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Wichtigkeit des sozialen Umfelds für Krebspatienten

Welche Auswirkungen hat das soziale Umfeld für Krebspatienten?

Sozialer Umgang mit Krebspatienten

Es gibt vieles, was die Lebensqualität von Krebspatienten beeinflusst: Ausreichende Informationen über die Erkrankung, der Lebensstil und natürlich eine gute medizinische Betreuung und Therapie. Doch auch das soziale Umfeld spielt eine maßgebliche Rolle.

Es kann bei der Krankheitsbewältigung helfen und die Lebensqualität steigern.

Was gehört zum sozialen Umfeld?

Zum sozialen Umfeld eines Krebspatienten gehören neben der Familie und dem Lebenspartner auch alle anderen Menschen, mit denen man dauerhafte zwischenmenschliche Beziehungen pflegt. Das können enge Freunde sein, Arbeitskollegen oder Personen, mit denen man regelmäßig seine Freizeit verbringt, gemeinsam in einem Verein ist oder ein Hobby teilt. Während der Diagnose und Therapie einer Krebserkrankung verbringen Betroffene unter Umständen viel Zeit in Kliniken oder beim Arzt. Schön ist es, wenn sich mit der Zeit ein Vertrauensverhältnis zu Ärzten oder dem Pflegepersonal aufbaut und diese ein Teil des sozialen Umfelds werden.

Oft ist es für Krebspatienten auch hilfreich, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen, zum Beispiel in Selbsthilfegruppen. Hier kann man offener sprechen und stößt auf großes Verständnis, da alle ähnliche Probleme haben. Für viele Menschen gehören heute virtuelle Selbsthilfegruppen, Foren oder Online-Gruppen ebenfalls zum sozialen Umfeld, denn auch hier können Bindungen entstehen, Gespräche geführt werden oder sich Treffen im „realen Leben“ ergeben.

Das soziale Umfeld hilft bei der Krankheitsbewältigung

Selbst für gesunde Menschen sind Familie oder enge Freunde wichtig, um ausgeglichen und glücklich zu sein. Für Krebspatienten trifft das erst recht zu. Es kann befreien und entlasten, wenn man über Probleme und Ängste offen sprechen kann. Dabei sind Freunde häufig genauso wichtig wie die Familie, denn manchmal ist es einfacher mit Menschen zu sprechen, die nicht zum engsten Familienkreis gehören. Dabei ist es oft gar nicht so wichtig, dass Angehörige bestimmte Dinge tun oder nicht tun. Das Gefühl, dass jemand da ist und zuhört hilft bereits dabei, dass Betroffene sich weniger einsam fühlen und wieder mehr Mut und Lebensfreude haben.

Nach einer Krebsdiagnose steht die Erkrankung häufig im Mittelpunkt. Sie nimmt sehr viel Aufmerksamkeit ein. Es dreht sich alles um den Krebs und damit verbundene Sorgen und Ängste. Freunde, Verwandte und Freizeitpartner können dabei helfen, dass Betroffene wieder lachen, Spaß haben, sich ablenken und aktiv am Leben teilhaben. Menschen mit einem gefestigten familiären und sozialen Umfeld sind laut wissenschaftlicher Studien auch besser über ihre Erkrankung informiert und setzen Tipps zur Steigerung ihrer Lebensqualität eher um (1).

Mehr Lebensqualität und bessere Prognose durch sozialen Support

Dass die Familie und enge Freunde sich positiv auswirken, ist nicht nur ein subjektives Gefühl. Dieser Einfluss lässt sich sogar wissenschaftlich nachweisen. Forscher der UCLA (University of California, Los Angeles) zeigten, dass Freundschaften Stress mindern. Bisher stand in psychologischen Lehrbüchern, dass es bei Angst und Stress zwei Reaktionen gibt: Flucht oder Kampf. Die Wissenschaftler der UCLA belegte eine dritte Möglichkeit, die das Stresslevel stark senkt, nämlich „tend and befriend“ (auf Deutsch heißt das soviel wie: Sich kümmern und Freundschaften pflegen) (2). Eine australische Studie wies sogar nach, dass Menschen mit einem gefestigten sozialen Umfeld länger leben (3).

Auch (oder sogar insbesondere) bei Krebs wirkt es sich positiv aus, wenn Patienten von einem stabilen sozialen Netzwerk „aufgefangen“ werden. Stress, Ängste oder Depressionen führen dazu, dass die Krankheit als belastender wahrgenommen wird. Sogar Schmerzen werden als stärker empfunden (4). Einige Studien zeigen sogar, dass Hilfe vom sozialen Umfeld, ein umfangreiches soziales Netzwerk und der Ehepartner dazu beitragen, dass Krebspatienten die Therapie besser überstehen und länger leben. (5, 6)

Für Patienten bedeutet das:

Ziehen Sie sich nicht zurück. Pflegen Sie weiter Ihre Freundschaften und Hobbys, auch wenn es manchmal schwerfällt. Wenn Sie sich alleine fühlen, dann versuchen Sie, neue Kontakte zu knüpfen – vielleicht auch online oder über lokale Selbsthilfegruppen. Freunde, soziale Kontakte und ein gutes Verhältnis zur Familie schaffen mehr Lebensqualität und mehr Lebensfreude.

(1) Yoo W, et al. The role of the family environment and computer-mediated social support on breast cancer patients’ coping strategies. J Health Commun. 2014;19(9):981-98.

(2) Taylor SE, et al. Biobehavioral responses to stress in females: tend-and-befriend, not fight-or-flight. Psychol Rev 2000; 107(3):41-429.

(3) Giles LC, et al. Effect of social networks on 10 year survival in very old Australians: the Australian longitudinal study of aging. J Epidemiol Community Health 2005;59:574-579.

(4) Ärzte Zeitung online: Angehörige können chronische Schmerzen lindern – oder verschlimmern. 09.10.2009 (Daten vom Deutschen Schmerzkongress in Berlin)

(5) Pinquarta M, Duberstein PR. Associations of social networks with cancer mortality: A meta-analysis. Crit Rev Oncol Hematol. 2010 Aug; 75(2): 122–137.

(6) Kroenke CH, et al. Social networks, social support, and survival after breast cancer diagnosis. Journal of Clinical Oncology, 2006. 24(7): p. 1105-11.

Autorin: Dr. med. Iris Herscovici

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