4. Schmerzen beschreiben

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Warum ist es wichtig, wie ich meinen Schmerz beschreibe und inwiefern hilft das meiner Ärztin/meinem Arzt weiter?

Für den behandelnden Arzt ist natürlich die Schmerzstärke ein wichtiger Parameter, aber fast noch wichtiger ist die Qualität Ihres Schmerzes. Es ist extrem wichtig, zu wissen, wie es Ihnen weh tut. Es gibt verschiedene Arten von Schmerzen:

  • Es gibt den Entzündungsschmerz, der meist brennend ist oder auch ein stechender Schmerz sein kann.
  • Aber es gibt auch Nervenschmerzen, und Nervenschmerzen haben ganz andere Qualitäten. Bei Nervenschmerzen kommen Phänomene wie Kribbeln, Ameisenlaufen vor. Es kommt brennend wie Feuer vor. Es kommen elektrisierende Schmerzwahrnehmungen vor.

Die Qualität, die Sie beschreiben, kann dem Arzt weiterhelfen, zur richtigen Diagnose zu finden.

[00:54]

Welche Informationen braucht die Ärztin / der Arzt über meinen Schmerz?

Je besser Sie dem behandelnden Arzt Ihren Schmerz schildern können, umso einfacher wird es für den Mediziner, die richtige Diagnose, die richtige Ursache zu finden. Es geht darum, dass Sie genau beschreiben können:

  • Wo tut es Ihnen weh?
  • Wie oft tut es Ihnen weh?
  • Wie stark tut es Ihnen weh?
  • Was löst diesen Schmerz aus?
  • Was lindert den Schmerz?
  • Wie ist der Schmerz?
  • Wie ist genau die Qualität des Schmerzes?

Und alle diese Parameter in Zusammenschau können dann dazu helfen, die richtigen Therapieansätze für Sie zu finden.

[01:38]

Wie kann ich beschreiben, wie sich der Schmerz anfühlt?

Um die Qualität Ihres Schmerzes besser beurteilen zu können, gibt es auch spezielle Fragebögen.

  • Es wird verglichen, wie Stromschläge zum Beispiel, oder zum Beispiel, wenn Sie duschen, ob Ihnen kaltes Wasser, warmes Wasser unangenehm ist.
  • Dieses Kribbeln ist ganz, ganz wichtig.
  • Oder ob Sie in dem Bereich, wo Sie Schmerzen empfinden, auch ein Taubheitsgefühl haben.
  • Ob auch nur leichter Druck auf diese Stelle Schmerzen auslöst.

Also je genauer Sie das beschreiben können, umso besser kommt man zur richtigen Diagnose.

Schmerzen beschreiben

Ihre Schmerzen passend und in allen Aspekten zu beschreiben, fällt Ihnen vielleicht nicht ganz leicht. Es ist aber von großer Bedeutung, dass Sie anderen vermitteln können, wie sich Ihre Schmerzen für Sie anfühlen, um Ihnen gezielt helfen zu können.

Wie Sie die richtigen Worte für Ihre Schmerzen finden

Da Schmerz eine sehr persönliche Wahrnehmung ist, ist es verständlich, dass es uns nicht leichtfällt, Schmerzen in Worte zu fassen. Das ist jedoch besonders wichtig, um den behandelnden ÄrztInnen ein möglichst genaues und aufschlussreiches Bild Ihrer Schmerzen zu vermitteln. So können diese die optimale Therapie für Sie finden.

Dafür eignen sich beschreibende Adjektive, die die Schmerzqualität angeben sollen. Dabei gibt es einerseits die persönliche Bewertung, die vor allem Auskunft über die individuell empfundene Intensität der Schmerzen gibt (z.B. stark, quälend, mild, heftig). Andererseits können wertfreie beschreibende Adjektive (z.B. hell, dumpf, pulsierend, stechend) den ÄrztInnen helfen, den Ursprung Ihrer Schmerzen zu finden.

