5. Untersuchungen und Diagnose

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Die Untersuchungen bei Kopfschmerzen und Themen wie Arztgespräch und Diagnose werfen viele Fragen bei PatientInnen auf. Wann sollte man bei Kopfschmerzen zur Ärztin/zum Arzt gehen? Welche Ärztin/welcher Arzt behandelt Kopfschmerzen? Kann man Kopfschmerzen im MRT oder CCT sehen? OÄ Dr.in Marion Vigl beantwortet häufige Fragen zum Thema:

Ab wann sollte ich bei Kopfschmerzen eine Ärztin/einen Arzt konsultieren?

Wenn Sie häufig an Kopfschmerzen leiden, wenn Sie an starken Kopfschmerzen leiden oder die Kopfschmerzen Sie beunruhigen, sollten Sie immer einen Arzt aufsuchen. Im Zweifelsfall lieber einmal zu viel als einmal zu selten. 

Welche Ärztin/welchen Arzt kann ich bei Kopfschmerzen aufsuchen?

Der erste Ansprechpartner für Ihre Kopfschmerzen soll der behandelnde Hausarzt sein, der dann entscheidet, ob er Sie weiter verweist zum Facharzt für Neurologie, deren Spezialgebiet der Kopfschmerz ist. In Akutfällen oder bei plötzlich aufgetretenen Kopfschmerzen können Sie jederzeit eine Ambulanz oder ein Krankenhaus aufsuchen. 

Welche Fragen kann mir die Ärztin/der Arzt stellen?

Wenn Sie wegen Ihrer Kopfschmerzen zur Ärztin oder zum Arzt gehen, wird Sie oder er Ihnen folgende Fragen stellen:

  • Wie würden Sie Ihren Kopfschmerz beschreiben?
  • Wie lange dauert Ihr Kopfschmerz an? 
  • Welche Trigger-Faktoren können den Kopfschmerz auslösen? 
  • Welche Begleitsymptome sind dabei? 
  • Wie häufig treten die Kopfschmerzen auf? 
  • Welche Medikamente haben Sie schon versucht? 
  • Sind diese hilfreich oder nicht? 
  • Haben Sie schon vorbeugende Maßnahmen versucht
  • Und bestehen noch andere Erkrankungen? 
  • Allergien? 
  • Medikamenteneinnahme? 
  • Weiters wird Sie der Arzt auch nach der Familienanamnese befragen, 
  • eventuell auch nach ihrer sozialen Situation 
  • und ihren Lebensgewohnheiten. 

Wie kann ich mich auf den Termin bei der Ärztin/dem Arzt vorbereiten?

Wenn Sie wegen Ihrer Kopfschmerzen eine Ärztin oder einen Arzt aufsuchen, kann es hilfreich sein, 

  • dass Sie sich vorher vielleicht einige Gedanken machen, sich versuchen zu erinnern, wann der Kopfschmerz begonnen hat,
  • falls möglich, auch in den Wochen oder Monaten davor den Kopfschmerz zu dokumentieren, 
  • die Vorbefunde herauszusuchen und mitzunehmen
  • und sich auch, ganz wichtig, überlegen, was Sie vom Arzt wissen wollen. 

Da kann es oft hilfreich sein, dass man sich die Fragen aufschreibt, diese Liste dann auch mitnimmt. Denn meistens vergisst man in der Aufregung die eine oder andere Frage. 

Und dann wird der Arzt sozusagen noch die ergänzenden Fragen stellen.

Das Arztgespräch bei Kopfschmerzen

Bei der Kopfschmerz-Diagnose spielt das Arztgespräch eine zentrale Rolle. Um die Ursachen einzugrenzen, stellt der Arzt/die Ärztin Fragen zu Ihren Kopfschmerzen, Begleiterscheinungen und aktuellen Lebensumständen.

Eine Ärztin/einen Arzt sollten Sie immer dann aufsuchen, wenn Kopfweh bei Ihnen häufig auftritt, Sie an starken Kopfschmerzen leiden oder der Schmerz Sie beunruhigt.

Erste/r AnsprechpartnerIn bei Kopfweh ist Ihre Hausärztin/Ihr Hausarzt. Diese/r entscheidet, ob sie/er Sie an eine Fachärztin/einen Facharzt weiterverweist. In Akutfällen und bei sehr starken Kopfschmerzen können Sie jederzeit eine Ambulanz oder ein Krankenhaus aufsuchen.

Welche Fragen wird mir die Ärztin/der Arzt bei chronischen Kopfschmerzen stellen?

