4. Schmerzen beschreiben

Schmerzen beschreiben

Ihre Schmerzen passend und in allen Aspekten zu beschreiben, fällt Ihnen vielleicht nicht ganz leicht. Es ist aber von großer Bedeutung, dass Sie anderen vermitteln können, wie sich Ihre Schmerzen für Sie anfühlen, um Ihnen gezielt helfen zu können.

Wie Sie die richtigen Worte für Ihre Schmerzen finden

Da Schmerz eine sehr persönliche Wahrnehmung ist, ist es verständlich, dass es uns nicht leichtfällt, Schmerzen in Worte zu fassen. Das ist jedoch besonders wichtig, um den behandelnden ÄrztInnen ein möglichst genaues und aufschlussreiches Bild Ihrer Schmerzen zu vermitteln. So können diese die optimale Therapie für Sie finden.

Dafür eignen sich beschreibende Adjektive, die die Schmerzqualität angeben sollen. Dabei gibt es einerseits die persönliche Bewertung, die vor allem Auskunft über die individuell empfundene Intensität der Schmerzen gibt (z.B. stark, quälend, mild, heftig). Andererseits können wertfreie beschreibende Adjektive (z.B. hell, dumpf, pulsierend, stechend) den ÄrztInnen helfen, den Ursprung Ihrer Schmerzen zu finden.

Schmerzbeschreibungen und deren Ursprünge

Die Art, wie Sie Ihre Schmerzen beschreiben, kann Rückschlüsse auf den Ursprung der Schmerzen liefern und helfen, zur richtigen Diagnose zu finden. In der unten angeführten Tabelle finden Sie einige Beispiele.

dumpf, hell, drückend, ziehend, stechend somatische (nozizeptive) Schmerzen
krampfartig, kolikartig viszerale (nozizeptive) Schmerzen
brennend, kribbelnd, elektrisierend neuropathische Schmerzen
pulsierend, pochend entzündliche Schmerzen, Migräne

Schmerz bildlich beschreiben

Ihnen sind bei der Beschreibung Ihrer Schmerzen keine Grenzen gesetzt. Sie können auch in bildlichen Worten Ihre Symptome beschreiben. (z.B. Metallspäne/Kies/Feuer/Ameisen unter der Haut, Berührung von Quallen/Brennnesseln/heißen Nadeln). Wichtig ist es, dass Sie Ihre Schmerzen so präzise und nachvollziehbar wie möglich darstellen und so der Ärztin/dem Arzt einen guten Eindruck Ihrer Symptome vermitteln. In dieser Lektion finden Sie eine Liste mit solchen Formulierungen zum Downloaden.

Schmerzstärke darstellen

Um Ihre Schmerzintensität darstellen zu können, gibt es sogenannte „Schmerzskalen“. Diese helfen der Ärztin/dem Arzt Ihre Schmerzen möglichst gut nachzuvollziehen und im Zeitverlauf vergleichen zu können. Sie können auch dazu dienen, Ihre Therapieziele festzulegen und zu kontrollieren.

Schmerzen mit Hilfe von Zahlen beschreiben

Jede Schmerzempfindung ist etwas sehr Persönliches. Es gibt keine Methode, um Schmerzen und ihre Intensität objektiv zu messen. Ihr/e behandelnde/r Ärztin/Arzt wird dennoch versuchen, mit unterschiedlichen Hilfsmitteln herauszufinden, wie sich Ihre Schmerzen für Sie anfühlen.

In der Regel werden numerische Skalen eingesetzt. Dabei können Sie einen Zahlenwerte von 0 („kein Schmerz“) bis 10 („stärkster vorstellbarer Schmerz“) angeben, der Ihren Schmerzen entspricht.

Auf manchen Schmerzskalen finden Sie unter den Ziffern oder Bezeichnungen lachende und weinende Gesichter. Diese Smileys sind eine weitere Möglichkeit, Schmerzen auszudrücken. Diese Skalen sind vor allem für Kinder, die noch nicht lesen können, gedacht.