Schmerzbeschreibungen und deren Ursprünge

Die Art, wie Sie Ihre Schmerzen beschreiben, kann Rückschlüsse auf den Ursprung der Schmerzen liefern und helfen, zur richtigen Diagnose zu finden. In der unten angeführten Tabelle finden Sie einige Beispiele.

dumpf, hell, drückend, ziehend, stechend somatische (nozizeptive) Schmerzen
krampfartig, kolikartig viszerale (nozizeptive) Schmerzen
brennend, kribbelnd, elektrisierend neuropathische Schmerzen
pulsierend, pochend entzündliche Schmerzen, Migräne

Schmerz bildlich beschreiben

Ihnen sind bei der Beschreibung Ihrer Schmerzen keine Grenzen gesetzt. Sie können auch in bildlichen Worten Ihre Symptome beschreiben. (z.B. Metallspäne/Kies/Feuer/Ameisen unter der Haut, Berührung von Quallen/Brennnesseln/heißen Nadeln). Wichtig ist es, dass Sie Ihre Schmerzen so präzise und nachvollziehbar wie möglich darstellen und so der Ärztin/dem Arzt einen guten Eindruck Ihrer Symptome vermitteln. In dieser Lektion finden Sie eine Liste mit solchen Formulierungen zum Downloaden.

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[00:00]

Wie können Schmerzskalen die Kommunikation mit meiner Ärztin / meinem Arzt unterstützen?

  • Schmerzskalen sind einmal notwendig, um die aktuelle Schmerzstärke zu evaluieren und festzustellen.
  • Aber Schmerzskalen können auch dazu dienen, dass man gleich Therapieziele festsetzt.

Ein gutes Beispiel dafür ist diese Skala, wo im oberen Teil der aktuelle Schmerz auf einer zehnteiligen Skala, das ist die übliche Skala – 0 wäre kein Schmerz, 10 der stärkstvorstellbare Schmerz. Und wenn Sie als Patient mir dann sagen, wo Sie sich momentan befinden, sagen wir z.B. zwischen 7 und 8, dann können wir gemeinsam in Therapieziel festlegen:

  • Wo wollen wir hin?
  • Wo hätten Sie das Gefühl, dass eine Schmerzstärke mit einer guten Lebensqualität zu vereinbaren wäre?

Das könnten Sie auf der unteren Skala einstellen.

Und dann kann man im Therapieverlauf feststellen, ob wir dieses Therapieziel erreichen oder wie weit wir mit unserer Therapie kommen.

[01:03]

Welche Schmerzskalen kommen zum Einsatz?

Es gibt verschiedenste Schmerzskalen.

Für die Praxis bewährt, also auch für den Therapieverlauf, haben sich ganz einfach die numerischen Schmerzskalen. Das heißt: Eine numerische Schmerzskala beginnt bei 0. 0 ist kein Schmerz, und 10 ist das stärkstvorstellbare Schmerz.

Das kann man natürlich mit solchen Skalen visualisieren. Also Sie können es sich anschauen.

Im Therapieverlauf, also Patienten, die öfter danach gefragt wurden, können ganz einfach eine Zahl nennen. Man gewöhnt sich an diese Schmerzeinschätzung und braucht dann nicht mehr unbedingt eine Skala dazu. Also üblicherweise frage ich Patienten beim zweiten, dritten Mal: „Wo liegen wir heute beim Schmerz?“ Und ich kriege dann die Antwort: „Zwischen 4 und 5.“ oder „Bei 5 in etwa.“ Ich glaube, dass ist das bewährteste und auch anerkannteste Messinstrument in der Schmerzmedizin.

[01:56]

Auf welche Parameter für eine bessere Lebensqualität wird in der Schmerztherapie abgezielt?

  • Also wichtige Parameter für die Lebensqualität, die zu verbessern wären, sind vor allem der Schlaf. Viele chronische Schmerzpatienten sind in ihrer Schlafgewohnheit sehr gestört. Sie können tage-, wochen-, monatelang nie ausreichend schlafen. Das ist ein sehr wichtiges Therapieziel, dass das dem Patienten möglich gemacht wird.
  • Wichtig ist, dass die tägliche Aktivität wiederhergestellt werden kann, dass man sich selbst versorgen kann, dass man das, was einem Freude macht, auch wieder machen kann, eventuell auch wieder einer Arbeit nachgehen kann,
  • dass man wieder belastbarer wird.
  • Wichtig ist, dass die Stimmung besser wird.
  • Und ganz, ganz wichtig ist, dass die Therapie, die zur Schmerzlinderung führt, vor allem die medikamentöse Schmerztherapie, nicht massive Nebenwirkungen hervorruft. Dann hilft auch die Schmerzlinderung nicht, weil dann die Lebensqualität nicht besser wird, wenn die Nebenwirkungen der medikamentösen Therapie in den Vordergrund rücken.

