1. Nach Ihrer Diagnose

Transkript

[00:00]

Dr. Gerald Bachinger

Über welche Rechte und Ansprüche sollte ich mich rechtzeitig informieren?

Wenn Sie Interesse an Ihrer grundsätzlichen Rechtsposition als Patientin oder als Patient haben, dann ist es sehr wichtig, dass man sich das Rüstzeug über die Patientenrechte beschafft. Und das ist die Patientencharta. In der Patientencharta sind die wichtigsten Patientenrechte für Sie sehr verständlich zusammengefasst.

Ich möchte drei von diesen Patientenrechten besonders hervorheben:

Das Selbstbestimmungsrecht: Das sagt nämlich nichts anderes, als dass es um Ihren eigenen Körper geht und um Ihren eigenen Behandlungsprozess geht. Und da sind Sie der Experte dafür, was letztendlich im Behandlungsprozess passiert. Damit Sie aber auch diese vernünftige Entscheidung auch wirklich gut treffen können, gibt es eine ganze Reihe von Informationsrechten, die sich um dieses Selbstbestimmungsrecht herumranken.

Ein ganz zentrales Informationsrecht ist das Recht auf Aufklärung, wo der Fachmann über die medizinische Betreuung, über die medizinische Behandlung, über Ihr Mitwirken in dieser Behandlung mit Ihnen gemeinsam auch einen Behandlungsplan erstellen sollte.

Der dritte Bereich, der ganz zentral ist für Ihre Behandlung, sind Patientenrechte, die den Stand und die Qualität der Behandlung betreffen. Letztendlich sollen Sie die bestmögliche Behandlung als Ziel bekommen.

Wobei mir noch sehr wichtig ist zu betonen, dass Sie als betroffener Patient eine ganz wesentliche Rolle in diesem Behandlungsprozess spielen. Es ist natürlich unterschiedlich, welche verschiedenen Ressourcen, welche Krankheitsbilder man hat, was man vor sich hat noch. Aber jeder Mensch hat Ressourcen, die man aktivieren kann. Und wir wissen aus vielen Studien, national und international, dass das Wahrnehmen und das Einsetzen Ihrer Ressourcen sehr wichtig ist für den Behandlungserfolg.

Das heißt: Wenn Sie Ihre Ressourcen, die wie gesagt verschieden heute noch vorhanden sein können, wenn Sie diese aktiv einbringen im Behandlungsprozess, dann ist auch zu erwarten, dass der Behandlungserfolg ein viel besserer wird, als wenn man sich sozusagen nur passiv als Patient zurücklehnt.

[02:25]

Univ.-Prof. Dr. Alexander Gaiger

Welche Vorbereitungen kann ich nach der Diagnose treffen?

Die Diagnose einer schweren, potenziell lebensbedrohlichen Erkrankung wird in der Regel zu einer Belastungsreaktion. Wir schalten als Menschen in solchen Notsituationen in ein Krisenmode um.

Wir lernen üblicherweise, Kompromisse zu machen, auf andere Rücksicht zu nehmen, unsere eigenen Bedürfnisse hinten anzustellen.

Die erste Regel, wenn Sie mit einer Diagnose einer Tumorerkrankung konfrontiert sind: Machen Sie keine Kompromisse.

Das zweite ist: Holen Sie sich Unterstützung. Greifen Sie auf die Ressourcen Familie, Freunde zurück. Scheuen Sie sich nicht davor, Menschen um Gefallen zu bitten. Jetzt geht es um Sie. Sie brauchen Unterstützung. Was wir häufig tun, ist, dass wir mehr vom Gleichen machen, dass wir unsere Lebensabläufe nicht ändern und dann oft in einen Strudel hineinkommen, zu Überlastungsreaktionen. Keine Kompromisse. Jetzt geht es um Sie. Und schauen Sie, dass Sie die Ressourcen, die Sie haben, organisieren und aktivieren.

Unklarheiten beseitigen.

