5. Umgehen mit negativen Gefühlen

Transkript

Wie kann ich trotz einer Lungenkrebs-Erkrankung positiv denken? Wie gehe ich mit Trauer und Angst, sowie mit anderen negativen Gefühlen um? Gibt es Übungen, die mir helfen könnten? Dr.in Mag.a Birgit Hladschik-Kermer beantwortet diese und andere Fragen zum Thema mentale Stärke und Lungenkrebs:

Gibt es Übungen, die bei Stress und Angstgefühlen helfen?

Stress und Angst führen dazu, dass wir uns einfach auch körperlich anspannen. Und eine Übung, mit der man sich relativ schnell auch wieder entspannen kann, ist einfach eine Übung, in der man sich auf seine Atmung konzentriert.

Übung 5: Zur Entspannung: Bauch-Atmung

Und ich würde Sie einladen, dass Sie eine Hand vielleicht auf Ihre Brust legen und eine Hand auf Ihren Bauch legen.

Und jetzt einfach mal nur atmen und beobachten, wie sich beim Atmen vielleicht die Hand über der Brust und die Hand über den Bauch bewegen.

Beim Einatmen, und wenn Sie jetzt im Moment gestresst sind, könnte es sein, dass Sie mehr in die Brust atmen und Sie beim Einatmen spüren, wie sich die Hand über der Brust hebt. Ich möchte Sie jetzt einladen zu versuchen, beim Einatmen zu schauen, dass sich die Hand über dem Bauch hebt, dass Sie versuchen, den Atem in den Bauch zu bekommen, dass sich beim Einatmen die Bauchdecke hebt und beim Ausatmen wieder ein bisschen zurückzieht.

Und wir atmen ein, …

und aus, …

und ein, …

und aus.

Sie können die Übung so lange machen, bis Sie das Gefühl haben, dass Ihnen das gut tut.

Übung 5: Spannung abbauen: Anspannen und Loslassen

Eine andere Übung, die jetzt mit der Atmung weniger zu tun hat, aber wo Sie auch vielleicht schnell Spannung abbauen können, ist, indem Sie bewusst versuchen, einen Teil Ihres Körpers anzuspannen. Also, wenn Sie sich jetzt gestresst fühlen, dass Sie versuchen, die Schultern ganz hochzuziehen. Also jetzt die Schultern ganz fest hochziehen, ganz, ganz, ganz, ganz fest, ganz fest, ganz, ganz, solange, bis man das kaum mehr aushält. Ganz fest, ganz fest, ganz fest, ganz leicht. Und die Fäuste anspannen, ganz fest und dann runterfallen lassen. Loslassen.

Sie werden spüren, wie Sie sich ein bisschen entspannen.

Und Sie können das auch so machen: Sie können die Fäuste anspannen und die Ellenbogen anspannen und ganz, ganz fest die Arme oder Schultern ganz fest anspannen, bis Sie es nicht mehr können und dann loslassen. Und Sie werden spüren, wie sich augenblicklich eine gewisse Entspannung in Ihrem Körper und somit auch in Ihrem Geist einstellt.

Woran merke ich, dass die Situation für mich zu viel ist?

  • Wenn Sie das Gefühl haben, dass Sie sich irgendwie ganz anders verhalten, als Sie das sonst tun. Also, wenn Sie normalerweise ein Mensch sind, der Kontakte sucht, gerne mit anderen spricht, und Sie bemerken, dass Sie sich immer mehr zurückziehen, dass Sie mit anderen Menschen nicht mehr sprechen wollen, dass Sie sich abschotten,
  • wenn Sie jemand sind, der sonst vielleicht eher sich auch an etwas erfreuen kann oder gewissen Hobbys nachgeht, Sie das Gefühl haben, dass Sie das alles nicht mehr interessiert,
  • wenn Sie das Gefühl haben, dass ständig negative Gedanken in Ihrem Kopf kreisen,
  • wenn Sie nachts nicht schlafen können,
  • wenn Sie am Morgen aufwachen und Angst haben, wie Sie den Tag bewältigen können,

dann sind das eindeutige Zeichen dafür, dass Sie mit der Situation aktuell einfach überfordert sind, dass das zu viel ist für Sie.

Und es wäre ganz wichtig, dass Sie das jemanden sagen und dass Sie dann auch Hilfe in Anspruch nehmen.

Übungen gegen Stress- und Angstgefühle

Im Verlauf der Lungenkrebstherapie können immer wieder Stress und Angstgefühle auftreten. Die folgenden Übungen helfen Ihnen, die negativen Gedanken unter Kontrolle zu halten.