Bei der Untersuchung prüft die Ärztin/der Arzt alle Faktoren, die in Zusammenhang mit den Kopfschmerzen stehen. Unter anderem stellt sie/er folgende Fragen:

  • Wie würden Sie Ihren Kopfschmerz beschreiben?
  • Wie lange dauert Ihr Kopfschmerz?
  • Welche Trigger-Faktoren lösen den Kopfschmerz aus?
  • Welche Begleitsymptome treten auf?
  • Wie häufig tritt der Kopfschmerz auf?
  • Welche Medikamente haben Sie bereits versucht? Haben diese geholfen?
  • Haben Sie schon vorbeugende Maßnahmen versucht?
  • Bestehen noch andere Erkrankungen, Allergien oder Medikamenteneinnahmen?

Darüber hinaus befragt Sie die Ärztin/der Arzt zur Familienanamnese, eventuell auch zu Ihrer sozialen Situation und Ihren Lebensgewohnheiten.

    • Tipp
      Machen Sie sich vor dem Arztbesuch einige Gedanken zu Ihrem Kopfschmerz. Versuchen Sie sich beispielsweise zu erinnern, wann er begonnen hat. Eine Auflistung möglicher Fragen, die Ihnen beim Anamnesegespräch gestellt werden können finden Sie im Leitfaden zur Vorbereitung auf das Arztgespräch zum Downloaden. Sie können den Kopfschmerz auch bis zum Arzttermin dokumentieren. Sofern vorhanden, suchen Sie die Vorbefunde heraus und nehmen Sie diese mit. Außerdem sollten Sie sich überlegen und aufschreiben, was Sie von der Ärztin/vom Arzt wissen wollen.
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Wie stellt die Ärztin/der Arzt die Diagnose?

Üblicherweise wird der Arzt bereits im Erstgespräch die Diagnose Ihres Kopfschmerzes stellen können. In unklaren Fällen wird er Sie bitten, Ihre Kopfschmerzen zu dokumentieren. Und eventuell bei der zweiten oder dritten Kontrolle kann dann eine eindeutige Diagnosezuteilung erfolgen. 

Wie läuft eine neurologische Untersuchung bei Kopfschmerzen ab?

Der Neurologe wird Sie nach dem Gespräch untersuchen. Die klinisch-neurologische Untersuchung ist nicht schmerzhaft und dauert im Schnitt zwischen 5 bis 10 Minuten. 

Es werden die verschiedenen Funktionen des zentralen und peripheren Nervensystems geprüft. Das sind einerseits die Hirnnerven. Hier schaut man sich an, ob z.B. die Austrittspunkte des Gesichtsnerves schmerzhaft sind. Man schaut sich an, ob sozusagen die Gesichtsmimik symmetrisch ist, ob es Einschränkungen im Sichtbereich gibt, im Gesichtsfeld, ob es Probleme beim Schlucken, bei der Artikulation gibt. Weiters wird der Neurologe auch schauen, ob es Einschränkungen im Bereich der Halswirbelsäule gibt, ob es Verspannungen gibt, ob Triggerpunkte druckschmerzhaft sind.

Dann wird er noch schauen, ob die Kraft seitengleich ist, die Muskelspannung, er wird die Reflexe prüfen, die Muskeleigenreflexe. Das ist das, was Sie wahrscheinlich kennen, wo mit dem Reflexhammer die Reflexe ausgelöst werden. 

Weiters gibt es noch Tests für verschiedene andere Bereiche des Gehirns, wie z.B. das Gleichgewichtsorgan im Kleinhirn. Man schaut sich an, ob die Berührung seitengleich ist, ob die Pyramidenzeichen negativ sind. 

All diese Untersuchungen geben dem Neurologen Rückschlüsse, ob irgendeine gefährliche Erkrankung dahinter sein kann.

Wenn der neurologische Status unauffällig ist, das heißt, so wie es sein sollte und die Diagnose eines Kopfschmerzsyndroms eindeutig gestellt werden kann, sind normalerweise keine weiteren Untersuchungen notwendig. 

In welchen Fällen reichen ein Arztgespräch und eine körperliche Untersuchung aus? Und was passiert danach?

Üblicherweise ist bei einer unauffälligen körperlich-neurologischen Untersuchung und dem eindeutigen Zuordnen von Kopfschmerzen keine weitere Untersuchung notwendig. In Einzelfällen entscheidet aber der Arzt, ob er Sie noch zu anderen Fachärzten schickt, wie zum Beispiel Hals-Nasen-Ohrenarzt, Augenarzt, oder Sie zur Bildgebung schickt, nämlich einer Computertomographie oder einer Magnetresonanz.

