5. Diagnose von Leberkrebs

Welche Untersuchungen werden zur Diagnose von Leberkrebs durchgeführt?

Besteht der Verdacht auf einen Leberkrebs werden verschiedene Untersuchungen durchgeführt, um die endgültige Diagnose zu sichern. Zunächst wird Ihre Ärztin/Ihr Arzt eine ausführliche Anamnese durchführen. Bei der Anamnese handelt es sich um eine systematische Befragung, um Ihren Gesundheitszustand abzuschätzen.

Anamnesegespräch

Vor allem die erste Anamnese ist besonders ausführlich, um ein umfassendes Bild Ihres gesundheitlichen Allgemeinzustandes zu erhalten. Mögliche Fragen, die Ihnen gestellt werden, könnten zum Beispiel sein:

  • Welche Beschwerden führen Sie zu mir?
  • Haben Sie Vorerkrankungen?
  • Gibt es Erkrankungen in Ihrer Familie?
  • Machen Sie Sport?
  • Wie ernähren Sie sich?
  • Rauchen Sie?
  • Trinken Sie regelmäßig Alkohol?

Körperliche Untersuchung und Blutabnahme

Meist folgt eine körperliche Untersuchung, um Ihren allgemeinen Gesundheitszustand festzustellen. Eine Blutuntersuchung wird durchgeführt, um die Leberfunktion zu beurteilen. Folgende Blutwerte werden bei Leberkrebs unter anderem bestimmt:

  • Blutbild
  • Leberwerte
  • Befunde, die Hinweise auf Infektionen geben können
  • Tumormarker: beim hepatozellulärem Karzinom wird alpha-Fetoprotein bestimmt (AFP)
Tumormarker bei Leberkrebs

Tumormarker sind körpereigene Eiweiße, die von bestimmten Krebsarten gebildet und ins Blut abgegeben werden. Sie können nach einer Blutentnahme im Labor bestimmt werden. Die meisten Tumormarker sind jedoch unspezifisch. Das bedeutet, dass eine erhöhte Konzentration auch andere Ursachen haben kann, zum Beispiel eine Entzündung. Der Tumormarker alpha-Fetoprotein (AFP) ist ein Eiweiß, das bei Leberkrebs gebildet wird. AFP eignet sich vor allem gut als Verlaufsparameter. Das bedeutet, dass AFP gut verwendet werden kann, um das Therapieansprechen zu kontrollieren oder ein erneutes Auftreten von Leberkrebs nach einer Heilung zu entdecken.

Bildgebung bei Leberkrebs

Um die Lokalisation des Leberkrebses genau zu bestimmten, gibt es verschiedene bildgebende Verfahren:

  • Ultraschall des Bauchs
  • Computertomografie (CT)
  • Magnetresonanztomografie (MRT)

In einigen Fällen wird ein Kontrastmittel für die Bildgebung verabreicht, um bestimmte Strukturen des Tumors besser sichtbar zu machen. Gleichzeitig kann durch die Bildgebung eine geeignete Stelle für eine Biopsie ausgewählt werden. Bei einer Biopsie wird eine Gewebeprobe entnommen.

Die Ergebnisse aller Untersuchungen erlauben eine endgültige und sehr genaue Diagnose. Ihre Ärztin/Ihr Arzt wird Ihnen erklären, welche Schritte erforderlich sind. Besprechen Sie die Befunde ausführlich und stellen Sie Fragen, wenn Sie etwas nicht verstehen.

Was ist eine Leberbiopsie und wann ist sie erforderlich?

In wenigen Fällen kann die Diagnose eines Leberkrebses allein durch die Ergebnisse der bildgebenden Untersuchungen gestellt werden. Meist ist jedoch eine Leberbiopsie zur Sicherung der Diagnose erforderlich. Um sicherzustellen, dass es sich um einen Leberkrebs handelt, müssen bösartige Veränderungen in den Leberzellen nachgewiesen werden. Deshalb kann es sinnvoll sein, ein Gewebestück zu entnehmen.

Wie wird eine Leberbiopsie durchgeführt?

Eine Leberbiopsie kann auch in kleineren Krankenhäusern durchgeführt werden. Dafür müssen Sie in der Regel nicht stationär im Krankenhaus bleiben, sondern können nach dem Eingriff wieder heimgehen. Damit Sie bei einer Leberbiopsie keine Schmerzen haben, erhalten Sie zunächst eine örtliche Betäubung. Eine dünne Nadel wird durch die Bauchdecke an die gewünschte Stelle in der Leber vorgeschoben. Um die Nadel möglichst exakt zu platzieren, wird die Lage mittels Ultraschalls kontrolliert. Dieser Vorgang dauert meist nur wenige Sekunden. Nach der Leberbiopsie werden Sie für einige Stunden überwacht und können anschließend wieder nach Hause. Gelegentlich können leichte Schmerzen auftreten, gegen die Sie ein Schmerzmittel einnehmen können.

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Geprüft Prim.a Priv.-Doz.in Dr.in Birgit Grünberger: Stand Mai 2023 | AT-9053;05/2023 | Quellen und Bildnachweis

Die Kurse sind kein Ersatz für das persönliche Gespräch mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt, sondern ein Beitrag dazu, PatientInnen und Angehörige zu stärken und die Arzt-Patienten-Kommunikation zu erleichtern.
(Zirkardianer Rhythmus )
Biologisches Phänomen, das in einem Rhythmus von ungefähr 24-Stunden bestimmte körperliche Funktionen beeinflusst.  Ein Beispiel ist der Schlaf-Wach-Zyklus durch die Freisetzung des Schlafhormons.
Anamnese
Dient als Grundlage für Arztgespräche oder Diagnosen und besteht aus Fragen zum Gesundheitszustand, Symptomen, Lebensgewohnheiten und weiteren Themen wie zum Beispiel dem Beruf.
Biopsie
Entnahme von verdächtigen Gewebeproben, um eine Krebserkrankung oder entartete Zellen zu diagnostizieren. Gewebeproben werden je nach Organ mit verschiedenen Techniken entnommen und unter dem Mikroskop beurteilt.
CT
(Computertomografie)
Bildgebendes Verfahren. Dabei werden Röntgenstrahlen aus verschiedenen Richtungen durch den Körper geführt. Ein Computer verarbeitet die so erzeugten Bilder zu einer Schnittbildreihe. Dadurch ist eine genaue Beurteilung des untersuchten Körperteiles möglich. So können beispielsweise Lage und Größe von Organen und Tumoren dargestellt werden. Die Untersuchung ist schmerzlos.
Karzinom
Bösartiger Tumor.
MRT
(Magnetresonanztomografie, auch Kernspintomografie)
Bildgebendes Verfahren, das sich besonders zur Darstellung von Weichteilen wie Muskeln oder Fettgewebe eignet. Magnetfelder lösen in den verschiedenen Geweben unterschiedliche Signale aus. Diese werden zu Bildern umgewandelt. Die Untersuchung ist schmerzlos und hat keine Strahlenbelastung.
stationär
Vor oder nach der Behandlung befindet sich die Patientin/der Patient mindestens eine Nacht im Krankenhaus.