5. Untersuchungen und Diagnose

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Wann sollte ich mit Nervenschmerzen zur Ärztin/zum Arzt?

Wenn Sie den Eindruck haben, dass Sie einen Nervenschmerz haben, sollten Sie sofort Ihren Arzt aufsuchen. Das heißt, wenn Sie eine Symptomatik

  • wie Ameisenlaufen,
  • wie ein Taubheitsgefühl,
  • wie Brennen im Bereich der Handflächen, im Bereich der Füße haben
  • oder so plötzlich einschießende, blitzartige Schmerzen,

sollten Sie so rasch wie möglich einen Arzt aufsuchen.

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Welche Ärztin/welchen Arzt sollte ich aufsuchen, wenn ich Nervenschmerzen vermute?

Ihr primärer Ansprechpartner ist natürlich Ihr Hausarzt, Ihre Hausärztin, die Sie sehr gut kennen. Ihr Hausarzt, Ihre Hausärztin wird dann entscheiden, ob sie selber eine entsprechende Therapie durchführen können oder ob es notwendig ist, dass Sie zu einem spezialisierten Arzt weitergehen müssen, zu einem Facharzt.

  • Das kann sein ein Neurologe,
  • das kann ein Schmerzspezialist sein,
  • das kann ein Orthopäde sein,
  • das kann ein Neurochirurg sein.

Da werden Sie sich sehr wohl darauf verlassen können, wozu Ihnen Ihre Hausärztin oder Ihr Hausarzt raten.

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Wie kann mir eine Schmerztherapeutin/ein Schmerztherapeut helfen?

Diese Frage ist ganz, ganz wichtig, denn gerade die Nervenschmerzen werden nicht mit 08/15-Schmerzmedikamenten behandelt. Warum? Weil diese Medikamente nichts nützen.

Das heißt, die Medikamente, die Sie nehmen, wenn Ihnen der Rücken wehtut, die sogenannten nicht-steroidalen Antirheumatika, können Sie bei Nervenschmerzen vergessen. Die helfen Ihnen nicht.

Es sind ganz bestimmte Medikamente, die wir bei Nervenschmerzen einsetzen müssen, damit es zur Linderung Ihrer Symptomatik kommt. Und das muss man Ihnen auch erklären. Welche Medikamente verwenden wir?

  • Wir verwenden Medikamente, die wir in der Epilepsie einsetzen, sogenannte Anti-epileptische Medikamente.
  • Und wir verwenden Medikamente, die bei Depressionen eingesetzt werden, antidepressive Medikamente.

Mit diesen Medikamenten haben Sie die beste Chance, dass es zu einer Linderung Ihrer Nervenschmerzsymptomatik kommt.

Wenn Sie einen oberflächlichen Nervenschmerz haben, kann es auch durch die Verwendung bestimmter Pflaster zu einer Linderung Ihrer Schmerzsymptomatik kommen. Auch das können wir genau durch die Anamnese, das Gespräch mit Ihnen herausfinden, ob so eine Pflastertherapie Ihnen helfen kann.

Abgesehen von der medikamentösen Therapie gibt es zahlreiche nicht-medikamentöse Therapieformen, physikalische Therapie beispielsweise, die Ihnen zu einer Linderung Ihrer Nervenschmerzen helfen kann.

Vor dem Arztbesuch bei Nervenschmerzen

Ihre wichtigste Ansprechperson bei Verdacht auf Nervenschmerzen ist Ihre Hausärztin/Ihr Hausarzt. Diese/r wird Sie, wenn nötig, an eine Spezialistin oder einen Spezialisten überweisen.

Um Ihre Schmerzen zu behandeln, muss Ihre Ärztin/Ihr Arzt wissen, unter welchen Umständen Ihre Schmerzen auftreten und wie sehr diese Sie beeinträchtigen. Unterstützen Sie Diagnose und Behandlung, indem Sie sich auf den Arztbesuch vorbereiten.

