1. Die Intensivstation verstehen

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Intensivstation – was bedeutet das? Warum kommt man auf die Intensivstation? Warum kommt man nach einer OP in manchen Fällen auf die Intensivstation? Wer arbeitet auf der Intensivstation? Und welche Rolle spielen dabei Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung? Univ.-Profin.Drin Barbara Friesenecker und DGKP Michael Urschitz beantworten die wichtigsten Fragen zum Thema:

Wann muss man auf die Intensivstation?

Die Frage, wann eine Patientin auf eine Intensivstation muss, ist oft gar nicht so leicht zu beantworten.

Einer der Gründe, warum man auf eine Intensivstation muss, ist,

  • weil man schwer krank ist,
  • weil man besonders überwacht werden muss,
  • weil Organfunktionen unterstützt werden müssen,
  • weil Organfunktionen teilweise ersetzt werden müssen,
  • und weil ein Mensch ohne Intensivmedizin im Stadium einer schweren Erkrankung unter Umständen sterben würde.

Warum kommt man manchmal nach einer Operation geplant auf die Intensivstation?

Warum man nach einer geplanten Operation auf die Intensivstation kommt, kann man damit erklären,

  • dass Operationen in der heutigen Zeit unter Umständen große Operationen sind,
  • dass die Menschen, die wir operieren, unter Umständen viele Vorerkrankungen mitbringen und das unter Umständen auch in hohem Alter.

Das heißt, dass im Gegensatz zu früher Risikopatientinnen auch große Operationen haben können und dadurch auf jeden Fall nach einer Operation, die unter Umständen mit Komplikationen verlaufen kann,

  • es kann bluten während einer Operation,
  • es kann der Blutdruck abfallen während einer Operation,
  • es können andere Komplikationen eintreten.

Und in der Nachsorge nach so einer Operation, in der Phase des Aufwachens, ist eine besondere Überwachung aller Organe, Funktionen und ein sicheres Aufwachen dann nur auf der Intensivstation gewährleistet.

Intensivstation gibt Sicherheit für die Patientinnen, die betreut werden und ermöglicht Patientinnen, die auch schwer erkrankt sind, bevor sie operiert werden und diese Operationen unbedingt brauchen, dann sicher betreut werden und unter Umständen sehr, sehr gut, in gutem Zustand wieder in ihr vorheriges Leben zurückkommen können. Ohne Intensivmedizin wäre so etwas sehr wahrscheinlich nicht möglich.

Wann wird man von der Intensivstation auf eine Normalstation verlegt?

Wie lange man auf einer Intensivstation bleiben muss und wann man wieder auf die Normalstation zurückverlegt wird, ist auch für jeden Patienten individuell zu entscheiden.

Ganz wichtig ist, dass sich die Patientin auf der Intensivstation in ihren Organfunktionen, und das betrifft das Herz, die Niere, die Leber, das Gehirn, das Kreislaufsystem, so weit stabilisiert haben muss,

  • dass ohne größere Unterstützung diese Organe wieder selbstständig funktionieren,
  • dass die Patientin sich mit ihrem Hirn auch soweit erholt hat, auch das Gehirn ist nur ein normales Organ, dass sie wieder versteht, worum es geht,
  • dass sie bei Therapien mitmachen kann,
  • dass selbstständiges Essen wieder möglich ist,
  • dass es möglich ist, sich selbst im Bett wieder aufzusetzen,
  • dass bei der Mobilisierung es möglich ist, selber auch wieder mitzuhelfen,

sodass die Betreuung auf einer entweder Observationsstation als Step-Down-Unit von der Intensivstation oder sogar einer Normalstation

  • mit weniger Pflegepersonen,
  • mit weniger Physiotherapeuten,
  • mit weniger personellen Aufwand,
  • mit keinen Geräten mehr

möglich und vor allen Dingen sicher möglich ist für die Patientin.

Das muss das jeweilige Ärztinnenteam und Pflegeteam gemeinsam entscheiden, wann die Patientin so weit ist, dass sie es auf einer nachgeordneten Einheit, also Observationsstation oder auch Normalstation wieder mit der Unterstützung, die dort möglich ist und die viel weniger ist als auf einer Intensivstation, wann die Patientin in der Lage ist, dort sicher den weiteren Weg zu gehen.

Was ist eine Intermediate Care Unit und wann wird man dorthin verlegt?

Eine Intermediate Care Unit oder auch zu Deutsch eine Überwachungsstation oder Observationseinheit dient in erster Linie als Bindeglied zwischen Intensivstation und Normalstation. Wieso Bindeglied? Manche therapeutischen Ansätze, aber auch aus Sicht der Pflegepersonen kann es notwendig machen, sozusagen einen Zwischenstopp von Intensivstation zur Normalstation einzulegen. Und diesen Bereich decken die so genannten Intermediate Care Units ab.

Hiermit wird Überwachung, Diagnostik, Therapie und auch Pflege in einem Zwischending zwischen hochtechnisiert und Normalstation angeboten. Es gibt andere Personaleinsätze, andere Überwachungsmöglichkeiten und andere Therapiemethoden.

Aber am Ende ist es eigentlich eine Zwischenstation auf dem Weg, um Sie wieder fit zu bekommen.

Wer wird auf der Intensivstation betreut?

Die Intensivstation ist ein Ort der Sicherheit gibt, wenn Menschen schwer krank sind und Organe ihre Funktionen vorübergehend nicht selbst erfüllen können. Zwischen medizinischem Fachpersonal und technischen Geräten steht der Mensch im Mittelpunkt der Intensivmedizin.

