Freunde und Familie: Warum Sozialkontakte wichtig sind

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Warum schaffen es manche Menschen, auch aus großen Schicksalsschlägen gesund und gestärkt herauszugehen? Mit dieser Frage beschäftigt sich die Resilienzforschung. Eines ihrer Ergebnisse: Bezugspersonen spielen eine wichtige Rolle. Das gilt auch für chronisch kranke Menschen. Mit einem guten sozialen Umfeld lassen sich viele Dinge einfach besser bewältigen. Wir verraten Ihnen, warum das so ist und wie Sie Freundschaften finden und pflegen.

Ergebnisse aus der Resilienzforschung

Von 1955 an untersuchte die amerikanische Entwicklungspsychologin Emmy Werner, welche Faktoren zu einer guten Resilienz beitragen. Sie beobachtete über mehr als 30 Jahre hinweg Kinder von der Geburt an bis ins Erwachsenenalter. Ihre Ergebnisse: Ob man schwierige Situationen gut bewältigen kann oder nicht, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab. Einfluss haben persönlichen Eigenschaften und Überzeugungen, aber auch äußere Faktoren. Besonders wichtig ist dabei die stabile Beziehung zu mindestens einer Bezugsperson.

Freundschaften machen glücklich

Auch andere Forschungsrichtungen bestätigen, was wir längst schon wissen: Freundschaften machen glücklich – und gesund. Der Soziologe Nicolas Christakis hält den Einfluss von sozialen Kontakten sogar noch für unterschätzt. Ob wir übergewichtig sind, Depressionen entwickeln, Rückenschmerzen bekommen oder Drogen nehmen, hängt seiner Meinung nach vor allem von unseren Freunden ab. Glück, Lebensfreude und Gesundheit sind ansteckend, sagt er. Und das bestätigen auch viele andere Forscher. Der Altersforscher Thomas Glass fand zum Beispiel heraus, dass Freunde das Leben von Senioren verlängern können. Die untersuchten Personen lebten ab dem 65. Lebensjahr um bis zu einem Drittel länger, wenn sie enge Freunde hatten. Die gute Nachricht: Um Freundschaften zu schließen, ist es nie zu spät. Bei den heutigen technischen Möglichkeiten schon gar nicht.

Freundschaften finden und pflegen – trotz chronischer Erkrankung

Wer schwer erkrankt ist, neigt oft dazu, sich zurückzuziehen. Und leider machen viele PatientInnen die Erfahrung, dass Freunde sich nach der Diagnose abwenden. Umgekehrt können sich Freundschaften aber auch intensivieren. Manchmal entstehen gerade durch die Krankheit ganz neue, intensive Kontakte. Ein paar Tipps, um neue Freundschaften zu schließen und alte zu festigen:

Auf Kommunikation setzen

  • Wenden Sie sich an Selbsthilfegruppen bzw. Patientenvereinigungen: Gemeinsame Erfahrungen schweißen fest zusammen. Menschen, die von der gleichen Erkrankung betroffen sind wie Sie, haben ein tiefes Verständnis für Ihre Schwierigkeiten, Hoffnungen, Ängste und Wünsche. Deshalb bilden sich in Selbsthilfegruppen und Patientenvereinigungen immer wieder tiefe Freundschaften. Gehen Sie doch einfach mal zu einem Treffen! In unserer Terminübersicht können Sie bequem nachlesen, wann eine Veranstaltung in Ihrer Nähe stattfindet.
  • Sprechen Sie offen mit Ihren Freunden: Wenn Freunde den Kontakt reduzieren, geschieht das oft aus Unsicherheit. Sie wissen einfach nicht, wie sie mit Ihnen und Ihrer Erkrankung umgehen sollen. Das beste Mittel dagegen ist Kommunikation. Sprechen Sie mit Ihren Freunden offen und ehrlich darüber, was Sie sich wünschen und wie es Ihnen geht. Dann wird es Ihren Freunden viel leichter fallen, den Kontakt zu halten.

Neues ausprobieren

  • Ziehen Sie sich nicht zurück: Die Sorge, nicht mehr mithalten zu können, die eigenen Ängste, Schmerzen und Belastungen und die veränderten Prioritäten im Leben sorgen oft dafür, dass sich erkrankte Menschen zurückziehen. Zwischendurch ist das auch notwendig, aber eine Dauerlösung ist es nicht. Wenn Sie sich nicht mehr melden oder immer wieder Einladungen absagen, kann das wie mangelndes Interesse aussehen. Nutzen Sie deshalb die Zeiten, in denen es Ihnen gut genug geht, um Kontakte zu pflegen.
  • Pflegen Sie alte oder neue Hobbys: Gemeinsame Freizeitbeschäftigungen sind Nahrung für Freundschaften. Gehen Sie deshalb, wenn möglich, weiterhin Ihren Hobbys nach. Oder finden Sie neue Interessen, die Ihnen Spaß machen und bei denen Sie neue Leute kennenlernen.
  • Nutzen Sie die Möglichkeiten des Internets: Schauen Sie sich zum Beispiel in Foren oder Facebookgruppen um, die mit Ihren Interessen oder auch Ihrer Erkrankung zu tun haben. Vielleicht haben Sie auch Lust auf Online-Spiele oder wollen sogar einen eigenen Blog starten? Auch hier findet man nette Kontakte. Zudem gibt es auch Kennenlernseiten, die dafür gedacht sind, neue Freunde zu finden.

Wie Sie sehen gibt es viele Möglichkeiten neue Bekanntschaften zu schließen oder mit anderen Erkrankten über die eigenen Erfahrungen zu sprechen. Trauen Sie sich, es wird sich bestimmt auszahlen.

Autorin: Dr. med. Iris Herscovici

Bildnachweis:  pressmaster | Bigstock

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