4. Angehörige von IntensivpatientInnen

Transkript

Was sollte ich bei einem Besuch auf der Intensivstation beachten? Warum gibt es auf vielen Intensivstation Besuchszeiten? Muss ich mein Handy beim Besuch auf der Intensivstation ausschalten? Kann man mit Menschen im Koma reden? Univ.-Profin.Drin Barbara Friesenecker und DGKP Michael Urschitz gehen auf die häufigsten Fragen zum Thema ein:

Was erwartet mich beim Besuch meiner/meines Angehörigen?

Der erste Besuch eines Patienten auf der Intensivstation für Sie als Angehöriger ist selbstverständlich und auch nachvollziehbar mit Ängsten verbunden.

Die größte Frage, die meistens uns als betreuendes Pflegepersonal als erster trifft, ist: „Wie sieht denn mein Angehöriger aus?“ Diese Frage plakativ zu beantworten, ist fast nicht möglich, weil jeder Patient individuell bei uns auf der Intensivstation versorgt wird.

Im Normalfall wird es so handgehabt: Wenn Sie das erste Mal die Intensivstation betreten, immer vorab schon ein detailliertes Gespräch mit einem Mediziner oder einer Medizinerin abgehalten wird. Dabei geht es darum, Sie über die aktuellen Ereignisse bzw. den Krankheitsverlauf aus Sicht der Mediziner aufzuklären.

Als Pflegeperson ist es mir nicht gestattet, Sie über medizinische Fragen aufzuklären. Aber durch den Erstbesuch und den Erstkontakt mit den Medizinern versuchen wir im Vorhinein schon grobe Fragen zu klären.

Wenn dieses Gespräch stattgefunden hat, kommt die betreuende Pflegeperson zu Ihnen in den Aufenthaltsraum oder in den Wartebereich der Intensivstation. Dort führt sie Sie ganz kurz über die notwendigen Hygienemaßnahmen ein und begleitet Sie gemeinsam ans Bett.

Sie sind in keinster Minute alleingelassen. Wir bleiben solange bei Ihnen an der Seite, wie Sie es möchten.

Erfahrungen von uns spielen hier eine große Rolle. Sehr viele Angehörige brauchen während der gesamten Besuchszeit unsere Anwesenheit als Sicherheit. Viele Angehörige wollen in der ersten Phase alleingelassen werden.

Auf jeden Fall versuchen wir individuell für Sie und für Ihren Angehörigen bzw. für die Patienten die optimale Besuchsphase zu gewährleisten.

Wie sollte ich mich verhalten, wenn ich meine Angehörige/meinen Angehörigen besuche?

Wie soll ich mich verhalten als Angehöriger, wenn ich meinen Angehörigen auf der Station den Patienten besuchen möchte?

Jetzt, in Zeiten von Covid, ganz, ganz, ganz besonders, aber auch sonst gelten auf der Intensivstation sehr viel strengere Hygieneregeln als auf einer Normalstation.

Wir haben auf der Intensivstation Keime, die sich durch die Antibiotikagaben entwickeln in Richtung auch resistenter Keime. Insgesamt haben wir die Situation, wo wir extrem auf Sauberkeit achten. Das heißt, bei uns ist es z.B. üblich, dass sich Angehörige, wenn sie zu Besuchszeiten kommen, streng an die Hygieneregeln halten.

Besuchszeiten hängen auch räumliche Gründe. Wir haben drei Patientinnen in einem Raum.  Mit den Patientinnen wird viel gearbeitet. Es kommen Physiotherapeutinnen, Logopädinnen, Ergotherapeutinnen. Patientinnen werden ins CT oder in die Magnetresonanztherapie oder in den OP gefahren. Deswegen können wir nicht den ganzen Tag Besuchszeit machen.

Also wir machen die Besuchszeiten. In diesen Besuchszeiten versuchen wir, dass im Raum ganz wenig los ist und dass Sie kommen können. Zu diesen Besuchszeiten müssen Sie sich bei uns telefonisch im Raum anmelden. Dann wird die Tür aufgemacht. Sie sollten sich vorher die Hände gewaschen haben mit Seife, die Hände mit Alkohol desinfiziert haben, eine Plastikschürze angezogen haben, und dann können Sie Ihren Angehörigen besuchen.

