produziert, bewirkt werden, also insbesondere der Sehnerven.

Es kann aber auch im Bereich der Hand auftreten das sogenannte Karpaltunnel-Syndrom, wo es im Bereich, wo die Nerven, die Finger versorgen, durch Sehnen treten, und durch die Zunahme von Gewebe und eben auch vom Bindegewebe die Nerven beeinträchtigt werden und in der Folge es eben zu Störungen der Sensibilität, also des Fühlvermögens kommen kann.

Betroffene Organe bei Akromegalie

Der Wachstumshormonüberschuss bei Akromegalie führt auch zum Wachstum der inneren Organe. Neben dem Herz sind zum Beispiel Leber, Niere, Harnwege und die Harnblase betroffen. Außerdem leiden 60-80% aller Erkrankten unter Schlafapnoe.

Wie entsteht Schlafapnoe bei Akromegalie?

Bei Akromegalie vergrößern sich durch den Einfluss des Wachstumshormons der Kehlkopf und die Zunge. Während des Schlafens fällt die Zunge in den Rachen und verlegt den Atemweg. Luft kann deshalb nicht mehr durch Nase und Rachen in die Lungen strömen. Es kommt zu Atempausen.

Woran erkenne ich, ob ich unter Schlafapnoe leide?

Betroffenen selbst ist meist nicht bewusst, dass sie unter Schlafapnoe leiden. Meist beklagen sie, dass sie tagsüber müde sind und sich schlecht konzentrieren können. Häufig bemerken LebenspartnerInnen bzw. Angehörigen nachts die folgenden Symptome:

  • Nächtliches Aussetzen der Atmung
  • Schnarchen

Therapie von Schlafapnoe

Akromegalie-PatientInnen, die an Schlafapnoe leiden können im Zuge der Erschöpfung durch Schlafmangel langfristig depressiv werden. Es ist wichtig, dass Angehörige die Betroffenen darauf hinweisen, um die Schlafapnoe möglichst schnell ärztlich abklären zu lassen und eine Therapie zu beginnen.

Was ist ein Karpaltunnelsyndrom und wie erkenne ich es?

Durch den Einfluss von Wachstumshormonen kommt es zur Vermehrung von Bindegewebe. Dies kann durch Verengung der Nervenkanäle zu Irritation von Nerven führen. Beim Karpaltunnelsyndrom werden Nerven, die die Hand versorgen, am Handgelenk durch Bindegewebsvermehrung  eingeklemmt. Infolgedessen kribbelt die Hand immer wieder und fühlt sich taub an.

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Warum haben Menschen mit Akromegalie ein höheres Risiko, an Diabetes mellitus zu erkranken?

Wachstumshormon ist ein Insulin-antagonistisches Hormon, d. h. es wirkt gegen Insulin.

Insulin ist einer der wesentlichen Regulatoren vom Zuckerhaushalt, und Wachstumshormon beeinträchtigt nicht nur die Produktion von Insulin, sondern auch die Wirkung in der Leber und im Muskel.

  • Es kommt in der Leber zu einer vermehrten Zuckerproduktion und Ausschütten von Zucker aus der Leber.
  • Umgekehrt wird die Aufnahme von Zucker in die Muskel, aber auch in das Fettgewebe durch Wachstumshormon beeinträchtigt.

Und damit kommt es zu einem Anstieg von Zucker im Blut und in der Folge eben zu einer gestörten Glukosetoleranz bis zu Diabetes mellitus.

Inwiefern kann sich Akromegalie bei Frauen auf den Zyklus auswirken?

Bei Größenzunahme eines Wachstumshormon-produzierenden Tumors, also eines Adenoms im Bereich der Hirnanhangsdrüse, kann es auch zur Beeinträchtigung anderer Funktionen der Hirnanhangsdrüse kommen.

Besonders wird dabei die Regulation der Sexualhormone bei der Frau in den Eierstöcken betroffen, wo es eben dann zu Regelanomalien, also zu unregelmäßigen Monatsblutungen bis zum völligen Sistieren der Monatsblutung kommen kann, aber eben auch zu nicht erfülltem Kinderwunsch.

Welche sexuellen Einschränkungen können durch Akromegalie bei Männern auftreten?

Besonders häufig merken das Männer durch Abnahme der Libido und Potenzstörungen, weil es durch den Tumor, das sind ja immer gutartige Tumoren im Bereich der Hirnanhangsdrüse, zur Beeinträchtigung der Regulation der Sexualorgane und in dem Fall eben der Produktion von Testosteron, also des männlichen Geschlechtshormons im Hoden kommen kann, mit der Folge von verminderter Libido und Potenzstörungen.

Hormonelle Veränderungen bei Akromegalie

Die Krankheit Akromegalie führt neben den offensichtlichen körperlichen Veränderungen zur Unausgeglichenheit des Stoffwechsels. Infolgedessen können AkromegaliepatientInnen auch unter Diabetes mellitus und Störungen der Sexualfunktion leiden.

Akromegalie und Diabetes mellitus

Eine der wichtigsten Folgeerkrankungen von Akromegalie ist die Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus). Wachstumshormon ist im Zuckerstoffwechsel der Gegenspieler des Hormons Insulin. Normalerweise führt Insulin zur Aufnahme von Zucker in die Körperzellen. Wird es durch die Wirkung des Wachstumshormons gehemmt, bleibt mehr Zucker im Blut zurück. Da bei Akromegalie zu viel Wachstumshormon ausgeschüttet wird, steigt der Zuckerspiegel im Blut zu stark an.

Anzeichen für Diabetes mellitus

  • Fühlen Sie sich müde und abgeschlagen?
  • Müssen Sie nachts häufig Wasserlassen?
  • Haben Sie starken Durst?
  • Sind Sie häufig sehr hungrig?

Wenn Sie viele dieser Fragen mit „ja“ beantwortet haben, könnte es sein, dass Sie unter Diabetes mellitus leiden. Trotzdem können die Symptome viele andere Ursachen haben und sind deshalb kein Beweis für die Zuckerkrankheit. Wenn Sie sich fragen, ob Sie an Diabetes mellitus erkrankt sind, suchen Sie das Gespräch mit Ihrer Hausärztin/Ihrem Hausarzt. Sie/Er kann Sie wenn nötig weiter untersuchen und beraten.

Fruchtbarkeit und Sexualität

Die hormonellen Veränderungen bei Akromegalie können auch die Sexualhormone betreffen:

  • Bei Frauen kann die Monatsblutung unregelmäßig sein oder vollständig ausbleiben.
  • Bei Männern kann es zu Potenzstörungen kommen.

Akromegalie kann vermindertes sexuelles Verlangen und unerfüllten Kinderwunsch verursachen. Sprechen Sie am besten mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt wenn Sie solche Symptome bemerken.

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Geprüft von Univ.-Prof. Dr. Anton Luger: Stand Dezember 2020 | Quellen und Bildnachweis

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