3. Nervenschmerzen durch äußere Ursachen

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Auch Zeckenstiche, Infektionen oder Verletzungen durch einen Unfall oder eine Operation können Nervenschmerzen verursachen. Was ist eine Post-Zoster-Neuralgie? Was hat ein Bandscheibenvorfall mit neuropathischen Schmerzen zu tun? Sind Nervenschmerzen bei HIV möglich? Welche Vitamine helfen gegen Nervenschmerzen? OÄ Dr.in Gabriele Grögl geht auf wichtige Fragen ein zum Thema:

Welche Infektionen sind häufige Auslöser für Nervenschmerzen?

Da sind zweifelsohne zwei Infektionen zu nennen, nämlich

  • einmal die Herpes-Zoster-Infektion
  • und die HIV-Infektion.

„Welche Menschen sind besonders gefährdet, eine Herpes-Zoster-Infektion zu bekommen?“, werden Sie sich vielleicht fragen. Das sind vor allem alte Menschen und Menschen mit Tumorerkrankungen. Und warum ist das so? Weil sowohl bei älteren Personen als auch bei Patienten mit Tumorerkrankungen das Immunsystem oftmals nicht optimal funktioniert und hier die Wahrscheinlichkeit größer ist, dass es zum Auftreten einer Herpes-Zoster-Infektion mit den leider darauf folgenden Nervenschmerzen kommen kann.

Wie entstehen Nervenschmerzen nach einer Gürtelrose und wie lange dauert diese Erkrankung?

Als Gürtelrose wird die Zoster-Infektion bezeichnet, und die Post-Zoster-Neuralgie ist dann die Nervenschmerzsymptomatik, die nach einer Zoster-Infektion mehr oder weniger lang andauern kann.

Nervenschmerzen nach einer Gürtelrose entstehen klarerweise dadurch, dass wieder eine Nervenschädigung durch das Virus entsteht.

Wie lange diese Erkrankung dauert, das ist eine Frage, die auch oft von Patienten an mich gestellt wird. Diese Frage kann ich nicht beantworten.

  • Es gibt Verläufe, wo Patienten nach einer Infektion jahrelang unter Schmerzen leiden.
  • Und es gibt glücklicherweise aber auch Verläufe, wo es nach einiger Zeit zum kompletten Abklingen der Schmerzsymptomatik kommt.

Warum kann eine HIV-Infektion zu Nervenschmerzen führen?

HIV-Infektionen führen leider gar nicht so selten zum Auftreten von Nervenschmerzen.

  • Einerseits ist dafür das HIV-Virus selbst verantwortlich, das zu einer Nervenschädigung führen kann.
  • Auf der anderen Seite sind auch die antiviralen Therapeutika dafür verantwortlich, weil auch diese manchmal zu Schädigungen der Nervenstrukturen führen können.

Nervenschmerzen und Infektionen

Nervenschmerzen können durch Infektionen wie HIV und Herpes Zoster (Gürtelrose) verursacht werden. In selteneren Fällen können Zeckenstiche oder andere Infektionen Nervenschmerzen auslösen.

Nervenschmerzen und Zeckenstiche

Zecken können durch ihren Stich das Borreliosebakterium übertragen, das im Spätstadium Nervenschmerzen auslösen kann. Allerdings überträgt maximal jede dritte Zecke das Bakterium und nur jede/r hundertste Betroffene entwickelt eine Borreliose.

So können Sie sich vor Zecken und Borreliose schützen:

  • Tragen Sie bedeckende Kleidung und festes Schuhwerk, wenn Sie im Wald spazieren gehen.
  • Suchen Sie Ihren Körper nach dem Aufenthalt im Freien nach Zecken ab. Kontrollieren Sie warme, feuchte Stellen, insbesondere die Kniekehlen.
  • Entfernen Sie die Zecke nach einem Zeckenstich zeitnah mit einer spitzen Pinzette.

Beobachten Sie die Stichstelle nach der Entfernung, um auf mögliche Infektionszeichen wie eine wandernde Röte aufmerksam zu werden.

Nervenschmerzen und andere Infektionskrankheiten

Das Guillain-Barré-Syndrom (GBS) kann nach Infekten wie zum Beispiel Durchfallerkrankungen auftreten. Nach dem Infekt bilden sich körpereigene Stoffe, die die Schutzhülle der Nerven abbauen. Deshalb ist die Informationsweiterleitung der Nerven gestört. PatientInnen entwickeln rasch Bewegungsstörungen in Armen und Beinen, die sich langsam meistens wieder komplett zurückbilden. Die typischen Schmerzsymptome sind zu Beginn der Erkrankung auftretende Glieder- und Rückenschmerzen.

