5 Fragen an Krebs-Blogger Benni Wollmershäuser

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In seinem Blog “Cancelling Cancer” spricht Benni Wollmershäuser offen über seine Erkrankung. Im Alter von 20 Jahren bekam er die Diagnose Darmkrebs und lebt seitdem mit einem künstlichen Darmausgang. Benni geht dennoch mit einer positiven Einstellung durchs Leben. Sich mit anderen Menschen auszutauschen und öffentlich über die Erkrankung zu sprechen gibt ihm Kraft und soll gleichzeitig anderen Betroffenen Mut machen.

Wir haben Benni 5 Fragen gestellt:

selpers: Warum ist es dir wichtig, in sozialen Medien offen über das Thema (Darm-)Krebs zu sprechen?

Benni Wollmershäuser: Weil immer noch zu wenig darüber gesprochen wird! Klar hat sich im Vergleich zu früher Einiges getan, aber es existieren immer noch zu viele Vorurteile und Berührungsängste. Und beim Thema Darmkrebs, kommt ja noch das Tabu Ausscheidungen/Verdauung dazu, da ist es nochmal komplizierter. Oder wie war DEIN Stuhlgang in letzter Zeit? Es ist einfach schade, nein schlimm, dass so viele Fälle von Darmkrebs verhindert werden könnten, wenn mehr Leute zur Vorsorge gehen würden. Insgesamt denken die meisten bei Krebs eher an ältere Menschen, dabei steigt gerade die Häufigkeit bei Jüngeren in letzter Zeit.

selpers: Was ist dein persönliches Rezept, dich zu motivieren?

Benni Wollmershäuser: Puh, das ist gar nicht so einfach zu beantworten. Ich versuche einfach aus meiner aktuellen Situation, unheilbarer Darmkrebs, das Beste zu machen. Und da gehört für mich auch dazu, aufzuklären um andere davor zu bewahren, oder eben Gleichgesinnten Mut zu machen.

Die wichtigste Stütze dabei ist natürlich meine Frau Sabrina, die immer für mich da ist. Aber mich stärkt auch sehr der Rückhalt aus den sozialen Medien, also von Lesern meines Blogs, von anderen Bloggern und von anderen Betroffenen aus meiner Gruppe „Junge Erwachsene mit Krebs“.

selpers: Was sollte unbedingt jeder über das Thema Darmkrebs wissen?

Benni Wollmershäuser:

  • Im Gegenteil zu anderen Krebsarten, bei denen es nur eine Früherkennung gibt, wenn der Krebs schon besteht, kann Darmkrebs aktiv verhindert werden, bevor er entsteht. Denn er entsteht aus Polypen, die bei der Darmspieglung entfernt werden können.
  • Darmkrebs kann erblich/familiär sein! Wenn in der Familie schon mehrere oder frühe Fälle auftraten, sollte man sich unbedingt beraten lassen.
  • Blut im Stuhl kann andere Ursachen haben…. Aber man sollte IMMER damit zum Arzt!
  • Ein künstlicher Darmausgang ist heutzutage kein Weltuntergang mehr und man kann damit ganz normal leben.
  • Man kann auch sehr jung an Darmkrebs erkranken, ich kenne Leute die unter 20 erkrankt sind. Lasst euch bloß nicht beim Arzt abwimmeln und bleibt bei Beschwerden hartnäckig!

selpers: Warum ist es so wichtig, mit anderen über die Erkrankung zu sprechen?

Benni Wollmershäuser: Es hilft, die Krankheit selbst ein Stück besser zu verarbeiten. Man setzt sich einfach nochmal anders damit auseinander. Es hilft meiner Meinung nach nichts, alles mit sich selbst auszumachen. Natürlich ist da jeder Charakter anders. Aber man sollte schon jemanden haben, mit dem man über alles reden kann. Egal ob das jetzt ein anderer Betroffener, jemand Außenstehendes, oder ein Fachmann ist. Bei Außenstehende entstehen auf Unsicherheiten, weil man nicht weiß, wie man mit den Betroffenen umgehen soll, da hilft ein erster Schritt.

Ich persönlich findet es besonders hilfreich mit anderen Betroffenen, idealerweise im gleichen Alter, zu sprechen. Man merkt, dass man mit seinen Problemen nicht alleine ist, und es hilft ungemein sich „auf Augenhöhe“ zu unterhalten.

selpers: Was würdest du anderen Menschen mit einer diagnostizierten Krebs-Erkrankung raten?

Benni Wollmershäuser:

  • Informiert euch selbst bei seriösen Quellen, damit ihr beim Arzt gezielt nachfragen könnt. Scheut euch nicht vor einer Zweitmeinung. Seid allerdings kritisch mit Heilversprechen, Alternativmedizin und Nahrungsergänzungsmitteln im Internet.
  • Schafft euch ein eigenen Netzwerk mit Fachleuten, Freunden die euch Kraft geben, und Patienten mit der gleichen Erkrankung. „Insider“ Wissen ist unbezahlbar!
  • Auch Selbsthilfegruppen können oft weiterhelfen, auch wenn viele der Gedanke erstmal abschreckt.
  • Man muss nicht immer gut drauf sein, das ist auch gar nicht realistisch.
  • Das Wichtigste ist: Man muss seinen eigenen Weg mit der Krankheit finden.

Herzlichen Dank für das Interview.

Benni-Wollmershäuser-Interview-PortraitBenni Wollmershäuser
Auf seinem Blog “Cancelling Cancer” gibt er Einblicke in sein Leben mit der Krebserkrankung.

Zum Blog “Cancelling Cancer”

Interview wurde geführt von:  selpers Redaktion.

Bildnachweis: beigestelltes Foto

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