Übung: Zur Entspannung

Die meisten Menschen gewöhnen sich im Laufe ihres Lebens die flache Brustatmung an. Mit der folgenden Übung finden Sie in die entspannendere Bauch-Atmung zurück.

Bauch-Atmung

  1. Legen Sie eine Hand auf Ihre Brust und die andere auf Ihren Bauch.
  2. Beobachten Sie, wie sich beide Hände beim Ein- und Ausatmen bewegen.
  3. Versuchen Sie, so zu atmen, dass sich die Bauchdecke beim Einatmen hebt und beim Ausatmen wieder senkt.

Übung: Spannung abbauen

Eine permanente innerliche Anspannung kann Schmerzen verstärken und Angstgefühle hervorrufen. Das können Sie dagegen tun:

Anspannen und loslassen

  1. Ziehen Sie die Schultern ganz fest nach oben, bis Sie es kaum noch aushalten.
  2. Lassen Sie dann einfach los und sie werden spüren, wie sich eine gewisse Entspannung in Ihrem Körper und in Ihrem Geist einstellt.

Woran merke ich, dass die Situation für mich zu viel ist?

Eine Überforderung liegt vor, wenn Sie:

  • sich immer mehr zurückziehen,
  • nicht mehr mit anderen Menschen sprechen möchten,
  • keine Freude mehr an Ihren Hobbys haben,
  • das Gefühl haben, dass ständig negative Gedanken in Ihrem Kopf kreisen,
  • nachts nicht schlafen können,
  • schon morgens Angst haben, wie Sie den Tag bewältigen können.

Sollten Sie diese Anzeichen bei sich wahrnehmen, sprechen Sie mit jemandem darüber und nehmen Sie Hilfe in Anspruch.

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Welche Rolle spielt Positives Denken bei der Erkrankung?

Im Zusammenhang mit Krebserkrankungen gibt es ganz viele Bücher und Ratgeber, die sich mit der Kraft des positiven Denkens beschäftigen, und möglicherweise ist Ihnen auch schon etwas in die Hände gekommen, oder haben Sie dazu schon etwas gehört.

Und ich möchte hier einfach deutlich sagen, dass es keinen Zusammenhang gibt zwischen krankhaftem positivem Denken in dem Sinne, dass man sagt: „Ich muss nur dran glauben, und dann wird alles gut werden. Und wenn ich nicht dran glaube, dann wird es nicht gut werden.“ Das stimmt nicht.

Also positives Denken im Sinne von alles ausblenden und glauben, nur weil ich jetzt glaube, es wird alles gut, wird es gut werden. Das funktioniert nicht. Und es funktioniert natürlich auch im umgekehrten Fall nicht so: Wenn ich Angst habe, wenn ich traurig bin, wenn Sie Sorgen haben, das heißt nicht, dass deswegen der Krankheitsverlauf negativ beeinflusst wird.

Aber es hat durchaus einen Einfluss auf unser Wohlbefinden, auf unsere Lebensqualität, wenn es uns gelingt, auch in schwierigen Situationen positive Aspekte sehen zu können. Also wenn es gelingt, wenn ich mir z.B. am Abend überlege: „Worauf bin ich heute stolz? Was ist mir heute gut gelungen? Oder was hat mich heute gefreut? Oder was ist heute Positives passiert?“, dass ich in dieser Situation, in dieser Zeit, wo vieles herausfordernd ist, für vieles schwierig ist, dass ich mich ganz bewusst darauf konzentriere, was trotzdem oder gerade jetzt auch positiv ist. Und das kann ganz unterschiedlich sein. Das kann für jeden Menschen ganz unterschiedlich sein. Das kann sein eine Begegnung mit Menschen. Das kann sein, dass man einfach einen Tag Ruhe hatte und sich erholen konnte. Das kann sein, dass man keine Schmerzen hatte. Das kann sein, dass das Pflegepersonal besonders freundlich war. Ganz unterschiedlich. Dass wir eben auch den Blick schärfen für das, was positiv ist und dass wir das auch aufnehmen.

Was versteht man unter „Ressourcen“, und wie kann ich sie bei negativen Gefühlen nutzen?

Ressourcen sind so etwas wie die Vorräte, die wir im Vorratsschrank haben. Also angenommen, Sie haben einen gut gefüllten Vorratsschrank mit Konserven, mit Nudeln, mit allem Möglichen. Und jetzt, im Rahmen der Pandemie, werden die Geschäfte geschlossen und Sie können nicht einkaufen gehen und Ihr Vorratsschrank ist voll. Dann können Sie ihn aufmachen und aus diesen Vorräten etwas kochen, etwas machen und können damit etwas gestalten.

