7. Lungenkrebs verstehen – alle Fragen

Der Begriff Lungenkrebs (Bronchialkarzinom) umfasst Krebserkrankungen, die vom Lungengewebe ausgehen. Therapien und Krankheitsverläufe der verschiedenen Lungenkrebs-Arten können aber sehr unterschiedlich sein. OA Dr. Maximilian Hochmair beantwortet hier die häufigsten Fragen zu Symptomen, Diagnose und Prognose.

Was ist Lungenkrebs?

Was genau ist Lungenkrebs?

Durch Faktoren wie zum Beispiel Zigarettenrauch oder durch andere genetische Veränderungen kann es dazu kommen, dass sich normal wachsende Zellen durch regelmäßige chronische Entzündungen oder durch irgendwelche andere Einflussfaktoren genetisch verändern und dadurch nicht mehr so wachsen, wie sie wachsen sollten, auch nicht mehr erkennen, ob eine anliegende Zelle vorhanden ist, und einfach dann Zellen, Tumorzellen, dann in gesundes Lungengewebe einwachsen können. Und dadurch entsteht Krebs.

Welche Arten von Lungenkrebs gibt es und welche ist am häufigsten?

Wir unterscheiden beim Lungenkrebs zwei unterschiedliche Typen:

  • einerseits das nicht-kleinzellige Bronchialkarzinom; das macht ungefähr 85 Prozent der Patienten aus,
  • auf der anderen Seite das kleinzellige Lungenkarzinom, das macht ungefähr 15 Prozent der Patienten aus.

Das kleinzellige Lungenkarzinom ist ein Tumortyp, der relativ schnell wächst, vor allem nur beim Raucher auftritt und sehr stark auf Chemotherapie und Strahlentherapie reagiert beziehungsweise aber leider Gottes recht rasch versteht, wie er einer Therapie ausweichen kann und bald wieder leider Gottes Resistenzen entwickeln kann.

Auf der anderen Seite haben wir das nicht-kleinzellige Bronchialkarzinom. Das macht die größte Gruppe der Patienten aus. Hier unterscheiden wir vier Kerngruppen:

  • Das ist einerseits das Adeno-Karzinom, das mit zirka 60 Prozent die größte Gruppe darstellt, sowohl beim Nichtraucher als auch beim Raucher auftreten kann.
  • Dann haben wir das Plattenepithel-Karzinom, eine typische Rauchererkrankung,
  • und das großzellige Karzinom. Das großzellige unterscheiden wir wieder zwischen einem neuroendokrinen und nicht-neuroendokrinen, aber das ist eine prinzipiell sehr kleine Gruppe von Patienten.

Wenn wir den Tumor nicht irgendwo zuordnen können zu dem Platten-, Adeno-Karzinomen oder zu den großzelligen Karzinomen, bezeichnen wir ihn als NOS, „not otherwise specified“ aus dem Englischen, also wo man nicht zuordnen kann, zu welcher Gruppe die Patienten gehören. Da können wir nur sagen: „nicht-kleinzelliges Bronchialkarzinom NOS“.

Was ist ein kleinzelliges Bronchialkarzinom?

Das kleinzellige Lungenkarzinomen ist die typische Raucher-Krebserkrankung. Es handelt sich hier um einen Tumortyp, der eine sehr hohe oder sehr rasche Tumorverdoppelungszeit aufweist. Das heißt: Nach der Diagnosesicherung ist es wichtig, sehr rasch eine Therapie diesbezüglich auch einzuleiten.

Dieser Tumor hat die Eigenschaft, relativ schnell auch über die Blutbahn Metastasen zu machen. Darum ist eine Ganzkörperuntersuchung hier unbedingt wichtig. Diese sollte inkludieren den Kopf, einen Knochenscan und verschiedenste Organe dargestellt wie Lunge, Leber, Nebenniere.

Die Erkrankung spricht sehr gut auf die Chemotherapie an, wo wir auch jetzt eine Zulassung später beim fortgeschrittenen Karzinom auch für die Immuntherapie haben. Also hier wird die Chemotherapie plus/minus Immuntherapie gegeben bzw. sprechen die Tumore auch gut auf die Strahlentherapie an. Und es wird auch hier überlegt, wenn der Patient geheilt wird oder ein sehr gutes Ansprechen hat, den Kopf sicherheitshalber zu bestrahlen oder zumindest mit dem Patienten zu diskutieren, weil auch hier Metastasen bei einer guten Tumorkontrolle auftreten können. Darum ist auch diese Ganzhirnbestrahlung, die prophylaktische Ganzhirnbestrahlung ohne Vorhandensein von Hirnmetastasen mit dem Patienten zu diskutieren.

Was ist ein nicht-kleinzelliges Bronchialkarzinom?

Das nicht-kleinzellige Bronchialkarzinom ist die größte Gruppe. Der stärkste Vertreter hieß hier das Adeno-Karzinomen, das schleimbildende Karzinom, das sowohl beim Raucher- als auch beim Nichtraucher-Patienten auftreten kann. Früher hat man gesagt: „Das ist das typische Karzinom der nie rauchenden Frau.“ Das hat sich aber geändert, weil jetzt genauso Frauen wie auch Männer leider Gottes gleich häufig rauchen und auch der Anteil der Männer und Frauen nahezu ident ist, die zu uns kommen mit dem Lungenkarzinom.