Eine Betreuung auf der Intensivstation kann aus mehreren Gründen notwendig werden: 

Nach Unfällen

Bei Verkehrsunfällen oder schweren Stürzen können innere Organe und Knochen verletzt werden oder das Gehirn Schaden nehmen. Auf der Intensivstation hat der Körper Zeit zu heilen und das Gehirn Ruhe, um sich zu erholen.

Bei lebensbedrohlichen Erkrankungen

Chronische Erkrankungen oder plötzliche Notfälle, wie ein Schlaganfall oder Herzinfarkt, können den Körper schwächen und die Funktionen einzelner Organe schwerst beeinträchtigen. Man spricht dann von einem Multiorganversagen. Im Rahmen intensivmedizinischer Versorgung kann die Funktion von Organen ganz oder teilweise übernommen werden, um diesen Zeit zur Erholung zu geben, bis sie wieder selbst ihre Funktion übernehmen können.

Nach großen Operationen

Die heutigen medizinischen Möglichkeiten erlauben große heilsame Eingriffe in den menschlichen Körper. Diese Eingriffe können den Körper vorübergehend schwächen. Vorerkrankte Menschen mit Herzproblemen, Atemschwierigkeiten, eingeschränkter Nierenfunktion, beginnender Demenz etc. benötigen deshalb nach großen Operationen intensive Überwachung und Betreuung, die auf der Intensivstation geleistet wird. 

Entlassung von der Intensivstation

PatientInnen können von der Intensivstation entlassen werden, sobald sie nicht mehr auf engmaschige Betreuung durch das Intensivteam angewiesen sind. Sie sollten wach und ansprechbar sein, sich selbst bewegen und grundlegend versorgen können. Auch die Organe sollten weitestgehend selbstständig arbeiten. 

Von der Intensivstation ist eine Verlegung auf verschiedene andere Versorgungseinheiten möglich.

  • Auf einer Intermediate Care Unit (IMC) /Überwachungsstation können Organfunktionen weiterhin überwacht werden. Die Betreuung ist allerdings nicht ganz so engmaschig, wie auf der Intensivstation. 
  • Auf einer Normalstation werden PatientInnen weiterhin von Pflegepersonal und ÄrztInnen versorgt. In der Regel erfolgt keine durchgehende Unterstützung oder Kontrolle der Organfunktionen, beispielsweise durch ein Beatmungsgerät oder ein Dauer-EKG. 
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Welche Aufgaben haben die ÄrztInnen auf der Intensivstation?

Ärztinnen auf der Intensivstation haben neben der medizinischen Versorgung der Patientinnen eine komplexe Aufgabe:

Sie sind die Teamleaderinnen und müssen versuchen, das gesamte Team, alle auf der Intensivstation arbeitenden Personen zusammenzubringen, zu koordinieren, Personen zu rufen, die man braucht in der komplexen Versorgung von Patientinnen, die besondere Bedürfnisse haben.

Und was das Allerwichtigste ist: Ärztinnen müssen entscheiden, welche Patientinnen auf die Intensivstation kommen.

Es gibt Patientinnen, die unter Umständen zu gut sind für eine Intensivstation, die nach einer Operation oder nach einer ausführlichen Behandlung es gut im Bereich einer Observationsstation oder auch einer Normalstation schaffen können, weil sie gut bei Kräften sind, weil der Kopf gut funktioniert, weil sie viel Energiereserven haben, sie selbstständig und selbstbestimmt ihre Dinge erledigen können.

Und auf der anderen Seite gibt’s Patientinnen, die für eine Intensivstation zu schlecht sind. „Wie kann man für eine Intensivstation zu schlecht sein?“, werden Sie sich fragen. Und das ist eine auch für uns Ärztinnen ganz schwierig zu beantwortende Frage. Und wir müssen uns bei jeder Patientin, die wir auf die Intensivstation übernehmen, die schwer krank ist in der Vorgeschichte, viele Begleiterkrankungen mitbringt, eine große Operation vor sich hat, überlegen, wie gut das Reha-Potenzial, das Rehabilitations-Potenzial dieser Person ist und wie groß die Wahrscheinlichkeit ist, wenn man das Mühsal einer langen Intensivtherapie, die beschwerlich ist, die Schmerzen machen kann, die für Patientinnen oft schwer auszuhalten ist, ob man diese Situation auf sich nimmt, weil danach ein gutes Leben steht.

Wenn man technisch mögliche Dinge auf der Intensivstation nur macht, weil sie möglich sind, Patientin davon aber keinen Nutzen mehr hat, dann haben wir die Situation, wo wir in das große Thema der Übertherapie kommen, wo wir im Endeffekt technisch mögliche Dinge tun, ohne dass Patientin davon profitiert, wo wir Leiden verlängern, wo wir Sterben hinauszögern, und wo dieses gute Leben am Ende des Lebens, das sich jeder von uns, auch wir als Ärztinnen und als Pflegepersonen wünschen, wo wir dieses Ziel dann nicht erreichen können.

Diese Entscheidung zu treffen ist eine der wichtigsten Aufgaben von uns Ärztinnen auf Intensivstationen, dort gute Entscheidungen zu treffen, diese Entscheidungen mit Ihnen als Patientinnen, mit Ihnen als Angehörige möglichst rechtzeitig auch zu besprechen. Und das ist eine ganz große Herausforderung unserer modernen Medizin und Intensivmedizin, die sehr viel möglich macht, die sehr viel Gutes bewirkt, die sehr viele Menschen in ein gutes Leben zurückbringt, geheilt in ein gutes Leben zurückbringt, diejenigen Menschen, die davon nicht profitieren, darüber aufzuklären und ihnen auch den Weg in die Palliativmedizin und damit einen Weg in ein gutes Leben am Ende des Lebens ohne Intensivmedizin zu ermöglichen.