Schmerzstärke darstellen

Um Ihre Schmerzintensität darstellen zu können, gibt es sogenannte „Schmerzskalen“. Diese helfen der Ärztin/dem Arzt Ihre Schmerzen möglichst gut nachzuvollziehen und im Zeitverlauf vergleichen zu können. Sie können auch dazu dienen, Ihre Therapieziele festzulegen und zu kontrollieren.

Schmerzen mit Hilfe von Zahlen beschreiben

Jede Schmerzempfindung ist etwas sehr Persönliches. Es gibt keine Methode, um Schmerzen und ihre Intensität objektiv zu messen. Ihr/e behandelnde/r Ärztin/Arzt wird dennoch versuchen, mit unterschiedlichen Hilfsmitteln herauszufinden, wie sich Ihre Schmerzen für Sie anfühlen.

In der Regel werden numerische Skalen eingesetzt. Dabei können Sie einen Zahlenwerte von 0 („kein Schmerz“) bis 10 („stärkster vorstellbarer Schmerz“) angeben, der Ihren Schmerzen entspricht.

Auf manchen Schmerzskalen finden Sie unter den Ziffern oder Bezeichnungen lachende und weinende Gesichter. Diese Smileys sind eine weitere Möglichkeit, Schmerzen auszudrücken. Diese Skalen sind vor allem für Kinder, die noch nicht lesen können, gedacht.

Hilfe für Menschen die Ihre Schmerzen nicht zum Ausdruck bringen können

Manche SchmerzpatientInnen – wie etwa PatientInnen die im Bewusstsein eingeschränkt sind oder kognitive Beeinträchtigungen haben – können aus verschiedensten Gründen nicht mitteilen, ob sie Schmerzen haben oder wie stark ihre Schmerzen sind. Für sie gibt es einen neuen Ansatz, um Schmerzen messbar zu machen, der gerade beforscht wird. Dabei untersucht man den Zusammenhang zwischen der Schmerzintensität und der Menge eines bestimmten Enzyms (der sogenannten Alpha-Amylase) in unserem Speichel.

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Was ist ein Schmerztagebuch und wie funktioniert es?

Vor allem am Beginn einer Therapie kann auch ein Schmerztagebuch eingesetzt werden. In dieses Schmerztagebuch tragen Sie als Patient täglich, mehrmals täglich, Ihren Schmerz ein, also das heißt: Wie stark ist der Schmerz und, wenn möglich, auch die Beeinträchtigung durch Ihren Schmerz.

Auch da gibt es vorgefertigte Schmerztagebücher, wo dann drinnen Schmerzskalen vorhanden sind, wie Ihre Stimmung zu diesem Zeitpunkt ist, wie Ihre Nebenwirkungen sind, ob Sie Übelkeit, Verstopfung zum Beispiel auch haben, wie es Ihnen psychisch geht. Das wird dann meistens dreimal oder manchmal auch öfters pro Tag ausgefüllt.

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Warum sollte ich ein Schmerztagebuch führen?

Das ist nämlich auch wichtig, um die Therapie genau an Ihren Tagesablauf anzupassen.

Schmerzen sind nicht immer den ganzen Tag gleich. Manche Patienten haben untertags mehr Schmerzen, andere Patienten haben mehr in der Nacht Schmerzen und sind dadurch sehr gestört.

Es ist für den behandelnden Arzt in diesem Fall wirklich wichtig, zu wissen: Wie ist der Schmerzverlauf? Wann haben Sie die stärksten Schmerzen?

Daran kann man die Therapie dann sehr gut anpassen.

Und man kann anhand der Schmerztagebücher natürlich auch den Erfolg überprüfen.

