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Corona-PatientInnen auf der Intensivstation – Interview mit Assoc. Prof. PD Dr. Eva Schaden

Länger und gesünder leben

Auch wenn die meisten Krankenhäuser im deutschsprachigen Raum frühzeitige Vorkehrungen getroffen haben, steigt durch den Anstieg der Corona-Neuinfektionen auch die Belegung der Intensivbetten und stellt die IntensivmedizinerInnen vor neue Herausforderungen. Frau Assoc. Prof. PD Dr. Eva Schaden leitet eine Intensivstation im Universitätsklinikum AKH Wien. Im Interview mit selpers beantwortet sie Fragen über die Versorgung von Corona-PatientInnen auf der Intensivstation.

 

selpers: Wie lässt sich die jetzige Situation auf den Intensivstationen mit der im Frühjahr vergleichen?

Prof. Schaden: Das österreichische Gesundheitssystem bietet eine beachtliche Zahl an Intensivbetten, diese ist seit dem Frühjahr unverändert. Im Vergleich zum Frühjahr verändert hat sich die Gesamtanzahl der an Covid-19 Erkrankten, dadurch ist auch die Zahl der PatientInnen gestiegen, die eine Betreuung auf der Intensivstation benötigen. Außerdem wurden im Frühjahr viele planbare Operationen verschoben, jetzt besteht allseits hohe Motivation auch die Operationen, bei denen im Anschluss eine Betreuung auf einer Intensivstation notwendig ist, durchzuführen. Zusammengenommen ist jetzt also der Bedarf an intensivmedizinischer Betreuung höher als im Frühjahr.

selpers: Warum kommt man mit Covid-19 auf die Intensivstation bzw. wovon hängt es ab, ob man auf der Intensivstation landet?

Prof. Schaden: Eine Infektion mit Covid-19 verursacht verursacht verschiedene Symptome, sehr häufig treten Probleme mit der Atmung auf. Auf der Intensivstation werden verschiedene die Atmung unterstützende Maßnahmen angeboten, z.B. Lagerungsmaßnahmen, maschinelle Atmungsunterstützung über eine spezielle Nasenbrille oder Maske (nicht-invasive Beatmung) oder über einen Beatmungsschlauch (Tubus, invasive Beatmung). Ob eine Aufnahme auf der Intensivstation erfolgt ist immer eine individuelle Entscheidung durch erfahrene IntensivmedizinerInnen. In diese Entscheidung fließt zum einen die aktuelle Erkrankung, der Allgemeinzustand, etwaige Vorerkrankungen, Laborbefunde etc. des/der PatientIn ein und zum anderen – genauso wichtig – der Wille des/der PatientIn bezüglich einer Betreuung auf der Intensivstation.

selpers: Wie werden Covid-PatientInnen auf der Intensivstation versorgt?

Prof. Schaden: Die Aufnahme auf einer Intensivstation bedeutet v.a. intensive multidisziplinäre Betreuung, also durch Angehörige verschiedenster Berufsgruppen (ÄrztInnen, Pflegepersonal, PhysiotherapeutInnen, ErgotherapeutInnen, DiätologInnen, PsychologInnen, usw.). Weiters bietet die Intensivstation die Möglichkeit zur kontinuierlichen Überwachung von Organfunktionen (z.B. Lunge, Niere, Kreislauf). Falls erforderlich können dann mittels spezieller Medikamente und Geräte Organfunktionen unterstützt bzw. z.T. auch vorübergehend ersetzt werden.

selpers: Man liest immer wieder von der Zahl der Intensivstation-Betten oder Beatmungsgeräte bzw. warum kann man die nicht einfach aufstocken?

Prof. Schaden: Betten und Geräte wie z.B. Beatmungsmaschinen machen die intensivmedizinische Betreuung nicht aus. Wichtiger sind die Menschen, die auf den Intensivstationen tätig sind; denn Geräte müssen ja auch kompetent(!) bedient werden, va. aber müssen die PatientInnen ganzheitlich betreut werden.

selpers: Gibt es noch etwas, das Sie den selpers LeserInnen sagen wollen?

Prof. Schaden: Als Intensivmedizinerin ist es mein erklärtes Ziel alle PatientInnen bedarfs- und bedürfnisgerecht versorgen zu können. Dafür braucht es ausreichende Ressourcen. Bitte helfen Sie mit, die Infektionszahlen wieder zu verringern, indem Sie die Basismaßnahmen wie Maske tragen, Abstand halten und regelmäßige Händehygiene einhalten. VIELEN DANK!

Herzlichen Dank für das Interview.

Im Rahmen der virtuellen Patiententage wird Assoc. Prof. PD Dr. Eva Schaden einen Online-Vortrag  zum Thema Corona-PatientInnen auf der Intensivstation. Hier finden Sie mehr Informationen dazu.

Assoc.-Prof. PD Dr. Eva Schaden

Assoc.-Prof. PD Dr. Eva Schaden ist Fachärztin für Anästhesie und Intensivmedizin und leitet eine Intensivstation im Universitätsklinikum AKH Wien/MedUni Wien. Sie ist Stellvertreterin für Intensivmedizin im Vorstand der ÖGARI (Österreichische Gesellschaft für Anästhesiologie, Reanimation und Intensivmedizin) und Vorstandsmitglied der FASIM (gemeinsame Plattform aller intensivmedizinischen Fachgesellschaften Österreichs). Seit 2020 ist sie zusätzlich als hauptverantwortliche Forscherin im Ludwig Boltzmann Institute Digital Health and Patient Safety tätig. Ihr wissenschaftlicher Schwerpunkt ist die Blutgerinnung vor, während und nach Operationen, darüberhinaus gilt ihr besonderes Interesse der ärztlichen Ausbildung und ethischen Fragen in Anästhesie und Intensivmedizin.

Interview wurde geführt von:  selpers red.

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