Eine der schwierigen Aufgaben, denen wir uns täglich auch als Ärztinnen auf einer Intensivstation stellen müssen.

Was sind die Aufgaben des Pflegepersonals auf der Intensivstation?

Die Aufgaben der Pflegepersonen auf den Intensivstationen ist nicht so einfach zu beantworten, weil sämtliche Bereiche, in denen die Pflegepersonen tätig sind, teilweise hochkomplex und aber doch wieder sehr einfach zu beschreiben sind.

Was bedeutet das? Die Frage ist immer: Warum sind in dem Intensivsetting Profis notwendig?

Die Patientinnen und Patienten, die wir in meistens 12-Stunden-Schichten betreuen, sind nach Operationen oder nach Unfällen oder schweren Erkrankungen instabil, sind schwer erkrankt. Und die Aufgabe meiner oder unserer Kolleginnen und Kollegen ist dahingehend, die Vitalzeichen der Patientinnen und Patienten zu überwachen, genauso aber die Grundbedürfnisse eines jeden Menschen zu befriedigen.

Was bedeutet das?

  • Wir sind für die Versorgung der Körperpflege zuständig.
  • Wir positionieren die Patientinnen und Patienten anders im Bett.
  • Wir versorgen Wunden.
  • Wir setzen Pflegehandlungen, die notwendig sind, um Infektionen zu vermeiden, um Druckgeschwüre zu vermeiden.
  • Wir arbeiten interdisziplinär mit den Kolleginnen und Kollegen der Ärzteschaft, den Therapeutinnen in sämtlichen Bereichen zusammen, um am Ende das bestmögliche Outcome für unsere Patientinnen und Patienten zu gewährleisten.

Was bedeutet das für uns? Wir sind ständig maximal, je nachdem, welche Größe die Intensiveinheiten haben, für zwei oder drei Patientinnen und Patienten zuständig. Das klingt, wenn man es das erste Mal hört, zwei Patienten, wenig. Aber wenn diese Menschen schwer erkrankt sind, sind wir durchaus den ganzen Tag und die ganze Nacht beschäftigt. Und wir versorgen die Patientinnen nicht nur in den Grundbedürfnissen, sondern wir sind auch dafür verantwortlich, Therapie zu verabreichen, die vorher in den Visiten festgelegt worden sind. Wir erarbeiten Therapiekonzepte wie Ernährung, wie mit den Physiotherapeuten, die Mobilisation.

Die Aufgabe der Pflegepersonen im Intensivbereich ist sehr, sehr vielseitig und wir sind sozusagen, um es zusammenzufassen, der Dreh- und Angelpunkt für sämtliche Professionistinnen und Professionisten, die bei der Betreuung Ihrer Angehörigen oder für Sie als Patient zuständig sind.

Wie helfen Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie und psychologische Betreuung den PatientInnen?

Die Frage, wie unsere begleitenden Helfer auf der Station mit Ihnen als Patientinnen Gutes tun können, ist vielfältig zu beantworten.

Physiotherapeutinnen sind dazu da, dass sie Ihnen als Patientinnen helfen, wieder auf die Beine zu kommen. Das fängt ganz einfach am Anfang, wenn man noch schwer krank ist mit der Atemtherapie an, dass man lernt wieder zu husten, aktiv zu atmen, tief ein- und auszuatmen geht, geht über die Mobilisierung, sprich das Sitzen quer am Bett, das Aufstehen aus dem Bett, das Gehen mit Gehhilfe am Gang, die sogenannte Mobilisierungstherapie, geht weiter über Lagerungstherapien spezieller Art, wenn man Patientinnen nicht wirklich aus dem Bett mobilisieren kann, weil sie dazu noch zu schlecht wären. Also Physiotherapie ist dazu da, den Körper zu mobilisieren und Patientinnen wieder fit und gut für ihr Leben auf der Normalstation zu machen, um dort wieder selbstständig die Dinge erledigen zu können.

Die Ergotherapie hat eine etwas andere Aufgabe. Ergotherapie oder Spieltherapie dient dazu, das Gehirn anzuregen, wieder aktiv zu werden, mitzudenken, Depression zu vermeiden, die lange Zeit auf einer Intensivstation, wo es unter Umständen auch langweilig sein kann, durch Spiele, durch Schreiben, durch handwerkliche Tätigkeiten zu unterstützen und auch hier Patientin wieder in ein aktives Leben zurückzubringen.

Dann haben wir die Gruppe der Logopädinnen. Auf der Intensivstation ist es so, dass durch die Beatmung und den Beatmungsschlauch, der durch den Mund über die Stimmritze in die Luftröhre geht, die komplette Mechanik im Kehlkopf gestört sein kann. Und das betrifft jetzt nicht nur den Schluss der Stimmenritze, sondern auch das Schlucken. Und man muss, wenn man länger beatmet ist, vor allen Dingen auch wenn man über den Hals den Zugang dann wählt in einer Langzeitbeatmung, die sogenannte Tracheostomie, und wir werden mit Ihnen da später auch noch drüber sprechen, dass man dann diesen kompletten Bereich des Kehlkopfes, des Schlucken muss, auch des Gaumensegels wieder aktivieren muss. Und man muss teilweise wieder neu schlucken lernen. Das ist etwas, was eine wesentliche Aufgabe der Logopädie auf der Intensivstation ist.

