7. Lungenkrebs und mentale Stärke – alle Fragen

Was ist mentale Stärke?

Was bedeutet mentale Stärke?

Also mentale Stärke bedeutet, dass man der Überzeugung ist, dass man mit seinen Gedanken, Einstellungen und Gefühlen auch sein Verhalten beeinflussen kann.

Mental starke Menschen glauben, dass sie einen Einfluss darauf haben, wie ihr Leben verläuft.

  • Sie sind in der Regel optimistischer.
  • Sie gehen davon aus, dass das, was sie tun, auch einen Effekt hat.
  • Und sie strengen sich dadurch natürlich auch mehr an, ihre Ziele zu erreichen.

Die Voraussetzung ist, dass man eine Vorstellung davon hat, was man erreichen möchte.

Welche Vorteile haben Menschen mit mentaler Stärke?

Menschen mit mentaler Stärke haben den Vorteil, dass sie in belastenden Situationen, in schwierigen Situationen, in Krisen vielleicht weniger schnell ein Gefühl der Verzweiflung haben oder ein Gefühl der Hilflosigkeit. Sie vertrauen vielmehr darauf, dass sie auf ihre Ressourcen zurückgreifen können und dass sie selber auch quasi Herr oder Frau im eigenen Haus sind, dass es auch auf sie ankommt, was sie tun.

Das heißt aber natürlich nicht, dass Menschen, die mental stark sind, keine Ängste haben, dass sie keine Sorgen haben, dass sie nicht verzweifelt sind, dass sie vielleicht im Angesicht einer schweren Erkrankung natürlich auch negative Gefühle haben.

Aber in der Regel halten diese Gefühle dann vielleicht nicht so lange an. Und sie finden Wege, wie sie selber auch dazu beitragen können, dass es ihnen ein bisschen besser geht.

Wie kann die Psyche den Körper beeinflussen?

Körper und Psyche laufen immer parallel.

Also zum Beispiel, wenn Sie sich vorstellen, wenn Sie jetzt aufgeregt sind, dann kann es sein,

  • dass Sie ein bisschen schwitzen,
  • dass der Herzschlag sich beschleunigt

oder auch zum Beispiel, wenn wir Angst haben, wenn wir Stress haben,

  • dann spannen wir unsere Muskulatur an,
  • der Cortisol-Spiegel steigt.

Umgekehrt ist es aber so: Wenn wir versuchen, uns ganz bewusst zu entspannen, zum Beispiel mit verschiedenen Entspannungsübungen, dann können wir nicht gleichzeitig aufgeregt sein. Das geht nicht.

Also Psyche und Körper gehören beide zum Organismus. Und es gibt immer eine wechselseitige Beeinflussung.

Warum ist mentale Stärke wichtig bei Lungenkrebs?

Eine Lungenkrebs-Erkrankung bedeutet für Patientinnen, dass sie mit einer Vielzahl von Belastungen und Herausforderungen konfrontiert sind.

Das ist eine Situation, auf die man sich im Leben ja nicht wirklich vorbereiten kann. Das ist ganz normal, dass man im Zuge einer so schwerwiegenden Erkrankung auch negative Gefühle hat, dass man verunsichert ist, dass man verängstigt ist.

Menschen, die über eine gewisse mentale Stärke verfügen, haben aber da vielleicht den Vorteil, dass sie schon die Erfahrung gemacht haben: „Ich kann auch was dazu beitragen, dass es mir besser geht.“ Sie wissen vielleicht, was ihnen gut tut. Sie haben Menschen, auf die sie sich verlassen können. Wir wissen z.B., dass gerade soziale Beziehungen eine ganz starke protektive Wirkung haben, also sehr schützend wirken. Und mental starke Menschen tun sich dann auch leichter vielleicht, Hilfe zu suchen, Hilfe anzunehmen und kommen dann auch weniger vielleicht in dieses Gefühl: „Ich bin total abhängig von dem, was andere tun. Ich kann nichts beeinflussen. Hier passiert jetzt etwas mit mir, und ich kann nichts tun. Ich muss alles nur über mich ergehen lassen. Ich habe keinen Einfluss darauf, das was ich tun kann, dass es mir besser geht.“

Und darum ist es ja auch so wichtig, dass man Patienten auch immer sagt

  • einerseits: „Was habe ich?“
  • Aber auch: „Was bedeutet das für mich?“
  • Und dann: „Was kann ich jetzt tun, um diesen Krankheitsverlauf positiv zu beeinflussen? Was kann ich jetzt tun, damit meine Lebensqualität trotzdem besser ist?“

In welchen Phasen spielt mentale Stärke bei Lungenkrebs eine wichtige Rolle?

Ich würde sagen: Mentale Stärke spielt immer eine Rolle natürlich, aber ganz besonders in Phasen, von denen wir jetzt wissen, dass sie besonders belastend sind.

  • Also das ist z.B. unmittelbar um die Zeit der Diagnosestellung herum:

Oft ist es ja so: Man geht zu einer Untersuchung, man hat vielleicht gar keine Beschwerden, und dann wird etwas festgestellt, und dann steht im Raum: „Da könnte etwas sein…“ Und das ist eine Phase von ganz großer Ungewissheit, von Sorge. Und Menschen, die mental stark sind, haben vielleicht die Erfahrung gemacht, dass sie sagen: „Okay, auch wenn es jetzt etwas Schlimmes sein sollte, auch wenn es vielleicht jetzt Lungenkrebs sein sollte – es wird Möglichkeiten geben, damit umzugehen. Es wird Menschen geben. Es wird das medizinische System geben, das mir helfen kann. Es wird mein Umfeld geben, das mich unterstützen kann. Und ich selber kann auch etwas dazu beitragen.“

  • Dann natürlich immer dann, wenn zusätzliche Belastungen auftreten:

Gerade bei Krebserkrankungen ist es ja so, dass einerseits glücklicherweise Tumorerkrankungen ja immer früh entdeckt werden in einer Zeit, wo man selber noch keine Beschwerden hat. Und als Patient hat man dann oft das Gefühl, dass man eigentlich durch die Therapie subjektiv krank gemacht wird. Dann, wenn man eine Operation hat, weil man Strahlentherapie hat, wenn man unter Chemotherapie ist, dann hat man plötzlich Beschwerden aufgrund der Nebenwirkungen der Chemotherapie oder der ganzen Behandlungen. Und es ist irrsinnig schwer nachzuvollziehen, dass das, was mir jetzt subjektiv eigentlich kränker macht, dass das mir gut tun soll. Und das ist auch eine recht sehr schwierige Zeit natürlich. Und hier kann auch das medizinische Personal ganz viel dazu beitragen, um die mentale Stärke der Patientinnen auch zu fördern, indem hier auch wirklich informiert wird, indem auf Bedürfnisse, Sorgen von Patienten eingegangen wird, indem aber auch ganz konkret darüber gesprochen wird, was man jetzt auch selber tun kann, um besser durch diese Zeit zu kommen.

Wenn wir nachvollziehen können, warum wir etwas tun und wofür es gut ist, dann können wir es auch viel besser ertragen.

  • Und dann natürlich auch immer wieder ist mentale Stärke wichtig:

Denn eine Tumorerkrankung bringt es leider mit sich, dass das Leben ungewiss wird, dass es brüchig wird, dass das, was wir uns bis jetzt vorgenommen haben, das, was wir geplant haben, dass das nicht mehr so gewiss ist, dass wir nicht wissen: „Wie geht’s uns morgen? Wie wird es weitergehen?“ Das erfordert ständige extreme Anpassungsleistungen.

Wir haben es jetzt alle, vielleicht kann man sich das vorstellen, jetzt durch diese Corona-Pandemie, das ist jetzt etwas, was uns jetzt alle betrifft. Wir haben alle geplant, was wir machen. Wir haben Urlaub geplant, wir haben Ferien geplant. Wir haben Weihnachten geplant. Und jetzt plötzlich wissen wir nicht: „Wird das alles gehen? Wie wird das sein?“

Und etwa so geht es natürlich Krebspatienten. Weil sie nicht wissen: „Wie werde ich mich dann fühlen? Wie wird das funktionieren?“ Und da sind natürlich schon Situationen, wo man ganz leicht und wo es auch ganz nachvollziehbar ist, dass man einfach auch mal die Hoffnung verliert, dass einem die Kraft ausgeht, dass man sich fragt: „Zahlt sich das überhaupt aus? Wie wird das weitergehen? Kann ich das überhaupt schaffen?“ Und hier ist natürlich, wenn ich den Eindruck habe, dass, wenn ich von mir quasi die tiefe Überzeugung in mir habe: „Auch wenn es ganz schlimm kommt, es wird irgendeinen Weg geben“, dann tue ich mir natürlich ein bisschen leichter.

Wie kann mentale Stärke mich im Krankheitsverlauf unterstützen?

Mentale Stärke kann mich im ganzen Krankheitsverlauf natürlich unterstützen.