Und genauso kann man sich das vorstellen mit den Ressourcen, die wir in uns haben, einerseits, aber natürlich auch in unserem Umfeld, die uns helfen, schwierige Situationen zu bewältigen.

  • Und das kann jetzt eben sein, das kann sein außerhalb. Eine ganz wichtige Ressource im Zusammenhang mit einer Krebserkrankung ist natürlich das medizinische System, dass ich Zugang habe zu einer Behandlung, dass ich diese Behandlung in Anspruch nehmen kann.
  • Das sind die ganzen Ärzte, die Pflegepersonen, aber durch die Medizin.
  • Ressourcen sind aber natürlich auch meine Bekannten, meine Freunde, meine Familie, die mich emotional unterstützen.
  • Ressource kann auch sein Information, dass ich Information mir beschaffen kann.
  • Ressourcen sind aber auch, wenn ich zum Beispiel bis jetzt eher sportlich war, dann ist es auch eine gute körperliche Ressource, um diese Erkrankung durchstehen zu können.
  • Ressource ist aber auch, wenn ich einfach in meinem Leben schon häufig die Erfahrung gemacht hab und weiß, wie ich mit Schwierigkeiten umgehe, wie ich das mache.
  • Eine Ressource ist auch, wenn ich weiß, wie ich mich erholen kann, wie ich Energie tanken kann.
  • Eine Ressource ist auch, wenn ich es schaffe, auch in schwierigen Situationen etwas Positives sehen zu können.

All das sind Ressourcen, die ich im Zuge einer Krebserkrankung anwenden kann.

Und je mehr solche Ressourcen ich habe und je gezielter und flexibler ich sie einsetzen kann, desto mehr hilft mir das, die Krankheit zu bewältigen.

Positive Gedanken stärken

Wenn es Ihnen gelingt, auch manchen schwierigen Situationen positive Aspekte abzugewinnen, kann das Ihr Wohlbefinden und Ihre Lebensqualität günstig beeinflussen.

Positiv denken trotz Krebserkrankung

Versuchen Sie, sich auf das Positive zu konzentrieren. Bedanken Sie sich gedanklich für die kleinen Dinge im Leben, beispielsweise für:

  • den guten Kaffee zum Frühstück,
  • den erholsamen Schlaf am Nachmittag,
  • den entspannenden Abendspaziergang oder
  • das nette Telefonat mit einer Freundin/einem Freund.

Was versteht man unter „Ressourcen“ und wie lassen sich diese bei negativen Gefühlen nutzen?

Sie haben Ressourcen in Ihrem Umfeld, aber auch in sich selbst, auf die Sie in schwierigen Situationen zurückgreifen können. Dazu zählen:

  • das medizinische System mit Zugang zur Behandlung, ÄrztInnen, Pflegepersonal,
  • Familie, Freunde und Bekannte, die Sie emotional unterstützen,
  • die Möglichkeit, sich Informationen zu beschaffen,
  • körperliche Ressourcen, die Sie beispielsweise durch sportliche Betätigung aufgebaut haben,
  • die Fähigkeit, mit schwierigen Herausforderungen umgehen zu können,
  • das Wissen, wie Sie sich erholen und Energie tanken können,
  • die Fähigkeit, auch in schwierigen Situationen etwas Positives zu sehen.

Je mehr dieser Ressourcen Sie besitzen und je flexibler Sie diese einsetzen können, desto mehr hilft Ihnen das bei der Krankheitsbewältigung.

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Wie gehe ich mit starker Trauer und Angst um?

Trauer und Angst sind Gefühle, die im Zusammenhang mit einer fortgeschrittenen Erkrankung natürlich vorkommen.

Und das Wichtige ist, dass Sie sich trauen, diesen Gefühlen auch auf den Grund zu gehen.

Also ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Angst ganz unterschiedliche Gründe haben kann. Und ich glaube, es ist wichtig, sich zu fragen: „Wovor habe ich genau Angst?

  • Habe ich Angst davor, dass ich vielleicht Schmerzen haben werde?
  • Habe ich Angst davor, dass meine Angehörigen nicht damit zurechtkommen werden?
  • Habe ich Angst vor dem, was da noch kommen mag?
  • Habe ich Angst davor, dass ich das nicht durchstehen kann?
  • Und habe ich vielleicht Angst davor, wie es zu Ende gehen wird, ob ich da alleine sein werde, wer mich unterstützen wird?“

Und hier auch ein Appell: Ganz konkret diese Ängste auch besprechen und benennen.

