3. Risikofaktoren und Prävention

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Sind Kopfschmerzen vererbbar?

Kopfschmerzen sind nicht direkt vererbbar, aber es gibt eine familiäre Belastung, auf gewisse äußere Reize mit Kopfschmerzen zu reagieren. Das heißt zum Beispiel: Die Kinder von Migräne-Patienten haben ein zwei- bis dreifach erhöhtes Risiko, auch eine Migräne zu entwickeln. 

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Welche Rolle können Hormonschwankungen bei Kopfschmerzen spielen?

Frauen sind nach der Pubertät zwei- bis dreimal häufiger von Migräne betroffen. Dies steht in Zusammenhang mit dem weiblichen Hormonzyklus. Hier dürfte vor allem der plötzliche Östrogenen-Abfall vor der Menstruation dafür verantwortlich sein, dass eine Migräne-Attacke ausgelöst werden kann. Während hingegen stabile Östrogenspiegel, wie dies der Fall ist im zweiten und letzten Drittel der Schwangerschaft, dürften eher davor schützen, eine Migräne-Attacke zu entwickeln. 

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Wie hängen Kopfschmerzen und die Psyche zusammen?

Psychische Faktoren beeinflussen die Häufigkeit von Kopfschmerzen. Dies können einerseits langanhaltende Belastungsfaktoren sein, wie Konflikte in der Familie, in der Ehe. Es können Konflikte am Arbeitsplatz sein. Es kann aber auch eine chronische Überforderung im Beruf dazu führen, dass die Migränehäufigkeit zunimmt. 

Nachdem ja Körper und Psyche zusammenhängen und gegenseitig beeinflusst bzw. getriggert werden, ist es hier wichtig, die psychischen Faktoren stets mit zu behandeln und auch zu erfragen. Hier ist es wichtig, dass die Patienten einerseits lernen eine Schmerzbewältigung, Entspannungstechniken, aber auch Aktivierung ihrer Ressourcen, Ablenkung vom Schmerz oder eben über längere Zeit auch ein Lösen der Konfliktsituation. 

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Warum können Kopfschmerzen mit dem Wetter zusammenhängen?

Das Wetter wird oft beschuldigt, Migräne auszulösen, hier vor allem der Föhn oder Wetterwechsel. In den wissenschaftlichen Studien konnte dafür aber kein eindeutiger Beweis gefunden werden. Trotzdem muss man sagen, dass besonders empfindliche Menschen sehr wohl durch das Wetter beeinflusst werden können und dies als Trigger für die die Migräne gelten kann.

Risikofaktoren für Kopfschmerzen

Es gibt verschiedene Risikofaktoren, welche die Entstehung von Kopfschmerzen begünstigen. Starke psychische Belastungen zählen ebenso dazu wie Veränderungen an der Halswirbelsäule.

Kopfschmerzen und Psyche

Psychische Faktoren können die Häufigkeit des Kopfschmerzes beeinflussen und sollten daher bei der Behandlung einbezogen werden. Oftmals lassen sich in Zeiten mit hoher Kopfschmerzhäufigkeit und -intensität Belastungsfaktoren wie Konflikte in der Familie oder Überforderung im Beruf feststellen. Hilfreich sind in vielen Fällen Therapieansätze wie:

  • Stressbewältigung
  • Entspannungsverfahren
  • Strategien zur Schmerzbewältigung

Kopfschmerzen und Hormonschwankungen

Frauen leiden zwei bis dreimal häufiger unter Kopfschmerz als Männer. Die Ursache hierfür liegt im weiblichen Hormonzyklus. Bei der Entstehung von Migräne-Kopfschmerz wird vor allem dem plötzlichen Östrogenabfall vor der Menstruation eine große Bedeutung beigemessen.

Kopfschmerzen und Wetter

Wissenschaftliche Studien erbrachten bislang keinen eindeutigen Beweis für den Zusammenhang von Kopfschmerz und Wetter. Bei besonders empfindlichen Menschen können bestimmte Wettereinflüsse aber dennoch Kopfschmerz-Attacken auslösen.

Kopfschmerz steckt nicht in den Genen

Kopfschmerz ist nicht direkt vererbbar. Es gibt jedoch eine familiäre Veranlagung dafür, auf bestimmte äußere Reize mit Kopfschmerz zu reagieren.

