3. Vorbereitung auf die Therapie

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Wie kann ich mich nach der Diagnose Lungenkrebs auf die Therapie vorbereiten? Was bedeutet Selbstwirksamkeit? Wie können mir mentale Stärke und kurzfristige Ziele helfen? Dr.in Mag.a Birgit Hladschik-Kermer beantwortet die wichtigsten Fragen:

Welche konkreten Ziele kann oder soll ich mir für die Zeit der Therapie setzen?

Ich glaube, für die Zeit der Therapie ist das Wichtigste, dass Sie sich überlegen: „Was ist für mich wichtig? Was kann ich tun, damit ich möglichst gut durch diese Zeit komme?“

Für die Zeit der Therapie ist es, glaube ich, wichtig, sich eher kurzfristige Ziele zu setzen. Das Kennzeichen der Behandlung einer Tumorerkrankung ist, dass man einfach nicht so gut weiß, wie man sich fühlen wird. Es wird Tage geben, da fühlen Sie sich ganz toll. Und Sie denken, das wird am nächsten Tag auch so sein. Es kann aber sein, dass Sie am nächsten Tagen dann müde sind und das, was Sie sich für diesen Tag vorgenommen haben, vielleicht dann doch nicht durchführen können. Es kann aber natürlich genauso in die umgekehrte Richtung gehen, dass Sie sich heute müde und erschöpft fühlen und denken: „Oh Gott, das wird die ganze Woche so sein.“ Aber es ist sehr gut möglich, dass Sie sich morgen viel, viel besser fühlen werden.

Das heißt: Das Wichtigste ist, dass Sie versuchen, kleine Ziele sich zu setzen und Sie sich auch die Freiheit nehmen, hier flexibel zu sein. Also, wenn Sie heute denken: „Morgen werde ich fit sein“, und Sie haben vielleicht Besuch eingeladen, und morgen sind Sie aber müde, dann sagen Sie den Besuch bitte einfach ab. Das ist völlig in Ordnung. Zwingen Sie sich nicht. Versuchen Sie, auf Ihre Bedürfnisse zu hören. Versuchen Sie zu schauen: „Wie geht es mir heute? Was brauche ich heute? Was passt jetzt für mich? Was tut mir jetzt gut? Und was ist vielleicht zu belastend?“ Und versuchen Sie sich möglichst daran zu orientieren.

Wie kann ich meine Überzeugung stärken, dass die Therapie erfolgreich sein wird?

Im Laufe der Therapie kann es immer wieder vorkommen, dass Sie sich vielleicht auch unsicher sind, ob das wirklich wirkt, ob das wirklich funktioniert.

Je besser Sie verstehen, je besser Sie nachvollziehen können, was die Therapie auch macht in Ihrem Körper, wie das funktioniert, desto besser, desto leichter wird es Ihnen auch fallen, daran zu glauben, dass Ihnen das auch hilft.

Wir Menschen sind so, dass wir uns einfach leichter tun, von etwas überzeugt zu sein, wenn wir das auch nachvollziehen können.

Und ich würde Sie da wirklich bitten, dass Sie auch hier, wenn Sie Informationsbedürfnisse haben, auf Ihre Ärzte und Ärztinnen zugehen und konkret nachfragen: „Was passiert da genau? Was wird da gemacht? Das kann ich davon erwarten? Wie funktioniert das?“ Weil das wird auch Ihre Überzeugung, dass das klappt, dass das wirkt, wie das geht, das wird diese Überzeugung auch stärken.

Die Behandlung planen

Während der Lungenkrebstherapie wird es möglicherweise Tage geben, an denen Sie sich  gut fühlen, aber auch solche, an denen Sie müde und erschöpft sind. Welche Tipps gibt es für die Vorbereitung auf die Therapie?

Kurzfristige Ziele setzen

Während intensiver Behandlungsphasen ist es ratsam, eher kurzfristig zu planen, um immer auf Ihre momentane Stimmung und körperliche Verfassung Rücksicht nehmen zu können. Wichtig ist, dass Sie sich die Freiheit nehmen, flexibel zu sein.

Hören Sie auf Ihre Bedürfnisse. Fragen Sie sich:

  • Wie geht es mir heute?
  • Was brauche ich heute?
  • Was passt jetzt für mich?
  • Was tut mir jetzt gut?
  • Was ist im Moment vielleicht zu belastend?

Zwingen Sie sich nicht, etwas zu tun, nur weil es geplant war.

Überzeugung stärken

Je besser Sie verstehen und nachvollziehen können, wie die Therapie in Ihrem Körper wirkt, desto leichter wir es Ihnen fallen, auf den Behandlungserfolg zu vertrauen.

Scheuen Sie sich nicht davor, auf Ihre ÄrztInnen zuzugehen und konkret zu fragen:

  • Was wird genau gemacht?
  • Wie funktioniert das?
  • Was kann ich davon erwarten?