  • Hier ist das Adeno-Karzinom der häufigste Vertreter, wo es auch am meisten Entwicklungen in Bezug auf zielgerichtete Therapie, Immuntherapie in der letzten Zeit gegeben hat. Diese Therapien sind großteils bei lokal fortgeschrittenen oder beim fortgeschrittenen Karzinom derzeit zugelassen. Aber das Adeno-Karzinom eben hier die größte Gruppe, wo wir am meisten Entwicklungen haben.
  • Dann haben wir die zweite größere Gruppe. Es sind die Plattenepithel-Karzinome. Die Plattenepithel-Karzinome sind Erkrankungen, die vor allem beim Raucher auftreten, Tumore, die jetzt nicht direkt irgendwo hineinwachsen, aber eher expansiv und verdrängend wachsen, typischerweise bei Patienten, die starke Zigaretten geraucht haben und diese tief inhaliert haben. Zum Unterschied das Adeno-Karzinom, das in der Peripherie entsteht, wenn man leichtere Zigaretten raucht, wieder den Rauch tiefer inhaliert. Dadurch entsteht hier das Karzinom eher außen. Also das Plattenepithel-Karzinom typischerweise zentraler gelegen, das Adeno-Karzinom an der Peripherie.
  • Die dritte Gruppe ist die Gruppe des NOS, not otherwise specified, wenn man die nicht zu einer dieser genannten Gruppen zuordnen kann.
  • Und sehr selten zum nicht-kleinzelligen Bronchialkarzinom ist noch das großzellige Karzinom, eine sehr kleine Gruppe mit zwei bis drei Prozent dieser Gruppe, die auch zu dieser Gruppe zählen.

Wo kann Lungenkrebs in der Lunge auftreten?

Wo kann Lungenkrebs auftreten? – Prinzipiell ist zu sagen, dass wir auf der rechten Seite der Lunge drei Lappen haben, auf der linken Seite zwei Lappen. Also dort, wo die Herzseite ist, ist ein Lappen weniger. Das Lungenkarzinom kann prinzipiell überall in der Lunge auftreten.

  • Früher war das Plattenepithel-Karzinom, das sehr zentral lokalisiert war, die typischste Erkrankung. Hier hat man vor allem das zurückgeführt auf Zigaretten, die ohne Filter geraucht worden sind, starke Zigaretten, die nicht sehr tief inhaliert worden sind. Darum ist das Karzinom eher in der sehr zentralen Region entstanden.
  • Die Adeno-Karzinome, die durch die Leicht-Zigaretten jetzt häufiger zu finden sind, sind eher in der Peripherie zu finden. Peripherie heißt also weiter außen, brustwandnäher als die Plattenepithel-Karzinome, weil der Rauch tiefer inhaliert wird. Und hier entsteht das Adeno-Karzinom, das schleimbildende Karzinom, üblicherweise auch weiter außen.

Von der Lokalisation her oder von der Größe etc ausgehend müssen wir immer eine individuelle Therapieentscheidung treffen. Ob das jetzt im Oberlappen, Unterlappen, Mittellappen zu finden ist, hat auf die therapeutische Entscheidung individuell nur einen Einfluss.

Hier geht es zum Video-Interview: „Was ist Lungenkrebs?”

Risikofaktoren und Entstehung

Wie entsteht Lungenkrebs?

Lungenkrebs tritt gehäuft ab dem 50. Lebensjahr auf. Lungenkrebs ist eine Erkrankung, die häufig durch eine chronische Entzündung entsteht. Durchs Rauchen entsteht eine chronische Entzündung in der Lunge, und durch die chronische Entzündung, durch dieses permanente Zuführen von Rauch entstehen dann über die Zeit bösartige Zellen, die dann zu diesem Lungenkrebs führen können.

Wir haben aber auch Patienten, die nie geraucht haben. Hier ist die Erkrankung auch manchmal bei jüngeren Menschen zu sehen, wobei die Erkrankung vom Nie-Raucher grundlegend anders ist wie die vom Raucher.

10 Prozent, 15 Prozent der Patienten haben sehr kurz oder sehr leicht geraucht beziehungsweise nie geraucht. Und diese Erkrankung ist eine ganz andere wie des Rauchers.

Wie kann ich mein Lungenkrebsrisiko senken?

Die Antwort hier ist sehr einfach: Wie kann ich mein Lungenkrebsrisiko senken? Sind Sie ein aktiver Raucher? Bitte dämpfen Sie jetzt für immer die Zigarette aus und rauchen Sie nicht mehr. Das zahlt sich aus. Das Risiko, einen Lungenkrebs zu entwickeln, wird dadurch deutlich reduziert.

Sollten Sie eine Partnerin oder einen Partner haben, der zu Hause raucht, ist es ganz wichtig, auch den Partner oder Partnerin zu motivieren, mit dem Rauchen aufzuhören. Es sollte nicht zu Hause geraucht werden. Passivrauchbelastung ist ein extrem hoher Risikofaktor.

Meine Empfehlung: Wenn jemand nicht, wenn der Partner oder die Partnerin nicht aufhören können: hinausgehen, die Tür zu machen, nicht im Flur oder woanders rauchen, vielleicht nur höchstens auf dem Balkon oder auf der Straße rauchen, und dann gleich wieder nach fünf Minuten Ausatemluft erst wieder hineingehen.

Das Problem ist: Wenn man draußen raucht, ist die Vorzeigewirkung wieder da. Das heißt: Auch die Werbung für das Rauchen sollte man tunlichst einschränken.

Darum bin ich auch ein Befürworter, auf Spielplätzen, vor Schulen nicht zu rauchen, in Schulen nicht zu rauchen, um einfach eine gewisse Vorbildwirkung hier zu haben. Das wäre ein ganz wichtiger Punkt, um uns hier zu verbessern.

Österreich war früher letztplatziert im Nichtraucherschutz. Wir haben uns hier deutlich verbessert. Durch das Rauchverbot in Lokalen ist es zu einer positiven Entwicklung gekommen. Der bessere Nichtraucherschutz in Österreich wird sich aber erst in den nächsten Jahren widerspiegeln in den Lungenkrebszahlen.

Ein Raucherstopp ist oft schwer. Es ist eine Sucht, ein Suchtverhalten da.

Nikotin selber kann substituiert werden. Das ist der Hauptauslöser der Sucht. Nikotin kann substituiert werden, und dadurch ist kein erhöhtes Risiko, einen Lungenkrebs zu entwickeln.

Aber die Rauchinhaltsstoffe, dies sind die wichtigsten Faktoren, die diesen Lungenkrebs befürworten können.

Wie häufig ist Lungenkrebs, und sind Männer und Frauen gleich häufig betroffen?