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Warum und wie kann es nach einem Bandscheibenvorfall zu Nervenschmerzen kommen?

Es kommt nicht nach einem Bandscheibenvorfall zu Nervenschmerzen, es kommt durch und im Rahmen des Bandscheibenvorfalls zu Nervenschmerzen. Warum? Weil Nervenstrukturen eingeengt werden durch das Vorfallen der Bandscheibe, die im Bereich der Austrittskanäle der Wirbelsäule liegen. Durch diese Einengung dieser Nervenstrukturen kommt es zu einer Irritation des Nervengewebes und zum Auftreten der Nervenschmerzen.

Was sind chronische postoperative Schmerzen und wie entstehen sie?

Chronisch-postoperative Schmerzen sind per Definition Schmerzen, die länger als drei Monate nach einer Operation anhalten. Auch hier muss man wieder unterscheiden:

  • Ist es ein Nervenschmerz,
  • oder ist es ein nozizeptiver Schmerz, der durch die Gewebeschädigung selbst entstanden ist?

Der Nervenschmerz hat dabei wieder diese typische Symptomatik des Brennens, des Auftretens von plötzlichen, elektrisierenden, stechenden Schmerzen.

Was sind die Risikofaktoren für das Auftreten von chronischen Schmerzen nach Operationen? Da wissen wir, dass die Schmerzintensität, die nach einer Operation vor allem am ersten Tag nach der Operation vorhanden ist, offenbar eine ausschlaggebende Rolle spielt. Das heißt: Es ist ganz wichtig, dass darauf geachtet wird, dass die Schmerzintensität nach Operationen so gering wie möglich ausfällt.

Für Sie als Patient bedeutet das, dass Sie nicht davon ausgehen müssen, dass eine Operation mit Schmerzen verbunden ist, sondern es ist ganz wesentlich, dass Sie sich sofort melden, wenn nach der Operation Schmerzen vorhanden sind und dass Sie bitte nicht zuwarten, bis diese Schmerzen stark werden.

Was sind Phantomschmerzen und wie entstehen sie?

Phantomschmerzen sind Schmerzen, die nach einer Amputation in dem nicht mehr vorhandenen Körperteil empfunden werden. Das heißt: Wenn Ihnen ein Bein ab dem Knie amputiert wird, dann verspüren Sie diese Schmerzen im Bereich des Unterschenkels oder im Bereich der Füße, im Bereich der Zehen. Ein Amputationsschmerz kann aber auch beispielsweise auftreten bei Frauen, die aufgrund von Krebserkrankungen eine Brust verlieren. Auch da kann es nach der Operation noch zu Schmerzen in der Brust kommen, die nicht mehr vorhanden ist.

  • Auch hier sind degenerative Prozesse für das Auftreten der Nervenschmerzen verantwortlich.
  • Man weiß, dass es auch zu Umstrukturierungen im Bereich des zentralen Nervensystems, also im Bereich der Nervenstrukturen im Gehirn und im Rückenmarksbereich kommt.
  • Und auch die blind endenden Nerven können durch das umgebende Gewebe irritiert und gereizt werden.

Wann kommt es zu einem Engpasssyndrom und wie hängt es mit Nervenschmerzen zusammen?

Der Name Engpasssyndrom sagt schon, wodurch dieser Nervenschmerz ausgelöst werden kann, nämlich durch die Engstellung im Bereich von anatomischen Strukturen, wo Nervenfasern durchziehen. Das sind typischerweise

  • im Bereich des Handgelenks der Karpaltunnelbereich,
  • im Bereich des Fußes der Tarsaltunnelbereich.

Durch die Engstellung, durch die Kompression kommt es zu einer Nervenirritation und zur Auslösung des Nervenschmerzes.

Was sind die möglichen Ursachen?

  • Das können arthrotische Veränderungen sein.
  • Das kann durch eine verstärkte Flüssigkeitseinlagerung bedingt sein, wie es typischerweise bei schwangeren Frauen auftritt. Und diese Symptomatik bildet sich dann natürlich glücklicherweise auch wieder nach der Schwangerschaft zurück.
  • Es sind aber auch Personen besonders gefährdet, ein Engpasssyndrom zu entwickeln, die berufsbedingt Handgelenke besonders stark strecken oder beugen müssen, Vibrationsreizen ausgesetzt sind. Das heißt: Das sind beispielsweise Handwerker, Maurer, aber auch Musiker, Masseure. All diese Tätigkeiten können dazu führen, dass es hier zu einer Entstellung dieser anatomischen Strukturen kommt.