Dieses Wissen hilft Ihnen über eventuell auftretende Unsicherheiten hinweg und stärkt Ihre Überzeugung, dass die Behandlung wirkt.

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Welche Rolle spielt Sport für meine mentale Stärke während der Therapie?

Es gibt viele Untersuchungen, die belegen, dass Bewegung und Sport einfach gut sind für unsere Gesundheit, für unser Immunsystem.

Und wenn ich jetzt hier von Bewegung und Sport spreche, dann meine ich nicht, dass man einen Marathon läuft oder extreme körperliche Ertüchtigung betreiben muss. Sehr hilfreich ist es schon, wenn man versucht, ein bisschen spazieren zu gehen.

Es gibt auch viele Untersuchungen, die zeigen, dass die Natur, also Bäume, Wiesen, Pflanzen, sehr heilsam sind für unser Immunsystem und für unsere Lebensqualität.

Also wenn es Ihnen möglich ist, dann würde ich Ihnen empfehlen, einfach öfter mal bissel in die Natur hinauszugehen, wenn Sie das natürlich mögen, und auch zu versuchen, moderate Bewegung in der Natur zu machen. Wenn Sie natürlich bis jetzt ein Sportler oder eine Sportlerin waren, dann spricht natürlich überhaupt nichts dagegen, all das zu tun, wozu Sie sich in der Lage fühlen und Ihnen das gut tut. Dann machen Sie das, wo Sie das Gefühl haben: „Das tut mir jetzt gut.“ Das heißt nicht, weil Sie jetzt die Erkrankung haben oder eine Therapie haben, dass Sie sich jetzt zu Hause ins Bett legen sollen, sondern nein, ganz im Gegenteil: Das, wozu Sie sich körperlich in der Lage fühlen, dass es Ihnen auch Freude macht, dass Sie das auch tun, da wissen wir einfach, dass das etwas ist, das sich einfach sehr positiv einerseits auf die mentale Gesundheit auswirkt, aber natürlich auch auf die körperliche.

Was bedeutet Selbstwirksamkeit, und wie kann ich sie lernen?

Selbstwirksamkeit ist ein Begriff, der kommt aus der Psychologie, und man versteht darunter das Gefühl, wenn jemand das Gefühl hat, dass das, was er oder sie tut, auch einen Einfluss darauf hat, was rauskommt.

Also zum Beispiel Selbstwirksamkeit: Wenn ich eine hohe Selbstwirksamkeit habe, dann lerne ich, wenn ich eine Prüfung habe, z.B. in der Schule, weil ich denke, es hängt von mir auch ab, was da für eine Note herauskommt. Das heißt, mit einer hohen Selbstwirksamkeit, wenn ich diese Überzeugung habe, dann bin ich natürlich auch bereit, etwas zu tun.

Selbstwirksamkeit lernen kann man in dem Sinne, indem man schaut oder ausprobiert, zuerst einmal überlegt vielleicht in Bezug auf Ihre Erkrankung: „Was kann ich jetzt auch tun, damit es mir besser geht?“ Und wenn Sie das dann machen und das Gefühl haben: „Ah, das hat mir jetzt geholfen“, dann haben Sie das Gefühl, dass es darauf ankommt, was Sie tun und dass Sie eine Selbstwirksamkeit haben.

Stärkung für die Therapie

Die Krebstherapie kann kräftezehrend sein. Hilfreich kann in diesen Situationen sein, Möglichkeiten zu haben, um sich selbst zu stärken und Unterstützung von anderen anzunehmen.

Mentale Stärke durch Sport und Bewegung

Sport und Bewegung sind gut für Ihr Immunsystem. Es genügt schon, wenn Sie öfters ein wenig spazieren gehen. Aufenthalte in der Natur sind heilsam für das körpereigene Abwehrsystem und fördern die Lebensqualität.

Versuchen Sie, moderate Bewegungen an der frischen Luft zu machen. Haben Sie bislang Sport getrieben, können Sie das auch weiterhin tun, sofern es Ihnen guttut. Auf diese Weise stärken Sie Ihre körperliche und die mentale Gesundheit.

Meine Selbstwirksamkeit entdecken

Selbstwirksamkeit ist die Überzeugung, Situationen durch eigenes Handeln beeinflussen zu können. Wer an seine Selbstwirksamkeit glaubt, bemüht sich um Ideen, um die Situation zu verbessern, und setzt diese dann auch um.

Überlegen Sie, was Sie machen können, damit es Ihnen besser geht. Probieren Sie es aus und schauen Sie, wie es hilft. Sie werden sehen, dass es darauf ankommt, was Sie tun, und dass Sie einen Einfluss auf Ihre Lebensqualität haben können.

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Wie kann ich die Menschen in meinem Umfeld in die Vorbereitung miteinbeziehen?