Wir haben etwa 4.000 bis 4.500 Neuerkrankungen pro Jahr in Österreich. Früher war es eine Erkrankung, die vor allem Männer betroffen hat. Jetzt haben die Frauen im Rahmen der Emanzipation auch aufgeholt, und es sind Männer und Frauen in etwa gleich häufig betroffen.

Wie ich begonnen habe in den 95er Jahren waren fast nur Männer bei uns in Betreuung. Da hat sich jetzt das Bild eigentlich komplett geändert. Wir haben Männer als auch Frauen gleich häufig in Behandlung. Und das, glaube ich, wird sich jetzt auch so fortführen, weil Männer und Frauen gleich häufig noch immer rauchen. Ich hoffe, dass das Rauchverhalten bei beiden Gruppen sich deutlich reduzieren wird.

Was sind die wichtigsten Risikofaktoren für Lungenkrebs?

Hauptrisikofaktor für den Lungenkrebs ist das Rauchen. 85 Prozent unserer Patienten haben einmal geraucht oder sind aktive Raucher, wenn sie zu uns kommen.

Ich höre häufig das Argument: „Ich habe vor fünf Jahren aufgehört.“ Es zahlt sich aus, wenn Sie aufhören und ein aktiver Raucher jetzt sind und Sie hören jetzt auf, ist das Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken, deutlich niedriger in der weiteren Folge. Aber das Risiko geht nicht komplett verloren.

Andere Faktoren für den Lungenkrebs sind zum Beispiel die chronische Bronchitis, die COPD, eine typische Erkrankung, die in Österreich sehr häufig vorkommt, auch mit dem Rauchen aber primär im Zusammenhang ist. Aber die Kombination von COPD und Rauchen spielt eine zentrale Rolle.

Es gibt andere Faktoren wie Quarzstaub, Asbest, also inhalative Noxen, die zugeführt werden, die auch zu einem erhöhten Risiko von Lungenkrebs führen.

Es gibt Daten zur Unterernährung, zur genetischen Disposition, dafür eine Studie nur nennen. Eine isländische Studie, die sich über vier Generationen angeschaut hat und geschaut hat, wie häufig Patienten hier Lungenkrebs wickeln, ob das hier vererbbar ist, es ist ein gewisses Potenzial der Vererbung, wobei wir in Bezug auf die Vererbung noch keine genetischen Faktoren derzeit vorzeitig messen können.

Kann Lungenkrebs vererbt werden?

Eine sehr wichtige Frage, die ich aber aufgrund von Daten derzeit nicht beantworten kann. Wir sehen eine gehäufte familiäre Disposition. Das heißt, dass wir in Familien manchmal gehäuft Lungenkrebs finden. Aufgrund der Testungen, die wird derzeit zur Verfügung haben, haben wir aber noch nicht sagen können: Da liegt ein gewisses Maß… Also wir wissen, dass es eine Veranlagung gibt. Aber dass ein gewisser Tumortyp weiter vererbbar ist, ist nicht zu sehen.

Wir haben auch derzeit noch keine Möglichkeit, eine gewisse genetische Disposition im Vorfeld auszuschließen. Darum kann ich dafür auch noch derzeit keine Empfehlung machen. Über eine Blutabnahme oder durch ein genetisches Profiling haben wir derzeit noch keine Daten. Ich bin mir aber sicher, dass in den nächsten Jahren diesbezüglich etwas kommen wird.

Warum bekommen auch NichtraucherInnen ist Lungenkrebs?

85 Prozent unserer Patienten, 90 Prozent unserer Patienten haben einmal geraucht. Trotzdem gibt’s Patienten, die haben nie geraucht.

Risikofaktoren wären zum Beispiel hier eine seltene Lungenfibrose, idiopathische Lungenfibrose, eine Asbestbelastung, Quarzstaub, andere Dinge, die hier inhaliert werden, die ein gewisses Risiko darstellen.

Trotzdem gibt es auch Patienten, die haben kein Risikoprofil, waren immer gesund, haben ganz gesund gelebt, und die haben dann eine seltene genetische Erkrankung wie zum Beispiel eine EGFR-Mutation oder eine ALK-Translokation im Lungenkrebs zu finden. Das sind typische Erkrankungen, die wir beim Nie-rauchenden Patienten sehen.

Diese Erkrankungen unterscheiden sich grundsätzlich enorm von dem Patienten, der geraucht hat, und sind in der Behandlung und in der Behandlungsstrategie ganz unterschiedlich.

Kann sich die Lunge vom Rauchen erholen?

85 Prozent unserer Patienten haben einmal geraucht oder sind Raucher. Ich höre sehr häufig das Argument: „Ich habe vor fünf Jahren aufgehört, und jetzt kriegen wir einen Lungenkrebs.“ Ich versuche es oft zu erklären: Sie reduzieren das Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken, deutlich, wenn Sie aufhören. Sie verlieren aber das Risiko nicht. Der Schaden, der gesetzt worden ist, bleibt. Wenn Sie weiter rauchen., erhöhen Sie noch weiter das Risiko. Aber der Schaden, der einmal gesetzt worden ist, geht nicht verloren.

Trotzdem zahlt es sich jederzeit aus, wenn Sie mit dem Rauchen aufhören. Sie reduzieren die Wahrscheinlichkeit, an Lungenkrebs zu erkranken, deutlich. Aber das Risiko eines Nie-Rauchers werden Sie nie erreichen.

Eine Legende geht immer wieder auch bei den Patienten herum: „Wenn ich sieben Jahre nicht mehr rauche, habe ich das selbe Risiko wie ein Nie-Raucher.“ Das ist leider ein großer Irrtum. Das Risiko werden Sie nie verlieren. Der Schaden, der einmal gesetzt worden ist, bleibt. Ein Schaden, wenn Sie sich die Hand abtrennen, die kann nicht mehr nachwachsen. Dasselbe ist mit der Lunge: Wenn Sie dort den Schaden setzen, wird die Lunge wird sich dort nicht mehr regenerieren können. Der Schaden bleibt. Sie verhindern aber, dass ein weiterer Schaden an der Lunge passiert.