Fragen, die mir meine Ärztin/mein Arzt stellen könnte

Das Anamnesegespräch ist die Grundlage für das weitere diagnostische Vorgehen. Deshalb ist es wichtig, dass Sie sich vor dem Arztbesuch Gedanken zu Ihren Schmerzen machen. Ihre Ärztin/Ihr Arzt kann Ihnen Fragen zu folgenden Themen stellen:

  • Ort/Lokalisation der Schmerzen
  • Art der Schmerzen (zum Beispiel kribbelnd oder elektrisierend)
  • Stärke der Schmerzen auf einer Skala von 0 (kein) bis 10 (stärkste vorstellbare Schmerz)
  • Zeitpunkt und tageszeitlicher Verlauf der Schmerzen
  • Einfluss- und Triggerfaktoren

Eine Auflistung möglicher Fragen, die Ihnen beim Anamnesegespräch gestellt werden können und Tipps, wie Sie Ihre Schmerzen bildlich beschreiben können, finden Sie im Leitfaden zur Vorbereitung auf das Arztgespräch zum Downloaden.

Weitere Maßnahmen

Darüber hinaus können Sie vor dem Arztbesuch weitere Vorbereitungen treffen, indem Sie:

  • Wichtige Unterlagen sammeln und mitnehmen (zum Beispiel aktuelle Blutbefunde, Ihre Medikamentenliste, Ihr Schmerztagebuch)
  • Fragen an Ihre Ärztin/Ihren Arzt notieren (zum Beispiel zu guten Schmerzlinderungsmethoden und allgemeinen Tipps)
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In welchen Schritten erfolgt die Diagnose?

  • Der erste Schritt ist das ganz, ganz wichtige Anamnesegespräche mit dem Patienten.
  • Der zweite, nicht minder wichtige Schritt ist die körperliche, genaue Untersuchung.
  • Aufgrund von Anamnesegespräch und körperlicher Untersuchung entscheiden wir uns dann, ob noch weitergehende Untersuchungen wie beispielsweise eine Untersuchung der Nervenleitgeschwindigkeit, eine Ultraschalluntersuchung, eine Biopsie notwendig sind.

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Wie läuft ein Anamnesegespräch ab?

Der erste und für mich einer der wichtigsten Punkte in der Diagnostik von Schmerzen und natürlich auch von Nervenschmerzen ist das Anamnesegespräch mit dem Patienten. Hier erfahre ich die Symptomatik:

  • Wie ist Nervenschmerz? Beispielsweise brennend, ein Ameisenlaufen, blitzartig elektrisierende Schmerzen.
  • Wo ist dieser Schmerz lokalisiert?
  • Wie ist der Schmerzverlauf?
  • Aus der Anamnese erfahre ich auch genau, ob Erkrankungen vorliegen, die mir schon einen Hinweis geben, dass ein Nervenschmerz vorhanden sein kann. Ob beispielsweise eine Zoster-Infektion vorgelegen hat, ob Diabetes mellitus vorliegt, ob Alkoholismus vorhanden ist, ob der Patient raucht. All das sind ganz, ganz wichtige Informationen. Oder ob eine erblich bedingte Erkrankung vorhanden ist. Das hilft mir unheimlich in der Diagnostik des Nervenschmerzes.

Genauso die Beschreibung

  • über den tageszeitlichen Verlauf,
  • über den Verlauf, ob die Schmerzen spontan auftreten
  • oder ob sie durch bestimmte Faktoren beeinflusst werden können.

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Wie wird die Ärztin/der Arzt mich körperlich untersuchen?

