“Der Krebs ist mein Beifahrer” – Leben mit metastasiertem Brustkrebs

Der Krebs ist mein Beifahrer auf der Straße des Lebens – ich werde ihn nicht mehr los. Aber ich sitze hinter dem Lenkrad und gebe die Richtung vor“.

Diese Metapher beschreibt wohl am besten, wie sich mein Leben mit fortgeschrittenem Brustkrebs anfühlt. Ich habe in den letzten viereinhalb Jahren gelernt, mich mit meiner unheilbaren Krankheit zu arrangieren; ihr Raum zu geben, aber mich nicht vereinnahmen zu lassen.

Und trotz kurvenreicher Strecke mit erhöhter Schleudergefahr, trotz so manchen tiefen Tales, habe ich es immer wieder auf den nächsten Berg geschafft und durfte von dort die Aussicht auf wunderbare, zukünftige Ziele genießen.

Brustkrebs mit Leber- und Knochenmetastasen. Rumms – die Diagnose saß. Sie kam aus dem Nichts und hat mir – mit damals 38 Jahren – sprichwörtlich den Boden unter den Füßen weggezogen. Mein winziges, selbst ertastetes Mammakarzinom in der linken Brust hatte bereits üppig in die Leber und ein wenig in die Knochen gestreut. Das alles ohne genetische Prädisposition und trotz regelmäßiger Vorsorgeuntersuchungen. Ungewöhnlich, aber möglich. Die Welt war einfach ungerecht. Klatsch, da lag ich geschockt, starr vor Angst, überfordert, aber mit dem deklarierten Ziel, unbedingt und überhaupt weiterleben zu wollen.

Was folgte, war ein kräftezehrender Therapiemarathon mit: Brust-OP, zwei Chemotherapien, zwei Leber-OPs, Bestrahlungen, drei verschiedene Antihormontherapien, Antikörper-Infusionen, Knochenaufbauspritzen usw. Zudem hab ich auch alternativ einiges ausprobiert, um sämtliche Nebenwirkungen abzufedern.

Auf den Punkt gebracht, gibt es bei einer Krebsdiagnose meiner Meinung nach nur zwei Optionen: Plan A – alle Therapien durchziehen und den Lebensmut nicht verlieren. Und Plan B – aufgeben und aufs Sterben warten. Ich hab mich aus vollster Überzeugung für Plan A entschieden und versuche, das Beste aus meiner schwierigen Situation zu machen.

Mithilfe meines Peters, meiner Eltern und meiner wunderbaren FreundInnen, schaffte ich es, ein großes Stück Boden, das ich zuvor verloren hatte, wieder zurückzugewinnen. Getragen von viel positiver Energie und ausgestattet mit jeder Menge Lebensfreude, Zähigkeit und Optimismus, gelang es mir vorerst, den Krebs in seine Schranken zu weisen. Ich bin seit Mai 2016 tumorfrei. Ein Etappensieg. Wie lange? Wenn ich das wüsste. Mit Metastasen gilt man in der Regel ja als unheilbar/palliativ – ich bevorzuge allerdings den Terminus „chronische Krankheit“. In meinem Fall liegt das Rückfallrisiko bei nahezu 100 Prozent. D. h. es wird wieder etwas wachsen – die Frage ist nur: wann und wo? Aber es bringt nichts, heute daran zu denken, was morgen möglicherweise eintreten könnte. Es gilt, das Leben in vollen Zügen zu genießen – getreu meinem Motto: „Every day is an adventure!“ Und das mache ich – mit zahlreichen Reisen, Konzertbesuchen, Treffen und allem, was mir sonst noch Spaß macht.

Aber natürlich hab ich auch dunkle Tage, was angesichts dieser Krankengeschichte wenig verwundert. Man kann nicht immer nur lächeln. Es gibt sie – diese Heultage, diese „Ich seh‘ keinen Sonnenstrahl am Himmel“-Zeiten. Dann muss mal alles raus und danach orientiere ich mich wieder an den schönen Dingen der Welt.

Mir ist bewusst, dass ich mein altes Leben nicht mehr zurückbekomme; es bringt auch nichts, mit der Situation zu hadern. Folgedessen habe ich meinen Fokus verändert. Ich sehe mich nun als Brustkrebsaktivistin, Bloggerin und Autorin, die Mut und Hoffnung schenken will. Als Teil des Verarbeitungsprozesses schreibe ich – das hilft mir ungemein, um die Gedanken zu ordnen und um Klarheit zu gewinnen. Ich arbeite gerade an meinem Buch „Unheilbar aber glücklich“ und freue mich über das positive Feedback hinsichtlich meines Blogs Claudia‘s Cancer Challenge.

© Beatrice Schlögl

Claudia Altmann-Pospischek

 www.facebook.com/claudiascancerchallenge

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