Wie schädlich ist passives Rauchen?

Wir unterscheiden drei Arten von Rauchexposition:

  • Das ist einmal der primäre Handrauch, der Firsthand Smoke. Das ist so, dass man hier eben selber die Zigarette raucht, den Rauch selber inhaliert. Das stellt das höchste Lungenkrebsrisiko dar.
  • Dann gibt es den Secondhand Smoke. Das ist der Passivrauch, wenn Sie in ein Lokal gehen, zuhause der Partner raucht und Sie rauchen mit. Die Zigarette stellt ein erhöhtes Risiko dar, aber sicherlich nicht so hoch wie der Firsthand Smoke, also wenn Sie selber rauchen.
  • Dann gibt es noch den Thirdhand Smoke. Das ist, wenn Sie in der Wand, in Möbeln, Teppichen Rauchpartikel finden, stellt das auch ein gewisses Risiko dar. Das ist also der Thirdhand Smoke. Auch das stellt ein Risiko dar. Darum wäre es wichtig, eben in Räumen nie zu rauchen, weil das für das gesamte Umfeld oder für alle Menschen, die dort sind, ein Risiko darstellt.

Ist das Risiko auch erhöht, wenn ich nur wenige Zigaretten rauche?

Die Dosierung oder die Häufigkeit des Rauchens spielt scheinbar bei der Lungenkrebsentwicklung nicht so eine hohe Rolle wie diese tägliche Zufuhr der Zigarette. Das heißt: Wenn Sie täglich rauchen, die Menge ist schon auch entscheidend, aber nicht so entscheidend wie diese tägliche Zufuhr. Es ist fast egal, ob sie fünf oder zehn Zigaretten täglich rauchen. Auch die permanente Zufuhr des Rauches führt zu einer chronischen Entzündung und durch diese chronische Entzündung zu vielen Erkrankungen, auch eben Lungenkrebs. Und das kann verhindert werden, wenn Sie mit dem Rauchen aufhören.

Also klare Empfehlung: Jede Zigarette, die nicht mehr geraucht wird, ist ein Gewinn für Sie, für Ihre Umwelt und für Ihr Umfeld.

Ich kriege manchmal die Frage von Patienten: „Ich rauche ja nur jeden dritten Tag…“, oder „Ich rauche nur, wenn ich am Abend weggehe…“. Ich kann zusammenfassend sagen: Es gibt keine Zigarette, die gesund ist. Jede Zigarette, die geraucht wird, kann zu verschiedensten Erkrankungen führen, unter anderem Lungenkrebs, aber genauso zum Herzinfarkt, Schlaganfall et cetera. Es gibt keine gesunde Zigarette. Im Unterschied zum Alkohol, wo man sagt: „Ein kleines Bier oder einmal ein Glas Wein hat wahrscheinlich keinen gesundheitsschädigenden Wert.“

Die Zigarette ist immer schlecht für Sie.

Sind Wasserpfeife und E-Zigarette gesündere Alternativen zur Zigarette?

Wechseln Sie auch bitte nicht auf eine Wasserpfeife! Wasserpfeife ist möglicherweise noch toxischer als der normale Zigarettenrauch. Das heißt: Auch hier beim Wechsel auf eine Wasserpfeife kommt es zu einer Verbindung von Wasserstoffmolekülen mit Verbrennungsstoffen, die noch giftiger sind, auch teilweise vor Verbrennung von Obst oder derartigen Dingen oder von anderen Substanzen, das ist sehr gefährlich und stellt keine Alternative zum normalen Rauchen dar.

So auch unter Wasserpfeife rauchen: hohes Risiko einen Lungenkrebs zu entwickeln.

Zusätzlich Daten zur E-Zigarette haben wir noch weniger. Im längerfristigen Verlauf sollte es für ein paar Wochen eingesetzt werden, die E-Zigarette, um überhaupt aufzuhören, muss ich es akzeptieren. Aber auch die E-Zigarette im längerfristigen Verlauf: Aus medizinischer Sicht keine Empfehlung dafür.

Hier geht es zum Video-Interview: „Risikofaktoren und Entstehung”

Symptome und Verlauf

Wie macht sich Lungenkrebs bemerkbar?

Typische Beschwerden beim Lungenkarzinom sind – es gibt nicht so ein ganz klassisches Kardinalsymptom. Ein Drittel der Patienten können Bluthusten haben, typischerweise Atemnot. Es kann Husten auftreten, wenn jemand zum Beispiel immer hustet, wenn er eine COPD hat, eine chronische Bronchitis, ist ja das Husten kein untypisches Symptom. Aber eine Änderung des Hustencharakters wäre etwas, wo man sagt: „Da müsste ich an einen Lungenkrebs denken.“

Dann wären verschiedene sogenannte B-Symptomatiken: Gewichtsverlust, Leistungsknick, allgemeine Schwäche wären typische Beschwerden, die wir beim Lungenkrebs finden. Aber ich kann Ihnen jetzt nicht sagen: „Das ist ein typisches Beschwerdebild, das beim Lungenkrebs zu finden ist.“ Leider Gottes hat die Lunge selber keine Schmerzempfindung, und Beschwerden treten erst dann auf, wenn Strukturen, die eine gewisse Schmerzempfindung haben oder dann eben Beschwerden machen. Wenn erst mal Beschwerden auftreten, ist der Tumor schon an der gewissen Stelle fortgeschrittener.

Wo bildet Lungenkrebs häufig Metastasen, und wie werden diese behandelt?

Metastasen sind sogenannte Tochtergeschwulste vom Tumor. Das heißt, es trennt sich vom Haupttumor ein gewisser Teil ab über die Blutbahn, über die Lymphgefäße und siedeln sich dann in gewissen Gebieten ab.

Typischerweise beim Lungenkrebs sind Metastasen im Gehirn, in der Leber, Nebenniere, in der Lunge und den Knochen zu finden. Drum sind diese Regionen auch regelmäßig von unserer Seite in den Kontrolluntersuchungen zu untersuchen oder auf Beschwerden diesbezüglich eben einzugehen.