Die psychologische Betreuung auf einer Intensivstation ist wichtig für Sie als Patientinnen und natürlich auch für Sie als Angehörige, weil die, gerade wenn der Aufenthalt auf einer Intensivstation ein langer ist, sehr belastend sein kann. Man hat Angst, man ist unruhig, man weiß nicht, wo der Weg hingeht. Es gibt Höhen und Tiefen, es gibt Rückschläge. Und in dieser Phase psychologische Betreuung in Anspruch zu nehmen, wenn Sie als Patientin in der Lage sind, selbst mit einem Psychologen zu kommunizieren, ausgesprochen hilfreich.

Für alle unsere Angehörigen, die sich Sorgen machen, ist es sehr wichtig im Gespräch, jetzt nicht nur mit uns Ärztinnen und Pflegepersonen, sondern auch mit einer Person, die von außen dazukommt und vielleicht auch die Seele dann etwas mehr im Auge hat, sich die Dinge, die einen belasten, von der Seele reden zu können. Das kann dabei helfen einen guten Weg zu finden, durch diese schwierige und anstrengende Zeit auf der Intensivstation zu kommen.

Schlussendlich möchte ich erwähnen, das sind jetzt so die Professionals, die auf der Intensivstation uns unterstützen, und nicht zuletzt kann die Intensivstation nur gut laufen bis hin zum kleinsten Glied.

  • Alle Personen, die uns helfen, die Intensivstation sauber zu halten, keimfrei zu halten, die tagtäglich mit uns gemeinsam die Räume in einen Zustand bringen, dass Sie dort sicher liegen können, wenn Sie Patientin sind, dass Sie sich als Angehörige dort sicher aufhalten können.
  • Und selbstverständlich unsere Techniker, die die Geräte warten, wenn wir mit Geräten weite Fahrten in Operationssäle, in die Computertomographie oder in den Magnetresonanztherapie machen, wo man weit und lang unterwegs ist.

Dass alle diese Dinge funktionieren, ist auch Teil der Arbeit, die dieses Team der unterschiedlichsten Menschen, die auf einer Intensivstation zusammenarbeiten, erledigen muss.

Das Intensivteam - wer arbeitet auf der Intensivstation?

Das Team der Intensivstation besteht aus ExpertInnen verschiedener Berufsgruppen, die auf die Versorgung schwer kranker PatientInnen spezialisiert sind.

  • ÄrztInnen sind die TeamleiterInnen auf der Intensivstation. Viele ihrer Aufgaben auf der Intensivstation ähneln denen auf einer Normalstation. Sie untersuchen die PatientInnen gründlich und treffen dann Entscheidungen über die weitere medizinische Versorgung, indem sie Therapien planen, notwendige Untersuchungen anordnen, entscheiden welche Geräte zum Einsatz kommen und die passende Ernährung vorschreiben. Darüber hinaus klären sie aber auch das Gesamttherapieziel. 
  • Das Pflegepersonal versorgt die PatientInnen rund um die Uhr. Es ist erste Ansprechstelle bei Problemen und immer vor Ort. 
  • Das therapeutische Team kommt regelmäßig auf die Intensivstation und trainiert unterschiedliche Fähigkeiten mit den PatientInnen, um sie auf ihrem Weg zurück in ein selbständiges Leben zu unterstützen
    • PhysiotherapeutInnen unterstützen PatientInnen bei der Bewegung. Verschiedene Übungen fördern die Durchblutung, verhindern das Versteifen von Gelenken und stärken die Muskeln. 
    • ErgotherapeutInnen unterstützen PatientInnen beim Wiedererlernen von Alltagsfähigkeiten, wie Waschen, Handhabung von Besteck und Körperpflege.
    • LogopädInnen behandeln Schluckstörungen und trainieren, falls nötig, das Sprechen mit wachen PatientInnen.
    • Psychologische Betreuung steht auf der Intensivstation sowohl für PatientInnen als auch für Angehörige zur Verfügung und unterstützt beim Umgang mit dieser ungewohnten Situation.
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Was ist das Therapieziel auf der Intensivstation

Das Therapieziel auf der Intensivstation ist, so wie eigentlich das Therapieziel immer in der Medizin wäre, einen Patienten in sein eigenes gutes Leben zurückzubringen, Patienten zu heilen, dem Patienten möglichst gut wieder in sein Leben zu verlassen, dass er selbstständig, selbstbestimmt wieder alle die Dinge tun kann, die ihm wichtig sind. Das ist generell ein Ziel, das wir Ärztinnen haben.

Auf der Intensivstation ist es deswegen manchmal schwierig, weil wir mit Ihnen als Patientinnen dort nicht kommunizieren können.

Sie kommen zu uns. Sie haben viele Dinge vorher besprochen, wenn es um technische Dinge geht, wie wird die Operation verlaufen. Sie wissen, dass Sie auf die Intensivstation kommen. Trotzdem ist in der heutigen Zeit oft nicht besprochen, was Sie sich wünschen, wenn der Verlauf nach einer Operation sehr kompliziert wird, sprich: Sie werden nicht schnell wach. Sie können nicht mit uns sprechen. Die Organfunktionen sind schlecht und werden schlechter. Und wir als betreuende Ärztinnen auf der Intensivstation haben keine Ahnung, was Ihre Wünsche und Wertvorstellungen im Leben sind.

Es sei denn, Sie hätten vorgesorgt.