Wenn Keime im Spiel sind, gibt’s andere Regeln, wo man sich mehr ankleiden muss, einen Übermantel anziehen, mit Haube und Mundschutz, je nachdem, Handschuhe anziehen muss natürlich auch. Also das wird Ihnen von der Pflegepersonen, die Ihren Angehörigen betreut, dann mitgeteilt.

Aber im Grunde ist mal ganz wichtig: Dieses Händewaschen und -desinfizieren, bevor Sie reinkommen und nach dem Sie wieder rausgehen. Das ist ganz, ganz wichtig für uns alle, dass Sie Keime von drinnen nicht mit nach draußen nehmen und von draußen auch nichts mit hereinbringen.

Besuchszeiten sind auf Intensivstationen sehr unterschiedlich geregelt. Je nach Intensivstation, je nach räumlicher Gegebenheit können Sie bis zu immer oder bis auf wenige Stunden am Tag besuchen kommen.

Wir wollen den Besuch von Angehörigen für unsere Patientinnen unbedingt, weil wir in den meisten Fällen das Gefühl haben, dass unsere Patientinnen davon profitieren und der Besuch von Angehörigen ein Weg zurück ins normale Leben ist und Impulse kommen, die das Gehirn aktivieren, die positiv sind.

Für den Fall, dass der Patient gestresst reagiert, weil es sich nicht äußern kann, weil er die Dinge noch nicht einordnen kann, weil er sich noch im Zustand des Delirs, der Verwirrtheit befindet, die oft mit dem Aufwachen verbunden ist, bitten wir Sie dann in Ausnahmefällen auch, den Besuch kurz zu halten, wenn wir merken, der Patient bräuchte fast mehr Medikamente, damit er den Besuch toleriert, und wir wollen das eigentlich nicht, weil wir ihn wach werden lassen wollen. Also in der Phase kurz besuchen. Wenn es ihm besser geht, wenn Patientin sich besser auskennt und im Endeffekt mehr reagiert und Sie erkennt, dann kann man die Besuchszeit wieder länger gestalten.

Also da muss man ein bisschen flexibel sein, und wir würden versuchen, Ihnen zu erklären, warum wir was denken, wenn Sie zu Besuch kommen. Also da gibt’s auf jeder Station auch eigene Regeln.

Wichtig ist die Hygiene.

Ebenfalls wichtig wäre, dass Sie Ihr Handy ausschalten, wenn Sie auf die Station kommen, weil wir schon viele elektrische Geräte dort haben, notgedrungenerweise, und wir elektrische Interaktionen vermeiden wollen. Sie können in den Vorräumen und auf dem Gang gerne telefonieren, aber in den Räumen selber nicht.

Und ansonsten ist einfach die örtliche Situation auf der Intensivstation, wo Ihr Angehöriger liegt, zu beachten. Und das kann sehr unterschiedlich von Station zu Station sein.

Was bedeutet „Besuch durch Angehörige“? Nur die Familie oder auch enge Freunde?

Was bedeutet der „Besuch durch Angehörige“?

Wir haben überall auf unseren Zetteln stehen: Intensivstationen erlaubt den Besuch nur der engsten Angehörigen, weil wir bei uns jetzt auch räumlich bedingt natürlich nicht zehn Leute pro Patient jeden Tag zu Besuch haben können.

Rein rechtlich ist es so, dass der Einzige, der bestimmen kann, wer ihn besucht, der Patient selbst ist.

Nachdem der Patient für sich selbst nicht sprechen kann, wenn er bei uns liegt, zumindest in den meisten Phasen des Anfangs erst einmal, und sich meistens vorher dazu auch nicht geäußert hat, gehen wir davon aus, dass alle Personen, die einen Patienten besuchen kommen, prinzipiell in gutem Willen kommen und dem Patienten auch guttun.

Und wir lassen, wenn jetzt ein Patient z.B. keine engen Familienangehörigen hat und der Nachbar kommt, der ihn täglich versorgt, der für ihn einkaufen geht, mit ihm jeden Tag eine Stunde spazieren geht. Wenn sich diese Person um den Patienten bemüht, der bei uns liegt, dann dürfte auch diese Person zu Besuch kommen.

Wir versuchen, sobald es geht, mit der Patientin, wenn sie aufwacht, zu klären, wer von den Personen, die da gerne kommen würden, wirklich kommen darf und wer erwünscht ist und wer nicht.