Die körperliche Untersuchung ist eine ganz, ganz wesentliche Untersuchung und muss genau erfolgen, das heißt:

  • Hier müssen zugänglich sein die Körperteile, die erkrankt sind. Meistens ist es erforderlich, dass die betroffenen Patienten sich bis zur Unterwäsche auskleiden.
  • Wir schauen uns zunächst einmal die Beweglichkeit des Patienten an.
  • Wir schauen uns an, ob es zu Berührungsstörungen kommt, in dem Sinne, dass Berührungen weniger stark vermindert wahrgenommen werden oder umgekehrt Berührungen verstärkt wahrgenommen werden.
  • Wir untersuchen genau die Reflexe und können da schon feststellen, ob eventuell Nervenstrukturen, die für die Motorik, also für die Muskelfunktion verantwortlich sind, hier geschädigt sind.

Der Untersuchungsablauf bei Nervenschmerzen

Das Anamnesegespräch und die körperliche Untersuchung bilden die Basis der Diagnose. Bei der Untersuchung werden Berührungs- und Schmerzempfindlichkeit, Beweglichkeit und Reflexe überprüft.

Die Sensibilitätsprüfung

Die Quantitativ Sensorische Testung (QST-Test) ist ein Untersuchungsverfahren, das die veränderte Wahrnehmung der Haut durch die Nervenerkrankung erfasst. Dabei ist Ihre Ärztin/Ihr Arzt auf Ihre Rückmeldung angewiesen. Sagen Sie ihr/ihm, was Sie spüren und scheuen Sie sich nicht mitzuteilen, wenn die Untersuchung unangenehm ist.

Wie die Schmerzempfindlichkeit bestimmt wird:

  • Bei leichter Berührung: Ihre Ärztin/Ihr Arzt streicht mit einem Wattebausch oder Pinsel über Ihre Haut. Sie teilen ihr/ihm / mit, ob Sie diese Berührungen spüren und wenn ja, ob diese schmerzhaft sind.
  • Bis zur Schmerzschwelle: Ihre Ärztin/Ihr Arzt setzt mit einer kleinen Nadel kurze Schmerzreize auf Ihre Haut. Ihre Haut wird dabei nicht verletzt. Sie teilen Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt mit, ob Sie die Schmerzreize wahrnehmen und wann die Schmerzen unangenehm werden.

Wie das Temperaturempfinden erfasst wird:

Eine Hitze- und Kälteeinheit wird auf Ihre Hand gesetzt und in der Temperatur variiert. Sie teilen Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt mit, wann Sie eine Veränderung wahrnehmen und wann die Hitze oder Kälte für Sie schmerzhaft wird.

Wie die Fähigkeit, Berührungen wahrzunehmen, untersucht wird:

Ihre Ärztin/Ihr Arzt berührt Ihre Haut mit einem sogenannten Monofilament. Das ist ein Nylonfaden von standardisierter Stärke. Sie teilen Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt mit, in welchen Bereichen der Haut sie die Berührung spüren.

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Wann wird eine Neurografie oder eine Elektromyografie gemacht und wie laufen diese Untersuchungen ab?

Beide Untersuchungen werden dann durchgeführt, wenn wir uns davon ein weiteres wichtiges Ergebnis für die Diagnostik des Nervenschmerzes erhoffen. Nur dann ist es sinnvoll, diese Untersuchungen durchzuführen.

  • Eine Elektroneurografie ist eine Untersuchung, bei der die Erregbarkeit des Nerven überprüft wird. Das heißt: Hier wird die Nervenleitgeschwindigkeit überprüft und kann einen Hinweis auf eine Nervenschädigung geben.
  • Bei der Elektromyografie wird die Funktionalität des Muskels untersucht. Auch hier kann ein Hinweis gegeben werden, ob die Nervenstruktur, die für die Innervation des betreffenden Muskels verantwortlich ist, geschädigt ist.

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Was passiert bei einem hochauflösenden Ultraschall und welche Aussagen kann meine Ärztin/mein Arzt anhand der Bilder treffen?

Eine hochauflösende Ultraschall-Untersuchung wird beispielsweise oft kombiniert mit einer Elektroneurografie. Hochauflösende Ultraschalluntersuchungen sind sehr, sehr gute Instrumente, um den Nerv in seinem Verlauf genau darstellen zu können und krankhafte Veränderungen auffinden zu können.

