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Prostatakrebs: Mythen und Fakten

Rund um die Prostata kursieren zahlreiche Gerüchte.

Vom angeblichen Zusammenhang zwischen Radfahren und Prostatakrebs bis hin zur Behauptung, häufige Ejakulation würde vor der Krankheit schützen. Doch was davon ist tatsächlich wissenschaftlich belegt? Damit hat sich der Verein PATIO (Patient Involvement in Oncology) intensiv auseinandergesetzt und die wichtigsten Mythen und Fakten herausgearbeitet. 

Klar ist: Prostatakrebs ist ein bedeutendes Gesundheitsthema. Mit rund 8.152 Neuerkrankungen im Jahr 2025 zählt er zur häufigsten Krebserkrankung in Österreich. Gleichzeitig steigt die Gesamtprävalenz – also die Zahl der Menschen, die mit einer Krebsdiagnose leben. Etwa jeder 60. Mann ist betroffen. Dadurch verschiebt sich auch der Fokus der Medizin: Es geht längst nicht mehr nur um Prävention, sondern zunehmend um die Frage, wie Betroffene mit der Diagnose leben und welche Möglichkeiten der Behandlung und Unterstützung es gibt.

Mythos oder Fakt: Prostatakrebs ist eine Krankheit des Alters

PATIO: Oft hört man, Prostatakrebs sei eine typische Erkrankung des Alters. Ganz korrekt ist das nicht – auch jüngere Männer können betroffen sein. Ja, es gibt auch Einzelfälle, in denen Patienten unter 40 daran erkrankt sind. Sieht man sich die gesamte Statistik an, bleibt der Anteil der jüngeren Betroffenen jedoch gering. Ein Krebsreport zeigt, dass das Risiko für eine Krebserkrankung deutlich mit dem Alter steigt.

In der Gruppe der über 65-Jährigen gibt es im Jahresdurchschnitt etwa 30.000 Neuerkrankungen. Mit zunehmendem Alter kommt es obendrein oft vor, dass mehrere Krankheiten parallel auftreten. Im Jahr 2019 zeigte eine Studie, dass 86 % der Krebspatient:innen zumindest eine weitere Begleiterkrankung vorzuweisen hatten.

Zudem muss Rücksicht auf diverse Begleitmedikamente genommen werden. Das macht das Management der Krankheit komplexer, da in diesen Fällen eine hohe klinisch-pharmazeutische Kompetenz notwendig ist. Der Umgang mit der Diagnose ist somit ein sehr individueller Prozess. Österreich hat in diesem Bereich, sowohl bei Medikamenten als auch bei Therapieformen, einiges zu bieten.

Schulung Prostatakrebs verstehen

Prostatakrebs ist eine häufige Erkrankung, welche vor allem Männer im höheren Alter betrifft. Die Erkrankung ist in frühen Stadien oftmals gut heilbar, und kann auch in fortgeschrittenen Stadien meist gut kontrolliert werden. In diesem Kurs lernen Sie, wie Prostatakrebs entsteht, wie die Erkrankung diagnostiziert wird, welche Rolle Vorsorgeuntersuchungen spielen und wie Sie mit Nebenwirkungen der Therapie umgehen können.

Mythos oder Fakt: Erhöhter PSA-Wert bedeutet automatisch Krebs

PATIO: Bevor wir diese Frage klären, sollte geklärt werden, was der PSA-Wert überhaupt ist. Beim PSA-Screening (Prostata-spezifisches Antigen) wird eine Blutprobe entnommen und auf Antigen-Substanz analysiert, die in der Prostatadrüse entsteht. Eine erhöhte Konzentration weist darauf hin, dass sich etwas an der Prostata verändert.

Anders, als vielleicht einige befürchten würden, ist der PSA-Wert allerdings kein automatisches Indiz für Prostatakrebs. Tatsächlich kann ein Wert über dem Referenzwert mehrere, auch Prostatakrebs unabhängige, Gründe haben: etwa eine Prostataentzündung, eine Infektion oder eine gutartige Prostatavergrößerung. Auch Eingriffe im Bereich der Prostata können den Wert beeinflussen. Selbst banale Dinge können eine Rolle spielen, etwa eine kürzlich erfolgte Ejakulation, das Legen eines Blasenkatheters, Reiten oder Radfahren – im Grunde alles, was auf die Dammmuskulatur drückt.

Steht ein erhöhter PSA-Wert fest, folgen meist weitere Untersuchungen wie ein MRT oder eine Prostatabiopsie, um mögliche Veränderungen genauer abzuklären.

Mythos oder Fakt: Muss ich nach Bestrahlung oder Prostatektomie immer mit Harninkontinenz rechnen?

PATIO: Wenn der erhöhte PSA-Wert tatsächlich mit Prostatakrebs zusammenhängt und eine Therapie notwendig wird, stellt sich für viele Betroffene die Frage nach möglichen Nebenwirkungen – insbesondere Harninkontinenz.

Zum besseren Verständnis: Die Prostata ist ein Organ, das die Harnröhre umschließt. Bei einer radikalen Prostatektomie wird sie vollständig entfernt. Auch ein kurzes Stück der Harnröhre wird dabei entfernt, wodurch der dazugehörige Muskel der Harnröhre beschädigt werden kann. Bei der Bestrahlung werden außerdem Schließmuskel der Harnröhre und Blase mitbestrahlt. Vorübergehende oder anhaltende Harninkontinenz kann die Folge sein.

Doch das ist nicht zwangsläufig der Fall. In den letzten Jahren hat sich medizinisch einiges getan. Neben der klassischen offenen Operation gibt es heute minimalinvasive Techniken, etwa robotergestützte Eingriffe mit dem Da-Vinci-System. Dieser garantiert nicht nur mehr Sicherheit, sondern sorgt durch seine Präzision für weniger Beschwerden nach der OP.

