Angehörige pflegen, ohne sich selbst zu überfordern

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Wird ein nahestehender Mensch pflegebedürftig, ist es für Angehörige meist eine Selbstverständlichkeit, ihn zu unterstützen. Damit stellen sie sich einer großen Herausforderung, oft ohne zu wissen, was auf sie zukommt. Schnell kann sich der oder die Pflegende in einer Situation wiederfinden, die ihn bzw. sie selbst überfordert.

Wie wirkt sich die ständige Belastung auf pflegende Angehörige aus?

Meist entwickelt sich eine Pflegebedürftigkeit über einen längeren Zeitraum hinweg. Genügt zu Beginn die praktische Unterstützung im Alltag, beispielsweise beim Einkaufen, beim Sauberhalten der Wohnung oder beim Ermöglichen sozialer Kontakte, kann später auch Hilfe bei einfachen Tätigkeiten wie Essenkochen, Waschen, Anziehen, bei der Einnahme der Mahlzeiten oder beim Toilettengang notwendig werden.

Mit den immer größeren Anforderungen wird die Pflege zunehmend zeitraubender und anstrengender. Oft ist es für pflegende Angehörige schwierig, die Aufgaben der Betreuung und die Erwerbstätigkeit unter einen Hut zu bringen. Freizeitaktivitäten wie Hobbys oder gemeinsame Unternehmungen mit Freunden bleiben nicht selten ganz auf der Strecke.

Durch die ständige Überbelastung leidet die eigene Gesundheit. Personen, die einen Angehörigen über längere Zeit pflegen, werden nicht nur öfter krank als der Bevölkerungsdurchschnitt, sie sind auch anfälliger für stressbedingte Krankheiten. Zu den häufigsten körperlichen Problemen zählen Rückenschmerzen, Schulter- und Nackenschmerzen sowie Schmerzen in den Gelenken.

Pflegen und dabei gesund bleiben – das können Sie selbst tun

Oftmals stellen pflegende Angehörige ihre eigenen Bedürfnisse hinten an. Da sie sich verpflichtet fühlen, jederzeit für die pflegebedürftige Person da zu sein, erlauben sie sich oft keine Auszeit. Um die eigene Gesundheit nicht zu gefährden, ist es jedoch bei aller Hilfsbereitschaft wichtig, die eigenen Grenzen zu akzeptieren und bei Bedarf Unterstützung in Anspruch zu nehmen.

Bitten Sie Familienmitglieder, Freunde und NachbarInnen um Hilfe

Auch wenn es schwerfällt: Fragen Sie Verwandte, Freunde oder NachbarInnen, ob sie kleinere Aufgaben übernehmen oder sie für ein paar Stunden bei der Betreuung entlasten können. Dadurch haben Sie die Möglichkeit, sich eine Auszeit zu gönnen und sich beispielsweise in einem Entspannungskurs zu erholen, durch Sport auf andere Gedanken zu kommen oder sich Ihrem Hobby zu widmen.

Nehmen Sie Pflegeleistungen in Anspruch

In vielen Fällen ist es sinnvoll, die Leistungen eines ambulanten Pflegedienstes in Anspruch zu nehmen, der einen Teil der erforderlichen Tätigkeiten übernimmt. Das Leistungsangebot erstreckt sich von Hilfe bei der Körperpflege über die häusliche Behandlungspflege bis hin zur hauswirtschaftlichen Versorgung.

Pflegen Sie einen Angehörigen parallel zur Berufstätigkeit, kann sich die Unterbringung in einer Tagespflegeeinrichtung anbieten. Diese betreut pflegebedürftige Menschen, die tagsüber nicht allein bleiben können, ansonsten jedoch zu Hause gepflegt werden.

Das Pendant dazu ist die Nachtpflegeeinrichtung, die häufig von dementen Personen mit gestörtem Tag-Nacht-Rhythmus besucht wird. Sie können nachts ungestört durchschlafen und haben am nächsten Tag genügend Kraft, sich um Ihren Schützling zu kümmern.

Lassen Sie sich von ehrenamtlichen HelferInnen unterstützen

Ehrenamtliche Helfer und Helferinnen beschäftigen sich mit pflegebedürftigen Menschen, gehen mit ihnen spazieren oder lesen ihnen vor. Sind Sie Mitglied einer Kirchengemeinde, können Sie sich beispielsweise an den Besuchsdienst Ihrer Kirche wenden. Darüber hinaus gibt in vielen Orten niedrigschwellige Betreuungsangebote wie Demenzcafés, familienentlastende Dienste oder Helferkreise zu stundenweisen Entlastung pflegender Angehöriger.

Hier finden pflegende Angehörige Hilfe

In Deutschland haben Sie als pflegender Angehöriger oder pflegende Angehörige das Recht auf eine unabhängige gebührenfreie Pflegeberatung. Diese wird von Pflegestützpunkten, Pflege- und Sozialdiensten und Wohlfahrtsverbänden, aber auch von Ihrer Pflegekasse und den örtlichen Sozialberatungsstellen angeboten.

In Österreich ist der Begriff der Pflegeberatung zwar in der Pflegereform verankert, bislang jedoch keine verordnungsfähige Leistung. Bis es so weit ist, können sich Ratsuchende an öffentliche Stellen wie die Beratungszentren des Fonds Soziales Wien wenden oder die Webseite des Sozialministeriumsservice als Informationsquelle nutzen.

Zu den wichtigsten Ansprechpartnern in der Schweiz zählt das Schweizerische Rote Kreuz, das eine aufsuchende Beratung und Entlastungsdienste für pflegende Angehörige anbietet.

Autorin: Dr. med. Iris Herscovici

Bildnachweis: f9photos | Bigstock

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