Also wenn man sich jetzt vorstellt: Der Krankheitsverlauf bedeutet, dass ich immer wieder unterschiedliche Belastungen habe, dass ich Dinge tun muss, die ich nicht so gerne mache, dass ich zum Beispiel lange im Krankenhaus bin, dass ich vielleicht Schmerzen habe, dass ich meinen Verpflichtungen, meiner Rolle in der Familie, aber auch im Beruf für eine Zeit nicht nachkommen kann. Das sind alles ganz große Herausforderungen. Und eine Tumorbehandlung dauert ja oft auch relativ lange, dauert ja Wochen, Monate. Und wie gesagt, da kann es ganz leicht passieren, dass man einfach einmal den Glauben verliert oder dass man unsicher ist: „Kann ich das überhaupt durchstehen?“

Und mentale Stärke, also wenn ich denke, dass ich, dass es auf mich auch ankommt, dass ich fähig bin, das durchzustehen, wenn ich z.B. die Erfahrung gemacht habe in meinem Leben — oder lassen Sie mich es anders sagen: Wir alle haben natürlich in unserem Leben, und natürlich auch Sie alle, haben in Ihrem Leben schon viele Herausforderungen bewältigt. Nicht nur diese Erkrankung. Wir haben uns durch die Schule gekämpft. Wir haben vielleicht Beziehungsprobleme gehabt. Wir hatten Probleme im Job oder mit den Kindern oder was auch immer. Und das haben wir bewältigt. Und da haben wir uns gewisse Ressourcen erarbeitet. Wir haben gemerkt: „Okay, das kann ich. Ich kann damit umgehen. Ich kann umgehen, wenn Schwierigkeiten kommen. Ich kann mich informieren. Es gibt Menschen, die können mir helfen.“ Aber auch: „Ich kann das auch eine Zeitlang durchstehen.“ Und das sind die Ressourcen, auf die ich dann auch zurückgreifen kann. Ich habe dann so quasi die Erfahrung gemacht in meinem Leben immer wieder mal: „Es kommt drauf an auf das, was ich tue. Und das, was ich tue, beeinflusst dann auch den Output.“

Und somit kann mir das natürlich während der ganzen Erkrankung helfen.

Grundsätzlich spricht man im Zusammenhang mit Umgang mit Krankheit von Krankheitsbewältigung. So ist dieser Begriff. Und da sind grundsätzlich eigentlich zwei Gruppen wichtig:

  • Das eine sind die sogenannten Bewältigungsstrategien,
  • und das andere ist die Abwehr.

Ich beginne mit der Abwehr. Abwehrstrategien haben oft einen negativen Touch, dass man sagt: „Ach, der verleugnet das ja“, oder „Die verdrängt das“, oder „Der kann die Diagnose noch nicht annehmen“. Abwehrmechanismen sind extrem wichtig. Die ganze Menschheit hätte ohne Abwehrmechanismen nicht überlebt, und wir würden auch heute nicht überleben.

Stellen Sie sich vor, es wäre Ihnen ständig bewusst, das ständig Ihr Haus eigentlich einstürzen könnte, oder dass Sie auf der Straße überfahren werden könnten oder einem Ihrer Lieben etwas passiert, wenn Sie unterwegs sind. Wenn wir das die ganze Zeit im Kopf hätten, wären wir handlungsunfähig. Wir könnten das Bett nicht mehr verlassen. Also solche Mechanismen sind ganz wichtig, und die sind auch im Zuge einer Krebserkrankung total wichtig. Das heißt: Das ist absolut in Ordnung, diese Sache auch einmal zu verdrängen, sich ganz konkret abzulenken, Zukunftspläne zu machen, sich mit etwas anderem zu beschäftigen. Das ist ganz, ganz wichtig.

Und das andere sind die Bewältigungsstrategien.

  • Und die gibt’s eben einerseits kognitiv, das sind wir jetzt quasi bei der mentalen Stärke wieder, dass ich versuche, mir ein Bild zu machen, das ich mir Informationen beschaffe, dass ich mir überlege: „Was kann ich jetzt tun? Wer kann mir jetzt helfen?“
  • Die sind aber natürlich auch emotional, dass ich z.B. mich emotional auch entlaste, dass ich meine Gefühle zulasse, dass ich nicht immer so tue, als ob nichts wäre, und nach außen hin immer mich stark darstelle. Nein, das ist überhaupt kein Fehler. Man darf natürlich weinen und man darf die negativen Gefühle auch haben und sie auch ausleben.
  • Und dann geht es natürlich auch ums Verhalten. Dass ich sage: „Welches ist jetzt der beste Arzt, die beste Ärztin für mich? Welches ist die beste Therapie? Was kann ich zusätzlich tun? Vielleicht Bewegung machen, Sport machen, in Richtung Ernährung mir was überlegen, soziale Kontakte stärken?“ Das wäre dann wieder dieser Bereich.

Wie kann meine Einstellung den Behandlungsverlauf beeinflussen?

Wie wir zu einer Sache stehen, hat Einfluss darauf, wie wir das erleben und wie das verläuft.

Und so ähnlich ist es auch im Zusammenhang mit meiner oder Ihrer Einstellung zur Behandlung und dem Behandlungsverlauf, wie z.B.: „Diese Chemotherapie, diese Behandlung, das ist etwas, das wird mir helfen.“

Was mir aber in dem Zusammenhang ganz wichtig ist zu betonen: Es gibt überhaupt keinen Beweis, keine wissenschaftliche Evidenz dazu, dass, wenn man jetzt eine negative Einstellung hat oder wenn man es einmal nicht schafft, das positiv zu sehen, dass das einen negativen Einfluss hat auf den Krankheitsverlauf. Also z.B. es wird ja immer wieder gesagt: Man soll nur positiv denken, und dann wird das schon alles gut werden. Das stimmt nicht. Das stimmt überhaupt nicht. Das ist ganz normal und völlig richtig und gut, wenn man auch im Krankheitsverlauf einmal traurig ist natürlich, wenn man einmal verzweifelt ist, wenn man einmal auch zweifelt an dem, was hier passiert und sich schwer tut damit. Wenn das so ist, dann würde ich Ihnen einfach empfehlen: Sprechen Sie mit anderen Menschen darüber. Versuchen Sie nicht, das einfach wegzudrücken oder schon gar nicht, sich Gedanken aufkommen zu lassen: „Oh je, jetzt habe ich nicht positiv gedacht. Jetzt wird es sicher schlecht werden.“ Ganz im Gegenteil. Es ist natürlich, dass auch negative Emotionen kommen, und die sind überhaupt nicht schädlich. Versuchen Sie hier nur, es auch mit anderen zu teilen und darüber zu sprechen.

Wie kann ich lernen, mit belastenden Situationen umzugehen?

Sie alle haben im Laufe Ihres Lebens schon viele belastende Situationen bewältigt.

Vielleicht ist Ihnen das gar nicht so aufgefallen. Manche Dinge sind weniger belastend gewesen, aber wie gesagt: Sie haben die Schule gemeistert. Sie sind groß geworden. Sie haben die Pubertät überstanden. Sie haben einen Job gefunden. Sie haben eine Beziehung aufgebaut. Sie haben Kinder bekommen. Das sind alles Herausforderungen im Leben, die ganz natürlich vorgegeben werden und die wir auch gemeistert haben.

Und ähnlich ist das jetzt auch.

Und je mehr solche Belastungen, Herausforderungen im Leben wir gemeistert haben, desto mehr Ressourcen erwerben wir uns. Darum ist es z.B. auch so, dass Menschen, die schon ein bisschen älter sind, meistens ein bisschen krisenfester sind als ganz junge. Das liegt daran, dass sie einfach mal so quasi in ihrem virtuellen Köfferchen schon einfach viel mehr Werkzeuge drinnen haben und mehrere Methoden zur Verfügung haben, wie sie mit belastenden Situationen umgehen können.

Wenn Sie vielleicht sich einen Moment Zeit nehmen und einmal zurückblicken auf Ihr Leben, was es da so gegeben hat, was es da für Herausforderungen gegeben hat, die Sie gemeistert haben. Und wenn Sie dann vielleicht noch ein bisschen weiterdenken und sich überlegen: „Wie habe ich das denn eigentlich gemacht?“ Und dann kann es vielleicht sein, dass Sie draufkommen:

„Ich bin jemand, der sucht einmal zuerst Information. Dann macht er einen Plan. Dann versuche ich das umzusetzen.“ Oder Sie sind jemand, der ruft vielleicht als erstes die beste Freundin, den besten Freund an und bespricht das Thema mit dieser Person. Oder Sie sind jemand, der sagt: „Na, immer wenn es Stress im Büro gab, dann bin ich joggen gegangen. Oder dann habe ich ein gutes Buch gelesen. Oder dann habe ich etwas besonders Gutes gekocht, weil da konnte ich mich entspannen. Oder ich habe Yoga gelernt.“ Oder, oder, oder…

Es ist Ihnen vielleicht gar nicht bewusst, aber Sie alle haben ganz viele Methoden im Laufe Ihres Lebens erworben und erprobt, die Sie anwenden, wenn es schwierig wird. Und genau diese Methoden, die können Sie auch jetzt anwenden im Zuge der Erkrankung.

Es ist allerdings so: Manches geht nicht immer. Also wenn z.B. eine Strategie von mir war: „Wenn ich gestresst bin, dann gehe ich laufen“ – das ist vielleicht ein bisschen schwierig, wenn ich jetzt aktuell im Krankenhaus bin und nicht laufen gehen kann, vielleicht auch gar nicht spazieren gehen kann. Dann funktioniert diese Methode nicht.

Und dann ist es wichtig zu schauen: „Habe ich vielleicht andere Methoden noch?“ Oder: „Gibt es etwas, das ich gerade jetzt tun könnte, das mir hilft? Vielleicht eine Entspannungsübung machen? Oder mit jemandem darüber sprechen? Oder vielleicht ein Buch lesen? Oder mich ablenken, indem ich einen Film anschaue?“

Und es gibt Studien, die sagen: Je mehr solche Werkzeuge man in seinem virtuellen Köfferchen hat und je flexibler man diese anwenden kann, desto besser gelingt es, mit belastenden Situationen umzugehen.

Worauf sollte ich in der Zeit der Behandlung besonders achten?

In der Zeit der Behandlung ist es wichtig, dass Sie darauf achten, was jetzt im Moment für Sie wichtig ist. Dass Sie schauen: „Welche Bedürfnisse, welche Möglichkeiten, welche Wünsche, welche Vorstellungen habe ich jetzt?“

Schauen Sie bitte darauf: „Was passt zu mir? Welche Methoden, welche Unterstützungsmethoden, auch welcher Arzt, welche Ärztin, welche Freunde, wer tut mir jetzt gut? Wo fühle ich mich eher belastet?“ Menschen, wo Sie das Gefühl haben: „Die tun mir im Moment einfach nicht gut, weil sie vielleicht selber nicht damit zurechtkommen“, versuchen Sie davon eher Abstand zu nehmen. Also bitte nehmen Sie als oberste Maxime für Ihr Handeln, für Ihr „Was tut mir gut?“, stellen Sie sich in den Mittelpunkt Ihres Lebens und schauen Sie: „Was brauche ich jetzt? Was tut mir jetzt gut?“ Und versuchen Sie von dem, was Ihnen gut tut, möglichst viel zu bekommen, und von dem, was Ihnen nicht gut tut, möglichst Abstand zu nehmen.