Wenn wir das vorher nicht abklären können, manchmal lässt sich das auch über die Familie ganz gut regeln, aber im Grunde genommen sollten auf die Intensivstation eher nur der engere Kreis der Personen, die wirklich mit diesen Patienten befasst sind, kommen, weil es auch für den Patienten sonst zu anstrengend ist. Patientinnen wollen auch oft in der Intensivsituation nicht von irgendwelchen Personen gesehen werden, weil sie dort nicht hübsch aussehen. Das ist etwas, was man respektieren muss.

Und im Grunde genommen kann der Besuch dann frei gestaltet werden auf der Normalstation, wenn der Patient dies wieder selber bestimmen kann.

Bei uns, wie gesagt darf auch der Nachbar kommen, wenn der die Bezugsperson für den Patienten ist.

Aber auch das ist etwas, was von Intensivstation zu Intensivstation individuell geregelt wird und wo Sie sich einfacher erkundigen müssen und erklären müssen, warum Sie diesen Patienten besuchen, wenn Sie jetzt nicht Sohn, Tochter, Mutter oder wie auch immer näher verwandt mit dem Patienten wären.

Ab welchem Alter dürfen Kinder mit auf die Intensivstation, und wie kann ich sie auf den Besuch vorbereiten?

Die Frage, wann und ob Kinder auf die Intensivstation kommen, ist nicht leicht zu beantworten. Man kann sagen, dass man Kinder unter 14 Jahren, das ist der Übergang in die Selbstbestimmtheit von Kindern, nicht auf die Intensivstation lässt. Es gibt Intensivstationen, die das so handhaben. Man kann aber auch sagen: Wenn es Kindern besonders wichtig ist, dass sie auf die Intensivstation zu Besuch kommen, dass man es ihnen möglich macht.

Für manche Kinder mag es einfach nur genug sein, mitzukommen, im Warteraum zu warten, das Gefühl zu haben, dabei zu sein, nicht ausgeschlossen zu sein. Und die wollen gar nicht wirklich ins Zimmer gehen.

Andere Kinder haben das Problem, dass sie auch durch Videofilme, die sie sehen und Videospiele ganz furchtbare Horrorvorstellungen von dem Szenario auf einer Intensivstation haben. Und wenn sie dann hin gehen dürfen und sehen, dass es eigentlich gar nicht so schlimm ist, wie sie denken, das als sehr positiv empfinden.

Also es gibt unterschiedliche Kinder mit unterschiedlichen Vorstellungen, mit unterschiedlichen Wünschen.

Was wir immer sagen, gerade wenn die Kinder auch klein sind, dass man sie darauf vorbereiten muss. Und wir holen immer unseren Psychologen dazu. Wir führen Gespräche mit den Kindern, warum sie zu ihrem Angehörigen wollen. Wir bereiten sie darauf vor, dass Angehörige auf der Intensivstation „anders“ ausschauen – aufgequollen sind, Schläuche in Mund und Nase haben, dass sie sonst Schläuche haben, dass sie bewegungslos im Bett liegen, dass man mit ihnen nicht wirklich so reden kann, wie man normalerweise mit jemandem redet. Und üblicherweise können Kinder dann sehr gut sagen, ob sie reingehen wollen oder ob sie damit zufrieden sind und draußen warten, oder ob sie einfach zu Hause sitzen.

Man zündet gemeinsam eine Kerze an und denkt an den Opa. Auch das ist eine gute Möglichkeit, dieses Besuchen zu gestalten, und zu Hause im Kreis aller, die diese Person, die bei uns auf der Intensivstation liegt, gut kennt, dass man sich gemeinsam hinsetzt und daran denkt und sagt: „Der Opa versteht dich sowieso nicht, der ist im künstlichen Tiefschlaf, der kann mit dir jetzt nicht reden. Aber wenn wir alle an ihn denken, dann spürt er dich auch.“

Also da gibt’s ganz viele Möglichkeiten und es hängt sehr vom Kind ab und seiner Phantasie ab, was das Kind sich wünscht. Und das Wichtigste ist auch hier wieder die Kommunikation mit Ihrem Kind, dass auch wir als Ärztinnen oder Pflegepersonen mit dem Kind sprechen, die Erwartungen des Kindes ansprechen, ihm ein bisschen erzählen, wie es auf der Station ausschaut und dann herausfinden, ob das Kind wirklich rein will. Und wenn das Kind jung ist und rein will, sollte man es möglich machen, ist meine Meinung.

