1. Kopfschmerzen und ihre Entstehung

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Die Ursachen, Arten und Entstehung von Kopfschmerzen werfen oft Fragen bei PatientInnen auf. Was kann der Grund für starke Kopfschmerzen sein? Wie viel Kopfweh ist normal? Bei welchen Kopfschmerzen muss ich zur Ärztin/zum Arzt gehen? OÄ Dr.in Marion Vigl teilt ihre Antworten zum Thema: 

Wie ist das menschliche Gehirn aufgebaut?

Sie sehen hier das Gehirn mit den beiden Großhirnhälften. Das werde ich jetzt auseinander klappen. Sie sehen es hier im Querschnitt. Das ist eine Großhirnhälfte. Hier unten setzt sich das Rückenmark fort. Und die Verbindung zwischen den Großhirnhälften und dem Rückenmark ist hier lokalisiert. Das ist der sogenannte Hirnstamm. Das hier Dunklere und Feingeäderte ist das Kleinhirn. Und was Sie hier sehen, das ist der Balken. Das ist die Verbindung zwischen den beiden Großhirnhälften.

Innen drin ist dann noch das Ventrikelsystem. Das ist mit dem Liquor, der Nervenflüssigkeit gefüllt. Die Nervenflüssigkeit ist auch außen herum. Und in der Nervenflüssigkeit ist das Gehirn eingebettet.

Die Hirnhäute sind sozusagen über dem Hirngewebe und zwischen den Knochen lokalisiert. Und in der Tiefe sind die Strukturen, die später auch fallen werden, wie der Thalamus und der Hypothalamus. Diese  sind in der Tiefe des Gehirns lokalisiert. 

Wann spricht man von Kopfschmerzen und wie entsteht das Schmerzgefühl im Kopf?

Jeder von uns kennt wahrscheinlich Kopfschmerzen. Kopfschmerz ist ein unangenehmes, ein Schmerzgefühl, das im Kopf wahrgenommen wird. Das Interessante ist, dass die Schmerzempfindung nicht direkt im Hirngewebe wahrgenommen wird, sondern an den Rezeptoren der Hirnhäute. 

Was ist der Unterschied zwischen primären und sekundären Kopfschmerzen?

Man unterscheidet prinzipiell zwischen primären und sekundären Kopfschmerzen.

  • Beim primären Kopfschmerz ist der Kopfschmerz selbst die Erkrankung.
  • Beim sekundären Kopfschmerz ist der Kopfschmerz ein Symptom für eine dahinterliegende Erkrankung wie z.B. eine Erkältung, ein erhöhter Blutdruck, kann auch eine Hirnhautentzündung oder eine Hirnblutung sein. 

Stimmt es, dass Frauen häufiger von Kopfschmerz betroffen sind als Männer?

Bei den verschiedenen Kopfschmerzformen sind die beiden Geschlechter unterschiedlich betroffen. 

  • Bei der Migräne zum Beispiel ist es bis zur Pubertät so, dass Mädchen und Jungen gleich häufig betroffen sind. Im Erwachsenenalter sind aber die Frauen dann zwei- bis dreimal häufiger betroffen. 
  • Während im Gegensatz dazu beim Cluster Kopfschmerz die Männer deutlich häufiger betroffen sind.

Kopfschmerzen - Grundlagen

Fast jeder hat hin und wieder Kopfschmerzen, die sich meist als Drücken, Hämmern oder Stechen im Kopf äußern können. Doch wo und wie entsteht dieses Schmerzgefühl im Kopf?

Aufbau des menschlichen Gehirns

Das menschliche Gehirn besteht aus dem Großhirn, dem Hirnstamm und dem Kleinhirn. Das Großhirn unterteilt sich in zwei Hälften, die durch den sogenannten Balken miteinander verbunden sind. Im Inneren des Gehirns befindet sich das mit der Nervenflüssigkeit gefüllte Ventrikelsystem. Diese Flüssigkeit fließt auch zwischen den Hirnhäuten, die das Hirngewebe von außen umgeben. Weitere wichtige Bestandteile sind der Thalamus und der Hypothalamus, die ebenfalls in der Tiefe des Gehirns lokalisiert sind.