Also in dem Sinne eine ordentliche Portion gesunder Egoismus ist absolut angebracht.

Wie kann ich feststellen, worin meine persönlichen Kraftquellen bestehen?

So, wie Sie gelernt haben, im Laufe Ihres Lebens mit verschiedenen Belastungen umzugehen, viele Herausforderungen bewältigt haben, so haben Sie im Laufe Ihres Lebens sicher auch für sich herausgefunden, was Ihnen guttut, was Sie entspannt, wo Sie auch wieder Energie bekommen.

Wir leben in einer extremen Leistungsgesellschaft. Es wird erwartet, dass wir immer funktionieren, dass wir immer leistungsbereit sind. Aber es ist natürlich auch extrem wichtig, dass wir diesen Organismus, unseren Körper, unsere Psyche auch wieder aufladen.

Übung 1: Gedankenreise zu persönlichen Kraftquellen

Und ich möchte Sie einladen, sich vielleicht einen Moment Zeit zu nehmen und mal Ihren Blick zurück auf Ihr Leben schweifen zu lassen.

Und vielleicht schauen Sie einfach mal, wie der Atem in Ihren Körper strömt und wieder hinaus strömt und Sie sich bei jedem Ausatmen ein Stückchen mehr entspannen.

Und dann begeben Sie sich auf eine Reise in Ihre Vergangenheit. Und zwar zu diesen Orten in Ihrem Leben, die besonders schön waren, wo Sie glücklich waren. Es kann sein, dass Sie da mit anderen Menschen waren. Oder alleine. Und lassen Sie diese Bilder vor Ihrem geistigen Auge entstehen.

Vielleicht schauen Sie auch noch, wie Sie sich körperlich gefühlt haben in diesen Situationen, wo Sie diese Stärke, diese Energie, die Sie aus diesen Situationen mitgenommen haben, gespürt haben in Ihrem Körper.

Vielleicht gibt’s auch Umgebungsgeräusche, Gerüche.

Nehmen Sie das einfach auf.

Und bleiben Sie ein bisschen in diesem angenehm gestärkten Gefühl.

Und so können Sie von einem Ereignis an einem Ort, an dem Sie Kraft und Energie gespürt haben, jederzeit in Ihren Gedanken reisen und das mit all Ihren Sinnen aufnehmen und in Ihren jetzigen Alltag mitnehmen.

Und wenn Sie mögen, nehmen Sie einen tiefen Atemzug.

Atmen Sie seufzend aus,

und kommen Sie erfrischt und gestärkt zurück.

Hier geht es zum Video-Interview: „Was ist mentale Stärke?”

Mit der Diagnose umgehen

Wie lerne ich mit der Diagnose Lungenkrebs umzugehen, und wie lange dauert das?

Wenn Sie kürzlich mit der Diagnose Lungenkrebs konfrontiert worden sind, dann hat sich Ihr Leben möglicherweise von einem Tag auf den anderen grundlegend verändert.

Und das ist eine Nachricht, die sehr tiefgreifend sich auf das Leben auswirkt, möglicherweise ja natürlich nicht nur auf Ihr eigenes Leben, sondern auch auf das Leben von Ihren Angehörigen, von Ihren Freunden, von Ihrer Familie. Und viele Patientinnen haben unmittelbar nach der Diagnose so einen Schockzustand. Man hat das Gefühl: „Das ist alles gar nicht wahr. Das kann doch gar nicht stimmen.“ Man kann das gar nicht wahrhaben. Man kann das gar nicht aufnehmen.

Und anschließend ist es so, dass unterschiedliche Gefühle kommen können.

  • Das kann Angst sein,
  • das kann Wut sein,
  • das kann auch Verzweiflung sein,
  • das kann aber natürlich auch Optimismus sein.

Und es ist ganz unterschiedlich, wie lange diese emotionalen Reaktionen dauern. Das ist einerseits unterschiedlich von Mensch zu Mensch, und es ist natürlich auch abhängig davon, wie schwer quasi einen persönlich diese Nachricht auch trifft.

Es gibt hier also quasi kein Rezept, dass man sagen kann: „Diese Nachricht hat man jetzt in zwei, vier oder zehn Wochen verarbeitet.“ Die Verarbeitung dieser Diagnose, diese emotionale Verarbeitung der Diagnose, verläuft schrittweise. Und sie verläuft ganz wesentlich in der Interaktion mit anderen wichtigen Menschen. Und wir wissen, es ist ganz entscheidend, welche Rolle Ihre behandelnde Ärztin, Ihr behandelnder Arzt und das medizinische Personal in diesem Zusammenhang einnimmt. Die Diagnosemitteilung, das ist ja nicht etwas, was man einmal sagt, sondern das Gespräch mit dem Arzt und dem Patienten sollte den ganzen Krankheitsverlauf begleiten.

Sie haben eine Nachricht bekommen. Aber viele Fragen tauchen erst viel später auf. Es gibt wieder neue Fragen. Und je besser Sie diese Fragen stellen können, je besser diese Fragen auch beantwortet werden, je besser auch auf Ihre Bedürfnisse, Ihre Wünsche, aber natürlich auch auf Ihre Sorgen und Bedenken eingegangen wird, desto besser können Sie diese Nachricht verarbeiten.

Ganz wichtig ist auch, dass Sie versuchen, mit der Zeit die Situation irgendwie anzunehmen. Das ist sehr schwer. Das gelingt auch nicht von heute auf morgen.

Und ich meine mit Annehmen nicht: Sich in das Schicksal fügen und sagen: „Ich kann jetzt nichts tun. Das ist jetzt einfach so.“ Aber ich meine in dem Sinn annehmen, dass man sagt vielleicht: „Okay. Das ist jetzt passiert. Ich habe das. Ich habe diese Krankheit. Und jetzt überlege ich, was kann ich tun? Wer kann mir helfen, damit ich das so gut wie möglich überstehen kann?“

Also hier kommen wir dann natürlich auch wieder ein bisschen zur mentalen Stärke, wo ich dann sagen kann: „Okay, was kann ich jetzt auch machen? Wo finde ich die beste Behandlung? Wo finde ich den besten Arzt? Wo werde ich unterstützt? Was kann mir helfen? Wo sind meine Kraftquellen? Was kann ich, auch wenn vieles jetzt nicht möglich ist, aber gerade jetzt vielleicht machen?“ Aber das ist nicht etwas, was Sie alleine bewältigen müssen und sollen. Sondern das ist etwas, wo Sie das medizinische Personal und natürlich auch Freunde und Familie unterstützen sollen und begleiten sollen.

Wie schaffe ich es, meine neue Lebenssituation nicht nur negativ zu sehen?

Unmittelbar nach der Mitteilung, dass man an einer Tumorerkrankung erkrankt ist, ist es häufig so, dass man von negativen Gefühlen überwältigt wird, von Angst, von Wut, von Hoffnungslosigkeit vielleicht, von Sorge. Und man hat vielleicht den Eindruck am Anfang: „Alles ist negativ. Die ganze Welt ist schwarz. Es hat sowieso alles keinen Sinn. Ob ich mich jetzt gesund ernährt habe, ob ich alles gemacht habe vorher, trotzdem ist mir das jetzt passiert.“

Diese Gefühle sind vor allem zu Beginn der Erkrankung oder wenn es zur Verschlechterung kommt, ganz normal.

Und das Wichtige ist, dass Sie sich erlauben, diese Gefühle auch zuzulassen, dass Sie die nicht wegdrängen müssen. Emotionen sind wichtig für uns. Und negative Gefühle im Zusammenhang mit einer Krebserkrankung sind ganz natürlich und ganz normal. Das heißt: Es ist wichtig zunächst, dass man versucht, diese Gefühle auch zuzulassen, ihnen Raum zu geben, aber auch, dass man sich Unterstützung organisiert, dass man schaut: „Wer kann mir jetzt helfen? Mit wem kann ich vielleicht drüber sprechen?“ Wenn ich das Gefühl habe: „Ich komme von diesen negativen Gefühlen gar nicht mehr los“, dann bitte zögern Sie nicht, auch professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Dafür sind eben Psychotherapeuten, Psychologen, aber auch das medizinische Personal da, um Ihnen genau in dieser Situation zu helfen und Sie zu unterstützen.

Auch in den schwierigsten Situationen ist es aber so, dass es auch Dinge gibt, die positiv sind. Oft berichten Patienten auch z.B., dass sie Unterstützung bekommen von Menschen, wo sie gar nicht damit gerechnet haben, dass man plötzlich intensive Beziehungen hat zu Menschen, wo das vorher gar nicht so eng war. Oder dass man im Spital merkt: „Die sind hier alle bemüht. Die versuchen das Beste für mich. Die sind kompetent. Die sind nett.“ Dass man vielleicht auch dann positive Aspekte im Geschehen sehen kann, dass man eben eine gute Behandlung bekommt, dass man sich zuhause wieder erholen kann, dass man unterstützt wird bei Übelkeit, bei Schmerzen. Also dass man dann eben auch trotz dieser belastenden Situation auch Aspekte wahrnehmen kann, die durchaus positiv sind.

Oft berichten mir auch Patienten, dass sich die Werte verschieben im Zuge einer Erkrankung, dass man zum Beispiel sich selber plötzlich viel mehr in den Mittelpunkt stellt, dass Zeit wichtig wird, dass man manche Dinge einfach nicht mehr so genau nimmt. Ob es jetzt aufgeräumt ist, ob man jetzt alles perfekt erledigt hat. Sondern dass man sich lieber Zeit nimmt, um vielleicht mit den Enkeln ein Buch zu lesen oder selber ein Buch zu lesen oder Zeit sich für sich zu nehmen.