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Was sind Trigger-Faktoren und sind sie die Ursache von Kopfschmerzen?

Trigger-Faktoren sind auslösende Faktoren. Dies muss klar von den Ursachen von Kopfschmerzen unterschieden werden. Trigger-Faktoren führen bei genetisch veranlagten Menschen dazu, dass Kopfschmerzen ausgelöst werden. Die sind der sogenannte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringen kann. Wobei man sagen muss, dass bei sehr vielen Kopfschmerz-Attacken trotz genauester Dokumentation kein Trigger gefunden werden kann. 

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Welche Trigger-Funktionen gibt es?

Es gibt eine Unmenge von Trigger Faktoren. 

Der am häufigsten genannte ist der Stress. Hier ist es sicher so, dass nicht das absolute Stressniveau ursächlich ist, sondern eher der Wechsel im Stresslevel. Das heißt: Ein rascher Wechsel von Anspannung zu Entspannung. Sie kennen das wahrscheinlich von sich, dass Sie in den ersten Tagen des Urlaubs, oft am Wochenende eine Migräne erleiden oder nach einer großen Prüfung, einem wichtigen Abgabetermin, wenn die Anspannung nachlässt. 

Weiters ist Stress auch bei Spannungskopfschmerz ein ganz relevanter Auslöserfaktor, hier vor allem über die muskuläre Anspannung im Nacken und Schulterbereich, die Ausdruck ist für die inneren Anspannungen, die oft sein können durch intrapsychische Konflikte, Belastungsfaktoren.

Weiters gibt es noch eine Menge an anderen Trigger-Faktoren wie unregelmäßiger Schlaf-Wachrhythmus, unregelmäßiges Essen, zu wenig Trinken, Hormonschwankungen. Es können auch verschiedene Medikamente sein, der Aufenthalt in verrauchten Räumen, zu grelles Licht. 

Es gibt in diesen Tagebuchstudien eine Unzahl von verschiedensten Trigger-Faktoren, die einerseits aber auch sehr individuell sind. Und deswegen ist es oft sehr wichtig, die Kopfschmerzen zu dokumentieren, um seine ganz persönlichen, subjektiven Auslöser zu finden und falls möglich auch vermeiden zu können.

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Welche Rolle spielt die Ernährung als Trigger-Faktor?

Die Ernährung kann bei einem gewissen Prozentsatz der Patienten Kopfschmerzen auslösen. Hier die allseits Bekannten wie z.B. Schimmelkäse, Wein oder auch Schokolade. Man muss aber dazu sagen, dass dies nur ein kleiner Prozentsatz der Patienten ist und es eine sogenannte z.B. Migräne-Diät nicht gibt. Wichtig ist eher, drauf zu kommen: Gibt es Nahrungsmittel, die bei mir Kopfschmerzen auslösen? Zum Beispiel eine sehr interessante Sache ist, dass die Schokolade jahrzehntelang als Trigger für die Migräne beschuldigt wurde. Neuesten Studien hingegen ist es so, dass dieser Heißhunger vor allem auf Schokolade wahrscheinlich ein Vorbote der Migräne-Attacke ist, weil der Körper schon weiß, dass er die nächsten ein, zwei, drei Tage zu wenig Energiezufuhr haben wird und versucht zu horten. Und das am besten mit Kohlenhydraten. Und hier wahrscheinlich am besten mit Schokolade. 

Zusammenfassend muss man sagen, dass es viel wichtiger ist, auf eine regelmäßige Nahrungseinnahme zu achten. Die Nahrungseinnahme sollte in Ruhe ohne Stress erfolgen und auch mit Freude.

Trigger-Faktoren bei Kopfschmerzen

Beim Kopfschmerz können unterschiedlichste Trigger-Faktoren eine Rolle spielen. Bei einigen PatientInnen ist es das Gläschen Rotwein, bei anderen Stress oder eine Abweichung vom gewohnten Schlafrhythmus.

Trigger-Faktoren sind auslösende Faktoren, die nicht in Zusammenhang mit den eigentlichen Kopfschmerz-Ursachen stehen. Sie sind der sprichwörtliche Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt. Allerdings lässt sich in vielen Fällen kein Trigger als Auslöser für wiederkehrende Kopfschmerz-Attacken identifizieren.