Mythos oder Fakt: Beckenbodentraining ist überbewertet

PATIO: Wer vor oder nach der OP steht, hat den Satz vermutlich schon gehört: „Beckenbodentraining hilft!“ Doch wie viel ist dran?

Der Beckenboden ist eine Muskelgruppe, die das knöcherne Becken auskleidet und unter anderem After und Harnröhre umschließt. Da bei einer Prostataoperation auch ein Teil des Schließmuskels betroffen sein kann, fällt es vielen Patienten danach schwer, den Harn zu halten.

Hier kann Beckenbodentraining unterstützen. Es stärkt die Muskulatur und hilft, ungewollten Harnverlust zu verhindern. Zusätzlich fördert das Training die Durchblutung, was auch die Potenz unterstützen kann.

Je früher das Training beginnt, desto besser. Schon vor der Operation kann es helfen, die Muskeln zu sensibilisieren. Wichtig ist die Regelmäßigkeit: Empfohlen werden drei bis vier Trainingseinheiten pro Tag, mit zwei bis drei Serien von jeweils 10–25 Kontraktionen.

Schulung Prostatakrebs behandeln

Prostatakrebs ist eine häufige Krebserkrankung mit verschiedenen Behandlungsansätzen. Diese richten sich nach der Situation des Patienten sowie dem Stadium der Erkrankung.
In diesem Kurs finden Sie einen Überblick über die gängigen Therapieverfahren bei Prostatakrebs. Sie erfahren, wie diese funktionieren und welche Nebenwirkungen auftreten können. Unter anderem werden folgende Fragen beantwortet:

  • Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es bei Prostatakrebs?
  • Wann werden die verschiedenen Therapieoptionen kombiniert eingesetzt?
  • Was kann ich selbst tun, um die Behandlung zu unterstützen?

Mythos oder Fakt: Ist mein Sexleben nach der Prostatektomie vorbei?

PATIO: Natürlich hängen mögliche Nebenwirkungen von der Art der Behandlung ab. Eine Strahlentherapie hat andere Auswirkungen als eine Hormonentzugstherapie, und auch bei der radikalen Prostatektomie können unterschiedliche Folgen auftreten.

Nach Harninkontinenz zählt die eingeschränkte Erektionsfähigkeit zu den häufigsten Nebenwirkungen nach einer OP. Man spricht von einer erektilen Dysfunktion.

Das wirft viele Fragen auf. Etwa zur eigenen Identität, zur Wahrnehmung von Männlichkeit oder zur Zukunft des eigenen Sexlebens. Sexualmediziner:innen betonen jedoch, dass es hier auf die eigene Einstellung zum neuen Normal ankommt.

Die Sexualität muss neu entdeckt werden. Ein Satz, der in diesem Kontext häufig fällt: „Sexualität ist nicht gleich Penetration“. Offene Kommunikation über Wünsche, Ansprüche und Bedenken kann helfen.

Neben dem psychosozialen Aspekt gibt es auch medizinische Unterstützung. Medikamente, Injektionen oder Penispumpen können helfen, sollten jedoch immer in Absprache mit einer Ärztin oder einem Arzt eingesetzt werden.

Herzlichen Dank an PATIO für den Beitrag!

Der Verein PATIO (Patient Involvement in Oncology), der an der Medizinischen Universität Wien angesiedelt ist, hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Wissen von Prostatakrebs-Betroffenen so zu verarbeiten, dass es einerseits ihnen selbst zu einer für sie geeigneten Therapie verhilft und andererseits, um sie im individuellen Umgang mit ihrem Lebensalltag zu unterstützen.

Dabei liegt ihnen die Zusammenarbeit und Problemlösung gemeinsam mit Patient:innen besonders am Herzen. Sie klären auf, kommunizieren Neuigkeiten, vernetzen Ärzt:innen mit Patient:innen sowie Patient:innen und Angehörige untereinander.

Zentrale Werkzeuge sind dabei das Forum „PATIOLounge“ und die App „PATIOSpots“.

Hast du Lust, PATIO kennenzulernen? Dann schau auf  Instagram oder auf der Website PatioSpots vorbei.

 

Text von:  PATIO

Quellen:

Der Österreichische Krebsreport. (2025). Abgerufen 9. März 2026, von https://www.krebsreport.at/

Kontinenz-Training | Prostata.de. (2026). Abgerufen 3. März 2026, von https://www.prostata.de/prostatakrebs/leben-mit-pca/kontinenztraining

Krebserkrankungen in Österreich 2025. Ergebnisse im Überblick (Rev. 1). (2025).

Operationsroboter „DaVinci“. (2026). Abgerufen 3. März 2026, von https://www.ordensklinikum.at/de/patienten/medizinische-zentren/prostatazentrum/operationsroboter-davinci/

Puls Redaktion (2025). Wann ein erhöhter PSA-Wert Anlass zur Sorge ist. PULS Online. https://www.medizin.uni-tuebingen.de/puls-online/articles/wann-ein-erhohter-psa-wert-anlass-zur-sorge-ist

Medizinische Universität Wien (2025). Untersuchung und Diagnose | MedUni Wien. Medizinischen Universität Wien. Abgerufen 9. März 2026, von https://www.meduniwien.ac.at//informationen-fuer-patientinnen-und-zuweiserinnen/erkrankungen-behandlung/prostatakrebs/untersuchung-und-diagnose/

Bildnachweis: PATIO | Canva (Tara Winstead & atlasstudio)