Was sind Kopfschmerzen und wo entstehen sie?

Beim Kopfschmerz handelt es sich um ein im Kopf wahrgenommenes Schmerzgefühl. Die Schmerzempfindung erfolgt dabei nicht am Gehirn, das selbst schmerzunempfindlich ist, sondern an den Schmerzrezeptoren der Hirnhäute.

Primäre und sekundäre Kopfschmerzen:

  • Beim primären Kopfschmerz ist der Schmerz selbst die Erkrankung. Die PatientInnen leiden wiederholt unter Kopfweh, ohne dass sich dafür eine Ursache feststellen lässt.
  • Von sekundärem Kopfschmerz ist die Rede, wenn die Schmerzen ein Symptom für eine dahinterliegende Krankheit sind, beispielsweise für einen erhöhten Blutdruck oder eine Hirnhautentzündung.

Sind Frauen häufiger von Kopfschmerzen betroffen als Männer?

Bis zur Pubertät leiden Mädchen und Jungen gleichhäufig unter Kopfweh. Im Erwachsenenalter betreffen die verschiedenen Kopfschmerzarten Frauen und Männer unterschiedlich. Migräne tritt bei Frauen zwei bis dreimal häufiger auf als bei Männern. Von Cluster-Kopfschmerzen sind hingegen die Männer häufiger betroffen.

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Welche Faktoren können Kopfschmerzen verursachen?

Es gibt verschiedenste Ursachen und äußere Faktoren, die Kopfschmerzen verursachen können. Hier muss man unterscheiden, ob dieser Faktor an sich Kopfschmerzen auslösen kann, wie z.B. der Kopfschmerz bei übermäßiger Hitze-Exposition führt zu einem Hitzschlag und zu Kopfschmerzen oder bei einem Migräne-Patienten, wo z.B. ein Aufenthalt in einem überhitzten Raum eine Migräne-Attacke triggern kann.

Weiters gibt es Faktoren wie z.B. Hunger, Flüssigkeitsmangel, Hormonschwankungen, die eben Kopfschmerzen verursachen können, oder auch Verletzungen des Kopfes oder der Halswirbelsäule. 

Welche körperlichen Ursachen können Kopfschmerzen verursachen?

Es gibt verschiedenste körperliche Ursachen, die Kopfschmerzen verursachen können, wie zum Beispiel 

  • Flüssigkeitsmangel, 
  • Hunger, 
  • Elektrolytstörungen, 
  • Hormonschwankungen 
  • und verschiedenste Störungen der Körperorgane. 

Wann können Kopfschmerzen Hinweis auf eine Hirnblutung sein?

Es gibt gewisse Warnsymptome, die Hinweis sein können für eine schwerwiegende Erkrankung bei Kopfschmerzen. 

  • Wenn Sie z.B. an einem plötzlich aufgetretenen, peitschenschlagartig auftretenden Kopfschmerz vom massivster Intensität leiden, dann kann das z.B. ein Hinweis sein für eine Hirnblutung, ein geplatztes Gefäß.
  • Wenn der Kopfschmerz z.B. auftritt im Zusammenhang mit Fieber, mit epileptischen Anfällen oder einem gestörten Bewusstsein, sollte das auch sehr rasch abgeklärt werden.
  • Oder wenn Sie z.B. blutverdünnende Medikamente einnehmen und einen Sturz auf den Kopf hatten und sich danach ein Kopfschmerz entwickelt, muss man auch immer eine Hirnblutung ausschließen.

Ursachen von Kopfschmerzen

Kopfschmerzen können verschiedenste Ursachen haben. In manchen Fällen ist es wichtig, eine Ärztin/einen Arzt aufzusuchen.

Häufige Ursachen von Kopfschmerzen

Die Ursachen für Kopfschmerzen sind sehr vielfältig. ÄrztInnen kennen inzwischen über 180 Kopfschmerzarten, die auf unterschiedlichste Weise ausgelöst werden können.