Die ganz kleinen Kinder, wenn wir z.B. bei uns auf der Station schwangere Personen haben, die im Leberversagen bei uns liegen und das Neugeborene auf der Neugeborenenintensiv, da machen wir meist möglich, wenn es infektiologisch für beide geht, für die Mutter und fürs Kind, dass man die entweder irgendwie auf dem Gang zusammentreffen lässt oder das Kind bringt oder der Vater mit dem Kind kommt. Da gibts verschiedene Möglichkeiten. Auch das ist etwas, was man besprechen muss, was individuell sehr verschieden gehandhabt wird.

Aber ich würde sagen, kategorisch zu sagen „Keine Kinder auf die Intensivstation“ ist in meinen Augen nicht richtig.

Besuch der Intensivstation

Beim Besuch der Intensivstation können Sie einige Punkte beachten, die den Ablauf Ihres Besuchs erleichtern.

Besuchszeiten auf der Intensivstation beachten

Manche Stationen ermöglichen den Besuch von Angehörigen den ganzen Tag. Andere erlauben Besuche nur für einige Stunden am Nachmittag, damit bewusst dafür gesorgt werden kann, dass Sie in dieser Zeit möglichst ungestört sind. Informieren Sie sich am besten im Internet oder telefonisch, wann ein Besuch möglich ist.

Hygienevorgaben auf der Intensivstation beachten

Zum Schutz der PatientInnen gelten auf der Intensivstation besondere Hygieneregeln. Diese stellen sicher, dass keine “fremden” Keime auf die Station gelangen. Waschen und desinfizieren Sie deshalb unbedingt vor und nach Ihrem Besuch auf der Intensivstation Ihre Hände.

Außerdem ist es leider nicht erlaubt Blumen mitzubringen.

Ablauf eines Besuchs auf der Intensivstation

  1. Anmeldung und Einlass
    Meist müssen Sie entweder vor der Intensivstation klingeln oder auf der Intensivstation anrufen. Die verantwortliche Pflegeperson wird Sie hineinlassen. Pflegerische oder medizinische Maßnahmen an PatientInnen können dazu führen, dass Sie warten müssen.
  2. Hygienemaßnahmen
    Beim Betreten der Intensivstation werden Sie darum gebeten, Ihre Hände mit Seife zu waschen und zu desinfizieren. Außerdem tragen alle BesucherInnen auf der Intensivstation eine Plastikschürze. Vielleicht wird Ihnen das Pflegepersonal weitere Hinweise zur Hygiene geben. Möglicherweise ist es zum Schutz Ihrer/Ihres Angehörigen nötig, dass Sie einen Mantel, eine Haube und einen Mundschutz tragen.
  3. Besuch nach Bedarf
    Verbringen Sie nach Möglichkeit Zeit mit Ihrer/Ihrem Angehörigen. Zu Beginn kann es sinnvoll sein, Besuche kurz zu halten, um PatientInnen nicht zu überlasten.
  4. Verlassen der Station
    Desinfizieren Sie Ihre Hände erneut. Geben Sie dem Pflegepersonal Bescheid, dass Sie die Intensivstation jetzt verlassen werden.

Darf ich mein Handy auf der Intensivstation benutzen?

In den Patientenzimmern sollten Sie Ihr Handy ausschalten, da dieses die Funktion der Geräte der Intensivstation beeinflussen könnte.

Kann ich meiner/meinem Angehörigen etwas zu essen oder trinken mit auf die Intensivstation bringen?

Es ist verständlich, dass Sie Ihrer/Ihrem Angehörigen etwas Gutes tun und ihr/ihm das Lieblingsessen oder Getränk mitbringen möchten. Allerdings ist der Magen von IntensivpatientInnen sehr sensibel und sollte nicht überlastet werden. Scharfe Säfte und Obst können beispielsweise bei vielen IntensivpatientInnen Magenschmerzen auslösen. Falls Sie etwas Bestimmtes mitbringen möchten, fragen Sie daher vorher das Pflegepersonal.

Transkript

Wie kann ich mit meiner/meinem Angehörigen kommunizieren, wenn er/sie bei Bewusstsein ist, aber nicht sprechen kann?