Bei einer systemischen Therapie wollen wir eben die Metastasen mit behandeln, und manchmal wissen wir, wenn auch der Tumor lokal nur betroffen ist, wollen wir in der Therapie dann eben eine systemische Therapie machen, um Metastasen woanders zu verhindern.

Wir haben auch gewisse Substanzen, die systemisch im Gehirn wirken. Wir haben Substanzen, die eben im Knochen spezifisch wirken oder in anderen Organen. Da müssen wir dann anhand des Metastasentyps uns orientieren.

Welche Symptome können bei Lungenkrebs auf Metastasen hinweisen?

Typische Metastasenorte, -lokalisation wären im Knochen beim Lungenkrebs, genauso auch im Gehirn oder in der Lunge oder auch Leber und Nebenniere. Je nachdem, wo diese Metastasen zu finden sind, können dann Beschwerden auftreten, z.B. Knochenmetastasen führen typischerweise zu Schmerzen am Knochen, führen zur Bewegungseinschränkung dort vielleicht an der Stelle. Das wäre ein Beschwerdebild, wo man als Arzt hellhörig werden würde.

Andererseits neurologische Veränderungen, Kopfschmerzen, Bewegungseinschränkungen, an Extremitäten können ein Hinweis sein für Hirnmetastasen. Jegliche neurologische Veränderung, da ist ein breites Spektrum zu finden.

Zusätzlich Schmerzen im rechten Oberbauch, wo die Leber zu finden wäre, wäre ein Hinweis mitunter auf eine Lebermetastasierung, um das kurz anzuschneiden. Wobei das Spektrum wirklich sehr umfassend ist und sehr schwer einzugehen. Darum bei jedem Beschwerdebild, das neu ist oder wo Sie irritiert sind: Bitte das dem Arzt immer mitzuteilen, um zu verhindern, dass was untergeht.

Wann soll ich eine Ärztin/einen Arzt aufsuchen?

Sind Sie Raucher, ist es ganz wichtig, regelmäßig zum Lungenfacharzt zu gehen, um hellhörig in Bezug auf einen Lungenkrebs zu sein. Es wird derzeit ein sogenanntes Screening-Programm für Lungenkrebs in die Wege geleitet in Österreich. Beim Stand derzeit, Jahr 2020, haben wir noch kein routinemäßiges Screening-Programm etabliert, wird aber bald kommen.

Sollten Sie an Lungenkrebs erkrankt sein und es tritt ein Beschwerdebild neu auf oder es sind irgendwelche Beschwerden, die Ihnen unklar sind, bitte immer einmal etwas zu viel sagen als zu wenig.

Sind Sie Raucher und Sie haben Atemnot, eine Änderung des Hustencharakters, Blut im Husten oder ähnliche Beschwerden — Bitte suchen Sie Ihren Lungenfacharzt auf, um diese Beschwerden mit ihm zu besprechen.

Ganz wichtig: Lieber einmal zu viel, als einmal zu wenig beim Arzt gewesen zu sein.

Warum sollte ich als RaucherIn regelmäßig zur Kontrolle beim Lungenfacharzt gehen?

Sind Sie Raucher, ist es ist ganz wichtig, regelmäßig zum Lungenfacharzt zu gehen, regelmäßige Kontrollen durchzuführen, um auch ein gewisses Risiko für den Lungenkrebs zu reduzieren.

Sind Sie Raucher und wollen nicht aufhören, ist es auch gut, zum Lungenfacharzt zu gehen, um motiviert zu werden.

Sind Sie Raucher und wollen unbedingt aufhören und schaffen Sie es nicht: Bitte suchen Sie den Lungenfacharzt auf, um eine Rauchentwöhnung durchzuführen.

Können Lungenröntgen, Bluttests oder Sputum-Untersuchungen zur Früherkennung von Lungenkrebs eingesetzt werden?

Mit einem Lungenröntgen, mit einer Blutabnahme oder mit einem Sputum-Test, also wo man hineinspuckt und vorzeitig versucht, etwas zu erkennen oder durch die Atemluft können wir derzeit Lungenkrebs nicht früh erkennen.

Ganz häufig: Der Raucher geht zum Lungenfacharzt, macht die Lungenfunktion, macht den Lungenröntgen. Es ist alles in Ordnung, und man hat dann so eine Art Pickerl – „Man kann weiter rauchen“. Das ist eine komplette Falschinformation. Wenn man zu dem Zeitpunkt, wo man beim Lungenfacharzt war, keinen Lungenkrebs hat, heißt das nicht, dass in der nächsten Zeit der Lungenkrebs ausgeschlossen ist.

Aber ein Lungenröntgen, Sputumanalysen, Blutabnahme dienen zum Screening, zur Früherkennung nicht.

Gibt es ein Screening-Programm für Lungenkrebs?

Wir haben vor einem Jahr in etwa Daten zum Lungenkrebs-Screening gesehen mit einem solchen Low-Dose-CT (Niedrig-Dosis-CT), das bei einer gewissen Risikogruppe, die regelmäßig geraucht haben ab einem gewissen Alter, ich glaube, das Alter war 50 Jahre alt, mit einem solchen Niedrig-Dosis-CT, das in regelmäßigen Abständen durchgeführt wird, eine Früherkennung gelungen ist, und dadurch auch die Lungenkrebssterblichkeit gesenkt worden ist. Diese Projekte waren vor der Corona-Krise in Planung. Diese Planung ist jetzt durch diese Corona-Krise, durch unsere Task Force der österreichischen Gesellschaft für Pneumologie und Radiologie etwas ins Stocken geraten. Ich hoffe, dass die Corona-Krise bald besiegt ist, dass wir uns dann bald wieder um diese Kernthemen Lungenkrebs-Screening, Lungenkrebs-Früherkennung kümmern können und etablieren können. Derzeit, in der jetzigen Situation gibt es aber noch kein entwickeltes Programm. Aber wir gehen davon aus, dass das in Kürze stattfinden kann.

