2. Nervenschmerzen durch Grunderkrankungen

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Warum und wann entstehen Nervenschmerzen bei einer Tumorerkrankung?

Der Tumor geht primär nicht mit einem Nervenschmerz einher, sondern mit einem sogenannten nozizeptiven Schmerz. Das sind Schmerzen, die durch die Schädigung des Gewebes durch den Tumor zustande kommen. Erst wenn der Tumor wächst, durch dieses Wachstum Nervenfasern bzw. ganze Nervengeflechte eingeengt und komprimiert werden können, dann kommt es zu Veränderungen der Nervenfasern, zu einer erhöhten Erregbarkeit, und der Nerv produziert selbst wieder den Schmerz.

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Warum und wann kann eine Bestrahlung/Chemotherapie Nervenschmerzen auslösen?

Das kommt leider oftmals erschwerend bei Tumorpatienten dazu, dass es im Rahmen der Behandlung zum Auslösen von Nervenschmerzen kommt,

  • weil nämlich viele Chemotherapeutika nach wie vor die Nervenfasern schädigen können und dadurch Nervenschmerzen hervorrufen können.
  • Im Rahmen von Bestrahlungen kommt es zu Bindegewebsneubildungen, und dieses Bindegewebe kann auch die Nervenfasern einengen oder ganze Nervengeflechte komprimieren und dadurch wieder zu Schäden am Nerven führen, der dann den Schmerz auslösen kann.

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Auf welche ersten Anzeichen soll ich achten und was kann ich tun, wenn diese eintreten?

Diese Frage ist nicht ganz leicht zu beantworten, weil die Anzeichen sehr unterschiedlich sein können.

Typisch ist beispielsweise, wenn Nervenschmerzen nach einer chemotherapeutischen Behandlung auftreten,

  • dass es zu einer brennenden Symptomatik im Bereich der Handflächen und der Fußsohlen kommen kann.
  • Andererseits können auch blitzartig elektrisierende, stechend brennende Schmerzen auftreten. Auch das wäre eine typische Symptomatik für einen Nervenschmerz im Rahmen von Tumorerkrankungen bzw. vom Tumorbehandlungen.

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Inwiefern heilen Nerven nach einer Chemotherapie oder Bestrahlung?

Auch diese Frage ist leider nicht global zu beantworten. Es gibt beide Varianten:

  • Es gibt die Variante 1, die die positive ist, dass sich der Nervenschmerz nach einiger Zeit nach der Chemotherapie vollständig zurückbilden kann.
  • Die Variante 2 bedeutet leider, dass die Nervenschmerzen bestehen bleiben.

Meistens kommt es jedoch zu einer Linderung der Symptomatik.

Nervenschmerzen und Krebserkrankung

Neben Schmerzen durch den Tumor selbst kann es bei Krebserkrankungen auch zu Nervenschmerzen kommen. Wenn ein Tumor in ein Nervengeflecht einwächst oder Nervenbahnen einklemmt, werden diese geschädigt und Nervenschmerzen entstehen. Eine weitere häufige Ursache für Nervenschmerzen bei TumorpatientInnen sind Nebenwirkungen von Krebstherapien.

Erste Anzeichen von Nervenschmerzen während der Chemotherapie

Nervenschmerzen durch Chemotherapie verlaufen sehr unterschiedlich. Am häufigsten sind Nerven betroffen, die für Tastempfinden, Temperaturwahrnehmung und Schmerzweiterleitung zuständig sind. Um auf Nervenschmerzen während und nach Ihrer Chemotherapie aufmerksam zu werden, können Sie auf folgende Anzeichen achten:

  • Kribbeln und Brennen in Fingerspitzen und Zehen mit handschuh- bzw. strumpfförmiger Ausbreitung
  • Berührungs- und gesteigerte Schmerzempfindlichkeit

Sollten Sie diese Symptome bemerken, sprechen Sie mit Ihrer Onkologin/Ihrem Onkologen. Heilungen der Nervenschmerzen nach Abschluss der Chemotherapie sind möglich. Oft ist auch eine langfristige Therapie zur Linderung der Beschwerden erforderlich.

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Was ist eine diabetische Neuropathie?

Bei der diabetischen Neuropathie kommt es durch den erhöhten Blutzuckerspiegel zu Veränderungen im Bereich der Nervenfasern, die Schmerzen auslösen können. Typisch ist, dass es zu einer diabetischen Polyneuropathie kommt, das heißt: Es sind mehrere Nervenfasern betroffen.

Je höher der Blutzuckerspiegel ist und je länger diese krankhafte Erhöhung des Blutzuckerspiegels andauert, umso stärker ist die diabetische Polyneuropathie ausgeprägt.