Manche intensivmedizinische Maßnahmen bzw. auch intensivpflegerische Maßnahmen machen es notwendig, den Patienten oder Ihren Angehörigen zwar wach zu halten, aber in einer notwendigen Beatmungsform z.B. vorübergehend zu betreuen, die ein Sprechen nicht möglich machen.

Ebenso hat in einem anderen Setting Frau Prof. Friesenecker schon den Luftröhrenschnitt angesprochen, der ein normales Kommunizieren auf einem Weg, den wir gewohnt sind, nicht möglich macht.

Sie als Angehöriger und auch wir als betreuende Pflegepersonen stellt das vor eine große Herausforderung.

Lippenlesen ist nicht jedermanns Sache.

Wir versuchen uns oder auch für Sie als Angehöriger, uns mit den einfachsten Behelfen, damit Abhilfe zu schaffen. Was heißt das? Jeder Patient, der zwar wach ist, aber nicht sprechen kann, wird von uns z.B. mit Stift und Papier ausgestattet, weil, wenn die motorischen Fähigkeiten in den Händen es zulasst, kann man seine Wünsche oder auch die Beschwerden oder Fragen aufschreiben.

Weiters arbeiten wir sehr, sehr viel mit Bildtafeln, wo wir die einfachsten Fragen, wie z.B. „Haben Sie Hunger?“, „Haben Sie Schmerzen?“, „Geht es Ihnen gut?“ bereits vorab gedruckt haben, und wir mit einfachem Zeigen dem Patienten die Fragen stellen.

Was vermieden werden soll, für Sie auch als Angehöriger ist, Fragen zu stellen, die der Patient nicht mit „Ja“ oder „Nein“ beantworten kann. Sie können sich sicher vorstellen, wenn man einen Satz mit einem Gegensatz beenden möchte, das aber nicht kann, schürt das für den Patienten Unsicherheit.

Weiters darf man auch die modernen Möglichkeiten, die uns durch die technischen Errungenschaften möglich gemacht worden, auch nicht aus den Augen verlieren. Ein Tablet, Gesprächsaufzeichnungen von anderen Angehörigen wie Kindern z.B., denen es nicht möglich ist, die Intensivstation zu besuchen, können für einen Familienvater, der aus dem Familienleben z.B. momentan gerissen wurde, auch eine Art der Kommunikation sein.

Für diejenigen unter Ihnen, für die z.B. aufgrund von aufgrund von anderen Herkunftsländern die sprachliche Barriere eine Schwierigkeit darstellt, sei auch erwähnt, dass die meisten Krankenhäuser mittlerweile auch auf digitalem Weg auch im Nachtdienst an Sonn und Feiertagen Dolmetscherdienste zur Verfügung stellen bzw. Kolleginnen und Kollegen, die andere Sprachen sprechen, auf Listen zusammengefasst werden und in der Dienstzeit, aber auch in der Nicht-Regeldienstzeit, sprich Wochenenden, Sonn- und Feiertagen, zur Verfügung stehen, um eine lückenlose Kommunikation zu gewährleisten und Fragen für alle Beteiligten zu beantworten.

Wie kann ich mit meiner/meinem Angehörigen kommunizieren, wenn er/sie im Tiefschlaf ist?

Eine häufig gestellte Frage, die mir als Intensivpflegeperson immer wieder unterkommt, ist die Frage: „Versteht mich mein Angehöriger überhaupt, wenn er denn hier schläft?“

Meine Meinung dazu ist: Definitiv ja.

Ich gebe Ihnen als Angehöriger den Tipp: Versuchen Sie, so normal wie möglich mit Ihrem Angehörigen zu sprechen, auch wenn dieser momentan in einem Schlafzustand gehalten wird.

Worüber kann ich mit meiner/meinem Angehörigen sprechen?

Die Frage, die uns immer wieder beschäftigt, ist auch: „Worüber kann ich denn mit meinem Angehörigen während des Intensivaufenthalts sprechen?“ Da antworte ich immer mit einer Gegenfrage: „Worüber würden Sie denn zu Hause mit ihm sprechen?“

Wenn Ihr Vater, Ihre Mutter, Ihr Angehöriger z.B. ein großer Fußballfan ist, erzählen Sie ihm die letzten Ergebnisse. Wenn Ihr Angehöriger gerne Musik hört, nehmen Sie Lieblingsmusik mit.