Oft glauben Außenstehende: Wenn jemand im Zuge einer Krebserkrankung Angst hat, glauben die Menschen ja, man weiß schon was für eine Angst das ist. Das wissen wir aber nicht.

Wir sind eben angehalten nachzufragen: „Was genau ist Ihre Angst?“ Und dann eben nachzuschauen, was kann man jetzt genau tun, um diese Angst zu lindern. Weil ist es z.B. die Angst vor Schmerzen, dann kann man genau diese Angst mit den Ärzten in den Ärzten besprechen und schauen: „Welche Möglichkeiten gibt es dann?“

Wenn es die Angst ist, die Sorge: „Wie kommen meine Angehörigen damit zurecht?“, dann ist es eine Möglichkeit, dass man vielleicht auch mit externer Unterstützung das Gespräch sucht mit den Angehörigen und hier schaut: „Wie können die Angehörigen noch unterstützt werden, dass sie damit zurechtkommen?“

Also je genauer Sie hinschauen: „Um welche Angst genau geht es?“, desto genauer kann man auch genau dafür dann Hilfe und Unterstützung anbieten.

Wie gehe ich mit den Sorgen meiner Angehörigen um?

Sie machen sich vielleicht auch Sorgen um Ihre Angehörigen und überlegen sich: „Wie kommen die damit zurecht?“ Oder: „Mute Ihnen vielleicht zu viel zu?“ Oder: „Sind die jetzt belastet?“ Oder ich höre das auch manchmal: Manche Patienten haben Schuldgefühle, weil sie sich denken: „Jetzt geht es meinen Angehörigen schlecht deswegen, weil ich krank bin.“

Ich möchte Sie einfach hier ganz dringend einfach ermutigen: Sprechen Sie mit Ihren Angehörigen gern darüber. Sie haben miteinander schon vieles erlebt im Leben. Sie haben viele Krisen gemeinsam bewältigt und überstanden und durchgestanden. Und das Schlimmste wäre jetzt, wenn Sie jetzt Ihre Sorgen, Ihre Ängste und Bedenken einfach nicht teilen. Sondern wenn Sie sich Sorgen machen um Ihre Angehörigen, dann sprechen Sie das mit den Angehörigen an. Sagen Sie Ihnen, worüber Sie sich Sorgen machen. Vielleicht haben Ihre Angehörigen mit gewissen Dingen gar nicht so große Probleme, wie Sie sich das vielleicht vorstellen.

Und vielleicht haben sie auch schon Lösungen. Oder es gibt eben von außerhalb Hilfe, die Sie dann in Anspruch nehmen können. Aber sprechen Sie es bitte einfach an.

Fortgeschrittene Erkrankung

Mit fortgeschrittenem Lungenkrebs konfrontiert zu sein, kann Ängste und Trauer auslösen. Wer in der Lage ist, diese Gefühle zu kontrollieren, kann seine Lebensqualität deutlich verbessern.

Wie gehe ich mit starker Trauer oder Angst um?

Versuchen Sie, diesen Gefühlen auf den Grund zu gehen. Wovor genau haben Sie Angst?

  • vor möglichen Schmerzen?
  • davor, dass Ihre Angehörigen nicht mit der Situation zurechtkommen?
  • vor dem, was noch kommen könnte?
  • davor, das nicht durchstehen zu können?
  • davor, wie es zu Ende gehen wird?

Machen Sie sich bewusst, dass Sie die Krankheit nicht alleine bewältigen müssen. Besprechen und benennen Sie Ihre Ängste gegenüber Ihren ÄrztInnen, aber auch gegenüber Ihren Angehörigen.

Wie gehe ich mit Sorgen um meine Angehörige um?

Sprechen Sie mit Ihren Angehörigen über Ihre Ängste und Bedenken. Sagen Sie ihnen, worüber Sie sich sorgen. Nehmen Sie gegebenenfalls Hilfe von außen in Anspruch.

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Geprüft Dr.in Mag.a Birgit Hladschik-Kermer: 24.03.2021 | AT-4735

Die Kurse sind kein Ersatz für das persönliche Gespräch mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt, sondern ein Beitrag dazu, PatientInnen und Angehörige zu stärken und die Arzt-Patienten-Kommunikation zu erleichtern.

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