[03:30]

Univ.-Prof. Dr. Alexander Gaiger

Welche Unterlagen sind für meine Therapie wichtig und sollte ich beim Arztgespräch dabei haben?

Es ist sehr hilfreich, wenn Sie Ihre Unterlagen sammeln. Es kommt oft vor, dass die Patientinnen, Frauen, Männer zu mir kommen, und sagen: „Sie haben ja eh alle Unterlagen bei sich im Computer…“ Einen Teil habe ich tatsächlich im Computer, und dann suche ich, dann brauche ich fünf Minuten, dann muss ich ins nächste Archiv schauen, und dann vergeht die Zeit, die wir gemeinsam arbeiten könnten, damit, dass ich Befunde, die Sie vielleicht sogar schon haben, ausheben muss. Es ist hilfreich, wenn Sie sich wirklich einen Aktenordner nehmen und dort auch die Krankheit konzentrieren. Und dieser Aktenordner hat einen Platz. Dort kommt er hinein, und dort kommt er hinaus. Beschäftigen Sie sich nicht den ganzen Tag mit der Erkrankung. Geben Sie ihr nicht mehr Raum als notwendig. Definieren Sie die Zeiträume. Alles, was belastend ist, gehört definiert: „Ich beginne jeden Tag, von neun bis zehn setze ich mich damit auseinander. Aber zu Mittag nicht. Da esse ich, und da genieße ich mein Essen.“

Nehmen Sie einen Aktenordner, dort geben Sie hinein

  • den Arztbrief,
  • die Gewebsuntersuchungs-Ergebnisse,
  • Laboruntersuchung

Geben Sie lieber ein bisschen mehr in einen separaten Ordner noch hinein, wenn der Arzt irgendwelche speziellen Ergebnisse möchte. Aber diese wichtigen Teile sollten Sie sich haben. Es erleichtert die Arbeit ungemein.

[05:10]

Univ.-Prof. Dr. Alexander Gaiger

Inwiefern kann mir eine psychoonkologische Betreuung helfen und wie erhalte ich sie?

Die Psychoonkologie ist heute ein wesentlicher Bestandteil eines onkologischen Gesamtkonzeptes. Sowohl die Diagnostik, die Pathologie, die Onkologie, die Psychotherapie, Traumatherapie bis hin zur Rehabilitation hat man heute zusammengefasst in ein onkologisches Gesamtkonzept.

Eine wesentliche Aufgabe der Psychoonkologie ist, Sie zu unterstützen, Ihre Ressourcen zu fördern. Es geht nicht darum, die Persönlichkeit zu ändern, sondern es geht darum,

  • Sie wie ein Coach in dieser schwierigen Zeit zu unterstützen,
  • einige der Herausforderungen, vor denen Sie stehen, begreifbarer zu machen,
  • die Reaktionen, die Gefühle, die Sie spüren, verstehbarer und begreifbarer zu machen.

In Krisensituationen, wenn Sie dann auch zusätzlich noch zum Beispiel Cortison bekommen, verstärkt das die Gefühlschwankungen, dieses Auf und Ab der Gefühle: „Ich werde es schaffen“ und „Ich bin ganz zu Tode betrübt“ und „Gar nichts geht gut“. Dieses Gefühlschwankungen spiegeln die Spannung, unter der Sie stehen, wider. Nichts daran ist falsch oder pathologisch. Wir neigen dazu, dann Gefühlen und Reaktionen Namen zu geben, wie „Depression“, „traumatische Belastungsreaktion“. Gehen Sie davon aus, dass Sie seelisch gesund sind. Das ist das, was ich erlebe. Eigentlich wird irrsinnig viel an Gesundheit, an Kraft, an Energie in dieser Krisensituation mobilisiert und die Psychoonkologie hat die Aufgabe, das auch spürbar zu machen – wie viel an Gesundheit da ist, wie viel Ressourcen Sie haben. Ziel eigentlich des Konzeptes in der Psychoonkologie ist heute: „Ein Teil meines Körpers. Viele Teile sind gesund. Und ich versuche, die gesunden Anteile zu unterstützen, damit sie den schwachen Anteilen aufhelfen können.“