Also es gibt auch in ganz schwierigen Situationen ganz häufig positive Aspekte, die trotzdem möglich sind.

Aber mir geht es ganz wichtig zu betonen, dass Sie diese negativen Gefühle nicht übergehen, sondern dass Sie denen auch Raum geben, dass Sie sie zulassen. Und wenn Sie sie zulassen, dann können sie auch wieder vergehen. Und dann ist Platz, um sich aktiv darum zu kümmern, zu schauen: „Okay. Und was ist heute schön gewesen?“

Übung 2: Den Blickwinkel ändern: Wofür bin ich heute dankbar?

So eine kleine Übung vielleicht auch, dass man sich am Abend oder in der Früh oder wann immer, wenn man einem danach ist, wenn man Zeit hat, z.B. sich überlegt: „Wofür bin ich heute dankbar? Was ist mir heute Positives widerfahren?“ Das können Kleinigkeiten sein, die man vielleicht im Alltag übersieht. Das kann ein Lächeln sein. Das kann ein gutes Essen sein. Das kann sein, dass man keine Schmerzen hatte. Das kann eine positive Nachricht sein. Ein Besuch. Kann auch sein, dass die Sonne scheint. Das Wichtige ist, dass wir unserem Gehirn die Möglichkeit geben, dass es das mitkriegt. Und wenn Sie sich am Abend zum Beispiel die Zeit nehmen und überlegen: „Wofür bin ich heute dankbar?“, oder eine andere Frage: „Was hat mich heute gefreut?“ Oder: „Was hat heute gut funktioniert?“ Dass wir so quasi im Kopf so eine innere Liste machen, damit wir das auch im Bewusstsein haben und somit auch diese positiven Gefühle dazu wieder abrufen können.

Wie gehe ich mit eingeschränkten körperlichen Fähigkeiten um?

Es kann sein, dass Sie im Zuge der Erkrankung die Erfahrung gemacht haben oder gerade jetzt machen, dass Sie körperlich nicht mehr so leistungsfähig sind, wie Sie das vorher waren oder vielleicht gewisse Dinge nicht mehr tun können. Und Sie fragen sich vielleicht auch: „Wie gehe ich jetzt damit um? Was soll ich damit tun?“

Das Wichtige, glaube ich, ist: Jeder Verlust erfordert das Gefühl der Trauer. Und im Zuge einer Erkrankung ist es leider so, dass Sie einige Verluste zu bewältigen haben. Das wird aber manchmal übersehen. Man verliert als erstes die völlige Gesundheit oder auch die totale körperliche Unversehrtheit. Und das ist etwas, worüber man auch traurig sein darf. Das heißt: Man soll und darf das auch betrauern. Das ist ganz wichtig.

Und dann, wenn wir diese Trauer auch zugelassen haben, wenn wir die auch Zeit gegeben haben, wenn wir uns das auch eingestehen und sagen: „Ja, natürlich, vieles funktioniert. Vieles kann ich noch. Aber trotzdem schmerzt mich das, dass ich jetzt das oder jenes nicht mehr so gut kann. Oder vielleicht vorübergehend auch nicht so gut kann.“ Dass ich das versuche zu betrauern und auch anzunehmen. Und dann zu schauen: „Aber was ist noch möglich? Was kann ich stattdessen tun?“ Vielleicht können Sie nicht mehr so schnell laufen, oder vielleicht fühlen Sie sich öfter müde, müssen sich mehr erholen. Aber vielleicht entstehen dadurch gerade neue Möglichkeiten, dass Sie dafür Zeit haben für Dinge, die Sie früher im Alltag nicht machen konnten, weil Sie zu beschäftigt waren. Und hier kann auch eine Chance entstehen, für Dinge Zeit zu haben, für Beschäftigungen Zeit zu haben, für Kontakte Zeit zu haben oder etwas zu erleben, was vorher nicht möglich war.

Wie gehe ich mit Schuldgefühlen um?

Vielleicht haben Sie sich im Zusammenhang mit der Erkrankung auch schon die Frage gestellt, ob Sie vielleicht selber schuld dran sind, dass Sie die Erkrankung bekommen haben. Ob Sie vielleicht etwas gemacht haben in Ihrem Leben, das dazu beigetragen hat, dass diese Erkrankung aufgetreten ist.

Dazu möchte ich Folgendes sagen: Wir sind alle Menschen, und keinem Menschen gelingt es, ohne Schuld durchs Leben zu kommen. Wir wissen alle: Wir sollen nicht rauchen. Wir sollen uns bewegen. Wir sollen uns gesund ernähren. Wir sollen keinen Stress haben. Aber manchmal geht das nicht. Und wenn Sie vielleicht in Ihrem Leben früher geraucht haben, oder wenn Sie vielleicht eben sich nicht an die Empfehlungen immer halten konnten, dann hatten Sie dazu sicher gute Gründe. Und Sie haben Ihr Bestes getan. Aber es war Ihnen nicht anders möglich.

Andererseits ist es so, dass es auch keinen Beweis dafür gibt, dass die Erkrankung nicht aufgetreten wäre, wenn Sie vermeintlich alles richtig gemacht hätten.

Sollten Sie das Gefühl haben oder jetzt mit sich hadern und denken: „Mein Gott, hätte ich nur…“, versuchen Sie sich selber zu vergeben. Versuchen Sie, das in einen Zusammenhang zu stellen. Schauen Sie sich Ihre Lebenssituation an. Schauen Sie auf das, was Sie alles richtig gemacht haben, was Sie alles gut gemacht haben und lassen Sie hier mit sich selber Milde walten.

Kein Mensch ist perfekt, und kein Mensch macht alles richtig.

Und die Natur verlangt auch keine Perfektion von uns. Das ist absolut nicht vorgesehen.

Versuchen Sie, so gut es geht, das hinter sich zu lassen und fokussieren Sie sich jetzt auf die aktuelle Situation. Fokussieren Sie sich jetzt darauf, was jetzt getan werden kann, was Sie jetzt tun können, um bestmöglich durch die Therapie zu kommen und den bestmöglichen Erfolg und die bestmögliche Lebensqualität für Sie selber jetzt zu bekommen.

Wie verhalte ich mich bei Vorwürfen, dass ich selbst schuld an der Erkrankung sei?

Wenn Menschen auf Sie zukommen und Ihnen Vorwürfe machen, Sie werden ja selber schuld an der Erkrankung, Lungenkrebs, da wird es häufig um Rauchen gehen — machen Sie sich bewusst, dass diese Menschen vor allem von sich selber sprechen und nicht von Ihnen.

Krebserkrankungen sind Erkrankungen, die machen allen Menschen Angst. Und sie entstehen einfach. Natürlich gibt es Risikofaktoren. Und wir wissen: Gewisse Dinge sind mehr gesund und gewisse Dinge sind weniger gesund. Aber es gibt in keine Richtung eine Garantie. Das heißt: Jeder von uns kann auch an Lungenkrebs erkranken. Und indem Menschen sagen quasi: „Du hast etwas falsch gemacht und deswegen bist du jetzt betroffen“, glauben sie, wenn sie selber das nicht tun, sind sie in Sicherheit. Sie versuchen damit Ihre eigenen Ängste zu kontrollieren.

Versuchen Sie es, als das zu nehmen.

Menschen, die Ihnen sagen, Sie sind schuld daran, versuchen, damit ihre eigenen Ängste zu kontrollieren. Aber das hat nichts mit Ihnen zu tun.

Was kann ich gegen Hoffnungslosigkeit und Hilflosigkeit nach der Diagnose tun?

Wenn Sie unmittelbar nach der Diagnosemitteilung das Gefühl haben: „Ich weiß überhaupt nicht, was ich jetzt tun soll“, oder wenn Sie das Gefühl haben: „Da hilft ja sowieso nichts mehr“, dann sind das Gefühle, die am Anfang unmittelbar nach der Diagnose oder vielleicht später auch immer wieder mal auftreten können.

Das ist ein Zeichen dafür, dass Sie einfach im Moment mit der Situation überfordert sind. Und das ist auch absolut nachvollziehbar und absolut verständlich.

Wir alle sind auf die Diagnose einer Krebserkrankung nicht vorbereitet. Und das macht allen Menschen Angst.

Versuchen Sie, diese Gefühle nicht alleine mit sich herumzutragen. Versuchen Sie wirklich, Hilfe anzunehmen.

  • Sprechen Sie mit dem medizinischen Personal darüber.
  • Sprechen Sie mit Freunden darüber.
  • Wenn Sie wollen, versuchen Sie sich zu informieren.

Wenn man das Gefühl hat, hilflos zu sein, hilft es oft, wenn man besser versteht, worum es geht. Wenn man nachvollziehen kann, was jetzt passiert ist, und wenn man auch nachvollziehen kann, was jetzt in weiterer Zukunft passiert, wenn man nachvollziehen kann: Wie wirkt die Behandlung? Was kann ich selber dazu tun? Wie verläuft das? Was passiert, wenn es mir nicht gut geht? Es kann ja sein, dass Sie sich auch Sorgen machen: „Werde ich Schmerzen haben oder werde ich vielleicht nicht gut Luft bekommen? Was passiert dann?“

Bitte behalten Sie diese Sorgen und Ängste nicht für sich, sondern richten Sie diese Fragen direkt auch an Ihre Behandlerinnen. Sie können Ihnen nämlich dann ganz gezielt helfen.

Was hilft mir, mit einer schlechten Prognose umzugehen?

Manchmal ist die Erkrankung bei der Diagnosestellung schon so weit fortgeschritten, dass die Prognose nicht günstig ist. Dass es nicht mehr gewiss, dass Sie wieder gesund werden können. Oder es passiert auch, dass die Erkrankung manchmal trotz aller Therapien fortschreitet und die Lebenszeit begrenzt erscheint oder ist. Man spricht dann von einer ungünstigen Prognose.