Vorsorge treffen würde bedeuten, dass Sie eine Patientinnenverfügung gemacht haben,

  • in der Sie festlegen, was Ihnen wichtig ist, was Sie sich wünschen, wenn eine Situation schlechter wird.
  • Dass Sie sich genau darüber im Klaren werden, welche Dinge Sie nicht mehr als therapeutische Optionen haben wollen.

Das ist im Gespräch mit Ihren behandelnden Ärztinnen genauestens festzulegen und zu definieren. Und das ist je nach Konstellation individuell zu entscheiden. Wenn man Patientinnen mit ihren Vorerkrankungen gut kennt und die Risiken einer Operation oder einer therapeutischen Handlung gut kennt, dann weiß man auch als Ärztin, wo der Weg hingehen kann, wenn es nicht gut läuft und könnte das besprechen.

Am allerbesten wäre, wenn Sie als Patientin mit Ihrer Patientinnenverfügung, wo Sie das schriftlich festhalten, zusätzlich einen Vorsorgebevollmächtigten bestimmen. Das ist eine Person Ihres Vertrauens, mit der Sie besprochen haben, was Sie sich in bestimmten Fällen wünschen, wenn Sie sich selbst dazu nicht äußern können.

Diese vorsorgebevollmächtigte Person ist dann eine Person, die im Gespräch mit dem Ärztinnenteam, wenn es um schwerwiegende Entscheidungen geht, z.B. „Werden wir hier weitermachen, oder werden wir eher palliativmedizinisch tätig werden, weil die Chance, dass es gut wird, nicht so groß ist?“ Wenn diese Entscheidungen zu treffen sind, dann kann die Vorsorgebevollmächtigte, die Sie gut kennt, die Ihre Wünsche und Wertvorstellungen gut kennt, Ihren mutmaßlichen Willen sehr gut in diese Diskussion mit dem ärztlichen Team einbringen.

Sprich diese Situation, zu vermeiden, dass man mit technisch möglichen Dingen Leben verlängert, Leiden hinauszögert, Sterben hinauszögert, weil man Entscheidungen nicht trifft, weil man den Willen von Ihnen als Patientin nicht gut kennt, kann man vermeiden, indem man gut vorsorgt, indem man sich vorher überlegt, wo der Weg hingehen soll, wenn es schlechter wird.

Und man muss sich ganz klar darüber sein, dass man nicht deswegen schlechter behandelt wird, weil man über diese Dinge gesprochen hat. Davor haben viele von Ihnen Angst, dass wenn man sagt „Gewisse Dinge möchte ich nicht“, dass man dann auch andere Dinge nicht bekommen würde. Ganz im Gegenteil: Wenn wir gut wissen, was Sie wünschen, was Sie für sich wollen, dann tun wir uns bei unseren Entscheidungen, die wir treffen müssen, wesentlich leichter und können Sie in ein Leben zurückbringen, das Sie sich gewünscht haben, oder Sie mit einem guten Leben am Ende des Lebens, ohne Sie zu quälen, ohne Ihr Leiden zu verlängern, mit guter Palliativmedizin, ohne Angst, ohne Stress, ohne Schmerzen, nicht alleine den Weg eines Sterbens in Würde gehen lassen, der manchmal auch auf der Intensivstation ein möglicher Weg ist und über den man auch frühzeitig reden muss.

Wenn man diese Dinge frühzeitig anspricht, dann ist meine Erfahrung, dass man Ihnen und Ihren Angehörigen damit sehr viel Angst und Bedenken, die sonst unausgesprochen sind, nehmen kann, und dass die Behandlungskette im Krankenhaus wesentlich besser und sicherer und für Sie positiv ablaufen kann.

Haben Sie also keine Angst davor, diese Dinge anzusprechen. Sie machen es für sich besser, und Sie machen uns als Behandlerinnen die Entscheidungen leichter, Entscheidungen nach Ihrem Willen auch zu treffen.

Welche Prognose hat mein/e Angehörige/r wenn er/sie auf de Intensivstation kommt?

Wenn Patientinnen zu uns auf die Intensivstation kommen, dann ist eine ganz häufige Frage, die sowohl von Ihnen als Patientin als auch von Ihnen als Angehöriger gestellt wird: „Wie wird es sein? Wie lange wird mein Angehöriger, oder wie lange werde ich auf der Intensivstation liegen müssen? Wird es wieder gut werden oder eher nicht?“ Das ist die Frage nach der Prognose.

Die Prognose ist für uns oft gut zu stellen, wenn die Situation sehr klar ist. Und dann werden wir Ihnen auch sagen: „Sie haben wenig Vorerkrankungen, Sie sind noch nicht sehr alt. Sie haben eine Operation, die Sie wahrscheinlich gut überstehen werden, wenn Sie wenig Komplikationen haben. Das kann sehr gut gehen. Sie werden wenige Tage bei uns sein, und dann wird hoffentlich sich dieser Spuk auflösen und Sie in ein gutes Leben zurückkommen.“ Das können wir Ihnen so oft sagen.

Wenn die Situation komplizierter ist, Sie sind ein älterer Mensch, aber nicht nur, das gilt auch für junge Menschen, die viele Vorerkrankungen mitbringen, die komplizierte Erkrankungen in ihrem Leben haben, schon über lange Zeit chronisch krank sind, denen man größere Operationen empfiehlt, weil die Lebensqualität damit verbessert werden soll. Wenn Sie in so einer Konstellation kommen, ist die Abschätzung der Prognose für uns oft nicht leicht. Und das ist genau der Fall, den wir vorher besprochen haben, wo man die Themen ansprechen muss, was Sie für sich wünschen, wenn Komplikationen eintreten und es unter Umständen nicht gut wird.