Diagnose von Kopfschmerzen

Neben dem Arztgespräch hilft eine kurze körperliche Untersuchung bei der Diagnose der Kopfschmerzen. Apparative Untersuchungen werden nur vorgenommen, wenn Verdacht auf eine ernste, therapiebedürftige Grunderkrankung besteht.

In aller Regel kann die Ärztin/der Arzt bereits nach dem Arztgespräch und einer kurzen Untersuchung eine Diagnose stellen. In unklaren Fällen wird sie/er Sie bitten, Ihren Kopfschmerz zu dokumentieren, und sie eventuell an einen Hals-Nasen-Ohren-Arzt, einen Augenarzt, einen Neurologen oder zur Bildgebung (Computer- oder Magnetresonanztomographie) überweisen.

Neurologische Untersuchung bei Kopfschmerzen

Die klinisch-neurologische Untersuchung dauert zwischen 5 und 10 Minuten und ist nicht schmerzhaft. Geprüft werden die verschiedenen Funktionen des zentralen und peripheren Nervensystems. Beispielsweise wird kontrolliert, ob:

  • die Ausgangspunkte des Gesichtsnervs schmerzhaft sind,
  • die Gesichtsmimik symmetrisch ist,
  • Einschränkungen im Sichtbereich oder im Gesichtsfeld bestehen,
  • Probleme beim Schlucken oder der Artikulation auftreten oder
  • Einschränkungen im Bereich der Halswirbelsäule oder Verspannungen vorliegen.

Des Weiteren überprüft die Ärztin/der Arzt, ob Triggerpunkte schmerzempfindlich, die Kraft und die Muskelspannung seitengleich und die Reflexe normal und symmetrisch sind.

Ist der neurologische Status unauffällig, sind keine weiteren Untersuchungen erforderlich.

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Wann setzt die Ärztin/der Arzt weiterführende Untersuchungen ein?

Wenn der Arzt glaubt, dass Ihr Kopfschmerz ein sekundärer Kopfschmerz sein könnte, wird er Sie zu weiteren Untersuchungen oder Kollegen schicken. Wenn er zum Beispiel der Meinung ist, dass Ihr Kopfschmerz im Stirnbereich auf eine Nebenhöhlenentzündung zurückzuführen ist, wird er Sie zum Facharzt für HNO schicken, eventuell auch ein Röntgen der Nasennebenhöhlen zuweisen. Genauso, wenn er der Meinung ist, dass z. B. eine Problematik im Augenbereich ursächlich oder auslösend, verstärkend für Ihre Kopfschmerzen sein könnte, wird er Sie dorthin verweisen. 

Ob er Sie zu einer Kopfuntersuchung, nämlich einer Bildgebung, d.h. Computertomographie oder Magnetresonanz schickt, hängt davon ab, ob Ihre Diagnose klar zuordenbar es, auch welche Diagnose es ist und ob irgendwelche Auffälligkeiten bei der klinisch-neurologischen Untersuchung aufgetreten sind. 

Wie läuft ein MRT und CCT bei Kopfschmerzen ab?

Was erwartet Sie, wenn Ihr Arzt Sie zu einem CCT schickt? CCT steht als Abkürzung für Cranielle Computertomographie. Es ist eine Untersuchung mit Röntgenstrahlen, die nicht lange dauert, im Schnitt einige Minuten. Wenn Kontrastmittel gegeben werden muss, etwas länger. Sie müssen sich dafür auf eine Liege legen und werden sozusagen in eine Röhre geführt. Die Röhre ist aber eher ein Ring. Das heißt: Er ist nach hinten und vorne offen. Und gerade für Patienten mit Platzangst ist die Durchführung einer Computertomographie meist kein Problem. Man sollte allerdings bedenken, dass die Computertomographie eine Strahlenbelastung ist. 

Und im Falle von Kopfschmerzen ist meist die Magnetresonanztomographie eher zu bevorzugen, weil die gewisse Hirnstrukturen besser darstellbar sind und es auch keine Strahlenbelastung ist.