Die Sache ist die, dass natürlich kein Mensch weiß, wie es genau weitergehen wird, was jetzt eine schlechte Prognose konkret für Sie bedeutet.

Aber angesichts dessen, dass Sie vielleicht in der Situation sind, dass Sie nicht mehr darauf hoffen können, völlig gesund zu werden, glaube ich, ist es wichtig, sich zu überlegen: „Was möchte ich mit der Zeit tun, die mir bleibt? Wie möchte ich die Zeit verbringen? Was ist für mich wichtig? Gibt es Dinge, die ich noch unbedingt erledigen möchte? Möchte ich möglichst viel Zeit zu Hause verbringen? Oder möchte ich jede Behandlungsmethode, -möglichkeit ausschöpfen und vielleicht dafür mehr Zeit im Spital verbringen, aber dadurch meine Prognose-Chancen vielleicht verbessern?“

Eine ungünstige Prognose heißt aber nicht, dass man keine Zukunftspläne mehr machen kann. Das heißt nicht, dass man sich auch Ziele setzen kann. Ich glaube, es ist ganz wichtig, dass es Dinge gibt, Ereignisse gibt, auf die man sich auch freuen kann. Wir alle brauchen etwas, wozu wir das machen, wozu die ganzen Behandlungen machen, wozu die Nebenwirkungen aushalten. Also auch, sich zu überlegen: „Was hält mich im Leben? Was ich wichtig für mich im Leben? Was ist mein Grund, wofür ich kämpfe? Was ist der Grund, warum ich mich anstrenge? Ist das ist meine Familie? Sind das Freunde? Ist das etwas, was ich einfach erleben möchte? Ist das eine Reise, die ich machen möchte? Ist es ein Buch, das ich lesen will? Eine Sprache, die ich lernen will?“ Das ist ganz individuell. Ich glaube, es ist wichtig, es für sich klarzumachen oder zu schauen: „Was ist es, was mich in meinem Leben hält?“

Wie soll ich mit Zukunftswünschen und Plänen umgehen?

Also auch angesichts einer fortgeschrittenen Erkrankung oder wenn man Ihnen gesagt hat, dass Ihre Prognose ungünstig ist, das heißt natürlich nicht, dass Sie nicht auch Pläne machen können, die vielleicht weiter in der Zukunft liegen als die Prognose, die man Ihnen gestellt hat. Weil das sind immer statistische Kennzahlen, und das heißt nicht, dass das genau auf Sie zutrifft. Und wir brauchen das alle in unserem Leben. Wir sind immer auf etwas gerichtet und wir sind immer auf etwas gerichtet, was natürlich auch in der Zukunft liegt.

Ich glaube, es ist wichtig, generell im Leben, unabhängig davon, ob man jetzt mit einer Tumorerkrankung konfrontiert ist oder nicht, dass man sich einerseits auch kleine Ziele setzt, also sogenannte Baby-Steps macht, weil sie einfach auch erreichbar sind und weil wir einfach da auch schneller ein positives Gefühl erreichen können und das einfach auch für uns sehr wichtig.

Andererseits ist es aber auch wichtig, dass wir Ziele haben, die weiter weg sind. Da denke ich z.B. das nächste Ziel Weihnachten. Oder dann vielleicht den Sommer. Natürlich, das ist ganz wichtig für uns, das sind positive Vorstellungen. Und natürlich können und sollen Sie auch Pläne und Ziele machen und nicht von vornherein daran denken, dass das nicht sein wird.

Hier geht es zum Video-Interview: „Mit der Diagnose umgehen”

Vorbereitung auf die Therapie

Welche konkreten Ziele kann oder soll ich mir für die Zeit der Therapie setzen?

Ich glaube, für die Zeit der Therapie ist das Wichtigste, dass Sie sich überlegen: „Was ist für mich wichtig? Was kann ich tun, damit ich möglichst gut durch diese Zeit komme?“

Für die Zeit der Therapie ist es, glaube ich, wichtig, sich eher kurzfristige Ziele zu setzen. Das Kennzeichen der Behandlung einer Tumorerkrankung ist, dass man einfach nicht so gut weiß, wie man sich fühlen wird. Es wird Tage geben, da fühlen Sie sich ganz toll. Und Sie denken, das wird am nächsten Tag auch so sein. Es kann aber sein, dass Sie am nächsten Tagen dann müde sind und das, was Sie sich für diesen Tag vorgenommen haben, vielleicht dann doch nicht durchführen können. Es kann aber natürlich genauso in die umgekehrte Richtung gehen, dass Sie sich heute müde und erschöpft fühlen und denken: „Oh Gott, das wird die ganze Woche so sein.“ Aber es ist sehr gut möglich, dass Sie sich morgen viel, viel besser fühlen werden.

Das heißt: Das Wichtigste ist, dass Sie versuchen, kleine Ziele sich zu setzen und Sie sich auch die Freiheit nehmen, hier flexibel zu sein. Also, wenn Sie heute denken: „Morgen werde ich fit sein“, und Sie haben vielleicht Besuch eingeladen, und morgen sind Sie aber müde, dann sagen Sie den Besuch bitte einfach ab. Das ist völlig in Ordnung. Zwingen Sie sich nicht. Versuchen Sie, auf Ihre Bedürfnisse zu hören. Versuchen Sie zu schauen: „Wie geht es mir heute? Was brauche ich heute? Was passt jetzt für mich? Was tut mir jetzt gut? Und was ist vielleicht zu belastend?“ Und versuchen Sie sich möglichst daran zu orientieren.

Wie kann ich meine Überzeugung stärken, dass die Therapie erfolgreich sein wird?

Im Laufe der Therapie kann es immer wieder vorkommen, dass Sie sich vielleicht auch unsicher sind, ob das wirklich wirkt, ob das wirklich funktioniert.

Je besser Sie verstehen, je besser Sie nachvollziehen können, was die Therapie auch macht in Ihrem Körper, wie das funktioniert, desto besser, desto leichter wird es Ihnen auch fallen, daran zu glauben, dass Ihnen das auch hilft.

Wir Menschen sind so, dass wir uns einfach leichter tun, von etwas überzeugt zu sein, wenn wir das auch nachvollziehen können.

Und ich würde Sie da wirklich bitten, dass Sie auch hier, wenn Sie Informationsbedürfnisse haben, auf Ihre Ärzte und Ärztinnen zugehen und konkret nachfragen: „Was passiert da genau? Was wird da gemacht? Das kann ich davon erwarten? Wie funktioniert das?“ Weil das wird auch Ihre Überzeugung, dass das klappt, dass das wirkt, wie das geht, das wird diese Überzeugung auch stärken.

Welche Rolle spielt Sport für meine mentale Stärke während der Therapie?

Es gibt viele Untersuchungen, die belegen, dass Bewegung und Sport einfach gut sind für unsere Gesundheit, für unser Immunsystem.

Und wenn ich jetzt hier von Bewegung und Sport spreche, dann meine ich nicht, dass man einen Marathon läuft oder extreme körperliche Ertüchtigung betreiben muss. Sehr hilfreich ist es schon, wenn man versucht, ein bisschen spazieren zu gehen.

Es gibt auch viele Untersuchungen, die zeigen, dass die Natur, also Bäume, Wiesen, Pflanzen, sehr heilsam sind für unser Immunsystem und für unsere Lebensqualität.

Also wenn es Ihnen möglich ist, dann würde ich Ihnen empfehlen, einfach öfter mal bissel in die Natur hinauszugehen, wenn Sie das natürlich mögen, und auch zu versuchen, moderate Bewegung in der Natur zu machen. Wenn Sie natürlich bis jetzt ein Sportler oder eine Sportlerin waren, dann spricht natürlich überhaupt nichts dagegen, all das zu tun, wozu Sie sich in der Lage fühlen und Ihnen das gut tut. Dann machen Sie das, wo Sie das Gefühl haben: „Das tut mir jetzt gut.“ Das heißt nicht, weil Sie jetzt die Erkrankung haben oder eine Therapie haben, dass Sie sich jetzt zu Hause ins Bett legen sollen, sondern nein, ganz im Gegenteil: Das, wozu Sie sich körperlich in der Lage fühlen, dass es Ihnen auch Freude macht, dass Sie das auch tun, da wissen wir einfach, dass das etwas ist, das sich einfach sehr positiv einerseits auf die mentale Gesundheit auswirkt, aber natürlich auch auf die körperliche.

Was bedeutet Selbstwirksamkeit, und wie kann ich sie lernen?

Selbstwirksamkeit ist ein Begriff, der kommt aus der Psychologie, und man versteht darunter das Gefühl, wenn jemand das Gefühl hat, dass das, was er oder sie tut, auch einen Einfluss darauf hat, was rauskommt.

Also zum Beispiel Selbstwirksamkeit: Wenn ich eine hohe Selbstwirksamkeit habe, dann lerne ich, wenn ich eine Prüfung habe, z.B. in der Schule, weil ich denke, es hängt von mir auch ab, was da für eine Note herauskommt. Das heißt, mit einer hohen Selbstwirksamkeit, wenn ich diese Überzeugung habe, dann bin ich natürlich auch bereit, etwas zu tun.

Selbstwirksamkeit lernen kann man in dem Sinne, indem man schaut oder ausprobiert, zuerst einmal überlegt vielleicht in Bezug auf Ihre Erkrankung: „Was kann ich jetzt auch tun, damit es mir besser geht?“ Und wenn Sie das dann machen und das Gefühl haben: „Ah, das hat mir jetzt geholfen“, dann haben Sie das Gefühl, dass es darauf ankommt, was Sie tun und dass Sie eine Selbstwirksamkeit haben.

Wie kann ich die Menschen in meinem Umfeld in die Vorbereitung miteinbeziehen?

Wenn Sie sich jetzt auf die Therapie vorbereiten, dann gehen Ihnen vielleicht einige Fragen durch den Kopf, was Sie am besten tun könnten, was Sie mitnehmen könnten.

