
Was tun bei Insektengiftallergie? Tipps und Fakten
Grundlage der Insektengiftallergie
Allergische Reaktionen auf Insektengift entstehen durch eine fehlgeleitete Abwehrreaktion des Körpers. Dabei richtet sich das Immunsystem nicht gegen Krankheitserreger, sondern gegen Stoffe im Gift von beispielsweise Bienen oder Wespen.
Kommt es zu einem weiteren Stich, werden bestimmte Immunzellen (sogenannte Mastzellen) aktiviert. Das sind Abwehrzellen, die vor allem an allergischen Reaktionen beteiligt sind. Sie setzen daraufhin verschiedene Botenstoffe (Mediatoren) frei, insbesondere Histamin. Histamin ist ein Stoff, der typische Beschwerden wie Juckreiz, Rötung oder Schwellung auslöst. Die Reaktionen können unterschiedlich stark sein: Lokal bedeutet, dass die Beschwerden auf die Einstichstelle begrenzt bleiben (z. B. Schwellung oder Rötung). Systemisch heißt, dass der ganze Körper reagiert, etwa mit Kreislaufproblemen, Atembeschwerden oder Hautausschlag.
In schweren Fällen kann es zu einer Anaphylaxie kommen. Das ist eine akute, potenziell lebensbedrohliche allergische Reaktion, bei der mehrere Organe gleichzeitig betroffen sind und schnelles Handeln notwendig ist.
Anaphylaktischer Schock
Die Symptome für einen allergischen Schock werden in vier Schweregrade unterteilt, die eine Steigerung von den ersten lokalen Beschwerden bis zum schweren Allergie-Schock darstellen. Die Symptome müssen jedoch nicht zwingend in der beschriebenen Reihenfolge auftreten. Einige Allergiker:innen entwickeln außerdem nur einen Teil der genannten Symptome.
Grundsätzlich gilt: Sobald die Allergie-Symptome über eine örtliche Hautreaktion hinausgehen, sollte der Rettungsdienst gerufen werden. Außerdem verläuft ein anaphylaktischer Schock meist umso schwerer, je schneller die Anaphylaxie-Symptome auftreten.
Sensibilisierung = Allergie?
Oft wird angenommen, dass jede starke Reaktion auf einen Insektenstich automatisch eine Allergie bedeutet. Das ist jedoch nicht der Fall. Unter Sensibilisierung versteht man, dass das Immunsystem bereits auf ein Allergen reagiert hat und Antikörper gebildet hat, ohne dass zwingend Beschwerden auftreten müssen.
Nicht jede ausgeprägte Reaktion auf einen Insektenstich ist als Allergie zu werten. In unserer Schulung „Insektengiftallergie verstehen“ werden die wichtigen Unterschiede erklärt. Für die Diagnose einer Insektengiftallergie ist es entscheidend, ob systemische Beschwerden auftreten. Diese Differenzierung wird auch in Fachleitlinien betont.
Schulung Insektengiftallergie verstehen
Wirksame Behandlung durch spezifische Immuntherapie
Die spezifische Immuntherapie (Hyposensibilisierung) stellt einen zentralen Bestandteil der modernen Allergiebehandlung dar und wird auch von der Deutsche Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie als etablierter Therapieansatz genannt. Bei Insektengiftallergien ist diese Therapie besonders gut untersucht und kann das Risiko schwerer systemischer Reaktionen deutlich reduzieren. Ergänzend werden Notfallmedikamente eingesetzt, insbesondere bei bereits aufgetretenen schweren Reaktionen. Die hohe Wirksamkeit der Immuntherapie bei Insektengiftallergien ist in Leitlinien und evidenzbasierten Empfehlungen belegt.
Nach einer fünfjährigen Hyposensibilisierung liegt die Erfolgsquote bei einer Allergie gegen Bienengift bei über 80 %, bei einer Wespengiftallergie sogar bei mehr als 95 %.
Tipps für Allergiker:innen und Angehörige
- Führen Sie stets ein Notfallset mit sich und wenden Sie es im Ernstfall unmittelbar an.
- Vermeiden Sie hektische Bewegungen in der Nähe von Bienen und Wespen und schlagen Sie nicht nach ihnen.
- Halten Sie Abstand zu Fallobst und seien Sie vorsichtig beim Pflücken von Obst oder Blumen.
- Tragen Sie bei Gartenarbeiten möglichst bedeckende Kleidung wie lange Ärmel und Hosen.
- Verzichten Sie auf weite, flatternde Kleidung sowie dunkle Stoffe und auffällige Blumenmuster.
- Nutzen Sie keine stark parfümierten Produkte wie Parfüm oder Haarspray.
- Lassen Sie beim Essen im Freien keine Lebensmittel offen stehen und trinken Sie möglichst mit Strohhalm.
- Gehen Sie draußen nicht barfuß und vermeiden Sie offenes Schuhwerk.
- Halten Sie Abstand zu Müllbehältern im Freien.
- Schützen Sie Wohnräume mit Insektengittern und achten Sie insbesondere nachts auf Lichtquellen.
Schulung Insektengiftallergie behandeln
Verfasst von: selpers Red.
Quellen:
Deutsche Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie: Allergie-Fakten für Medien und Fachleute
DGAKI Presse- und Medienmaterial
Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften: Leitlinien-Register – Insektengiftallergie
AWMF Leitlinien-Register
European Academy of Allergy and Clinical Immunology: Empfehlungen und Leitlinien zur Allergologie
EAACI Website
Insektengiftallergie – Hyposensibilisierung und Therapie
Insektengiftallergie.de Hyposensibilisierung
Anaphylaktischer Schock bei Insektengiftallergie
Insektengiftallergie.de Anaphylaxie
Immunglobulin E (IgE) – Erklärung und Funktion
Gesundheitsinformation.de IgE
Deutscher Allergie- und Asthmabund: Informationen zu Insektengiftallergien und Prävention
DAAB Blog Insektengiftallergie
Deutscher Allergie- und Asthmabund: Empfehlungen zu Insektenschutz
DAAB Mückenschutz Empfehlungen
Deutsche Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie: S2k-Leitlinie Allergen-Immuntherapie
DGAKI Leitlinie AIT
Bildnachweis: selpers