Hier geht es zum Video-Interview: „Symptome und Verlauf”

Diagnose von Lungenkrebs

Wie wird Lungenkrebs diagnostiziert?

Um eine Diagnose Lungenkrebs auszusprechen, brauchen wir Material, brauchen wir eine Biopsie, und ohne Biopsie können wir die Diagnose Lungenkrebs derzeit nicht stellen. Über eine alleinige Blutabnahme, wo wir zirkulierende Tumor-DANN, -Erbgut versuchen nachzuweisen, ist nicht ausreichend. Wir brauchen eine Biopsie, und darum ist diese Materialgewinnung der Grundbestand in der Diagnostik.

Was ist eine Computertomographie (CT)

Die CT, das ist also eine Computertomographie, ist eine radiologische Untersuchung, eine Schichtaufnahme des Körpers, wo ganz gezielt verschiedene Regionen des Körpers, vor allem beim Lungenkarzinom da die Lunge und der Oberbauch oder der Bauch mit dabei, eine Schichtaufnahme durchgeführt wird, um genau zu sehen, was im Körper los ist.

Was kann man bei einer CT der Lunge sehen?

Das ist ein Beispiel für eine typische CT der Lunge, CT Thorax. Man muss sich bei der Untersuchung immer vorstellen: Hinter dem Bildschirm wäre der Kopf, vor dem Bildschirm wären die Beine, wie wenn man bei der Visite zu den Patienten kommt, und der Patient wäre so in Schichten geschnitten.

Sie sind hier im Bild in etwa im unteren Bereich der Lunge zu sehen. Hier wäre die Wirbelsäule, hier die Rippen, hier der untere Teil des Brustbeins, hier das Herz. Was hier auffällig ist: Wenn man hier die beiden Seiten vergleicht, sieht man hier eine Veränderung, die hier dem Herzbeutel anliegt und hier ein kleiner Atemweg.

Generell ist es immer so: Schwarz ist Luft, Weiß ist Struktur, die hier zu finden ist. Hier die normale Lungenstruktur mit den Gefäßen und den Atemwegen darzustellen bzw. hier eben eine Veränderung, die hier nichts zu suchen hat im normalen Leben und hier wieder mit der Bronchoskopie ein Lungenkrebs auf der rechten Seite nachgewiesen.

Was ist eine Bronchoskopie, und wozu dient sie?

Lungenkrebs wird in der Regel über eine sogenannte Bronchoskopie diagnostiziert. Während der Patient eine Vollnarkose bekommt, in der Regel bei uns, aber es kann auch sein, dass man so eine Lokalanästhesie macht, wird ein Bronchoskop, so ähnlich wie ein Gastroskop, das wäre für den Magen, aber das Bronchoskop wäre für die Atemwege, für die Bronchien, wird ein Endoskop hier eingeführt, um hier ganz gezielt von Veränderungen der Lunge Proben zu entnehmen. Es gibt hier unterschiedliche Techniken und neuere Entwicklungen. Wir haben zum Beispiel Ultraschallsonden, die auch eingebracht werden, wo dann ganz gezielt von kleineren Herden auch Proben entnommen werden können.

Es gibt sogenannte Elektronavigationsgeräte, wo wir mit Computersteuerungen ganz kleine Herde auch erwischen können. Was die Bronchoskopie betrifft, was den Goldstandard in der Diagnostik betrifft, gibt es wirklich viele Entwicklungen.

Wie läuft eine Bronchoskopie ab?

Die Bronchoskopie stellt den Goldstandard in der Biopsie- und der Materialgewinnung dar. Wir haben unterschiedliche Techniken, unterschiedliche Patienten, unterschiedliche Lokalisationen, wo ein Tumor zu finden ist.

Wir haben Patienten, die ambulant bronchoskopiert werden. Wenn wir ein gewisses Risikoprofil haben, machen wir die Bronchoskopie stationär.

Wir haben Patienten, wo wir in Vollnarkose häufiger die Bronchoskopie machen, um ausreichend Geräte einzubringen, möglichst viel Proben auch zu gewinnen und viel gezielter hier einzugehen.

Wir haben aber auch Patienten, wo wir ein höheres Risiko haben und auch die Bronchoskopie unter Lokalanästhesie machen können.

Bei der ambulanten Bronchoskopie wäre der Vorteil, dass der Patient am selben Tag wieder nach Hause gehen kann bzw. bei der stationären ist es meistens notwendig, wenn man sagt: „Das Risikoprofil ist da, oder die Ressourcen sind so gepoolt“, dann muss der Patient für ein, zwei Nächte mitunter da sein.

Können Proben auch anders als durch eine Bronchoskopie entnommen werden?

Alternativen wäre eine CT-gezielte Biopsie, wo von außen nach einer lokalen Vereisung, lokalen Narkose dort CT-gezielt eine Nadel eingeführt wird von außen, um hier Proben zu bekommen.

Alternativ besteht auch die Möglichkeit, Ultraschall-gezielt Proben von suspekten Regionen zu bekommen.

Generell ist aber zu sagen, dass die Bronchoskopie den Standard, also die Spiegelung der Atemwege, den Standard bei der Biopsie darstellt.

Wie wird eine Gewebeprobe entnommen und wieso?

Eine Biopsie ist eine Materialgewinnung, wo wir mit einer Nadel in eine Läsion, die wir nicht abschätzen können, ganz gezielt hineinstechen. Es gibt auch den Ausdruck Punktion. Bei der Punktion verwenden wir in der Regel eine kleinere Nadel, bei der Biopsie eine etwas größere Nadel.

In der Behandlung des Lungenkarzinoms ist die Materialgewinnung ein ganz elementarer Bestandteil. Je mehr Material, desto besser, weil wir dann viel besser unterschiedliche Veränderungen, Rezeptoren, Mutationen im Tumorgewebe feststellen können. Darum sind wir manchmal etwas aggressiver in der Materialgewinnung als früher, weil es früher ausgereicht hat zu sagen: „Lungenkrebs ist da.“ Jetzt müssen wir viel mehr über diesen Lungenkrebs wissen. Und darum sind große Biopsate heute von großer Bedeutung.