Was für uns ein wesentlicher Orientierungsfaktor auch immer ist: Wenn wir den Patienten in Form einer Pflegehandlung oder ans Bett treten, begrüßen wir immer mit dem Namen. Wir sagen Datum und Uhrzeit, stellen uns immer persönlich vor, um dem Patienten, auch wenn er schläft, immer eine Orientierungshilfe zu geben.

Sehr hilfreich kann hier immer sein, den Patienten an einem signifikanten Punkt wie Handgelenk und der Schulter dabei zu berühren und zu sagen: „Hallo, ich bin da. Ich setze mich neben dir hin und erzähl dir ein bisschen was, was draußen so passiert.“

Kann ich mit meiner/meinem Angehörigen Musik vorspielen? Welche Musik ist geeignet?

Auf die Frage hin: „Kann ich meinem Angehörigen Musik vorspielen?“, antworte ich immer sofort und meistens mit „Ja“, mit dem Punkt: sofern der Angehörige es wünscht.

Wir haben z.B. auch im Intensivbereich mittlerweile mobile Fernseher. Das heißt, wenn die Patientinnen und Patienten sich in der Phase des Aufwachens befinden oder bereits wach sind, aber noch nicht die Intensivstation verlassen können, bieten wir auch hier bei uns in unserem Rahmen normale Fernsehgeräte an.

Ich bringe Ihnen mal ein Beispiel von einem Patienten, den ich betreut habe, der Opernsänger war, war im Rahmen des Intensivsettings etwas unruhig, konnte sich nicht ganz konzentrieren. Die Behandlung war für sämtliche Beteiligte etwas schwierig, bis ihm jemand seinen Lieblings-IPod gebracht hat mit den Opernarien, die er selber gesungen hat. Das Problem war gelöst und ich in meiner Meinung bestärkt, dass Musik auch unterstützen kann.

Kommunikation mit der Patientin/dem Patienten

Je nach Zustand Ihrer/Ihres Angehörigen ist es ihr oder ihm nur eingeschränkt oder gar nicht möglich, mit Ihnen zu sprechen. Lassen Sie sich davon nicht abschrecken und gehen Sie so normal wie möglich mit Ihrer/Ihrem Nahestehenden um. Ihre Stimme ist vertraut, gibt Geborgenheit und spendet Trost und Sicherheit.

Kommunikation mit PatientInnen im Tiefschlaf

  1. Halten Sie sich wenn möglich im Blickfeld der Patientin/des Patienten auf, auch wenn sie/er die Augen geschlossen hat.
  2. Orientierung geben: Nennen Sie Ihren Namen, sowie Datum, Zeit und Ort, um der Patientin/dem Patienten eine Orientierungshilfe zu geben.
  3. Scheuen Sie sich nicht davor, Ihre/n AngehörigeN zu berühren, wenn Sie bei ihr/ihm sind. Halten Sie zum Beispiel ihre/seine Hand oder berühren Sie sie/ihn am Arm.
  4. Sprechen Sie mit Ihrer/Ihrem Angehörigen und nicht über sie/ihn. Ihnen fehlen die Worte? Besprechen Sie einfach Themen, die auch zuhause relevant sind.
    • Was sind die letzten Sportergebnisse oder Kulturereignisse?
    • Wie geht es en (Enkel)kindern oder Freunden, was machen sie?
    • Was haben Sie bei Ihrem letzten Spaziergang erlebt?
  5. Lassen Sie sich nicht davon verunsichern, dass Ihr/e AngehörigeR nicht antwortet. Sie können gerne weitererzählen. Ihre Stimme ist vertraut, gibt Geborgenheit und spendet Trost und Sicherheit.