Welche Trigger-Faktoren gibt es?

Zu den wichtigsten Triggern im Zusammenhang mit Kopfschmerzen zählen:

  • Stress (rascher Wechsel zwischen Anspannung und Entspannung)
  • unregelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus
  • unregelmäßige Einnahme von Mahlzeiten
  • unzureichende Flüssigkeitszufuhr
  • hormonelle Schwankungen
  • bestimmte Medikamente
  • zu grelles Licht
  • der Aufenthalt in verrauchten Räumen

Ein Kopfschmerz-Tagebuch kann dabei helfen, die individuellen Trigger-Faktoren zu identifizieren und diese in Zukunft möglichst zu vermeiden.

Ernährung als Trigger-Faktor

Bei einem kleinen Prozentsatz der PatientInnen können bestimmte Lebensmittel zum Auftreten von Kopfschmerz führen. Bekannte Auslöser sind zum Beispiel Schimmelkäse und Wein.

Eine spezielle Migränediät gibt es nicht. Vielmehr gilt es, die persönlichen Trigger-Lebensmittel zu ausfindig machen und zu vermeiden.

Heißhunger auf Schokolade

Ursprünglich galt Schokolade als Auslöser für Kopfschmerz-Attacken. Mittlerweile geht die Wissenschaft aber davon aus, dass der Heißhunger auf Schokolade ein Vorzeichen für einen bald folgenden Migräne-Anfall sein kann.

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Wie kann ich durch eine Änderung meines Lebensstils Trigger-Faktoren vermeiden?

Sie selbst können sehr viel gegen Ihren Kopfschmerz tun, wenn Sie einerseits herausfinden, welche Trigger Faktoren bei Ihnen Kopfschmerzen auslösen und daraus ableitend gewisse Lebensstiländerungen vornehmen. 

Meine Empfehlung für Patienten mit häufigen Kopfschmerzen ist: Versuchen Sie, regelmäßig zu leben, einen geregelten Schlaf-Wachrhythmus zu haben, genug zu trinken, immer wieder im Tagesverlauf Pausen einzulegen, Entspannungstechniken zu lernen, diese auch regelmäßig anzuwenden und regelmäßig Ausdauersport zu betreiben. 

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Was sind erste Maßnahmen, die ich ergreifen kann, wenn sich Kopfschmerzen ankündigen?

Wenn sich eine Migräne-Attacke ankündigt, so würde ich Ihnen empfehlen, soweit es Ihnen möglich ist, sich aus dem Alltag zurückzuziehen, aus dem Beruf, falls möglich, sich reizabzuschirmen in einem dunklen, ruhigen Raum, eventuell die Stirn- und die Schläfenpartie zu kühlen und das von Ihrem Arzt verordnete Medikament einzunehmen. Denn gerade bei der Migräne ist es sehr wichtig, dass Sie so rasch wie möglich ein Medikament nehmen. 

Beim Spannungskopfschmerz ist es eher so, dass eine positive Ablenkung vom Schmerz, eventuell auch körperliche Betätigung wie ein Spaziergang in der frischen Luft eine Linderung bringen kann.

Bei der Einnahme von Schmerzmitteln gilt folgende Empfehlung: 

  • Wenn Sie an einer Migräne-Attacke leiden, ist die Empfehlung, so rasch wie möglich eine Schmerztablette einzunehmen und auch in ausreichender Dosierung. Denn je länger Sie zuwarten und je später Sie sie einnehmen, umso schwieriger ist die Migräne-Attacke zu behandeln.
  • Bei Spannungskopfschmerz, der ja ein eher leichterer Kopfschmerz ist, sollte man mit Medikamenten eher zurückhaltend sein. 

Zusammenfassend kann man aber sagen: Wenn Sie bemerken, dass Sie immer wieder und regelmäßig Schmerzmittel gegen Kopfschmerzen brauchen, sollten Sie einen Arzt aufsuchen, um dies weiter abzuklären. 

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Welche Druckpunkte eignen sich, um Kopfschmerzen zu reduzieren?

Man kann bei Kopfschmerzen verschiedene Triggerpunkte selbst drücken oder massieren, z.B. im Schläfenbereich oder der Entspannungspunkte der zwischen den Augenbrauen, eventuell auch eine leichte Massage im Nacken- oder Schulterbereich. Manchmal ist es auch angenehm, wenn man Pfefferminzöl aufträgt oder kühlende Cremen. Man kann natürlich auch Schmerzakupunkturpunkte selbst drücken, wie z.B. den Dickdarm 4. 