Es geht um das gute Leben am Ende des Lebens. Es geht darum, Therapieziele zu definieren, mit Ihnen zu besprechen, wo Ihr Rehabilitationspotenzial liegt. Kann man ein Ziel, das Sie erreichen wollen, für sich realistischerweise erreichen, oder muss man dieses Therapieziel ändern und sagen: „Wenn große Komplikationen eintreten, wenn es schwierig wird und die Situation so ist, dass wir glauben, Sie kommen nicht in dieses Leben, das Sie sich wünschen würden, sprich man würde ein schwerer Pflegefall werden, wenn man Intensivmedizin über lange Zeit ausdehnt und den Patienten nicht in ein selbständiges und selbstbestimmtes Leben zurückbringen kann, ihn technisch am Leben erhalten könnte“, das muss besprochen sein. Und das ist etwas, was mit der Prognose eng zusammenhängt und wo wir lernen müssen, Sie als Patientinnen, als Angehörige, das uns als Ärztinnen zu fragen. Und wir als Ärztinnen müssen sehr viel mehr lernen, dieses Thema auch mit Ihnen rechtzeitig anzusprechen.

Dann wird die Situation, in der wir uns alle befinden, wenn es schwierig ist, deutlich entlastet werden, und wir werden sicherere und bessere Entscheidungen für Sie als Patientinnen und als Angehörige in der Kommunikation treffen können.

Was bedeuten die Aussagen „die/der PatientIn ist stabil“ und „der Zustand ist kritisch“?

Wir verwenden in der Auskunft mit Ihnen oft den Ausdruck “Der Patient ist stabil“ oder „Der Patient hat sich verschlechtert. Er ist jetzt in einem kritischen Zustand.“ Was bedeutet das für Sie und für den Patienten?

Ein Patient, der stabil ist, ist nicht notwendigerweise ein guter Patient oder ein Patient auf dem Weg der Besserung. Stabil heißt nur, dass sich ein Zustand auf einer Ebene eingependelt hat. Und aus dieser Stabilität heraus kann der Patient, wenn er schwer krank war, eine große Operation gehabt hat, sich verbessern und gesund werden, oder er kann sich auch verschlechtern und wieder kränker werden.

Seine Organfunktionen können schlechter werden. Dann würde man sagen: „Der Zustand ist wieder weniger stabil. Der Patient wird kritischer krank.“ Das heißt, mehrere Organsysteme wackeln. Da gehört die Niere dazu, bis hin zur künstlichen Nierenwäsche. Da gehört das Herz-Kreislauf-System dazu, wo wir das Herz mit Medikamenten unterstützen müssen. Wo wir schauen müssen, dass genug Zirkulation, also das Blut vom Herz im Körper herumgepumpt wird, um die Organe mit Sauerstoff zu versorgen. Wir müssen die Leberfunktion stabilisieren. Wir müssen das Gehirn stabilisieren, die Lungenfunktion, eine wichtige Funktion. Wo wir also in vielen Organsystemen mehr unterstützen müssen bis hin zu Organfunktionen ersetzen. Das wäre dann wieder ein kritischer Zustand, den wir versuchen zu stabilisieren und aus dieser Stabilisierung zu verbessern und wieder zu stabilisieren, bis wir schlussendlich in der besten Variante ankommen, die geht.

Das heißt: Sie brauchen keine Unterstützung für Ihre Organe mehr. Sie sind selbstständig in der Lage zu reden, zu essen, unter Umständen auch schon im Bett zu sitzen, vielleicht sogar schon ein bisschen aufzustehen. Das ist dann die Stabilität, die wir am Ende brauchen, bevor Sie von der Intensivstation entlassen werden.

Also das kann auf der Intensivstation in Wellen der Stabilisierung nach der Operation kritischer werden durch eine Infektion, sich wieder stabilisieren und besser werden. Ein Verlauf, der für Sie als Patientin am mühsamsten, für die Angehörigen, die ihre Patientinnen betreuen, oft sehr mühsam mitzuerleben. Auch dieses Schwanken zwischen gut und schlecht. Ganz klassischer Verlauf, für einen komplexen Verlauf auf der Intensivstation zwischen Stabilität und kritischer Erkrankung, bis wir es dann hoffentlich schaffen, Sie als Patientin in einen Zustand zu bekommen, wo Sie von uns weggehen können auf die Observationsstation oder die Normalstation und dort weiter betreut, schlussendlich gesund nach Hause entlassen werden.

Was passiert, wenn sich die Prognose meiner/meines Angehörigen deutlich verschlechtert?

Wenn Sie von Ihrem aufklärenden Arzt hören, dass sich die Prognose verschlechtert, dann ist damit gemeint, dass die Wahrscheinlichkeit, gut aus einer Intensivtherapie auszusteigen, sprich in absehbarer Zeit mit guten Organfunktionen, mit gutem Gehirn, mit guter Gedächtnisleistung auf die Normalstation zu kommen und wieder nach Hause zu gehen, dass diese Wahrscheinlichkeit abnimmt, dass Sie unter Umständen dabei sind, sich zu verschlechtern.