Kommunikation mit PatientInnen die wach sind, aber nicht sprechen können

Manchmal sind PatientInnen wach, können aber trotzdem nicht richtig sprechen. Das kann zum Beispiel nach einem Schlaganfall oder durch einen Beatmungstubus vorkommen. Einige Tipps, damit die Kommunikation in dieser Situation besser gelingen kann:

  1. Nutzen Sie Block und Stift zur schriftlichen Kommunikation als Hilfe.
  2. Verwenden Sie Bildtafeln, die von der Station bereitgestellt werden können.
  3. Nutzen Sie die moderne Technik, wie Tablets oder Handys, um Sprachaufnahmen vorzuspielen oder schneller schriftlich zu kommunizieren.
  4. Vermeiden Sie Fragen, die nicht mit „ja“ oder „nein“ beantwortet werden können.
    Beispiel:

    • Statt: Wie geht es dir? – Geht es Dir gut?
    • Statt: Wie stark sind deine Schmerzen? – Hast du starke Schmerzen?
    • Statt: Was möchtest du essen? – Möchtest du Pudding?
    • Statt: Wie war die Therapie? – Konntest du heute während der Physiotherapie aufstehen?
  5. Möglicherweise reagiert Ihr/e AngehörigeR mit Unruhe und unkoordinierten Bewegungen auf Ihre Ansprache. Das kann daran liegen, dass sie/er sich nicht auskennt oder antworten will, aber nicht kann.
Transkript

Wer sind meine Ansprechpersonen auf der Intensivstation?

Die Frage, wer die Ansprechpersonen für Sie auf der Intensivstation sind, wenn Sie als angehörige Personen kommen: Das sind immer das Ärzteteam und die Pflegepersonen.

Beim Ärzteteam ist es manchmal schwierig, weil wir je nach Arbeitszeit bis zu 25 Stunden Diensträder haben und dann zum Teil über 3, 4 Tage immer ein anderer Arzt da ist, wenn Sie kommen, weil nach 24 Stunden derjenige, der Auskunft gibt, nach Hause geht. Das kann die Situation schwierig machen.

Bei den Oberärztinnen ist auch das Dienstrad etwas, was bestimmt, wer zu dem Zeitpunkt da ist, wenn Sie kommen.

Sie können, wenn Sie ein Problem damit haben, dass viele unterschiedliche Personen mit Ihnen sprechen und Dinge unterschiedlich gewichten und Sie an einem Tag etwas hören, was am anderen Tag ein bisschen anders aussieht und es für Sie schwierig ist, darum bitten, dass Sie Auskunft nur von einigen wenigen Personen oder nur vom Fachärzteteam bekommen. Auch diese Dinge kann man individuell festlegen.

Sie können sich auch von Pflegepersonen, die bei Aufklärungsgesprächen dabei sind, nochmal ein bisschen erklären lassen, im Nachhinein nachverdauen, was erzählt worden ist. Pflegepersonen dürfen eigentlich zu ärztlichen Auskünften und ärztlichen Themen keine Auskunft geben. Aber das Gespräch mit der Pflegeperson suchen und sich nochmal aus der Sicht Dinge erläutern lassen kann sehr viel helfen.

Wichtig ist, dass Sie möglichst viel mit uns reden. Und wenn Sie das Gefühl haben, Sie sind nicht gut versorgt, Sie haben nicht die Möglichkeit, ausreichend zu sprechen, sagen Sie uns das. Warten Sie nicht drauf, bis Sie sagen: „Da läuft alles schrecklich und ich kann da eh nicht reden und die erzählen mir nichts“, sondern wenden Sie sich an uns, suchen Sie das Gespräch, und wir werden versuchen, die Dinge möglichst gut zu erklären.

Kann ich auch telefonische Auskunft über den Zustand meiner/meines Angehörigen einholen? Wie läuft das ab?

Die telefonische Auskunft für Angehörige ist schwierig, weil es rein rechtlich eigentlich nicht erlaubt ist, telefonisch Auskunft zu geben, und je nachdem wir unter Umständen auch das Problem haben können, dass die Presse sich bei uns meldet unter dem Vorwand, ein Angehöriger zu sein und dann Auskunft bekommt, was natürlich das Datenschutzgesetz extrem verletzt, was für uns ein Kündigungsgrund sein kann.

D.h.: telefonische Auskunft ist schwierig.

Wir wissen aber auch auf der anderen Seite, dass der Tag für einen Angehörigen besser beginnt, wenn er kurz in der Früh hört, dass sein Angehöriger auf unserer Station die Nacht gut und sicher verbracht hat.

Und wir lösen das Problem so, dass wir aus dem Kreis der Angehörigen eine Kontaktperson bestimmen, die uns anrufen darf. Diese Person darf bei uns in der Früh vor der Morgenübergabe und ab mittags bis zum Abend anrufen. Wenn’s geht, meistens einmal am Tag.