Hilfe für Menschen die Ihre Schmerzen nicht zum Ausdruck bringen können

Manche SchmerzpatientInnen – wie etwa PatientInnen die im Bewusstsein eingeschränkt sind oder kognitive Beeinträchtigungen haben – können aus verschiedensten Gründen nicht mitteilen, ob sie Schmerzen haben oder wie stark ihre Schmerzen sind. Für sie gibt es einen neuen Ansatz, um Schmerzen messbar zu machen, der gerade beforscht wird. Dabei untersucht man den Zusammenhang zwischen der Schmerzintensität und der Menge eines bestimmten Enzyms (der sogenannten Alpha-Amylase) in unserem Speichel.

Das Schmerz-Tagebuch

Um einen besseren Überblick über die Zeit und Intensität Ihrer Schmerzereignisse zu bekommen, ist es hilfreich, ein Schmerz-Tagebuch zu führen. Ein solches Tagebuch spielt vor allem in der Anfangsphase eine wichtige Rolle in der Kontrolle des Therapieerfolgs oder einer möglicherweise nötigen Änderung Ihrer Schmerztherapie. In dieser Lektion finden Sie eine Schmerz-Tagebuch Vorlage zum Downloaden.

Wie führe ich ein Schmerz-Tagebuch richtig?

Dokumentieren Sie in Ihrem Schmerz-Tagebuch wann, wo, wie stark und eventuell auch in welchem Zusammenhang Ihre Schmerzen auftreten. Es ist besonders wichtig, dass Sie Ihr Tagebuch möglichst zeitnah ergänzen. Sonst kann es passieren, dass Sie Ihre Schmerzen aus der Erinnerung heraus anders bewerten, als Sie diese tatsächlich empfunden haben.

Ein Schmerz-Tagebuch ist vor allem zu Beginn einer Therapie und zur Bestimmung des anfänglichen Therapieerfolges sinnvoll. Im weiteren Verlauf sollten Sie sich jedoch vor allem auf Ihre Therapieziele konzentrieren und das Schmerztagebuch nur als vorübergehendes Hilfsmittel betrachten.

Wann sollte ich mit meinem Schmerz-Tagebuch aufhören?

Eines Ihrer Ziele sollte sein, dass Sie sich vom Schmerz abzulenken versuchen. Das gelingt bei der dauerhaften Führung eines Schmerz-Tagebuches nur schwer, da dieses Ihren Fokus immer wieder zurück auf den Schmerz lenken wird. Daher ist es empfehlenswert, Ihr Tagebuch nur für eine begrenzte Zeit zu führen. Wie lange das sein soll, besprechen Sie am besten mit Ihrer Therapeutin/ Ihrem Therapeuten.

Downloads

  • Schmerz-Tagebuch Ein Schmerz-Tagebuch hilft dabei, den Schmerz besser zu verstehen und zu charakterisieren. Es gibt einen genauen Überblick über Zeit, Dauer, Art und Stärke der Schmerzen, aber auch über begleitende Faktoren, die den Schmerz beeinflussen.

  • Vorbereitung auf das Arztgespräch Das Gespräch mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt bildet die Grundlage der Diagnose und Behandlung Ihrer Schmerzen. Hier finden Sie eine Liste an Fragen, die Sie sich vor dem Arztgespräch stellen können, um Ihre Beschwerden genau schildern zu können. Außerdem finden Sie hier eine Liste mit hilfreichen Formulierungen, wie Sie Ihre Schmerzen besser in Worte fassen.

  • Glossar Hier finden Sie begleitend zur Online-Kursreihe "Schmerzen erfolgreich bewältigen" alle wichtigen Begriffe gesammelt.

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Geprüft OA Dr. Wolfgang Jaksch: Stand Oktober 2020 | Quellen und Bildnachweis

Die Kurse sind kein Ersatz für das persönliche Gespräch mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt, sondern ein Beitrag dazu, PatientInnen und Angehörige zu stärken und die Arzt-Patienten-Kommunikation zu erleichtern.

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