Erste Schritte nach Ihrer Krebsdiagnose

Die Diagnose einer Krebserkrankung stellt für Sie und Ihre Familie eine Belastungssituation dar. Ihr Alltag wird sich verändern: Arzttermine, Untersuchungen, Therapien werden ihn wesentlich mitbestimmen. Damit Sie sich auf sich und Ihre Behandlung konzentrieren können, sollten Sie einige organisatorische Fragen klären.

Den Alltag neu organisieren

Wer kümmert sich um die Betreuung Ihrer Kinder, wenn Sie zur Therapie in die Klinik müssen? Oder wer kann die Haustiere versorgen? Was muss der Arbeitgeber wissen und welche Vereinbarungen lassen sich mit ihm treffen? Organisieren Sie die grundlegenden Aspekte am besten so schnell wie möglich, so dass Sie sich dann auf Ihre Therapie konzentrieren können. Einige wichtige Punkte finden Sie in der Fragenliste zum Downloaden.

Eine feste Zeit für Ihre Gedanken rund um Ihre Krebserkrankung

Auch wenn zunächst einmal alles um Ihre Krebserkrankung kreist: Geben Sie ihr nicht zu viel Raum. Beschäftigen Sie sich nach Möglichkeit nicht den ganzen Tag damit. Definieren Sie täglich eine feste Zeit, zu der Sie sich mit allen Fragen und Gedanken rund um Ihre Erkrankung auseinandersetzen.

Planen Sie zum Beispiel Zeit zwischen dem Frühstück und Mittagessen ein, in der Sie mit Ihrer Krankenkasse telefonieren, Ordinationstermine vereinbaren oder Anträge ausfüllen. Versuchen Sie, auch wenn es schwer fällt, vorher und nachher die schönen Dinge des Lebens zu sehen und zu genießen, beispielsweise beim gemeinsamen Essen mit Ihrer Familie. Probieren Sie, sich in dieser Zeit bewusst mit anderen Dingen als Ihrer Erkrankung zu befassen.

Organisieren Sie Ihre Unterlagen

Sammeln Sie sämtliche Unterlagen zu Ihrer Erkrankung, zum Beispiel Befunde, Arztbriefe oder Anträge, in einem Aktenordner. Informieren Sie sich auch über elektronische Speichermöglichkeiten auf Ihrer e-Card. Das Sammeln Ihrer Unterlagen verschafft einen guten Überblick und spart wertvolle Zeit, weil Sie oder Ihre Ärztin/Ihr Arzt keine Befunde suchen müssen.

Transkript

[00:00]

Univ.-Prof. Dr. Alexander Gaiger

Auf welche Kriterien sollte ich bei der Auswahl einer Ärztin/eines Arztes bzw. einer Klinik achten?

Verlassen Sie sich bei der Auswahl Ihres behandelnden Arztes, Ihrer behandelnden Ärztin nicht nur auf Ihr Bauchgefühl. Ihr Bauchgefühl hilft ihnen, mit akuten Problemen zurechtzukommen. Das ist dafür entwickelt, um uns gegen Säbelzahntiger zur Wehr zu setzen. Aber bei der Herausforderung einer chronischen Erkrankung, bei der Herausforderung, komplexe Informationen zu verarbeiten, verlassen Sie sich auf Ihr Denken.

Sie können anhand der Webseiten der behandelnden Ärzte, anhand der Webseite des Spitals sehr viel über die Kompetenz und das Knowhow dieser Menschen herausfinden.

Die meisten Zusatzfachärzte für Hämato-Onkologie befinden sich in der Lebensmitte. Das heißt: Sie können anhand des Lebenslaufes sehr viele Informationen bekommen: Wie kompetent ist dieser Mensch? Wie passt er von seinem Knowhow zu meiner Krankheit?