Nervenschmerzen aufgrund von Nervenverletzung

Auch Verletzungen durch Unfälle oder Operationen können Nervenschmerzen auslösen.

Schmerzen an der Wirbelsäule

Veränderungen der Knochensubstanz der Wirbelsäule oder der Bandscheiben können zu Verengung der Austrittsstellen der Nerven des Rückenmarks führen. Dies kann zum Beispiel durch Verletzungen, Überbelastung, eine angeborene Fehlstellung oder durch Anlage bedingt sein oder mit zunehmendem Lebensalter auftreten. Diese Verengungen können Nerven einklemmen und Nervenschmerzen verursachen.

Nervenschmerzen durch Erkrankungen der Wirbelsäule

  • können in Beine oder Gesäß ausstrahlen
  • können ein Taubheitsgefühl in Beinen oder Gesäß verursachen
  • können sich kribbelnd, brennend, einschießend oder elektrisierend anfühlen.
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Was kann Mangelernährung bewirken und welche Vitamine fördern die Nervenfunktion?

Eine Mangelernährung führt leider in vielen Fällen zu einem Vitaminmangel, und viele Vitamine sind für das Aufrechterhalten der Nervenfunktion wichtig.

  • Hier sind vor allem die fettlöslichen Vitamine E und D zu nennen
  • und der gesamte wasserlösliche Vitamin-B-Komplex.

Was können Sie jetzt tun, dass es hier zu keinen Mangelerscheinungen, verbunden mit möglichen Nervenschmerzen, kommt? Auf Ihre Ernährung achten.

  • Wo findet sich beispielsweise Vitamin E? Im pflanzlichen Ölen und in frischem Obst und Gemüse.
  • Vitamin D wird, wie Sie sicherlich wissen, von unserem Körper selbst produziert. Dazu ist es aber notwendig, dass er eine gewisse Sonneneinstrahlung bekommt. D.h.: Problematisch sind die Wintermonate, wo es definitiv zu einem Vitamin-D-Mangel kommen kann. Und bei einem ausgeprägten Vitamin-D-Mangel ist es leider dann erforderlich, dass Sie medikamentös das Vitamin D ersetzt bekommen. Vitamin D in der Nahrung selbst findet sich nicht so zahlreich. Das sind fettreiche, tierische Produkte. Ansonsten können Sie Vitamin D sicherlich nicht ausreichend über die Nahrung zuführen.
  • Anders schaut es aus bei Vitamin B. Vitamin B ist ein gesamter Komplex. Die B-Vitamine finden sich vorwiegend in tierischen Produkten. Hier ist vor allem das Vitamin B12 zu nennen. Was bedeutet das für Sie? Wenn Sie sich entschlossen haben, sich vegan oder vegetarisch zu ernähren, kommt es natürlich durch das Fehlen dieser tierischen Produkte zum Auftreten von Vitamin-B-Mangel und vor allem hier von Vitamin B12. Das bedeutet für Sie, dass Sie regelmäßig Ihren Vitamin-B-Spiegel, vor allem den Vitamin-B12-Spiegel, kontrollieren lassen müssen und erfahrungsgemäß auch ersetzen müssen. Wie gesagt: Tierische Produkte, Eier, Innereien enthalten vorwiegend die Vitamin-B-Komplexe, aber auch zahlreiche Früchte. Hier sind vor allem Nüsse zu nennen.

Macht es Sinn vorsorglich Nahrungsergänzungsmittel einzunehmen?

Meine persönliche Meinung ist, dass Nahrungsergänzungsmittel nur dann eingenommen werden sollten, wenn definitiv ein Mangel an bestimmten Substanzen, Spurenelementen, Vitaminen nachgewiesen ist. Ansonsten macht es in meinen Augen keinen Sinn, Nahrungsergänzungsmittel zu kaufen und zu sich zu nehmen.

Wie hängen Alkoholkonsum und Nervenschmerzen zusammen?

Im Rahmen von Alkoholismus kommt es in sehr, sehr vielen Fällen zum Auftreten von Nervenschmerzen. Alkohol ist ein Nervengift und führt zu degenerativen, krankhaften Veränderungen der Nervenstrukturen und zum Auftreten von Nervenschmerzen.

Typisch ist wieder die beidseitige Symptomatik, vor allem im Bereich der Beine, der Füße. Auch die Arme können mitbetroffen sein.

