2. Entstehung und Risikofaktoren

Wie häufig ist Leberkrebs?

Leberkrebs tritt meist erst im höheren Lebensalter auf. Die meisten PatientInnen sind bei der Erstdiagnose zwischen 65 bis 80 Jahre alt. Männer sind dreimal häufiger davon betroffen als Frauen. Insgesamt ist ein von den Leberzellen ausgehender Krebs selten. In Österreich wird Leberkrebs jährlich bei ca. 1000 PatientInnen festgestellt. In Deutschland gibt es etwa 8700 Neuerkrankungen pro Jahr und in der Schweiz etwa 900. Tumore in der Leber sind häufiger Metastasen einer anderen Krebserkrankung, wie beispielsweise Darmkrebs, Lungenkrebs oder Brustkrebs.

Welche Risikofaktoren begünstigen die Entstehung von Leberkrebs?

Für die Entstehung von Leberkrebs gibt es verschiedene Risikofaktoren. Meist entsteht Leberkrebs aus einer bereits geschädigten, vorerkrankten Leber. Eine dauerhafte Lebererkrankung kann zu einer Leberfibrose führen. Das Endstadium einer Leberfibrose ist die Leberzirrhose.

Leberfibrose und Leberzirrhose erhöhen das Risiko an Leberkrebs zu erkranken

Verschiedene Erkrankungen schädigen das Lebergewebe. Die Leber kann sich anfangs gut erholen. Wenn die schädigenden Einflüsse jedoch dauerhaft, also chronisch, auf die Leber wirken, kann die Leber sich nicht mehr erholen. Es kommt zu einem Umbau der Leberstruktur. Die gesunden Leberzellen sterben ab und werden durch Bindegewebe ersetzt. Dieser Umbau wird auch Leberfibrose genannt. Die Leber verhärtet sich und verändert dadurch ihre Form.

Häufige Ursachen, die zu einer Vernarbung der Leber führen können, sind zum Beispiel:

  • Chronische Hepatitis-B oder -C-Infektion
  • Übermäßiger Alkoholkonsum
  • Nicht-alkoholische Fettleber: Risikofaktoren dafür sind Übergewicht, Diabetes und Bewegungsmangel
  • Stoffwechselerkrankungen: Eisenspeicherkrankheit (Hämochromatose), Kupferspeicherkrankheit (M.Wilson)
  • Gifte: zum Beispiel Aflatoxine von Schimmelpilzen

Das Endstadium einer chronischen Leberschädigung ist die Leberzirrhose. Diese wiederum ist der größte Risikofaktor für die Entstehung von Leberkrebs.

Risikofaktoren für die Entstehung von Leberkrebs

Was kann ich tun, um das Risiko für einen Leberkrebs zu verringern?

Die Wahrscheinlichkeit an Leberkrebs zu erkranken, steigt mit der Anzahl der Risikofaktoren für eine chronische Leberschädigung. Um das Risiko für einen Leberkrebs zu verringern, sollten daher Risikofaktoren für die Entstehung einer chronischen Leberschädigung verringert und die Ursachen, wenn möglich, behandelt werden. PatientInnen mit einer chronischen Hepatitisviren-Infektion können zum Beispiel Medikamente gegen das Virus erhalten.

Grundsätzlich gilt, dass Alkoholkonsum den Verlauf einer Lebererkrankung deutlich verschlechtert. Verzichten Sie wenn möglich vollständig auf Alkohol oder genießen Sie Alkohol nur in Maßen. Im Rahmen der Krebsvorbeugung wird allgemein ein gesunder Lebensstil empfohlen. Dazu gehören zum Beispiel:

  • Ausreichend Bewegung: zum Beispiel täglich Spazieren gehen oder moderates sportliches Training
  • Nicht rauchen
  • Ausgewogene, gesunde Ernährung: Dabei ist vor allem auf die Zufuhr von Eiweiß, Obst und Gemüse zu achten

Liegen Risikofaktoren vor, sollten regelmäßige Untersuchungen der Leber durchgeführt werden. Wenn Sie Schmerzen verspüren, zögern Sie nicht und lassen Sie die Beschwerden zeitnah von Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt abklären.

Welche Untersuchungen zur Vorsorge gibt es bei Leberkrebs?

Eine direkte Vorsorgeuntersuchung für Leberkrebs gibt es nicht. Liegen jedoch Risikofaktoren vor, sollten Sie alle 6 Monate eine Untersuchung zur Früherkennung von Leberkrebs durchführen lassen. Wenden Sie sich dazu an HepatologInnen oder HausärztInnen. Ihre Ärztin/Ihr Arzt wird eine Ultraschalluntersuchung durchführen und bei Bedarf zusätzlich eine Blutentnahme, um die Leberfunktion zu überprüfen. Bei einer dauerhaften Lebererkrankung kann außerdem die Lebersteifigkeit gemessen werden, die Elastizität. Das Verfahren wird ebenfalls mithilfe von Ultraschallwellen durchgeführt.

Kann Leberkrebs vererbt werden?

Leberkrebs ist nicht direkt vererbbar. Die häufigste Ursache für Leberkrebs ist eine Leberzirrhose als Folge chronischer Entzündungen. Diese kann verschiedene Ursachen haben, wie etwa Virusinfektionen, übermäßigen Alkoholkonsum oder Diabetes. Eine Leberzirrhose wird in der Regel nicht vererbt. Es gibt allerdings seltene erbliche Stoffwechselerkrankungen, die mit einem erhöhten Risiko für Leberkrebs verbunden sind. Dazu gehört beispielsweise die Eisenspeichererkrankung (Hämochromatose). Bei dieser kommt es zu einer Überladung des Körpers mit Eisen.

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Geprüft Prim.a Priv.-Doz.in Dr.in Birgit Grünberger: Stand Mai 2023 | AT-9053;05/2023 | Quellen und Bildnachweis
Die Kurse sind kein Ersatz für das persönliche Gespräch mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt, sondern ein Beitrag dazu, PatientInnen und Angehörige zu stärken und die Arzt-Patienten-Kommunikation zu erleichtern.
(Zirkardianer Rhythmus )
Biologisches Phänomen, das in einem Rhythmus von ungefähr 24-Stunden bestimmte körperliche Funktionen beeinflusst.  Ein Beispiel ist der Schlaf-Wach-Zyklus durch die Freisetzung des Schlafhormons.
Antikörper
(Immunoglobuline)
Eiweiße (Proteine), die von Zellen des Immunsystems gebildet werden, um Krankheitserreger wie Bakterien oder Viren zu bekämpfen. Bei manchen Erkrankungen kann es zu einer fehlgeleiteten Bildung von Antikörpern gegen körpereigene Zellen oder Strukturen kommen.
Chronisch
(Gegenteil: akut)
Sich über einen längeren Zeitraum allmählich entwickelnd oder bereits lange andauernd.
Eiweiße
Eiweiße, auch bekannt als Proteine, sind Makromoleküle, die aus Ketten von Aminosäuren bestehen. Sie spielen eine entscheidende Rolle im Aufbau und der Funktion von Zellen und Geweben im Körper.