Und diese beiden Funktionen zusammen, das Bauchgefühl und unser Verstand, werden Ihnen dabei sicher gut zur Hilfe kommen.

[00:57]

Univ.-Prof. Dr. Alexander Gaiger

Was ist ein Onkologiezentrum und wie finde ich zertifizierte Einrichtungen?

Bei der Auswahl Ihrer Behandlungsteams, Behandlungszentrum werden Sie mit dem Begriff von Onkologiezentrum, Comprehensive Cancer Center, Brustgesundheitszentrum konfrontiert werden. Das sind wichtige Qualitätskriterien. Das bedeutet: Dort finden sich eine Vielzahl von Menschen, Frauen und Männer, die hochkompetent jahrelange Ausbildungen haben und sich genau mit der Erkrankung beschäftigen und dafür Wissen gesammelt haben, von der Sie betroffen sind.

Wir haben in Österreich ein Privileg: Wir leben in einem Land, in dem wir das Geld nicht für Flugzeugträger ausgeben, sondern für große Spitäler. Und wir haben ein gutes Gesundheitssystem, auch wenn das abgedroschen klingt, es ist eines der besten der Welt. Das heißt, wir haben das Glück, dass Sie praktisch in jedem Grätzl, in jedem Bundesland mehrere dieser spezialisierten Zentren finden. Informieren Sie sich.

  • Ihr Hausarzt, Ihr praktischer Arzt, kann Sie weiter informieren.
  • Untersuchen Sie die Webpages. Schauen Sie sich an, was es dort an Kompetenzen gibt.
  • Und gehen Sie hin.

[02:08]

Univ.-Prof. Dr. Alexander Gaiger

Kann ich auch von einer Ärztin/einem Arzt meiner Wahl außerhalb des Krankenhauses behandelt werden?

Wir sind freie Menschen in einem freien Land und haben eine freie Arztwahl. Das heißt: Sie können sich Ihre behandelnde Ärztin, Ihren behandelnden Arzt selber aussuchen. Sie haben dazu drei Möglichkeiten:

  • Das erste sind Kassenärzte,
  • das zweite Wahlärzte,
  • und das dritte sind Privatärzte.

Und das müssen Sie nur berücksichtigen, dass dann unterschiedliche Kosten für Sie anfallen. Die Kompetenz ist in allen drei Gebieten gegeben und sehr hoch.

In den onkologischen Kompetenzzentren geht alles über unsere elektronische Krankenakte e-card und über die Krankenkasse. Das ist ein wunderbares System, wo Sie hochkompetent betreut werden.

Berücksichtigen Sie bei Ihrer Entscheidung, dass Sie mit Ihrem Behandlungsteam einen Behandlungsvertrag abschließen. Das heißt: Jene ÄrztInnen, die mit Ihnen eine Chemotherapie, eine Immuntherapie, eine Targeted Therapy durchführen, sind auch rechtlich verantwortlich Ihnen gegenüber. Das heißt: Der Behandlungsvertrag bestimmt auch den Rahmen, in dem Sie sich bewegen. Wir können nicht gleichzeitig, oder es ist oft nicht hilfreich, drei verschiedene Behandlungen gleichzeitig durchzuführen.

Schauen Sie, dass Sie irgendwo landen, ankommen, ein Team finden, dem Sie vertrauen, wo Sie gut miteinander können.

[03:23]

Dr. Gerald Bachinger

Kann ich mir meine behandelnde Ärztin/meinen behandelnden Arzt aussuchen?

Dieses Recht auf Auswahl gibt es, wobei im niedergelassenen Bereich gewisse Einschränkungen vorhanden sind. Es ist unterschiedlich, bei welcher Krankenkasse man versichert ist. Bei manchen Krankenkassen ist es so, dass ich innerhalb eines Quartals, wenn ich einmal bei einem bestimmten Arzt eine Behandlung begonnen habe, nur unter bestimmten Voraussetzungen, also zum Beispiel wenn Sie das Vertrauensverhältnis aus bestimmten Gründen zu diesem Arzt verloren haben, dann kann auch ein Arztwechsel stattfinden. Das muss man aber vorher mit der Krankenkasse auch abstimmen.