Was ist ein PET-CT?

Die PET-Untersuchung, die oft mit der PET-CT kombiniert wird, Positronen-Emissions-Tomografie. Es handelt sich hier um eine Untersuchung, wo Sie eine Art Zuckerlösung kriegen, die radioaktiv markiert ist, und die geht überall dort hin, wo Zucker verstärkt metabolisiert wird, also umgesetzt wird. Im Tumor wird üblicherweise Zuckerstärke umgesetzt. Dadurch geht man davon aus, dass bei einer PET-CT diese Läsionen verstärkt leuchten.

Es gibt aber auch gesunde Strukturen, die verstärkt Zucker speichern. Das wäre das Gehirn zum Beispiel, die Harnblase lagert dann auch vermehrt dieses Mittel ein. Auch das Herz. Dadurch leuchten diese Strukturen genauso. Auch entzündliche Strukturen können leuchten. Was heißt das? Wenn im PET etwas leuchtet, heißt das nicht unmittelbar, dass das immer unbedingt böse ist. Eine PET-positive Struktur sollte in der Regel, wenn wir das abschätzen, auch wenn es unklar ist, auch bioptisch gesichert werden, weil eben eine PET-positive Läsion nicht sicher immer böse bedeutet.

Was sieht man bei einer PET-CT?

Es handelt sich hier um eine PET-CT. Wie ich vorher erklärt habe, wird hier eine Zuckerlösung verabreicht, die überall dort hingeht, wo verstärkt Zucker umgesetzt wird oder vermehrt Zucker gebraucht wird. Hier sehen wir die Wirbelsäule, hier die Rippen rechts links, Schulter, hier ein Teil vom Kopf angeschnitten, hier die Harnblase. In der Harnblase bzw. im Kopf ist diese Substanz eindeutig zur Anreicherung gekommen. Was aber hier auffällt, ist im Bereich der linken Lunge hier eine verstärkte Anfärbung, wo wir aufgrund dieses Befundes einen hochgradigen Verdacht auf einen Lungenkrebs aussprechen müssen und dadurch durch eine bioptische Sicherung entscheiden müssen: Liegt hier eine bösartige Erkrankung vor?

Zusätzlich haben wir hier eine Veränderung im Bereich des Magens gefunden, die wir auch mit einer Magenspiegelung dann abklären müssen bzw. auch hier eine Veränderung im Bereich des Darmtraktes, wo wir aufgrund dieser Untersuchung einen Zufallsbefund im Darm haben, dem wir dann eben auch nachgehen müssen. Das wäre das Beispiel für eine PET-CT.

Hier geht es zum Video-Interview: „Diagnose von Lungenkrebs”

Stadien und Prognose

Was bedeuten die Begriffe „Staging“ und „Grading“?

„Staging“ heißt die Stadiumerstellung der derzeitigen Tumorsituation. Wir entscheiden anhand verschiedenster Faktoren, welche Therapie der Patient bekommt. Dafür ist das Stadiumeinteilung ein ganz elementarer Punkt.

Neben dem Stadium müssen wir wissen, was für ein Tumortyp vorliegt, welche anderen Erkrankungen der Patient hat, was sind die Wünsche des Patienten? Also das sind viele individuelle Faktoren, aber das Staging, diese Stadiumeinteilung ist ganz elementar in diesem Entscheidungsprozess. Für ein Staging können wir eben einsetzen CT, PET-CT, MRT, Ultraschall sind solche diagnostischen Methoden, um die Stadiumeinteilung bestmöglich durchzuführen.

Wofür stehen die Abkürzungen T, N und M und was haben sie mit Staging zu tun?

Die TNM-Klassifikation ist der Grundbaustein des gesamten Staging, der Stadiumeinteilung:

  • T steht für Tumor
  • N für den Nodulus, den Lymphknoten und
  • M für eine Metastase, Fernmetastase.

Hier haben wir verschiedene Einteilungen, um der Tumorausdehnung einen gewissen Namen zu geben und dann die weitere Therapieeinteilung zu treffen.

Warum wird eine Lungenkrebserkrankung mittels Staging und Grading eingeteilt?

Um die Erkrankung des Patienten bestmöglich zu beschreiben, haben wir verschiedene Merkmale, die dann in der Therapieentscheidung ganz elementar sind. Elementar ist die Tumorausdehnung, und um die Tumorausdehnung ist es eben wichtig: Wie schaut der Tumor selber aus? Hat der im Lappen selber Metastasen abgebildet? Gibt es Metastasen irgendwo anders im Lungengewebe? Wie schaut die Lymphknotensituation aus? Ist das nur ein Lymphknoten, der lokal betroffen ist? Ist ein Lymphknoten noch woanders betroffen? Drum eben N1, N2, N3: N1 eins wäre lokaler, N3 ein etwas weiter entfernter Lymphknoten betroffen.

Und M: Wie weit liegen Fernmetastasen vor? M0 heißt keine Fernmetastasen. M1 würde hier bedeuten, dass hier Fernmetastasen vorliegen.

Hat das Stadium Auswirkungen auf meine Behandlung?

Das Stadium oder Staging des Patienten ist elementar, um verschiedene Methoden der Therapie einzuleiten. Hat man ein lokales Stadium, also keine M1-Situationen, also eine M0-Situation, kommen vor allem lokale Maßnahmen zum Tragen, die manchmal mit systemischen Therapien kombiniert werden.

Liegt eine M1-Situation vor, ist die systemische Therapie, die Gesamtheit der Erkrankung im Fokus zu rücken.

Anhand von gewissen Stadien aber Prognosen, Überlebenschancen klar abzubilden bei einem Individuum, ist unmöglich. Es sind viele Faktoren, die in die Prognose, in die Abschätzung des Rezidivs eine elementare Rolle spielen. Bei manchen Dingen kann man Einfluss nehmen, wenn zum Beispiel ein Patient operiert wird, bestrahlt wird, eine Therapie bekommt, und er raucht weiter, trägt er selber ein viel höheres Risiko mit sich. Wenn er aufhört mit dem Rauchen, ist ein enormer Beitrag da.