Bei der Magnetresonanztomographie ist es so, dass die Untersuchung nicht mit Röntgenstrahlen durchgeführt wird, sondern durch Magnetfelder. Das heißt: Bei Patienten, die Metallimplantate oder Metall im Körper haben oder einen Herzschrittmacher, ist meist kein MRT möglich. Die Untersuchung dauert länger als die Computertomographie und ist sehr laut. Diese Magnetfelder machen sehr laute Geräusche. Hierfür bekommen Sie aber meistens einen Ohrenschutz, zum Teil auch Musik. Und im Unterschied zur Computertomographie ist die Röhre der Magnetresonanztomographie schon eher eng. Das heißt: Darauf sollte man achten, wenn Sie unter Platzangst leiden oder Schwierigkeiten in engen Räumen haben. 

Was ist eine Elektroenzephalografie und was kann meine Ärztin/mein Arzt nach dieser Methode sagen?

Der Ausdruck EEG steht für Elektroenzephalogramm und ist eine Methode, mit der die Hirnströme gemessen werden können. Das ist ebenfalls eine schmerzlose Methode, wo Ihnen sozusagen auf der Kopfhaut im Haarbereich verschiedenste Elektroden nach einem genau vorgegebenen Schema festgeklebt werden und dann in verschiedenen Entspannungssituationen oder Aktivierungen die Hirnströme abgeleitet werden. 

Für die Diagnostik im Kopfschmerzbereich hat das EEG eigentlich kaum bis keine Berechtigung. Eine Ausnahme ist, wenn Sie zum Beispiel an Migräne-Auren leiden, die atypisch verlaufen. Dann kann das EEG hilfreich sein, um es sozusagen von einem Anfallsgeschehen zu unterscheiden. 

Aber prinzipiell: Das EEG als Screeningmethode beim Kopfschmerz hat nichts verloren.

Weiterführende Untersuchungen bei Kopfschmerzen

Manchmal sind zur Abklärung von Kopfschmerzen weiterführende Untersuchungen notwendig. Im Vordergrund stehen hierbei bildgebende Verfahren wie die Computer- oder die Magnetresonanztomographie.

Häufige Untersuchungsmethoden

Ob Ihre Ärztin/Ihr Arzt Sie zu einer Kopfuntersuchung per Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) schickt, hängt davon ab, welche Diagnose sie/er stellt, ob diese klar zuordenbar ist und ob während der klinisch-neurologischen Untersuchungen Auffälligkeiten festgestellt wurden.

Cranielle Computertomographie (CCT)

Hierbei handelt es sich um eine Untersuchung mit Röntgenstrahlen, die im Schnitt einige Minuten (bei Kontrastmittelgabe etwas länger) dauert.

Während der Untersuchung liegen Sie auf einer Liege und werden langsam durch das ringförmige Gehäuse des Gerätes geschoben. Moderne CT-Geräte haben keine enge Röhre, sondern sind nach hinten und vorne offen.

Magnetresonanztomographie (MRT)

Mit dem MRT lassen sich bestimmte Hirnstrukturen besser darstellen als mit der CCT. Daher ist diese Untersuchungsmethode bei Kopfschmerz eher zu empfehlen. Für Patienten mit Metallimplantaten oder Herzschrittmachern kommt diese Untersuchung aufgrund der dabei wirkenden Magnetfelder allerdings meist nicht infrage.

Die MRT dauert länger als die CCT und ist sehr laut. Hierfür bekommen Sie einen Ohrenschutz, zum Teil Kopfhörer mit Musik.

Was ist eine Elektroenzephalografie (EEG) und worüber gibt sie Aufschluss?

Mit dieser Methode lässt sich die elektrische Aktivität der Hirnrinde messen. Bei der Diagnostik im Kopfschmerzbereich kommt diese Untersuchung kaum zur Anwendung. Wenn Sie unter atypisch verlaufenden Migräne-Auren leiden, kann ein EEG aber dabei helfen, diese von einem Anfallsgeschehen zu unterscheiden.

Downloads

  • Vorbereitung auf das Arztgespräch Das Gespräch mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt bildet die Grundlage der Diagnose und Behandlung Ihrer Schmerzen. Hier finden Sie eine Liste an Fragen, die Sie sich vor dem Arztgespräch stellen können, um Ihre Beschwerden genau schildern zu können.

  • Glossar Hier finden Sie begleitend zur Online-Kursreihe "Schmerzen erfolgreich bewältigen" alle wichtigen Begriffe gesammelt.

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Geprüft Dr. Marion Vigl: Stand November 2020 | Quellen und Bildnachweis

Die Kurse sind kein Ersatz für das persönliche Gespräch mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt, sondern ein Beitrag dazu, PatientInnen und Angehörige zu stärken und die Arzt-Patienten-Kommunikation zu erleichtern.

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