Im Krankenhausbereich kann es etwas schwieriger sein. Obwohl es dort durchaus aufgrund der Vielzahl an Ärzten eine größere Auswahl an Ärzten gibt, bin ich doch an gewisse organisationsrechtliche Vorschriften und Regelungen als Patient gebunden. Das heißt, ich kann schon auch Vorschläge machen, dass man zu einem bestimmten Arzt ein sehr großes Vertrauensverhältnis hat. Und wenn das im Rahmen der Organisation des Dienstplanes möglich ist, dann wird das Krankenhaus auch entsprechend darauf Rücksicht nehmen.

Aber ich habe da jetzt nicht einen Rechtsanspruch darauf. Aber es ist durchaus sinnvoll, dass Sie das artikulieren, dass Sie das zum Thema machen. Und dort wird man sich dann bemühen im Krankenhaus, dass man diesen Wunsch auch erfüllen kann.

[04:58]

Dr. Gerald Bachinger

Was passiert, wenn die erforderliche Therapie nicht in einem wohnnahen Krankenhaus möglich ist?

Es kann durchaus immer vorkommen, dass eine Therapie zum Beispiel für Sie in einem Grundversorgungskrankenhaus begonnen wird und dass man im Verlauf der Behandlung feststellt, ohne irgendeinen Vorwurf jetzt aus meiner Sicht, aber dass man feststellt, dass die Behandlungsmöglichkeiten, die Grundversorgungskrankenhaus vorhanden sind, nicht mehr ausreichen, um eine fachgerechte weitere Behandlung durchzuführen.

Da gibt es auch in der Patientencharta eine ganz klare Bestimmung dafür, nämlich die lautet, dass dann das Grundversorgungskrankenhaus, also diese erste Stelle der Behandlung, verpflichtet ist, dafür zu sorgen, dass die Patienten und der Patient dann auch in eine weiterführende, zum Beispiel spezielle Einrichtung, in ein Kompetenzzentrum verlegt wird, damit auf einer entsprechenden fachlichen Ebene für Sie dann diese Behandlung auch bestmöglich fortgesetzt werden kann.

Die Arztwahl nach Ihrer Krebsdiagnose

Die Wahl einer Ärztin/eines Arztes mag für Sie auf den ersten Blick herausfordernd erscheinen: Wie sollen Sie diejenige oder denjenigen finden, der Ihnen am besten helfen kann? Es besteht im Prinzip die freie Arztwahl. Im niedergelassenen Bereich kann es zu Unterschieden bei den Kosten kommen. Während eines Krankenhausaufenthaltes können die behandelnden ÄrztInnen jedoch nicht selbst ausgesucht werden.

Im niedergelassenen Bereich haben Sie grundsätzlich die freie Wahl, von welcher Ärztin/welchem Arzt Sie sich behandeln lassen möchten:

  • Kassenärztin/Kassenarzt:
    Diese ÄrztInnen haben einen Vertrag mit einer oder mehreren Krankenkassen und rechnen erbrachte Leistungen dort ab. Informieren Sie sich bei Ihrer Krankenkasse über geltende Selbstbehalte.
  • Wahlärztin/Wahlarzt:
    Diese ÄrztInnen haben keinen Vertrag mit einer Krankenkasse. Die PatientInnen zahlen zunächst selbst, können sich aber mit Vorlage der Rechnung einen Teil der Kosten von der Krankenkasse erstatten lassen.
  • Privatärztin/Privatarzt:
    Diese ÄrztInnen haben keinen Vertrag mit einer Krankenkasse. Die PatientInnen tragen die Kosten selbst.