Ich glaube, jeder Patient muss für sich selbst herausfinden, was ihm in der akuten Kopfschmerzattacke am besten hilft. In diesem Bereich kann man eigentlich nichts falsch machen. Einfach versuchen und herausfinden, was einem guttut. 

[03:29]

Was kann gegen Übelkeit bei Kopfschmerzen helfen?

Wenn Sie begleitend zu Ihren Kopfschmerzen auch an Übelkeit oder Erbrechen leiden, gibt es einerseits Medikamente gegen das Erbrechen. Hier macht es Sinn, diese Medikamente als erstes einzunehmen, um das nachfolgende Schmerzmittel oder Triptan nicht wieder zu erbrechen.

Wenn die Übelkeit und das Erbrechen schon zu Beginn der Attacke im Vordergrund stehen, gibt es auch Schmerzmittel und Triptane, die als Schmelztabletten oder Nasenspray zur Verfügung stehen oder auch als Zäpfchen, um sozusagen den Magen-Darm-Trakt zu umgehen.

Aktiv gegen Kopfschmerzen

KopfschmerzpatientInnen können einiges dafür tun, dass die Schmerzattacken seltener oder weniger intensiv auftreten. Schon eine Umstellung des Lebensstils kann Besserung bringen.

Bei häufigen Kopfschmerz-Attacken ist der Griff zur Schmerztablette nur eine vorübergehende Lösung. Stattdessen empfehlen sich kleine Änderungen im Lebensstil, die sich an den bekannten Trigger-Faktoren ausrichten sollten. Wichtig sind vor allem:

  • ein geregelter Schlaf-Wach-Rhythmus,
  • eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr,
  • das Einplanen von Pausen in den Tagesablauf,
  • das Erlernen von Entspannungstechniken und
  • das regelmäßige Betreiben von Ausdauersport.

Bei ersten Anzeichen von Kopfschmerzen

Migräne-PatientInnen sollten sich bei einer nahenden Attacke so weit wie möglich aus dem Alltag und dem Beruf zurückziehen, sich in einem dunklen, ruhigen Raum vor Reizen abschirmen und das von ihrer Ärztin/ihrem Arzt verordnete Medikament einnehmen. Zudem kann es helfen, die Stirn- und Schläfenpartie zu kühlen.

Bei Spannungskopfschmerzen kann eine positive Ablenkung wie sportliche Betätigung oder ein Spaziergang an der frischen Luft Linderung bringen.

Druckpunkte

Eine Druckausübung oder leichte Massagen im Schläfenbereich oder am Entspannungspunkt zwischen den Augenbrauen kann Kopfschmerz lindern.

Viele PatientInnen finden leichte Massagen im Nacken- oder Schulterbereich oder das Auftragen von Pfefferminzöl oder kühlenden Cremes im Schläfen- oder Stirnbereich angenehm.

    • Tipp
      Auch Akupressur kann helfen. Ein besonders wichtiger Punkt hierfür befindet sich in der Kuhle zwischen Zeigefinger und Daumen. Üben Sie an dieser Stelle mit dem gegenüberliegenden Daumen Druck aus und halten Sie die Position für circa zwei Minuten.

Was tun bei Übelkeit?

Leiden Sie begleitend zum Kopfschmerz unter Übelkeit oder Erbrechen, verschreibt Ihnen Ihre Ärztin/Ihr Arzt ein Medikament dagegen. Diese Arzneimittel gibt es in Form von Schmelztabletten, Tropfen oder Zäpfchen. Außerdem kann ein Aufenthalt an frischer Luft gegen die Übelkeit helfen.

    • Tipp
      Nehmen Sie das Medikament gegen Übelkeit vor dem Schmerzmittel ein, damit Sie dieses nicht wieder erbrechen.

Downloads

  • Glossar Hier finden Sie begleitend zur Online-Kursreihe "Schmerzen erfolgreich bewältigen" alle wichtigen Begriffe gesammelt.

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Geprüft Dr. Marion Vigl: Stand November 2020 | Quellen und Bildnachweis

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