Zu den häufigsten Auslösern von Kopfweh gehören:

  • übermäßige Hitzeeinwirkung
  • Kälte
  • Hunger
  • Flüssigkeitsmangel
  • Hormonschwankungen
  • Verletzungen des Kopfes oder der Halswirbelsäule
  • Fieber
  • zu hoher Blutdruck
  • Elektrolytstörungen
  • verschiedene Medikamente
  • Störungen der Leber- oder Nierenfunktion

Zu unterscheiden ist zwischen allgemeinen Faktoren, die an sich Kopfschmerzen auslösen können (z. B. Hitzschlag durch übermäßige Hitzeexposition), und bestimmten Faktoren, die beispielsweise eine Migräne-Attacke triggern können (z. B. der Aufenthalt eines/einer MigränepatientIn in einem überheizten Raum).

Wann können Kopfschmerzen ein Hinweis auf eine schwerwiegende Erkrankung sein?

Für eine schwerwiegende Erkrankung wie eine Hirnblutung sprechen Symptome wie das akute Auftreten von heftigstem Kopfschmerz oder Kopfschmerz in Verbindung mit Krankheitszeichen wie hohem Fieber oder epileptischen Anfällen. Auch ein gleichzeitig getrübtes Bewusstsein, Verwirrtheit, Sehstörungen oder ein Taubheitsgefühl in den Extremitäten können ein Hinweis auf eine schwere Krankheit sein.

In diesen Fällen müssen die Kopfschmerzen schnellstmöglich abgeklärt werden, um gefährliche Prozesse innerhalb des Gehirngewebes auszuschließen oder frühzeitig behandeln zu können.

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Was sind die häufigsten Formen von Kopfschmerz?

Die häufigsten primären Kopfschmerzformen sind 

  • der Spannungskopfschmerz, 
  • die Migräne mit und ohne Aura 
  • und der Cluster-Kopfschmerz. 

Der Spannungskopfschmerz ist sicher der am häufigsten auftretende primäre Kopfschmerz. Es leiden ungefähr 30 von 100 Patienten an regelmäßigen Spannungskopfschmerzen. 

Die Migräne ist mit 10 bis 15 von 100 Patienten die zweithäufigste Form, ist aber deutlich stärker und ist  sicher der Kopfschmerz, mit dem die Patienten am ehesten einen Arzt aufsuchen. 

Und deutlich seltener ist der Cluster-Kopfschmerz mit weniger als ein Patient auf 100. Dieser Kopfschmerz ist aber so heftig, dass die Patienten fast immer den Arzt aufsuchen.

Was sind Medikamenten-Kopfschmerzen und wie erkennt man sie?

Wenn Sie aufgrund eines primären Kopfschmerzes, der sehr häufig auftritt, regelmäßig und häufig Medikamente einnehmen müssen, zum Beispiel an mindestens 15 Tagen pro Monat, kommt es zu einer Chronifizierung des Kopfschmerzes, und zu Ihrem primären Kopfschmerz pfropft sich sozusagen der Medikamenten-Kopfschmerz drauf. Das heißt: Dieser Kopfschmerz ähnelt meist dem ursprünglichen Kopfschmerz. Der kann zum Beispiel wie eine Migräne auftreten oder auch wie ein Spannungskopfschmerz und vergeht wieder, wenn Sie eine längere Medikamentenpause einlegen. 

Es kann auch sein, wenn Sie unter einem Medikamentenkopfschmerz leiden, dass Sie zusätzlich an Schwindel leiden, an Konzentrationsstörungen, an Schlafstörungen und einer allgemeinen Müdigkeit.

Was ist eine Trigeminusneuralgie und was kann sie hervorrufen?

Der Nervus trigeminus versorgt das Gesicht sensibel und besteht aus drei Ästen: 

  • Der erste Arzt versorgt den Stirnbereich, 
  • der zweite Ast die Wange und die Nase 
  • und der dritte Ast den Unterkiefer. 

Von einer Trigeminusneuralgie spricht man, wenn es zu blitzartig einschießenden, heftigsten Attacken in einem oder mehr dieser drei Äste kommt. Diese Attacken dauern nur wenige Sekunden, können aber bis zu 200 Mal am Tag auftreten. 

Es gibt gewisse Trigger für diese Attacken: Wenn der Patient z.B. spricht, kaut, schluckt oder sich im Gesicht berührt, kann es zum Auslösen dieser Attacken kommen. 