Bei einer Behandlung im Krankenhaus besteht kein Rechtsanspruch auf die Behandlung durch eine bestimmte Ärztin oder einen bestimmten Arzt. Es liegen organisationsrechtliche Vorschriften und Regelungen vor.

SpezialistIn für Krebserkrankungen

Eine Ärztin/ein Arzt, die/der sich auf Krebserkrankungen spezialisiert hat, heißt Onkologin/Onkologe. Sie/er berät Sie und entscheidet in Absprache mit Ihnen über die Behandlungen. Außerdem koordinieren OnkologInnen das gesamte betreuende Team, zu dem neben den ärztlichen auch pflegende und andere Gesundheitsdienstleister gehören. Ihre Onkologin/ihr Onkologe therapiert nicht nur Ihre Krebserkrankung, sondern hilft Ihnen auch dabei, mit ihr umzugehen und so gut wie nur möglich damit zu leben.

Auswahlkriterien für die Suche

Ihre Hausärztin/Ihr Hausarzt kann Ihnen eine Onkologin/einen Onkologen empfehlen, fragen Sie zudem im Freundes- und Bekanntenkreis nach. Auf den Internetseiten der Praxen und Spitäler erhalten Sie umfangreiche Informationen über OnkologInnen. Sogenannte Onkologische Zentren sind auf die Therapie von Krebserkrankungen spezialisiert. Besuchen Sie die Praxis oder das Spital und machen Sie sich einen Eindruck vor Ort.

Lassen Sie sich bei Ihrer Suche nach einer Onkologin/einem Onkologen nicht nur von Ihrem Bauchgefühl leiten. Wichtige Fragen für Ihre Entscheidung können sein:

  • Wie viel Erfahrung hat die Onkologin/der Onkologe mit meiner speziellen Krebserkrankung?
  • Ist die Onkologin/der Onkologe Mitglied in Fachgesellschaften?
  • Kennen Sie jemanden, der mit dieser Onkologin/diesem Onkologen schon Erfahrungen gemacht hat?
  • Fühlen Sie sich bei der Onkologin/dem Onkologen gut aufgehoben?
Transkript

[00:00]

Univ.-Prof. Dr. Alexander Gaiger

An welche Ärztin/welchen Arzt wende ich mich nach der Verdachtsdiagnose und was sollte ich vorher beachten?

Nach der Verdachtsdiagnose werden Sie meistens an einen Spezialisten, an eine Spezialistin, überwiesen. Das sind meistens Fachärzte für Hämatologie, Onkologie, Chirurgie. Dort ist es hilfreich, dass Sie bereits vorbereitet hinkommen: Welche Maßnahmen kommen auf mich zu? Was muss ich selber tun? Schauen Sie, wenn Sie einen Verdacht haben, dass Sie frühzeitig Ihren Partner, Ihre Partnerin einbinden.

[00:29]

Univ.-Prof. Dr. Alexander Gaiger

Was kann meine Ärztin/mein Arzt nach der Diagnose über meine Lebenserwartung sagen?

Wir alle kennen aus Filmen diese schlechten Szenen, wo der Arzt sagt: „Sie haben noch drei Jahre.“ Das wissen wir alles nicht.

Was wir wissen, sind Statistiken, Mittelwerte und Erfahrungswerte. Der Nachteil von diesen statistischen Mittelwerten ist, dass sie für den Einzelfall nicht zutreffen, sondern nur ein Mittelwert von 100, 200 oder 1.000 Patienten sind. Das heißt, es gibt Spannen. Und letztlich sind wir einem gewissen Maß an Ungewissheit ausgeliefert.

Was Sie bekommen können, da Fragen sinnvoller sind, sind Zeiträume, Dinge, die ich erwarten kann. Aber auch das wird heute durch den Fortschritt der Medizin zum Teil eingeholt. Gerade bei chronischen Erkrankungen ist es so, dass der Behandlungsfortschritt enorm ist.

