2. Häufige Arten von Kopfschmerzen

Transkript

Wie Migräne, Cluster- und Spannungskopfschmerzen entstehen und worin sie sich unterscheiden sind Fragen, die oft bei PatientInnen und Angehörigen aufkommen. Wie erkenne ich, dass ich Migräne habe? Wie lange dauert Cluster-Kopfschmerz? Können Kopfschmerzen vom Nacken, von den Schulter oder vom Rücken kommen? OÄ Dr.in Marion Vigl teilt ihre Antworten zum Thema:

Wann spricht man von Migräne?

Wenn Sie wiederholt an Kopfschmerzattacken leiden, 

  • die halbseitig sind, 
  • pochend, 
  • pulsierend, 
  • von mittlerer bis starker Intensität, 
  • und diese Kopfschmerzen 4 bis 72 Stunden andauern,
  • wenn Sie während dieser Kopfschmerzen auch eine Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen haben oder empfindlich sind gegen Licht, Lärm oder Gerüche, 
  • und diese Kopfschmerzen sich durch körperliche Anstrengung wie z.B. Treppensteigen deutlich verstärken 
  • und Sie üblicherweise ein Ruhebedürfnis haben, 

können Sie mit großer Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass Sie unter einer Migräne leiden. 

Wie entsteht ein Migräne-Anfall?

Die Entstehung der Migräne ist bis zum heutigen Zeitpunkt nicht in allen Einzelheiten geklärt.

Wir wissen einerseits, dass das Gehirn von Migräne-Betroffenen etwas anders funktioniert als von Nichtbetroffenen. Es besteht ein gestörtes Reizverarbeitungssystem. Das heißt: Migräne-Patienten können sich an wiederholte Reize, negativer Reize nicht gewöhnen im Unterschied zu Nichtbetroffenen. 

Man kann sich das so vorstellen, dass das Gehirn von Migräne-Patienten immer in Hochspannung ist. Das heißt: Sie können sich nicht entspannen. Und in Zusammenhang mit verschiedenen Auslösern kann das das Migränezentrum triggern. 

Man geht in neuesten Untersuchungen zufolge davon aus, dass die Migräne-Attacke von einer Überreaktion der Nervenzellen im Migräne-Zentrum gestartet wird. Dieses befindet sich im Hirnstamm. Das ist die Verbindung zwischen dem Großhirn und dem Rückenmark. Dort kommt es zu einer Überreaktion der Nervenzellen. Es kommt zu einer vermehrten Ausschüttung von Neurotransmittern. Das sind Botenstoffe. Und diese Neurotransmitter führen dazu, dass es zu einer Erweiterung der Gefäße kommt. Die Gefäße werden durchlässiger. Es kommt zum Austritt von Schmerzmediatoren, also von Eiweißstoffen aus dem Blut. Im Hirngewebe und im Bereich der Hirnhäute spielt sich eine Entzündung ab.

Wie wir schon vorhin gehört haben: Der Schmerz wird nur in den Hirnhäuten wahrgenommen. Das führt dann zum sogenannten Migräne-Kopfschmerz: Jeder Pulsschlag führt zu einem starken Kopfschmerz. 

Die Übelkeit und das Erbrechen werden so erklärt, dass der Körper das Gefühl hat durch diese vermehrte Ausschüttung von Botenstoffen, als wäre eine Vergiftung vorhanden, und er versucht sich dagegen zu wehren, indem er erbricht und versucht, diese Vergiftung auszuscheiden. 

Wie unterscheidet sich Migräne mit Aura und ohne Aura?

Bei der Migräne mit Aura kommt es üblicherweise vor dem Kopfschmerz zum Auftreten von neurologischen Ausfällen. 

  • Diese Ausfälle können sein Sehstörungen im Sinne von Flimmerskotomen, dass Sie Teile des Gesichtsfeldes nicht sehen, es können auch bunte Farben sein, Zacken, verschiedenste Sehstörungen. 
  • Es können Gefühlsstörungen sein. Das äußert sich meist in Ameisenlaufen, Kribbeln oder Taubheitsgefühl im Gesicht und Armbereich. 
  • Und in seltenen Fällen kann es sogar zum Auftreten von Sprachstörungen kommen. 