Aber natürlich nicht nur Ihnen gehen Fragen durch den Kopf, sondern auch Ihren engsten Angehörigen und Bekannten gehen Fragen durch den Kopf.

Ihre Freunde, Ihre Familie, die machen sich sicher Gedanken, wie sie Ihnen am besten helfen können. Die sind oft auch hilflos. Es tut ihnen sehr leid, dass Sie erkrankt sind, dass Sie jetzt die Behandlungen machen müssen und es Ihnen vielleicht nicht so gut tut. Und die würden Ihnen gerne helfen. Sie wissen aber oft nicht, wie sie Ihnen am besten helfen können.

Sie müssen keine Sorge haben, dass Sie die anderen jetzt belasten, wenn Sie was von ihnen wollen, sondern ich möchte Ihnen einfach mitgeben, dass Sie sich bewusst machen, dass Sie Ihrer Familie und Ihren Freunden auch helfen, wenn Sie ihnen ganz genau sagen, was Sie von ihnen brauchen.

  • Das kann jetzt sein, dass sich jemand um die Wohnung kümmert, während Sie im Spital sind.
  • Das kann sein, dass Sie Besuch bekommen.
  • Das kann sein, dass Sie mit jemand ausmachen, dass Sie regelmäßig telefonieren.

Überlegen Sie sich: „Was hätte ich gerne? Was brauche ich? Mit wem möchte ich austauschen? Wer tut mir gut?“ Und scheuen Sie sich nicht, das Ihren Angehörigen und Mitmenschen auch mitzuteilen. Ich bin sicher, sie helfen Ihnen sehr gerne.

An wen kann ich mich mit Ängsten bezüglich der Therapie und Nebenwirkungen wenden?

Wenn Sie in Bezug auf die Therapie Angst haben oder Sorge haben vor Nebenwirkungen, dann wenden Sie sich bitte unbedingt an Ihre behandelnden Ärztinnen. Das ist die Aufgabe der Ärztin, mit Ihnen darüber zu sprechen.

Und es ist auch wichtig, dass das medizinische Personal weiß, welche Sorgen Sie haben, weil nur dann können die auch wirklich darauf eingehen.

Wenn Sie das Gefühl haben, was leider manchmal vorkommt, dass Sie mit dem Arzt oder der Ärztin, der Sie oder die Sie jetzt behandelt, nicht so gut sprechen können oder Sie vielleicht nicht so ein Vertrauensverhältnis haben, dann zögern Sie nicht, mit anderen Menschen darüber zu sprechen.

Sie können z.B. jederzeit auch bei der Krebshilfe Ärztinnen kontaktieren oder Personen anderer Berufsgruppen kontaktieren, mit denen Sie über Ihre Sorgen und Ängste sprechen können.

Sie können auch mit Ihrer Hausärztin oder mit Ihrem Hausarzt sprechen, wenn Sie zu denen mehr Vertrauen haben.

Hier geht es zum Video-Interview: „Vorbereitung auf die Therapie”

Die Therapie gut durchstehen

Wie kann ich mein Durchhaltevermögen während der Therapie stärken?

Eine Chemotherapie oder generell eine Behandlung, Therapie von Lungenkrebs dauert mitunter recht lange. Und da ist es manchmal ganz schwierig, dass man zwischendurch nicht einfach auch den Mut verliert oder sich mal denkt: „Jetzt mag ich nicht mehr.“

Und ich glaube, Sie können Ihr Durchhaltevermögen vielleicht dahingehend stärken, indem Sie einerseits sich immer wieder bewusst machen, wozu Sie das tun, was Sie da tun. Wozu Sie es tun und was Sie damit erreichen können/wollen.

Das heißt, vielen Menschen hilft es, wenn sie sich wirklich, man nennt das Visualisieren, ein Bild machen, auch von der Zeit danach, wenn Sie das durchgestanden haben: Wie es Ihnen dann gehen wird, wie Sie sich fühlen werden. Aber vielleicht, was Sie dann auch tun werden.

Während der Therapie, glaube ich, ist es sehr, sehr wichtig, dass man sich kleine Ziele setzt und sich beim Erreichen dieser Ziele auch belohnt, dass man sich selber auch wirklich was Gutes tut. Dass man nach der Zeit im Krankenhaus sich dann vielleicht selbst ein kleines Geschenk macht oder einfach schaut: „Was würde mir Freude machen? Was würde mir gut tun?“ Also kleine Dinge in regelmäßigen Abständen, auf die man sich auch freuen kann, auf die man auch hinarbeitet.

Also ich glaube, es ist einfach ganz, ganz wichtig, dass Sie in dieser langen Zeit immer wieder für sich selber so kleine Lichtpunkte haben, auf die Sie sich freuen können und wo Sie sich auch ein Stück weit anhalten können. Das ist etwas, was wir alle brauchen, und das brauchen wir ganz besonders, wenn wir einfach Zeiten durchstehen müssen, die schwierig sind.

Was versteht man unter „Adhärenz“, und welche Bedeutung hat sie bei Lungenkrebs?

Also Unter „Adhärenz“ versteht man das Ausmaß, in dem eine Patientin Behandlungsempfehlungen, die Therapie einhält, die zuvor gemeinsam mit Ärztin und Patientin vereinbart wurde.

Das Wichtige beim Adhärenz-Begriff ist: Bei der Adhärenz liegt die Verantwortung dafür, ob Sie die Behandlung durchführen, ob Sie dabeibleiben, nicht nur bei der Patientin und beim Patienten, sondern die Verantwortung liegt auch bei der Ärztin und beim Arzt. Und das beginnt damit, dass quasi gemeinsam eine Entscheidung getroffen wird, was das Beste für die Patientin, für den Patienten ist. Und das heißt: In diese Entscheidung fließt natürlich einerseits mit ein das ganze medizinische Fachwissen, die Expertise, die medizinische Expertise. Aber es soll eine Behandlung gefunden werden, die für den Patienten auch umsetzbar ist, die für den Patienten auch attraktiv ist und eine Behandlung gefunden werden, die auch natürlich die Sorgen, Nöte und Belastungen des Patienten adressiert. Das heißt: Wenn ein Behandlungsplan gemacht wird, sollte das nicht so sein, dass der Arzt, die Ärztin das einfach vorschreibt, sondern das soll interaktiv mit Ihnen besprochen werden. Und je besser Sie als Patient, als Patientin nachvollziehen können, warum das gemacht wird, je mehr Sie das Gefühl haben: „Hier werden auch meine Bedürfnisse berücksichtigt. Hier bekomme ich Unterstützung beim bei meinen Belastungen. Hier werden meine Ängste ernst genommen.“, desto eher werden Sie diesen Handlungsempfehlungen auch folgen können.

Welche Übungen können bei Atemnot helfen?

Wenn Sie Atemnot verspüren, ist es, glaube ich, ganz wichtig, dass Sie zunächst versuchen, eine für sich selbst entlastende Haltung einzunehmen.

Übung 3: Atemnot lindern: Kutschbock-Haltung

Es gibt hier die Haltung, man nennt es diese Kutschbockhaltung, indem man den Oberkörper so vorbeugt und sich mit den Unterarmen, ich versuche es, ein bisschen vorzumachen, auf den Oberschenkeln abbeugt oder hier, wenn ich einen Tisch hab, die Unterarme auf dem Tisch auflege und so den Oberkörper ein bisschen vorzubeugen, weil das erleichtert einfach die Atmung sehr.

Also das wäre mal das Wichtigste, dass man versucht, eine Haltung einzunehmen, die die Atmung erleichtert.

Und dann wäre es gut, wenn Sie versuchen, sich auf die Ausatmung zu konzentrieren. Ich versuche das jetzt mal mit Ihnen zu machen.

Also wir beugen den Oberkörper vor, und Sie konzentrieren sich auf die Atmung und versuchen bei der Atmung darauf zu achten, dass sich der Bauch ein bisschen nach vor wölbt beim Einatmen und beim Ausatmen wärmt der Bauch wieder ein bisschen kleiner wird.

Es wird nicht gleich gelingen. Aber wenn Sie mit der Zeit schauen, dass Sie ungefähr doppelt so lange ausatmen wie Sie einatmen. Also wir atmen ein, Bauch wölbt sich, wir atmen aus, Bauch wird wieder ein bisschen kleiner.

Wir machen das drei Mal. Wir atmen ein, Bauch wölbt sich. Wir atmen aus. Und dabei sagen Sie sich den Satz: „Es geht vorbei.“ Immer drei Mal ein- und ausatmen. „Es geht vorbei.“

Wenn Sie im Moment ganz akut Atemnot haben, ist es vielleicht schwierig. Dann tun Sie sich schwerer, dass Sie sich beruhigen. Und ich würde Ihnen empfehlen, dass Sie z.B. so eine Übung immer wieder mal zwischendurch machen, wenn Sie dran denken. Weil man kann das auch üben. Und wenn wir so eine Haltung üben, wenn wir diese ruhige Atmung üben, dann können wir sie in einer Situation, wo wir sie akut brauchen, viel leichter anwenden. Und unser Körper und unser Geist entspannen sich viel schneller, und Sie bekommen gleich wieder viel besser Luft.

Welche Übungen können bei Schmerzen helfen?

Es gibt verschiedene Übungen, die die bei Schmerzen helfen können.

Übung 4: Atemnot lindern: Body-Scan

Ich möchte mit Ihnen gerne eine Übung machen. Das nennt sich Body-Scan.

Und ich möchte Sie einladen, dass Sie sich jetzt entweder hinsetzen oder hinlegen, möglichst in einer Position, die für Sie so angenehm wie möglich ist. Sie dürfen sicher aber auch während der Übung bewegen, also Sie müssen jetzt nicht starr liegen bleiben. Aber irgendwie eine Haltung jetzt mal einnehmen, die Ihnen angenehm ist, wo Sie ohne größere Muskelanstrengung sitzen können oder liegen können.