Und wenn wir heute Tumorerkrankungen nicht heilen können, dann bedeutet das nicht unbedingt einen Anfang vom Ende. Sondern wir können diese Erkrankung zu chronischen Erkrankungen machen, die über Jahre sehr gut behandelt werden können und auch mit guter Lebensqualität behandelt werden können.

Gleichzeitig ist es aber auch wichtig, dass Sie für sich klären, wie viel Sie wann wissen wollen. Manchmal ist alles auf einmal zu viel in der Regel. Bei der Diagnosephase oder in der Therapiephase, da konzentriere ich mich auf das Überleben, auf das Durchkommen durch die Therapie, auf das Ertragen und Bewältigen der Nebenwirkungen. Die Krankheit und das, was sie für mich bedeutet, wieder in einen Kontext rücken, sodass sie für mich begreifbar und verstehbar wird. Da ist vielleicht die Frage „Wie viel Zeit ich habe“, noch zu früh. Insofern werde ich als Arzt da auch keine gute Auskunft geben können, weil das Ansprechen auf die Therapie oft ein ganz wichtiger Faktor ist.

Hier kann es hilfreich sein, dass Sie zu Hause mit Ihrer Familie, mit Ihren nächsten Freunden, Angehörigen sich zusammensetzen und klären: „Was muss ich jetzt wissen? Was ist mir jetzt wichtig? Und welche Fragen möchte ich dem Arzt stellen?“ Bereiten Sie sich eine Liste vor mit den drei, vier wichtigsten Themen. Und wenn Sie sehen, dass die Ärztin, der Arzt, der Ihnen gegenübersitzt, unter Zeitdruck ist, sagen Sie: „Okay, ich sehe, Sie sind unter Druck.“ Aber das sind meine zwei wichtigen Fragen. Bitte beantworten Sie mir die.

[02:45]

Univ.-Prof. Dr. Alexander Gaiger

Wie schnell sollte ich mich nach der Diagnose für eine bestimmte Therapie entscheiden?

Wie schnell Sie sich für eine Therapie nach der Diagnose einer Erkrankung entscheiden müssen, hängt davon ab, was für eine Diagnose es ist, was ist für eine Erkrankung. Es gibt Tumorerkrankung, die sehr langsam verlaufen, wo Sie Zeit haben. Es gibt auch solche, wo Entscheidungen rasch getroffen werden müssen. Darüber wird Sie Ihr Arzt, Ihre Ärztin informieren.

Das Zweite, was zu beachten ist: Wenn Sie eine Entscheidung nicht treffen, wird es für Sie anstrengend. Wir haben beschränkte Ressourcen. Das heißt: Versuchen Sie nicht, Entscheidungen aufzuschieben. Nehmen Sie sich ein definiertes Zeitfenster. Alle Dinge, die für uns anstrengend sind, und Entscheidungen zu treffen, ist anstrengend, fallen uns leichter, wenn wir einen Zeitraum definieren, wann es beginnt und wann es endet. Nehmen Sie sich Zeit und sagen Sie: „Ich möchte eine Woche Zeit haben oder, wenn es geht, auch zwei Wochen Zeit haben, um hier eine Entscheidung zu treffen. Ich hole mir eine Zweitmeinung ein. Ich berate mich mit Freunden. Ich suche mir Informationen zusammen.“ Dann nehmen Sie sich die eine Woche, überlegen Sie das, und dann treffen Sie eine Entscheidung. Schieben Sie Entscheidungen nicht hinaus. Sie haben keinen Vorteil. Die Entscheidung steht trotzdem an. Es wird nur anstrengender für Sie.

[03:55]

Univ.-Prof. Dr. Alexander Gaiger

Was sollte ich über häufige Nebenwirkungen von Krebstherapien wissen?