Es führt oft so weit, dass die Patienten in diesen Schmerzepisoden nicht mehr essen und trinken können. 

Warum ist es wichtig zu wissen, welche Art von Kopfschmerzen ich habe?

Es gibt eine Unmenge von verschiedenen Kopfschmerzdiagnosen. Die bis jetzt genannten sind sicher die häufigsten, mit denen Patienten einen Arzt aufsuchen. 

Vielleicht wichtig zu sagen ist, 

  • dass der Kopfschmerz in den meisten Fällen kein Symptom für eine gefährliche Ursache ist,
  • dass sehr gut die verschiedenen Formen durch das ärztliche Gespräch unterschieden werden können. 

Das ist insofern wichtig, da man aufgrund einer korrekten Diagnose auch die gezielte und effektive Therapie einleiten kann.

Kopfschmerzformen

Es gibt verschiedene Kopfschmerzformen, die zum Teil einer unterschiedlichen Behandlung bedürfen. Obwohl die meisten davon harmlos sind, ist eine genaue Diagnose wichtig.

Häufige Kopfschmerzformen

In den meisten fällen handelt es sich um:

  • Spannungskopfschmerzen
    Spannungskopfschmerzen sind hierbei die am häufigsten auftretende Form. Etwa 30 von 100 KopfschmerzpatientInnen leiden an regelmäßigen Spannungskopfschmerzen.
  • Migräne-Kopfschmerzen (mit und ohne Aura)
    Migräne-Kopfschmerzen betreffen 10 bis 15 von 100 PatientInnen. Sie sind deutlich stärker als Spannungskopfschmerzen und die Kopfschmerzart, mit der die Betroffenen am häufigsten eine Ärztin/einen Arzt aufsuchen.
  • Cluster-Kopfschmerzen
    Cluster-Kopfschmerzen widerfahren nur einem/einer von 1.000 PatientInnen. Diese Kopfschmerzen sind so stark, dass die Betroffenen fast immer medizinische Hilfe in Anspruch nehmen.
  • Medikamentenkopfschmerzen
    Von einem Medikamenten-Kopfschmerz ist die Rede, wenn Medikamente gegen einen primären Kopfschmerz an mehr als 15 Tagen im Monat (bei einigen Medikamenten an mehr als zehn Tagen) eingenommen werden und der Kopfschmerz an mehr als 15 Tagen im Monat auftritt. Viele PatientInnen mit Medikamenten-Kopfschmerz leiden zusätzlich zum primären Kopfschmerz unter Schwindel, Konzentrationsstörungen, Schlafstörungen und einer allgemeinen Müdigkeit.
  • Trigeminusneuralgie
    Bei einer Trigeminusneuralgie kommt es bis zu zweihundert Mal am Tag zu blitzartigen heftigen Schmerz-Attacken in einem oder mehreren Ästen des Trigeminusnervs, die jeweils einige Sekunden andauern. Ursache der klassischen Trigeminusneuralgie ist häufig ein Gefäß-Nerven-Kontakt. Darüber hinaus gibt es die symptomatische Trigeminusneuralgie, bei der eine andere Erkrankung den Trigeminusnerv reizt, z. B. Multiple Sklerose oder Herpes Zoster. In seltenen Fällen kann auch ein Tumor der Auslöser sein.

Kopfschmerzursachen sind meist harmlos

Bei den meisten PatientInnen ist der Kopfschmerz kein Symptom einer gefährlichen Krankheit. Eine Diagnose ist aber dennoch wichtig, weil erst das Wissen um die Kopfschmerzart eine gezielte Behandlung ermöglicht.

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  • Glossar Hier finden Sie begleitend zur Online-Kursreihe "Schmerzen erfolgreich bewältigen" alle wichtigen Begriffe gesammelt.

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Geprüft: Dr. Marion Vigl: Stand November 2020 | Quellen und Bildnachweis

Die Kurse sind kein Ersatz für das persönliche Gespräch mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt, sondern ein Beitrag dazu, PatientInnen und Angehörige zu stärken und die Arzt-Patienten-Kommunikation zu erleichtern.

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