Wenn Sie sich jetzt auf die Therapie vorbereiten, dann gehen Ihnen vielleicht einige Fragen durch den Kopf, was Sie am besten tun könnten, was Sie mitnehmen könnten.

Aber natürlich nicht nur Ihnen gehen Fragen durch den Kopf, sondern auch Ihren engsten Angehörigen und Bekannten gehen Fragen durch den Kopf.

Ihre Freunde, Ihre Familie, die machen sich sicher Gedanken, wie sie Ihnen am besten helfen können. Die sind oft auch hilflos. Es tut ihnen sehr leid, dass Sie erkrankt sind, dass Sie jetzt die Behandlungen machen müssen und es Ihnen vielleicht nicht so gut tut. Und die würden Ihnen gerne helfen. Sie wissen aber oft nicht, wie sie Ihnen am besten helfen können.

Sie müssen keine Sorge haben, dass Sie die anderen jetzt belasten, wenn Sie was von ihnen wollen, sondern ich möchte Ihnen einfach mitgeben, dass Sie sich bewusst machen, dass Sie Ihrer Familie und Ihren Freunden auch helfen, wenn Sie ihnen ganz genau sagen, was Sie von ihnen brauchen.

  • Das kann jetzt sein, dass sich jemand um die Wohnung kümmert, während Sie im Spital sind.
  • Das kann sein, dass Sie Besuch bekommen.
  • Das kann sein, dass Sie mit jemand ausmachen, dass Sie regelmäßig telefonieren.

Überlegen Sie sich: „Was hätte ich gerne? Was brauche ich? Mit wem möchte ich austauschen? Wer tut mir gut?“ Und scheuen Sie sich nicht, das Ihren Angehörigen und Mitmenschen auch mitzuteilen. Ich bin sicher, sie helfen Ihnen sehr gerne.

An wen kann ich mich mit Ängsten bezüglich der Therapie und Nebenwirkungen wenden?

Wenn Sie in Bezug auf die Therapie Angst haben oder Sorge haben vor Nebenwirkungen, dann wenden Sie sich bitte unbedingt an Ihre behandelnden Ärztinnen. Das ist die Aufgabe der Ärztin, mit Ihnen darüber zu sprechen.

Und es ist auch wichtig, dass das medizinische Personal weiß, welche Sorgen Sie haben, weil nur dann können die auch wirklich darauf eingehen.

Wenn Sie das Gefühl haben, was leider manchmal vorkommt, dass Sie mit dem Arzt oder der Ärztin, der Sie oder die Sie jetzt behandelt, nicht so gut sprechen können oder Sie vielleicht nicht so ein Vertrauensverhältnis haben, dann zögern Sie nicht, mit anderen Menschen darüber zu sprechen.

Sie können z.B. jederzeit auch bei der Krebshilfe Ärztinnen kontaktieren oder Personen anderer Berufsgruppen kontaktieren, mit denen Sie über Ihre Sorgen und Ängste sprechen können.

Sie können auch mit Ihrer Hausärztin oder mit Ihrem Hausarzt sprechen, wenn Sie zu denen mehr Vertrauen haben.

Hilfe annehmen

Die Krebstherapie kann möglicherweise bewirken, dass Sie sich manchmal schwach fühlen und Mühe haben, den Alltag zu bewältigen. Scheuen Sie sich nicht, Hilfe anzunehmen.

Menschen in Ihrem Umfeld in die Vorbereitung einbeziehen

Sie können bereits vor der Therapie Ihre Angehörigen und Freunde mit einbeziehen, um sich von diesen dann während der Behandlung helfen zu lassen. Sorgen Sie sich nicht darum, dass Sie die anderen zu sehr belasten könnten. Sagen Sie ihnen ganz genau, was Sie von ihnen brauchen und sich wünschen, etwa:

  • dass sich jemand um Ihre Wohnung kümmert, wenn Sie im Spital sind,
  • dass jemand Sie im Krankenhaus besucht,
  • dass Sie jemand regelmäßig anruft.

Über Sorgen und Ängste sprechen

Wenden Sie sich bei Sorgen und Ängsten in Bezug auf die Therapie an Ihre BehandlerInnen. Können Sie mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt nicht so gut sprechen zögern Sie nicht, mit anderen Menschen zu reden. Geeignete Ansprechpartner sind beispielsweise:

  • Ihre Hausärztin/Ihr Hausarzt,
  • ÄrztInnen bei der Krebshilfe oder
  • andere Betroffene.

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Geprüft Dr.in Mag.a Birgit Hladschik-Kermer: 24.03.2021 | AT-4735

Die Kurse sind kein Ersatz für das persönliche Gespräch mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt, sondern ein Beitrag dazu, PatientInnen und Angehörige zu stärken und die Arzt-Patienten-Kommunikation zu erleichtern.

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