Dann gibt es Faktoren, biologische Faktoren, die wir nicht beeinflussen können.

Manchmal finden wir einen ganz bestimmten Rezeptor, eine Mutation, ein ganz bestimmtes Merkmal am Tumor, das wir ganz gezielt behandeln können, und dadurch auch im fortgeschrittenen, im Endstadium können wir doch Patienten sehr, sehr lange behandeln. Und ich kann Ihnen sagen aus meiner Erfahrung: Ich habe in den 90er Jahren begonnen, Lungenkrebs zu behandeln, und wir haben enorme Fortschritte ab 2000 gemacht, und ich behandele Patienten auch im fortgeschrittenen Stadium schon über Jahrzehnte, was möglich ist. Natürlich ist jeder Mensch ein Individuum. Natürlich ist ein fortgeschrittenes Stadium prognostisch eher ungünstiger. Aber wie ein Mensch, was man machen kann, hängt davon ab, und die Fortschritte sind da. Aber es ist nicht das Stadium entscheidend, es sind die Kommorbiditäten, welche anderen Erkrankung noch vorliegen, welcher Typ der Erkrankung vorliegt, welche Methoden zum Tragen kommen. Und nur alleine vom Stadium zu sagen: „Jetzt ist alles aus…“ wäre nicht richtig.

Inwiefern unterscheidet sich die Prognose in früheren und in späteren Stadien?

Eine Prognoseabschätzung ist generell immer extrem schwierig. Unsere Therapien und unsere diagnostischen Methoden sind komplett individuell, und auch die Prognose eines Patienten hängt nicht von einem reinen Stadium ab. Darum versuche mich immer zu hüten, wenn mich der Patient fragt: „Wie lang habe ich noch zu leben? Oder wie hoch ist meine Heilungschance? Kann man das anhand von statistischen Daten nicht abbilden?“ Darum dürfen Sie auch nicht von mir erwarten, dass ich anhand eines Tumorstadiums sage: „Solange wird noch ein Patient leben, oder so gut schaut die Heilungschance aus.“

Wir haben früher, 2009, neueste Methoden in der Behandlung entwickelt, zielgerichtete Therapien, Immuntherapien, die in unterschiedlichen Stadien zum Tragen kommen und wir Patienten viel länger als früher behandeln können. Jeder Mensch ist ein Individuum, und jeder Mensch kann unterschiedlich auf verschiedene Therapien ansprechen. Und auch wenn ein Patient zum Beispiel eine M1-Situation hat, also eine fernmetastasierte Situation, heißt das nicht, dass er morgen stirbt. Ich habe Patienten, die ich schon seit sehr langer Zeit, jetzt schon über Jahrzehnte behandele, und wo eine Fernmetastasierung vorliegt.

Die Entscheidung von einem Patienten ist immer individuell. Die Komorbidität, also die zusätzlichen Erkrankungen spielen eine Rolle. Es ist also nicht nur das Stadium, das die Prognose des Patienten beeinflusst, sondern die Gesamtsituation. Und das möchte ich betonen und nicht sagen: „Das Stadium schaut so aus, solange lebt der Patient noch.“

Wie unterscheidet sich Lungenkrebs bei RaucherInnen und NichtraucherInnen?

85, 90 Prozent unserer Patienten sind Raucher, Ex-Raucher. Es gibt einen Teil, die haben nie geraucht und aus den Wolken fallen, warum man als Nie-Raucher auch Krebs entwickeln kann. Es gibt hier eine seltene idiopathische Lungenfibrose, derartige Erkrankungen, und durch diese chronischen Entzündungen können diese Patienten auch Krebs entwickeln.

Es gibt Noxen, die inhaliert werden, wie Asbest, wie Quarzstaub zum Beispiel, verschiedene Gifte, die hier inhaliert werden, die zu Lungenkrebs über die chronische Entzündung führen können.

Dann gibt es aber auch Patienten, die haben nie geraucht. Und das sind dann Patienten, bei denen wir einen Lungenkrebs diagnostizieren und dann sehr häufig Mutationen, ganz bestimmte genetische Veränderungen im Tumor finden. Diese werden dann ganz gezielt, ganz anders behandelt als die Erkrankung vom Raucher und vom Nichtraucher.

Ich kann das so zusammenfassen: Nie rauchende Patienten erhalten vor allem grade am Anfang aufgrund eines genetischen Profilings vor allem eine zielgerichtete Therapie. Das würde vor allem Tabletten bedeuten. Manchmal finden wir aber auch beim Nie-Raucher keine dieser Veränderungen. Aber im Großteil finden wir Veränderungen, die wir jetzt gezielt behandeln können mit Tabletten.

Bei der andere Gruppe der Raucher kann genauso manchmal eine Mutation zu finden sein. Aber vor allem ist das hier eine Domäne von der Immuntherapie plus Chemotherapie im fortgeschrittenem Lungenkarzinomsetting.

Was kann ich selbst tun, um meine Prognose zu verbessern?

Von meiner Empfehlung ganz klar: Mit dem Rauchen aufzuhören. Und wir haben jetzt auch ganz aktuell amerikanische Daten gesehen: Patienten, die erkranken und vor fünf Jahren zum Beispiel aufgehört haben, ein deutlich längeres und besseres Überleben haben als Patienten, die zum Zeitpunkt der Diagnose noch rauchen.

Patienten, die nach der Diagnosestellung auch aufhören, haben im Durchschnitt immer ein deutlich besseres Gesamtüberleben. Das heißt: Auch wenn Sie erkranken an Lungenkrebs, jetzt noch aktiver Raucher sind und jetzt aufhören, zahlt sich das maximal aus und ist ein ganz elementarer Bestandteil der Therapie.

Hier geht es zum Video-Interview: „Stadien und Prognose”

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Geprüft OA Dr. Maximilian Hochmair: Stand 08.09.2020 | AT-3781 | Quellen und Bildnachweis

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