Es gibt immer Auskunft am Bett zur Besuchszeit, wo man persönlich dann mit den besuchenden Angehörigen spricht.

Und die telefonische Auskunft ist für uns etwas, was wir tun, obwohl es eigentlich nicht wirklich erlaubt ist, weil wir glauben, dass es für unsere Angehörigen ganz eine wichtige Qualität ist, auch um den Tag in der Belastungssituation besser verbringen zu können.

Aber auch das ist eine individuelle Entscheidung jeder Intensivstation. Und wenn es telefonisch keine Auskunft gibt, ist das der rechtlich korrekte Weg.

Hierzu gibt’s viele Möglichkeiten, das zu handhaben.

Wie können alle Angehörigen über die neuesten Entwicklungen informiert werden?

Oft haben wir das Problem, dass ein Patient viele Angehörige hat, die an unterschiedlichen Orten der Welt leben und alle natürlich wissen wollen, gerade wenn es enge Angehörige, Kinder z.B. sind, natürlich alle Bescheid wissen wollen.

Wir können unmöglich alle diese Telefonate jeden Tag führen, weil dann müssten wir einen Kollegen dazu abstellen, nur diese Telefonate zu führen.

Das heißt: Auch hier legen wir eine Ansprechperson fest, die uns anruft. Es gibt je nach Situation unter Umständen dann ein Codewort, mit dem der Anrufende sich identifiziert und sagt: „Ich bin der Herr Müller, der Sohn vom Herrn Müller, und mein Codewort ist soundso.“ Der bekommt dann Auskunft.

Und die Aufgabe, und das ist dann auch gut mit allen anderen Angehörigen besprochen, die Aufgabe dieser Auskunftsperson ist dann, wenn er mit uns gesprochen hat, diese Auskunft auf alle anderen Familienmitglieder und Angehörigen im weiteren Sinne, die diese Auskunft haben dürfen, dann zu verteilen.

Auskunft vom Behandlungsteam erhalten und weitergeben

Wenn Ihr/e AngehörigeR auf der Intensivstation ist, sorgen sich meist viele Menschen im Familien- und Freundeskreis um die betreffende Person. Jede/r möchte sofort wissen, wie es der Patientin/dem Patienten geht und wie sich der Zustand verändert. 

Sie können die Kommunikation mit dem betreuenden medizinischen Team durch folgende Punkte erleichtern:

  1. Legen Sie im Angehörigenkreis eine fixe Ansprechperson für das medizinische Team fest. Diese kann die Informationen an alle anderen Angehörigen weiterleiten.
  2. Oftmals ist es auf Intensivstationen üblich, dass ein Codewort vereinbart wird, über das auch telefonisch Auskunft erhalten werden kann.
  3. Stellen Sie Fragen, wenn Sie etwas nicht verstanden haben oder Ihnen der weitere Ablauf der Betreuung und Therapie unklar ist. 

Tipp für die Kommunikation mit allen Angehörigen

Sie sind die Ansprechperson des medizinischen Teams und fühlen sich durch die Weitergabe der Informationen an alle weiteren Angehörigen überfordert? Treffen Sie eine Absprache mit einer weiteren, Ihnen nahestehenden Person und bitten Sie diese Neuigkeiten weiterzuleiten. So finden Sie Ruhe für sich selbst und können sich auf die Begleitung der Patientin/des Patienten konzentrieren.

Downloads

  • Glossar Intensivstation Auf der Intensivstation werden häufig kompliziert klingende Fachbegriffe und Abkürzungen verwendet. In diesem Glossar werden die wichtigsten Begriffe einfach erklärt.

Diesen Kurs bewerten

Ihr Feedback hilft anderen Nutzern die für sie passenden Kurse zu finden.
4.7/5 (33)

Geprüft Ao. Univ.-Prof.in Dr.in med. Barbara Friesenecker & DGKP Michael Urschitz: Stand Februar 2021 | Quellen und Bildnachweis

Die Kurse sind kein Ersatz für das persönliche Gespräch mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt, sondern ein Beitrag dazu, PatientInnen und Angehörige zu stärken und die Arzt-Patienten-Kommunikation zu erleichtern.

selpers Gesundes Lernen

Immer informiert

Ja, ich möchte den Newsletter von selpers abonnieren und regelmäßig über Blogbeiträge, Online-Kurse und Veranstaltungen informiert werden.