Auch hier, wenn Sie sich erinnern können, habe ich Ähnlichkeiten zu der Symptomatik, die bei der Polyneuropathie bei Diabetes mellitus auftritt.

  • Typisch ist dieses Taubheitsgefühl, das zwar keinen Schmerz darstellt, aber eine sehr große Unsicherheit beim Gehen für die betroffenen Personen bedeutet.
  • Typisch sind brennende Schmerzen. Hier spricht man auch von sogenannten Burning Feet bei Alkoholpatienten.
  • Es kann aber auch hier wieder zu einschießenden, elektrisierenden Schmerzen kommen.

Inwiefern kann das Rauchen Nervenschmerz fördern?

Rauchen, Nikotin selbst führt zu keinen Nervenschmerzen. Das Rauchen führt aber dazu, dass es zu Erkrankungen des Gefäßsystems kommt, das heißt, es kommt zu Durchblutungsstörungen. Diese Durchblutungsstörungen führen dann zu Nervenschädigungen, weil der Nerv auch nicht mehr ausreichend durchblutet ist. Und es ist daher sehr, sehr oft der Fall, dass Menschen, die lange rauchen, aufgrund von diesen Durchblutungsstörungen Nervenschmerzen aufweisen.

Das sind natürlich Vorgänge, die nicht mehr reparabel sind. Das heißt: Diese Nervenschmerzen bleiben bestehen.

Wie beeinflusst der Lebensstil die Nervenfunktion?

Eine ausgewogene, vitaminreiche Ernährung kann Ihre Nervenfunktion fördern. Der Mangel bestimmter Vitamine (E, D, B12), starker Alkoholkonsum und Rauchen hingegen können Nervenschmerzen begünstigen.

Vitaminquellen im Alltag

  • Vitamin E kommt in pflanzlichen Fetten, Obst und Gemüse vor. Etwa 20 – 30 ml Sonnenblumenöl oder 600 Gramm Kürbis oder Spargel decken Ihren täglichen Vitamin E Bedarf.
  • Vitamin B12 ist hauptsächlich in tierischen Nahrungsmitteln enthalten. Etwa 30 ml Milch oder drei Käsescheiben entsprechen Ihrem täglichen Vitamin B12 Bedarf. Menschen, die sich vegan ernähren, sollten nach ärztlicher Rücksprache Vitamin B12 Präparate einnehmen, um einem Mangel durch pflanzliche Ernährung vorzubeugen.
  • Vitamin D kann Ihr Körper selbst produzieren. Dafür benötigt er Sonnenlicht. Um die körpereigene Vitamin D Produktion anzuregen, können Sie Gesicht, Hände und Arme zwei Mal wöchentlich fünf bis zehn Minuten direktem Sonnenlicht aussetzen. Im Winter kann es wegen des geringeren Sonnenlichts notwendig sein, Vitamin D Tabletten einzunehmen. Auch eine Portion Lachs, Makrele oder Hering kann Ihren täglichen Vitamin D Bedarf decken.

Regelmäßiger Alkoholkonsum

Alkoholkonsum kann Nerven direkt oder durch seine Abbauprodukte schädigen. Oft ist die Alkoholkrankheit zudem von Mangelernährung begleitet. Alkoholabhängigen Menschen fehlen deshalb wichtige Vitamine, was die Entwicklung von Nervenschmerzen begünstigt. Häufig entstehen brennende Schmerzen, die in den Beinen beginnen. Auch Berührungsempfindlichkeit und Beweglichkeit nehmen ab.

Um den Schaden gering zu halten, sollten Sie Ihren Alkoholkonsum auf ein Minimum reduzieren, indem Sie öfter auf alkoholfreie Alternativen, wie z.B. alkoholfreies Bier, zurückgreifen. Sollten Sie bereits an Nervenschmerzen leiden, trinken Sie am besten gar keinen Alkohol.

Schädliche Alkoholmengen

Grundsätzlich gibt es keinen risikofreien Alkoholkonsum. Als maximal empfohlene Alkoholmenge für gesunde Personen gilt:

  • Männer: 24 Gramm Alkohol/Tag, d.h.
    500 ml Bier oder 250 ml Wein
  • Frauen: 12 Gramm Alkohol/Tag, d.h.
    250 ml Bier oder 125 ml Wein

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  • Glossar Hier finden Sie begleitend zur Online-Kursreihe "Schmerzen erfolgreich bewältigen" alle wichtigen Begriffe gesammelt.

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Geprüft: Dr. Gabriele Grögl: Stand November 2020 | Quellen und Bildnachweis

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