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Welche typischen Schmerzzeichen bemerke ich bei einer diabetischen Neuropathie?

Die typischen Zeichen für eine diabetische Polyneuropathie sind

  • ein Taubheitsgefühl, das ja eigentlich keinen Schmerz darstellt, sondern nur sehr unangenehm ist, ein Taubheitsgefühl im Bereich der Füße. Das ist aber damit verbunden, dass die Patienten sehr unsicher sind, was ihr Gehen anbelangt, und dadurch natürlich in ihrem täglichen Alltag sehr eingeschränkt sein können.
  • Die Schmerzsymptomatik ist typisch dahingehend, dass es wieder zu brennenden Schmerzen im Bereich der Beine und im Bereich der Füße kommt.
  • Genauso können elektrisierende, blitzartig eintretende, stechende Schmerzen vorhanden sein.

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Wie kann ich Nervenschmerzen als Folge von Diabetes mellitus vorbeugen?

Da kann der einzelne Patient natürlich sehr viel tun. Wenn Sie unter Diabetes mellitus leiden, ist es ganz wichtig,

  • die Therapie, die Ihnen vorgegeben ist, strikt einzuhalten,
  • darauf zu achten, dass Sie richtig essen,
  • dass Sie die Medikamente richtig nehmen,
  • dass Sie selbst regelmäßig Ihren Blutzuckerspiegel kontrollieren,

sodass es zu einer guten Einstellung der Blutzuckersituation kommt.

Ganz wesentlich ist, dass der sogenannte Langzeitwert, der HB1-C-Wert im Normbereich liegt bzw. nur leicht erhöht ist.

Nervenschmerzen und Diabetes mellitus

Diabetes mellitus führt unbehandelt zu einem dauerhaft erhöhten Blutzuckerspiegel. Die dadurch ausgelösten Stoffwechselvorgänge schädigen die Nerven und bewirken Schmerzen.

In welchen Regionen können Nervenschmerzen bei Diabetes auftreten?

Die Nervenschädigung bei Diabetes mellitus kann die Nerven der inneren Organe und der Extremitäten betreffen. Man unterscheidet deshalb zwei Formen diabetischer Nervenschmerzen – die autonome und die periphere diabetische Neuropathie:

  • Bei der autonomen diabetischen Neuropathie erkranken Nerven, die innere Organe versorgen. Wenn das Herz-Kreislaufsystem betroffen ist, kann der Puls erhöht sein, sich bei Anstrengung nicht mehr gut anpassen und es können Herzrhythmusstörungen auftreten. Bedingt durch die Schädigung von Nervenfasern des Herzens kann es vorkommen, dass Schmerzen, die im Rahmen eines Herzinfarktes auftreten nicht oder abgeschwächt wahrgenommen werden und dadurch die Diagnostik verzögert wird. PatientInnen leiden unter Völlegefühl, Durchfall und Verstopfung bei Schädigung der Nerven des Verdauungstraktes.  Zu Entleerungsstörungen der Harnblase kommt es, wenn der Harntrakt betroffen ist.
  • Die periphere diabetische Polyneuropathie betrifft Nerven, die für die Wahrnehmungen von Berührungen, Hitze, Kälte sowie Schmerz zuständig sind. PatientInnen spüren in Füßen oder – deutlich weniger häufig – in Händen ein Kribbeln oder brennende Schmerzen. Diese treten seitengleich an Händen oder Füßen auf. Manchmal werden diese Empfindungen als „Burning Feet Syndrom“ bezeichnet.

Wenn Sie DiabetikerIn sind und diese Symptome bemerken, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt. So können ein Fortschreiten verhindert und Ihre Schmerzen behandelt werden.

Wussten Sie schon

Nervenschmerzen als Folge des Diabetes mellitus können durch einen gut eingestellten Blutzuckerspiegel vorgebeugt werden. Deshalb ist es wichtig, dass Sie auf Ihren Blutzuckerspiegel achten und regelmäßig Kontrolltermine bei Ihrer Ärztin/ Ihrem Arzt wahrnehmen.

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  • Glossar Hier finden Sie begleitend zur Online-Kursreihe "Schmerzen erfolgreich bewältigen" alle wichtigen Begriffe gesammelt.

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Geprüft: Dr. Gabriele Grögl: Stand November 2020 | Quellen und Bildnachweis

Die Kurse sind kein Ersatz für das persönliche Gespräch mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt, sondern ein Beitrag dazu, PatientInnen und Angehörige zu stärken und die Arzt-Patienten-Kommunikation zu erleichtern.

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