Diese Ausfälledauer entwickeln sich langsam über die Zeit. Der Name „Aura“ kommt von Aurora, das ist die griechische Göttin der Morgenröte. Und so wie sich die Morgenröte langsam entwickelt, breiten sich auch die Aurasymptome langsam aus und dauern im Maximalfall bis zu einer Stunde.

Migräne

Migräne ist eine der häufigsten Kopfschmerzerkrankungen und betrifft überwiegend jüngere Erwachsene. Tendenziell leiden Frauen häufiger darunter als Männer.

Was sind Migräne-Kopfschmerzen?

Bei Migräne-Kopfschmerz handelt es sich um wiederkehrende Schmerzattacken, die vorwiegend halbseitig auftreten. Vom Charakter her sind Migräne-Kopfschmerzen eher pochend-pulsierend. Häufige Begleiter sind:

  • Appetitlosigkeit
  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Überempfindlichkeit auf Sinnesreize (Licht, Lärm und Geruch)

Während des Anfalls verspüren die PatientInnen meist ein Ruhebedürfnis. Körperliche Routinetätigkeiten wie Treppensteigen und bestimmte Kopfbewegungen sollten Sie vermeiden, da diese den Migräne-Kopfschmerz verstärken können.

Vor und nach der Migräne

Häufig bemerken die Betroffenen schon ein bis zwei Tage vorher, dass sich ein Migräne-Anfall anbahnt. Nach Abklingen des Kopfschmerzes sind die PatientInnen oft noch ein bis zwei Tage körperlich sehr geschwächt und benötigen Zeit, um sich zu erholen.

Wie entsteht ein Migräne-Anfall?

Die Ursachen für die Entstehung von Migräne-Attacken sind bis heute nicht vollständig geklärt. Aktuellen Untersuchungen zufolge könnte eine Übererregung im sogenannten Migränezentrum im Hirnstamm der Auslöser sein.

Die Übererregung führt zur vermehrten Ausschüttung bestimmter Neurotransmitter. Diese bewirken eine Dehnung der Blutgefäße und machen die Gefäßwände durchlässig für Blutflüssigkeit. Hierdurch kommt es zu einer Aufschwemmung und einer Art Entzündung der Hirnhäute und des Hirngewebes. Daraus resultieren Schmerzimpulse, die ausstrahlen und den Migräne-Kopfschmerz auslösen.

Migräne-Kopfschmerzen mit Aura und ohne Aura

Bei Migräne-Attacken mit Aura kommt es für gewöhnlich vor dem Kopfschmerz zum Auftreten neurologischer Ausfälle wie:

  • Sehstörungen
  • Gefühlsstörungen
  • Gleichgewichtsstörungen
  • Sprachstörungen

Diese Symptome entwickeln sich langsam und können bis zu eine Stunde andauern.

Migräne-Kopfschmerz ohne Aura ist durch einen halbseitigen, pulsierenden Schmerz gekennzeichnet, der meist hinter den Augen und der Stirn lokalisiert ist.

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Was sind Cluster-Kopfschmerzen?

Cluster-Kopfschmerzen sind heftigste Kopfschmerz-Attacken, die gehäuft über Monate bis Wochen auftreten. Das Typische von Cluster-Kopfschmerz ist, dass es ein einseitiger Kopfschmerz ist, der meist um das Auge herum hinter dem Auge wahrgenommen wird, von einer sehr starken bis fast unerträglichen Intensität ist. Im angloamerikanischen Sprachgebrauch spricht man auch von Suicide Headache. 

Das Typische beim Cluster-Kopfschmerz ist, dass er auf der Seite des Schmerzes von verschiedenen Symptomen begleitet ist. Das kann ein tränendes Auge sein, ein gerötetes Auge, ein geschwollenes Lied, Herunterhängen des Lids, auch eine Verengung der Pupille. Das kann eine rinnende Nase sein oder eine verstopfte Nase. 