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Wann ist eine Nervenbiopsie notwendig und wie läuft diese ab?

Die Nervenbiopsie ist die Standarduntersuchung für das Feststellen einer Erkrankung von dünnen Nervenfasern. Sie ist die Standarddiagnostik für die sogenannte Small-Fiber-Neuropathie. Hierbei wird lediglich eine Hautstanze entnommen, und man stellt fest, ob es zu einer Verminderung der Nervenfaserdichte in diesem Areal gekommen ist.

Weiterführende Untersuchungen bei Nervenschmerzen

Um die Ursache Ihrer Schmerzen festzustellen, wird Ihre Ärztin/Ihr Arzt abhängig von ihrem/seinen Verdacht weitere Untersuchungen anordnen. Durch eine Neurografie und eine Elektromyografie kann die Leitfähigkeit Ihrer Nerven bestimmt werden. Unterstützend kann eine Ultraschalluntersuchung gemacht werden. Eine Nervenbiopsie ist nur selten notwendig.

Auf welche Ursachen können Ergebnisse meiner Blutuntersuchung hinweisen?

Eine Blutuntersuchung kann Hinweise auf eine Grunderkrankung geben, ist aber nicht ausreichend, um die Ursache für Nervenschmerzen zu diagnostizieren. Ihre Ärztin/Ihr Arzt achtet bei Ihrer Blutuntersuchung auf:

Entzündungsmarker wie CRP Hinweis auf eine akute Entzündung
Erhöhter Zuckerwert HbA1C Hinweis auf Diabetes mellitus
Erniedrigter Vitamin B12-Spiegel Hinweis auf Mangelernährung

Wie geht es nach der Diagnose weiter?

Nach der Diagnose wird Ihre Ärztin/Ihr Arzt mit Ihnen mögliche Behandlungsoptionen besprechen. Zur Therapie von Nervenschmerzen kommen bestimmte Schmerzmedikamente zum Einsatz. Auch physikalische Therapien, Ergotherapie, Bewegungsübungen und Entspannungsverfahren können hilfreich sein.

Für den Therapieerfolg ist es entscheidend, dass Sie Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt davon berichten, wie sich Ihre Schmerzen durch die Behandlung verändern. Scheuen Sie sich nicht, über Probleme oder Nebenwirkungen der Therapie zu sprechen. Ihre aktive Mithilfe bei der Therapie ist wichtig, um einen schmerzarmen Alltag und Ihre langfristige Schmerzminderung sicherzustellen.

Downloads

  • Schmerz-Tagebuch Ein Schmerz-Tagebuch hilft dabei, den Schmerz besser zu verstehen und zu charakterisieren. Es gibt einen genauen Überblick über Zeit, Dauer, Art und Stärke der Schmerzen, aber auch über begleitende Faktoren, die den Schmerz beeinflussen.

  • Vorbereitung auf das Arztgespräch Das Gespräch mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt bildet die Grundlage der Diagnose und Behandlung Ihrer Schmerzen. Hier finden Sie eine Liste an Fragen, die Sie sich vor dem Arztgespräch stellen können, um Ihre Beschwerden genau schildern zu können. Außerdem finden Sie hier eine Liste mit hilfreichen Formulierungen, wie Sie Ihre Schmerzen besser in Worte fassen.

  • Glossar Hier finden Sie begleitend zur Online-Kursreihe "Schmerzen erfolgreich bewältigen" alle wichtigen Begriffe gesammelt.

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Geprüft: Dr. Gabriele Grögl: Stand November 2020 | Quellen und Bildnachweis

Die Kurse sind kein Ersatz für das persönliche Gespräch mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt, sondern ein Beitrag dazu, PatientInnen und Angehörige zu stärken und die Arzt-Patienten-Kommunikation zu erleichtern.

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