Und wenn die Prognose sehr schlecht wird, dann würden wir mit Ihnen auch ansprechen, dass es sich im Endeffekt darum dreht, dass Sie sterben könnten, dass wir überlegen müssen, wie lange ein Weitermachen, ein Steigern der Therapie sinnvoll ist, dass wir in dem Bereich der oberen Grenzen dessen kommen, was sinnvoll machbar ist, und dass wir diese Therapiezieländerung „Weg von Heilung, hin zu Palliativmedizin und zu sterben in Würde“, dass diese Entscheidung ansteht, dass wir diese Entscheidung als ärztliches Team treffen müssen, uns überlegen müssen: „Können wir das uns gesetzte Ziel erreichen oder nicht?“ Und dass wir Ihnen dann als Angehörige ganz klar kommunizieren müssen, dass die Prognose mittlerweile so schlecht ist, dass wir Patientin nicht aus der Intensivstation wegbekommen werden, dass die Organfunktionen sich nicht stabilisieren lassen und dass Patientin in den Weg eines friedlichen Sterbens in Würde gehen wird.

Das ist etwas, was wir mit Ihnen ansprechen müssen, was wir ausführlich erklären müssen, wo es darum geht, gut zu kommunizieren.

Und die schlechte Prognose ist die Prognose, wo wir über das Sterben, und das kann er seine Intensivstation sehr friedlich und sehr gut von uns gelenkt werden, gemeinsam mit den Pflegepersonen, die am Bett arbeiten und sich um Ihre Angehörigen kümmern, die Sie mit unterstützen. Also in der Gemeinsamkeit dieser Arbeit am Bett eines sterbenden Patienten auf der Intensivstation sollten Sie sich als Angehörige gut aufgehoben und gut begleitet fühlen.

Wie wird entschieden, wenn die Patientin/der Patient ihren/seinen Willen nicht kommunizieren kann?

Die Situation, dass auf einer Intensivstation Sie als Patientin Ihren Willen nicht kommunizieren können, ist eine häufige.

Sie kommen zu uns auf die Intensivstation und haben vorher nicht festgelegt, was Sie sich wünschen, und der Aufenthalt auf der Intensivstation ist nicht geplant. Für diesen Fall haben wir das Problem, dass wir mit Ihnen selbst nicht sprechen können und dass wir über Ihre Angehörigen versuchen müssen, herauszufinden, was Ihr mutmaßlicher Wille ist. Damit Angehörige das tun dürfen, über Sie sprechen dürfen, uns Auskünfte geben dürfen, müssen Sie nach dem neuen Erwachsenenschutzgesetz, das seit Juli 2018 gilt, in eine Stellvertreterposition gesetzt werden.

Das heißt: Wir würden einen der Angehörigen, die Sie besuchen kommen, bitten, eine gesetzliche Vertretung für Sie zu übernehmen, das beim Erwachsenenschutzverein registrieren zu lassen, und dieser gesetzliche Vertreter ist dann die Person, die uns Ihren mutmaßlichen Willen bei Entscheidungsfragen kommuniziert.

Wenn aus dem Kreis Ihrer Angehörigen das keiner machen möchte, müssen wir über das Gericht einen gerichtlichen Stellvertreter bestimmen lassen, das ist die neue Bezeichnung des alten Wortes Sachwalter, der dann wiederum bei Entscheidungen, die nicht notfallmäßig getroffen werden, mitbestimmen muss, in welche Richtung die Entscheidung, die wir als Ärztinnen treffen, gehen kann.

Dieses Problem, vor dem wir stehen, dass wir, wenn mehrere Angehörige an Ihrem Bett stehen und z.B. nicht einer Meinung wären, was Sie sich wünschen würden, dieses Problem zu vermeiden können nur Sie selber, indem Sie für sich eine Patientinnenverfügung machen, in der Sie festlegen, was Sie sich wünschen und was Sie sich nicht wünschen, und in der Sie einen Vorsorgebevollmächtigten bestimmen aus dem Kreis der Menschen, die Sie umgeben, mit dem Sie über die Ihnen wichtigen Dinge im Leben, vor allem auch über die wichtigen Dinge des Lebensendes gesprochen haben, und der dann von Ihnen autorisiert als Ihr Vertreter Ihren mutmaßlichen Willen in der Diskussion mit uns einbringen kann.

Auf diese Weise wären wir als behandelndes Teams sicher, dass der Mensch, mit dem wir sprechen, wirklich derjenige Mensch ist, der Sie am besten kennt und mit dem Sie diese Dinge des Lebens besprochen haben.

Wenn Sie das nicht selbst bestimmen und diese Dinge dem Zufall überlassen, müssen wir als Ärztinnen entscheiden, wem wir mehr Glauben schenken, wenn bei den Angehörigen eine nicht einheitliche Meinung besteht.

Und es wäre für alle wesentlich einfacher, schwierige Entscheidungen zu treffen, wenn Sie als Patientin selbst im Zuge der Selbstbestimmung, die Ihnen jetzt mit diesem neuen Erwachsenenschutzgesetze möglich gemacht wird, wenn Sie das selbst für sich bestimmen und in die Hand nehmen.

Das ist etwas, was wir noch ganz, ganz selten in der Klinik sehen. Und es ist uns ganz wichtig, Ihnen diese Dinge gut zu erklären.

Und gesetzliche Vertretung zu übernehmen als Angehöriger für den Patienten, der vor Ihnen im Bett liegt, ist eine wichtige Funktion. Es muss ganz klar sein, dass Sie in dieser Stellvertreterfunktion nicht entscheiden müssen, ob der Patient jetzt stirbt oder nicht stirbt, ob wir weitermachen oder nicht weitermachen. Das sind Entscheidungen, die medizinisch von uns getroffen werden müssen. Aber Sie haben die Funktion in der Rolle des Stellvertreters, die Wünsche und Wertvorstellungen zu bestimmten Fragestellungen, die sich ergeben im Zuge der Diskussion um schwierige Entscheidungen des Menschen einzubringen, den Sie vertreten. Und das ist eine ganz wichtige Aufgabe.