[01:21]

Wann sollte ich mit meinem Schmerztagebuch besser aufhören?

Ich möchte nur ein bisschen davor warnen, dieses Schmerztagebuch für immer und ewig weiter zu führen.

Es ist ein großes Ziel, Sie vom Schmerz abzulenken. Und wenn Sie dann über Wochen oder Monate so ein Schmerztagebuch ausfüllen, dann werden Sie keine Gelegenheit haben, sich vom Schmerz abzulenken. Sie werden immer wieder zum Schmerz zurückgeführt.

Also für die primäre Diagnostik vom Tagesablauf und wie sehr Sie beeinträchtigt sind und für den primären Therapieerfolg ist das Führen eines Tagebuches sehr, sehr sinnvoll.

Aber zum richtigen Zeitpunkt muss auch damit wieder aufgehört werden.

Das Schmerz-Tagebuch

Um einen besseren Überblick über die Zeit und Intensität Ihrer Schmerzereignisse zu bekommen, ist es hilfreich, ein Schmerz-Tagebuch zu führen. Ein solches Tagebuch spielt vor allem in der Anfangsphase eine wichtige Rolle in der Kontrolle des Therapieerfolgs oder einer möglicherweise nötigen Änderung Ihrer Schmerztherapie. In dieser Lektion finden Sie eine Schmerz-Tagebuch Vorlage zum Downloaden.

Wie führe ich ein Schmerz-Tagebuch richtig?

Dokumentieren Sie in Ihrem Schmerz-Tagebuch wann, wo, wie stark und eventuell auch in welchem Zusammenhang Ihre Schmerzen auftreten. Es ist besonders wichtig, dass Sie Ihr Tagebuch möglichst zeitnah ergänzen. Sonst kann es passieren, dass Sie Ihre Schmerzen aus der Erinnerung heraus anders bewerten, als Sie diese tatsächlich empfunden haben.

Ein Schmerz-Tagebuch ist vor allem zu Beginn einer Therapie und zur Bestimmung des anfänglichen Therapieerfolges sinnvoll. Im weiteren Verlauf sollten Sie sich jedoch vor allem auf Ihre Therapieziele konzentrieren und das Schmerztagebuch nur als vorübergehendes Hilfsmittel betrachten.

Wann sollte ich mit meinem Schmerz-Tagebuch aufhören?

Eines Ihrer Ziele sollte sein, dass Sie sich vom Schmerz abzulenken versuchen. Das gelingt bei der dauerhaften Führung eines Schmerz-Tagebuches nur schwer, da dieses Ihren Fokus immer wieder zurück auf den Schmerz lenken wird. Daher ist es empfehlenswert, Ihr Tagebuch nur für eine begrenzte Zeit zu führen. Wie lange das sein soll, besprechen Sie am besten mit Ihrer Therapeutin/ Ihrem Therapeuten.

Downloads

  • Schmerz-Tagebuch Ein Schmerz-Tagebuch hilft dabei, den Schmerz besser zu verstehen und zu charakterisieren. Es gibt einen genauen Überblick über Zeit, Dauer, Art und Stärke der Schmerzen, aber auch über begleitende Faktoren, die den Schmerz beeinflussen.

  • Vorbereitung auf das Arztgespräch Das Gespräch mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt bildet die Grundlage der Diagnose und Behandlung Ihrer Schmerzen. Hier finden Sie eine Liste an Fragen, die Sie sich vor dem Arztgespräch stellen können, um Ihre Beschwerden genau schildern zu können. Außerdem finden Sie hier eine Liste mit hilfreichen Formulierungen, wie Sie Ihre Schmerzen besser in Worte fassen.

  • Glossar Hier finden Sie begleitend zur Online-Kursreihe "Schmerzen erfolgreich bewältigen" alle wichtigen Begriffe gesammelt.

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Geprüft OA Dr. Wolfgang Jaksch: Stand Oktober 2020 | Quellen und Bildnachweis

Die Kurse sind kein Ersatz für das persönliche Gespräch mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt, sondern ein Beitrag dazu, PatientInnen und Angehörige zu stärken und die Arzt-Patienten-Kommunikation zu erleichtern.

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