Die Cluster-Attacken dauern üblicherweise 15 Minuten bis maximal drei Stunden. Sie treten relativ zur selben Uhrzeit auf und sehr oft aus dem Schlaf heraus. 

Im Unterschied zu den Migräne-Patienten besteht kein Ruhebedürfnis. Der Cluster-Patient geht während der Attacke herum, ist motorisch unruhig, teilweise wippen sie mit dem Oberkörper oder öffnen das Fenster, weil sie eine Art Lufthunger haben. 

Wie entstehen Cluster-Kopfschmerzen?

Der Entstehungsmechanismus des Cluster-Kopfschmerzes ist bis ist bis heute nicht restlos geklärt.

Einige Hirnregionen wie der Hypothalamus und der Hirnstamm dürften dabei eine wichtige Rolle spielen. 

Als Auslöser für eine Cluster Attacke ist das Trinken von geringen Mengen Alkohol, der Aufenthalt in Höhen, aber auch Nitroglyzerin. 

Das Interessante ist, dass diese Auslösefaktoren nur während der aktiven Clusterepisode zum Tragen kommen, aber nicht außerhalb. 

Wer ist am häufigsten von Cluster-Kopfschmerzen betroffen?

Beim Cluster-Kopfschmerz sind die Männer deutlich häufiger betroffen als die Frauen, nämlich ungefähr dreimal so häufig.

Cluster-Kopfschmerzen

Die besonders heftigen Cluster-Kopfschmerzen betreffen Männer deutlich häufiger als Frauen. Bei minderschweren Fällen kommt es zu einer Attacke jeden zweiten Tag. Es sind jedoch auch bis zu acht Attacken täglich möglich.

Was sind Cluster-Kopfschmerzen?

Cluster-Kopfschmerzen sind heftigste Kopfschmerz-Attacken, die streng einseitig auftreten und meist um das Auge herum bzw. hinter dem Augapfel lokalisiert sind. Typischerweise werden sie von Symptomen begleitet wie:

  • ein gerötetes Auge
  • Augentränen
  • eine verstopfte oder laufende Nase
  • ein hängendes Augenlid
  • eine Schwellung oder Rötung im Gesichtsbereich

Die Attacken treten über Wochen bis Monate vorwiegend im Frühjahr und Herbst auf. Typisch ist das Auftreten des Cluster-Kopfschmerzes aus dem Schlaf heraus, oft immer zur selben Uhrzeit.

Entstehung von Cluster-Kopfschmerzen

Bislang konnte die Ursache für Cluster-Kopfschmerzen nicht restlos geklärt werden. Eine wichtige Rolle dürften bestimmte Hirnregionen wie der Hirnstamm oder der Hypothalamus spielen. Die einzigen nachgewiesenen Auslöser sind geringe Mengen von Alkohol, hohe Höhen oder Nitroglycerin, das beispielsweise bei Angina-pectoris-Anfällen eingenommen wird. Diese kommen jedoch nur während der aktiven Kopfschmerz-Episode zum Tragen.

Männer häufiger betroffen als Frauen

Mit nur einem Betroffenen pro 1.000 Menschen ist der Cluster-Kopfschmerz sehr selten. Erstmals tritt diese Kopfschmerzform meist im Alter zwischen 20 und 40 Jahren auf. Männer leiden dreimal häufiger unter Cluster-Kopfschmerzen als Frauen.

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Wann spricht man von Spannungskopfschmerzen?

Wenn Sie unter einem Kopfschmerz leiden, 

  • der eher leicht bis mittelstark ist, 
  • von der Charakteristik eher dumpf drückend 
  • und keine Begleitsymptome, maximal eine leichte Überempfindlichkeit auf Licht oder Lärm bestehen, 

dann leiden Sie höchstwahrscheinlich unter einem Spannungskopfschmerz. 