Und ich möchte Sie einladen, dass wir uns einfach zuerst einmal wieder ein bissel auf den Atem konzentrieren und nur schauen: „Wie ist die Atmung?“ Einfach mal schauen, wie die Luft in den Körper hinein strömt und wieder hinaus strömt.

Und wir wandern jetzt mit unserer Aufmerksamkeit zu unseren Füßen. Wir schauen: „Wie fühlen sich die Füße an?“ Spüren Sie den Untergrund? Wenn Sie Schuhe anhaben, können Sie die Schuhe spüren. Versuchen Sie wahrzunehmen Ihre Füße. Sind sie kühl oder warm? Dabei atmen wir einfach weiter.

Und wir gehen jetzt weiter über die Knöchel zu den Waden. Und wir entspannen die Waden. Wir lassen sie ganz los.

Die Knie: Vielleicht haben Sie das Bedürfnis, das eine oder andere Bein zu bewegen, vielleicht zwickt es irgendwo. Spüren sie sich gleich an, beide Knie, oder gibt’s Unterschiede? Wir lassen sie einfach los.

Die Oberschenkel: Wir entspannen die Oberschenkel. Wir spüren, wie die Oberschenkel am Sessel aufliegen oder auf der Unterlage, dem Bett.

Wir haben jetzt so ein Bild von unseren Füßen, Knöchel, Waden, Knie, Oberschenkel.

Gehen weiter zur Hüfte…

und über den Rücken…

hinauf zu den Schultern.

Nehmen Sie sich Zeit. Versuchen Sie, die Unterlage zu spüren. Egal was Sie fühlen, es ist in Ordnung.

Sie gehen zu den Schultern…

über die Oberarme, …

die Ellenbogen, …

Unterarme, …

und die Hände.

Spüren Sie noch einmal, wie Ihr Körper angenehm ruht. Eventuell spüren Sie ein bissel ein Kribbeln in den Händen und Füßen. Eine Wärme.

Wir gehen jetzt noch zum Kopf.

Über den Hals zum Kopf, …

über die Stirn zum Gesicht. Wir entspannen das Gesicht. Und wir nehmen es einfach wahr, wie es ist.

Und wir sind ruhig. Und entspannt.

Wenn Sie mögen, können Sie Ihren ganzen Körper noch einmal durchgehen.

Nehmen Sie noch ein, zwei tiefe Atemzüge.

Atmen Sie tief ein und aus.

Noch einmal tief ein und aus.

Und jetzt strecken wir die Zehen und die Finger und die Arme…

und kommen erfrischt zurück.

Wie gehe ich mit einem Rückschlag um?

Es kann passieren, dass trotz der Therapie nicht erwarteter Erfolg eintritt und Sie schlechte Nachrichten bekommen.

Und das ist natürlich etwas, was zunächst ein Schock sein kann oder wie ein Schlag ins kalte Wasser. Und dass man im Moment vielleicht das Gefühl hat: „Hat das jetzt überhaupt was gebracht? War das alles umsonst?“ Dass man natürlich auch traurig ist und verzweifelt ist. Und ich glaube, das Wichtige ist, dass man versucht natürlich, dass man diese Gefühle zulassen darf, dass man darüber sprechen darf.

Es kann auch sein, dass Sie wütend sind. Es kann auch sein, dass Sie wütend sind auf das medizinische Personal, dass Sie das Gefühl haben: „Man hat mich vielleicht schlecht beraten oder schlecht behandelt.“ All das sind ganz natürliche und normale Gefühle. Versuchen Sie, diese Gefühle wirklich auch auszudrücken. Versuchen Sie, mit nahestehenden Menschen auch darüber zu sprechen. Geben Sie sich hier auch Zeit. Und bitte nehmen Sie auch Hilfe an.

Und dann, wenn diese ersten starken Gefühle ein bisschen abgeklungen sind, dann versuchen Sie, Ihren Blick wieder auf das zu richten, was jetzt zu tun ist. Auf das, was jetzt möglich ist. Zu schauen: „Was kann ich jetzt tun, damit es mir besser geht? Welche Möglichkeiten habe ich dennoch?“ Ein Rückschlag bedeutet ja nicht das Ende der Welt. Das bedeutet nicht, dass nichts mehr möglich ist. Die Möglichkeiten haben sich vielleicht verändert, aber es gibt immer Möglichkeiten. Und drum ist es wichtig, dann zu schauen: „Was ist jetzt noch möglich? Was kann man jetzt tun? Was kann ich jetzt tun? Und wer kann mir jetzt helfen?“

Was bedeutet Resilienz und wie kann sie mir helfen?

Unter Resilienz versteht man quasi eine Widerstandsfähigkeit gegenüber extremen Belastungen und Herausforderungen.

Resiliente Menschen sind aber nicht Menschen, die keine Krisen haben, die keine Ängste haben, die keine Sorgen haben. Aber sie haben im Laufe ihres Lebens verschiedene Erfahrungen gemacht oder öfter die Erfahrung gemacht, dass sie herausfordernde Situationen auch bewältigen können oder dass es andere Menschen gibt, die ihnen helfen.

Während einer Behandlung kann Resilienz helfen, dass ich einfach die Behandlung oder die Therapie besser durchstehen kann.

Und was kann ich jetzt ganz konkret tun, um mich quasi widerstandsfähiger zu machen gegenüber den Belastungen?

  • Punkt eins: Was ganz wichtig ist, sind soziale Beziehungen. Soziale Beziehungen haben eine sehr starke protektive Wirkung, eine schützende Wirkung. Das heißt: Wenn Sie sich widerstandsfähiger machen wollen gegenüber diesen Belastungen, mit denen Sie jetzt konfrontiert sind, dann versuchen Sie, Hilfe anzunehmen. Dann versuchen Sie, sich mit Menschen zu umgeben, die Ihnen guttun. Versuchen Sie Kontakt zu halten mit Menschen, die Sie unterstützen.
  • Weiters: Wenn Sie Ihre Resilienz fördern wollen, dann wäre es gut, wenn Sie es schaffen, die Situation zunächst einmal versuchen anzunehmen, wie sie ist, zu sagen: „Okay, das ist jetzt die Situation…“, und dann zu schauen: „Was kann ich jetzt aber daraus machen?“ Was auch die Widerstandsfähigkeit sehr fördert, ist Optimismus. Wenn Sie ein Mensch sind, der ein bisschen Humor hat oder der manchmal auch über Dinge lachen kann oder der dazu tendiert, das Glas auch einmal halb voll zu sehen und nicht nur halb leer, das ist etwas, was auch sehr, sehr helfen kann.
  • Und was auch die Widerstandsfähigkeit gegenüber momentanen Belastungen stärken kann, ist, wenn Sie sich ein Bild davon machen, was Sie in der Zukunft erreichen wollen, was Sie erreichen wollen mit dieser Behandlung, was passieren wird, wenn Sie diese Belastung durchgestanden haben. Wenn Sie etwas haben, auf das Sie sich auch freuen können, oder wenn Sie etwas haben, wo Sie sagen: „Dafür macht es Sinn, dass ich mich anstrenge.“

Und, was auch hilft, um besser damit zurechtzukommen, ist, wenn Sie quasi die Sache auch zu Ihrer eigenen machen, wenn Sie sich sagen: „Es kommt jetzt auch auf mich an. Was kann ich jetzt auch tun? Was ist mein Anteil? Was kann ich tun, damit es mir auch besser geht? Wo kann ich Hilfe bekommen? Wer kann mir helfen? Was brauche ich jetzt?“

Hier geht es zum Video-Interview: „Die Therapie gut durchstehen”

Umgehen mit negativen Gefühlen

Gibt es Übungen, die bei Stress und Angstgefühlen helfen?

Stress und Angst führen dazu, dass wir uns einfach auch körperlich anspannen. Und eine Übung, mit der man sich relativ schnell auch wieder entspannen kann, ist einfach eine Übung, in der man sich auf seine Atmung konzentriert.

Übung 5: Zur Entspannung: Bauch-Atmung

Und ich würde Sie einladen, dass Sie eine Hand vielleicht auf Ihre Brust legen und eine Hand auf Ihren Bauch legen.

Und jetzt einfach mal nur atmen und beobachten, wie sich beim Atmen vielleicht die Hand über der Brust und die Hand über den Bauch bewegen.

Beim Einatmen, und wenn Sie jetzt im Moment gestresst sind, könnte es sein, dass Sie mehr in die Brust atmen und Sie beim Einatmen spüren, wie sich die Hand über der Brust hebt. Ich möchte Sie jetzt einladen zu versuchen, beim Einatmen zu schauen, dass sich die Hand über dem Bauch hebt, dass Sie versuchen, den Atem in den Bauch zu bekommen, dass sich beim Einatmen die Bauchdecke hebt und beim Ausatmen wieder ein bisschen zurückzieht.

Und wir atmen ein, …

und aus, …

und ein, …

und aus.

Sie können die Übung so lange machen, bis Sie das Gefühl haben, dass Ihnen das gut tut.

Übung 5: Spannung abbauen: Anspannen und Loslassen

Eine andere Übung, die jetzt mit der Atmung weniger zu tun hat, aber wo Sie auch vielleicht schnell Spannung abbauen können, ist, indem Sie bewusst versuchen, einen Teil Ihres Körpers anzuspannen. Also, wenn Sie sich jetzt gestresst fühlen, dass Sie versuchen, die Schultern ganz hochzuziehen. Also jetzt die Schultern ganz fest hochziehen, ganz, ganz, ganz, ganz fest, ganz fest, ganz, ganz, solange, bis man das kaum mehr aushält. Ganz fest, ganz fest, ganz fest, ganz leicht. Und die Fäuste anspannen, ganz fest und dann runterfallen lassen. Loslassen.

Sie werden spüren, wie Sie sich ein bisschen entspannen.

Und Sie können das auch so machen: Sie können die Fäuste anspannen und die Ellenbogen anspannen und ganz, ganz fest die Arme oder Schultern ganz fest anspannen, bis Sie es nicht mehr können und dann loslassen. Und Sie werden spüren, wie sich augenblicklich eine gewisse Entspannung in Ihrem Körper und somit auch in Ihrem Geist einstellt.