Die Nebenwirkungen von Krebstherapien sind so vielfältig wie die Art der Behandlung und die Art der Erkrankungen. Wenn wir das Wort Krebs nehmen, ist es leider schon etwas irreführend –ein Wort, eine Erkrankung. In Wirklichkeit sind das fast tausend verschiedene Erkrankungen mit unterschiedlichen Ursachen, unterschiedlichen Verläufen. Und je mehr wir heute lernen und forschen, desto mehr erkennen wir die unterschiedlichsten Erkrankungen. Und so vielfältig wie die Erkrankungen sind heute auch die Behandlungen. Deswegen reden wir ja von personalisierter Medizin. Nicht, weil wir Schlagworte so nett verwenden oder weil wir so feinfühligst wären als Ärzte, sondern weil es ein Faktum ist, dass es so vielfältig sind und wir heute nicht mehr „One size fits all“ alle gleich behandeln können, sondern Menschen mit einem höheren Risiko intensiver behandeln, Menschen mit einem niedrigen Risiko weniger intensiv behandeln, aber mit dem Ziel, dass es nachher allen besser geht und möglichst viele Menschen geheilt sind und gesund sind.

Medizinische Fragen nach Ihrer Krebsdiagnose

Besteht bei Ihnen der Verdacht auf eine Krebserkrankung, wird Ihre Hausärztin/Ihr Hausarzt Sie zunächst zu FachärztInnen und dann einer Krebsspezialistin/einem Krebsspezialisten überweisen. Diese/Dieser wird Ihnen nach Möglichkeit alle Fragen zu Ihrer Krebserkrankung beantworten.

Wie lange habe ich noch?

Manche KrebspatientInnen möchten schon direkt nach der Diagnose wissen, wie viel Zeit Ihnen noch bleibt und was sie alles noch mit der Familie unternehmen können. Aber die Frage danach, wie lange Sie noch zu leben haben, wird Ihnen Ihre Ärztin/Ihr Arzt nach der Verdachtsdiagnose nicht genau beantworten können. Zwar gibt es Statistiken, Mittelwerte und Erfahrungen. Doch daraus lassen sich keine Rückschlüsse für Ihren individuellen Fall ableiten. Entscheidende Faktoren sind beispielsweise Ihr aktueller Gesundheitszustand und wie Sie auf die Therapie ansprechen.

Fragen, die Ihnen Ihre Ärztin/Ihr Arzt hingegen beantworten kann, können sein:

  • Was erwartet mich in der nächsten Phase der Therapie?
  • Mit welchen Nebenwirkungen kann ich rechnen?
  • Was kann ich selbst dazu beitragen, dass die Behandlung erfolgreich ist?

Viele wichtige medizinische Fragen nach Ihrer Krebsdiagnose finden Sie in der Fragenliste zum Downloaden.

Nebenwirkungen von Krebstherapien

Welche Nebenwirkungen sich bei einer Krebstherapie zeigen, hängt stark von der Art der Behandlung und der Erkrankung ab. Auch die körperliche Konstitution der Patientin/des Patienten sowie die Dauer der Therapie spielen eine Rolle. Ihre Ärztin/Ihr Arzt wird Sie vor Therapiebeginn über die möglichen Nebenwirkungen aufklären. Wenden Sie sich unbedingt an die OnkologInnen, wenn Sie bei sich weitere oder besonders starke Nebenwirkungen feststellen.

Downloads

  • Wichtige Fragen nach Ihrer Krebsdiagnose Eine Krebsdiagnose stellt eine enorme Belastungssituation dar. Das Leben verändert sich von heute auf morgen. Viele Dinge sind zu organisieren, die sowohl direkt mit Ihrer Erkrankung als auch mit Ihrem Alltag zu tun haben. Diese Fragen können Sie sich dabei stellen.

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Geprüft Dr. Gerald Bachinger und Univ.-Prof. Dr. Alexander Gaiger: Stand Oktober 2020 | Quellen und Bildnachweis

Die Kurse sind kein Ersatz für das persönliche Gespräch mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt, sondern ein Beitrag dazu, PatientInnen und Angehörige zu stärken und die Arzt-Patienten-Kommunikation zu erleichtern.