Der Spannungskopfschmerz ist meist beidseitig lokalisiert, oft wie ein Reifen, ein zu enges Tuch, eine Haube, und verstärkt sich nicht durch körperliche Routinetätigkeiten. Im Gegenteil, manchmal bringt ein Spaziergang an der freien Luft eine Erleichterung bei Spannungskopfschmerzen. 

Der Spannungskopfschmerz kann unterschiedlich lange dauern, von ein paar Minuten bis auch mehrere Tage durchgehend. Meistens können die Patienten ihre Alltagstätigkeiten weiter verrichten. Der Kopfschmerz ist da, aber nicht subjektiv so einschränkend, aber lästig. 

Was kann Spannungskopfschmerzen hervorrufen?

Auch bei Spannungskopfschmerz weiß man nicht genau, wie er entsteht. Es ist ein multifaktorieller Kopfschmerz. Das heißt: Wenn mehrere Auslösefaktoren oder Trigger eintreten, kann es zum Auftreten des Kopfschmerzes kommen. 

Auslösende Faktoren können sein muskuläre Verspannungen, hier vor allem im Nacken-Schulterbereich. Es können aber auch innere Faktoren wie Stresssituationen oder auch Fieber, Wetterwechsel zum Auftreten eines Spannungskopfschmerzes führen.

Durch die Verspannungen im Nacken-Schulterbereich kommt es zu einer Sensibilisierung der Nervenzellen, und man wird schmerzempfindlicher. Und durch diese vermehrte Schmerzempfindlichkeit kommt es auch wieder zur Verstärkung der Verspannung. Und so kommt es zu einem Teufelskreis, der eben dann zu dieser Art des Kopfschmerzes führen kann. 

Wann gelten Spannungskopfschmerzen als chronisch?

Wenn Sie an 15 oder mehr Tagen pro Monat an Spannungskopfschmerz leiden, so leiden Sie an einem chronischen Spannungskopfschmerz. Wenn Sie weniger häufig dran leiden, an einem episodischen.

Spannungskopfschmerzen

Spannungskopfschmerz ist die häufigste Kopfschmerzart überhaupt. Frauen sind hiervon etwas öfter betroffen als Männer. Unterschieden werden chronisch und episodisch auftretende Verlaufsformen.

Typische Symptome bei Spannungskopfschmerzen

Spannungskopfschmerzen sind meist:

  • dumpf-drückend
  • leicht bis mittelstark
  • beidseitig (typischerweise reifenförmig oder haubenförmig)
  • am gesamten Kopf spürbar

Begleitsymptome treten nur selten auf. Manchmal besteht eine Überempfindlichkeit gegenüber Licht oder Lärm. Körperliche Routinetätigkeiten wirken sich nicht verstärkend aus. Bewegung an frischer Luft kann sogar Linderung bringen.

Ursachen von Spannungskopfschmerzen

Auch hier sind die genauen Ursachen noch nicht vollständig geklärt. Meist wirken mehrere auslösende Faktoren zusammen. Dazu zählen beispielsweise:

  • muskuläre Verspannungen (vor allem im Nacken-Schulter-Bereich)
  • Stresssituationen
  • Fieber
  • Wetterwechsel

Teufelskreis

Die Verspannung im Nacken-Schulter-Bereich führt zu einer Sensibilisierung der Nervenzellen. Dadurch kommt es zu einer höheren Schmerzempfindlichkeit, die wiederum eine Verstärkung der Verspannung bewirkt. Hieraus entsteht ein Teufelskreis, aus dem letztendlich die Spannungskopfschmerzen resultieren.

Wann gelten Spannungskopfschmerzen als chronisch?

Leiden Sie an 15 oder mehr Tagen im Monat unter Spannungskopfschmerzen, ist von chronischen Spannungskopfschmerzen die Rede. Treten die Schmerzen an weniger Tagen auf, handelt es sich um episodische Kopfschmerzen.

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  • Glossar Hier finden Sie begleitend zur Online-Kursreihe "Schmerzen erfolgreich bewältigen" alle wichtigen Begriffe gesammelt.

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Geprüft Dr. Marion Vigl: Stand November 2020 | Quellen und Bildnachweis

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