Und jeder von Ihnen, ob Patient oder Angehörige, sollte sich überlegen, dass diese Dinge rechtzeitig, für jeden eigentlich jetzt, zu erledigen wären: Eine Patientenverfügung machen und einen Vorsorgebevollmächtigten zu bestimmen. Nur dann können Sie sicher sein, dass Ihre Wünsche und Wertvorstellungen umgesetzt werden, wenn Sie nicht für sich selbst sprechen können. Und das ist eine Situation, die wir auf der Intensivstation sehr oft haben.

Ziele und Grenzen der Intensivmedizin

Nicht selten müssen auf der Intensivstation Therapieziele angepasst werden, ohne dass die/der PatientIn ihren/seinen Willen dazu äußern kann. Um für solche Situationen vorzusorgen, gibt es in Österreich seit 2018 das Erwachsenenschutzgesetz. Es regelt, wer gemeinsam mit dem Ärzteteam Entscheidungen für volljährige PatientInnen treffen kann, wenn diese selbst dazu nicht in der Lage sind. Dabei entscheiden die ÄrztInnen, inwieweit ein/e PatientIn entscheidungsfähig ist.

Die Vorsorgevollmacht und andere Formen der Erwachsenenvertretung

Wenn ein/e PatientIn nicht mehr (voll) entscheidungsfähig ist, muss jemand anders im Sinne der Patientin/des Patienten entscheiden. Durch eine Vorsorgevollmacht können Sie schon jetzt für den Fall vorsorgen, dass Sie einmal nicht mehr entscheidungsfähig sind. Darin legen Sie eine Person fest, die im Notfall im Vorhinein festgelegte Entscheidungen treffen darf, z.B. in bestimmte medizinische Maßnahmen einwilligen oder diese ablehnen. Die Vorsorgevollmacht muss schriftlich bei einer/einem NotarIn, einer Rechtsanwältin/einem Rechtsanwalt oder einem Erwachsenenschutzverein errichtet werden. Wirksam wird sie in der Regel erst, wenn eine Ärztin/ein Arzt bestätigt, dass man nicht mehr entscheidungsfähig ist.

Wenn nicht mit einer Vorsorgevollmacht vorgesorgt wurde, entscheidet eine gewählte, gesetzliche oder gerichtliche Erwachsenenvertretung:

Wenn die/der PatientIn eingeschränkt entscheidungsfähig ist

Wenn die/der PatientIn nicht mehr voll entscheidungsfähig ist und daher keine Vorsorgevollmacht mehr einrichten kann, aber die Bedeutung und Folgen einer Bevollmächtigung noch in Grundzügen verstehen kann, kann sie oder er eine gewählte Erwachsenenvertretung auswählen. In Frage kommen dabei Personen, zu denen ein Vertrauensverhältnis besteht, also neben Angehörigen auch LebenspartnerInnen, FreundInnen oder NachbarInnen.

Wenn die/der PatientIn nicht mehr entscheidungsfähig ist

Wenn die/der PatientIn nicht mehr selbst eine/n VertreterIn wählen kann, muss eine gesetzliche Erwachsenenvertretung errichtet werden. Dabei muss entschieden werden, welche Person aus dem Kreis der nächsten Angehörigen bei schwieriger medizinischer Entscheidungsfindung den mutmaßlichen Willen der Patientin/des Patienten in die Diskussion mit dem behandelnden Ärzteteam einbringen soll. Diese Person muss sich dann als gesetzliche Vertretung beim zuständigen Erwachsenenschutzverein registrieren lassen.

Wenn keine andere Form der Erwachsenenvertretung in Frage kommt

Wenn die zuvor genannten Formen der Erwachsenenvertretung nicht möglich sind, weil zum Beispiel keine nahen Angehörigen für eine gesetzlich Erwachsenenvertretung zur Verfügung stehen oder diese sich nicht einigen können, wird durch ein Gericht eine gerichtliche Erwachsenenvertretung bestellt. Früher wurde in diesem Fall von einer/einem SachverwalterIn gesprochen.

Kennen Sie den Unterschied zwischen Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung?

Mit einer Vorsorgevollmacht bestimmen Sie eine für Sie vertrauenswürdige Person, die Ihren mutmaßlichen Willen bei schwieriger medizinischer Entscheidungsfindung einbringt, für den Fall, dass Sie nicht mehr für sich selbst sprechen können. In einer Patientenverfügung halten Sie Ihren Willen und Ihre Wünsche in Bezug auf medizinische Behandlungen fest. Vor allem, welche Behandlungen sie zur Gänze oder teilweise ablehnen wollen.

Auf Empfehlung der ARGE Ethik der ÖGARI (Österreichische Gesellschaft für Anästhesie, Reanimation und Intensivmedizin) sollten Sie eine nicht-verbindliche Patientenverfügung in Kombination mit einer Vorsorgevollmacht errichten. Ihr in der Patientenverfügung festgelegter Wille ist auch für Ihre/n VorsorgebevollmächtigteN bindend.

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  • Glossar Intensivstation Auf der Intensivstation werden häufig kompliziert klingende Fachbegriffe und Abkürzungen verwendet. In diesem Glossar werden die wichtigsten Begriffe einfach erklärt.

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Geprüft Ao. Univ.-Prof.in Dr.in med. Barbara Friesenecker & DGKP Michael Urschitz: Stand Februar 2021 | Quellen und Bildnachweis

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