Woran merke ich, dass die Situation für mich zu viel ist?

  • Wenn Sie das Gefühl haben, dass Sie sich irgendwie ganz anders verhalten, als Sie das sonst tun. Also, wenn Sie normalerweise ein Mensch sind, der Kontakte sucht, gerne mit anderen spricht, und Sie bemerken, dass Sie sich immer mehr zurückziehen, dass Sie mit anderen Menschen nicht mehr sprechen wollen, dass Sie sich abschotten,
  • wenn Sie jemand sind, der sonst vielleicht eher sich auch an etwas erfreuen kann oder gewissen Hobbys nachgeht, Sie das Gefühl haben, dass Sie das alles nicht mehr interessiert,
  • wenn Sie das Gefühl haben, dass ständig negative Gedanken in Ihrem Kopf kreisen,
  • wenn Sie nachts nicht schlafen können,
  • wenn Sie am Morgen aufwachen und Angst haben, wie Sie den Tag bewältigen können,

dann sind das eindeutige Zeichen dafür, dass Sie mit der Situation aktuell einfach überfordert sind, dass das zu viel ist für Sie.

Und es wäre ganz wichtig, dass Sie das jemanden sagen und dass Sie dann auch Hilfe in Anspruch nehmen.

Welche Rolle spielt Positives Denken bei der Erkrankung?

Im Zusammenhang mit Krebserkrankungen gibt es ganz viele Bücher und Ratgeber, die sich mit der Kraft des positiven Denkens beschäftigen, und möglicherweise ist Ihnen auch schon etwas in die Hände gekommen, oder haben Sie dazu schon etwas gehört.

Und ich möchte hier einfach deutlich sagen, dass es keinen Zusammenhang gibt zwischen krankhaftem positivem Denken in dem Sinne, dass man sagt: „Ich muss nur dran glauben, und dann wird alles gut werden. Und wenn ich nicht dran glaube, dann wird es nicht gut werden.“ Das stimmt nicht.

Also positives Denken im Sinne von alles ausblenden und glauben, nur weil ich jetzt glaube, es wird alles gut, wird es gut werden. Das funktioniert nicht. Und es funktioniert natürlich auch im umgekehrten Fall nicht so: Wenn ich Angst habe, wenn ich traurig bin, wenn Sie Sorgen haben, das heißt nicht, dass deswegen der Krankheitsverlauf negativ beeinflusst wird.

Aber es hat durchaus einen Einfluss auf unser Wohlbefinden, auf unsere Lebensqualität, wenn es uns gelingt, auch in schwierigen Situationen positive Aspekte sehen zu können. Also wenn es gelingt, wenn ich mir z.B. am Abend überlege: „Worauf bin ich heute stolz? Was ist mir heute gut gelungen? Oder was hat mich heute gefreut? Oder was ist heute Positives passiert?“, dass ich in dieser Situation, in dieser Zeit, wo vieles herausfordernd ist, für vieles schwierig ist, dass ich mich ganz bewusst darauf konzentriere, was trotzdem oder gerade jetzt auch positiv ist. Und das kann ganz unterschiedlich sein. Das kann für jeden Menschen ganz unterschiedlich sein. Das kann sein eine Begegnung mit Menschen. Das kann sein, dass man einfach einen Tag Ruhe hatte und sich erholen konnte. Das kann sein, dass man keine Schmerzen hatte. Das kann sein, dass das Pflegepersonal besonders freundlich war. Ganz unterschiedlich. Dass wir eben auch den Blick schärfen für das, was positiv ist und dass wir das auch aufnehmen.

Was versteht man unter „Ressourcen“, und wie kann ich sie bei negativen Gefühlen nutzen?

Ressourcen sind so etwas wie die Vorräte, die wir im Vorratsschrank haben. Also angenommen, Sie haben einen gut gefüllten Vorratsschrank mit Konserven, mit Nudeln, mit allem Möglichen. Und jetzt, im Rahmen der Pandemie, werden die Geschäfte geschlossen und Sie können nicht einkaufen gehen und Ihr Vorratsschrank ist voll. Dann können Sie ihn aufmachen und aus diesen Vorräten etwas kochen, etwas machen und können damit etwas gestalten.

Und genauso kann man sich das vorstellen mit den Ressourcen, die wir in uns haben, einerseits, aber natürlich auch in unserem Umfeld, die uns helfen, schwierige Situationen zu bewältigen.

  • Und das kann jetzt eben sein, das kann sein außerhalb. Eine ganz wichtige Ressource im Zusammenhang mit einer Krebserkrankung ist natürlich das medizinische System, dass ich Zugang habe zu einer Behandlung, dass ich diese Behandlung in Anspruch nehmen kann.
  • Das sind die ganzen Ärzte, die Pflegepersonen, aber durch die Medizin.
  • Ressourcen sind aber natürlich auch meine Bekannten, meine Freunde, meine Familie, die mich emotional unterstützen.
  • Ressource kann auch sein Information, dass ich Information mir beschaffen kann.
  • Ressourcen sind aber auch, wenn ich zum Beispiel bis jetzt eher sportlich war, dann ist es auch eine gute körperliche Ressource, um diese Erkrankung durchstehen zu können.
  • Ressource ist aber auch, wenn ich einfach in meinem Leben schon häufig die Erfahrung gemacht hab und weiß, wie ich mit Schwierigkeiten umgehe, wie ich das mache.
  • Eine Ressource ist auch, wenn ich weiß, wie ich mich erholen kann, wie ich Energie tanken kann.
  • Eine Ressource ist auch, wenn ich es schaffe, auch in schwierigen Situationen etwas Positives sehen zu können.

All das sind Ressourcen, die ich im Zuge einer Krebserkrankung anwenden kann.

Und je mehr solche Ressourcen ich habe und je gezielter und flexibler ich sie einsetzen kann, desto mehr hilft mir das, die Krankheit zu bewältigen.

Wie gehe ich mit starker Trauer und Angst um?

Trauer und Angst sind Gefühle, die im Zusammenhang mit einer fortgeschrittenen Erkrankung natürlich vorkommen.

Und das Wichtige ist, dass Sie sich trauen, diesen Gefühlen auch auf den Grund zu gehen.

Also ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Angst ganz unterschiedliche Gründe haben kann. Und ich glaube, es ist wichtig, sich zu fragen: „Wovor habe ich genau Angst?

  • Habe ich Angst davor, dass ich vielleicht Schmerzen haben werde?
  • Habe ich Angst davor, dass meine Angehörigen nicht damit zurechtkommen werden?
  • Habe ich Angst vor dem, was da noch kommen mag?
  • Habe ich Angst davor, dass ich das nicht durchstehen kann?
  • Und habe ich vielleicht Angst davor, wie es zu Ende gehen wird, ob ich da alleine sein werde, wer mich unterstützen wird?“

Und hier auch ein Appell: Ganz konkret diese Ängste auch besprechen und benennen.

Oft glauben Außenstehende: Wenn jemand im Zuge einer Krebserkrankung Angst hat, glauben die Menschen ja, man weiß schon was für eine Angst das ist. Das wissen wir aber nicht.

Wir sind eben angehalten nachzufragen: „Was genau ist Ihre Angst?“ Und dann eben nachzuschauen, was kann man jetzt genau tun, um diese Angst zu lindern. Weil ist es z.B. die Angst vor Schmerzen, dann kann man genau diese Angst mit den Ärzten in den Ärzten besprechen und schauen: „Welche Möglichkeiten gibt es dann?“

Wenn es die Angst ist, die Sorge: „Wie kommen meine Angehörigen damit zurecht?“, dann ist es eine Möglichkeit, dass man vielleicht auch mit externer Unterstützung das Gespräch sucht mit den Angehörigen und hier schaut: „Wie können die Angehörigen noch unterstützt werden, dass sie damit zurechtkommen?“

Also je genauer Sie hinschauen: „Um welche Angst genau geht es?“, desto genauer kann man auch genau dafür dann Hilfe und Unterstützung anbieten.

Wie gehe ich mit den Sorgen meiner Angehörigen um?

Sie machen sich vielleicht auch Sorgen um Ihre Angehörigen und überlegen sich: „Wie kommen die damit zurecht?“ Oder: „Mute Ihnen vielleicht zu viel zu?“ Oder: „Sind die jetzt belastet?“ Oder ich höre das auch manchmal: Manche Patienten haben Schuldgefühle, weil sie sich denken: „Jetzt geht es meinen Angehörigen schlecht deswegen, weil ich krank bin.“

Ich möchte Sie einfach hier ganz dringend einfach ermutigen: Sprechen Sie mit Ihren Angehörigen gern darüber. Sie haben miteinander schon vieles erlebt im Leben. Sie haben viele Krisen gemeinsam bewältigt und überstanden und durchgestanden. Und das Schlimmste wäre jetzt, wenn Sie jetzt Ihre Sorgen, Ihre Ängste und Bedenken einfach nicht teilen. Sondern wenn Sie sich Sorgen machen um Ihre Angehörigen, dann sprechen Sie das mit den Angehörigen an. Sagen Sie Ihnen, worüber Sie sich Sorgen machen. Vielleicht haben Ihre Angehörigen mit gewissen Dingen gar nicht so große Probleme, wie Sie sich das vielleicht vorstellen.

Und vielleicht haben sie auch schon Lösungen. Oder es gibt eben von außerhalb Hilfe, die Sie dann in Anspruch nehmen können. Aber sprechen Sie es bitte einfach an.

Hier geht es zum Video-Interview: „Umgehen mit negativen Gefühlen”

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Geprüft Dr.in Mag.a Birgit Hladschik-Kermer: 24.03.2021 | AT-4735

Die Kurse sind kein Ersatz für das persönliche Gespräch mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt, sondern ein Beitrag dazu, PatientInnen und Angehörige zu stärken und die Arzt-Patienten-Kommunikation zu erleichtern.

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